Politik ist Emotion

Lesezeit: 2:00

Politik ist pure Emotion. Sie hat bei weitem nicht die Bedeutung, die viele Politiker über die Medien zum Ausdruck bringen.

Jedesmal, wenn man im Fernsehen Nachrichten schaut, blickt man in oft ausdruckslos, seriöswirkenwollende Gesichter von Politikern. Selten kommt es vor, dass in von Redaktionen zusammengesetzten Talkrunden eine Persönlichkeit hervorsticht, die sich kein Blatt vor dem Mund nimmt und Emotionen freien Lauf lässt. Es käme beim Publikum nicht gut an, wird von Experten behauptet, wenn jemand in seiner verbalen Diktion aus dem Rahmen einer distinguierten Runde fällt, indem er so redet, wie ihm der Schnabel gewachsen ist.

Wie ist es so weit gekommen, dass jeder Politiker in dem Moment, wenn ihm ein Mikrophon vor den Mund gehalten wird, in einen Sprachduktus verfällt, in dem er ganz eindeutig von professionellen Schauspielern oder Sprechern gecoacht wurde? 

Mit Hilfe von Tiefeninterviews kann man feststellen, wie die Stimme im O-Ton umschlägt. Im selben Moment stellt sich auch im „Oberstübchen“ eine eigenartige Leere ein, die für die banalen stereotypen Aussagen der Politiker verantwortlich ist.

Viele unserer lieben Volksvertreter werden von Journalisten außer Dienst gecoacht. Authentizität im Ausdruck soll das Lernziel sein.

Aber im Gegenteil bekommt die noch vorhandene Identität eine zusätzliche Schieflage, indem Selbstbild und Fremdbild sich so kontrastieren, dass ein völlig entfremdetes Wunschbild des Politikers über den Bildschirm kommt.

Sprechtechnik, gecoacht und garniert mit Ratschlägen zur Gestik und Körperhaltung sind manchmal hilfreich, irritieren aber mehr den Ausdruck einer individuellen Identität.

Immer wieder rätselt man, was einen charismatischen Politiker ausmacht, dessen Ausführungen die Menschen emotional berührt lauschen. Kopf und Bauch sind bei ihnen wie beim Kleinkind miteinander abgestimmt. Nun werden gerade diese Politiker, die bei den Menschen gut ankommen und vor allem gut verstanden werden, abwertend als Demagogen bezeichnet. Demagoge, auf Griechisch Volksverführer, hat aber etwas erotisch Emotionales an sich. Kann das nur schlecht sein?

Jeder weiß, dass ein spannender Roman dann zum Bestseller wird, wenn er Spannung in Form von Emotionen in die Handlung bringt. Das Dilemma der Politik heute im Zeitalter der globalen multimedialen Kommunikationsvernetzung ist, dass unsere Politiker mit wenigen Ausnahmen der Entwicklung der Kommunikationskultur, die vorwiegend mit Emotion arbeitet, hilflos gegenüber stehen. Ihr Auftritt wirkt mehr gekünstelt als kompakt und ident.

Dr. Franz Witzeling ist Soziologe und Psychologe    

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die besten Kommentare

  1. Ausgezeichneter KommentatorIngrid Bittner
    6x Ausgezeichneter Kommentar
    25. November 2015 20:33

    Ich würde meinen, der Typ eines anticharismatischen Politikers ist unser verehrter Herr Bundeskanzler.
    Auch wenn er in der letzten Zeit sehr emotional agiert und so richtig bizzelt, wenn er auf die Freiheitlichen insbesondere auf H.C. Strache losschimpft. Aber der ist ja nicht einmal beim Schimpfen authentisch, der wirkt immer und überall übertrainiert.
    Dieses Geschimpfe muss ihm auch wer beigebracht haben, weil es so dümmlich und immer gleich ist, wenn es pure Emotion wäre, dann wäre wahrscheinlich die Wortwahl nicht immer gleich.

  2. Ausgezeichneter KommentatorHaider
    5x Ausgezeichneter Kommentar
    26. November 2015 00:12

    Hat schon einmal ein Sprachwissenschafter erhoben, mit welch geringem Wortschatz unser hochverehrter Bundestaxler auskommt? Soviel ich weiß, verwendet ein durchnittlicher Engländer etwa 600, ein durchschnittlicher Deutscher circa 2000 Worte im alltäglichen Gebrauch. Pubertierenden Jugendlichen (auch Jugendlichinnen) genügen etwa ein Duzend Fäkalausdrücken. Unterboten werden Letztere nur von offensichtlich übertrainierten Politikdarstellern. Erinnern sie sich noch an den sozialistischen Spitzenpolitiker, der in fernsehgerechten gelben Gummistiefeln durchs Hochwasser stapfte? Und zur fremdgesteuerten Marionette wurde unser derzeitiger Kanzler trainiert. Kaum fällt das Wort "FPÖ" wippt er wichtigtuerisch auf seinen Zehenspitzen und spuckt seine eingelernte Verachtung aus: "Hetzer! Haßprediger!" Dabei rinnt ihm selbst der Geifer aus den Lefzen. Ich kann nur sagen: "Extrem peinlich!"

  3. Ausgezeichneter KommentatorBob
    5x Ausgezeichneter Kommentar
    25. November 2015 21:46

    Charisma hat ein wenig auch mir IQ zu tun.


alle Kommentare

  1. F.V. (kein Partner)
    30. November 2015 15:30

    Wenn Herr Dr. Witzeling die Politik auf reine Emotion zurückführt, dann hat er vom Politischen doch eine etwas beschränkte Ansicht.

    Aber offensichtlich hat er ohnedies nur vom Schrebergarten rund um den Ballhausplatz geschrieben. Nur das hat mit Politik doch rein gar nichts zu tun.

  2. Zraxl (kein Partner)
    27. November 2015 20:06

    Herr Dr. Witzeling, Ihr Befund ist deswegen so niederschmetternd, weil das Volk (der Souverän!) absolut unfähig ist, selbst irgendwelche Schlüsse zu ziehen. Und dieser Umstand wird von Ihnen nicht einmal kritisiert! Gewählt wird der bessere Unterhalter, der coolere Typ, der Herr mit dem charismatischerem Auftreten (Guten Abend, Persil!). Die tatsächlichen Entscheidungen im Staat werden irgendwo im Hintergrund, bzw. in Hinterzimmern getroffen. Politiker sind Verkäufer, die das Fernsehpublikum halt gerne anschaut, also so eine Art Kulissenkasperln. Österreich ist eine Oligarchie und die Politiker haben nur den Auftrag, dem Volk glauben zu machen, es handelte sich um eine Ochlokratie.

  3. Sozialrat
    • Zraxl (kein Partner)
      27. November 2015 20:14

      Diese Idee ist gut, aber sie geht nicht weit genug. Man müsste auch noch die Wirtschaftskammer, den ORF, die Parteien, die Nationalbank, die staatlichen Sozialversicherungen, die Bundes- und Landestheater, sämtliche Förderungen, sowie sämtliche staatlichen Aktivitäten und Einrichtungen verbieten, die über die bloße Aufrechterhaltung der inneren und äußeren Sicherheit hinausgehen.

    • F.V. (kein Partner)
      30. November 2015 15:47

      Daß dies kein ernst gemeinter Vorschlag sein kann, riecht man 10 km gegen den Wind.

      Bedenkt man die Verhandlungsmacht des „Kapitals“ und jene der unselbständig Beschäftigten, so ist doch offensichtlich, daß einzig und allein der gewerkschaftliche Zusammenschluß diese Disparität ausgleichen kann.

      Ich glaube nicht, daß es gut wäre die Kapital-Interessen allein über das Schicksal aller in der Wirtschaft Tätigen entscheiden zu lassen. – Dies ist doch die langfristige Zielsetzung der NWO, von der Rockefeller meinte, daß es viel besser wäre, die Welt von Bankern regieren zu lassen. – Auch wenn die Gewerkschaften manchmal über das Ziel hinausschießen.

  4. Haider
    26. November 2015 00:12

    Hat schon einmal ein Sprachwissenschafter erhoben, mit welch geringem Wortschatz unser hochverehrter Bundestaxler auskommt? Soviel ich weiß, verwendet ein durchnittlicher Engländer etwa 600, ein durchschnittlicher Deutscher circa 2000 Worte im alltäglichen Gebrauch. Pubertierenden Jugendlichen (auch Jugendlichinnen) genügen etwa ein Duzend Fäkalausdrücken. Unterboten werden Letztere nur von offensichtlich übertrainierten Politikdarstellern. Erinnern sie sich noch an den sozialistischen Spitzenpolitiker, der in fernsehgerechten gelben Gummistiefeln durchs Hochwasser stapfte? Und zur fremdgesteuerten Marionette wurde unser derzeitiger Kanzler trainiert. Kaum fällt das Wort "FPÖ" wippt er wichtigtuerisch auf seinen Zehenspitzen und spuckt seine eingelernte Verachtung aus: "Hetzer! Haßprediger!" Dabei rinnt ihm selbst der Geifer aus den Lefzen. Ich kann nur sagen: "Extrem peinlich!"

  5. Bob
    25. November 2015 21:46

    Charisma hat ein wenig auch mir IQ zu tun.

  6. Ingrid Bittner
    25. November 2015 20:33

    Ich würde meinen, der Typ eines anticharismatischen Politikers ist unser verehrter Herr Bundeskanzler.
    Auch wenn er in der letzten Zeit sehr emotional agiert und so richtig bizzelt, wenn er auf die Freiheitlichen insbesondere auf H.C. Strache losschimpft. Aber der ist ja nicht einmal beim Schimpfen authentisch, der wirkt immer und überall übertrainiert.
    Dieses Geschimpfe muss ihm auch wer beigebracht haben, weil es so dümmlich und immer gleich ist, wenn es pure Emotion wäre, dann wäre wahrscheinlich die Wortwahl nicht immer gleich.

    • Helmut Oswald
      25. November 2015 20:41

      Richtig, also lasst mich im Blog ein bissal schimpfen und kommt nicht gleich mit dem Rohrstaberl daher, ihr Musterschüler. Es sagt sich manches um Viertelseiten kürzer und treffender, wenn es gelegentlich nicht nach der Schreibe ist ...
      (diese Kritik richtet sich nicht an Ingrid Bittner - aber weil es mir in letzter Zeit gerade so widerfahren ist)





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