Inflation – der lautlose Wohlstandskiller drucken

Lesezeit: 3:30

 

Nach dem obligaten Säbelgerassel der Gewerkschaft haben die Arbeitgeber der Metallbranche eingelenkt und am Ende einer deutlich über die Inflationsrate liegenden Lohnsteigerung zugestimmt. Zum Zeitpunkt, da dieser Text entsteht, ist noch unklar, zu welchem Ergebnis die Verhandlungen um die Eisenbahnerlöhne führen werden. Wie auch immer die von Streikdrohungen begleitete Feilscherei ausgehen mag – als Hauptnutznießer werden in keinem Fall die Arbeitnehmer vom Platz gehen, sondern der Fiskus, was den meisten Zeitgenossen gar nicht ins Bewusstsein dringt.

Dass die Netto-Reallöhne deshalb seit Jahren kaum von Fleck kommen, weil sich der Staat zumindest die Hälfte davon aneignet, wird kaum diskutiert. Immerhin sind dem Land der Hämmer bisher Streikorgien erspart geblieben, wie man sie zum Beispiel aus Frankreich kennt.

Ganz anderes Ungemach droht aus einer Ecke, der ebenso wenig mediale Aufmerksamkeit zuteil wird wie der kalten Progression: Das ist die Inflation. Amtlich ausgewiesen wird für das laufende Jahr derzeit ein Wert von rund zweikommazwei Prozent. Das von der EZB angepeilte "Inflationsziel" wird heuer also bereits um ein Zehntel überschritten.

Dennoch läuten keine Alarmglocken, denn Inflation, so versichern uns die nationalökonomisch versierten Fachleute unermüdlich, sei "alternativlos" notwendig, um eine Deflation zu verhindern. Ende der Durchsage. Was an einer Kaufkraftsteigerung pro Währungseinheit übel sein sollte (und nichts anderes ist die Konsequenz einer Deflation), ist noch niemals plausibel argumentiert worden.

Nun gibt es Zeitgenossen, die sich der Mühe unterziehen, die Preisdynamik ausgesuchter Produkte zu untersuchen – ohne einen listenreich zusammengestellten Warenkorb (der Begriff "getürkt" verbietet sich aus Gründen der politischen Korrektheit) zu Rate zu ziehen. So errechnet sich heuer für Brot eine Preissteigerung von rund 17 Prozent. Seit Einführung der schwindsüchtigen Esperantowährung anno 2002, hat sich der Brotpreis folglich mehr als verdoppelt. Wer bitte schön verdient heute doppelt so viel wie damals (von den Bewohnern geschützter Werkstätten und Politikern abgesehen)?

Dass in den amtlichen Statistiken die dynamische Preisentwicklung im Immobiliensektor und bei den Aktienkursen völlig unbeachtet bleibt, ist alles andere als ein Zufall. Würden diese, was ja die Realität viel besser abbildete, in die Beobachtungen einfließen, ergäbe sich ein ziemlich erschreckendes Bild, das die staatlich orchestrierte Geldmengenvermehrung schlagartig offenbaren würde.

Preissteigerungen auf breiter Front, quer durch alle Branchen, sind nämlich weder ein Naturphänomen, noch sind sie den Umtrieben gieriger Plutokraten geschuldet, sondern ausschließlich die Folge einer Ausweitung der Geldmenge. Würde die Mehrheit der Wahlberechtigten das begreifen, käme es der Nomenklatura höchst ungelegen. Die macht nach dem Motto "Haltet den Dieb!"für die Preisinflation viel lieber gierige Unternehmer und Spekulanten verantwortlich. Für die Regierenden ist es einfach komfortabler, das Publikum im irrigen Glauben zu lassen, gierige Finanzjongleure und der ruchlose Turbokapitalismus seien für die dramatische Preisinflation in bestimmten Segmenten verantwortlich und nicht etwa die inflationäre Geldpolitik.

Preissteigerungen, Lohnerhöhungen, die durch die kalte Progression entwertet werden, und eine immer weiter verschärfte Inflation sorgen dafür, dass der Massenwohlstand sukzessive erodiert. Nicht etwa der von denjenigen, die zur Wohlstandsproduktion nichts beitragen, denn die verfügen ja unter den Sozialisten in allen Parteien und in den NGOs über eine starke Lobby. Auch nicht jener der wirklich Vermögenden, die immer Mittel und Wege finden, um der frivolen Fiskal- und Schuldenpolitik der Regierungen auszuweichen oder gar daran zu verdienen. Nein, der hart arbeitende und von allen Seiten immer stärker unter Druck geratene Mittelstand ist es, der die Zeche zahlt.

Auch die jüngste Pensionsrunde zeigt deutlich, dass pensionierte "Besserverdiener" bei den Erhöhungen stets die Dummen sind. Dass sie in der Zeit ihrer aktiven Karriere die höchsten Sozialversicherungsbeiträge geleistet haben, ist dann vergessen und sie werden regelmäßig mit deutlich unter der Inflationsrate liegenden Pensionssteigerungen abgespeist, was einem Diebstahl gleichkommt. Damit nicht genug: Private Altersvorsorgen (wie Erlebensversicherungen) werden durch die anziehende Inflation scheibchenweise enteignet.

Die Sparer in Deutschland haben nach Berechnungen der Comdirect Bank und des Finanzdienstleisters Barkow Consulting, durch die Nullzinspolitik der EZB allein im ersten Halbjahr 2018 rund 17 Milliarden Euro an Zinsen verloren. Für Österreich kann von einem Zehntel dieses Betrages ausgegangen werden – ein gewaltiger Brocken.

Fazit: Sozialistische Umverteilungspolitik erreicht früher oder später immer ein für alle Beteiligten trauriges Ende. Dann nämlich, wenn das Geld des Klassenfeindes endgültig verjubelt ist. Zu diesem Zeitpunkt werden die dafür Verantwortlichen allerdings längst nicht mehr in Amt und Würden sein. Für die in ihrer aktiven Zeit getätigten Fehlleistungen haftbar sind sie aufgrund der unbeschränkten Narrenfreiheit der politischen Klasse ohnehin niemals.

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  1. Ausgezeichneter KommentatorJulius C
    3x Ausgezeichneter Kommentar
    29. November 2018 14:27

    Ad letzter Absatz:
    Nun, wenn nicht im Amt, so werden sie sicher noch in Würden sein und sich gegenseitig Orden umhängen, ihre Leichen und Weine gut eingekellert.

  2. Ausgezeichneter Kommentatorach_was
    1x Ausgezeichneter Kommentar
    05. Dezember 2018 17:57

    Schön dass auch einer mal daran denkt wie toll diese 2% Pensionserhöhung sind. Als ehemalige sogenannte besserverdienende Angestellte bleiben von den 2% nach Steuern in etwa 1,2% übrig. Mit 60 in Pension gegangen, aber bis 67 selbständig weitergearbeitet, 44,5 Jahre Höchstbeiträge gezahlt. In einigen Jahren werden mich die, die 30 Jahre halbtags gearbeitet haben, was die Pensionshöhe betrifft, spielend einholen. Was mir noch egal wäre, aber ich sehe den Tag kommen wo ich jeden Euro 3 mal umdrehen muss. So hatte ich mir das nicht vorgestellt.

die besten Kommentare

  1. Ausgezeichneter Kommentatorach_was
    1x Ausgezeichneter Kommentar
    05. Dezember 2018 17:57

    Schön dass auch einer mal daran denkt wie toll diese 2% Pensionserhöhung sind. Als ehemalige sogenannte besserverdienende Angestellte bleiben von den 2% nach Steuern in etwa 1,2% übrig. Mit 60 in Pension gegangen, aber bis 67 selbständig weitergearbeitet, 44,5 Jahre Höchstbeiträge gezahlt. In einigen Jahren werden mich die, die 30 Jahre halbtags gearbeitet haben, was die Pensionshöhe betrifft, spielend einholen. Was mir noch egal wäre, aber ich sehe den Tag kommen wo ich jeden Euro 3 mal umdrehen muss. So hatte ich mir das nicht vorgestellt.

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  1. Ökonomie-Vergelter
    08. Dezember 2018 07:39

    Ich würde auch meinen, dass die "kalte" Steuerprogression ein Grundübel ist, das durch schleichende Enteignung den Politikern einen "Gestaltungsspielraum" als mildtätige Wohltäter ermöglicht.

    Nicht zu vergessen die Immobilienertragsteuer, die dank Ausblendung der Geldentwertung zu beständig wachsender Besteuerung bis zur kalten Enteignung führt, weil durch Ansatz von Nominalbeträgen ein "Gewinn" besteuert wird, den es gar nicht gibt.

    Keinem der politischen Leuchten fällt auf, welchen preissteigernden Effekt das auf sämtliche Aspekte im Immobiliensektor hat!

  2. ach_was (kein Partner)
    05. Dezember 2018 17:57

    Schön dass auch einer mal daran denkt wie toll diese 2% Pensionserhöhung sind. Als ehemalige sogenannte besserverdienende Angestellte bleiben von den 2% nach Steuern in etwa 1,2% übrig. Mit 60 in Pension gegangen, aber bis 67 selbständig weitergearbeitet, 44,5 Jahre Höchstbeiträge gezahlt. In einigen Jahren werden mich die, die 30 Jahre halbtags gearbeitet haben, was die Pensionshöhe betrifft, spielend einholen. Was mir noch egal wäre, aber ich sehe den Tag kommen wo ich jeden Euro 3 mal umdrehen muss. So hatte ich mir das nicht vorgestellt.

  3. fewe (kein Partner)
    01. Dezember 2018 21:22

    Also ich kann Ihnen das schon erklären, warum eine ständige Inflation nötig ist.

    Der Betrug, der in diesem Zusammenhang passiert, ist, dass Löhne und auch Stufen für die Einkommenssteuer nicht automatisch an die Inflation angepasst werden. Beispielsweise. Und bis zu einem gewissen Grad auch, dass die offizielle Inflationsrate immer etwa um 1 bis 2 % kleiner ist als tatsächlich.

    Ohne Inflation würde eine Währung alle paar Jahrzehnte kollabieren. Die Inflation ist nötig, weil auf verborgtes und geborgtes Geld Zinsen gezahlt werden. Eine Alternative zu Zinsen gibt es aber nicht, weil niemand ein Risiko ohne Vorteil eingehen würde.

    Es ist die umgekehrte Lösung zum Schwundgeld.

    • fewe (kein Partner)
      01. Dezember 2018 21:30

      Fortsetzung: Im Grunde sollte Geld nicht gebunkert werden. Um das zu bestrafen, muss es laufend entwertet werden. Wenn man es verborgt bekommt man dafür Zinsen, die bestenfalls den Wert erhalten.

      Schwundgeld funktioniert so, dass der Geldschein quasi laufend weniger wert wird. Das ist aber nicht praktikabel. Daher gibt es eine Inflation, die im Prinzip das selbe Ergebnis hat.

      Und die Inflation ist so hoch, wie Zinsen im Durchschnitt bezahlt werden. Der Aufschlag der Bank auf die Zinsen, die sie selbst für das Geld bezahlen ist eine normale Dienstleistung. Aber die Zinsen die die Bank bezahlt um ein Darlehen zu vergeben sind ein Teil für die Höhe der Inflation. Genauso wie Sparzinsen etc.

    • Ökonomie-Vergelter
      08. Dezember 2018 07:23

      Geld wird nur dann gebunkert, wenn man es unter der Matratze aufbewahrt. Ansonsten bleibt es über die Bankkonten im Wirtschaftskreislauf.

      Und dass die Inflation zwangsläufig auf der Verzinsungspraxis beruht, stimmt, falls überhaupt, nur teilweise. Denn wenn das Geld nicht für Privatkonsum verleihen wird, sondern für gedeihliche wirtschaftliche Aktivitäten, dann wird ja damit eine Wertschöpfung ermöglicht, die entweder Geldmehrung rechtfertigt oder, wenn sie unterbleibt, zur Erhöhung des inneren Wertes von Geld führt.
      Oder die durch (glücklichen!) Unternehmenskredit erhöhte Wertschöpfung neutralisiert zumindest Inflationstendenzen durch Geldmengenausweitungen der Zentralbank.

    • Ökonomie-Vergelter
      08. Dezember 2018 07:29

      ... verliehen wird ...

  4. Torres (kein Partner)
    01. Dezember 2018 12:37

    Bei Abschaffung der kalten Prgression hätten die Arbeitnehmer natürlich wesentlich mehr von jeder Lohnerhöhung, und auch die Inflation würde ihren Schrecken verlieren. Vor der Wahl hat das Türkis-Blau ja mehrfach und ständig versprochen; davon ist jetzt allerdings keine Rede mehr. An eine "flat tax", die erstens gerechter wäre und zweitens all diese Probleme lösen würde, wagt man ja gar nicht zu denken; da wird man ja sofort von Links (und auch von weniger Links) als ruchloser Turbokapitalist und Manchester-Liberaler beschimpft, der die Reichen noch reicher machen will. Dabei gibt es diese flat tax ausgerechnet in den ehemaligen kommunistischen Staaten Rumänien und Slowakei.

    • fewe (kein Partner)
      01. Dezember 2018 21:39

      Ich würde es umgekehrt sehen. Nicht "Abschaffung der kalten Progression" sondern beenden des Unrechts, die Progression nicht an die Inflation anzupassen. Das ist im Grunde ein ständige Steuererhöhung. Das sind Taschenspielertricks, mit denen die Regierung da arbeitet.

  5. Julius C
    29. November 2018 14:27

    Ad letzter Absatz:
    Nun, wenn nicht im Amt, so werden sie sicher noch in Würden sein und sich gegenseitig Orden umhängen, ihre Leichen und Weine gut eingekellert.





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