Ökonomische Bildung

Die Marktwirtschaft ist eine Unternehmerwirtschaft und mit einer Eigentumsgesellschaft verbunden, in der wirtschaftlich denkende und handelnde Menschen ihr Leben zukunftsorientiert gestalten können. Selbstdisziplin, Verantwortung, Eigenleistungen und Kapitalbildung ermöglichen Produktivität und Wohlstand. Die Gewinnorientierung der Unternehmer dient den Kunden. Der Wettbewerb ist mit Neuerungen verbunden.

Effizientes Wirtschaften und kluge Geldanlagen dienen einem Vermögensaufbau – auch zum Verschenken und zum Vererben! Ökonomische Bildung ist eine unverzichtbare Basis für Finanzbildung. Ohne Finanzbildung kann auch eine Anlageberatung nicht gelingen.

Die Jugendlichen sind mit 16 Jahren wahlberechtigt! Politische Bildung erfordert eine ökonomische Bildung. Wie sonst sollen die Wähler die Folgen der Finanzpolitik und der Geldpolitik erkennen und beurteilen können?

In der AHS gibt es derzeit kein Unterrichtsfach „Ökonomische Bildung“, sondern das Fach „Geographie und Wirtschaftskunde“. Der neue Oberstufenlehrplan fordert eine „Bewertung ökonomischer Fragestellungen unter ethischen (!) Gesichtspunkten“. Entsprechend den beiden „Leitgedanken Solidarität und Nachhaltigkeit“ (!) steht „die gleichwertige (!) Sicherung der Lebensgrundlagen im Mittelpunkt (!)“.

Nach diesem Lehrplan geht es im Unterricht um die Beleuchtung von „Gewinner und Verlierer“, von „Verteilungsfragen“, von „Abhängigkeiten“, von „Entfremdungsprozessen“, von „gesellschaftlicher Inklusion und Exklusion“ und des „Zugangs zu Ressourcen“. „Unterschiede“ werden als „zentrale Fragestellungen der Ökonomie“ bezeichnet.

In den „Handlungsorientierten Basiskonzepten“, die gemeinsam mit den „Kompetenzen“ die „Lerninhalte“ steuern, werden z.B. folgende Fragen gestellt: „Warum wächst die Wirtschaft?“, „Muss und soll sie wachsen?“, „Ist wirtschaftliche Entwicklung unbedingt mit Wachstum gleichzusetzen?“ oder „Warum kommt es zu Krisen“.

„Märkte“ sind (laut Lehrplan) „immer mit Marktmacht verbunden“. „Theorien, die Märkte als frei von staatlicher und institutioneller Einbettung darstellen, sind (laut Lehrplan) kritisch zu hinterfragen“. Die Jugendlichen sollen über „interessengeleitete Wirklichkeiten“, über „Marktversagen“ und über „Konflikte und Krisen“ aufgeklärt werden. Dabei soll ein „multiperspektivischer Zugang“ gewählt werden. Die „Schüler sollen monokausalen Erklärungsansätzen misstrauen“ und „Strategien der Konflikt- und Krisenbewältigung“ erlernen sowie zu „einer Bildung für nachhaltige Entwicklung befähigt werden“.

Bei den Lehrinhalten des neuen Oberstufenlehrplanes sind NUR folgende Begriffe im Zusammenhang mit Wirtschaft genannt: „Marktversagen“, „Binnenmarkt“, „ökonomische Theorien“, „Unternehmer“, „Grundlagen der Buchhaltung“, „Wirtschaftsmodelle“, „Globalisierung“. Begriffe wie z.B.: Preise, Realeinkommen, Inflation, Deflation, Wirtschafts- und Währungsunion, EZB-Geldpolitik, Zinsen, Geldanlage, Wertpapiere, Börsen, Kapitalbildung, Investitionen, Arbeitsteilung, Wettbewerbsfähigkeit, Industrie, Tourismus, Leistungsbilanz, BIP, Konjunktur, Unternehmensformen, Bilanz, Gewinn- und Verlustrechnung, Interessenvertretungen, Kollektivvertrag, Betriebsrat, Arbeitsvertrag, Arbeitslosigkeit, Sozialversicherung, Pensionsreformen, Lohnnebenkosten, Budget, Steuern, Finanzausgleich, Transferleistungen, etc. fehlen im neuen Lehrplan!

Die Jugendlichen erwerben in der AHS-Oberstufe zu wenig Wirtschaftswissen und Wirtschaftsverständnis! Werden die zukünftigen Maturanten die Wirtschaftsnachrichten verstehen und beurteilen können?

Dieser Lehrplan soll offensichtlich nicht auf ein wirtschaftliches Denken und Handeln in einer wettbewerbsorientierten Marktwirtschaft, sondern auf eine Verpflichtung, solidarisch und nachhaltig dem Gemeinwohl (welchem?) zu dienen bzw. auf ein „Leben auf Kosten anderer“ („Umverteilungsgerechtigkeit“), vorbereiten.

Sind unternehmerischer und marktwirtschaftlicher Analphabetismus erwünscht? Ist ein antimarktwirtschaftliches Denken beabsichtigt? Wer hat die Verantwortung für diesen neuen Oberstufenlehrplan?

Es ist offensichtlich an der Zeit, ein neues Unterrichtsfach „Ökonomische Bildung“ an der AHS zu etablieren. Allgemeinbildung erfordert auch eine wirtschaftliche Alphabetisierung! Ökonomischer Analphabetismus kann beseitigt werden! Wirtschaftliches Denken und Handeln ist eine Voraussetzung für den Wohlstand!

Mag. Josef Stargl ist AHS-Lehrer in Wien

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