Neue Stolpersteine für Politiker

Es muss schon bitter sein, wenn man als Politiker in einem hohen Amt plötzlich über Unachtsamkeiten, Schlampereien und Faulheit aus seiner Studentenzeit stolpert. Jüngst geschehen ist das der diese Woche zurückgetretenen deutschen Bildungs- und Forschungsministerin Annette Schavan.

Ihr Rücktritt war die direkte Reaktion auf den Entzug ihrer Doktorwürde durch die Universität Düsseldorf. Dieser Schritt war im Speziellen sehr wichtig für deutsche Kanzlerin Angela Merkel. Schließlich stehen in Deutschland 2013 Bundestagswahlen an. Eine derartige Affäre ist für ihre Wiederwahl natürlich alles andere als hilfreich und so musste die „treueste Verbündete” Merkels kurzerhand die Konsequenzen ziehen.

Derartige Affären sind in der jüngsten Vergangenheit nicht unbekannt. Viele erinnern sich noch an die Plagiatsaffäre des ehemaligen deutschen Bundesverteidigungsministers Karl-Theodor zu Guttenberg, dem im Jahre 2011 von der Universität Bayreuth die Doktorwürde aberkannt wurde. Und auch in Österreich versuchte man dem schwarzen EU-Kommissar Johannes Hahn einen Strick zu drehen, indem man ihm schwerwiegende Patzer in seiner Dissertation vorwarf – was aber als unbegründet abgewehrt werden konnte.

Interessant ist, dass alle oben Genannten aus dem konservativen Lager kamen. Dabei stellt sich die Frage, ob es sich um eine konservative Eigenart handelt, dass ihre akademischen Vertreter zu Plagiaten neigen – oder stellen sich die Linken einfach nur klüger an (bzw. sind die Konservativen zu unfähig, solche Skandale genauso geschickt zu vertuschen wie ihre linken Kollegen)? Denn Verdachtsmomente gab es ja auch hier: Diverse Grünpolitiker, deren Doktorarbeiten möglicherweise nicht ganz astrein seien (es gilt natürlich die Unschuldsvermutung). Aber derartige Dinge werden in der Regel von am linken Auge blinden Medien und „Qualitätszeitungen” recht schnell fallen gelassen bzw. stur ignoriert.

Interessant ist auch, dass eine derartige Aberkennung der akademischen Würde immer just dann passiert, wenn es dem politischen Gegner wahltaktisch einen Vorteil bringen möge. Ein Schelm, der hier Böses denkt. Aber es wirft die Frage auf, ob sich Universitäten für derlei politische Spielchen missbrauchen lassen. Und darüber hinaus stellt sich die Frage, ob es sich für einen Akademiker in Zukunft überhaupt noch auszahlt, in die Politik zu gehen, wenn er Gefahr läuft, dass ihm der Titel aberkannt wird.

Jeder, der schon akademisch gearbeitet hat, eine Diplomarbeit, eine Dissertation, wissenschaftliche Papers und derlei ausgearbeitet hat, der weiß freilich, dass es ein schmaler Grat ist, auf dem sich der Verfasser einer solchen Schrift bewegt. Schmal deswegen, weil wissenschaftliche Arbeit in der Regel auf der Arbeit anderer aufbaut, die man dann in seiner Arbeit zitiert und entsprechend referenziert. Inwiefern eine solche Referenz allerdings ausreichend ist, dies zu entscheiden obliegt jenen Personen, welche die Arbeit bewerten. Für die Verleihung der akademischen Würde, oder aber um diese – oft Jahrzehnte später – wieder abzuerkennen. Ob ein nachträgliches Aberkennen letztendlich gerechtfertigt ist oder nicht, ist daher sehr schwer zu beurteilen.

So gesehen können sich Politiker wie Bundeskanzler Werner Faymann also mehr als in Sicherheit wiegen. Denn wer keinen akademischen Titel hat, dem kann dieser auch nicht aberkannt werden. Natürlich besteht noch die Gefahr, dass dann das Maturazeugnis näher begutachtet wird, aber das kann man ja auch verschwinden lassen. Und schließlich und endlich reicht auch ein schlechter Haupt- (Verzeihung: „Neue Mittelschul-”) oder Sonderschulabschluss, um in Österreich Politiker zu werden. Denn um im EU-Ministerrat Entscheidungen abzunicken, die man nicht versteht, externe Berater von parteinahen Firmen anzustellen oder im Boulevard zu inserieren braucht´s wirklich keinen Universitätsabschluss.

Natascha Chrobok ist Wienerin, Bloggerin (http://www.nattl.at/) und Twitter-Politik-#stammtisch-Organisatorin.

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die besten Kommentare

  1. Ausgezeichneter KommentatorS.B.
    4x Ausgezeichneter Kommentar
    12. Februar 2013 02:14

    Abgesehen davon, daß auch die Universitäten in die Verantwortung zu nehmen sind, verjähren die grauslichsten Verbrechen wie Mord und Kinderschändung nach 30 Jahren. Eine womöglich plagiierte Dissertation - noch dazu von einer(m) rechten Politiker(in) - natürlich nicht. Da fehlt mir das nötige Augenmaß, welches durch politische Agitation ersetzt wird.

  2. Ausgezeichneter KommentatorRR Prof. Reinhard Horner
    3x Ausgezeichneter Kommentar
    11. Februar 2013 12:45

    reinhard.horner@chello.at

    Die Polemik gegen BK Faymann löst das Problem nicht. Denn das größere Problem liegt in den Universitäten, die offensichtlich wohlfeil Doktortitel verleihen und entziehen.

    Schon im Fall zu Guttenberg habe ich entsprechende Konsequenzen in der betreffenden Universität gefordert. Wo sind sie damals geblieben und wo werden sie heute und in Zukunft bleiben?

  3. Ausgezeichneter KommentatorBlahowetz
    2x Ausgezeichneter Kommentar
    11. Februar 2013 11:10

    Die Autorin des Beitrages geht offensichtlich davon aus, dass unser Herr Bundeskanzler die Matura abgelegt hat.
    Ist nicht selbst dieser Umstand begründet in Zweifel zu ziehen?

  4. Ausgezeichneter KommentatorM.S.
    1x Ausgezeichneter Kommentar
    11. Februar 2013 14:16

    Ist nicht die Universität dafür verantwortlich, ob eine Dissertation anerkannt wird? Warum wurde diese zum Zeitpunkt der Ablegung nicht sorgfältig überprüft?
    Bekanntlich wird ja auch bei den Maturaarbeiten oft geschwindelt. Wenn es nun einem Schüler gelungen ist, zu schwindeln ohne entdeckt zu werden, kann dem die Matura nach Jahrzehnten aberkannt werden, wenn sich zwei Zeugen melden und behaupten, dieser habe damals z.B. in Mathematik zwei Beispiele mittels eines Schummelzettels gelöst?


alle Kommentare

  1. Stevie (kein Partner)
  2. Eddie (kein Partner)
    08. Februar 2015 15:18

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  10. Observer
    12. Februar 2013 17:56

    Es ist schön, dass sich Natascha Chrobok in ihren diversen IT-Auftritten auch solchen Themen widmet. Trotz ihrer vielseitigen Aktivitäten in Beruf und Freizeit hat sie aber noch wenig Erfahrung, was der heutige Wert eines akademischen Grades betrifft. Aus eigener Studienerfahrungen und dem Berufsleben lernte ich, dass es einerseits oft sehr einfach gemacht wird, z.B. einen Magistertitel in einem Orchideenstudium zu erreichen. Und in Wirtschaft und Verwaltung erkannte ich, dass viele praxisorientierte und vernunftdenkende Nichtakademiker vielfach den herumlaufenden Akademikern haushoch überlegen sind. Jeder Personalchef wird bestätigen, dass erst Akademiker, welche sich in den in der Praxis auftretenden Herausforderungen bewährt haben, auch "ihr Geld Wert sind".

    Zur Einschätzung von Werner Faymann ist Frau Chrobok zu gratulieren. Er wird als einer der schwächsten Bundeskanazler in die österreichische Geschichte eingehen.

  11. F. V. (kein Partner)
    12. Februar 2013 14:16

    Würde nicht seit der Französischen Revolution die gesellschaftliche Stellung neben der Noblesse de epee – der „Ritter“ und der Aristokratie - um jene Noblesse de robe – also des Geistes, der Akademiker – ergänzt bzw. heute fast abgelöst worden sein, wären diese Doktor-Titel eigentlich ohne Belang

    So sind sie aber (Mit-)Voraussetzung für die gesellschaftliche Stellung, den Rang/das Ansehen und auch das Erreichen jener Posten, die etwa bei Staatsbeamten als – besser bezahlte – A-Posten bezeichnet werden.

    Auch in der Wirtschaft orientiert man sich auch immer mehr an einer Flut von akademischen und post-graduate Zertifikaten zweifelhaften Werts, obwohl es einmal anders war, und man hier die praktisch bewährte Leistung eher schätzte.

    In Wels gibt es ein sehr erfolgreiches Unternehmen, FRONIUS, von dem anläßlich eines Portraits im Rundfunk die Tochter des Gründers (inzwischen selbst in der GF) berichtete, daß der ebenfalls mit ihm aus dem Sudetenland vertriebene Pferdeknecht seine wesentliche Stütze und rechte Hand beim Aufbau dieses High-Tec-Unternehmens war!

    Was die Natascha Chrobok, von Beruf Wienerin, hier sagt, daß die Verfasser von Diplom- oder Doktorarbeiten – weil noch „unerfahren“ – nicht so genau wüßten, wann und ob sie abschreiben, ist natürlich ein bisserl lächerlich. Und wenn es wirklich so wäre, müßte man solche Kandidaten auch für akademische Würden nicht recht geeignet halten.

    Daß sich bisher vor allem „Rechte“ ertappen ließen, hängt natürlich damit zusammen, daß die „Linken“ die Lufthoheit über die veröffentlichte Meinung/Presse haben.

  12. cmh (kein Partner)
    12. Februar 2013 11:56

    Irgendwann stellt sich dann noch die Frage, ob in den publizistisch-polititschen Studienrichtungen überhaupt noch akadmische Titel vergeben werden dürfen. Denn beim ersten Hinschauen müssten viele dieser Abschlüsse wieder aberkannt werden. Das schließlich würde vor allem das linke Biotop empfindlich treffen.

    Scrubs: Sind Sie ein wirklicher Doktor oder nur so einer wie Doktor Oetker?

    Zusatzfrage: Gibt es den Doktor Best tatsächlich?

  13. Honeypot (kein Partner)
    12. Februar 2013 06:45

    Der Grat ist keineswgs schmal. Es gibt ganz klare Regeln und im Zweifelsfall kann man ja immer noch fragen. Wegen einem einzigen Grenzfall der falsch oder nicht zitiert wurde wird auch kein Doktortitel aberkannt.

    Die Frage wie das in der Vergangenheit gehandhabt wurde ist berechtigt, alles andere ist billige Relativierung.

  14. S.B.
    12. Februar 2013 02:14

    Abgesehen davon, daß auch die Universitäten in die Verantwortung zu nehmen sind, verjähren die grauslichsten Verbrechen wie Mord und Kinderschändung nach 30 Jahren. Eine womöglich plagiierte Dissertation - noch dazu von einer(m) rechten Politiker(in) - natürlich nicht. Da fehlt mir das nötige Augenmaß, welches durch politische Agitation ersetzt wird.

    • Johann Glaser (kein Partner)
      13. Februar 2013 00:22

      Auch wenn ich Ihnen nur ungern widerspreche, aber die angesprochene Verjährung bezieht sich auf strafrechtliche Konsequenzen einer Tat (die aber sowieso nicht mehr rückgängig gemacht werden kann).

      Ein Titel, der sich nachträglich als erschlichen herausstellt, "schmückt" weiterhin, wenn er nicht entzogen würde.

      Daher bin ich der Meinung, dass erschlichene Titel immer aberkannt werden, aber nach einer gewissen Verjährungsfrist keine weiteren Konsequenzen (insbes. mediale Hetzjagt) eintreten.

  15. M.S.
    11. Februar 2013 14:16

    Ist nicht die Universität dafür verantwortlich, ob eine Dissertation anerkannt wird? Warum wurde diese zum Zeitpunkt der Ablegung nicht sorgfältig überprüft?
    Bekanntlich wird ja auch bei den Maturaarbeiten oft geschwindelt. Wenn es nun einem Schüler gelungen ist, zu schwindeln ohne entdeckt zu werden, kann dem die Matura nach Jahrzehnten aberkannt werden, wenn sich zwei Zeugen melden und behaupten, dieser habe damals z.B. in Mathematik zwei Beispiele mittels eines Schummelzettels gelöst?

  16. RR Prof. Reinhard Horner
    11. Februar 2013 12:45

    reinhard.horner@chello.at

    Die Polemik gegen BK Faymann löst das Problem nicht. Denn das größere Problem liegt in den Universitäten, die offensichtlich wohlfeil Doktortitel verleihen und entziehen.

    Schon im Fall zu Guttenberg habe ich entsprechende Konsequenzen in der betreffenden Universität gefordert. Wo sind sie damals geblieben und wo werden sie heute und in Zukunft bleiben?

  17. Blahowetz
    11. Februar 2013 11:10

    Die Autorin des Beitrages geht offensichtlich davon aus, dass unser Herr Bundeskanzler die Matura abgelegt hat.
    Ist nicht selbst dieser Umstand begründet in Zweifel zu ziehen?

  18. ambrosius
    11. Februar 2013 08:17

    Wer bezahlt Schulen, Universitäten und Wissenschaftler ? Der Staat ( aus Steuerzahler`s Geld)
    Wer entscheidet, welche Schule, Universität und Wissenschaftler wofür wie viel (Steuerzahler`s)Geld bekommt ? Die herrschende(n) Partei(en), nur wenig von biegbaren Gesetzen gehemmt.

    Es hat lange gedauert, bis das Sozialprestige von Parteien und Politikern, von gehobenen Priestern und Kirchen in den Keller gefallen ist. Universitäten und Wissenschafter befinden sich auch schon längst im freien Fall dorthin.(Steuer und Kirchensteuer müssen wir aber weiterhin bezahlen)

    • ambrosius
      11. Februar 2013 10:32

      Da hab`ich doch glatt auf die dritte rhetorische Fragen vergessen! Sie sollte lauten:
      Und wess`Lied haben die Schulen, Universitäten und Wissenschaftler dann zu singen ?

      Übrigens als post scriptum ein Verweis auf unseren Integrationsstaatssekretär, der fordert, daß aus öffentlichen Mitteln geförderte Studien wenigstens veröffentlicht werden müssen. Es ist schon ein schlimmes Zeugnis für unsere Kultur, daß so eine Forderung überhaupt erhoben werden muß.





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