Orban in Straßburg: Inquisition oder: "Spiel mir das Lied vom Tod"

Lesezeit: 13:30

Der Showdown in Straßburg erhielt durch ihn die Dramaturgie von souveräner Verachtung für die zahlreich erschienenen Gutmensch-Inquisitoren: "Die Stimmung von Beginn an aufgeladen. Der Gast … kommt zu spät. Die Begrüßungsworte deutlich." (ORF)

Man schrieb Dienstag den 11. September 2018, das Datum fiel auf Nine Eleven. Konnotationen zu mittelalterlichen Inquisitions-Prozessen waren offensichtlich. Nur die Folterinstrumente waren mittlerweile stumpf verkommene.

Niemand durchschaute diese kindische Selbstinszenierung von postmodern-feigen, linken Straßburger EU-Spät-Demokraten besser als der ungarische Ministerpräsident Viktor Orban. Bereits zuvor hatte er ein gegen Polen angestrengtes EU-Verfahren als "Inquisitionskampagne" und EU-Kommissions-Vizepräsidenten Timmermans als "Großinquisitor" verächtlich gemacht, der mit totalitärem Gesinnungsterror Häretiker einzuschüchtern versuche: "Polen und Ungarn am europäischen Pranger" - titelte entlarvend eine willfährige, ost-rassistische Presse. (Deutsche Welle)

Vom bereits vorverurteilten Ketzer aus Ungarn (immerhin zum dritten Male in Folge mit Zweidrittelmehrheit demokratisch gewählter Ministerpräsident eines souveränen EU-Staates) wurde Unterwerfung, Demut und Schuldeingeständnis erwartet: "Ich weiß, dass Sie sich ihre Meinung schon gebildet haben. Ich weiß, dass eine Mehrheit von Ihnen für den Bericht stimmen wird. Ich weiß auch, dass meine Beitrag nichts an Ihrer Meinung ändern wird." (Orban, hier die gesamte Rede)

Doch der durch die Schergen der Political-Correctness für vogelfrei Erklärte enttäuschte auch hier (nicht): "Sollte wer erwartet haben, dass heute ein … schuldbewusster Viktor Orban ins EU-Parlament kommen würde, hat er sich gewaltig getäuscht. Im Gegenteil: Der ungarische Premierminister war selbstbewusst bis aggressiv." (ORF-Armin Wolf) Demonstrativ "schlenderte er mit einigen Minuten Verspätung in den Saal, als die Berichterstatterin bereits ihr Anliegen vortrug." (Standard)

Damit aber übergab er die holländische Möchtegern-Groß-Inquisitorin, Judith Sargentini, der Lächerlichkeit: "Ich glaube, das ist kein guter Einstieg. Ich hätte Ihnen gerne die Hand gegeben, aber dazu ist es jetzt zu spät." (Sargentini)

Natürlich ist Orban auch ein ungarisches Sprichwort geläufig: "Nicht einmal meine schmutzigen Stiefel würde ich an ihr abwischen." Vor genau 500 Jahren verbrannte Luther die Bann-Androhungsbulle mit derselben Nonchalance öffentlich.

Am Schluss der gewonnenen Abstimmung frohlockte Sargentini, als hätte sie bei "Deutschland-Sucht-den-Superstar" gewonnen. Was ein Pyrrhus-Sieg ist, wusste sie nicht.

Jede Inquisition nutzt sich ab (Hus, Galilei, Luther, Orban)

1518 eröffnete Kardinal Cajetan den Ketzerprozess gegen Martin Luther. Wehleidig-empört war er darüber, der Ketzermönch hätte sich gegenüber seiner väterlichen Güte als undankbar erwiesen.

Beide Männer von historischem Ausmaß, Orban und Luther, setzten auf geplante Konfrontation: In Anspielung auf das (100 Jahre früher die Hinrichtung von Jan Hus befohlen habende) Konstanzer Konzil fiel Luthers Satz: "Auch Konzile können irren!"

Orban in Straßburg: "Sie behaupten nicht weniger, als dass das ungarische Volk nicht verlässlich genug ist, um selbst zu entscheiden, was in seinem Interesse ist."

Im Straßburger-Showdown manifestiert sich aber auch die Selbstzerstörung der Machthaber-Eliten an sich: "Das Phänomen, dass … Regierende eine Politik betreiben, die den eigenen Interessen zuwiderläuft." (Tuchmann) In ihrem Buch "Die Torheit der Regierenden" analysiert Tuchmann vier Arten von Missregierung: Gewaltherrschaft, Selbstüberhebung, Unfähigkeit, Starrsinn. Alles trifft mustergültig auf die selbstgefälligen Straßburger Politsystem-Nutznießer-Eliten zu.

Zu einer geradezu fahrlässig sich selbst missdeutenden Figur ist Orbans Chefanklägerin, die links-radikale Transgender-Kampf-Grüne, Sargentini, verkommen. Sie mag sich wohl als Jeane d’Arc gegen Orban geträumt haben. In Wirklichkeit war sie Handlangerin eines Political-Correctness-Totalitarismus. Aufgrund ihres verengten Geschichtsbewusstseins (Geschichtestudium mit Spezialgebiet: "Totalitäre Systeme und Demokratisierung in Europa") erkennt sie andere historische Zwangsläufigkeiten freilich nicht mehr. Denn: Widerstand zu üben, hatte sie (als Mitglied des Vorstands des Widerstandsmuseums-Amsterdam) nur in Schauvitrinen studiert.

"Diejenigen beschuldigen Ungarn, die die westliche Demokratie geerbt haben, die keine persönlichen Opfer eingehen mussten für die Freiheit. Und jetzt wollen Sie die antikommunistischen Freiheitskämpfer des demokratischen Widerstandes verurteilen." (Orban)

115 Jahre nach Luther, im Jahre 1633, sollte in Rom wieder ein Ketzerprozess gegen Galileo Galilei eröffnet werden. Der Grund: Der Astronom hatte das nachweislich falsche geozentrische Weltbild durch das heliozentrische ersetzt. Nur durch Widerruf seiner Ansichten entkam er dem Scheiterhaufen. Dabei war das Urteil gegen ihn keineswegs einstimmig: Denn von zehn Kardinälen verweigerten drei (darunter der Neffe des Papstes) die Unterschrift. Und auch in Straßburg erreichte der kryptostalinistische Anti-Ungarn-Schauprozess das gewünschte Quorum einer Zweidrittelmehrheit nur durch vorher willkürlich getürkte Abstimmungsmodalitäten.

Beim Verlassen des Gerichts soll Galileo Galilei vor sich hingemurmelt haben: "Und sie (die Erde) bewegt sich doch!" Galileo befand sich zwar (neun Jahre lang bis zu seinem Tod) unter Hausarrest. Zwar wurde ihm seine Lehrbefugnis entzogen, sämtliche Veröffentlichungen verboten, soziale Kontakte unterbunden. Doch alle weiteren Versuche, ihn mit seinem Tode vergessen zu machen (anonyme Bestattung – erst 30 Jahre später erfolgte die offizielle Kennzeichnung seines Grabes) scheiterten.

Durch die Erfindung des Buchdruckes verbreiteten sich die Gedanken Luthers schnell im ganzen Reich. Seit der Erfindung des www kann man neue Häretiker wie Orban auch nicht mehr totschweigen: "Vor 27 Jahren glaubten wir, dass Europa unsere Zukunft ist. Im Augenblick sind wir es, die Europas Zukunft sind." (Orban)

Historische Ironie am Rande: Galileis Hauptwerk "Discorsi" erschien damals in lateinischer Übersetzung 1635 – und zwar ausgerechnet in: Straßburg…

Auch die Eskalationsstufen – damals wie heute – gleichen sich: Die ergebnislosen Verhöre Luthers durch Kardinal Cajetan provozierten die Bann-Androhungs-Bulle "Exsurge Domine". Aufgrund teils unhaltbarer Anschuldigungen: 41 aus dem Zusammenhang gerissene und teilweise verdrehte Sätze Luthers ohne Begründung und Widerlegung.

Dasselbe betrifft auch die Sargentini-Anklageschrift: So "hatte man verabsäumt, eine offizielle Delegation nach Ungarn zu schicken... Der Bericht enthält 37 schwerwiegende faktische Irrtümer. Hierüber hat gestern jeder Abgeordnete ein 108 Seiten umfassendes Dokument erhalten." (Orban) Zudem durfte sich Orban während der Debatte nur 11 Minuten verteidigen (der griechische Ministerpräsident Tsipras erhielt am selben Tag eine ganze Stunde Redebeitrag innerhalb einer belanglosen Debatte von zweieinhalb Stunden). Doch hat Ungarn auch hier Erfahrung mit dem stalinistischen Geheimprozess gegen Imre Nagy, den ungarischen Ministerpräsidenten der 56-er-Revolution, der nach eineinhalb Jahren Isolationshaft und Folter standhaft blieb: "Ich bitte nicht um Gnade.

Der Sargentini-Lügenbericht ist in höchstem Maße radikal-linksideologisch motiviert (Die Politfunktionärs-Radikal-Emanze ist Mitglied der holländischen Groen-links-Partei, ein Zusammenschluss von Kommunisten, Pazifisten, Radikalen und linken Sektierer-Evangelen): Etwa der völlig vage Vorwurf, im ungarischen Wahlkampf 2018 habe ein "ungünstiges Klima" geherrscht. Geradezu grotesk auch die Inkrimination, Ungarn habe direkte Demokratie (nämlich Brüssel- und Soros-feindliche Volksbefragungen) abgehalten.

Im Mittelalter hatte man Hexentänze unter Todesstrafe gestellt. Grotesker kaum mehr möglich: Die Verurteilung von Ungarns immigrations-skeptischer Haltung, weil u.a. "Parallelen zwischen Terrorismus und Migration gezogen" worden wären. Selbst das deutsche Bundeskriminalamt hat diesen Zusammenhang von "Kriminalität im Kontext von Zuwanderung" hergestellt.

Unterstellt wird zudem Racial-profiling von Zigeunern. Im Umkehrschluss würde das bedeuten, dass Angehörige der Roma-Minderheit nicht mehr von der Polizei kontrolliert werden dürften. Alle Attentate auf die Roma-Minderheit (März 2008 – August 09) fanden zur Zeit der sozialistisch-liberalen Gyurcsány-Regierung statt. Die für Orban im Straßburger Parlament sitzende Roma-Politikerin und stellvertretende Parlamentspräsidentin Jaroka Livia verteidigte die ungarische Regierung vehement: "Alles, was sie hier gegen die Regierung Orban von sich geben, sind Lügen – was die Lage der Minderheiten in Ungarn betrifft." (Redebeitrag ab 1:55:34)

Dass Transgender-Aktivistin Sargentini jegliche positive Wertschätzung von Familie verteufelt, ist zwar aufgrund ihres links-radikalen Lebenswandels folgerichtig, deren Begründungen lesen sich aber wie postmodern-feministischer Hexenwahn: In Hass-Kampf-Rhetorik wird da von "negative(n) Geschlechterstereotype(n) über die Rolle der Frau" geschwafelt. Oder davon, "dass durch die durchgängige Berücksichtigung der Bedürfnisse von Familien" erreicht werden solle, "dass die Bevölkerung wächst". Die Diktatur des Transgender-Regenbogens in Rein-Sumpfkultur… Wie soll denn eine gesunde Bevölkerungspyramide sonst entstehen als durch heterosexuelle Fortpflanzung? Selbst die Testosteron-Refjutschies machen das nämlich auch noch auf diese altmodische Weise so…

Das Inquisitionsverfahren gegen Luther war erst durch die Tätigkeit von Spitzeln möglich, und zwar auf Grundlage gefälschter Thesen. Auch der Sargentini-Bericht basiert fast ausschließlich auf ultra-linken, Soros-affinen oder links-radikalen Gender-NGO-Quellen (Hier eine der vielen Verflechtungen unter Punkt 5). Grotesker Weise führt der Bericht sogar das ungarische Außenministerium sowie einen Staatsminister – sozusagen als Selbstverleumder – an. Andere angeführte Quellen (wie die Elte-Universität) haben sich von Sargentini distanziert.

Unter Folter erzwungene Selbstverleumdung war schon im Mittelalter Teil des Inquisitionsverfahrens. Heute droht das Straßburger Standgericht Ungarn – bei Nicht-Unterwerfung – mit Entzug der Stimmrechte. Als hätte sich der Straßburger Spätdemokraten-Verein ein Vorbild an den Hells-Angels-Motorrad-Rockern genommen: Als "Out in bad standing" bezeichnet man hier den Status eines ehemaligen Vollmitglieds, der dem Club geschadet hat und nun als "vogelfrei" gilt…

Trotz all solcher Drohungen verweigerte 1521 aber Luther den Widerruf: "Denn weder dem Papst noch den Konzilien allein glaube ich, da … sie öfter geirrt … haben, so bin ich … überwunden in meinem Gewissen."

Wie gegen Luther blieb der verhängte Reichsbann aber auch für Orban (im EU-Jargon: die "Atombombe", das Artikel-7-Vertrags-Verletzungs-Verfahren) wirkungslos. Luther wurde auf die Eisenacher Wartburg in Sicherheit gebracht und entfaltete erst jetzt sein kirchenspalterisches Wirken. Orban bleibt der westlichen Meinungsdiktatur allein schon als Ministerpräsident eines östlichen Visegrad-Staates enthoben.

Noch 1415 war der böhmische Reformer Jan Hus mit dem Versprechen auf freies Geleit zum Konzil nach Konstanz gelockt, eingekerkert, gefoltert und schließlich dem Feuertod übergeben worden. Geradezu prophetisch waren seine letzten Worte auf dem Scheiterhaufen: "Heute bratet ihr eine Gans. Aber aus der Asche wird ein Schwan werden." Und: "Die Wahrheit stirbt nicht in den Flammen."

Hus wurde eine Schandkrone mit drei schauerlichen Teufeln mit der Aufschrift: "Dieser ist ein Erzketzer" verpasst. In Straßburg brüllte der hasserfüllte Fraktionsführer der Sozialisten, Udo Bullmann, Orban zu: "Sie stehen für das korrupteste System in der EU!" Gerade aber die Straßburger Sozis hatten keinen Deut unternommen, um die schweren Menschenrechtsverletzungen der rumänischen Prügelsozialisten zu brandmarken. Orban quittierte diesen psychotisch-selbstgefälligen Selbstgerechtigkeits-Tobsuchts-Anfall mit zynischem Grinsen: "Hass ist Sache des Herzens, Verachtung die des Kopfes." (Schopenhauer)

Doch wusste schon Jan Hus, dass der vorläufige Sieg der Finsternis über die Wahrheit nicht nachhaltig sein konnte:

"Das aber erfüllt mich mit Freude, dass sie meine Bücher doch haben lesen müssen, worin ihre Bosheit geoffenbart wird. Ich weiß auch, dass sie meine Schriften fleißiger gelesen haben als die Heilige Schrift, weil sie in ihnen Irrlehren zu finden wünschten." (Hier Orbans Rede zur Lage der Nation)

Orban in Straßburg: "Wir Ungarn stehen bereit für die (EU-)Wahlen im nächsten Mai, wo endlich wieder die Bürger über die Zukunft Europas entscheiden und die Demokratie in die europäische Politik zurückholen können."

Dieselbe Tragödie wie damals in der Auseinandersetzung zwischen Galilei und der Kirche spielt sich heute zwischen Orban und der EU ab: Denn als tiefgläubiger Katholik war ersterer Intention es nicht, die Kirche zu spalten, sondern zu reformieren.

Orban: "Sie werden das Ungarn verurteilen, das seit 1000 Jahren Mitglied der europäisch-christlichen Familie ist. Das Ungarn, das … mit seinem Blut zur großartigen Geschichte Europas beigetragen hat … und das schwere Blutopfer gebracht hat für die Freiheit und die Demokratie. … Dieser Bericht legt zweierlei Maß an, missbraucht Macht, überschreitet Kompetenzen und das Verfahren widerspricht den Verträgen." (Orban)

Orbans gescheiterter Versuch, die fanatisch-linksradikal-nihilistische EU zu reformieren, wird schließlich die Ost-West-Spaltung zementieren. Doch genau dieses christliche Europa möchte die Kampf-Feministin Sargentini in einem vulgären Transgender-Totentanz zur Strecke bringen.

"Once upon the time in the EU" – "Spiel mir das Lied vom Tod"

Doch der 11.9.2018 war in Straßburg auch ein Final-Countdown zu einem Polit-Wildwest-High-Noon. Orbans Lieblingsfilm ist nämlich der Italowestern "Once upon a time in the west". Ins Deutsche übersetzt: "Spiel mir das Lied vom Tod".

Im Wesentlichen geht es dabei um folgendes: Ein Junge wird sein ganzes zukünftiges Leben davon getrieben, Rache für seinen erhängten Bruder zu nehmen. Zur Demütigung hatten ihm damals Pistoleros eine Mundharmonika in den Mund gesteckt mit der zynischen Aufforderung: "Spiel mir das Lied vom Tod!".

Für Orban bedeutet dieser Film: "Eine heroische Geschichte", obwohl alles "hoffnungslos" erscheint. Doch "um zu siegen, genügt es nicht, dass (man) schießen … kann", sondern man "muss auch sein Gehirn benützen, und auch die Großherzigkeit darf (einem) nicht fremd sein. Dazu musst du herausfinden, was deine Feinde in Wirklichkeit bewegt, und dann, wenn sich die Dinge zuspitzen, darfst du vor dem Kampf nicht zurückschrecken, greif an und siege!" (Orban, s.u.) "Orban ist mutig und unbarmherzig. Er bittet nicht um Gnade und gewährt sie auch nicht." (Lendvai zitiert einen Autor-Kollegen, siehe unten).

Einem opportunistischen Staatsjournalisten wie Lendvai mangelt es natürlich zwangsläufig an "Persönlichkeitsmerkmalen" Orbans, "seiner Ungeduld, seiner Einsamkeit, … und seinem hochgradigen Misstrauen. Diese Eigenschaften ergänzen das vielleicht wichtigste Merkmal des geborenen politischen Führers, nämlich seine Durchsetzungskraft." (Krone, s.u.)

Und wie ein Omen offenbarte sich schon damals der Blick auf das Straßburger Inquisitions-Verfahren: "Die Politik ist eine Schlacht. Die wichtigste Eigenschaft muss die Fähigkeit sein, Verleumdungen ertragen zu können … oder ab(zu)wehren oder noch härter zurück(zu)schlagen." (Orban, s.u.)

Orban 2013: "Die Geschichte gewährt mir diese Chance. In der Krise werden … riskante Entscheidungen fallen müssen." (Orban)

Schließlich folgt das Duell zwischen Gut und Böse. Von einer Kugel getroffen stellt der böse dem guten Cowboy eine letzte Frage: "Wer bist du, Fremder?" Dieser steckt ihm dieselbe Mundharmonika von damals in den Mund: "Spiel mir das Lied vom Tod!" Spätestens nach der verlorenen EU-Wahl im Mai 2019 wird sich diese Szene für die toleranz-totalitären alt-links-dekadent verkommenen Polit-Sesselkleber wiederholen. Über Jahre hinweg waren sie unfähig und unwillens den "Fremden" aus dem Osten zu verstehen. Die Femo-Übermenschin Sargetini wird dann genauso schnell von der politischen Bühne verschwunden sein wie ihr österreichisches Pendant, die arrogant-besserwisserische LBTG-Ex-Delegationsleiterin der EU-Grünen, Ulrike Lunacek.

Wird Straßburg zum Cannae der alt-linken Eliten?

In Straßburg hat Orban die EU-Linke in einen Pyrrhus-Sieg getrieben. Und obwohl Orban "bekannt für seinen vorausschauenden machtpolitischen Instinkt" (Spiegel) ist, erkannten das seine Gegner nicht. Schon lange baut er als "Gegengewicht zu Brüssel … ein östliches Machtzentrum" (Spiegel) auf. Die radikal-altlinken EU-Eliten haben in einer Mischung aus Hochmut, Dumm- und Blindheit selbstgefällig verkannt, dass "das Abstimmungsergebnis ein perfekter Auftakt für seinen Europawahlkampf" ist (ebenda).

Die Sargentini-EU ist gerade in ein postmodernes Polit-Cannae gerannt: Jene klassische Umfassungsschlacht, die 216. v. Chr. in die Militärgeschichte eingegangen ist, weil die zahlenmäßig weit unterlegenen Karthager (50.000 Mann – 6000 Gefallene) die Römer (80.000 Mann – 65.000 Tote) katastrophal vernichteten. Dabei platzierte Hannibal die weniger kampfstarken Infanterieeinheiten in der Mitte und die schlachterfahreneren Reiter-Truppen an den Flügeln. Dann ließ der nordafrikanische Feldherr das halbmondförmige Zentrum systematisch nachgeben, die vordrängenden Römer wurden eingekesselt und vernichtet.

Der 11.9.2018 war Auftakt zu einem Straßburger Polit-Cannae: Orban ließ zunächst die eigenen Reihen vordergründig zurückweichen, indem er ein negatives Abstimmungsergebnis gegen sich selbst geradezu provozierte. Jetzt schließt er die Schlachtanordnung wieder und lässt seine rechten Flügel vorrücken: Denn das langwierige Rechtsstaatsverfahren "gegen Ungarn ist praktisch aussichtslos" (Spiegel), weil mindestens Polen sein Veto einlegen wird. Und in Ungarn selbst solidarisieren sich nun selbst Orban-Gegner mit ihm.

Aus wahltaktischen Gründen hat auch die Europäische Volkspartei erkannt: "Die Presse kann mich nicht zwingen, Orban auszuschließen." (EVP-Chef Daul, 19.9.18) War alles vielleicht sogar ein abgekartetes Spiel? Mustergültig hat sich eine zweite Front aufgetan: "Die EVP will jetzt wissen, wo der Rechtsstaat nicht eingehalten wurde." (Daul) – mit Stoßrichtung auf die korrupt-sozialistisch regierten Länder Malta, Slowakei und Rumänien. Schon im November soll in Helsinki beim EVP-Kongress ein Vorschlag an die Kommission gerichtet werden. Seit dem 11.9. ist die europäische Öffentlichkeit für die Ungerechtigkeit solch linker Doppelstandards geradezu sensibilisiert.

"Divida et impera" - "Teile und herrsche" nannten die Römer dieses Prinzip. Sollte Orban trotzdem aus der EVP ausgeschlossen werden, könnte er seine Hände in Unschuld waschen. Denn "von allen maßgeblichen nationalistischen und rechtspopulistischen Kräften in Europa" (Spiegel) wird er als potentieller Imperator geradezu hofiert. Die Hintergrundgespräche für eine solche Allianz laufen seit Monaten.

Längst hat Orban sein Land schon von der West-EU unabhängig gemacht: Alle Visegrad-4-Staaten (Polen, Slowakei, Tschechien) unterstützen Orbans Anti-Migrationskurs, teilweise auch Rumänien und Bulgarien. Seine politischen und wirtschaftlichen Beziehungen reichen tief nach Osten hinein: Zu Russland, China und anderen asiatischen Staaten, und er "bietet sich dabei als Tor in die EU an." (Spiegel) Dahinter steckt ein Masterplan: Eine Woche nach dem Straßburger Inquisitions-Theater reiste Orban demonstrativ auf Staatsbesuch zum EU-Angstgegner ins ferne Moskau: "Putin lobte ausdrücklich die Beziehungen zwischen Budapest und Moskau." (Kurier) Wie sehr die offiziellen EU-Organe diese Warnung verstanden haben, zeigt allein schon das lückenlose Verschweigen dieses Gipfel-Treffens im totenstill verharrenden Blätterwald der System-Medien…

Man kann das ganze Spektakel aber auch prosaischer sehen: "Er (Kardinal Cajetan) glaubte, er hätte mich in der Falle. Dann hatte er aber nur den Aal bei dem Schwanze." (Luther) Bei den Europawahlen könnte sich also wieder das Duell wiederholen: "Gerne würde ich die Vernichtung der Linken als meinen eigenen Erfolg verbuchen. Sie ist aber nur zum Teil mein Verdienst. Die heutige ungarische Opposition, die vor mir acht Jahre regiert hat, beging Selbstmord. Nicht in meiner Hand war das Messer." (Orban zit.n. Janke)

Man wird sich dann an einen anderen Häretiker erinnern, der den Feuertod gestorben ist: "Mit größerer Furcht sprecht ihr mir das Urteil, als ich es vernehme." (Giordano Bruno, 1600) Die europäische Linke hätte Geschichte eben sorgfältiger, kritischer, und allumfassender betrachten sollen… Auch ein Studium wichtiger Schlachten wäre den Pazifismus-Hysterikern zu empfehlen gewesen…

Dr. Elmar Forster ist Lehrer und lebt(e) seit 1992 als Auslandsösterreicher in Ungarn, Prag, Bratislava, Polen, Siebenbürgen (Rumänien).

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die besten Kommentare

  1. Ausgezeichneter KommentatorWyatt
    6x Ausgezeichneter Kommentar
    29. September 2018 07:34

    DANKE Dr. Elmar Forster!
    ******
    ******
    ******
    ( welch Ausnahme unter all' den erbärmlichen EU-Polit-Lakaien, stellte doch Orban dar!)

  2. Ausgezeichneter KommentatorWolfram Schrems
    1x Ausgezeichneter Kommentar
    30. September 2018 16:01

    Ich stimme Dr. Forster in seiner Analyse und Würdigung der Orbánschen Politik vollumfänglich zu, genauso wie in seiner Kritik an den - im Grunde lächerlichen bis bedauernswerten - Stänkerern (Stänkerinnen).

    Allerdings wäre ich mit den vorgeblichen Parallelen zur Inquisition etwas vorsichtiger. Da ist doch viel Klischee dabei.

    A propos Klische:
    Martin Luther, den angeblich wackeren Streiter gegen eine korrupte Kirche, immer wieder hereinzubringen ist - das muß ich als interessierter und meist zustimmender Leser der Beiträge Dr. Forsters deutlich sagen - falsch und kontraproduktiv:
    Luther war ein pathologischer und gewalttätiger Charakter, der sich einzelnen Fürsten andiente und Mord und Blutvergießen predigte (etwa gegen die Bauern). Was er sich selbst gestattete, nämlich eine neue Religion zu erfinden, gestattete er anderen nicht (Schwarmgeistern u. dgl.) und rief die weltliche Autorität zu Hilfe.

    Wer sich halbwegs auskennt, wird jede Luther-Romantik verwerfen.
    Viktor Orbán, ein Mann der Verantwortung und der Besonnenheit, wird sich schön bedanken, wenn er mit Luther verglichen wird.

    Und von Giordano Bruno würde ich auch die Finger lassen.


alle Kommentare

  1. Forster
  2. Wolfram Schrems
    30. September 2018 16:01

    Ich stimme Dr. Forster in seiner Analyse und Würdigung der Orbánschen Politik vollumfänglich zu, genauso wie in seiner Kritik an den - im Grunde lächerlichen bis bedauernswerten - Stänkerern (Stänkerinnen).

    Allerdings wäre ich mit den vorgeblichen Parallelen zur Inquisition etwas vorsichtiger. Da ist doch viel Klischee dabei.

    A propos Klische:
    Martin Luther, den angeblich wackeren Streiter gegen eine korrupte Kirche, immer wieder hereinzubringen ist - das muß ich als interessierter und meist zustimmender Leser der Beiträge Dr. Forsters deutlich sagen - falsch und kontraproduktiv:
    Luther war ein pathologischer und gewalttätiger Charakter, der sich einzelnen Fürsten andiente und Mord und Blutvergießen predigte (etwa gegen die Bauern). Was er sich selbst gestattete, nämlich eine neue Religion zu erfinden, gestattete er anderen nicht (Schwarmgeistern u. dgl.) und rief die weltliche Autorität zu Hilfe.

    Wer sich halbwegs auskennt, wird jede Luther-Romantik verwerfen.
    Viktor Orbán, ein Mann der Verantwortung und der Besonnenheit, wird sich schön bedanken, wenn er mit Luther verglichen wird.

    Und von Giordano Bruno würde ich auch die Finger lassen.

    • Forster
      30. September 2018 20:55

      Besten Dank für diese konstruktive Kritik!
      Ich bin mir der fragwürdigen Nachwirkung Luthers durchaus bewusst. Leider sind meine Texte aber aufgrund ihrer Länge aber kaum mehr differenzierbar. Es ging mir hier aber nur um die Aufarbeitung des "Ketzerischen". Luther hat sich natürlich nach seinem "Coming Out" der landesfürstlichen Politherrschaft angedient und jegliche Kritik unterdrückt (siehe: "Wider die mordischen und reubischen Rotten der Bauern"). Luthers Werdegang nach seiner Inquisition gleicht in etwa dem der Alt-Linken von heute. Er und sie sind danach zu einer Karikatur ihrer selbst verkommen.
      und nicht zu vergessen: Ohne Luther hätte es Merkel nicht gegeben...

    • Forster
      30. September 2018 21:05

      Hier noch ein kritischer Ansatz von Nietzsche, der wie kein anderer den Schatten der schwarzen Seite des protestantischen Christentums durchlitt: Die Spur führt von Luther über Hölderlin, Nietzsche zur deutschen RAF-Terroristin Ennslin und zur Post-DDR-Merkel: "Luther, kam nach Rom. Dieser Mönch, mit allen rachsüchtigen Instinkten eines verunglückten Priesters im Leibe, empörte sich in Rom gegen die Renaissance... Luther sah die Verderbnis des Papsttums, während gerade das Gegenteil mit Händen zu greifen war: die alte Verderbnis, das peccatum originale, das Christentum saß nicht mehr auf dem Stuhl des Papstes! Sondern der Triumph des Lebens." ("Der Antichrist")

    • Wolfram Schrems
      01. Oktober 2018 10:01

      @Dr. Forster

      Danke für die aussagekräftigen Ergänzungen. Ein Mann der Bildung hat klarerweise immer noch mehr auf Lager.

      Das tertium comparationis, der Vergleichspunkt also, ist somit das "Ketzerische". Das kann ich zwar nachvollziehen, aber eben:

      Die Inquisition handelte (entgegen aller schwarzen Legenden und Übertreibungen) besonnen und nach einem rationalen Prozedere. Luther war irrational und verantwortungslos und trug Mitschuld an den Religionskriegen bis hin zum 30jährigen Krieg.

    • Wolfram Schrems
      01. Oktober 2018 10:03

      Im ggstdl. Fall ist es umgekehrt: Die grünen Pseudo-Inquisitoren handeln aufgrund ihrer Ideologien und Pseudo-Wissenschaften irrational und destruktiv, Orbán hingegen ist ein Mann des gesunden Menschenverstandes und der Verantwortung für das Gemeinwohl.

      So oder anders sei Dr. Forster hiermit ermutigt, weiterhin aussagekräftige und geistreiche Kommentare zu veröffentlichen.

    • Torres (kein Partner)
      01. Oktober 2018 15:12

      Überdies war Luther auch ein ausgewiesener Antisemit, was man Orban keineswegs nachsagen kann, auch wenn das gerade jene immer wieder versuchen, die - im Gegensatz zu Orban - die europäischen Juden schutzlos den juden- und israelhassenden moslemischen Horden aus Nahost und Afrika ausliefern.

  3. pressburger
    29. September 2018 08:15

    Hervorragend. Tatsächlich, es gibt Parallelen zu Inquisition. Aber, es gibt auch Parallelen zu Ereignissen im 20. und 21. Jahrhundert. Die Inquisition war im Vergleich zu den linken, nationalsozialistischen und bolschewistischen, gerade eine vernünftige Institution. Die Inquisition war ein Machtinstrument, aber die Angeklagten durften ihre Thesen vertreten. Nicht für alle endete ihr Prozess tödlich.
    Ein Vergleich. Kopernikus, der die Grundlagen der göttlichen Ordnung in Frage gestellt hat, hätte unter Stalin nicht überlebt. Ein Fortschritt !
    Die Entwicklung geht weiter. Die EU hat die These Breschnjews, von der begrenzten Souveränität der Mitgliedstaaten in ihren Umgang mit Abweichlern implementiert.
    Zu Erinnerung. Bei den Schauprozessen in Prag wurden die Angeklagten nicht nur des Zionismus sondern auch des Nationalismus beschuldigt und hingerichtet.
    Die EU dreht das Rad der Geschichte zurück. In die Dunkelheit.

    • Forster
      30. September 2018 21:29

      Weil Orban die perfiden Unterdrückungsmechanismen der Stalinisten theoretisch geläufig waren, hat er vor denen der post-kommunistisch infiltrierten der EU-Post-Demokraten keine Angst mehr...

    • Wolfram Schrems
      01. Oktober 2018 10:06

      @pressburger

      "Die Inquisition war im Vergleich zu den linken, nationalsozialistischen und bolschewistischen, gerade eine vernünftige Institution. Die Inquisition war ein Machtinstrument, aber die Angeklagten durften ihre Thesen vertreten. Nicht für alle endete ihr Prozess tödlich."

      Genau. Danke für die besonnene Stellungnahme.
      Die Angeklagten mußten und durften ihre Thesen vertreten. Sie wurden angehört. Allerdings waren bekanntlich nicht alle "Thesen" harmlos. Man macht sich heute keine Vorstellungen über das revolutionäre, blutige Potenzial von Albigensern, Bogumilen und anderen Strömungen. Wie man sieht, haben sich auch Luther, Calvin & Co. blutig ausgewirkt.

  4. Wyatt
    29. September 2018 07:34

    DANKE Dr. Elmar Forster!
    ******
    ******
    ******
    ( welch Ausnahme unter all' den erbärmlichen EU-Polit-Lakaien, stellte doch Orban dar!)

  5. Pennpatrik
    28. September 2018 17:35

    Eigentlich war es Kopernikus.





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