Ehe/Partnerschaften für alle: Auf dem Weg zu größerer ökonomischer Ungleichheit drucken

Lesezeit: 6:30

Was soll denn das für eine Überschrift sein, werden sich jetzt manche Leser fragen und dies zu Recht! Aber lassen Sie es mich erklären und mit der Frage nach der Ungleichheit beginnen.

Dass ein bestimmtes Maß an wirtschaftlicher Ungleichheit in freiheitlichen Gesellschaften zu Problemen führt, werden die meisten wohl unterschreiben. Anders sieht es schon aus, wenn man das Maß an Ungleichheit – also den entsprechenden Gini-Faktor – zu bestimmen versucht, ab dem es (so richtig) problematisch wird.

Auf der Suche nach Gründen von auf Ungleichheiten basierenden sozialen Spannungen hat sich der "Economist" in seiner aktuellen Ausgabe nicht – wie man vielleicht hätte vermuten können – mit Umverteilungsfragen befasst, sondern die Zeitschrift hat die unterschiedlichen Chancen, die Kinder vorfinden, als eine Hauptursache der zunehmend stärker werdenden Spannungen identifiziert. Doch als Hauptursache schlechthin, als Ressource dafür, dass Kinder möglichst gute Chancen in ihrem Leben vorfinden und dass sie es – nicht nur, aber auch – ökonomisch "schaffen", sieht der "Economist": die Familie! Überraschung pur!

Man muss es schon zweimal lesen, aber so steht es schwarz auf weiß:

"The family is still the best place for a child to get the love and security it needs to grow into a well-balanced adult. Child-development experts agree that almost any family, however imperfect, is better than none at all. It does not even have to last for ever, only long enough to provide a safe and warm space for those crucial early years.”

Liest man weiter, erfährt man, dass auf zerbrochenen Familien oft enormer wirtschaftlicher Druck lastet und dass es Alleinerzieher – in den allermeisten Fällen handelt es sich dabei um Frauen – da besonders schwer haben. In stabilen Familien aufzuwachsen, die über genügend Ressourcen verfügen, ist für Kinder hingegen eine tolle Start-Chance, die jedoch dann rasch vertan wird, wenn diese zu Bruch gehen. Der "Economist" formuliert diesen Chancen-Einbruch unmissverständlich:

"Families have also become far more fluid. Rates of marriage have declined steeply, and divorce has become widespread. Many couples in America and Europe now cohabit rather than marry, and a large and growing proportion of children are born out of wedlock. Far more of them, too, are being brought up by lone parents, overwhelmingly mothers, or end up in patchwork families created by new sets of relationships. Again, this happens far more often at the bottom of the social scale than at the top.

Eltern haben – fast könnte man sagen: global betrachtet – erkannt, wie entscheidend Bildung für die Zukunft ihrer Kinder ist und reagieren dementsprechend darauf, wenn es ihre Mittel und ihre Lebensumstände zulassen. Wie sie reagieren? Lassen wir auch dazu erneut den "Economist" zu Wort kommen:

"Prosperous parents these days, especially in America, invest an unprecedented amount of time and money in their children to ensure that they will do at least as well as the parents themselves have done, and preferably better. Those endless rounds of extra tutoring, music lessons, sports sessions and educational visits, together with lively discussions at home about every subject under the sun, have proved highly effective at securing the good grades and social graces that will open the doors to top universities and well-paid jobs.

Doch was ist mit denen, die da unverschuldet oder verschuldet nicht mitkönnen? Sie werden auch in den USA, trotz des so vielfach beschworenen "American dream", zunehmend abgehängt.

"Working-class parents in America, for their part, lack the wherewithal to engage in such intensive parenting. As a result, social divisions from one generation to the next are set to widen. Not so long ago the "American dream” held out the prospect that everyone however humble their background, could succeed if they tried hard enough. But a recent report by the World Bank showed that intergenerational social mobility (the chance that the next generation will end up in a different social class from the previous one) in the land of dreams is now among the lowest in all rich countries.

Natürlich ist da jeweils der Staat gefragt, gerade für diese Kinder Programme anzubieten, die ihnen schon ab einem frühen Alter, eine ausreichende Entwicklungsperspektive ermöglichen. In diesem "Special Report: Childhood" des "Economist" vom 5. Jänner 2019 werden dazu eine ganze Reihe guter – aber wohl auch weniger guter – Beispiele angeführt.

Doch was soll das bitteschön mit Ehe/Partnerschaften für alle zu tun haben? Liest man diese Artikel, so bekommt man den gleichen Eindruck, wie aus Botschaften so vieler anderer Publikationen: Familien sind fluide geworden, sie haben also weit weniger Bestand als früher, denn Scheidungszahlen gehen nach oben, Menschen heiraten vielfach gar nicht mehr, ein unglaublich großer Prozentsatz der Kinder wird unehelich geboren und sehr viele wachsen nur mit einem Elternteil auf, in den USA sind dies bereits 25 Prozent der Kinder! Unter Afro-Amerikanern ist die Situation besonders triste, was zu einer Vertiefung der sozialen Spannungen führt.

Das sind alles Fakten. Aber ist diese Entwicklung denn auch wirklich generell so schicksalhaft und unveränderlich, wie das suggeriert wird?

All diese Entwicklungen beschleunigen sich, wenn die bestehenden Möglichkeiten dies zulassen. Nicht mehr in einer katastrophalen Ehe eingesperrt will man nachvollziehbarer Weise sein, Optionen möchte man haben, um im Falle des Falles reagieren zu können, einen Plan B also, wenn der Plan A nicht funktioniert. Was aber sollte denn schon gegen einen Plan B sprechen?

Jihae Shin, Assistant Professor für Management und Human Ressources an der Wisconsin School of Business, hat ihre Studien unter dem Titel zusammengefasst: "Having a ‚Plan B‘ Can Hurt Your Chances of Success". Ihre Versuche zeigen: Menschen lieben es, einen Plan B zu haben, denn das scheint ihnen mehr Sicherheit zu bieten. "Die Leute denken: ‚Es wird schon alles gut gehen, weil ich ja immer noch X oder Y machen kann, wenn ich scheitere‘. Die Situation kommt ihnen dann weniger unsicher vor." Doch der Haken an der Geschichte ist der folgende: "Wenn Sie sich auf ein Scheitern vorbereiten, scheitern Sie eher."

Wer also einen Plan B, C oder D für den Fall hat, dass eine Beziehung scheitern sollte, erhöht die Chance des Scheiterns oft schon alleine dadurch. Und Hand aufs Herz: Ehen zerbrechen nicht einfach so, quasi ohne unser Zutun, wie dies beliebte Formulierungen nahelegen, wenn davon gesprochen wird, dass die Ehe leider nicht gehalten hat, dass sie zerbrochen sei. War halt nicht stark genug der Kitt, der diese Menschen zusammengehalten hat, Schicksal.

Aber wäre es nicht ebenso notwendig zu betonen, dass Menschen in einer Beziehung eine Verantwortung für den Bau dieses gemeinsamen Hauses übernehmen und wenn sie dies nicht wahrnehmen, diese Beziehung eben scheitern wird? Oder dass sie ein solches gemeinsames Haus in Wut oder Enttäuschung dann oft selbst ganz bewusst einreißen? Gegen die Kräfte, die dann freiwerden, kann nichts "halten".

Es scheitert in solchen Fällen jedoch nicht die Institution der Ehe, sondern es scheitern ganz konkrete Menschen mit ihrem Lebensentwurf. Ja, man kann es auf die Institution schieben, aber das würde bedeuten, selbst die Verantwortung nicht zu übernehmen, die man dabei wohl oder übel auch selbst hat. Wer sich in dieses Thema weiter vertiefen möchte, dem sei die Episode des untreuen Ehemannes – und was sich daraus dann so alles entwickelt – aus dem zehnten Kapitel des Buches "12 Rules For Life" von Jordan Peterson sehr ans Herz gelegt.

Die scheinbar salomonische Lösung, nun in Österreich die Ehe, aber auch die rechtlich weit losere Partnerschaft für alle zu öffnen, hat dazu geführt, dass potenziell für viele Männer und Frauen, die bisher eine Ehe eingegangen wären, die Partnerschaft nun als der billigere Weg attraktiv wird. Ein Weg, der viel einfacher wieder für einen Plan B aufgegeben werden kann. Auf diesem Weg wird ein Scheitern von Familien erneut beschleunigt, mit all den auch ökonomischen negativen Konsequenzen für die Einzelnen, aber auch für die Gesellschaft. Das kann man schon wollen, aber den Preis, der langfristig dafür fällig wird, sollten wir nicht unterschätzen.

Dass wir auf diesem Wege weit mehr neue heterosexuelle Partnerschaften sehen werden als homosexuelle Ehen, erachte ich übrigens als unumgänglich. Wetten!

Mag. Johannes Leitner ist verheiratet und Vater von sechs Kindern. Er ist Leiter eines genossenschaftlichen Revisionsverbandes und war langjähriger Leiter einer christlichen Laiengemeinschaft im Raum Wien. Er ist Mitautor des im Jahr 2012 erschienenen Buches "Sexueller Missbrauch in Organisationen: Erkennen-Verstehen-Handeln".

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  1. Ausgezeichneter Kommentatorpressburger
    10x Ausgezeichneter Kommentar
    11. Januar 2019 09:31

    Ehe für alle ? Wirklich für alle ? Diese Justiz ist dabei, tatsächlich eine Ehe für alle einzuführen. Auch eine Ehe für Pädophile, für Kinderschänder. Warum unterstützt diese perverse Gesellschaft Menschen die mit ihren Sexualtrieb nicht umgehen können ?
    Das primitive, triebhafte Ich, setzt sich gegen alle zivilisatorischen Errungenschaften durch. Mit der Unterstützung der Legislative und der Justiz.
    Die Ehe ist ein Nukleus, aus der eine Familie werden soll. Ein Paar, dass sich entscheidet Kinder zu bekommen, die Kinder aufzuziehen und sich um die Kinder zu kümmern. Familie bedeutet Verantwortung für die Kinder zu übernehmen. Einer der wichtigsten Schritte in der Entwicklung des Individuums, Übernahme der Verantwortung.
    Diesen Entwicklungsschritt können Homosexuelle, als Paar nicht vollziehen. Deswegen ist die Bezeichnung Ehe für Homosexuelle widersinnig und irreführend.
    In dieser liberalen Gesellschaft können Homosexuelle als Paar leben, aber wozu brauchen sie dazu den Segen des Staates ? Diskriminierung ist in diesen Zusammenhang kein Argument.
    Ehe für alle ? Was wird der nächste Schritt sein ? Polygamie ? Oder soll sich die Ehe nur auf Partnerschaft zwischen zwei Menschen beschränken ? Warum eigentlich ?

  2. Ausgezeichneter Kommentatorunbedeutend
    3x Ausgezeichneter Kommentar
    13. Januar 2019 09:10

    Und der Justizminister dieser "konservativen" Regierung ist glücklich darüber, dass Homosexuelle nun heiraten dürfen.
    Auf die Idee, endlich einmal den ungeborenen Menschen in diesem Land das Lebensrecht zu sichern, was seine Aufgabe wäre, ist er nicht gekommen.

die besten Kommentare

  1. Ausgezeichneter Kommentatorunbedeutend
    3x Ausgezeichneter Kommentar
    13. Januar 2019 09:10

    Und der Justizminister dieser "konservativen" Regierung ist glücklich darüber, dass Homosexuelle nun heiraten dürfen.
    Auf die Idee, endlich einmal den ungeborenen Menschen in diesem Land das Lebensrecht zu sichern, was seine Aufgabe wäre, ist er nicht gekommen.

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  1. fewe (kein Partner)
    14. Januar 2019 09:37

    Grundsätzlich einmal finde ich, dass ich für eine Partnerschaft - egal in welcher Form - keinerlei Hilfe von außen brauche. Einen Vertrag schließe ich, um irgendwas rechtlihc abzusichern, wenn dies sinnvoll oder nötig werden könnte. Also z.B. wegen Erbrecht.

    Es klingt plausibel, dass eine Partnerschaft eher aufgelöst wird, wenn man bereits von vornherein die Trennung einkalkuliert.

    Vor allem dann, wenn auch Kinder da sind, muss man die Trennung einkalkulieren. Und jene, die dann passiert, wenn einer der Partner stirbt oder sonstwie ausfällt.

    Partnerschaft resp. Ehe bedeutet, in jedem Fall zusammenzuhalten. Wenn dafür ein Kit nötig ist, kann man es gleich bleiben lassen.

  2. Vasektomie007 (kein Partner)
    13. Januar 2019 10:38

    @pressburger: laut neuester Definition ist Familie doch dort wo EINE Frau oder ein Homosexueller ist. Kind oder Partner/in ist nur eine nette Begleitung.

  3. MGTOW (kein Partner)
    13. Januar 2019 10:35

    Ist doch egal. Ehe ist längst tot... bis zu 60% Scheidungsraten, in 85% Scheidungen von Frauen eingereicht. Alleinverziehend ist kein Schicksal, sondern eine freue Entscheidung der Frauen und ein modernes Lebensstil. Echte (denkende) Männer gehen in diesen Zeiten eigenen Weg.

    • fewe (kein Partner)
      14. Januar 2019 09:47

      Alleinerziehend zu sein ist nur dann ein Schicksal, wenn der Partner stirbt. Vor allem ist es ein Privatproblem.

      Das mit den mutwilligen Scheidungen durch Frauen würde sich ändern, wenn wie in Deutschland die Versorgung durch den Mann nach 3 Jahren enden würde. Dort hat der Gesetzgeber schon erkannt, dass das ein beliebtes Versorgungsmodell für Frauen ist.

  4. unbedeutend (kein Partner)
    13. Januar 2019 09:10

    Und der Justizminister dieser "konservativen" Regierung ist glücklich darüber, dass Homosexuelle nun heiraten dürfen.
    Auf die Idee, endlich einmal den ungeborenen Menschen in diesem Land das Lebensrecht zu sichern, was seine Aufgabe wäre, ist er nicht gekommen.

  5. pressburger
    11. Januar 2019 09:31

    Ehe für alle ? Wirklich für alle ? Diese Justiz ist dabei, tatsächlich eine Ehe für alle einzuführen. Auch eine Ehe für Pädophile, für Kinderschänder. Warum unterstützt diese perverse Gesellschaft Menschen die mit ihren Sexualtrieb nicht umgehen können ?
    Das primitive, triebhafte Ich, setzt sich gegen alle zivilisatorischen Errungenschaften durch. Mit der Unterstützung der Legislative und der Justiz.
    Die Ehe ist ein Nukleus, aus der eine Familie werden soll. Ein Paar, dass sich entscheidet Kinder zu bekommen, die Kinder aufzuziehen und sich um die Kinder zu kümmern. Familie bedeutet Verantwortung für die Kinder zu übernehmen. Einer der wichtigsten Schritte in der Entwicklung des Individuums, Übernahme der Verantwortung.
    Diesen Entwicklungsschritt können Homosexuelle, als Paar nicht vollziehen. Deswegen ist die Bezeichnung Ehe für Homosexuelle widersinnig und irreführend.
    In dieser liberalen Gesellschaft können Homosexuelle als Paar leben, aber wozu brauchen sie dazu den Segen des Staates ? Diskriminierung ist in diesen Zusammenhang kein Argument.
    Ehe für alle ? Was wird der nächste Schritt sein ? Polygamie ? Oder soll sich die Ehe nur auf Partnerschaft zwischen zwei Menschen beschränken ? Warum eigentlich ?

    • Riese35
      11. Januar 2019 12:39

      *********************************!
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      Genau das ist der Punkt!

      Ehe - im richtigen und nicht im heute pervertierten Sinn - ist auf Leben gerichtet, auf die Zukunft, auf das Du, auf die Weitergabe, auf den Blick nach vorne, auf das Geben: auf die nächste Generation und die Verantwortung dafür.

      Institutionalisierte Unzucht - heute auch "Ehe" genannt - ist auf den Tod gerichtet, auf den Genuß heute, auf das "Ich" in der Generationenfrage, auf das Aussterben, auf den Blick auf sich selbst, auf das Nehmen.

      Hier wird Ungleiches gleich behandelt. Was wir heute haben, ist die Perversion der Ehe.

    • pressburger
      11. Januar 2019 15:33

      @Riese35
      Die weitere Perversion in der "Familienpolitik", ist die fehlende Wertschätzung der Familien mit Kindern. Die Zukunft des Staates, sind Familien mit Kindern. Diese Tatsache ignorieren Politiker. Sonst würden sie nicht ein Schwulenpaar mit einer Familie gleichstellen. Aber Politiker versuchen, bei jeder pressure group paar Stimmen mehr zu holen.
      Zusammenfassend, wie viel Platz hat in den Medien die Diskussion wegen der vermeintlichen Diskriminierung der Schwulen, und eine Diskussion über die Förderung von Familien mit Kindern. Verhältnis 10:1, zu Ungunsten der Kinder.

    • glockenblumen
      11. Januar 2019 20:37

      @ beide

      für jedes Wort
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