Toleranz statt Demokratie

Lesezeit: 4:00

Jetzt also auch in Kopenhagen. Man ist einmal mehr geschockt, aber nicht zu sehr. Es hätte natürlich genauso gut in Barcelona, Hamburg, Wien, Marseille, Rom, Manchester, Rotterdam oder sonst einer Stadt in Europa sein können. Kommt aber noch. So brav und unterwürfig können die politisch korrekten Eliten und die europäischen Gesellschaften gar nicht sein.

Karikaturen, eine Diskussionsveranstaltung über Meinungsfreiheit, ein Film, ein christliches Symbol, ein falsches Wort, ganz egal, irgendwas findet sich immer. Deshalb posaunt man auch über alle zur Verfügung stehenden Kanäle hinaus, dass das nichts mit dem Islam zu tun hat und es sich lediglich um verwirrte Extremisten handelt, die in der Moschee nur nicht richtig aufgepasst haben.

Der islamisch motivierte Terror ist in Europa angekommen. Und er ist gekommen, um zu bleiben. In zwei Stunden, drei Tagen, einer Woche oder einem Monat wird es wieder krachen, es werden wieder alle – von Mal zu Mal etwas weniger – schockiert sein. Stadt XY! Ausgerechnet, wo man dort doch so viel für Integration …

Islamistischer Terror gehört bald zu unserem Alltag, mit all seinen Auswirkungen auf eine immer weniger offene und freie Gesellschaft. Man gewöhnt sich daran, bzw. wird daran gewöhnt. Beim nächsten Massaker wird die mediale und politische Aufregung nicht mehr ganz so groß sein. Von den Titelblättern in die hinteren Teile der Zeitungen unter „kurz notiert“, eine voraussehbare mediale Karriere. Es wird wieder nur ein verwirrter Täter oder ein isoliertes Grüppchen sein, den schwarzen Peter versucht man wie gewohnt der Polizei in die Schuhe zu schieben, die Linke hängt eben an ihren alten und bewährten Feindbildern.

Nach den nächsten Massakern werden die Tausenden von Charlies in Politik, Medien und Kultur wahrscheinlich sogar ihren unglaubwürdigen Aktionismus und ihre eitlen Alibiaktionen einstellen, weil ihnen selbst dafür künftig der Mut fehlen wird. Nur nichts riskieren. „Toleranz“ löst langsam Demokratie, Presse- und Meinungsfreiheit ab. Und es wird noch viel zu tolerieren geben.

Während man in Sonntagsreden und nach dem jeweils aktuellen Terroranschlag vollmundig für die Verteidigung der westlichen Werte eintritt, werden sie ohne großes Aufsehen ganz pragmatisch den neuen Begebenheiten in Europa angepasst. Schritt für Schritt. Mögliche Provokationen  werden vermieden.

Die europäische Kultur- und Kunstszene hat sich bereits selbst kastriert. Es gibt nur wenige Ausnahmen. Widerstand regt sich nur noch gegen jene, die auf diese Entwicklungen aufmerksam machen, denn sie sind es, die in Europa für Unruhe sorgen, unnötig provozieren und das Klima vergiften. Sie versuchen Angst zu verbreiten, Vorurteile aufzubauen und die Terroranschläge verwirrter Einzeltäter für ihre Zwecke – welche das auch immer sein mögen – zu instrumentalisieren.

Ein immer stärker vom Islam geprägtes Europa? Nein, Europa wird trotz aller demographischen Umwälzungen auch weiterhin Vorkämpfer für Geschlechtervielfalt, soziale Gerechtigkeit, Mülltrennung und Veganismus sein. Einige politisch korrekte Gesellschaftingenieure glauben tatsächlich, noch die HerrInnen auf der politischen Kommandobrücke des Schiffes Europa zu sein. Andere bekommen gerade, wie der Zauberlehrling in Goethes Ballade, ein ungutes Gefühl. 

Deshalb wird immer und immer wieder verkündet, es gibt keine Islamisierung, das sind nur die paranoiden Hirngespinste rechter Wirrköpfe und verwirrter Modernisierungsverlierer, die sich in der neuen bunten Multikultiwelt einfach nicht zurechtfinden. Die permanente Wiederholung dieses politisch korrekten Glaubenssatzes dient nicht nur der Volkserziehung, sondern auch als beruhigendes Mantra für die Vorturner und Mitläufer dieser Ideologie.

Eine Erklärung, warum aber ausgerechnet Europa, im Gegensatz zu weiten Teilen Afrikas und Asiens, nicht zunehmend islamischer werden sollte, bleiben uns die politisch korrekten Meinungsführer allerdings schuldig. Vielleicht, weil die europäische Kultur besonders stark und attraktiv für Zuwanderer ist? Vielleicht, weil die Europäer besonders glaubensstarke Menschen sind? Vielleicht, weil unsere Politiker besondere aufrechte und mutige Demokraten sind? Vielleicht, weil Europa eine intelligente und vorausschauende Einwanderungs- und Integrationspolitik betreibt? Scherz beiseite.

Die islamische Religion/Ideologie verändert Europa, seine Kultur, seine Gesellschaften, seine Werte. Und zwar sehr viel tiefgreifender, als es sich jene, die durch ihre Politik, ihr Wahlverhalten und ihr Engagement diese Entwicklung gefördert und vorangetrieben haben, vorstellen können oder wollen. Langsam wäre es an der Zeit, die Augen zu öffnen und sich der Realität zu stellen.

Werner Reichel ist Journalist und Autor aus Wien. Kürzlich sind seine neuen Bücher „Die Feinde der Freiheit“ und „Das Phänomen Conchita Wurst: Ein Hype und seine politischen Dimensionen“ erschienen.

einen Kommentar schreiben
Teilen:
  • email
  • Add to favorites
  • Facebook
  • Google Bookmarks
  • Twitter
  • Print

die besten Kommentare

  1. Ausgezeichneter Kommentatormachmuss verschiebnix
    4x Ausgezeichneter Kommentar
    16. Februar 2015 22:11

    Vielen Dank für diesen Beitrag, Hr. Reichel - das fetzt rein :))

    Ja, » … es wird noch viel zu tolerieren geben.… « , und je mehr toleriert wird,
    desto höher werden diesbezüglich die Anforderungen steigen .

    Da hört man aber keine Schadenfreude raus - aber gehh, ich doch nicht - ist doch
    viel zu ernst, als daß man sich drüber freuen könnte, daß die Linken jetzt von den
    IS-Brigaden ihre eigene "Medizin" zu schlucken bekommen. Eine Lehre, welche
    ihnen von den - nur hypothetisch vorhandenen - "Feindbild-Nazis" klarerweise
    nicht erteilt werden KANN !

    Mal sehen wie hoch die nächste "Dosierung" sein wird - aber ein bisserl
    schon - im Antifa-Theater, erste Reihe fußfrei, ein bissserl quillt sie hoch,
    die Schadenfreude [ verkneiff - pfft ]

  2. Ausgezeichneter Kommentatorsimplicissimus
    1x Ausgezeichneter Kommentar
    17. Februar 2015 06:03

    So wird es leider stattfinden.
    Zauberlehrlinge kenne ich den einen oder anderen.
    Die Zahl der vernagelten PC-multikulti Großmeister ist leider noch immer viel größer.


alle Kommentare

  1. F.V. (kein Partner)
    20. Februar 2015 08:49

    Herr Reichel bemüht hier zwei der „Ewigen Wahrwörter“, aber er hätte sie gleich in der korrekten Schreibweise notieren können bzw. sollen. Dann wäre derselbe Inhalt auf die knappste Weise transportiert worden.

    Tolleranz und Dämokratie.

    In der alten Schreibweise wäre diese nur dann korrekt, wenn man auch berücksichtigte, daß dies Vokabel des Neusprech sind.

  2. simplicissimus
    17. Februar 2015 06:03

    So wird es leider stattfinden.
    Zauberlehrlinge kenne ich den einen oder anderen.
    Die Zahl der vernagelten PC-multikulti Großmeister ist leider noch immer viel größer.

    • Wyatt
      17. Februar 2015 13:12

      Dass sich Politik und Medien in einer Parallelgesellschaft bewegen, die mit der Realität kaum noch etwas zu tun hat, wird m. E. zunehmend immer mehr Menschen bewusst, nur was lässt sich dagegen tun? Die "Grüne SPÖVP" abwählen? Und wenn ? - dann siehe Ungarn:

      http://www.spiegel.de/politik/ausland/putin-bei-orban-in-budapest-ungarn-will-partnerschaft-vertiefen-a-1018845.html

    • simplicissimus
      17. Februar 2015 15:00

      Mir wird in Entwicklungslaendern von gebildeten Menschen bereits gesagt, dass Europas Kultur den Zenit ueberschritten hat und am Abstuerzen ist wie weiland das Imperium Romanum.
      Es ist also auch fuer neutrale Aussenstehende ganz klar sichtbar, nicht nur fuer uns "Geriatrische Kettenhunde" wie wir vor Jahren von einem linken Troll benannt wurden.
      Kein Wunder dieser Absturz, wenn man von sich selbst bedienenden Parasiten regiert wird.

      Gegen eine Achse Paris-Berlin-Moskau haette ich nichts, es waere ein Befreiungsschlag gegen den angelsaechsischen Kraken. Abgesehen davon meine ich, dass weder die aktuelle US- oder russische Politik symphatisch ist. Aber Europa sollte sich aufs eigene Ueberleben konzentrieren und wieder Politik der Staerke in einem geeigneten Buendnissystem machen.Leider ist das nur Wunschdenkerei, es wird nicht statt finden.

  3. machmuss verschiebnix
    16. Februar 2015 22:11

    Vielen Dank für diesen Beitrag, Hr. Reichel - das fetzt rein :))

    Ja, » … es wird noch viel zu tolerieren geben.… « , und je mehr toleriert wird,
    desto höher werden diesbezüglich die Anforderungen steigen .

    Da hört man aber keine Schadenfreude raus - aber gehh, ich doch nicht - ist doch
    viel zu ernst, als daß man sich drüber freuen könnte, daß die Linken jetzt von den
    IS-Brigaden ihre eigene "Medizin" zu schlucken bekommen. Eine Lehre, welche
    ihnen von den - nur hypothetisch vorhandenen - "Feindbild-Nazis" klarerweise
    nicht erteilt werden KANN !

    Mal sehen wie hoch die nächste "Dosierung" sein wird - aber ein bisserl
    schon - im Antifa-Theater, erste Reihe fußfrei, ein bissserl quillt sie hoch,
    die Schadenfreude [ verkneiff - pfft ]





Bitte OHNE Internet-Links (Kommentare mit Links werden nicht veröffentlicht)
verbleibende Zeichen: 700

Sicherheitsabfrage:
Bild neu laden

Ich will die Datenschutzerklärung lesen.


© 2020 by Andreas Unterberger (seit 2009)  Impressum  Datenschutzerklärung