Saison für Heuchler: die verlogene Sorge um das christlich-soziale Profil der ÖVP

Lesezeit: 3:00

Die Heuchelei hat wieder Hochkonjunktur, wenn sich etwa das linke "juste milieu" allergrößte Sorgen um das christlich-soziale Profil der ÖVP macht, wenn darob im "Standard" handverlesene Interviewpartner Krokodilstränen vergießen und ein "christliches Unbehagen mit der Politik von Kurz" konstatieren. Journalisten, Kabarettisten und andere Vertreter des zeitgeistigen Feuilletons, die sich der ÖVP oder dem Thema Kirche und Religion bevorzugt negativ, lächerlich-machend bis verspottend nähern, beklagen plötzlich lautstark, dass die ÖVP christlich-soziale Prinzipen aufgegeben hätte – ziemlich verlogen, aber leicht durchschaubar. Wenn schon die Oppositionsparteien bisher kein Kraut gegen die Regierung gefunden haben, dann müssen "kritische Bürger" her, die versuchen, einen Keil in die alte (schwarze) und neue (türkise) Partei zu treiben.

Das ist umso leichter möglich, als die christliche Soziallehre, die sich seit über 100 Jahren stetig weiterentwickelt hat, keinen verbindlichen "Katechismus" für politisches Verhalten hat, weshalb es heute ein breites Spektrum an Meinungen gibt. So betont etwa Martin Rhonheimer, Professor für Ethik und politische Philosophie an der päpstlichen Universität Santa Croce und Präsident des Austrian Institutes of Economics and Social Philosophy, die "wohlstandsschaffende Dynamik der Marktwirtschaft" und resümiert trocken: "Umverteilung schafft keinen Wohlstand."

Nur wirtschaftliches Handeln kann das Problem der Armut lösen, wie man ja in vielen Ländern – vor allem in Asien – beobachten kann. Rhonheimer verweist auch auf die ältere Tradition der katholischen Soziallehre, die "kompromisslos das Privateigentum verteidigte und damit die individuelle Freiheit gegen alle Formen des Sozialismus". Von diesen Positionen haben sich viele – durchaus zeitgeistig – mittlerweile wegbewegt, was Rhonheimer beklagt: "Es gibt eine Neigung der katholischen Soziallehre, schnell auf Distanz zur Marktwirtschaft zu gehen. Da herrscht die Vorstellung, verantwortlich für die Schaffung von Arbeit seien Regierungen und nicht der Markt." Ein Irrglaube, der sich hierzulande seit Bruno Kreisky hartnäckig hält; kein ideales Umfeld für eine Politik, die eine gesellschaftliche Neuorientierung vornehmen will.

Keine Frage, das christliche Österreich weist heute eine größere politische Bandbreite auf als etwa noch vor einer Generation. Dennoch sollten einige Fakten außer Streit stehen: Wenn wir uns vor Augen halten, dass ein unersättlicher Staat selbst mit steigenden Einnahmen seit Jahrzehnten nicht das Auslangen findet, dass Staatsverschuldung und Steuerquote nach wie vor (zu) hoch sind und wir gleichzeitig Umverteilungsweltmeister sind – siehe dazu die Umverteilungsstudie des WIFO  – scheint es dringend geboten, korrigierend einzugreifen, um einen funktionierenden Sozialstaat – der den Kritikern ja so am Herzen liegt – auch in Zukunft garantieren zu können. Denn:

  • Es ist weder christlich noch sozial, Menschen abhängig von Wohlfahrtsleistungen zu halten oder sie durch eine hohe Abgabenlast zu hindern, selbst Vorsorge zu treffen, etwa auch durch Schaffung von Wohnungseigentum.
  • Es ist weder christlich noch sozial, immer mehr Schulden anzuhäufen und damit künftige Generationen zu belasten.
  • Es ist weder christlich noch sozial, das Anforderungsniveau in den Schulen immer weiter abzusenken, um eine vermeintliche "Gleichheit" herzustellen.
  • Es ist weder christlich noch sozial, eines der teuersten Gesundheitssysteme zu erhalten, in dem – so ein OECD-Bericht – jedes Jahr 20 Prozent der jährlichen Ausgaben von 35 Milliarden Euro, also sieben Milliarden, verschwendet werden (Wie viele echte soziale Nöte könnte man damit lindern!).
  • Es ist weder christlich noch sozial, die Menschen – trotz gestiegener Lebenserwartung – nach wie vor früher als in anderen Ländern in Pension gehen zu lassen und die Kosten für diesen Unfug in die Zukunft zu vertagen.

Dr. Herbert Kaspar ist Publizist und Kommunikationsexperte und hatte lange wichtige Funktionen im Österreichischen Cartellverband inne.

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die besten Kommentare

  1. Ausgezeichneter KommentatorBürgermeister
    11x Ausgezeichneter Kommentar
    08. Februar 2019 10:48

    Die schwarze ÖVP hat mit Christentum sowieso nie etwas zu tun gehabt, man war immer sozialistisch gesinnt.

    Frei nach dem abgewandelten Motto: Wenn du mit staatlicher Hilfe das Geld der Bürger aus der einen Tasche ziehen kannst, dann schaue zur Sicherheit auch noch in die andere Tasche nach.

    Eine Schicht um Konrad, Karas usw. sieht sich selbst vermutlich mit voller Ernsthaftigkeit als "Wirtschaftstreibende", tatsächlich geht es nur um das Absahnen von Fördergeldern und um das Ausmauscheln von staatlichen Aufträgen.

    Das wird sich in den nächsten Jahren alles dramatisch ändern, da wird das heutige Motto: "Wenn einer deinen Nachbarn absticht, dann schick ihn mit EMGR-Hilfe auch noch zum nächsten weiter" ausgetauscht werden gegen "Wenn Legionen von bemesserten Friedensreligiösen vor deinem Haus stehen, dann ist es gut wenn du auch dazugehörst".

  2. Ausgezeichneter KommentatorM.S.
    9x Ausgezeichneter Kommentar
    08. Februar 2019 11:43

    Wohin sich die ÖVP besonders nach dem Abgang von Schüssel hin bewegt hat ist erschütternd. Ich erinnere nur an den Spruch einer schwarzen, christlichen Innenministerin: "Her mit dem Zaster".

  3. Ausgezeichneter KommentatorRomana
    8x Ausgezeichneter Kommentar
    08. Februar 2019 17:38

    Voll dàccord! Endlich klärt jemand die linken Gutmenschen auf, dass ihre Forderungen weder christlich noch sozial sind sondern in den Ruin führen.

  4. Ausgezeichneter Kommentatorpressburger
    6x Ausgezeichneter Kommentar
    09. Februar 2019 19:56

    Wieso Heuchler ? Die ÖVP hat ihr christlich-soziales Profil als Überzieher an der Garderobe abgelegt, das Zettel weggeschmissen. Die ÖVP, ist ein Wegbereiter der Linken. Die ÖVP, hat das Bürgertum verraten, an die Sozialisten ausgeliefert.

  5. Ausgezeichneter KommentatorDissident
    3x Ausgezeichneter Kommentar
    10. Februar 2019 17:28

    Ich hatte lange Zeit große Vorbehalte bezüglich der Monarchie, doch scheint diese das kleinere Übel zu sein. In der Monarchie war es nicht möglich, daß sich so viele Dummköpfe in alles und jedes einmischen konnten. Wie sagte schon Albert Einstein: Die Majorität der Dummen ist unüberwindbar und für alle Zeit gesichert.
    Seit die Ochsen wählen dürfen, haben sie meistens Demagogen, Heuchler, Zivilversager, Kriegstreiber , Verbrecher und so weiter und so fort bevorzugt. Das Experiment Demokratie kann man als gescheitert betrachten.
    Siehe auch: Prof. Hans Hermann Hoppe DEMOKRATIE ein Gott der keiner ist.

  6. Ausgezeichneter KommentatorPfanzagl
    3x Ausgezeichneter Kommentar
    10. Februar 2019 18:58

    Bravo Herr Kaspar! Stimmt alles. Dazu kommt noch, dass zB. die katholische Kirche mit ihren Organisationen, katholische Frauen, katholische Arbeiterbewegung, Pastoralamt der Diözese Linz und sogar katholischer Jungschar (welch ein Mißbrauch der Jugend!) zur Teilnahme an der Donnerstagsdemonstration gegen die Regierung aufruft. Das bei einem Bundeskanzler, welcher bekennender Katholik ist und bei einer Regierung, die bemüht ist, für Senkung der Staatsverschuldung, vernünftige Sozialpolitik, vernünftige Zukunft der Gesellschaft zu sorgen. Auf mein Schreiben vor mehreren Wochen mir ihr Verhalten zu erklären, habe ich bis heute noch keine Antwort der Diözesanleitung erhalten!

  7. Ausgezeichneter Kommentatorunbedeutend
    2x Ausgezeichneter Kommentar
    10. Februar 2019 11:31

    "Christlich-sozial" ist ohnehin zu hochgestochen. Sorgen wir uns zuerst einmal um das grundsätzlich Menschliche.
    Nach wie vor werden täglich ungeborene Kinder getötet, ohne dass jemand von denen, die die Möglichkeit hätten, irgend etwas dagegen tun.
    Herr Mitterlehner hat sein "christlich-soziales" Profil durch die Unterzeichnung des "Frauenvolksbegehrens" mit der Forderung nach Abtreibung auf Krankenschein geschärft.
    Weder Alt-Schwarze, noch Neu-Türkise, und auch nicht die Blauen wollen das Kindertöten stoppen. Eine Schande!

die besten Kommentare

  1. Ausgezeichneter KommentatorDissident
    3x Ausgezeichneter Kommentar
    10. Februar 2019 17:28

    Ich hatte lange Zeit große Vorbehalte bezüglich der Monarchie, doch scheint diese das kleinere Übel zu sein. In der Monarchie war es nicht möglich, daß sich so viele Dummköpfe in alles und jedes einmischen konnten. Wie sagte schon Albert Einstein: Die Majorität der Dummen ist unüberwindbar und für alle Zeit gesichert.
    Seit die Ochsen wählen dürfen, haben sie meistens Demagogen, Heuchler, Zivilversager, Kriegstreiber , Verbrecher und so weiter und so fort bevorzugt. Das Experiment Demokratie kann man als gescheitert betrachten.
    Siehe auch: Prof. Hans Hermann Hoppe DEMOKRATIE ein Gott der keiner ist.

  2. Ausgezeichneter Kommentatorunbedeutend
    2x Ausgezeichneter Kommentar
    10. Februar 2019 11:31

    "Christlich-sozial" ist ohnehin zu hochgestochen. Sorgen wir uns zuerst einmal um das grundsätzlich Menschliche.
    Nach wie vor werden täglich ungeborene Kinder getötet, ohne dass jemand von denen, die die Möglichkeit hätten, irgend etwas dagegen tun.
    Herr Mitterlehner hat sein "christlich-soziales" Profil durch die Unterzeichnung des "Frauenvolksbegehrens" mit der Forderung nach Abtreibung auf Krankenschein geschärft.
    Weder Alt-Schwarze, noch Neu-Türkise, und auch nicht die Blauen wollen das Kindertöten stoppen. Eine Schande!

alle Kommentare

  1. Zundl (kein Partner)
    23. Februar 2019 00:56

    Es ist ja keineswegs so, dass die ÖVP in Wahlkampfzeiten nicht auch mit ihrem "christlichen Menschenbild" hausieren gehen würde. Als Stimmenlieferanten sind die blöden Restchristen noch gut genug, dafür hat man auch eine passende Kandidatin (G.Kugler).

    Was das christliche Gelabere in der Praxis wert ist, hat sich beim Thema Schwulenehe gezeigt.

  2. Vitus Glaser (kein Partner)
    21. Februar 2019 08:39

    Die ÖVP´ler waren immer schon christlich und sozial. Vor allem zu sich selber. Und sonst halt Taufscheinchristen und noch zu ein paar Freunderln.

    Also alles wie gehabt. Selbst eine Nazihure hat die ÖVP wieder. Auch schon dagewesen.

  3. Christian Peter (kein Partner)
    17. Februar 2019 11:57

    ,Versuchen, einen Keil in die alte (schwarze) und neue (türkise) Partei zu treiben.'

    Das Einzige, was an der ÖVP ,neu' ist, ist die Frisur des Obmanns - einen Kanzler mit Schmalzlocken hatte es bisher noch nicht gegeben.

  4. Pfanzagl
    10. Februar 2019 18:58

    Bravo Herr Kaspar! Stimmt alles. Dazu kommt noch, dass zB. die katholische Kirche mit ihren Organisationen, katholische Frauen, katholische Arbeiterbewegung, Pastoralamt der Diözese Linz und sogar katholischer Jungschar (welch ein Mißbrauch der Jugend!) zur Teilnahme an der Donnerstagsdemonstration gegen die Regierung aufruft. Das bei einem Bundeskanzler, welcher bekennender Katholik ist und bei einer Regierung, die bemüht ist, für Senkung der Staatsverschuldung, vernünftige Sozialpolitik, vernünftige Zukunft der Gesellschaft zu sorgen. Auf mein Schreiben vor mehreren Wochen mir ihr Verhalten zu erklären, habe ich bis heute noch keine Antwort der Diözesanleitung erhalten!

  5. Dissident (kein Partner)
    10. Februar 2019 17:28

    Ich hatte lange Zeit große Vorbehalte bezüglich der Monarchie, doch scheint diese das kleinere Übel zu sein. In der Monarchie war es nicht möglich, daß sich so viele Dummköpfe in alles und jedes einmischen konnten. Wie sagte schon Albert Einstein: Die Majorität der Dummen ist unüberwindbar und für alle Zeit gesichert.
    Seit die Ochsen wählen dürfen, haben sie meistens Demagogen, Heuchler, Zivilversager, Kriegstreiber , Verbrecher und so weiter und so fort bevorzugt. Das Experiment Demokratie kann man als gescheitert betrachten.
    Siehe auch: Prof. Hans Hermann Hoppe DEMOKRATIE ein Gott der keiner ist.

  6. unbedeutend (kein Partner)
    10. Februar 2019 11:31

    "Christlich-sozial" ist ohnehin zu hochgestochen. Sorgen wir uns zuerst einmal um das grundsätzlich Menschliche.
    Nach wie vor werden täglich ungeborene Kinder getötet, ohne dass jemand von denen, die die Möglichkeit hätten, irgend etwas dagegen tun.
    Herr Mitterlehner hat sein "christlich-soziales" Profil durch die Unterzeichnung des "Frauenvolksbegehrens" mit der Forderung nach Abtreibung auf Krankenschein geschärft.
    Weder Alt-Schwarze, noch Neu-Türkise, und auch nicht die Blauen wollen das Kindertöten stoppen. Eine Schande!

  7. pressburger
    09. Februar 2019 19:56

    Wieso Heuchler ? Die ÖVP hat ihr christlich-soziales Profil als Überzieher an der Garderobe abgelegt, das Zettel weggeschmissen. Die ÖVP, ist ein Wegbereiter der Linken. Die ÖVP, hat das Bürgertum verraten, an die Sozialisten ausgeliefert.

  8. Romana
    08. Februar 2019 17:38

    Voll dàccord! Endlich klärt jemand die linken Gutmenschen auf, dass ihre Forderungen weder christlich noch sozial sind sondern in den Ruin führen.

  9. M.S.
    08. Februar 2019 11:43

    Wohin sich die ÖVP besonders nach dem Abgang von Schüssel hin bewegt hat ist erschütternd. Ich erinnere nur an den Spruch einer schwarzen, christlichen Innenministerin: "Her mit dem Zaster".

  10. Bürgermeister
    08. Februar 2019 10:48

    Die schwarze ÖVP hat mit Christentum sowieso nie etwas zu tun gehabt, man war immer sozialistisch gesinnt.

    Frei nach dem abgewandelten Motto: Wenn du mit staatlicher Hilfe das Geld der Bürger aus der einen Tasche ziehen kannst, dann schaue zur Sicherheit auch noch in die andere Tasche nach.

    Eine Schicht um Konrad, Karas usw. sieht sich selbst vermutlich mit voller Ernsthaftigkeit als "Wirtschaftstreibende", tatsächlich geht es nur um das Absahnen von Fördergeldern und um das Ausmauscheln von staatlichen Aufträgen.

    Das wird sich in den nächsten Jahren alles dramatisch ändern, da wird das heutige Motto: "Wenn einer deinen Nachbarn absticht, dann schick ihn mit EMGR-Hilfe auch noch zum nächsten weiter" ausgetauscht werden gegen "Wenn Legionen von bemesserten Friedensreligiösen vor deinem Haus stehen, dann ist es gut wenn du auch dazugehörst".





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