Islam-Verharmlosung durch "Islam-Kritik von innen"

Lesezeit: 4:30

Der arabisch-israelische Psychologe Ahmad Mansour tritt immer wieder als scharfer Kritiker der Verweigerung der Annahme „europäischer Werte“ durch vermeintlich traditionell lebende Muslime und deren „politische Instrumentalisierung“ durch islamische Verbände in Erscheinung. In leitender Funktion der EU-finanzierten „European Foundation for Democracy“ und als Berater für „Deradikalisierung“ scheut er vor scharfen Formulierungen, Kritik an bestehenden Verhältnissen und unbequemen Forderungen nicht zurück und wird daher regelmäßig als eine Art konstruktiver Islamkritiker wahrgenommen.

Im Standard vom 9.10.2016 hat er ein ausführliches und grundsätzlich ausgerichtetes Interview gegeben, das unter den Titel „Ein Kind mit Kopftuch ist Missbrauch“ gestellt wurde. Er problematisiert darin die „Generation Allah“ und kritisiert falsche Toleranz, linken Rassismus und das Kopftuch als politisches Symbol. Das Interview hat im Netz geradezu gewaltige Resonanz ausgelöst und ist derzeit Gegenstand heftiger Diskussionen in diversen Foren. Was sind die Argumente und Vorschläge von Ahmad Mansur wert?

Auch wenn die eine oder andere Aussage von Herrn Mansour auf den ersten Blick bemerkenswert oder sogar erfreulich ist, muss die Stoßrichtung seiner Analyse und deren Effekt doch als äußerst problematisch begriffen werden. Mansour spricht zunächst – genau wie die anderen Darlings der scheinbaren innerislamischen Kritikerszene – die besonders augenscheinlichen und krassen Missstände an, die stets mit dem Verhalten nicht-integrierter muslimischer Communities in Verbindung gebracht werden: Kopftuch bei Kindern, Zwangsehen, Schwimmunterrichts-Verbot, Burka etc.

Er holt damit die nach Hilfe flehenden, an den Systempolititikern verzweifelnden indigenen Österreicher/Europäer in ihrem Schmerz und ihrer Verlassenheit ab und erweckt den Anschein des Verständnisses für Ängste und Zweifel – „Hilfe naht!“. Im nächsten Schritt bezeichnet er diese Unerfreulichkeiten als Ausdruck von „religiösem Extremismus“. Das ist eine neutrale Formulierung, denn Extremismus könne sich ja jeder Religion bemächtigen, ist die implizite Aussage. Dieser religiöse Extremismus würde aus „patriarchalen Strukturen“ kommen, mit „problematischen Geschlechterrollen“, patriarchalem Gottesbild, Religion als „heiliges Tabu“ usw.

Gemeint ist mit dieser Wendung, dass diese Unerfreulichkeiten von außerhalb des Islam kommen, ihm sozusagen aufgezwungen werden. Im nächsten Schritt ein bisschen Soziologendeutsch mit klassischer „Frankfurter“ Ausrichtung: In den Bereich des Islam importiert wird all das Schlimme von „reaktionären Verbänden“, die Angstpädagogik und die Tabuisierung von Sexualität betreiben, die Opfer- und Feindbilder pflegen und Antisemitismus kultivieren würden – offenbar um irgendwie Macht auszuüben und politische Ziele verfolgen zu können. Das verläuft so ähnlich wie die Dinge, in denen Mansour die eigentlichen Gefahren ortet: „die Strukturen der Kirche, Rechtsextremismus, AfD usw“.  Wenn man diesen Köder geschluckt hat, kommt der finale Schritt, um den es eigentlich geht: „Islam und Muslime sind Teil unserer Gesellschaft“ … „Ich will, dass Islam und Muslime in Europa wie alle anderen gleichberechtigt angesehen werden.“

Das ist jetzt genau der Punkt: Worin sollen sie gleichberechtigt sein? In ihren staatsbürgerlichen Rechten und Pflichten, als Autofahrer oder Steuerzahler oder als Konsumenten im Supermarkt? Das zweifelt niemand an und das meint Herr Mansour auch nicht. Er meint: In ihrer Eigenschaft als Muslime, als Angehörige und Vollstrecker des Islam – in dieser Frage sollen sie gleichberechtigt sein, denn in einer anderen macht die Aussage keinen Sinn. Und nachdem Mansour in der vorhergehenden Schritten ganze Arbeit geleistet hat, um den Islam zu entlasten, ihn um alle problematischen Aspekte scheinbar zu bereinigen, denn diese würde ja nur „von außen“ in ihn hereingedrängt werden, ist es ja wohl kein Problem, dass Muslime als Vollzugsorgane des Islam gleichberechtigt sein sollen, oder?

Wer nicht schaut, woher die angesprochenen Übel kommen, läuft Gefahr, dieser Verharmlosungsoffensive zu erliegen. Wer sich aber die Mühe macht, danach zu fragen, was „patriarchale Strukturen“, „problematische Geschlechterrollen“, „antisemitische Einstellungen“ usw. hervorbringt, wird feststellen, dass diese Begriffe tatsächlich Verharmlosungen dessen sind, was der Koran seinen „Gläubigen“ vorschreibt.

Die Wesenszüge der islamischen Gottheit Allah sind nicht einfach „patriarchalisch“, sondern archetypisch für orientalische Despotie und Gewaltherrschaft; Zwangsverheiratung der Frau und ihre Unterstellung unter die Gerichtsbarkeit ihres Mannes sind im Koran ebenso vorgeschrieben, wie die Verhüllung der Frau und ihre Fernhaltung vom gesellschaftlichen Alltag außerhalb der häuslichen Gemeinschaft. Und Antisemitismus ist im Koran genauso gut begründet wie die Verachtung und Verfolgung von Christen, sofern sie sich nicht der Religion Allahs unterwerfen.

Gefährlich ist also tatsächlich nicht der „religiöse Extremismus“, sondern der „gemäßigte Islam“. Denn dieser gebiert immer und immer wieder – aus der Mitte seiner Eingeweide – Separatethik, Parallelgesellschaften, mangelnde Integrationsbereitschaft, Frauenunterdrückung, Feindschaft und Gewaltbereitschaft gegenüber „Ungläubigen“. Dieses Unterfutter ist mit schöner Regelmäßigkeit der Humus für fanatische Gewaltakte, die wir als Terror und Christenverfolgung erleben müssen. Nicht der einzelne Moslem ist die Gefahr, aber die Herstellung eines Geistes, von dem ein gläubiger Moslem, der von anderen Wertvorstellungen ferngehalten wird, leicht infiziert werden kann, weil er im Inneren des Islam vollständig grundgelegt ist.

Ob Mansour hier bewusst eine Agenda der Verharmlosung der eigentlichen Gefahr betreibt, ist nicht festzustellen und ihm vielleicht selbst nicht klar. Offenkundig aber ist, dass er den Weg verstellt, die Dinge an der Wurzel zu erfassen.

Mag. Christian Zeitz ist wissenschaftlicher Direktor des Instituts für Angewandte Politische Ökonomie und Islambeauftragter des Wiener Akademikerbundes.

einen Kommentar schreiben
Teilen:
  • email
  • Add to favorites
  • Facebook
  • Google Bookmarks
  • Twitter
  • Print

die besten Kommentare

  1. Ausgezeichneter KommentatorIngrid Bittner
    16x Ausgezeichneter Kommentar
    26. Oktober 2016 11:28

    Hamed Abdel Samed (gestern bei Markus Lanz) u. a.:
    "In keiner anderen Religion ist allein die Tatsache, dass man ungläubig ist, ein Todesurteil" - braucht's noch mehr?

  2. Ausgezeichneter KommentatorMariahilferin
    12x Ausgezeichneter Kommentar
    26. Oktober 2016 12:53

    Ich warte noch immer darauf, dass mir diese Moslems, die vorgeben, einen toleranten, gewaltfreien, liberalen Islam zu vertreten, ihre Interpretation des Koran und ihr Verhältnis zu den Schriften, die vom Leben ihres Propheten handeln, vorstellen. Ich bin wirklich sehr gespannt.

  3. Ausgezeichneter KommentatorBob
    9x Ausgezeichneter Kommentar
    26. Oktober 2016 16:27

    Die Kopfabschneider sorgen dann dafür das man schneller ins Paradies kommt. Eine fürsorgliche Religion.

  4. Ausgezeichneter KommentatorPumuckl
    8x Ausgezeichneter Kommentar
    27. Oktober 2016 12:36

    Dieser Analyse des Standart-Interviews von Herrn @ Mag. Zeitz kann gar nicht genug Beachtung geschenkt werden!

    Fallen wir nicht auf PLACEBO-BEMÜHUNGEN ZUR VERHARMLOSUNG DER ISLAMISCHEN INVASION, wie sie da im links-linksliberalem Standard verbreitet werden, herein.

  5. Ausgezeichneter KommentatorLeopold Franz
    6x Ausgezeichneter Kommentar
    27. Oktober 2016 12:55

    Diese Verharmlosungen fallen unter den Begriff "Taqyia", der erlaubten Täuschung im Rahmen der Landnahme. Auch Herr Dönmez, den ich vor einigen Tagen bei der Servus TV-Diskussion sah, ist ein wahrer Meister.

  6. Ausgezeichneter KommentatorHerby
    5x Ausgezeichneter Kommentar
    26. Oktober 2016 11:38

    Etwas was wirklich bedrückend ist am Islam: Die Einstellung gegenüber der Sklaverei.

    Das Christentum kann man als die klare u. deutliche "Befreiungsbotschaft" in Bezug auf alle Formen der Sklaverei bezeichnen, wenn man auch gestehen muss dass Christen u. christliche Nationen bis ins 19. Jahrhundert in die Sklaverei verwickelt waren: Siehe Südamerika u. die Südstaaten der USA.

    Jedoch ist es aus der Theologie des Islam nicht klar zu erkennen, dass die Sklaverei als etwas Unmögliches betrachtet wird. So wie es aussieht wird in der islamischen Theologie die Sklaverei als etwas "Normales" betrachtet.

    Aus Wikipedia dazu:

    " .... Der Koran betrachtet die Unterscheidung zwischen Herren und Sklaven als Teil der göttlichen Ordnung, beschreibt jedoch die Freilassung von Sklaven als wohltätigen Akt. So billigt der Koran auch das Konkubinat des freien Mannes mit seiner Sklavin. ... "

    Link: https://de.wikipedia.org/wiki/Sklaverei_im_Islam

    Mauretanien zum Beispiel ist ein islamisches Land im Westen Afrikas: Die Sklaverei ist dort seit einigen Jahren verboten, dennoch sagen Menschenrechtsorganisationen dass Mauretanien bis heute, 2016 den größten Anteil an Sklaven gemessen an der Gesamtbevölkerung weltweit hat.

  7. Ausgezeichneter KommentatorRiese35
    5x Ausgezeichneter Kommentar
    26. Oktober 2016 16:03

    @Christian Zeitz: Genau das ist das Problem. Die Religionen sind nicht gleich. Der Wurm liegt in den heutigen beiden Dogmen, alle Religionen wären gleich, und es gibt nur eine, disseitsorientierte "Überreligion" der "Fortschrittlichen Gesellschaft" (Gender etc.).

die besten Kommentare

  1. Ausgezeichneter Kommentatorcosinus
    4x Ausgezeichneter Kommentar
    28. Oktober 2016 12:48

    Dazu Marco Polo: „Der militante Moslem ist derjenige, der den Abtrünnigen enthauptet, während ihm der Gemäßigte die Füße festhält.“


alle Kommentare

  1. Wolfram Schrems (kein Partner)
    01. November 2016 18:59

    Sehr wichtige Analyse, trifft den Nagel auf den Kopf! Hier wird einfach eine raffiniertere da'wa betrieben, als wir sie gewohnt sind.
    Unter islamischen Vorzeichen kann es so und anders keine freie Gesellschaft geben. Denn nur die Wahrheit kann Freiheit ermöglichen.

  2. cosinus (kein Partner)
    28. Oktober 2016 12:48

    Dazu Marco Polo: „Der militante Moslem ist derjenige, der den Abtrünnigen enthauptet, während ihm der Gemäßigte die Füße festhält.“

  3. kritisch
    27. Oktober 2016 20:07

    Durch die behördliche Anerkennung, dass "es eine kanonisierte Koran-Übersetzung in die deutsche Sprache nicht gibt, zumal der authentische Text lediglich in arabischer Sprache gilt....." wird jegliche Diskussion über den Islam im Keime erstickt.

    So wird es weiterhin heißen, „das hat doch mit dem Islam nichts zu tun“, selbst wenn Gewalt gegen Nicht-Muslime im Geiste entsprechender Suren verübt wird

  4. Leopold Franz
    27. Oktober 2016 12:55

    Diese Verharmlosungen fallen unter den Begriff "Taqyia", der erlaubten Täuschung im Rahmen der Landnahme. Auch Herr Dönmez, den ich vor einigen Tagen bei der Servus TV-Diskussion sah, ist ein wahrer Meister.

  5. Pumuckl
    27. Oktober 2016 12:36

    Dieser Analyse des Standart-Interviews von Herrn @ Mag. Zeitz kann gar nicht genug Beachtung geschenkt werden!

    Fallen wir nicht auf PLACEBO-BEMÜHUNGEN ZUR VERHARMLOSUNG DER ISLAMISCHEN INVASION, wie sie da im links-linksliberalem Standard verbreitet werden, herein.

  6. Bob
    26. Oktober 2016 16:27

    Die Kopfabschneider sorgen dann dafür das man schneller ins Paradies kommt. Eine fürsorgliche Religion.

  7. Riese35
    26. Oktober 2016 16:03

    @Christian Zeitz: Genau das ist das Problem. Die Religionen sind nicht gleich. Der Wurm liegt in den heutigen beiden Dogmen, alle Religionen wären gleich, und es gibt nur eine, disseitsorientierte "Überreligion" der "Fortschrittlichen Gesellschaft" (Gender etc.).

  8. Mariahilferin
    26. Oktober 2016 12:53

    Ich warte noch immer darauf, dass mir diese Moslems, die vorgeben, einen toleranten, gewaltfreien, liberalen Islam zu vertreten, ihre Interpretation des Koran und ihr Verhältnis zu den Schriften, die vom Leben ihres Propheten handeln, vorstellen. Ich bin wirklich sehr gespannt.

  9. Herby
    26. Oktober 2016 11:38

    Etwas was wirklich bedrückend ist am Islam: Die Einstellung gegenüber der Sklaverei.

    Das Christentum kann man als die klare u. deutliche "Befreiungsbotschaft" in Bezug auf alle Formen der Sklaverei bezeichnen, wenn man auch gestehen muss dass Christen u. christliche Nationen bis ins 19. Jahrhundert in die Sklaverei verwickelt waren: Siehe Südamerika u. die Südstaaten der USA.

    Jedoch ist es aus der Theologie des Islam nicht klar zu erkennen, dass die Sklaverei als etwas Unmögliches betrachtet wird. So wie es aussieht wird in der islamischen Theologie die Sklaverei als etwas "Normales" betrachtet.

    Aus Wikipedia dazu:

    " .... Der Koran betrachtet die Unterscheidung zwischen Herren und Sklaven als Teil der göttlichen Ordnung, beschreibt jedoch die Freilassung von Sklaven als wohltätigen Akt. So billigt der Koran auch das Konkubinat des freien Mannes mit seiner Sklavin. ... "

    Link: https://de.wikipedia.org/wiki/Sklaverei_im_Islam

    Mauretanien zum Beispiel ist ein islamisches Land im Westen Afrikas: Die Sklaverei ist dort seit einigen Jahren verboten, dennoch sagen Menschenrechtsorganisationen dass Mauretanien bis heute, 2016 den größten Anteil an Sklaven gemessen an der Gesamtbevölkerung weltweit hat.

    • Reinhold Sulz
      26. Oktober 2016 12:29

      Christentum ist Befreiung. Ob jetzt von archetypischen Unterdrückungsformen oder Kastenwesen in Indien oder ideologischer Bevormundung durch Sozialismus.

      Auch wenn es heftige Verfehlungen - zumeist Rückfälle - sich christlich nennender Herrscher ganzer Epochen gab: Die Richtschnur ist da. Christentum schließt ja ein, dass es den perfekten, fehlerlosen Menschen nicht geben kann. Dass es aber immer die Entscheidung zum Guten und Verzeihung gibt. Auch wenn ganze Zeitalter Heuchelei betrieben zum Quadrat: Wohin es gehen soll, ist klar.

      Man lese manche Bibelstelle so: Christus sagte (und er lächelte dabei schelmisch): Eher kommt ein Kamel durch ein Nadelöhr als ein Reicher in...

    • Wyatt
      26. Oktober 2016 13:48

      Herby u. Sulzy
      lenken wieder einmal vom Thema ab oder haben sie den Kommentar von Mag. Christian Zeitz nicht gelesen oder einfah nur nicht verstanden?

    • Pennpatrik
      26. Oktober 2016 22:56

      In Bezug auf die Sklaverei möchte ich etwas zurechtrücken:
      Die katholische Kirche hat die Sklaverei in den USA stets abgelehnt. Die Position des Vatikan war in dieser Frage immer klar. Auch was die Menschenwürde der indogenen Bevölkerung Südamerikas betraf.

  10. Ingrid Bittner
    26. Oktober 2016 11:28

    Hamed Abdel Samed (gestern bei Markus Lanz) u. a.:
    "In keiner anderen Religion ist allein die Tatsache, dass man ungläubig ist, ein Todesurteil" - braucht's noch mehr?





Bitte OHNE Internet-Links (Kommentare mit Links werden nicht veröffentlicht)
verbleibende Zeichen: 700

Sicherheitsabfrage:
Bild neu laden

Ich will die Datenschutzerklärung lesen.


© 2020 by Andreas Unterberger (seit 2009)  Impressum  Datenschutzerklärung