Kulturbruch 1968 - Die linke Revolte und ihre Folgen drucken

Lesezeit: 8:30

Fünfzig Jahre nach 1968 wird ein kritischer historischer Rückblick die damaligen Ereignisse und Weichenstellungen in die richtige Perspektive rücken. Die desaströsen Folgen jenes "mythischen" Jahres sind bis heute spürbar. Zu feiern gibt es demzufolge nichts – falls das jemand vorgehabt hätte. Es ist in aller Interesse den Mythos 68 zu entzaubern.

Zu diesem Zweck empfiehlt sich die Konsultation des aktuellen Werkes Kulturbruch ´68 – Die linke Revolte und ihre Folgen des Gymnasialprofessors, Buchautors und Autors der Wochenzeitung Junge Freiheit Karlheinz Weißmann. Er rekonstruiert die revolutionären Ereignisse der 60er und 70er Jahre und analysiert sie in ideologie- und religionsgeschichtlicher Hinsicht.

Die Kulturrevolution von 1968 war ein vielschichtiges Ereignis. Für jede Revolution ist einerseits ein entschlossener Kader unabdingbar. So war auch 1968 das Projekt einer Elite. Diese gab sich als "nonkonformistisch" aus. Das Projekt stand unter dem Einfluss der Besatzungsmächte, denen an einer Umerziehung Deutschlands gelegen war. Andererseits beteiligten sich allzu viele aus eigenem Antrieb an den revolutionären Ereignissen. Die Revolution hatte die dunkle Seite im Menschen angesprochen. Inhaltlich war sie ein Aufguss pseudo-religiöser, gnostischer und antichristlicher Ideologeme.

Im Folgenden einige von Weißmann abgehandelte Themen, die dem Berichterstatter besonders relevant erscheinen. 

Die 68er Bewegung als Zerstörung im Namen des Fortschritts

Im Vorwort stellt Weißmann grundsätzlich fest:

"68 war weder eskalierter Vater-Sohn-Konflikt noch notwendiger Modernisierungsschub, weder berechtigter Aufstand gegen ein ‚Schweinesystem‘ noch der Beginn einer schönen und wilden Zeit, in der alle etwas lockerer wurden. 68 war vielmehr Ursache jener Formschwäche, unter der die westliche Welt heute leidet, ein Vorgang äußerer und – stärker noch – innerer Zerstörung. Die meisten unserer gesellschaftlichen, kulturellen und politischen Probleme gehen auf das zurück, was die Achtundsechziger taten oder was sie ihre Erben tun ließen".

Wichtig ist hier besonders die allzu diskret eingestreute Formulierung vom "[nicht] notwendigen Modernisierungsschub". Weißmann schneidet damit ein geschichtsphilosophisch alles entscheidendes Thema an, nämlich die Frage nach der Existenz beziehungsweise der Beschaffenheit einer allfälligen "Moderne". Eng damit verbunden ist die Frage, ob "Modernisierungsschübe" überhaupt "notwendig" bzw. unausweichlich seien. Und die Frage, wer berechtigt oder sogar verpflichtet ist, diese "Schübe" durchzuführen.

Wir sind hier mitten in einem zentralen Problem: Denn die Vorstellung eines automatisch und zwangsläufig ablaufenden Geschichtsprozesses, der immer mehr "Modernisierung" brächte, die ihrerseits immer gut und richtig und wichtig wäre, ist allgegenwärtig, besonders aufgrund der Agitation durch die 68er Revolutionäre und ihrer Nachbeter. Gleichzeitig wird alles, wofür das Jahr 1968 steht, von der offiziellen Geschichtsdeutung als in diesem Sinne "modern" betrachtet. (Von daher ist es bemerkenswert, dass der ab 1970 regierende österreichische Bundeskanzler Bruno Kreisky zwei Jahre später sein Wahlprogramm als "Modernisierung" bewarb. Was mit dieser Art Propaganda ausgesagt werden soll, ist klar: Man verhilft der Geschichte, dass sie "richtig" weiterläuft. Denn man kennt die Richtung, in die die Geschichte laufen soll. Dahinter steht ein gnostisch-hegelianisch-marxistisches Geschichtsverständnis.)

Weißmann sieht das freilich kritisch und macht die "progressiven" Ideologien von 1968 für "Formschwäche" und "Zerstörung" verantwortlich.

Alleine schon das feststellt zu haben, ist in Zeiten wie diesen von großer Bedeutung.

Die zerstörerischen Aspekte der 68er Bewegung stehen nämlich im heutigen Diskurs meist unter einem Vorbehalt, wenn sie denn überhaupt angesprochen und eingestanden werden. Hier kommt ein Argumentationsmuster ins Spiel, das heutzutage ausschließlich "linken" und "progressiven" Bewegungen durchgehen gelassen wird:

Im Regelfall kommt bei den ehemaligen Protagonisten der 68er Bewegung nämlich "irgendwann die salvatorische Klausel: Wir haben es gut gemeint, es ist nur böse gelaufen". 

Die Revolution als Projekt der Siegermächte – und als Akt des ersten Revolutionärs

Weißmann spricht offen aus, dass hinter der gegen Widerstände durchgedrückten Kulturrevolution ein Interesse der Besatzungsmächte stand:

"[Es] gab durchaus noch starke Widerstände [gegen die Kulturrevolution]. In der Nachkriegszeit existierte ein breites Spektrum von Intellektuellen, die sich als Bürgerliche, Liberale, Konservative, praktizierende Katholiken oder Lutheraner oder als Anhänger eines ‚Nationalismus mit menschlichem Antlitz‘ betrachteten, selbstverständlich an den öffentlichen Debatten teilnahmen und entschlossen waren, der Kulturlinken entgegenzutreten, dem, was Paul Sethe den ‚Aufstand der Kammerdiener‘ nannte, der unter dem Schutz der Besatzungsmächte begonnen hatte und daran ging, das kulturelle Erbe der Deutschen zu zerstören" (47).

Die 68er Revolution sollte das besetzte Land umgestalten. Dazu kehrten Exilanten (nämlich Exponenten der "Frankfurter Schule" wie Herbert Marcuse und Theodor Adorno) aus den USA nach Deutschland zurück.

Aus Sicht des Berichterstatters macht von daher die Politik von Bundeskanzlerin Angela Merkel Sinn: Deutschland soll offenbar ganz abgeschafft werden.

Immer jedoch, wenn revolutionäre Kräfte in Gang gesetzt und chaotische Zustände planvoll angestrebt werden, begibt man sich in den Machtbereich des ersten Revolutionärs.

Und dieser hasst die Revolutionäre nicht weniger als alle anderen Menschen.

Weißmann analysiert die inneren Zerfallsprozesse innerhalb der – oft sehr skurrilen – kommunistischen Gruppen und Sekten und gräbt tiefer:

"Die chaotische Tendenz erschwerte naturgemäß den Zusammenhalt, aber die von dem ‚Situationisten‘ Dieter Kunzelmann zuerst in München gegründete Subversive Aktion erreichte doch vorübergehend eine gewisse Stabilität. Der Situationismus hatte seinen Ursprung in Frankreich und Belgien. Die sehr kleine Schar seiner Anhänger betrachtete sich als Avantgarde der Avantgarden und setzte auf eine Mischung aus Dadaismus und Clownerie, ergänzt um einen ausgesprochenen Irrationalismus, der sich wie selbstverständlich mit Elementen des okkulten Denkens legieren konnte, weil es in jedem Fall um die totale Befreiung des Individuums ging" (58f).

Es kam zu einer regelrechten "okkulten Explosion", zur Popularisierung von Astrologie, Spiritismus und Satanismus und natürlich dem damit zusammenhängenden Rauschgiftkonsum (69f).

Der Bocksfüßige war damit ohne weiteres erkennbar.

Der Kommunismus als pseudo-religiöses System und der Zynismus seiner Adepten

Weißmann weist auf die starke psychologische Bindekraft des Marxismus hin. Dieser konnte sich daher als Ersatzreligion in dem postchristlichen Vakuum einer vom Glauben abgefallenen Welt ausbreiten.

Dabei sind die Fakten, die gegen ihn sprechen, für den "Gläubigen" unerheblich. Der echte Marxist analysiert nicht die "Früchte", die der Baum Marxismus gebracht hat. Er betet seinen Götzen unverdrossen weiter an. Weißmann bringt es auf den Punkt:

"Man konnte den Eindruck gewinnen, als ob das anarchische und chaotische Element in der Studentenbewegung nicht anderes gewesen war als Ausdruck eines seelischen Vakuums, das nun mit Totalitarismus gefüllt wurde. Ein Vorgang, der um so schwerer nachzuvollziehen ist, als der verbrecherische Charakter des Sowjetsystems in sämtlichen Varianten offen zutage lag. [Der Marxist-Leninist Christian] Semler, der zu den führenden Funktionären der KPD gehörte, gab unumwunden zu, daß er die Berichte der großen Abtrünnigen [vom Marxismus] – André Gide, Arthur Koestler, Manès Sperber, Ignazio Silone – kannte wie das Werk Alexander Solschenizyns über das System der kommunistischen Vernichtungslager, den Archipel Gulag. Aber er und seine Genossen taten die Millionen Toten mit einem Schulterzucken als ‚Kosten der Revolution‘ ab, die nach der Hinwendung zu Mao – dem schlimmsten Massenmörder des 20. Jahrhunderts – nicht noch einmal anfallen würden" (178f).

Die "Kosten der Revolution" fielen aber auch mit Mao an, mehr als je zuvor.

Es gehört zur Blindheit unserer Zeit, dass sich knapp 30 Jahre nach dem Fall des kommunistischen Ostblocks marxistische Ideologeme wieder massiv im Westen ausbreiten. Ein Alexander Solschenizyn wird kaum gelesen – schon gar nicht in den Schulen, denn der Archipel Gulag (1973) könnte das offizielle Geschichtsbild ins Wanken bringen.

Die Revolution richtet sich gegen ihre Betreiber

Die Revolution ist nicht vollständig zu steuern. Das wird durch folgendes Ereignis im Umkreis der Frankfurter Schule, eines Motors der 68er Revolution, versinnbildlicht: Am 9. Dezember 1968 besetzten Studenten das Soziologische Seminar der Universität Frankfurt und hinderten Dozenten und Studierwillige daran, die Räumlichkeiten zu betreten:

"Dazu erhoben die Besetzer bizarre Forderungen nach ‚Halbparität‘ und Auslieferung größerer Haushaltsbeträge für ihre Zwecke. Das war selbst den Köpfen des Instituts, Habermas und Adorno, zu viel. Gerade hatte man noch die Forderung des Rektors der Universität nach schärferem Vorgehen gegen die Besatzer kritisiert, jetzt rief man selbst die Polizei und ließ das Institut kurz vor Weihnachten räumen" (143).

Die Eigendynamik der Revolution ließ sich aber nicht mehr stoppen:

"Ende Januar [1969] kommandierte [Studentenführer Hans-Jürgen] Krahl die Besetzung des Allerheiligsten der ‚Frankfurter‘: des Instituts für Sozialforschung. Wieder scheiterte der Versuch eines Ausgleichs, wieder wurde die Polizei geholt. Adorno achtete aber bei den Festnahmen sorgsam darauf, daß die Besetzer glimpflich behandelt wurden, und erkundigte sich später besorgt, ob man sie gefoltert habe[!]" (ebd.).

Als ob man in Deutschland damals Häftlinge gefoltert hätte. Zur marxistisch-freudianischen Ideologie der "Frankfurter" gehört zwangsläufig der Realitätsverlust.

Die Anbiederung Adornos an die Studenten, die in gewisser Weise Produkt seiner Propaganda – nichts zuletzt in einer freudianischen Auffassung von Sexualität – waren, nützte ihm aber nichts. Denn am 22. April 1969 drangen Abgeordnete des "Frankfurter Weiberrats" in seine Vorlesung ein, entblößten sich, tanzten um ihn anzüglich herum und versuchten, ihn zu küssen.

"Adorno verließ fluchtartig den Hörsaal. Er kehrte nicht mehr zurück. … [Drei] Wochen später starb Adorno" (144).

Der Golem war gegen seinen Erzeuger aufgestanden.

Resümee

Weißmanns Darstellungen sind profund, aber nicht uferlos. Sie sind für unsere Zeit höchst relevant, da auch heute noch politisch einflussreiche Personen, wie der längst im Establishment angekommene ehemalige Polizistenprügler der "Frankfurter Putztruppe", Joseph "Joschka" Fischer, kritisch dargestellt werden.

Das umfangreiche Literaturverzeichnis leitet zu weiteren Studien an. Karlheinz Weißmann und die Junge Freiheit, in deren Verlag das Buch erschien, sind im heutigen konformen Meinungs-Hauptstrom erfreuliche Alternativen.

Inhaltlich bietet die Abhandlung eine Orientierungshilfe in verworrener Zeit. Wie eingangs gesagt: "Modern" heißt eigentlich so gut wie nichts. Die Berufung auf "Modernität" ist normalerweise ein suggestives Mittel zur Durchsetzung politischer Partikularinteressen. Ideologisch fußt diese Suggestion auf der Gnosis, deren politisch wirkmächtigste Spielart der Marxismus ist.

Dieser kostete im Sowjetimperium und in Maos China etwa hundert Millionen Menschen das Leben. Im Westen brachte er mit der 1968er Bewegung die Auflösung von Familie und Nation, sexuelle Verwahrlosung, epidemischen Suizid und den Mord an Millionen ungeborener Kinder. Von daher wird man sagen müssen, dass angesichts dieser Monstrositäten Weißmanns Analyse im Tonfall fast zu akademisch-distanziert geraten ist.

Post scriptum: Protestantismus und Revolution

Karlheinz Weißmann ist nicht nur Historiker, sondern auch protestantischer Theologe und Religionslehrer. Er veröffentlichte ein positives Buch zu Martin Luther als "Prophet der Deutschen".

Als solcher weiß er über die revolutionäre Kraft der willkürlichen und gewaltsamen Lutherschen Weichenstellungen Bescheid. Als solcher ist aber auch zwangsläufig Teil des revolutionären Prozesses selbst.

Es ist daher in letzter Analyse nicht möglich, als Protestant eine echt konservative christliche Position zu begründen und zu verteidigen.

Dass Exponenten der revolutionären Vorgänge der 60er und 70er Jahre, bis hin zu RAF-Terroristen, aus protestantischen Pfarrhäusern stammten, illustriert diese zwar nicht kausale oder deterministische, aber aufgrund der Lutherschen Revolutionsgesinnung durchaus in einer gewissen Logik liegende, untergründige Verbindung der verschiedenen revolutionären Strömungen.

Karlheinz Weißmann sollte dieses Thema theoretisch und praktisch noch tiefer durchdenken.

Karlheinz Weißmann,
Kulturbruch ´68 – Die linke Revolte und ihre Folgen,
Junge Freiheit Verlag,
Berlin 2017, 252 Seiten
Buch bei Amazon

Wolfram Schrems, Mag. theol., Mag. phil., Katechist, reiche Erfahrung im interkonfessionellen Gespräch

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  1. Ausgezeichneter KommentatorForster
    8x Ausgezeichneter Kommentar
    11. April 2018 09:44

    Der verlogene Mythos der 68er beruht darauf, dass diese selbst ihre eigene Geschichtsdeutung gechrieben und verklärt haben.
    Die eigene (!) Tochter der Ex-RAF-Terroristin Ulrike Meinhof, Betina Röhl (55 Jahre), räumt mit dieser "Verheiligungs-Sprechung" radikal auf (Spiegel-Interview Ausgabe 14 / 18)

    1.) Es gab k-eine not­wen­di­ge Aus­ein­an­der­set­zung mit der NS-Zeit:

    Röhl: "Die Ausch­witz­pro­zes­se wa­ren (bereits) vor­her. (...) Bei den Schüs­sen auf den Stu­den­ten­füh­rer Rudi Dutsch­ke pro­ga­gier­te (man), dass die Bun­des­re­pu­blik mit­ge­schos­sen hät­te. Da­bei war der Schüt­ze ein Ein­zel­tä­ter. (...) Die Be­wäl­ti­gung der Na­zi­ver­gan­gen­heit spiel­te da­mals kaum eine Rol­le. (...) Nicht die Na­zis soll­ten weg, son­dern die klein­bür­ger­li­che Fa­mi­lie. Und vor al­lem das Ka­pi­tal.

    2.) 1968 war auch k-ein not­wen­di­ger Ka­ta­ly­sa­tor für ein li­be­ra­le­res Deutsch­land. Die 68 waren Schmarotzer eines Systems, das sie bekriegten:

    Röhl: "Die Re­for­men wa­ren alle schon vor­her ein­ge­lei­tet: die Ent­na­zi­fi­zie­rung, die Eman­zi­pa­ti­on der Frau, die Li­be­ra­li­sie­rung der Fa­mi­li­en. Die 68er- Ge­ne­ra­ti­on ist viel­mehr die ers­te Nutz­nie­ße­rin der neu­en Frei­hei­ten. Wenn Sie in de­ren Bio­gra­fi­en gu­cken (...) be­vor sie 18 wa­ren? Die sind ins Kino ge­gan­gen, ha­ben Sport ge­trie­ben, wa­ren Ski lau­fen. Die hat­ten eine un­po­li­ti­sche, glück­li­che Ju­gend in ei­ner Wohl­stands­ge­sell­schaft mit wach­sen­der Li­be­ra­li­tät. Sie wa­ren Nutz­nie­ßer von mehr Ta­schen­geld, der Pil­le, ei­nem Plat­ten­spie­ler zu Hau­se. Ge­knallt hat es, weil es bei den Jün­ge­ren plötz­lich eine neue Läs­sig­keit, ein Auf­bruch­ge­fühl gab. Die Älte­ren, die den Krieg er­lebt hat­ten, de­nen Spa­ren, Ord­nung und auch Au­to­ri­tät et­was be­deu­te­te, ka­men ih­nen spie­ßig vor.

    3.) Es gab k-ei­nen Grund zur Revolte:

    Röhl: "Die Zeit war vol­ler En­er­gie. Es gab ja im Wes­ten eine wah­re Kul­tur­ex­plo­si­on, in der Mu­sik, in der Mode. In Ver­ken­nung des­sen, was in Chi­na ge­schah, ver­misch­ten die 68er die­se fan­tas­ti­sche Ent­wick­lung im Wes­ten mit der völ­ker­mör­de­ri­schen chi­ne­si­schen Kul­tur­re­vo­lu­ti­on, die zum Vor­bild ge­macht wur­de.

    4.) Es gab auch k-eine "ur­psy­cho­lo­gi­schen Grün­de ge­gen das Schwei­gen der El­tern nach der Na­zi­zeit". Diese These vertuscht nur,...

    ..."dass man Mao Ze­dong hin­ter­her­ge­lau­fen war. Es gab in der äl­te­ren Ge­ne­ra­ti­on eine Ob­rig­keits­hö­rig­keit, das stimmt, aber die rühr­te aus dem Ge­fühl, das Le­ben kön­ne ganz schnell zu­sam­men­bre­chen. Die 68er hat­ten es doch viel bes­ser. Sie hat­ten zehn Le­ben. Stu­den­ten­re­vol­te, K-Grup­pe, ein paar Häu­ser be­set­zen, da­nach fünf Jah­re Bhag­wan-Sek­te, ein Stu­di­um be­en­den, dann noch mal Kar­rie­re in der Po­li­tik. So vie­le Chan­cen – die gab es vor­her nicht, die gibt es auch heu­te nicht."

    5.) So hatte "der Ka­pi­ta­lis­mus eine Ge­ne­ra­ti­on er­schaf­fen, die dann ge­gen den Ka­pi­ta­lis­mus auf die Stra­ße ging":

    Röhl: "Ja, die 68er-Ver­tre­ter (...) spre­chen von ei­ner un­er­träg­li­chen Leich­tig­keit des Seins. Ihre selbst­emp­fun­de­ne Lee­re ha­ben die 68er mit Ideo­lo­gi­en ge­füllt, mit Karl Marx und Mao Ze­dong. (...) war ein sol­cher Fort­schritt und Schwung nach oben, aber es fehl­te of­fen­bar ein geis­ti­ger oder mo­ra­li­scher Über­bau. Jun­ge Leu­te wün­schen sich Sinn. Und dann ist die Re­vo­lu­ti­on zur Mode, zum Phan­tas­ma ge­wor­den."

  2. Ausgezeichneter Kommentatorunbedeutend
    4x Ausgezeichneter Kommentar
    13. April 2018 21:45

    Kreisky war der Zerstörer Österreichs. Er ist verantwortlich für mindestens eine Million getöteter ungeborener Kinder. Eine positive Sicht dieses Mannes scheint aber auch in der derzeitigen Regierung der Standard zu sein.

  3. Ausgezeichneter KommentatorSpecht
    3x Ausgezeichneter Kommentar
    13. April 2018 16:11

    Zu Punkt 3 Damals war ich 66-68 in China und musste nach meiner Rückkehr bei Gesprächen mit Studenten feststellen, dass man sie belogen und getäuscht hatte was die Verhältnisse in China betraf. Die konnten mir fast nicht glauben als ich ihnen die tatsächlichen Zustände und die verrückte Kulturrevolution beschrieb. Es ist offensichtlich ein geplanter Zug gewesen, von wem auch immer, die Studenten und andere Avantgardisten zu täuschen. So wie nach dem Konzil plötzlich nur mehr über den Geist des Konzils gesprochen wurde und nicht über die tatsächlichen Beschlüsse. Eine Phase der unverschämtesten Lügen in der Politik und nun bis in die Kirche ist bezeichnend für unsere Zeit.

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  1. Ausgezeichneter Kommentatorunbedeutend
    4x Ausgezeichneter Kommentar
    13. April 2018 21:45

    Kreisky war der Zerstörer Österreichs. Er ist verantwortlich für mindestens eine Million getöteter ungeborener Kinder. Eine positive Sicht dieses Mannes scheint aber auch in der derzeitigen Regierung der Standard zu sein.

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  1. JA (kein Partner)
    17. April 2018 09:49

    Sehr interessant. Aber natürlich kommt bei Herrn Schrems schließlich immer der unbeirrbare, krampfhafte Glaube an Überlegenheit des Katholizismus durch. Das urchristlicher Glaube in vielen Bereichen nichts damit gemein hatte (Sakramente, Heiligenverehrung, und spätere Einbindung vieler anderer heidnischer Elemente) lässt sein Weltbild nicht zu. Da geht es lieber gegen Luther (der zumindest nicht als unfehlbarer Stellvertreter Gottes auf Erden galt) der einige zentrale Punkte echten Christentums "wiederentdeckte". Die heutige evangelische Kirche bzw. viele Protestanten haben mit diesen Entdeckungen Luthers freilich meist nichts mehr gemein. Ca. genauso wenig wie die kath. Kirche mit Petrus.

  2. Peregrinus
    16. April 2018 18:30

    Der „Geist“ der 68er wurde von deren Sympathisanten immer wieder mit der Begründung in den Himmel gehoben, dass es deren Elterngeneration versäumt habe, die Naziverbrechen aufzuarbeiten. So harmlosen Gestalten wie Lenin, Trotzki, Mao Tse-tung, Ho Chi Minh etc. wuden zu Vorbildern. Stalin war – zumindest offiziell – etwas aus der Mode gekommen und daher nicht als Heiliger im Gespräch. Dass Lenin kein geringer Verbrecher war, ist z.B. bei Lew Kopelew nachzulesen (Titel: „Und schuf mir einen Götzen“ oder so ähnlich).

    Zu den wahren Verbrechern zählt ein gewisser „Adenauer“. In den letzten Kriegstagen nur knapp dem Transport ins KZ entgangen. Seine Frau starb wenige nach dem Krieg an den Misshandlungen, die sie durch die Nazis erlitten hatte. Adenauer hat unter schwierigsten Umständen ein total am Boden liegendes Volk wieder in die Gemeinschaft der Völker zurückgeführt und wesentlich dazu beigetragen, die Bundesrepublik zum vorbildlichen Rechtsstaat zu machen. Dies unter tatkräftiger Mithilfe von Ludwig Erhard, der die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen schuf.

    Helmut Schmidt hat dies als Elder Statesman immer wieder betont und auch die 68er treffend als Übel dargestellt.

    Bruno Kreisky wird auch heute noch als der große Erneuerungskanzler vermarktet. Eine hin und hin überschätzte Person, die uns weis machen wollte, dass auf ihn die Welt höre. In einem Kreisky-Porträt, in das auch Helmuth Schmidt eingebunden war, wurde dieser sinngemäß gefragt, ob er bei Kreisky Rat eingeholt hätte. Ein klares – mit eindeutiger Mimik geprägtes – Nein war die Folge. In einer späteren Wiederholung dieses Fernsehfilms fand ich diese Passage nicht mehr – wurde sie geschnitten oder bin ich da kurz eingenickt?

    Die Wirtschaftskompetenz des verblichenen Altkanzlers war sprichwörtlich. So sagte in einer kleinen Runde von vier Personen -(darunter: ein Landeshauptmann und meine Wenigkeit) - einer der bedeutendsten österreichischen Finanz- und Wirtschaftspolitiker der zweiten Republik: "Ich habe es mit einer Viererbande von Ignoranten zu tun. Der einzige, der begreift, worum es geht, ist der Androsch. Bis wir aber die Anderen von notwendigen Maßnahmen überzeugt haben, vergehen oft Monate und dann hat sich nicht selten die wirtschaftliche Lager verändert und sie begreifen nicht, dass man deshalb nun andere Maßnahmen setzen muss."

    Ja, ja mit den 68ern hatte Kreisky schon seine Freude. Zum Glück zählt(e) auch Heinz Fischer dazu und dessen Mitstreiter ?arly Blecha. Wir leiden unter deren „Roten Markierungen“ noch heute.

  3. unbedeutend (kein Partner)
    13. April 2018 21:45

    Kreisky war der Zerstörer Österreichs. Er ist verantwortlich für mindestens eine Million getöteter ungeborener Kinder. Eine positive Sicht dieses Mannes scheint aber auch in der derzeitigen Regierung der Standard zu sein.

  4. Specht
    13. April 2018 16:11

    Zu Punkt 3 Damals war ich 66-68 in China und musste nach meiner Rückkehr bei Gesprächen mit Studenten feststellen, dass man sie belogen und getäuscht hatte was die Verhältnisse in China betraf. Die konnten mir fast nicht glauben als ich ihnen die tatsächlichen Zustände und die verrückte Kulturrevolution beschrieb. Es ist offensichtlich ein geplanter Zug gewesen, von wem auch immer, die Studenten und andere Avantgardisten zu täuschen. So wie nach dem Konzil plötzlich nur mehr über den Geist des Konzils gesprochen wurde und nicht über die tatsächlichen Beschlüsse. Eine Phase der unverschämtesten Lügen in der Politik und nun bis in die Kirche ist bezeichnend für unsere Zeit.

  5. Forster
    11. April 2018 09:44

    Der verlogene Mythos der 68er beruht darauf, dass diese selbst ihre eigene Geschichtsdeutung gechrieben und verklärt haben.
    Die eigene (!) Tochter der Ex-RAF-Terroristin Ulrike Meinhof, Betina Röhl (55 Jahre), räumt mit dieser "Verheiligungs-Sprechung" radikal auf (Spiegel-Interview Ausgabe 14 / 18)

    1.) Es gab k-eine not­wen­di­ge Aus­ein­an­der­set­zung mit der NS-Zeit:

    Röhl: "Die Ausch­witz­pro­zes­se wa­ren (bereits) vor­her. (...) Bei den Schüs­sen auf den Stu­den­ten­füh­rer Rudi Dutsch­ke pro­ga­gier­te (man), dass die Bun­des­re­pu­blik mit­ge­schos­sen hät­te. Da­bei war der Schüt­ze ein Ein­zel­tä­ter. (...) Die Be­wäl­ti­gung der Na­zi­ver­gan­gen­heit spiel­te da­mals kaum eine Rol­le. (...) Nicht die Na­zis soll­ten weg, son­dern die klein­bür­ger­li­che Fa­mi­lie. Und vor al­lem das Ka­pi­tal.

    2.) 1968 war auch k-ein not­wen­di­ger Ka­ta­ly­sa­tor für ein li­be­ra­le­res Deutsch­land. Die 68 waren Schmarotzer eines Systems, das sie bekriegten:

    Röhl: "Die Re­for­men wa­ren alle schon vor­her ein­ge­lei­tet: die Ent­na­zi­fi­zie­rung, die Eman­zi­pa­ti­on der Frau, die Li­be­ra­li­sie­rung der Fa­mi­li­en. Die 68er- Ge­ne­ra­ti­on ist viel­mehr die ers­te Nutz­nie­ße­rin der neu­en Frei­hei­ten. Wenn Sie in de­ren Bio­gra­fi­en gu­cken (...) be­vor sie 18 wa­ren? Die sind ins Kino ge­gan­gen, ha­ben Sport ge­trie­ben, wa­ren Ski lau­fen. Die hat­ten eine un­po­li­ti­sche, glück­li­che Ju­gend in ei­ner Wohl­stands­ge­sell­schaft mit wach­sen­der Li­be­ra­li­tät. Sie wa­ren Nutz­nie­ßer von mehr Ta­schen­geld, der Pil­le, ei­nem Plat­ten­spie­ler zu Hau­se. Ge­knallt hat es, weil es bei den Jün­ge­ren plötz­lich eine neue Läs­sig­keit, ein Auf­bruch­ge­fühl gab. Die Älte­ren, die den Krieg er­lebt hat­ten, de­nen Spa­ren, Ord­nung und auch Au­to­ri­tät et­was be­deu­te­te, ka­men ih­nen spie­ßig vor.

    3.) Es gab k-ei­nen Grund zur Revolte:

    Röhl: "Die Zeit war vol­ler En­er­gie. Es gab ja im Wes­ten eine wah­re Kul­tur­ex­plo­si­on, in der Mu­sik, in der Mode. In Ver­ken­nung des­sen, was in Chi­na ge­schah, ver­misch­ten die 68er die­se fan­tas­ti­sche Ent­wick­lung im Wes­ten mit der völ­ker­mör­de­ri­schen chi­ne­si­schen Kul­tur­re­vo­lu­ti­on, die zum Vor­bild ge­macht wur­de.

    4.) Es gab auch k-eine "ur­psy­cho­lo­gi­schen Grün­de ge­gen das Schwei­gen der El­tern nach der Na­zi­zeit". Diese These vertuscht nur,...

    ..."dass man Mao Ze­dong hin­ter­her­ge­lau­fen war. Es gab in der äl­te­ren Ge­ne­ra­ti­on eine Ob­rig­keits­hö­rig­keit, das stimmt, aber die rühr­te aus dem Ge­fühl, das Le­ben kön­ne ganz schnell zu­sam­men­bre­chen. Die 68er hat­ten es doch viel bes­ser. Sie hat­ten zehn Le­ben. Stu­den­ten­re­vol­te, K-Grup­pe, ein paar Häu­ser be­set­zen, da­nach fünf Jah­re Bhag­wan-Sek­te, ein Stu­di­um be­en­den, dann noch mal Kar­rie­re in der Po­li­tik. So vie­le Chan­cen – die gab es vor­her nicht, die gibt es auch heu­te nicht."

    5.) So hatte "der Ka­pi­ta­lis­mus eine Ge­ne­ra­ti­on er­schaf­fen, die dann ge­gen den Ka­pi­ta­lis­mus auf die Stra­ße ging":

    Röhl: "Ja, die 68er-Ver­tre­ter (...) spre­chen von ei­ner un­er­träg­li­chen Leich­tig­keit des Seins. Ihre selbst­emp­fun­de­ne Lee­re ha­ben die 68er mit Ideo­lo­gi­en ge­füllt, mit Karl Marx und Mao Ze­dong. (...) war ein sol­cher Fort­schritt und Schwung nach oben, aber es fehl­te of­fen­bar ein geis­ti­ger oder mo­ra­li­scher Über­bau. Jun­ge Leu­te wün­schen sich Sinn. Und dann ist die Re­vo­lu­ti­on zur Mode, zum Phan­tas­ma ge­wor­den."





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