Ungarn und die Hetzkampagne gegen Freiheit und Selbstbestimmung

Lesezeit: 6:30

Wie für jedermann leicht ersichtlich, läuft im ORF eine Dauerkampagne gegen die derzeitige ungarische Regierung. Das war etwa am 2. Februar in den 8-Uhr-Nachrichten auf Ö1 wieder einmal der Fall. Fällt es den Chefredakteuren nicht selbst auf, dass jetzt schon ziemlich übertrieben wird? Die Regie wirkt forciert. Das unterminiert die eigene Glaubwürdigkeit. Gut, wir müssen uns nicht um den Erfolg des ORF bekümmern.

Aufgrund der tiefen Verankerung der Regierung im Wahlvolk (man erinnere sich: triumphale Siege bei den Parlamentswahlen 2010 und 2014 und bei der Europawahl 2014) richtet sich diese Kampagne aber natürlich auch gegen das ungarische Volk. Offensichtlich wählt Ungarn nicht so, wie der ORF und dessen Steuerungskräfte das gerne hätten.

Damit richtet sich die Kampagne aber auch gegen alle, denen Freiheit und Selbstbestimmung und ein Europa freier Vaterländer am Herzen liegt.

Demokratische Legitimation

Wenn der ORF Demonstrationsteilnehmer interviewt, wie im gegenständlichen Fall von einer Demonstration in Budapest (im besagten 8 Uhr-Journal auf Ö1), bekommt man natürlich Ed Moschitzens berühmte Skinheads nicht mehr aus dem Kopf.

Es wird ja in den Medien nicht einfach Wirklichkeit dargestellt, sondern hergestellt („Verfertiger fiktiver Realitäten“ nennt Platon die Sophisten seiner Zeit – es hat sich wirklich nichts Substantielles geändert). Das wird ohnehin auch von Medienschaffenden gelegentlich zugegeben.

Unabhängig jedoch, wer genau der Mann war, der dem Interviewer seine Begeisterung für die EU und seine Ablehnung der ungarischen Regierung zu Protokoll gab, unabhängig davon, ob es ein „Mann aus dem Volk“ war oder ein altkommunistischer Funktionär oder ein Mitarbeiter einer der vielen nervigen internationalen „NGOs“: Klar ist, dass er Meinung und Interessen mächtiger Kreise vertritt und insofern natürlich sehr gut ins Konzept passte.

Weder ins Konzept des ORF noch anderer österreichischer Medien passte aber z.B. die Demonstration vom 21.01.2012 (Friedensmarsch zur Unterstützung der Regierung gegen ausländische Einmischung unter dem Motto: „Nem leszünk gyarmat – Wir werden keine Kolonie sein!“) mit ihren etwa 400.000 Teilnehmern. Eine Medienberichterstattung von diesem Ereignis ist nämlich nicht erinnerlich.

Wenn aber ein paar Hundert Demonstranten in Budapest gegen die Regierung demonstrieren, wird im ORF darüber groß berichtet (wobei auffällt, dass die Demonstranten, vorwiegend Pensionisten, meist professionell gemachte Schilder in die Kameras recken – wäre die Herkunft dieser Materialien nicht eine Recherche wert?).

Erwartbarerweise hat sich der Interviewpartner bei der Anti-Regierungsdemonstration in Budapest dahingehend geäußert, dass er Ungarn stärker verbunden mit dem Mainstream der EU wünsche. Was auch immer sich der Betreffende davon erwartet, diese Stellungnahme passt gut in das Konzept von ORF und EU.

Vielleicht weiß er wirklich nicht, dass die EU-Kommission nicht demokratisch legitimiert ist und sich den Völkern auch nicht verpflichtet fühlt: Wir erinnern uns zum Beispiel gut, dass der tschechische Ministerpräsident und Sozialist Vladimir Spidla die Wahlen zum Europarlament 2004 bei niedriger Wahlbeteiligung massiv verlor – und kurz darauf EU-Kommissar wurde. Ein Volk hat diesen Politiker nach allen üblichen demokratischen Regeln abgewählt, auf höherer Ebene taucht er wieder auf.

Macht das Sinn?
Nein, das macht keinen Sinn.

Für wen arbeiten diese Politiker?
Jedenfalls nicht für die legitimen Interessen ihrer Völker.

Macht als Dienst am Gemeinwohl

Ungarn hat mehrfach der Regierung aus Bund junger Demokraten (FIDESZ) und Christdemokratischer Volkspartei (KDNP) das Vertrauen ausgesprochen und die Postkommunisten in die Wüste geschickt. Regierungschef Viktor Orbán wird dabei in westlichen Medien in empörtem Ton (und unfreiwilliger Komik) vorgehalten, ein „Machtmensch“ zu sein. Nun, ein Politiker, der sich in enormem Arbeitseinsatz nach oben arbeitet, wird sicher einen erheblichen Gestaltungswillen und ein gewisses Ausmaß an Brutalität benötigen. Und die Herren und Damen von EU-Kommission, Währungsfonds, Weltbank, Marionettenregierungen u. a. sind keine „Machtmenschen“?

Die Disproportionalität wird zur Lüge. Lüge bringt Unfreiheit hervor. Dagegen muss man aufstehen. Ja, Orbán übt Macht aus. Es gibt die Macht als Dienst am Gemeinwohl. Und es gibt den Machtmissbrauch, der sich um das Gemeinwohl nichts schert, sondern Utopien nachjagt, die nie eintreten werden.

Berichterstattung der Trittbrettfahrer

In den Medien selbst steht aber so gut wie niemand gegen Unverhältnismäßigkeit und offene Lüge auf. Auch – das eher sinnlose – Radio Stephansdom stößt bezüglich der derzeitigen ungarischen Regierung in dasselbe Horn wie der ORF. Eine einschlägige Meldung ist mir von vor einigen Wochen in Erinnerung. Das zeigt wieder einmal, wie sehr sich die Katholische Kirche in Österreich den Mächtigen ausgeliefert hat und im Medienbereich diesen auf peinliche Weise hinterherhechelt. Es ist eine Schande, dass nicht der geringste Versuch seitens der nominell katholischen Medienschaffenden unternommen wird, eine sinnvolle Alternative zur Gesinnungsdiktatur zu bieten.

Es ist speziell schäbig, wenn ein Kirchensender die Hetzkampagne gegen den ungarischen Regierungschef – immerhin ein christlicher Politiker mit Courage gegenüber atheistisch-antichristlicher ausländischer Einmischung – durch dieselbe manipulative Berichterstattung mitträgt.

Gerade von einem Kirchensender könnte man sich ein gewisses Niveau erwarten. Dieses kommt aber nicht.

Eine geschichtsphilosophische Überlegung als realpolitische Maxime

Zur Behandlung aktueller politischer Fragen ist es sinnvoll, sich gelegentlich mit Grundsatzfragen zu beschäftigen. Im gegenständlichen Fall wäre etwa eine Analyse der EU- und Integrationspropaganda unter ideologiekritischer geschichtsphilosophischer Rücksicht notwendig und lohnend.

Aufgrund des beschränkten Platzes dazu nur ganz kurz:

Jeglicher Überredungsversuch, ein Volk müsse aus historischen Notwendigkeiten bzw. wegen der geschichtlichen Entwicklung „heutzutage“ oder „in der Moderne“ oder „im 21. Jahrhundert“ so oder anders handeln, ist lügenhaft und propagandistisch. Im Falle direkter politischer Einflussnahme ist er nötigend. Es gibt keine „historischen Notwendigkeiten“. Die Marxsche Geschichtsauffassung ist eine massive Geistespathologie.

Andererseits geht es ohnehin niemals um „historische Notwendigkeiten“ sondern um geopolitische Interessen einer bestimmten Gruppe von Menschen, die es aber vorziehen, ihre eigentlichen Absichten nicht auf den Tisch zu legen.

„Die Geschichte“ befiehlt nämlich gar nichts. „Historischer Prozess“ ist kein Dogma. Die „Moderne“ ist keine Verpflichtung. Das „Zeitgemäße“ ist keine Handlungsnorm.

Die einzig relevante Handlungsnorm sind die 10 Gebote.

Wenn sich die Politik der „Integration“ Europas nicht bewährt, weil sie immer mehr Chaos, Massenimmigration, Steuerbelastung, Armut und Unfreiheit mit sich bringt, muss sie eben beendet werden. Es kann nicht darum gehen, den Utopien und Hirngespinsten einer kleinen Herrscherkaste Menschenopfer darzubringen. Wenn sich ein Weg als falsch herausstellt, muss man eben „umkehren“. Viktor Orbán hat das für Ungarn erkannt und, soweit das zu erheben ist, einige Konsequenzen daraus gezogen. Im großen und ganzen scheint sich der neue Weg zu bewähren. Paradiesische Zustände wird es niemals geben. Wer sie verspricht, ist ein Scharlatan.

Resümee

Es ist daher nicht zu begründen, warum Ungarn Souveränität aufgeben müsse.

Es ist nicht zu rechtfertigen, dass überwältigende Wahlergebnisse auf kaltem Wege revidiert werden sollen.

Ausländische Einmischung, um Wahlergebnisse zu neutralisieren und genehme Regimes zu installieren, ist verabscheuungswürdig.

Dasselbe gilt ceteris paribus natürlich auch für Österreich. Es besteht keine wie immer geartete Verpflichtung, unser Land zur Kolonie machen zu lassen. Auch für die Österreicher gilt das Selbstbestimmungsrecht. Insofern hätten wir in Ungarn derzeit einen guten Partner. Es wäre daher sicher angebracht, wenn die österreichische Schwesterpartei von FIDESZ und KDNP der Wahrheit Geltung verschaffen würde. Auch von den kirchlichen Stellen könnte man sich erwarten, die falschen zugunsten der wahren Dogmen zu bekämpfen.

Man erinnere sich nur an die historische Erfahrung aus den verschiedenen Totalitarismen: Mit der Wahrheit stirbt auch die Freiheit.

MMag. Wolfram Schrems, Linz und Wien, katholischer Theologe und Philosoph, Katechist

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die besten Kommentare

  1. Ausgezeichneter KommentatorWyatt
    3x Ausgezeichneter Kommentar
    08. Februar 2015 09:11

    @ MMag. Wolfram Schrems,
    *********************************!

  2. Ausgezeichneter Kommentatorsocrates
    3x Ausgezeichneter Kommentar
    08. Februar 2015 10:36

    Orban macht das Beste für Ungarn, ohne Rücksicht auf die EU. Das verzeihen ihm die Machthaberer und ihre Klientel, die Medien, nie.

  3. Ausgezeichneter KommentatorPoliticus1
    2x Ausgezeichneter Kommentar
    08. Februar 2015 10:48

    Nicht nur Ungarn!

    Mag sein, dass ich mich täusche ...
    Aber mir fällt auf, dass in den ORF-Nachrichten mit besonderer Freude über jede irgendwo in der Welt stattgefundene Demonstration gegen die dortige Regierung berichtet wird. Meist mit dem Titel Massenprotest oder -kundgebung.

    Damit man den Eindruck gewinnt - schaut's wie schön und ruhig es bei uns ist?

  4. Ausgezeichneter Kommentatorhamburger zimmermann
    2x Ausgezeichneter Kommentar
    08. Februar 2015 04:56

    "Die „Moderne“ ist keine Verpflichtung. Das „Zeitgemäße“ ist keine Handlungsnorm".

    hoffentlich lesen dieses auch wertkonservative herren bloggäste.
    .

alle Kommentare

  1. Karl Martell (kein Partner)
    11. Februar 2015 10:48

    „ Solange die Freiheit im Felde bleibt, begehen wir ein Unrecht,

    wenn wir die Stärke durch Zensur und Verbote schwächen.

    Sollen doch Wahrheit und Falschheit miteinander ringen!

    Wer hat je erlebt, daß in einem freien und offenen Kampf die

    Wahrheit den kürzeren gezogen hätte! Die Wahrheit ist stark und

    steht der göttlichen Allmacht nahe. Sie bedarf keiner Politik,

    keiner Strategie, keiner Zensur, um siegreich zu sein.

    Mit solchen Mitteln verteidigt sich der Irrtum gegen ihre Macht. "

    John Milton (1608-1674)

  2. Karl Martell (kein Partner)
    10. Februar 2015 10:20

    Das liberale System glaubt, daß alle europäischen Völker in einem neokommunistischen bzw. liberal-multikulturellen Suprastaat von nichteuropäischen Stämmen stets ersetzt werden können und wie Verbrauchsmaterial ständig reproduziert werden sollten. Balkanisierung und Multikulturalismus funktionieren heute als Ersatzideologie für den verbrauchten und diskreditierten Kommunismus.
    Das hat Orban frühzeitig erkannt, und die Zusammenarbeit mit Soros beendet.

    Trotz des offiziellen Zusammenbruchs des Kommunismus sind die kommunistischen Ideen der Gleichmacherei und der Glaube an den Fortschritt mehr als je lebendig im heutigen liberal-multikulturellen Europa.

  3. F.V. (kein Partner)
    • F.V. (kein Partner)
      09. Februar 2015 23:17

      Die Ungarn, als vor Jahrhunderten „wildes Steppenvolk“ nach Europa eingewandert, haben sich anscheinend noch etwas von ihrer ursprünglichen Vitalität erhalten.

      Sie waren bis zur siegreichen Türkenabwehr vor Wien und in Belgrad Jahrhunderte von den Türken besetzt und bedrängt, - und erhielten sich dennoch ihre Eigenart.

      Sie revoltierten – frühzeitig – gegen den damals noch übermächtigen Großen Bruder, die Sowjetunion, als sie keine Chance auf Erfolg hatten.

      Nun wehren sie sich gegen die EUdSSR und das Brüssler Politbüro. Dieser Kampf hat freilich Ähnlichkeit mit jenem des Herakles gegen Hydra, der für jeden abgeschlagenen Kopf zwei neue nachwuchsen.

      Bedenkt man, daß bei der sogenannten „Transformation“ planwirtschaftlicher zu marktwirtschaftlicher Wirtschaftsordnung die ehemaligen COMECON-Länder meist auf ein Drittel bis Viertel ihrer Wirtschaftsleistung abstürzten, die Landwirtschaft fast völlig vernichtet wurde und somit äußerste Not in diesen Ländern einkehrte – und Heuschrecken sich billigst „einkauften“ bzw. die „Economic Hitman“ das Land in Schuldknechtschaft trieben, dann ist Orbans Widerstand heldenhaft und wird – völlig zurecht – von den Ungarn mit überwältigender Mehrheit unterstützt.

      Die großen Schwierigkeiten kommen ja vor allem von der exorbitanten Verschuldung des Landes, aber auch weil der übelste Spekulant, George Soros, in Ungarn seine „Zentrale“ zur Destabilisierung Osteuropas und des Balkan einrichtete, die „Open University“, und somit das Land von 5. Kolonnen durchsetzt ist, denen es weder an Geld noch logistischer und „moralischer“ (= US-Propaganda) Unterstützung mangelt.

      Daß der österreichische Herz-Jesu-Lebensministeriums-Vorsteher, Andrä R., den sich billige Landwirtschaftsgründe in Ungarn illegal unter den Nagel gerissen Habenden Schützenhilfe gewähren wollte bzw. hat, zeigt, daß selbst „fromme Tiroler“ Schmiere stehen, wenn es um die Sicherung der Beute geht.

      Es ist also nicht leicht in der EU-ropäischen „Wertegemeinschaft“ Freund und Feind auseinanderzuhalten.

      In jüngster Zeit mehren sich aber die Anzeichen, daß in den mittel- und osteuropäischen Ländern (bemerkenswerterweise jenen, die einmal integraler Teil der Österr.-Ungarischen Monarchie waren! – Böhmen, Mähren, Slowenien, ...) sich der Widerstand formiert. – Wäre es nicht eine kluge Politik sich hier mit an die Spitze zu setzen und an der einstmals großen Geschichte anzuknüpfen – und den Widerstand dieser ehemaligen Brüdervölker gegen die Anmaßungen des Brüssler Politbüros gemeinsam zu organisieren? – Wenn es schon ein paar hemdsärmeligen Proleten gelingt die EU-Kommissare einzuschüchtern, wie dann nicht vereinten Ländern mit realen Forderungen?

  4. socrates
    • F.V. (kein Partner)
      10. Februar 2015 14:18

      Ein weiterer Beweis, daß in Gods own Country die Inkarnation von Menschenwürde, Freiheit, und was es der Ewigen Wahrworte noch gibt, ihren Sitz hat.

      Wie können wir das bloß nicht erkennen!?

  5. Politicus1
    08. Februar 2015 10:48

    Nicht nur Ungarn!

    Mag sein, dass ich mich täusche ...
    Aber mir fällt auf, dass in den ORF-Nachrichten mit besonderer Freude über jede irgendwo in der Welt stattgefundene Demonstration gegen die dortige Regierung berichtet wird. Meist mit dem Titel Massenprotest oder -kundgebung.

    Damit man den Eindruck gewinnt - schaut's wie schön und ruhig es bei uns ist?

  6. socrates
    08. Februar 2015 10:36

    Orban macht das Beste für Ungarn, ohne Rücksicht auf die EU. Das verzeihen ihm die Machthaberer und ihre Klientel, die Medien, nie.

  7. Wyatt
    08. Februar 2015 09:11

    @ MMag. Wolfram Schrems,
    *********************************!

  8. hamburger zimmermann
    08. Februar 2015 04:56

    "Die „Moderne“ ist keine Verpflichtung. Das „Zeitgemäße“ ist keine Handlungsnorm".

    hoffentlich lesen dieses auch wertkonservative herren bloggäste.
    .





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