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(Soziale) Intelligenz siegt

Die Regierungsverhandlungen zwischen FPÖ und ÖVP sind nach ungefähr einem Monat gescheitert. Beide Seiten schieben sich gegenseitig den "schwarzen Peter" zu. Doch warum sind die Sondierungen zwischen zwei an sich vom politischen Profil relativ konvergenten Parteien nicht geglückt? Der US-amerikanische Psychologe Edward Lee Thorndike definierte als erstes den Begriff der sozialen Intelligenz sinngemäß als die Fähigkeit, andere Menschen zu verstehen und klug im Umgang mit ihnen zu handeln. In dieser Dimension der kognitiven Leistungsfähigkeit dürften beide Verhandlungspartner – mit spezieller Betonung auf Partner und nicht Gegner – nicht sonderlich weit entwickelt sein. Sich in andere Menschen hineinzuversetzen und auf Basis dieser mentalen Bewertung und Analyse klug zu agieren bedingt einerseits eine kognitive aber, was noch wichtiger ist, eine emotionale Facette, sprich eine positive Werthaltung gegenüber der anderen politischen Bewegung und den Menschen als Manifestation dieser.

Hier dürfte der "kasus knaxus" schon vor Beginn der Gespräche zwischen Freiheitlichen und Vertretern der Volkspartei verortet gewesen sein. Wahres Vertrauen bedingt Reife und Stabilität, die eine Entwicklung voraussetzt, auf die viele aktuelle Politfunktionäre aus Mangel an realer Lebenserfahrung außerhalb der politischen Kaste nicht zurückgreifen können. Sein Leben nur im Kielwasser einer Gesinnung zu verbringen und dann sogar in die mehr oder minder staatsnahe oder in deren Abhängigkeitsbereich befindliche Privatwirtschaft zu wechseln, ist damit nicht gemeint. Ohne eine Möglichkeit, den geistigen Horizont einer durchgehenden Politkarriere in der emotionalen Heimat(-Partei) zu verlassen, wird es schwer, die Ketten der selbst geschaffenen Abhängigkeit zu sprengen. Ein Phänomen, welches sich nun in dem Hickhack um Ministerien und Posten gezeigt hat.

Das bekannte "Aus-dem-Felde-Gehen", ein von einem der einflussreichsten Pioniere der Psychologie, Kurt Lewin, in seiner Feldtheorie geprägter Begriff für das Ausweichen aus Konfliktsituationen, Zuständen der Reizsättigung oder Monotonie, wäre eine gute Lösung für das aktuelle Koalitions-Dilemma. Jedoch verlangt diese Menschen, die über ein bestimmtes Maß an Kreativität und die Voraussetzungen der Feldunabhängigkeit verfügen. Die Bürger und vor allem die Wirtschaft, zentral bestehend aus klein- und mittelständischen Unternehmen, erwarten sich einen paradigmatischen Systemwechsel. Kein "Weiter-wie-bisher" mit antiquierten Interessensvertretungen und den immer gleichen Lobbyisten im Hintergrund, die alles wollen, aber nur ja nicht zu viel Veränderung. Vielleicht sollten Berufspolitiker zum Wohle Österreichs zumindest darüber reflektieren, das Spielfeld einmal zu verlassen, damit Neues entstehen kann. In diesem Sinne "Tu felix Austria".

 

Daniel Witzeling ist Psychologe, Sozialforscher und Leiter des Humaninstituts Vienna.

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