Politischer Anstand oder Chuzpe

Lesezeit: 2:30

Die aktuelle Debatte um sexuelle Belästigung oder etwa auch die Diskussion um Gaffer, die bei Unfällen die Arbeit der Rettungskräfte behindern, zeigt, dass uns eine Qualität, die man einmal Anstand nannte, zunehmend abhanden gekommen ist. Das soll jetzt kein Lamento unter dem Motto, dass "früher alles besser war" war, sein. Und auch der Verfall der Sitten wird nicht erst seit gestern beklagt. Aber haben nicht allzu viele in unserer Gesellschaft das Gefühl dafür verloren, was "man einfach nicht tut, was sich nicht gehört?". Hilflos gegenüber einem ungehobelten Zeitgeist wird deshalb der Ruf nach dem Strafrecht laut, weil für viele heute gilt, dass alles "geht", solange es nicht explizit gesetzlich geregelt ist.

Das ist eine fatale Entwicklung, die etwa dazu führt, dass man in Schweden ernsthaft ein "Einverständnisgesetz" für sexuelle Kontakte plant. Und auch für die Diesel-Abgastests an Affen und Menschen gab es wohl keine rechtlichen Schranken – also wurden sie gemacht.

Der Ton, die Beschimpfungen und Hasspostings in Internet-Foren zeigen, dass gesellschaftliche Normen für viele heute nicht mehr gelten. Schlechtes Benehmen fällt umso leichter, wenn es zudem Personen vorleben, die Vorbildfunktion haben sollten. Man denke etwa an das wiederholt rüpelhafte Benehmen des US-Präsidenten, der etwa beim NATO-Gipfel im Vorjahr den montenegrinischen Ministerpräsidenten einfach beiseiteschob, um sich in der ersten Reihe besser in Szene zu setzen, oder der vor laufender Kamera einen Behinderten verspottete. Auch dass Trump mit sexuellen Übergriffen gegen Frauen prahlte, ist wohl noch in Erinnerung.

Ein deutsches Magazin kann ungestraft ein Foto von Sebastian Kurz plus Fadenkreuz mit der Aufforderung "Baby-Hitler töten" bringen, weil es eben "Satire"(?) ist. Und der heimische Presserat findet nichts dabei, wenn das linke Wochenblättchen "Falter" den Bundeskanzler als "Feschist" bezeichnet, was immerhin sogar "Profil" unredlich fand.

Und dass wir heute Eltern, die auch oftmals gar nicht mehr zu Sprechtagen kommen, mit Geldstrafen an die Schulpflicht ihrer Kinder "erinnern" müssen, ist sicherlich nicht zuletzt auch der gesellschaftsverändernden Ideologie des "anything goes" einer fatalen 68er Permissivität geschuldet.

Haltet den Dieb!

Auch die Beispiele aus der heimischen Politik sind leider vielfältig. Der Langzeitkanzler Werner Faymann etwa finanzierte seinen politischen Aufstieg durch Inserate aus Steuergeld, wozu der "Standard" trocken meinte: "Mittelmäßiger Kommunalpolitiker zum Kanzler gekauft".

Faymanns Nachfolger, Kurzzeitkanzler Christian Kern, kritisierte zwar diese "populistische Boulevarddemokratie", schaffte aber in puncto Anstand ein neuen Tiefpunkt: Nachdem aufgeflogen war, dass die SPÖ und ihr Wahlkampfberater Tal Silberstein hinter der krass fremdenfeindlichen und antisemitischen Facebook-Seite "Die Wahrheit über Sebastian Kurz" und der gefälschten Kurz-Fan-Seite "Wir für Sebastian Kurz" steckten, entschuldigte sich Kanzler Christian Kern nicht etwa, sondern versuchte – nach dem Motto "Haltet den Dieb" - die ÖVP anzupatzen.  Zudem war Kerns Behauptung, man hätte "die Zusammenarbeit mit Herrn Silberstein am 14. August eingestellt" nicht einmal die halbe Wahrheit, denn Silbersteins Team konnte ungehindert weiterwirken.

Obwohl persönlich nicht involviert, zog der FPÖ-Politiker Udo Landbauer in der erbärmlichen Liederbuch-Affäre – spät aber doch – als Funktionär seiner Burschenschaft zu Recht politische Konsequenzen.

Herr Kern – notabene – ist immer noch im Amt.

(Dr. Herbert Kaspar war viele Jahre Herausgeber bzw. Chefredakteur der ACADEMIA, der Zeitschrift des österreichischen Cartellverbandes. Der Beitrag ist sein Gastkommentar in der jüngsten Ausgabe dieser Publikation.)

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die besten Kommentare

  1. Ausgezeichneter KommentatorIngrid Bittner
    5x Ausgezeichneter Kommentar
    30. März 2018 18:42

    Das geplante "Einverständnisgesetz" in Schweden macht zwischenmenschliche Beziehungen zu einem reinen Geschäft. Wenn Du unterschreibst, dann darfst du mir nähertreten oder so. Das ist doch fatal.

  2. Ausgezeichneter KommentatorIngrid Bittner
    5x Ausgezeichneter Kommentar
    30. März 2018 18:39

    Zum politischen Anstand der SPÖ: Der Parteichef ist doch für alles, was in der Partei passiert, verantwortlich, so wird's dauernd gepredigt. Aber hat man je ein Wort von Kern zum Bundesrat Schennach und seiner Aussage: Bekanntlich macht Arbeit frei - gehört? Wobei das ja noch nicht das einzige "Vergehen" war, viel schlimmer finde ich persönlich das Ansinnen dieses Bundesrats, man solle diese, seine bedenkliche Aussage halt aus dem Bundesratsprotokoll streichen.
    Was sagt der Kürzestkanzler dazu? Natürlich nichts.
    Und was sagte Kern erst in seiner letzten Pressekonferenz zum Antirauchervolksbegehren? Wegen besseren ERfolgsaussichten habe man dieses über die Ärztekammer und nicht über die Partei "gespiel" - ist das politischer Anstand?
    Und was glaubt Hr. Kern jetzt? Er sei der große Zampano und könnte mit Macron eine Plattform für die nächste EU-Wahl bilden. Da schätzt er wohl Macron falsch ein, der tut sich nicht mit Verlierern zusammen.

  3. Ausgezeichneter Kommentatorpressburger
    4x Ausgezeichneter Kommentar
    30. März 2018 21:05

    In den linken ideologischen Wörterbuch kommt Anstand oder anständig sein, nicht vor. Kann auch nicht vorkommen. Die Marxisten waren nie anständig, sie waren nie ehrlich. Das Ziel war und ist, die Vernichtung des Klassenfeindes. Dieses Ziel ist mit Anstand nicht zu erreichen. Deswegen ist täuschen und lügen, ein integrierender Bestandteil der Taktik der Linken um an die Macht zu kommen und an der Macht zu bleiben.

  4. Ausgezeichneter Kommentatorglockenblumen
    4x Ausgezeichneter Kommentar
    30. März 2018 18:58

    ja, wie ich schon oft sagte: im Messen mit zweierlei Maß sind die Linken unübertroffen.
    Die dürfen schimpfen, denunzieren, ganz offen ihren unbändigen Haß auf alle Andersdenkenden zeigen, schreiben und schreien, sie dürfen als "Antifa" zerstören, marodieren, brandschatzen, Pflastersteine auf Andersdenkende werfen....
    ohne Konsequenzen!

    Wohingegen jemand, der von einem alten Liederbuch wahrscheinlich gar keine Ahnung hatte, diffamiert und durch den Dreck gezogen wird.
    Genau zwei Tage vor der Wahl... ein Schelm, der Böses denkt.

    Und es stimmt: Anstand, Ehre Wahrhaftigkeit, gutes Benehmen, Respekt voreinander, Ehrlichkeit, Achtung vor dem Leben als solches (ich denke hier ganz besonders an die vielen getöteten Ungeborenen!) - all das. was eine zivilisierte Gesellschaft ausmacht, ist abhanden gekommen.

    Warum? Weil eine gewissen- und verantwortunglose Politik keine anderen Sorgen hat, als
    - Genderismus - was mE eine Geisteskrankheit ist

    - Schulen zu Wohlfühl- und Indoktrinierungsanstalten umzugestalten, in denen echte Bildung ein Fremdwort ist

    - eine Rechtsprechung die jeglichem Empfinden für Recht Hohn spricht - siehe das Schandurteil zu Tulln

    - das Land mit Leuten zu fluten, welche uns, unsere Religion, unsere Kultur und Sitten zutiefst verachten, zudem noch größtenteils ungebildet und unqualifiziert sind

    - Quoten statt Leistung und Qualifikation voranzustellen

    - die eigene infantile Eitelkeit und Machtgier auf dem Rücken des Volkes auszutragen, anstatt produktiv zusammenzuarbeiten

    - Medien zu fördern, die bloße Propagandaapparate sind

    - nur schön politisch korrekt zu bleiben, anstatt Verbrecher - ganz besonders jene, die sich illegal im Land aufhalten - mit aller Härte zu bestrafen und des Landes zu verweisen

    - Organen der Sicherheit (Polizei, Militär) vor lauter politischer Korrektheit und grenzenloser Feigheit in den Rücken zu fallen

    und um dem ganzen die Krone aufzusetzen:
    Der Steuerzahler soll bzw. muß diese ganze Last tragen... Das ist die größte Chuzpe dabei :-(

    wie heute schon ein Zitat von Alexander Issajewitsch Solschenizynei in @Niklas Salm's Gastkommentar zu lesen war:

    "Ein marxistisches System erkennt man daran, dass es die Kriminellen verschont und den politischen Gegner kriminalisiert."

  5. Ausgezeichneter KommentatorBürgermeister
    3x Ausgezeichneter Kommentar
    30. März 2018 20:06

    Politischer Anstand vom CV? Das ist doch wirklich ein pikanter Vortrag.

    Der Anstand in der Gesellschaft geht meines Erachtens den Bach hinunter, weil jegliche politische Vorbildwirkung fehlt. Ein fußfesseltragender Innenminister ist genausowenig geeignet der Gesellschaft "Anstand" zu vermitteln wie eine Ex-Parteichefin die jeden Satz in ein moralisches Mäntelchen hüllt, um dann für einen Glücksspielkonzern auf dem Elend anderer zu leben.

    Es geht quer durch alle Parteien. Natürlich kann man nicht alle über einen Kamm scheren, aber die Verkommenheit in der politischen Kaste übertrifft im Mittel offenbar die jedes anderen Berufsstandes (vielleicht mit Ausnahme: Autohändler und Immobilienmakler).

    Über das rote Pack will ich heute am Karfreitag nicht sprechen - das sind sie heute nicht wert.

    Wenn man sich das Beispiel Glawischnig ansieht muss man feststellen: die umgekehrte moralische Anmaßung gibt es beim "einfachen" Bürger nicht. Ich kenne jedenfalls keine verbrauchte Porno-Darstellerin die sich hinstellt und als "moralische Institution" aufspielt.

  6. Ausgezeichneter KommentatorBob
    1x Ausgezeichneter Kommentar
    31. März 2018 10:09

    Linke und Anstand, das passt einfach nicht zusammen. Wer von der Lüge lebt, wird durch die Lüge umkommen!


alle Kommentare

  1. Bob
    31. März 2018 10:09

    Linke und Anstand, das passt einfach nicht zusammen. Wer von der Lüge lebt, wird durch die Lüge umkommen!

    • pressburger
      31. März 2018 16:36

      Optimismus ist zu behaupten, dass wer von der Lüge lebt, wird durch die Lüge umkommen. Die Lüge hat Hosenbeine.

  2. pressburger
    30. März 2018 21:05

    In den linken ideologischen Wörterbuch kommt Anstand oder anständig sein, nicht vor. Kann auch nicht vorkommen. Die Marxisten waren nie anständig, sie waren nie ehrlich. Das Ziel war und ist, die Vernichtung des Klassenfeindes. Dieses Ziel ist mit Anstand nicht zu erreichen. Deswegen ist täuschen und lügen, ein integrierender Bestandteil der Taktik der Linken um an die Macht zu kommen und an der Macht zu bleiben.

  3. Bürgermeister
    30. März 2018 20:06

    Politischer Anstand vom CV? Das ist doch wirklich ein pikanter Vortrag.

    Der Anstand in der Gesellschaft geht meines Erachtens den Bach hinunter, weil jegliche politische Vorbildwirkung fehlt. Ein fußfesseltragender Innenminister ist genausowenig geeignet der Gesellschaft "Anstand" zu vermitteln wie eine Ex-Parteichefin die jeden Satz in ein moralisches Mäntelchen hüllt, um dann für einen Glücksspielkonzern auf dem Elend anderer zu leben.

    Es geht quer durch alle Parteien. Natürlich kann man nicht alle über einen Kamm scheren, aber die Verkommenheit in der politischen Kaste übertrifft im Mittel offenbar die jedes anderen Berufsstandes (vielleicht mit Ausnahme: Autohändler und Immobilienmakler).

    Über das rote Pack will ich heute am Karfreitag nicht sprechen - das sind sie heute nicht wert.

    Wenn man sich das Beispiel Glawischnig ansieht muss man feststellen: die umgekehrte moralische Anmaßung gibt es beim "einfachen" Bürger nicht. Ich kenne jedenfalls keine verbrauchte Porno-Darstellerin die sich hinstellt und als "moralische Institution" aufspielt.

  4. glockenblumen
    30. März 2018 18:58

    ja, wie ich schon oft sagte: im Messen mit zweierlei Maß sind die Linken unübertroffen.
    Die dürfen schimpfen, denunzieren, ganz offen ihren unbändigen Haß auf alle Andersdenkenden zeigen, schreiben und schreien, sie dürfen als "Antifa" zerstören, marodieren, brandschatzen, Pflastersteine auf Andersdenkende werfen....
    ohne Konsequenzen!

    Wohingegen jemand, der von einem alten Liederbuch wahrscheinlich gar keine Ahnung hatte, diffamiert und durch den Dreck gezogen wird.
    Genau zwei Tage vor der Wahl... ein Schelm, der Böses denkt.

    Und es stimmt: Anstand, Ehre Wahrhaftigkeit, gutes Benehmen, Respekt voreinander, Ehrlichkeit, Achtung vor dem Leben als solches (ich denke hier ganz besonders an die vielen getöteten Ungeborenen!) - all das. was eine zivilisierte Gesellschaft ausmacht, ist abhanden gekommen.

    Warum? Weil eine gewissen- und verantwortunglose Politik keine anderen Sorgen hat, als
    - Genderismus - was mE eine Geisteskrankheit ist

    - Schulen zu Wohlfühl- und Indoktrinierungsanstalten umzugestalten, in denen echte Bildung ein Fremdwort ist

    - eine Rechtsprechung die jeglichem Empfinden für Recht Hohn spricht - siehe das Schandurteil zu Tulln

    - das Land mit Leuten zu fluten, welche uns, unsere Religion, unsere Kultur und Sitten zutiefst verachten, zudem noch größtenteils ungebildet und unqualifiziert sind

    - Quoten statt Leistung und Qualifikation voranzustellen

    - die eigene infantile Eitelkeit und Machtgier auf dem Rücken des Volkes auszutragen, anstatt produktiv zusammenzuarbeiten

    - Medien zu fördern, die bloße Propagandaapparate sind

    - nur schön politisch korrekt zu bleiben, anstatt Verbrecher - ganz besonders jene, die sich illegal im Land aufhalten - mit aller Härte zu bestrafen und des Landes zu verweisen

    - Organen der Sicherheit (Polizei, Militär) vor lauter politischer Korrektheit und grenzenloser Feigheit in den Rücken zu fallen

    und um dem ganzen die Krone aufzusetzen:
    Der Steuerzahler soll bzw. muß diese ganze Last tragen... Das ist die größte Chuzpe dabei :-(

    wie heute schon ein Zitat von Alexander Issajewitsch Solschenizynei in @Niklas Salm's Gastkommentar zu lesen war:

    "Ein marxistisches System erkennt man daran, dass es die Kriminellen verschont und den politischen Gegner kriminalisiert."

  5. Ingrid Bittner
    30. März 2018 18:42

    Das geplante "Einverständnisgesetz" in Schweden macht zwischenmenschliche Beziehungen zu einem reinen Geschäft. Wenn Du unterschreibst, dann darfst du mir nähertreten oder so. Das ist doch fatal.

  6. Ingrid Bittner
    30. März 2018 18:39

    Zum politischen Anstand der SPÖ: Der Parteichef ist doch für alles, was in der Partei passiert, verantwortlich, so wird's dauernd gepredigt. Aber hat man je ein Wort von Kern zum Bundesrat Schennach und seiner Aussage: Bekanntlich macht Arbeit frei - gehört? Wobei das ja noch nicht das einzige "Vergehen" war, viel schlimmer finde ich persönlich das Ansinnen dieses Bundesrats, man solle diese, seine bedenkliche Aussage halt aus dem Bundesratsprotokoll streichen.
    Was sagt der Kürzestkanzler dazu? Natürlich nichts.
    Und was sagte Kern erst in seiner letzten Pressekonferenz zum Antirauchervolksbegehren? Wegen besseren ERfolgsaussichten habe man dieses über die Ärztekammer und nicht über die Partei "gespiel" - ist das politischer Anstand?
    Und was glaubt Hr. Kern jetzt? Er sei der große Zampano und könnte mit Macron eine Plattform für die nächste EU-Wahl bilden. Da schätzt er wohl Macron falsch ein, der tut sich nicht mit Verlierern zusammen.

    • Gandalf
      30. März 2018 22:36

      Der Kürzestkanzler sagt nichts, weil ihm nichts (halbwegs vernünftiges) einfällt; vor allem aber, weil er noch immer nicht einmal weiss, was er zumindest im Interesse seiner Partei (die er gerade endgültig ruiniert), sagen müsste. Seine Gegner inner- und ausserhalb seiner Partei brauchen sich daher bloss bequem zurücklehnen und abwarten.

    • Torres (kein Partner)
      02. April 2018 11:37

      Doch, Macron tut sich durchaus gerne mit Verlierern zusammen, vorausgesetzt sie unterstützen ihn bei seinen EU-Phantasien - vor allem mit Geld. Bestes Beispiel: Angela Merkel.





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