Wo sind die Intellektuellen geblieben?

Lesezeit: 3:30

In einer immer mehr durch Social Media geprägten Welt dominieren immer stärker diejenigen den öffentlichen Meinungsbildungsprozess, die am lautesten auf sich aufmerksam machen. Dabei stellt sich die Frage, wo freimütige und engagierte Denker überhaupt noch gesamtgesellschaftlich relevante Debatten auslösen können und inwiefern diese in einer Talkshow-geprägten Welt ihren Stellenwert haben. Warum verlieren die sogenannten Intellektuellen zunehmend an Bedeutung in unserer immer komplexer und vielschichtiger werdenden Welt?

Für das Verstummen und auch Aussterben der Intellektuellen und geistigen Eliten gibt es mehrerlei Gründe. Erstens ist kognitive Exzellenz keine produzierbare Ressource und wahre Spitzenleistungen auf diesem Feld stellen statistisch gesehen eher Ausreißer dar. Wie jeder Kreative, Künstler oder Wissenschaftler weiß, sind intellektuelle Höchstleistungen nicht beliebig oft erbringbar und bedingen auch dementsprechende langjährige Vorarbeit und individuelle Entwicklung. Dieser Wertschöpfungsprozess benötigt aber Zeit und auch gewisse Rahmenbedingungen. Von diesen kann man zwar träumen, aber einfach so herzaubern kann man sie nicht, wie wir auch aus dem schulpolitischen Diskurs wissen.

Hände falten, Goschen halten

Wie viele von uns erleben mussten, wird aber leider allzu oft dieser Prozess des Hinterfragens und der gepflegten Reflexion bereits in der Schule im Keim erstickt. Hier geht die Erziehung in vielen Fällen in Richtung Anpassung und Reproduktion von Wissen. Einst schilderte der ÖVP-Politiker Ferdinand Maier den Stil in seiner Partei mit „Hände falten, Goschen halten“. Nicht viel anders sieht die Praxis auch am Bildungssektor, in der Wirtschaft und in der Politik aus.

Wer aus der Reihe tanzt, wird zurechtgestutzt. Wer nicht belehrbar ist, wird kaltgestellt oder gar aus dem jeweiligen System entfernt. Aus diesem Frust heraus, aufbauend auf negativen Systemerfahrungen und falschen Attributionen, wenden sich immer mehr Menschen dann von diesem ab und schaffen sich ihr Paralleluniversum basierend aus Lügenpresse, Fake News und neuen Wertmaßstäben.

Zauberlehrlinge am Werk

Viele geistige Großmeister haben sich – wie auch Spitzenpolitiker oder Topmanager –mit Jasagern und Zauberlehrlingen umgeben. Die heutige Führung auf diesem Gebiet ist daher leider mehr Lehrling als freidenkender Zauberer, obwohl ihr Selbstbild sie als Meister ausweist. Dies manifestiert sich auf verschiedenen Ebenen unserer Gemeinschaft. Die Größe zu haben, auf einem Gebiet, ob es nun Politik, Wirtschaft oder Wissenschaft ist, Andersdenkende hochkommen zu lassen, ist nicht im Übermaß gegeben. Als Beleg dazu dienen nicht nur die politischen Talkshows, die mit den immer gleichen Experten besetzt sind, sondern auch diverse andere Indikatoren, wie die permanente Zitierung ebendieser in den etablierten Medien.

Dass unter derartigen Rahmenbedingungen die besagten Intellektuellen, wer auch immer das je nach mentalem Blickwinkel sein mag, immer mehr verstummen oder sogar zunehmend aussterben verwundert da nicht. Dass die aktuellen geistigen Eliten in der breiten Masse zunehmend an Autorität und Respekt verlieren, ist zum Teil hausgemacht.

Intellektualität versus Intelligenz

Vielleicht sind die „Intellektuellen“ von heute aber auch nicht das, was die Intellektuellen einst einmal waren. Man darf nicht vergessen, dass nur das Attribut ein Intellektueller zu sein, oft ein von den Medien verliehener Adelstitel mit dem damit verbundenen aufgesetzten Expertenstatus ist. Die Intelligenz und die Persönlichkeit, Menschen mit ihren Ideen und Visionen zu motivieren und zu inspirieren, ist ganz etwas anderes.

Daher sollte man nicht den Fehler machen Intellektualität mit Intelligenz zu verwechseln. Denn dieser bedarf es zusammen mit einer holistischen Wahrnehmung und einem Gespür für die Zeit und ihre Bedürfnisse, um fundamentale Debatten einzuleiten. Wie wäre es sonst möglich, dass der wenig intellektuell wirkende Donald Trump anstatt der intellektuellen Hillary Clinton Präsident der USA wurde?

Daniel Witzeling, (*1985) IST Psychologe und Sozialforscher. Leiter des Humaninstituts Vienna.  Als Sozialforscher beschäftigt er sich mit angewandter Psychologie auf verschiedenen gesellschaftlichen Tätigkeitsfeldern unter anderem Wirtschaft, Politik und Soziales.

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die besten Kommentare

  1. Ausgezeichneter Kommentatorglockenblumen
    6x Ausgezeichneter Kommentar
    02. Februar 2017 15:02

    "...Wie wäre es sonst möglich, dass der wenig intellektuell wirkende Donald Trump anstatt der intellektuellen Hillary Clinton Präsident der USA wurde?..."

    Weil der wenig intellektuell scheinende Donald Trump mit Intelligenz ausgestattet ist!
    ______________________

    "...verlieren die sogenannten Intellektuellen zunehmend an Bedeutung..."

    Die Antwort geben Sie sich selbst: weil es die selbsternannten Wahrheitspropheten nicht ertragen, Andersdenkende aufkommen zu lassen.
    Und: weil sich eben diese Propheten selbst als Intellektuelle präsentieren, aber über keinerlei Weitblick, ganzheitliches Denken, geschweige denn über Rückgrat verfügen!

    In Diskussionen haben die Andersdenkenden nur Diffamierungen, haltlose Anschuldigungen ("Nazi, Rassist" und ganz beliebt: "Phobiker" usw.) zu erwarten, weil eine andere Meinung vertreten wird (Stichwort "politische Talkshow")

    Außerdem sind Intelligenz und Intellektualität heutzutage wenig gefragt, man möchte einen Einheitsbürger bzw. Einheitsmenschen, den man leicht für seine Zwecke manipulieren kann, nützliche Idioten eben!
    Man werfe nur einen Blick auf das heruntergekommene von gender-homo-pädophil-infizierten Hirnen ruiniertes Schul- und Bildungssystem, wobei "Bildung" bereits ein Euphemismus ist.

  2. Ausgezeichneter Kommentatorsocrates
    4x Ausgezeichneter Kommentar
    02. Februar 2017 15:20

    Als Qualifikation für wissenschaftliche Posten und Positionen werden Bewerber mit sozialer Kompetenz und Fachwissen und "auch Andere" gefordert, also jeder beliebige, und "Frauen bevorzugt" verlangt. Danach wäre nicht einmal Einstein bei uns etwas geworden. Dafür wimmelt es von selbsternannten Experten. Im Krimi gibt es nur mehr weibliche Chefs, die schneller laufen, denken, schießen und handeln und die Männer sind ihre AZUBI's.. Tatsachen sind nicht gefragt. Wenn ein Professor in den NAWI'S einen Wissenschaftler einstellen will, muß er zuerst beweisen, daß das Frau das nicht kann, und zwar einer Frau, die davon nichts versteht. Da macht er es wie die anderen echten Fachleute, er geht ins Ausland. Die Expertinnen bleiben uns erhalten und diskutieren im ORF.

  3. Ausgezeichneter KommentatorBob
    4x Ausgezeichneter Kommentar
    02. Februar 2017 14:32

    Die intellektuelle Hillary?
    Ich glaub ich träume. Ein intellektueller doppelter Akademiker aus NÖ geht auch in Pension, jetzt kann er versuchen ein zweites Buch zu lesen.
    Mich wundert nur das man über tausende Kilometer weg Ferndiagnosen stellen kann, ohne den Menschen zu kennen, oder nur über die wahrheitsliebenden Medien kennengelernt hat.

  4. Ausgezeichneter Kommentatorharo
    3x Ausgezeichneter Kommentar
    02. Februar 2017 17:09

    Andreas Unterberger ist wohl ein Paradebeispiel wie ein Denker gefürchtet wird und deshalb verdrängt wurde.

    Nach "oben" kommt nur wer die "richtige" Meinung vertritt , in Politik, Medien, Kultur, Wirtschaft und sogar Leserbriefe und Postings werden in den "Qualitätsmedien" streng gefiltert. Apparatschiks. auch wenn sie sich den Anstrich der Intellektualität geben und als solche gefeiert werden (sind ohnehin immer dieselben Leute deren Inhalt der Wortspende man schon kennt bevor sie abgegeben werden).

    Ja, die linke Meinungsdiktatur (inklusive drohender Gewaltdemos) ist schon weit fortgeschritten und hat schon viele Menschen verstummen lassen. Aber anscheinend noch nicht alle und deshalb musste auch ein neues Gesetz her, gegen "Hasspostings" und eine von einer moslemischen Staatssekretärin eingerichtete "Meldestelle" ...

    Freimütige, engagierte Denker und Christen haben weder in vom Kommunismus noch vom Islam dominierten Staaten Platz und daher kommen sie auch bei uns nicht mehr zu Wort . Man sieht daran wohin der Weg führt.

  5. Ausgezeichneter KommentatorZraxl
    1x Ausgezeichneter Kommentar
    03. Februar 2017 14:10

    Die Künstler und Intellektuellen sind so notwendig wie ein Kropf. Leider stirbt die Kaste dieser flachköpfigen Schwurbler und Meinungsmanipulanten nicht wirklich aus. Im Gegenteil: Je flexibler die Gesinngung, je willfähriger die Argumentation, desto gefragter sind diese Hochastapler, die allesamt von dem Geld der von ihnen so verachteten "einfachen Menschen" leben.

    Tatsächlich gebildete Menschen, Wissenschaftler und Gelehrte gibt es aber Gott sei Dank nach wie vor. Die veröffentlichte Meinung interessiert sich nur nicht für sie.

    Könnte es übrigens sein, dass Sie, Herr Mag. Witzeling, im Eifer Ihrer Argumentation Intelligenz mit Charisma verwechselt haben?

die besten Kommentare

  1. Ausgezeichneter KommentatorZraxl
    1x Ausgezeichneter Kommentar
    03. Februar 2017 14:10

    Die Künstler und Intellektuellen sind so notwendig wie ein Kropf. Leider stirbt die Kaste dieser flachköpfigen Schwurbler und Meinungsmanipulanten nicht wirklich aus. Im Gegenteil: Je flexibler die Gesinngung, je willfähriger die Argumentation, desto gefragter sind diese Hochastapler, die allesamt von dem Geld der von ihnen so verachteten "einfachen Menschen" leben.

    Tatsächlich gebildete Menschen, Wissenschaftler und Gelehrte gibt es aber Gott sei Dank nach wie vor. Die veröffentlichte Meinung interessiert sich nur nicht für sie.

    Könnte es übrigens sein, dass Sie, Herr Mag. Witzeling, im Eifer Ihrer Argumentation Intelligenz mit Charisma verwechselt haben?


alle Kommentare

  1. Multikulti-Babylon (kein Partner)
    03. Februar 2017 15:27

    Seit 1968 hat keine Intellektuellen mehr gegeben.

  2. fewe (kein Partner)
    03. Februar 2017 14:26

    Die klügeren Köpfe sind nicht verstummt. Aber von den anderen hatte man vor Social Media nichts mitbekommen. Jetzt sieht man erst, wie viele das sind und kann an ihrer Gedankenwelt teilhaben.

  3. Zraxl (kein Partner)
    03. Februar 2017 14:10

    Die Künstler und Intellektuellen sind so notwendig wie ein Kropf. Leider stirbt die Kaste dieser flachköpfigen Schwurbler und Meinungsmanipulanten nicht wirklich aus. Im Gegenteil: Je flexibler die Gesinngung, je willfähriger die Argumentation, desto gefragter sind diese Hochastapler, die allesamt von dem Geld der von ihnen so verachteten "einfachen Menschen" leben.

    Tatsächlich gebildete Menschen, Wissenschaftler und Gelehrte gibt es aber Gott sei Dank nach wie vor. Die veröffentlichte Meinung interessiert sich nur nicht für sie.

    Könnte es übrigens sein, dass Sie, Herr Mag. Witzeling, im Eifer Ihrer Argumentation Intelligenz mit Charisma verwechselt haben?

  4. haro
    02. Februar 2017 17:09

    Andreas Unterberger ist wohl ein Paradebeispiel wie ein Denker gefürchtet wird und deshalb verdrängt wurde.

    Nach "oben" kommt nur wer die "richtige" Meinung vertritt , in Politik, Medien, Kultur, Wirtschaft und sogar Leserbriefe und Postings werden in den "Qualitätsmedien" streng gefiltert. Apparatschiks. auch wenn sie sich den Anstrich der Intellektualität geben und als solche gefeiert werden (sind ohnehin immer dieselben Leute deren Inhalt der Wortspende man schon kennt bevor sie abgegeben werden).

    Ja, die linke Meinungsdiktatur (inklusive drohender Gewaltdemos) ist schon weit fortgeschritten und hat schon viele Menschen verstummen lassen. Aber anscheinend noch nicht alle und deshalb musste auch ein neues Gesetz her, gegen "Hasspostings" und eine von einer moslemischen Staatssekretärin eingerichtete "Meldestelle" ...

    Freimütige, engagierte Denker und Christen haben weder in vom Kommunismus noch vom Islam dominierten Staaten Platz und daher kommen sie auch bei uns nicht mehr zu Wort . Man sieht daran wohin der Weg führt.

  5. socrates
    02. Februar 2017 15:20

    Als Qualifikation für wissenschaftliche Posten und Positionen werden Bewerber mit sozialer Kompetenz und Fachwissen und "auch Andere" gefordert, also jeder beliebige, und "Frauen bevorzugt" verlangt. Danach wäre nicht einmal Einstein bei uns etwas geworden. Dafür wimmelt es von selbsternannten Experten. Im Krimi gibt es nur mehr weibliche Chefs, die schneller laufen, denken, schießen und handeln und die Männer sind ihre AZUBI's.. Tatsachen sind nicht gefragt. Wenn ein Professor in den NAWI'S einen Wissenschaftler einstellen will, muß er zuerst beweisen, daß das Frau das nicht kann, und zwar einer Frau, die davon nichts versteht. Da macht er es wie die anderen echten Fachleute, er geht ins Ausland. Die Expertinnen bleiben uns erhalten und diskutieren im ORF.

  6. glockenblumen
    02. Februar 2017 15:02

    "...Wie wäre es sonst möglich, dass der wenig intellektuell wirkende Donald Trump anstatt der intellektuellen Hillary Clinton Präsident der USA wurde?..."

    Weil der wenig intellektuell scheinende Donald Trump mit Intelligenz ausgestattet ist!
    ______________________

    "...verlieren die sogenannten Intellektuellen zunehmend an Bedeutung..."

    Die Antwort geben Sie sich selbst: weil es die selbsternannten Wahrheitspropheten nicht ertragen, Andersdenkende aufkommen zu lassen.
    Und: weil sich eben diese Propheten selbst als Intellektuelle präsentieren, aber über keinerlei Weitblick, ganzheitliches Denken, geschweige denn über Rückgrat verfügen!

    In Diskussionen haben die Andersdenkenden nur Diffamierungen, haltlose Anschuldigungen ("Nazi, Rassist" und ganz beliebt: "Phobiker" usw.) zu erwarten, weil eine andere Meinung vertreten wird (Stichwort "politische Talkshow")

    Außerdem sind Intelligenz und Intellektualität heutzutage wenig gefragt, man möchte einen Einheitsbürger bzw. Einheitsmenschen, den man leicht für seine Zwecke manipulieren kann, nützliche Idioten eben!
    Man werfe nur einen Blick auf das heruntergekommene von gender-homo-pädophil-infizierten Hirnen ruiniertes Schul- und Bildungssystem, wobei "Bildung" bereits ein Euphemismus ist.

  7. Bob
    02. Februar 2017 14:32

    Die intellektuelle Hillary?
    Ich glaub ich träume. Ein intellektueller doppelter Akademiker aus NÖ geht auch in Pension, jetzt kann er versuchen ein zweites Buch zu lesen.
    Mich wundert nur das man über tausende Kilometer weg Ferndiagnosen stellen kann, ohne den Menschen zu kennen, oder nur über die wahrheitsliebenden Medien kennengelernt hat.





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