Oxfam und die Zahlenspiele

Lesezeit: 3:00

„62 Superreiche besitzen so viel wie die halbe Welt“, behauptet in dieser Woche die Lobbygruppe Oxfam und macht damit breite Schlagzeilen. Das Vermögen dieser 62 habe in den vergangenen fünf Jahren um eine halbe Billion zugenommen, wohingegen das Vermögen der ärmsten Hälfte der Weltbevölkerung um eine Billion US-Dollar geschrumpft sei. Das hört sich an wie „linke Tasche, rechte Tasche“, so eine Art Nullsummenspiel. Aber haben sich die Reichen wirklich auf Kosten der Armen gütlich getan?

Solche Vergleiche sind beliebt und dankbar, doch sie sind so richtig, wie wenn man sagt, das Aufkommen des Farbfernsehers Ende der 1960er Jahre sei ursächlich verantwortlich für den Rückgang der Geburtenrate in Deutschland. Es wird ein Ursachen-Wirkungs-Zusammenhang hergestellt, der mit der Realität herzlich wenig zu tun hat. Zufall und Notwendigkeit werden vertauscht. Oder anders ausgedrückt: Nicht jede Korrelation ist auch eine Kausalität.

Die Schlagzeile behauptet nicht nur eine wachsende Ungleichheit, sondern es wird auch unterschwellig die Botschaft mitgeschickt, dass Ungleichheit zu Armut führe. Das Gegenteil ist jedoch der Fall. Armut nimmt weltweit seit vielen Jahren ab. Wie die Weltbank mitteilt, lebten 1981 noch 44 Prozent der Weltbevölkerung unter der absoluten Armutsgrenze. Inzwischen hat sich der Anteil auf 12,7 Prozent reduziert. In absoluten Zahlen bedeutet dies, dass 1981 noch fast 2 Milliarden Menschen auf dieser Welt weniger als das absolute Existenzminimum pro Tag zur Verfügung hatten. Eine Generation später zählen 1,1 Milliarden Menschen auf dieser Welt nicht mehr zu den absolut Armen, obwohl die Grenze inzwischen von 1,00 auf 1,90 US-Dollar angehoben wurde und die Weltbevölkerung erheblich zugenommen hat. Allein in China sind über 750 Millionen Menschen aus bitterster Armut aufgestiegen. Die Ursache dafür ist die Globalisierung und der durch die internationale Arbeitsteilung wachsende Welthandel. In den vergangenen 10 Jahren ist das Bruttoinlandsprodukt auf der Welt um 60 Prozent gestiegen.

Die Beseitigung von Armut und die Schaffung von Wohlstand sind nicht durch Umverteilung und die wachsende Besteuerung der „Reichen“ erreicht worden. Wenn das so wäre, dann könnten die Länder mit der größten Vermögensgleichheit, besondere Wohlstandserfolge feiern. Doch Nordkorea gehört unzweifelhaft zu den ärmsten Ländern der Welt. Und auch die DDR ist nicht an ihrer Ungleichheit zugrunde gegangen.

Wohlstand für alle wird also nicht durch eine größtmögliche Umverteilung erreicht, sondern durch eine marktwirtschaftliche Ordnung in einem freiheitlichen Rechtsstaat. Wenn rechtssicher Verträge geschlossen werden können, Eigentum rechtssicher erworben und veräußert werden kann, wenn die Steuern nicht prohibitiv sind und die staatliche Bürokratie moderat ist, dann wird investiert, werden Arbeitsplätze geschaffen, Einkommen erzielt und Wohlstand geschaffen. Dieser Zusammenhang gilt global und ist das Erfolgsrezept der Marktwirtschaft. Sie zu behindern, würde erneut zu Armut und Elend führen. Das ist die Denke vieler Linken. Sie wollen, dass es schlechter wird, damit es „besser“ werden kann. Max Weber hat dies als Gesinnungsethik gebrandmarkt und sein Konzept der Verantwortungsethik dagegengestellt. Dies erfordere jedoch ein „starkes, langsames Bohren von harten Brettern mit Leidenschaft und Augenmaß zugleich“. Das gilt auch für die Offenlegung vermeintlicher Kausalitäten.

Frank Schäffler, geboren 1968, ist einer der prominentesten Vertreter der freiheitlichen Bewegung in Deutschland. Er war von 2005 bis 2013 Mitglied des Deutschen Bundestages. In dieser Zeit stemmte er sich vehement gegen die sogenannte Eurorettung und stimmte gegen sämtliche Maßnahmen der Schuldenvergemeinschaftung im Euroklub. In der FDP initiierte er 2011 einen viel beachteten Mitgliederentscheid gegen den Europäischen Stabilitätsmechanismus (ESM).

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die besten Kommentare

  1. Ausgezeichneter KommentatorFranzAnton
    7x Ausgezeichneter Kommentar
    23. Januar 2016 05:02

    S.g. Herr Schäffler! Danke für Ihren goldrichtigen Beitrag.

    Ad "Bohren harter Bretter": Folgende, möglicher Weise dem Präsidenten Lincoln zuzuschreibende Erkennnisse seien, ihrer Verständlichkeit und Wichtigkeit wegen, nochmals wiederholt:

    Wohlstand kann man nicht durch Entmutigung zu sparen erzielen.
    Man kann die Schwachen nicht durch Schwächung der Starken stärken.
    Man kann dem Lohnempfänger nicht durch Untergrabung des Lohnzahlers helfen.
    Man kann Brüderlichkeit nicht durch Unterstützung von Klassenhass fördern.
    Man kann Armen nicht durch Zerstörung der Reichen helfen.
    Man kann Probleme nicht dadurch vermeiden, daß man mehr ausgibt als einnimmt.
    Man kann nicht Charakter und Mut entwickeln, indem man Menschen ihre Initiative und Unabhängigkeit nimmt.
    Man kann Menschen nicht dauerhaft helfen, indem man für sie tut, was sie selbst für sich tun könnten und sollten.

    Abraham Lincoln 1865.

  2. Ausgezeichneter KommentatorBob
    5x Ausgezeichneter Kommentar
    23. Januar 2016 09:17

    Die Geistesriesen können auch nicht zwischen Anlagevermögen und Umlaufvermögen unterscheiden. Das ist genauso ein falsches Argument wie der Mehrverdienst bei Männern. Natürlich verdient ein Autolackierer mehr als eine Halbtagskraft bei Billa. Schließlich hätte die rote Brut ja genug Zeit gehabt das zu ändern.

  3. Ausgezeichneter KommentatorF.V.
    1x Ausgezeichneter Kommentar

alle Kommentare

  1. fxs (kein Partner)
    26. Januar 2016 20:16

    Unbeabsichtigt beweist OXFAM ja, dass die Erde offenbar nicht den Menschen gehöhrt. Bill Gates gilt ja auch bei OXFAM als der reichste Mensch. Sein Vermögen beträgt etwa 70 Milliarden $. Die anderen Reichen besitzen also weniger. Damit ist das Gesamtvermögen der 62 Reichtsen auf jedenfall geringer als 4200 Milliarden $. Dieser Betrag entspricht ungefähr dem Jahresbudget des US-Zentralstaates (ohne Bundesstaatsbudgets). Wenn OXFAM jetzt recht hat, dann verjuxt die USA den Teil der Welt, der Menschen gehöhrt, innerhalb von etwa zwei Jahren.
    Die Welt steht nicht mehr lang!

  2. dickbrettbohrer (kein Partner)
    26. Januar 2016 11:47

    Es heißt, Geld könne man nicht essen. Daran besteht kein Zweifel.
    Also können auch die Reichen das viele Geld nicht essen.

    Die Reichen geben Geld aus wie jeder, der welches hat. Mit Geld werden Güter getauscht, Dienstleistungen bezahlt, Zukunftsprojekte finanziert.
    Nichts anderes tut übrigens der Staat mit dem von ihm erpreßten Geld.

    Was stimmt: der Reiche hat die Möglichkeit, mittels Gutscheinen (Geld) die Welt nach der eigenen Pfeife tanzen zu lassen. Ärmer wird davon niemand. Im Gegenteil.
    Die Vorstellung, daß der Reichtum des einen die Armut des anderen verursache, entspringt infantilem Denken.
    Die Anhänger der beliebten Neid-These sind nun mal strunzdumm.

    • F.V. (kein Partner)
      26. Januar 2016 17:48

      Der Klug heißt Klug, obwohl er strohdumm ist, der Herr Deutsch Deutsch, obwohl kein Deutscher sondern Jude ist, ... und der Dickbrettbohrer suggeriert, daß er dicke Bretter bohren würde, obwohl seine Ergüsse geistiger Dünnschiß sind.

      Aber bitte, man darf nicht zu streng mit ihm sein, meinte doch immerhin Milton Keynes, daß nicht einer unter einer Million das Geld verstünde. Warum sollte dies ausgerechnet der Dünnschisser?

      Er hat wohl weise erkannt, daß man Geld nicht essen kann, weniger weise schon, daß Arme und Reiche das Geld für Güter und Dienstleistungen „ausgeben“. Denn die „Armen“ müssen dies bis auf den letzten Groschen – plus dem was sie als Kredit noch kriegen können, was die „Reichen“ verkonsumieren können, ist bei allem erdenklichen Luxus nicht annähernd das, was an Zinsen ganz alleine zuwächst. Ja, sie sind nicht einmal mehr in der Lage, ihr Geld-Vermögen in Real-Kapital anzulegen, weil es gar nicht so viele „Anlagemöglichkeiten“ auf der ganzen Welt gibt.

      Es ist also der Zustand erreicht, von dem Kissinger sagte: „ ... mit Geld beherrscht man die Welt!“

      Und hier wird´s interessant. Wollen die Menschen und Völker von ein paar Geldfürsten beherrscht werden? Aufgrund welcher Legitimität? Usw. – Die meisten hier faseln ja von der Dämokratie, der vermeintlichen Volksherrschaft und vom „Volk“ als dem „Souverän“. Wie, bitte, glauben diese Neunmalklugen geht das zusammen?

      Über den restlichen Schmarrn noch ein Wort zu verlieren wäre zu viel der Ehr´.

  3. Gennadi (kein Partner)
    25. Januar 2016 20:21

    OXFAM ist ein islamistischer und extrem antisemitischer Hetzverein. Eine der treibenden Kräfte hinter dem Boykott von Waren aus Israel.
    Das darf man auch einmal sagen.

    • F.V. (kein Partner)
      25. Januar 2016 23:39

      Da hätte sich der gute Schäffler viel Arbeit sparen können, wenn er statt seinem Sermon nur darauf hingewiesen hätte, daß es ein antisemitischer Verein ist. Erspat doch jede Diskussion.

      Wahrscheinlich hat er´s - wie ich - nicht gewußt.

    • Gennadi (kein Partner)
      27. Januar 2016 21:48

      Hier kann man weder links noch Bilder noch Docs einstellen.
      Also soll jeder selbst nachlesen, dass Oxfam eine der führenden Organisationen gegen Israel ist.
      In Konenzeitung, Profil, Spiegel etc. liest man das freilich nicht.

      Leute mit eingeschränktem Horizont, die das nicht wissen wollen, gibts genügend. Besonders auch in Unterbergers "Tagebuch".

  4. socrates
    25. Januar 2016 20:06

    Die Finanztransfersteuer würde alle Unklarheiten beseitigen und die Tatsachen offen legen. Daher zittern die Reichen und Mächtigen davor und verhindern sie mit allen Mitteln. Dafür schielen sie nach den Pensionsfonds.

  5. F.V. (kein Partner)
    • F.V. (kein Partner)
      25. Januar 2016 09:33

      Den von Schäffler behaupteten Kausalzusammenhang hat nicht der festgestellt, der zwei Fakten mitteilt, nämlich daß 62 Personen ebensoviel besitzen wie die Hälfte der Menschheit. Es ist damit auch nicht ausgedrückt, daß die Hälfte der Menschheit „wohlhabend“ würde, wenn man den 62 ihr Vermögen entzöge.

      Was der gute Herr Schäffler hier konstruiert, ist der E i n d r u c k, daß dies damit als „Kausalzusammenhang“ behauptet worden sei, worauf dann in echt liberaler Manier ihm mit den beiden klassischen Lügen zu kontern ermöglicht wird.

      1. Der Reichtum der Wenigen würde den Wohlstand der Vielen nach sich ziehen, und
      2. die Armut wäre weltweit „in Wahrheit“ dramatisch zurück gegangen.

      Dies belegt der Schwätzer auch gleich mit exakten Daten. Als ob in den primitiven Gesellschaften der Wohlstand bzw. die Armut sich in das Anzahl der Dollar ausdrücken ließe, wo vermutlich deren Leben (besser: vegetieren) von völlig anderen Parametern bestimmt ist.(Und wer ist der Autor solcher „Studien?)

      Kürzlich hörte ich von UN-Prognosen, daß künftig 1,2 Milliarden aus Afrika sich gegen Norden in Bewegung setzen würden, weil sie in ihren Ländern nichts mehr zum Futtern hätten. Die Lage ist in zahllosen Ländern kaum anders, und selbst in den USA, dem „reichsten“ Land der Welt, fristen über 50 Millionen ihr schäbiges Dasein nur noch mit staatlichen Essensmarken. Also: mit den Statistiken des Herrn Schäffler kann man sich den Arsch vielleicht wischen, wenn das Papier nicht zu glatt ist.

      Im jüngsten Buch des Thomas Piketty über den modernen Kapitalismus beschreibt dieser u. a., daß die Vermögenskonzentration von dem gegenwärtigen Finanz- und Geldsystem de facto zwangsweise (= gesetzmäßig) zustande kommt. Die Gründe dafür sind, daß das allgemeine Wirtschaftswachstum (das BIP) heute und in Zukunft bestenfalls mit Werten zwischen 0,5 bis 1,5% und die Renditen der Finanzvermögen mit mindestens 5% - im Fall besonders großer Vermögen und daher mit der Möglichkeit einer ausgeklügelten Veranlagungsstrategie (die kleinen Sparern ja überhaupt nicht zur Verfügung stehen) bis zu 10,5% (zB Harvard University) betragen.

      Das hat natürlich nicht das Geringste mit realwirtschaftlicher Leistung zu tun, sondern ist eben eine Folge eines räuberischen Geld- und Finanzsystems, das Superreiche besonders privilegiert. Das hat aber der brave Liberale nicht thematisiert. Ebenso nicht, daß in einer modernen Gesellschaft – jedenfalls europäischen Zuschnitts – ein Mehrverdienst sich nur mit einer Mehrleistung „rechtfertigen“ läßt, die aber bei den Multi-Milliarden-Vermögen kaum zu begründen ist. Und was bei den Liberalen, die in Wahrheit nur die andere Seite der Medaille sind, sind nach Donoso Cortés unter Ausschluß der Wahrheitsfrage Sozialismus, Kommunismus, Feminismus, Globalismus, Multikulturalismus und andere mehr. Eine Ideologie eben, die das Ökonomische Kalkül zum obersten Wert setzte und damit vor allem der Zerstörung jeglicher Gesellschaft Vorschub leistet.

      Die Lobhudeleien des guten FranzAnton zeigen nur, daß er nichts versteht und keine Ahnung von der Wirklichkeit hat – und somit als wahrer Geistesriese nur Phrasen nachplappert. Auch wenn sie von Lincoln sein sollten, so muß man wissen, daß dieser für die Südstaaten die Sklaverei „abgeschafft“ hat (die ob ihrer Ländereien allein wirtschaftlich davon betroffen wurden), nicht aber für den Norden – und auch nicht seine eigenen! Und Bob, der hochdekorierte Dauerschwätzer verbreitet ohnehin nur weißes Rauschen.

    • socrates
      25. Januar 2016 20:45

      F.V.
      ************

  6. Bob
    23. Januar 2016 09:17

    Die Geistesriesen können auch nicht zwischen Anlagevermögen und Umlaufvermögen unterscheiden. Das ist genauso ein falsches Argument wie der Mehrverdienst bei Männern. Natürlich verdient ein Autolackierer mehr als eine Halbtagskraft bei Billa. Schließlich hätte die rote Brut ja genug Zeit gehabt das zu ändern.

  7. FranzAnton
    23. Januar 2016 05:02

    S.g. Herr Schäffler! Danke für Ihren goldrichtigen Beitrag.

    Ad "Bohren harter Bretter": Folgende, möglicher Weise dem Präsidenten Lincoln zuzuschreibende Erkennnisse seien, ihrer Verständlichkeit und Wichtigkeit wegen, nochmals wiederholt:

    Wohlstand kann man nicht durch Entmutigung zu sparen erzielen.
    Man kann die Schwachen nicht durch Schwächung der Starken stärken.
    Man kann dem Lohnempfänger nicht durch Untergrabung des Lohnzahlers helfen.
    Man kann Brüderlichkeit nicht durch Unterstützung von Klassenhass fördern.
    Man kann Armen nicht durch Zerstörung der Reichen helfen.
    Man kann Probleme nicht dadurch vermeiden, daß man mehr ausgibt als einnimmt.
    Man kann nicht Charakter und Mut entwickeln, indem man Menschen ihre Initiative und Unabhängigkeit nimmt.
    Man kann Menschen nicht dauerhaft helfen, indem man für sie tut, was sie selbst für sich tun könnten und sollten.

    Abraham Lincoln 1865.





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