Terror - im Namen welches Islams?

Unfassbarer Weise war es nun wieder einmal so weit, doch ehrlich betrachtet ist es nur eine Frage der Zeit gewesen. Ein fanatischer Moslem hat sich in Orlando offenbar die Aufforderung der Koransure 9,5 zum konkreten Handlungsleitmotiv gemacht, in der zu lesen ist: „Tötet die Ungläubigen, wo ihr sie findet, fangt sie ein, belagert sie und stellt ihnen aus jedem Hinterhalt nach.“

Nimmt man sich den Propheten Muhamad und das, was er sagte und lebte, ganz strikt zum Vorbild, lässt sich damit auch ein aus humanistischer Sicht absolut inakzeptables Verhalten rechtfertigen – wie man sieht. An den entsprechenden Versen dafür mangelt es nicht und gerade die Auslegungsregel, die bestimmt, späteren Verse den Vorrang vor früheren zu geben, führt dazu, dass erheblich problematische Aussagen als jedenfalls gültig gesehen werden. Doch es stellt sich die Frage, ob und inwieweit die Sprüche Muhamads und seine Taten so überhaupt stattgefunden haben.

Erstaunlich wenig bekannt ist, dass eine Reihe hochrangiger westlicher, insbesondere deutscher und meist jüdischer Forscher (beginnend bereits mit dem 19. Jhdt), allen voran Ignaz Goldziher (1850-1921), größte Bedenken gegen die Übernahme vieler innerislamischer Positionen als wissenschaftlich verbürgt entwickelten. Gerade die Judenverfolgung des Nationalsozialismus führte schließlich zu einer abrupten Zäsur dieser Forschungen, deren Ergebnisse über lange Zeit in der Versenkung verschwanden und erst in den letzten Jahrzehnten von einigen Forschern vermehrt aufgegriffen und vertieft wurden.

Man kann wesentliche Erkenntnisse dieser Forscher kurz so skizzieren:

  1. Wer davon ausgeht, der Koran sei eine völlig neue Offenbarung, die keinerlei Wurzeln in davor bestehenden Überlieferungen habe, übersieht Entscheidendes.
  2. Wer davon ausgeht, die Sira (Lebensgeschichte des Propheten) würde eine historisch auch nur einigermaßen haltbare Vita Muhamads bieten, ist gefordert, sich mit den Quellen neu zu befassen.
  3. Wer davon ausgeht, der Prophet Muhamad habe den Islam gegründet und diesen, so wie er sich heute darstellt, als sein unverfälschtes Erbe hinterlassen, sollte einen neuen Blick in die vorliegenden Forschungsergebnisse tun.

Damit stellt sich die Grundsatzfrage: Wie belegt ist denn all das, was man heute über die Gründung und die Geschichte des Islam zu wissen meint? Wie gesichert ist das, was in den Moscheen oder Schulen darüber gelehrt wird? Wie verbindlich ist der Teil der Lehre, worin Attentäter ihren Auftrag wahrnehmen?

Hier nun einige der (naturgemäß sehr heiß diskutierten, wild umstrittenen, aber dennoch sehr plausiblen) Fragestellungen und Erkenntnisse aus Kreisen historisch-kritischer Islamgelehrter zu drei ganz zentralen Themen, nämlich zum Koran, zum Propheten Muhamad und zur Entstehungsgeschichte des Islam, die geeignet sein könnten, unser Denken über den Islam gründlich infrage zu stellen.

A.   Der Koran

a)    Das Dogma

Ein zentrales islamisches Dogma postuliert, dass der Koran unerschaffen sei, sowie dass der Prophet Muhamad diesen Text direkt von Gott durch den Erzengel Gabriel empfangen und völlig unverändert überliefert habe. Darum sei jedes einzelne Wort unverrückbar, heilig und ewig gültig.

b)   Welcher Koran?

Doch welche der vorliegenden Versionen des Koran ist nun dermaßen heilig und einzigartig? Auch darauf gibt es eine klare Antwort. Der einzig authentische Koran, der jedoch z.B. von den Schiiten nicht anerkannt wird, ist jener in der Fassung des dritten Kalifen Othman, von dem die islamische Tradition annimmt, dass diese schon Mitte des 7. Jahrhunderts entstanden ist. Handschriftenfunde aus ?an?â’ im Jemen zeigen aber, dass der Koran jedenfalls bis mindestens Mitte des 8. Jahrhunderts „im Fluss war“ und es verschiedene Textvarianten gegeben hat, die bis heute trotz aller Vereinheitlichungsversuche überliefert sind. 

Nach islamischer Ansicht ist der Koran in reinstem Arabisch verfasst. Dazu ist zu sagen, dass das Schriftarabische als semitische Sprache eine reine Konsonantenschrift ist, deren Bedeutung sich je nach Vokalisation erheblich ändern konnte, was zwangsläufig zu unterschiedlichen Textvarianten führte. Dennoch, so die islamische Position, sei die Kairoer Fassung von 1924 eine identische Kopie des im Paradies aufbewahrten Originals. Allerdings ist weder der Ur-Koran des Kalifen Othman überliefert, noch liegen irgendwelche außerislamische Hinweise auf die Existenz eines Kalifen Othman überhaupt vor.

Der Koran wollte „die Schriften“, also Thora und Evangelium, erklären (Sure 75:17) und nahm demzufolge auf diese Bezug. Dafür spricht auch, dass das Wort Quran vom aramäischen Qeryan kommt, was so viel wie „Lektionar“, bedeutet. Ausgangsmaterial für weite Teile des frühen Korans wird wohl ein sogenanntes als „Diatessaron“ bezeichnetes Lektionar, also eine damals sehr gebräuchliche Zusammenfassung der vier Evangelien in Kurzform, gewesen sein. 

Vieles deutet darauf hin, dass die frühen Verse des Korans gar nicht in Arabisch, sondern in einem Syro-Aramäisch, also der damals in diesem Raum vorherrschenden Sprache, verfasst wurden. Und dass die sogenannten dunklen Verse des Korans nur deshalb so unverständlich erscheinen, weil man diese Tatsache im Laufe der Geschichte schließlich nicht mehr beachtet hatte. Natürlich ist es höchst brisant, wenn Chr. Luxenberg klarstellt, dass sich solche Übersetzungsfehler auch auf als sehr bedeutsam wahrgenommene Verse, wie z.B. auf die bekannten Paradiesjungfrauen beziehen. Nach Luxenbergs Erkenntnissen spricht der Korantext jedoch gar nicht von Jungfrauen, sondern eindeutig von "weißen, kristallklaren Trauben", von Früchten also, die in den Paradiesvorstellungen des Orients von alters her verankert sind und die im Koran – im Unterschied zu den Jungfrauen – auch an anderen Stellen vorkommen.

B.   Muhamad

Wenn nun die dogmatische Einordnung des Koran bei näherem Hinsehen viele Fragen aufwirft, wie steht es denn um den Propheten selbst?

a)    Das Muhamad-Motiv auf Münzen

Eine außerislamische Quelle für den Hinweis auf den Propheten Muhamad scheinen frühe Münzen aus dem 7. Jahrhundert zu sein. Der Numismatiker Volker Popp hat Münzen aus der Zeit des Omayyadenherrschers ?Abd al-Malik untersucht und festgestellt, dass sich darauf ein christliches Herrscherbildnis befindet. Darunter aber steht erstaunlicher Weise: „m?md“, also: „mu?ammad“. Solche Münzfunde belegen, dass die Mu?amad-Idee deutlich vor der Zeit aufgetaucht ist, die als Lebenszeit des islamischen Propheten angenommen wird und noch dazu fern der arabischen Halbinsel lokalisiert ist. Die christlichen Symbole auf diesen Münzen werden landläufig als besonderer Hinweis auf eine tolerante Haltung der neuen islamischen Herrscher gegenüber den Christen gewertet. Für Popp ergibt sich daraus jedoch etwas anderes, nämlich: Die arabischen Herrscher im 7. Jahrhundert waren noch Christen, denn zu der damaligen Zeit war völlig klar, dass der jeweilige Herrscher seinen Anspruch und seine Positionierung auf seinen Münzen außer Zweifel stellte.

b)   Muhamad: Ein Name oder vielleicht doch ein Partizip?

Wie aber kann man erklären, dass ein christlicher Herrscher seine Münzen mit dem Begriff „mu?ammad“ zieren lässt? Auch darauf findet sich eine erstaunlich plausible Antwort, die naturgemäß zu heftigen und sehr emotionalen Diskussionen Anlass gibt:

Grammatikalisch kann „mu?ammad“ sowohl ein Name sein, oder wie die ältesten Münzfunde dies deutlich machen, ein Partizip, also in der Bedeutung von „gelobt sei“. So könnte und müsste wohl das Inschriftenband im Felsendom von Jerusalem ganz neu gelesen werden. Im Islam wird der Beginn dieses Spruches gelesen als: „Muhammed ist der Knecht Gottes ….“ Nach Luxenberg ist jedoch eine andere Leseart viel wahrscheinlicher, wenn man davon ausgeht, dass „mu?ammad“ zu dieser Zeit als Name gänzlich unbekannt und dass der Erbauer des Felsendoms ?Abd al-Malik kein Muslim, sondern Christ war. Nach Luxenbergs Leseart ergibt sich folgende Übersetzung des Eingangsverses im Felsendom: „mu?ammadun ?abdu ’llâhi wa-rasûluhu“: „Gelobt sei der Knecht Gottes und sein Gesandter“. Wer dieser Knecht Gottes aber sei, war für die Christen der damaligen Zeit völlig klar: Jesus von Nazareth. Er war dieser zu Preisende, der zu Lobende, selbst dann wenn sein Name gar nicht direkt erwähnt wurde. 

Der Begriff „abd Allah“ wiederum bedeutet nichts anderes als „Gottesknecht“, und bezieht sich im Ausdruck ,ebenfalls auf Jesus als den „gepriesenen Gottesknecht“. In der islamischen Lesart bedeutet „muhamad abd Allah“ nichts anderes als „Mohammed ist der Knecht Gottes“. Doch dies wäre genauso fraglich wie den Vers „benedictus qui venit in nomine domini“ („Gepriesen der da kam im Namen des Herren“) zu übersetzen mit „Benedikt, der kam im Namen des Herren.“ 

c)    Die Großtaten Mohammeds im Lichte der außerislamischen Rezeption

Mohamad selbst ist historisch nicht fassbar. Demgegenüber stehen ganze Bibliotheken von religiösen Schriften, die den Propheten und sein Leben ausführlichst darstellen. Die frühesten Erwähnungen eines Muhamad tauchen 150 Jahre nach seinem vermuteten Tod, nach mündlichen Überlieferungen auf, das Gros sogar erst 200 – 300 Jahre danach. Doch mündliche Überlieferungen, ausschließlich aus islamischen Quellen, die erst nach so langer Zeit festgehalten wurden, sind für eine Evidenz zu wenig. Die unüberschaubare Zahl von faktisch nicht zu verifizierenden Hadithen (Sprüchen des Propheten), sowie die darauf fußende Sira (Lebensgeschichte des Propheten), scheiden nach fast einhelliger wissenschaftlicher Meinung als authentische Quellen gänzlich aus.

Aus der in Frage stehenden Zeit sind allerdings zahlreiche archäologische Hinterlassenschaften, wie z.B. Münzen, Inschriften, Bauwerke, Literatur, verbürgt. Doch nirgendwo findet sich auch nur eine Spur der Erwähnung des Propheten Muhamad aus Mekka. Selbst in der gut erhaltenen und ausführlichen Korrespondenz der Klöster und Bistümer dieser Zeit, finden sich keine Hinweise auf eine neue Religion der regierenden Araber, sehr wohl aber werden unterschiedliche, als häretisch beurteilte christliche Strömungen thematisiert. Das umfassende Schweigen sämtlicher außerislamischer Quellen über eine Persönlichkeit und eine Religion, die in wenigen Jahren die gesamte existierende Ordnung des Orients politisch wie religiös über den Haufen geworfen haben soll, ist nicht nachvollziehbar.

C.    Wie und wann entstand der Islam?

Der Islam als Religion entstand nach Meinung wesentlicher Forscher erst mit der Herrschaft der Abbâsiden, also Mitte des 9. Jahrhunderts und damit mehr als 2 Jahrhunderte nach der vermuteten Lebenszeit des Propheten. Der Abbâsidenkalif al-Ma’mûn (813–833) wollte zur Festigung seines arabischen Reiches den „wahren Glauben“ durchsetzen, und griff dabei zu massiven Maßnahmen der Unterdrückung. Was nicht ohne Folgen für die Christen und Juden blieb, die immer stärker verfolgt wurden. Ein treuer Untertan war nur mehr ein Gläubiger, der den Islam als seine Religion bekannte und lebte. Erst damit wurde der Islam zu einer eigenständigen Religion, und nicht mehr lediglich als eine christliche Häresie wahrgenommen.

Mit der Machtübernahme der Abbâsiden kam es zu einer immer schärferen Trennung zwischen Gläubigen und Ungläubigen, die ihren Ausfluss darin findet, dass der Koran den Begriff von „Andersgläubigen“, gegenüber denen es Toleranz geben könnte, gar nicht kennt. Die Ungläubigen wurden als Menschen gesehen, die sich dem umfassenden Machtanspruch der Herrschenden nicht gänzlich unterwerfen wollten, die nicht gewillt waren, die Staatsreligion anzunehmen und die demzufolge bekämpft wurden.

D.   Ergebnis

Man mag Muhamad als eine religiöse Persönlichkeit, etwa einen Prediger in der arabischen Wüste sehen. Nur dürfte dieser wenig mit der derzeit bekannten Vita des Propheten zu tun gehabt haben. Darüber hinaus ist eine einzige Person als exklusiver Verkünder des Korans aufgrund der Faktenlage nicht denkmöglich. Denn zweifellos hatte der Koran eine vielfältige Entwicklungsgeschichte über einen langen Zeitraum hinweg und damit „viele Väter“. Und es darf nicht vergessen werden, dass der Islam, wie wir ihn zu kennen glauben, erst von den Abbâsiden ab der Mitte des 9. Jahrhunderts vorwiegend aus politischen Motiven modelliert und genutzt wurde, um ihre Herrschaft zu festigen. Das legt nahe, den Abbâsiden-Islam als eine stark politische Religion wahrzunehmen. Nur wenn man sich davon bewusst trennt, kann man einen Islam andenken, der seine Rolle in und neben einem säkularen Staat findet.

Die vorliegenden Forschungsergebnisse lassen den Schluss zu, dass der Ursprung des Koran in christlichen liturgischen Texten zu finden ist und damit Quelle von Gemeinsamkeiten zwischen Juden, Christen und Moslems sein könnte. Damit wird aber auch deutlich, dass viele der aus westlicher Sicht sehr problematischen Ansatzpunkte des Islam, deutlich spätere Hinzufügungen sind, mit dem Ziel, damalige Herrschaftsverhältnisse zu untermauern. Und dass sie gerade aus diesem Gesichtspunkt heraus auch relativiert werden müssten. Was im Kern übrig bleibt, hat jedenfalls seine Wurzeln im frühen syrischen Christentum. Diese Erkenntnis könnte eine ganz neue Dimension von Nähe schaffen, durch all die vielen verbleibenden unterschiedlichen Auffassungen hindurch.

Der Weg, hin zu einem gedeihlichen Miteinander der monotheistischen Religionen, könnte also darin bestehen, sich der gemeinsamen Wurzeln zu besinnen und diesen Kern zu betonen – insbesondere auch als einen generellen Interpretationsschlüssel. Ein sich in diese Richtung entwickelnder Euro-Islam als Vorreiter, der dieser Religion die Türe der Aufklärung zumindest ein stückweit eröffnet und vielleicht sogar als Vorbild für andere Regionen der Welt dienen könnte, wäre da mittelfristig vielleicht eine gewisse Hoffnung.

Naturgemäß muss ein solcher Beitrag vieles offen lassen und gibt anderes lediglich sehr verkürzt wieder. Dem interessierten Leser seien deshalb die Materialien ans Herz gelegt, die diesem Artikel wesentlich zugrunde liegen:

Mag. Johannes Leitner ist verheiratet und Vater von sechs Kindern. Er ist Leiter eines genossenschaftlichen Revisionsverbandes, Steuerberater und war langjähriger Leiter einer christlichen Laiengemeinschaft im Raum Wien.

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die besten Kommentare

  1. Ausgezeichneter Kommentatorkritisch
    1x Ausgezeichneter Kommentar
    23. Juni 2016 07:45

    Danke, für diesen Blickwinkel. Leider hilft diese Sicht nicht, das Problem mit dem "realen Islam" zu lösen. Die IGGÖ sieht den Koran als eine von Menschen unveränderbare göttliche Offenbarung. So ist es ihr auch gelungen, die Zustimmung der österreichischen Behörden für die Formulierung zu finden, dass "es eine kanonisierte Koran Übersetzung in die deutsche Sprache nicht gibt, zumal der authentische Text lediglich in arabischer Sprache gilt...".
    Damit hat unsere Behörde einen Text genehmigt, den sie nicht versteht und damit hat sie jeglicher logischer Auseinandersetzung mit den islamischen Glaubensgrundlagen den Boden entzogen. So können auch die islamischen Tötungsgebote nicht geklärt oder gar untersagt werden. De facto wurde Österreich durch diese behördliche Entscheidung ein islamischer Staat.

  2. Ausgezeichneter KommentatorWolfram Schrems
    1x Ausgezeichneter Kommentar
    23. Juni 2016 14:06

    Sehr interessanter Beitrag. Danke.

    Norbert Pressburgs erwähnte Abhandlung hat viel für sich. Denn auch die Kirchenväter des 7. und 8. Jhdt. erwähnen m. W. nie einen "Islam" oder einen "Mohammed". Sie sprechen nur von "Sarazenen" und "Ismaelitern" (z. B. St. Johannes Damascenus, +753). Die arabische Religion wurde als christliche Häresie empfunden. Und das ist sie - systematisch betrachtet - ganz sicher.

    Die Schlußfolgerungen des Autors wären aber zu überdenken. "Gemeinsame Wurzeln" kann ja wohl nur heißen, daß den bestbezeugten Texten des Altertums der Vorrang zu geben ist: den vier kanonischen Evangelien - und damit dem katholischen Christentum.

  3. Ausgezeichneter KommentatorBob
    1x Ausgezeichneter Kommentar
    22. Juni 2016 08:30

    Danke für die gründliche Erklärung!

die besten Kommentare

  1. Ausgezeichneter KommentatorWolfram Schrems
    1x Ausgezeichneter Kommentar
    23. Juni 2016 14:06

    Sehr interessanter Beitrag. Danke.

    Norbert Pressburgs erwähnte Abhandlung hat viel für sich. Denn auch die Kirchenväter des 7. und 8. Jhdt. erwähnen m. W. nie einen "Islam" oder einen "Mohammed". Sie sprechen nur von "Sarazenen" und "Ismaelitern" (z. B. St. Johannes Damascenus, +753). Die arabische Religion wurde als christliche Häresie empfunden. Und das ist sie - systematisch betrachtet - ganz sicher.

    Die Schlußfolgerungen des Autors wären aber zu überdenken. "Gemeinsame Wurzeln" kann ja wohl nur heißen, daß den bestbezeugten Texten des Altertums der Vorrang zu geben ist: den vier kanonischen Evangelien - und damit dem katholischen Christentum.


alle Kommentare

  1. Krokus (kein Partner)
    24. Juni 2016 02:21

    "gemeinschaftliches Umfallen und Einknicken" vor den Forderungen der Muslime bestätigt einem Großteil die für mich nicht nachvollziehbare aber von ihnen gefühlte Überlegenheit. Von diesem Teil werden wir bereits jetzt als Dhimmi wahrgenommen. Alles was wir ungeschuldet für sie tun, steht ihnen nach ihrem Verständnis zu.

    Daher scheinen mir Ihre Hoffnungen auf eine gemeinsame Basis ("Euro-Islam") zwar ehrbar aber sehr unrealistisch.

    Dieser Teil hätte sich, daheim viel eher als hier, kritischen Fragen stellen müssen, etwa: Woher kommt es, dass trotz des reichlich sprudelnden Öls, die entwickelte Welt immer weiter davon zieht?

    • Krokus (kein Partner)
      24. Juni 2016 02:35

      Und Ja, natürlich gibt es auch einige Gekommene, die von unserer Großzügigkeit so betroffen sind, dass sie die Gefahr auf sich nehmen und Christen werden (wollen). Die fallen auch aus, bei der Idee "Euro-Islam".

      Die paar Konvertiten, die ich kenne, haben diesen Entschluss aber schon Zuhause gefasst. Sie waren und sind hier noch größerer Drangsal ausgesetzt als christlich geborene Flüchtlinge und halten daher größtmöglichen Abstand zu Landsleuten.

  2. Krokus (kein Partner)
    24. Juni 2016 01:53

    ... die vielen Problemfelder ansprechen PUNKT

    aber es liegt an den Muslimen das aufzugreifen und weiterzuführen, um SELBST zu einem Euro-Islam zu kommen. Da sind wir, Sie und ich bestenfalls interessierte Zuseher.

    Wie "kritisch" bereits angemerkt hat, habe auch Ich wenig Hoffnung, dass man so unsere "Problem mit dem "realen Islam" lösen" kann.

    Nur wenige Muslime sehen derzeit einen Grund, sich selbst in Frage zu stellen: "Gleichzeitig verhindert die emotionale Bindung der Muslime an Mohamed und die unreflektierte Überhöhung des Propheten in allen Belangen eine historisch-kritische Auseinandersetzung mit dem Begründer des Islam." (Hamed Abdel-Samad)

    und ich würde ergänzen auch unser ...

  3. Krokus (kein Partner)
    24. Juni 2016 01:43

    zuerst: Danke für Ihre Mühen.

    dennoch einige Ergänzungen und Einwände:

    In "Mohamed: Eine Abrechnung" greift Hamed Abdel-Samad einige diese Ideen auf, findet aber nicht alles davon wirklich überzeugend (für mich nachvollziehbar). Dabei erwähnt er auch, dass ein Cousin Khadidscha's mit dem Mohammed Gespräche führte, der christlicher Mönch Waraqa war.

    "Nur wenn man sich (vom Abbâsiden-Islam) bewusst trennt, kann man einen Islam andenken, der seine Rolle in und neben einem säkularen Staat findet."

    Das mag so sein, was können wir als Europäer/Christen dazu beitragen, da Sie einen "gemeinsamen" Weg suchen?
    - wir könnten freundlich, höflich aber bestimmt Fragen stellen
    - wir könnten in Liebe

    • John
      24. Juni 2016 10:41

      Samads Buch über Mohamed halte ich in wesentlichen Bereichen für problematisch. Er bezieht sich zwar immer wieder auch auf die Ergebnisse von Inarah und Co., lässt diese aber dann doch nicht gelten (oder tw. schon?), ohne das wirklich zu begründen.

      So kommt er zum Schluss, dass es den aus der Tradition des Islam bekannten Mohammed tatsächlich gab und dieser ein Psychopat war. Gleichzeitig thematisiert er schon auch sehr viele Fragen an die Zuverlässigkeit dieser Traditionen. Wie geht das zusammen? Wenn man seine Quellenangaben analysiert, dann finden sich dort fast ausschließlich innerislamische Autoren. Und wie überwiegend systemtreu diese arbeiten, ist ja bekannt.

    • Krokus (kein Partner)
      24. Juni 2016 13:29

      Lieber John

      wo teile ich Samads Skepsis?
      - Jahrhundert(e) später etwas zu erfinden, dass zur abgelafenen Geschichte passt,
      - einen dermaßen umfangreichen Textkorpus (Koran, Hadithen, ...) zu fabrizieren
      - dabei auch noch jede Menge unvorteilhaftes (nicht nur Heute, vieles davon war auch damals schon grauenhaft) über den Propheten reinzupacken,
      - und das alles (viele müssen daran beteiligt gewesen sein) geheim zu halten, obwohl die Trennung in Schia und Suna und jede Menge anderer Streitigkeiten all das begleitet haben,

      all das scheint mir höchst unwahrscheinlich.

    • Krokus (kein Partner)
      24. Juni 2016 13:49

      Islam als christliche Sekte?

      Eine Religion die antritt um Judentum und Christentum zu korrigieren (letzter Prophet), muss selbstverständlich jüdischen und christliches Gedankengut annehmen, damit es dieses "korrigieren" kann. Ich zweifle aber, ob die christlichen Einflüsse ausreichen, den Islam an seinem Beginn als christliche Sekte einzuordnen.

      Vor allem aufgrund des
      - extra-judeo-chrisliche Gedankengutes (z.B. Polygamie)
      - (tlw. absolute) Fehlens christlicher Kernthemen.

      Schweinefleischverbot und Beschneidung eint den Islam mit dem Judentum. Ist er also eine jüdische Sekte?

      Da ich weder Theologe noch Historiker bin, kann ich nicht beurteilen, ob meine Zweifel (s.O) durch unstrittig ..

    • Krokus (kein Partner)
      24. Juni 2016 14:55

      christlicher Sekten widerlegt werden.

      Gab es z.B. zu dieser Zeit christliche Sekten,
      - die polygam lebten,
      - die die Beschneidung durchführten,
      - die ein Alkoholverbot hatten (Messwein!)?

      Aber ganz losgelöst davon, wie wir die Geschichte des Islam sehen, es liegt nicht an uns, sondern an Reformwilligen Muslimen

      Wir können da allenfalls höchst diskret helfen, weil wir die Reformer ansonsten diskreditieren.

  4. Wolfram Schrems (kein Partner)
    23. Juni 2016 14:06

    Sehr interessanter Beitrag. Danke.

    Norbert Pressburgs erwähnte Abhandlung hat viel für sich. Denn auch die Kirchenväter des 7. und 8. Jhdt. erwähnen m. W. nie einen "Islam" oder einen "Mohammed". Sie sprechen nur von "Sarazenen" und "Ismaelitern" (z. B. St. Johannes Damascenus, +753). Die arabische Religion wurde als christliche Häresie empfunden. Und das ist sie - systematisch betrachtet - ganz sicher.

    Die Schlußfolgerungen des Autors wären aber zu überdenken. "Gemeinsame Wurzeln" kann ja wohl nur heißen, daß den bestbezeugten Texten des Altertums der Vorrang zu geben ist: den vier kanonischen Evangelien - und damit dem katholischen Christentum.

    • John
      24. Juni 2016 10:43

      Ja, Herr Schrems, genau so sehe ich das: Die gemeinsamen Wurzeln liegen in den jüdischen und christlichen Schriften und Traditionen.

  5. kritisch
    23. Juni 2016 07:45

    Danke, für diesen Blickwinkel. Leider hilft diese Sicht nicht, das Problem mit dem "realen Islam" zu lösen. Die IGGÖ sieht den Koran als eine von Menschen unveränderbare göttliche Offenbarung. So ist es ihr auch gelungen, die Zustimmung der österreichischen Behörden für die Formulierung zu finden, dass "es eine kanonisierte Koran Übersetzung in die deutsche Sprache nicht gibt, zumal der authentische Text lediglich in arabischer Sprache gilt...".
    Damit hat unsere Behörde einen Text genehmigt, den sie nicht versteht und damit hat sie jeglicher logischer Auseinandersetzung mit den islamischen Glaubensgrundlagen den Boden entzogen. So können auch die islamischen Tötungsgebote nicht geklärt oder gar untersagt werden. De facto wurde Österreich durch diese behördliche Entscheidung ein islamischer Staat.

    • franz-josef
      23. Juni 2016 10:48

      ......gelungen, die Zustimmung der österreichischen Behörden für die Formulierung zu finden, dass "es eine kanonisierte Koran Übersetzung in die deutsche Sprache nicht gibt, zumal der authentische Text lediglich in arabischer Sprache gilt..."....

      Anstatt dieses islamische Machwerk weiter zu analysieren und selbstverständlich zu übersetzen, sodaß es auch von unseren Beamten gelesen und meinetwegen b e urteilt werden kann, wurde dieses Argument, der authentische Text gälte n u r in arabischer Sprache, in Bausch und Bogen akzeptiert??
      Das darf doch nicht wahr sein.

      Die Person, die da am Werk war, muß doch identifiziert werden können.

    • kritisch
      24. Juni 2016 16:22

      zur Frage von Franz-Josef: letztverantwortlich für die willfährige Akzeptanz der "Unübersetzbarkeit des Koran" waren der Kanzleramtsminister und der Integrationsminister.
      Der eine davon ist nicht mehr im Amt, der andere ist auf "sein Gesetz" und stolz und hält es für ein Vorbild für andere Länder

  6. Bob
    22. Juni 2016 08:30

    Danke für die gründliche Erklärung!





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