Offene Grenzen oder Wohlfahrtsstaat?

Lesezeit: 7:30

Es sind dramatische Bilder, die uns seit Monaten ins Haus geliefert werden. Hunderttausende, ja Millionen von Menschen haben sich, wie auf ein verabredetes Zeichen hin, in Afrika und dem Nahen und Mittleren Osten auf den Weg gemacht, um Europa zu stürmen. Der Weg der Migranten zum angestrebten Ziel, der Segnungen des Wohlfahrtsstaats der Alten Welt teilhaftig zu werden – und das ohne jede Gegenleistung – ist indes nicht gefahrlos zu bewältigen.

Immer wieder passiert es, dass einige der illegal Einreisenden umkommen. Etwa wenn ein verrosteter Seelenverkäufer bei der Fahrt übers Mittelmeer kentert oder wenn ein klappriger Kleintransporter auf der Fahrt verunglückt.

Die Dokumentation des bei derlei Ereignissen entstehenden Leides geht ans Herz. Der Anblick der Leiche eines ertrunkenen Dreijährigen lässt niemanden kalt. Ob die Unglücksopfer tatsächlich Flüchtlinge sind oder nicht, spielt keine Rolle. Nur auf die Reaktion der Öffentlichkeit kommt es an. Und die ist kalkulierbar. Denn Mitleid ist ein zutiefst menschlicher Reflex, der sich von kundiger Hand in klingende Münze umsetzen lässt.

Darum wissen auch die Verantwortlichen der Asylindustrie Bescheid, die den Voyeurismus des Publikums nutzen, um mit der Kolportage tragischer Ereignisse ein Maximum an Betroffenheit, politischer Unterstützung, vor allem aber Spendenaufkommen, zu generieren. Mit der möglicherweise geschäftsschädigenden Wahrheit nehmen es die Damen und Herren Asylindustriellen nicht genau: Da mutiert ein seit Jahren auf sicherem Terrain lebender Mann, auf dem Weg zur erhofften Gratiszahnsanierung in Wohlfahrtshausen, schon einmal zum „Flüchtling“.

Die profitable Bewirtschaftung von Elend, Leid und Schrecken ist ein höchst erfolgreiches Geschäftsmodell, dem alles Übrige untergeordnet wird. Hunderttausende arglose Spender wollen schließlich ihre Großherzigkeit gewürdigt wissen; und die Politschranzen, Bürokraten, Lohnschreiber und Mitarbeiter der Elendsbewirtschaftungsindustrie wollen bezahlt werden. Wer nicht ins Bild des bedauernswerten Verfolgten passt, wird von der veröffentlichten Meinung passend gemacht. [1]

Dass Völkerwanderungen Probleme und Gefahren für die Heimgesuchten mit sich bringen – nicht selten sogar den Untergang von Völkern und Kulturen bedeuten – interessiert nicht. Oder aber eine offensichtlich dräuende Bedrohung wird verdrängt. Man fühlt sich an Max Frischs Drama „Biedermann und die Brandstifter“ erinnert: Es reicht nicht, dabei zuzusehen, wie Wildfremde den Hausbesitzern Benzinfässer auf der Dachboden rollen. Nein, am Ende liefert das verblendete Opfer auch noch die Streichhölzer, damit das Zerstörungswerk vollendet werden kann.

Lockruf des Wohlfahrtsstaates

Es liegt auf der Hand, welche Wirkung die Einladung der deutschen Kanzlerin und die Bilder von auf deutschen Bahnhöfen bejubelten Zügen voller eben angekommener „Flüchtlinge“ auf jene Menschen in Afrika und Arabien ausüben, die mit dem Gedanken an eine Auswanderung spielen.

Die aktuelle Entwicklung zu Ende gedacht: Sollen 100 Millionen Menschen (die Bürger Deutschlands, Österreichs und Schwedens, die bislang rund 90 Prozent der Immigranten aufnehmen), 500 Millionen potentieller Einwanderer aus Afrika und Asien willkommen heißen und auf unabsehbare Zeit durchfüttern?

Der Kardinalfehler der politischen Klasse war und ist es, nie über die Grenzen der Belastbarkeit des europäischen Gemeinwesens nachgedacht, klare Regeln aufgestellt und darauf basierende Höchstgrenzen des Fremdenzuzugs festgelegt zu haben.

Dass die dem Lockruf des Wohlfahrtsstaates gefolgten Immigranten (freiwillig) je wieder heimkehren werden, ist unwahrscheinlich. Sie sind gekommen, um zu bleiben. Denn wer erst einmal im von anderen finanzierten Wohlfahrtsparadies angekommen ist, verspürt keine Lust, dorthin zurückzukehren, wo man für seinen Lebensunterhalt zu arbeiten und für Gesundheitsdienstleistungen zu bezahlen hat.

Traum und Wirklichkeit

Wie im Krieg, so bleibt auch bei der Flüchtlinge-willkommen-Medienkampagne die Wahrheit auf der Strecke. Begriffsumdeutungen und Tatsachenverdrehungen sind erprobte Mittel zur Meinungsmanipulation: Zwischen Flüchtlingen und Asylsuchenden einerseits und Wirtschaftsmigranten andererseits wird nicht unterschieden.

Jeder in Deutschland, Österreich oder Skandinavien um Asyl ansuchende Mensch hat zuvor sicheres Terrain überquert. Sobald ein Syrer oder ein Iraker seinen Fuß auf türkischen, oder ein Afrikaner den seinen auf italienischen Boden setzt, ist er in Sicherheit. Ab diesem Moment treiben ihn nur noch wirtschaftliche Interessen weiter. Der Wunsch des Migranten, die Wohltaten des von Deutschen und Schweden finanzierten Wohlfahrtsstaates zu genießen, steht deren berechtigten Erwartungen entgegen, die Früchte ihrer Arbeit selbst genießen zu können.

Da ein „Asyl á la Carte“ in keiner UN-Charta vorgesehen ist, steht keinem Flüchtling ein Recht darauf zu, sich ein möglichst komfortables Ziel auszusuchen.

Wer es indes über die Grenzen der gelobten Länder schafft, wird – dank unbedachter Einladungen – von der vollen Wucht der nord- und mitteleuropäischen Willkommenskultur getroffen. Die Begeisterung der dort lebenden Eingeborenen für die Zuwanderer, verhält sich umgekehrt proportional zu deren Nettosteuerleistung, auch wenn diese Tatsache von den Hauptstrommedien totgeschwiegen wird. Der typische Refugees-welcome-Aktivist, ist Student, NGO-Mitarbeiter, Bürokrat, Rentner oder selbst ein alimentierter Immigrant. Jedenfalls kein sein Geld unter Marktbedingungen verdienender Handwerker, Freiberufler oder Unternehmer. Wer für sein Geld hart zu arbeiten hat, verstreut es mit etwas weniger Begeisterung gegenleistungsfrei unter die Leute, als Benefiziare des Wohlfahrtsstaates.

Osteuropäer sind deshalb zurückhaltender als Deutsche, Schweden und Österreicher, wenn es darum geht, jedermann willkommen zu heißen. Kein Wunder: Ist es doch noch nicht allzu lange her, dass man dort die eigenen Unterdrückungsapparate abgeschüttelt und sich wirtschaftlich hochgearbeitet hat. In den Staaten des ehemaligen Ostblocks hat man daher wenig Verständnis für Menschen, die vor Schwierigkeiten in ihren Heimatländern davonlaufen und ihre angeblich oder tatsächlich gefährdeten Angehörigen daheim zurücklassen.

Die Verteilung fremden Eigentums

Die Probleme der laufenden Massenimmigration wurzeln allesamt im Wohlfahrtsstaat. Die „Flüchtlinge“ meiden nicht zufällig den Osten Europas, wo der wohlfahrtsstaatliche Kollektivismus nicht derart ungehemmt tobt wie etwa in Schweden. Von den Einwanderungsländern in Übersee ganz zu schweigen, in denen strenge Einwanderungsregeln gelten und wo nur die Besten eine Chance auf legale Einreise haben. Wer nach Europa strebt, hat nicht vor, durch übertriebene Leistungsbereitschaft aufzufallen. Die Alte Welt ist nur für Einwanderer in die Sozialsysteme attraktiv.

In einem die privaten Eigentumsrechte der Bürger respektierenden Gemeinwesen wäre eine „Flüchtlingskrise“ übrigens undenkbar. Analog zum Recht der Hauseigner, sich vor Eindringlingen zu schützen, bestünde auch ein Recht darauf, das „Haus Deutschland“, „Haus Österreich“, „Haus Schweden“ oder „Haus Europa“ gegen Zuwanderer abzuschotten. Dieses Recht wurde den Bürgern Europas – mitsamt ihrem uneingeschränkten Recht auf privates Eigentum – von den Regierenden entrissen.

Sicherung der Sozialsysteme?

Zuwanderungsapologeten behaupten, dass uns gar nichts Besseres passieren kann als die aktuelle Massenimmigration. Argumentiert wird mit der Vergreisung unserer Gesellschaften, dem daraus folgenden Arbeitskräftemangel und der unter Druck geratenden Finanzierung der Renten. Dass sich der in High-Tech und Hochlohnländern zu backende Kuchen infolge des Zuzugs von Massen ungelernter Migranten (ein guter Teil davon sind Analphabeten) vergrößern lässt, glauben indes nur Dorftrottel, Intellektuelle oder Nationalökonomen, die ihre Elfenbeintürme niemals verlassen.

Die komme-wer-da-wolle-Immigrationspolitik Deutschlands ist gegenwärtig das am meisten Sprengstoff bergende Phänomen [2]. Kein maßgeblicher Politiker Eurolands heißt den Alleingang Merkels in der „Flüchtlingsfrage“ gut. Seitdem sie erschrocken feststellen musste, dass sie die Büchse der Pandora geöffnet hatte, beschwört sie die „europäische Solidarität“ in dieser Angelegenheit und fordert eine „gerechte Verteilung“ der Einwanderer auf alle Mitgliedstaaten der EU.

Das ist eine Chuzpe, die das Potential birgt, noch tiefere Gräben zwischen den Nationen aufzureißen, als das die “Eurorettung“ geschafft hat. Weshalb irgendein Europäer sich mit der von ihm abgelehnten Politik der deutschen Kanzlerin „solidarisch“ erklären sollte, weiß nur sie.

Fazit

Alles spricht für die Personenfreizügigkeit, solange jeder selbst für seinen Unterhalt aufkommt. Immerhin wurden etwa die USA durch europäische Einwanderer aufgebaut. Die wollten durch eigene Anstrengung ihr Los verbessern. Was für ein Unterschied zu den Bedingungen, unter denen die aktuelle Einwanderungswelle nach Europa läuft! Außer anmaßenden Forderungen und Begehrlichkeiten, haben die Migranten dieser Tage nicht viel im Gepäck.

Eine Einwanderung in fremdfinanzierte Sozialsysteme ist indes weder logisch noch moralisch zu argumentieren. Der Nutzen der Einwanderer darf nicht durch Nachteile für die bereits Ansässigen erkauft werden. So wie das vor 100 und mehr Jahren mit der Einwanderung in die USA der Fall war, so muss es auch heute wieder sein. Damals bestand für die USA und ihre Zuwanderer eine Win-win-Situation. Heute dagegen schaut für Europa deutlich weniger als ein Nullsummenspiel heraus…

Milton Friedman verdanken wir die Einsicht: „Man kann offene Grenzen oder einen Wohlfahrtsstaat – aber nicht beides zugleich haben.“ Dessen eingedenk, gibt es nur eine einzige Wahl: Weg mit dem Wohlfahrtsstaat!

Andreas Tögel, Jahrgang 1957, ist Kaufmann in Wien.
 

Fußnoten:

[1] https://nuoviso.tv/der-falsche-fluechtling-11-mysterien-im-fall-aylan-koennten-zu-einer-anderen-wahrheit-fuehren/

[2] http://www.spiegel.de/politik/deutschland/fluechtlinge-angela-merkel-will-weiter-fluechtlinge-aufnehmen-a-1053033.html 

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die besten Kommentare

  1. Ausgezeichneter Kommentatormachmuss verschiebnix
    12x Ausgezeichneter Kommentar
    08. November 2015 01:19

    Excellent, Hr. Tögel - und das kulminante "Weg mit dem Wohlfahrtsstaat" wird auch
    bei geschlossenen Grenzen nicht mehr zu verhindern sein, dafür hat der sozialistische
    Lizitations-Populismus längst die "Grenz-Schranken" der finanziellen Vernunft weggeräumt ! ! !

    Wetten, daß es für die Herrschaften der hohen Politik nur Eines gibt, was sie nicht kalt
    läßt : "deren Machtverlust

  2. Ausgezeichneter KommentatorPoliticus1
    6x Ausgezeichneter Kommentar
    08. November 2015 17:17

    Die linken Menschenrechtler scheinen Frau Merkel, vulgo Tante Angela, bei einem ihrer Seminare in Hypnose versetzt zu haben. In dieser von ihr nicht kontrollierbaren Situation wurde ihr Unterbewusstsein mit dem Mantra "Wir schaffen das! wir schaffen das!" vollgestopft.

    Was Frau Merkel und auch alle anderen EU-Häuptlinge und EU-Squaws nicht wahrhaben wollen ist der Völkerrechtslehrsatz, dass es zwar ein Menschenrecht ist, aus jedem Staat auswandern zu dürfen - aber es KEIN Menschenrecht auf EINWANDERUNG in ein bestimmes Land gibt!

  3. Ausgezeichneter Kommentatorsimplicissimus
    6x Ausgezeichneter Kommentar
    08. November 2015 19:47

    Weg mit dem Wohlfahrtsstaat?
    Oder mit den Invasoren?
    Oder beides vernünftig reduzieren?
    Ich bin für letzte Lösung.

  4. Ausgezeichneter KommentatorCato
    5x Ausgezeichneter Kommentar
    08. November 2015 16:07

    Hervorragend analysiert und geschrieben!

    Zur Rettung unseres Landes bleibt nur die rasche Einführung der direkten Demokratie. Der abgehobenen selbsternannten politischen Elite muss klar gemacht werden, dass der Souverän das Volk ist und Politiker dessen Diener.

  5. Ausgezeichneter KommentatorBob
    4x Ausgezeichneter Kommentar
    09. November 2015 09:47

    Danke Hr. Tögel für die klaren Worte. Hinzufügen möchte ich nur, solange die EU nicht imstande ist die sozialen Beihilfen in Europa gleichzuschalten, werden die Asylanten nie gleichmäßig verteilt werden können. Österreich Deutschland und Schweden müßten Ihre Sozialleistungen extrem kürzen.

  6. Ausgezeichneter Kommentatordssm
    3x Ausgezeichneter Kommentar
    08. November 2015 21:59

    Ein herzliches Danke für diesen Beitrag. Es ist in diesen stürmischen Zeiten so selten geworden die liberale Stimme zu hören!

    Als Liberaler sind die vorwiegend jungen Männer keine kriminellen Bösewichte, sondern mutige Burschen. Die sehen unseren Sozialstaat und unternehmen eine lebensgefährliche Reise um so zu einer persönlichen Besserstellung zu kommen. Toll, mutig und höchst verständlich! Ich kann keinen von denen verachten. Ganz im Gegenteil, welcher junge Mensch träumt nicht von einem kleinen Heldenstück, an dessen Ende ein besseres Leben steht? Vielleicht dann gar noch die Verlobte ins Paradies nachholen können?

    Das Problem heißt Wohlfahrtsindustrie! Und die ist bei uns und nicht in den Herkunftsländer der Einwanderer. Also sind die Probleme hausgemacht. Und wie heißt es so schön: Erst vor der eigenen Türe kehren!

  7. Ausgezeichneter KommentatorF.V.
    1x Ausgezeichneter Kommentar

alle Kommentare

  1. Leser (kein Partner)
    12. November 2015 08:30

    Einwanderung in die USA: nur für die einheimische indigene Bevölkerung waren die (europäischen) Invasoren keine Win-Win-Situation. Dieses Schicksal steht nun wohl der einheimischen europäischen Bevölkerung bevor.

  2. Torres (kein Partner)
    11. November 2015 11:27

    Tögel hat wie immer völlig recht; allerdings in einem kleinen Punkt nicht unbedingt: "Der typische Refugees-welcome-Aktivist, ist ... selbst ein alimentierter Immigrant". Ganz im Gegenteil, die bereits länger hier befindlichen (alimentierten oder nicht) Immigranten sind meist die härtesten Gegner der neuen Immigration - aus Angst, dass ihnen dann selbst weniger übrig bleibt.

  3. F.V. (kein Partner)
    • F.V. (kein Partner)
      10. November 2015 10:37

      Herr Tögel beschreibt manche Konsequenzen der Invasion der Migranten durchaus korrekt, aber als Ideologe des liberalen Kapitalismus verbiegen ihm seine absolut geltenden „Dogmen“ sowohl die Ursachen-Analyse als auch die Empfehlungen diesen Tsunami zu beenden.

      Ich glaube nicht, daß es in Europa je ein völlig bedingungsloses „Eigentumsrecht“ gab. Bei Goethe – Faust - heißt es: Was du ererbt von deinen Vätern, erwirb es um es zu besitzen. Was man nicht nützt ist eine schwere Last. ...

      Um es vorweg zu sagen: ich bin auch für persönliches Eigentum.

      Es gilt aber auch der Satz: „Eigentum verpflichtet!“ – Kritik am Eigentum scheint mir daher nicht an diesem selbst anzusetzen, sondern dem Mißbrauch bzw. auch an dessen oft gänzlich verbrecherischen Aneignung (z.B. durch „Privatisierung“ des russischen „Staatsvermögens“ an eine handvoll „Oligarchen“, recte: Diebe, Räuber, Betrüger, Mörder).

      Was Tögel implizit fordert – von mir etwas abstrakt als „jus utendi vel abutendi“ bezeichnet –, also das Recht zum Gebrauch wie Mißbrauch - oder völligem Verbrauch, ist in der heutigen neo-liberalen „Ordnung“ auf die Spitze getrieben. Die „soziale Verpflichtung“ von Eigentum und Besitz ist gänzlich abgeschafft. Shareholder-value ist dafür das kennzeichnende Vokabel und lateinamerikanische Maquildoras die zynische Praxis geworden. Und „supranationale“ Institutionen, wie die Europäische Union, schaffen neues „Recht“, das letzte Reste von Herkommen oder Wertordnungen wegen „Verletzung“ des „freien Marktes“ und Wettbewerbs aushebelt. Diese Popanze sind zu den höchsten und einzigen Normen der neuen Wert- bzw. Weltordnung geworden. – Aber in Wahrheit ist dies nur: Summa Injuria – höchstes Unrecht. – Wie könnte hieraus ein Bollwerk gegen die migrantische Invasion erwachsen? Ich glaube das überhaupt nicht.

      Am Ende seines – langen – Gastkommentars zitiert Tögel Milton Friedman, der zwei sich ausschließende Optionen darlegt: offene Grenzen oder Wohlfahrtsstaat. Warum die „einzige“ Konsequenz die Abschaffung des Wohlfahrtsstaates sei, nicht aber die Grenzen dicht zu machen, erklärt uns Tögel nicht.

      Es mag ja sein, daß wir – heute – glauben, daß jedermann ein Recht habe seine Heimat zu verlassen. Nur das impliziert absolut kein Recht in jedes Land „einzuwandern“. Aber selbst das erste „Recht“ war nicht zu allen Zeiten eines. Die Bewohner („Bauern“) waren/sind an die Scholle (das zu bestellende Land) gebunden (glebae adscripti) und hatten nicht das Recht, sie zu verlassen. (Wie im Gegenzug bis heute in Rußland Städter keinen landwirtschaftlichen Grund und Boden erwerben dürfen!)

      Es scheint mir immer äußerst problematisch die in Europa historisch erreichten Errungenschaften auf die ganze Welt auszudehnen, vor allem, wenn „die ganze Welt“ nicht annähernd auf einem Entwicklungsstand ist, wie die europäischen Nationalstaaten, ja wenn man zahllosen Ländern überhaupt eine Staatenbildung in unserem Sinn nicht zusprechen kann.

      Die ideologischen Scheuklappen verdecken Tögels Sicht auf die wahren Ursachen wie auch auf Lösungen der Krise.

      „Der Kardinalfehler der politischen Klasse war und ist es, nie über die Grenzen der Belastbarkeit des europäischen Gemeinwesens nachgedacht, klare Regeln aufgestellt und darauf basierende Höchstgrenzen des Fremdenzuzugs festgelegt zu haben.“

      Diese falsche Ursachenanalyse ist Tögels Kardinalfehler: unsere „politische Klasse“ sind Lakaien der eigentlichen Machthaber, der Finanz-Oligarchie der Ostküste, sie exekutieren (bzw. lassen es zu), was der Hegemon ausgeheckt, befohlen und mit allen raffinierten Mitteln in Gang gesetzt hat. Wir sind im Krieg, wissen es aber anscheinend noch nicht!

      Die Bastardisierung Europas – insbesondere Deutschlands – ist das strategische Programm; seit Coudenhove-Kalergi, Hooton, ... aber inzwischen neu aufgelegt von Thomas Barnett: The Pentagon´s New Map. Hier „fordert“ Barnett „den ungehinderten Strom von Einwanderern (zur Zersetzung der ansässigen Völker und ihrer Kultur)“. Laut Barnett dürfen diese Strömungsbewegungen von keinem Volk behindert werden. Speziell sieht Barnett`s Plan die Zuwanderung in die EU zu verzehnfachen vor!

      Wie also Tögel mit ein paar ideologisch eingefärbten Sprechblasen diesen strategischen – und längst im Gang befindlichen – Angriff auf Europa abwehren möchte, kann ich nicht nachvollziehen.

  4. Yoshinori Sakai
    09. November 2015 13:52

    Zur ersten Fußnote die Herr Tögel seinen Lesern ans Herz legt:

    Also, die "NUO VISO Filmproduktion"

    Einem jeden der sich da durchklickt wird schnell klar: Man ist da in die Welt der Insider-Wissenden, mit anderen Worten in den innersten Zirkel der Verschwörungstheoretiker gelangt.

    Das was man bei dieser famosen Webseite vergeblich sucht ist irgendein Impressum. Man findet auch keine Adresse oder einen Namen eines Verantwortlichen und natürlich auch keine GmbH oder Ähnliches.

    Dafür kommt man schnell an eine PayPal-Spendenmöglichkeit.

    Und man stößt auch bald auf "Compact", also das Magazin vom Herrn Elsässer das die Verschwörungstheoretiker, die in Gefahr leben von den Medien bestunken und belogen zu werden über die Weltzusammenhänge aus der Sicht von Herrn Elsässer aufklärt.

    https://de.wikipedia.org/wiki/Compact_(Magazin )

    Und man bekommt auf der Webseite z.B. eine DVD wie z.B. "Die Jahrhundertlüge" um €17,90 angeboten.

    Man muss den Leuten von dieser Webseite eines lassen: Vom Geschäftemachen & Geldverdienen auf Grund von Angstmache verstehen sie etwas! - das sind gute Geschäftsleute.

    Das was ich mir noch von Herzen wünsche ist, dass der geschätzte Autor Andreas Tögel in Zukunft wieder zu seriösen, objektiven und gut- und redlich recherchierten Quellmaterial für seine Aufsätze findet - und andererseits das Milieu der Angstmacher aus dem Verschwörungstheoretiker-Eck beiseite lässt.

  5. Bob
    09. November 2015 09:47

    Danke Hr. Tögel für die klaren Worte. Hinzufügen möchte ich nur, solange die EU nicht imstande ist die sozialen Beihilfen in Europa gleichzuschalten, werden die Asylanten nie gleichmäßig verteilt werden können. Österreich Deutschland und Schweden müßten Ihre Sozialleistungen extrem kürzen.

  6. dssm
    08. November 2015 21:59

    Ein herzliches Danke für diesen Beitrag. Es ist in diesen stürmischen Zeiten so selten geworden die liberale Stimme zu hören!

    Als Liberaler sind die vorwiegend jungen Männer keine kriminellen Bösewichte, sondern mutige Burschen. Die sehen unseren Sozialstaat und unternehmen eine lebensgefährliche Reise um so zu einer persönlichen Besserstellung zu kommen. Toll, mutig und höchst verständlich! Ich kann keinen von denen verachten. Ganz im Gegenteil, welcher junge Mensch träumt nicht von einem kleinen Heldenstück, an dessen Ende ein besseres Leben steht? Vielleicht dann gar noch die Verlobte ins Paradies nachholen können?

    Das Problem heißt Wohlfahrtsindustrie! Und die ist bei uns und nicht in den Herkunftsländer der Einwanderer. Also sind die Probleme hausgemacht. Und wie heißt es so schön: Erst vor der eigenen Türe kehren!

  7. Yoshinori Sakai
    08. November 2015 20:37

    Schon wieder: die leider immer wiederkehrende Hetze auf die Familie Kurdi - auch Herr Tögel lässt sich dazu hinreissen - so wie viele Rechtsradikale auch:
    Siehe das Zitat von oben:
    Da mutiert ein seit Jahren auf sicherem Terrain lebender Mann, auf dem Weg zur erhofften Gratiszahnsanierung in Wohlfahrtshausen, schon einmal zum "Flüchtling".

    Zynischer geht's ja wohl wirklich kaum mehr, gell Herr Tögel?

    Eine Video, vom seriösen Fernsehsender CBC für Herrn Tögel zum Ansehen empfohlen:
    https://www.youtube.com/watch?v=nC93qni5k6k

    Etwa ab Minute 6 bis 8 des Videos von der Pressekonferenz in Vancouver schilder Tima Kurdi (die Tante des toten Alan Kurdi) dass es die Idee gab dass sich ihr Bruder Abdullah Kurdi die Zähne richten lässt. Nach mehreren Telefonaten zwischen Tima Kurdi und Abdullah wo die Situation einer eventuellen Zurücklassung der Ehefrau und der Kinder diskutiert wurde kam aber die Familie zu einem ganz anderen Schluss: Besser ist es die ganze Familie nach Europa in Sicherheit zu bringen und eben dafür die Tausenden Dollar zu investieren.

    Bitte genau Zuhören was Tima Kurdi sagt – im richtigen kausalen Zusammenhang!

    Das waren ganz normale rationale von einem hohen Verantwortungssinn für die Familie Kurdi getragene Telefongespräche!

    Daraus abzuleiten dass sozusagen Abdullah Kurdi nur aus egoistischen Eigeninteresse wegen seiner Zähne seine Ehefrau & Kinder in den Tod in einem Flüchtlingsboot gehetzt hat ist eine bewusste Verdrehung der Tatsachen und somit eine RAFFINIERT KONSTRUIERTE LÜGE die aus dem rechtsextremen Milieu kommt. Und die - ohne Recherche - von Dr. Unterberger im Tagebuch und auch von Andreas Tögel in den Gastkommentaren mehfach wiederholt wurde. Das ist traurig.

    Irgendwelche Rechtsradikale haben da ganz bewusst die Tatsachen aus dem Zusammenhang gerissen und eine Lüge via Internet verbreitet und Dr. Unterberger und Herr Tögel sind dem leider auf den Leim gegangen. Ich bedaure das.


    Weitere Infos zu diesem tragischen Flüchtlingsschicksal:
    https://de.wikipedia.org/wiki/Alan_Kurdi

    https://en.wikipedia.org/wiki/Death_of_Alan_Kurdi

    • dssm
      08. November 2015 22:10

      @Yoshinori Sakai
      Schon wieder Sie? Was tut ein Sozialist wie Sie in diesem Forum?

      Die Anschuldigung ein Sozialist zu sein muss natürlich begründet werden!
      Der Sozialist nimmt den traurigen Einzelfall und konstruiert daraus die ganze Welt.
      Dieser eine Falle mag anders liegen, ich kann das nicht beurteilen, ich war nicht dabei. Aber in der echten Welt warnen die Diplomaten der europäischen Nationen schon lange vor falschen Pässen, falschen Schulzeugnissen und falscher Herkunft.
      Sozialisten nennen gerne den Einen Fall, wo die Anschuldigungen ins Leere laufen. Um die tausend anderer Fälle, wo die Anschuldigung stimmt, unsichtbar zu machen.

      Nebenbei, auch nur ein Toter ist zu viel! Womit wir beim Kern von Herrn Tögels Beitrag wären, nämlich dem gigantischen Sozialstaat, dessen Verlogenheit tötet!

    • Yoshinori Sakai
      09. November 2015 07:40

      Schauen Sie, man kann über offene Grenzen und über den Wohlfahrtsstaat debattieren lang und breit und in aller Ruhe.

      Man muss dabei aber nicht einen tragischen Flüchtlingsfall instrumentalisieren und ungute Polemik vom Stapel lassen.

    • Bob
      09. November 2015 09:42

      YS
      wo bitte finden die Sozi bei uns immer Rechtsradikale? Ich sehe immer nur Linksradikale gegen Bürger werken,

    • Gandalf
      09. November 2015 18:12

      Also, viel zu lange habe ich mich zurückgehalten und nur die ersten zwei Worte meiner Meinung zu allen Kommentaren dieses geistig offenbar sehr bescheiden gestrickten Herrn Joschi gepostet. Aber einmal reisst der bemühteste Geduldsfaden bei so viel - höflich ausgedrückt - Verbohrtheit; daher heute wieder einmal der gesamte verdiente Kommentar: JOSCHI, JOSCHI, HALT DEIN GOSCHI !!

    • Andreas Tögel
      10. November 2015 10:49

      Zum Vater des ertrunkenen Kindes ist genug geschrieben worden. Die unappetitlichen Details seiner fatalen Bootsfahrt, sind im Zusammenhang mit meinem Beitrag völlig irrelevant. Was zählt, ist folgendes: Der Kerl war zum Zeitpunkt des Unglücks KEIN Flüchtling - so wie exakt 100 Prozent aller übrigen, die derzeit (meist illegal) unsere Grenzen überschreiten. Er war nämlich auf türkischem Boden längst in Sicherheit. Er, seine arabischen Volksgenossen und sämtliche zusammen mit ihm eindringenden Afrikaner, sind ganz gewöhnliche Migranten und als solche zu behandeln. Wer eine Ahnung davon hat, was es heißt - selbst als (westlich) zivilisierter Mensch - nach Australien auszuwandern, kann über die autodestruktiven Gepflogenheiten Eurolands nur den Kopf schütteln.

      Es ist übrigens interessant, daß von denjenigen, die am lautesten "Refutschies Wellkom" plärren, die wenigsten ein, zwei davon - und zwar auf eigene Kosten - zu Hause hocken haben. Um diese Leute kümmern (und vor allem: für ihr Wohlergehen bezahlen!) sollen gefälligst andere. Angesichts dieses Ausmaß´ an Heuchelei wird mir übel...

      Mit dem öden Schmäh von wegen "auch die Rechtsradikalen meinen..." und damit Schluß der Debatte, können Sie vielleicht ein paar anencephale grüne Narren beeindrucken, mich aber eher nicht. Was irgendwer anderer meint, ist mir nämlich wurscht, solange es stimmt. Die Bolschewiken beispielweise waren - wie meine Wenigkeit - der Überzeugung, daß zwei mal zwei vier ergibt. Bin ich deshalb jetzt einer von denen...?

    • mitzi
      11. November 2015 17:20

      Der Herr Joschi verwechselt gutbürgerlich mit rechtsradikal, herzliche Gratulation!

  8. simplicissimus
    08. November 2015 19:47

    Weg mit dem Wohlfahrtsstaat?
    Oder mit den Invasoren?
    Oder beides vernünftig reduzieren?
    Ich bin für letzte Lösung.

    • dssm
      08. November 2015 22:10

      Wir mögen nicht oft gleicher Meinung sein, aber heute aben Sie mindestens 10 Sterne verdient!

    • Brigitte Imb
      09. November 2015 00:17

      Den "Zehent" für die staatliche Infrastruktur, für alles weitere hat jeder einzelne selbst Veratwortung zu tragen.

      Unvorstellbar wie gut es uns dabei ginge und wobei die soziale Komponente bestimmt nicht zu kurz käme.

  9. Politicus1
    08. November 2015 17:17

    Die linken Menschenrechtler scheinen Frau Merkel, vulgo Tante Angela, bei einem ihrer Seminare in Hypnose versetzt zu haben. In dieser von ihr nicht kontrollierbaren Situation wurde ihr Unterbewusstsein mit dem Mantra "Wir schaffen das! wir schaffen das!" vollgestopft.

    Was Frau Merkel und auch alle anderen EU-Häuptlinge und EU-Squaws nicht wahrhaben wollen ist der Völkerrechtslehrsatz, dass es zwar ein Menschenrecht ist, aus jedem Staat auswandern zu dürfen - aber es KEIN Menschenrecht auf EINWANDERUNG in ein bestimmes Land gibt!

  10. Cato
    08. November 2015 16:07

    Hervorragend analysiert und geschrieben!

    Zur Rettung unseres Landes bleibt nur die rasche Einführung der direkten Demokratie. Der abgehobenen selbsternannten politischen Elite muss klar gemacht werden, dass der Souverän das Volk ist und Politiker dessen Diener.

  11. Herby
    08. November 2015 16:01

    Es war die Kürzung der Lebensmittelhilfe bei der UNHCR der die große Fluchtbewegung der Syrischen Flüchtlinge nach Europa im Sommer 2015 auslöste:

    Ursachen der Migration Wie der Hunger die Syrer in die Flucht trieb

    Im Sommer bekamen syrische Flüchtlinge auf ihren Lebensmittelkarten plötzlich weniger Geld. Das war ein Auslöser für den großen Treck nach Europa. Wie konnte es so weit kommen? ( 8.11.2015, von Thomas Gutschker)

    http://www.faz.net/aktuell/politik/fluechtlingskrise/wie-der-fluechtlingsandrang-aus-syrien-ausgeloest-wurde-13900101.html?printPagedArticle=true#pageIndex_2

  12. machmuss verschiebnix
    08. November 2015 01:19

    Excellent, Hr. Tögel - und das kulminante "Weg mit dem Wohlfahrtsstaat" wird auch
    bei geschlossenen Grenzen nicht mehr zu verhindern sein, dafür hat der sozialistische
    Lizitations-Populismus längst die "Grenz-Schranken" der finanziellen Vernunft weggeräumt ! ! !

    Wetten, daß es für die Herrschaften der hohen Politik nur Eines gibt, was sie nicht kalt
    läßt : "deren Machtverlust





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