Was Österreich von Griechenland lernen kann

In den vergangenen Wochen und Monaten war sehr viel darüber zu hören, was denn Griechenland, das schwarze Schaf der Eurofamilie, nun dringend zu erledigen habe. Andere Länder geben reihenweise Ratschläge, darunter auch Österreich. Das ist interessant, schließlich könnten gerade wir Österreicher von den Griechen einiges lernen. Zum Beispiel Folgendes:

  • Die vermutlich wichtigste Lehre aus der griechischen Tragödie ist wohl jene, dass die jahrelange Überschuldung eines Staatshaushalts der verlässlichste Weg ist, seine Unabhängigkeit zu verlieren. Die wichtigsten Entscheidungen werden nicht mehr in den nationalen Parlamenten gefällt, sondern an den Finanzmärkten oder in den politischen Gremien der Geldgeber. Österreich sollte die Zeit nutzen und selbst seinen Haushalt sanieren – bevor es unsere Geldgeber tun.
  • Innerhalb von nicht einmal vier Monaten eine Pensionsreform auf die Beine zu stellen und das Rentenantrittsalter auf 67 Jahre anzuheben, ist ein steiler Reformpfad, der wohl auch von uns Österreichern zu schaffen sein müsste. Um Rentenkürzungen sollte es dabei nicht gehen. Vielmehr sollte sich das Pensionsantrittsalter um die erfreulicherweise steigende Lebenserwartung erhöhen.
  • Die von Griechenland geforderte Freigabe der Öffnungszeiten an Sonntagen ist hierzulande überfällig. Im Jahr 2015 sollte es Unternehmern und deren Angestellten überlassen bleiben, ob sie an Sonntagen auf- oder zusperren wollen. Das Arbeitszeitgesetz in Österreich zählt ohnehin zu den strengsten weltweit, weshalb auch niemand befürchten muss, ausgebeutet zu werden. Vielmehr winken an Sonn- und Feiertagen hohe Zuschläge – für alle, die an diesen Tagen arbeiten wollen.
  • Das Aufbrechen bestehender Monopole, etwa die Liberalisierung des Verkaufs von nicht rezeptpflichtigen Arzneimitteln in Apotheken ist ein weiterer Punkt, den Österreich dem griechischen Reformprogramm entnehmen könnte. Ein generelles Durchforsten der über weite Strecken zünftlerisch anmutenden Gewerbeordnung wäre natürlich auch kein gravierender Fehler.
  • Die Errichtung eines Treuhandfonds zur Privatisierung von Staatsvermögen. In Österreich wurde die ÖIAG ja nicht nur umbenannt, sondern auch umgewidmet: Der Zweck ist nicht mehr die Privatisierung von Staatsvermögen, sondern dessen Erhalt. Eine Rückbesinnung auf ihren eigentlichen Zweck wäre an der Zeit. Damit sich Österreich nicht wie in Griechenland zum ungünstigsten Zeitpunkt von Staatsvermögen trennen muss, sondern dies ohne Druck tun kann. Mit den Erlösen könnten wie in Griechenland Staatsschulden zurückgezahlt und wichtige Investitionen finanziert werden. Wie eine moderne Infrastruktur für Österreichs Schulen: Ganztagsarbeitsplätze für die Lehrer und modernes Lehrmaterial, um den Schülern die besten Chancen bieten zu können.

Die Bundesregierung sollte sich also nicht genieren, von den Griechen zu lernen. Anderen Wasser predigen und selbst dem Wein frönen ist ja nicht unbedingt das, was staatsmännisches Verhalten ausmacht.

Dr. Franz Schellhorn ist Direktor des liberalen Thinktanks Agenda Austria.

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die besten Kommentare

  1. Ausgezeichneter Kommentatorpeter789
    2x Ausgezeichneter Kommentar
    20. Juli 2015 15:13

    Was genau die Sonntagsöffnung bringen soll, verschweigt uns Hr. Schellhorn. Dass das Klopapier statt am Mittwoch dann am Sonntag abend gekauft werden kann?
    Für die paar Promille mehr Umstatz (wenn überhaupt) die Mütter auch sonntags von den Kindern zu reißen, steht in keinem vernünftigen Verhältnis.

  2. Ausgezeichneter KommentatorPoliticus1
    2x Ausgezeichneter Kommentar
    16. Juli 2015 08:35

    'Vielmehr sollte sich das Pensionsantrittsalter um die erfreulicherweise steigende Lebenserwartung erhöhen.' (von 65 auf 67 ..)

    Ja, wenn es so einfach wäre mit dem Alter ...

    Anscheinend haben alle Pensionsreformer immer nur Schreibtischtäter im Visier.
    Wer ist mit 67 noch geeignet, z.B. bei 33 Grad im Schatten die Gleise der Wiener Linien auszuwechseln? Wer kann mit 67 noch den ganzen Tag auf den Knien einen Fussboden verlegen? Welche Krankenschwester noch einen 100kg schweren Patienten umlegen?

    Hört doch endlich auf mit den sinnlosen Zahlenspielereien der Statistik Austria!
    Sagt es ehrlich: wer kann, der soll!
    Und ehrliche ärztliche Untersuchungen müssen dafür die Grundlage bieten.

  3. Ausgezeichneter KommentatorCollector
    2x Ausgezeichneter Kommentar
    16. Juli 2015 10:59

    Am Beispiel Griechenlands kann Österreich nur lernen, dass die Währungsunion nicht funktioniert. Sie ist eine "idée fausse", eine falsche Idee, weil sie gegen das eiserne Grundgesetz jeder Geldpolitik verstößt, das Prof. Breuss (Wifo)in die markante Formel gepreßt hat: "One State - One Money". Die EU ist kein Staat und wird nie einer werden. Ohne Währung, ohne Staat, ohne Schulden-, Haftungs-, Transfer-, Fiskal- und Bankenunion ist eine Währungsunion ein Ding der Unmöglichkeit. Ihr Scheitern ist längst allen offensichtlich, die nicht verbohrt an eine Politische Union glauben.

    "Europa braucht den Euro nicht" (Thilo Sarrazin), er spaltet Europa. Frei und unbhängig ist ein Staat nur, wenn er über seine Kreditschöpfung bestimmt, und das ist nur möglich mit eigener Währung, denn der Kredit ist das "Blut" seiner Wirtschaft, das wichtigste Instrument seiner Wirtschaftspolitik!

    Wollen wir unsere Freiheit, Souveränität, Unabhängigkeit und Selbstbestimmung aufgeben? Nein! Daher zieht endlich aus dem "Nein" die Konsequenz: Raus aus dem Euro!

die besten Kommentare

  1. Ausgezeichneter Kommentatorpeter789
    2x Ausgezeichneter Kommentar
    20. Juli 2015 15:13

    Was genau die Sonntagsöffnung bringen soll, verschweigt uns Hr. Schellhorn. Dass das Klopapier statt am Mittwoch dann am Sonntag abend gekauft werden kann?
    Für die paar Promille mehr Umstatz (wenn überhaupt) die Mütter auch sonntags von den Kindern zu reißen, steht in keinem vernünftigen Verhältnis.


alle Kommentare

  1. Brigitte Kashofer
    21. Juli 2015 23:23

    Seit einem Vierteljahrhundert stagnieren die realen Einkommen. Die Menschen können sich mit ihrem Lohn nicht mehr kaufen als vor 25 Jahren. Was soll da die Sonntagsöffnung bringen außer eine weitere Zerstörung der Familien?
    Den gleichen Effekt haben Ganztagsschulen. Wenn die Eltern mit den Hausaufgaben der Kinder nicht mehr befasst sind, wissen sie auch nicht, was ihre Kinder in der Schule gerade lernen. Und dann können Linke wie Heinisch-Hosek ihre zerstörerische Ideologie ungehindert und unwidersprochen verbreiten
    Außerdem sollte auch Herrn Schellhorn klar sein, dass es kurzsichtig ist, die Arbeit des Lehrers mit 40 Stunden Anwesenheit in der Schule zu begrenzen. Was geschieht, wenn nach 40 Stunden noch nicht alle Hausübungen korrigiert, Unterrichtsstunden vorbereitet und Tests ausgearbeitet sind?

    • F.V. (kein Partner)
      22. Juli 2015 01:06

      Als ich nach dem Studium bei IBM zu arbeiten begann, war es damals noch üblich den – sehr teuren – Computer auch nachts zu nutzen. Vor allem die Programmierer und Systemverantwortlichen hatten außerhalb der üblichen Arbeitszeit ihren Haupteinsatz. Computer- also Menschenarbeit 24-Stunden und 7-Tage-die-Woche.

      Mir fiel das nicht besonders auf und weil ich nichts anderes gewöhnt war, schien mir das die Normalität zu sein. Mit den immer schnelleren Vervielfachungen der Leistungen/Kapazitäten der Computer ergab sich für IBM (und alle anderen Hersteller) das Problem, wie man den unerhörten Leistungszuwachs „konsumieren“ könne, um nicht bei Systemwechsel bei kleineren (d. h. billigeren) Systemen zu landen. Da erfand man das „personal computing“ und „on-line“-Anschlüsse der Arbeitsplätze, und schon waren die Hälfte bis zwei Drittel der Leistung „kompensiert“.

      Im Handel versuchte man den umgekehrten Weg zu gehen: Hier liegen gigantische Investitionen und Lagerwerte für zwei Drittel der Zeit „brach“, weil nur an 5 ½ Tagen für ca. 8 Stunden Öffnungszeit üblich war. Also strebte man seither die Ausdehnung der Öffnungszeiten am Tag bzw. in der Woche an. Um nach der simplen Formel Fläche x Zeit = Umsatz diesen zu optimieren. Daß dadurch das verfügbare Einkommen der Käufer nicht mehr würde blieb unberücksichtigt. UND – sobald es einer tut, folgen alle anderen nach. Es ist wie beim Fußballspiel: erst stehen die in der ersten Reihe auf, dann folgen die hinteren und schließlich stehen alle auf den Zehenspitzen und sehen nicht mehr, dafür aber unbequemer.

      So ist es auch mit den Öffnungszeiten: die bedauernswerten Angestellten haben es auszubaden. Das Gelabere von freier Entscheidung und/oder mehr Geld sind nichts wie „warme Umschläge“ zur Behandlung eines Infarktes. Und natürlich ideologische Indoktrination LIBINTERNS.

  2. peter789 (kein Partner)
    20. Juli 2015 15:13

    Was genau die Sonntagsöffnung bringen soll, verschweigt uns Hr. Schellhorn. Dass das Klopapier statt am Mittwoch dann am Sonntag abend gekauft werden kann?
    Für die paar Promille mehr Umstatz (wenn überhaupt) die Mütter auch sonntags von den Kindern zu reißen, steht in keinem vernünftigen Verhältnis.

  3. F.V. (kein Partner)
    • F.V. (kein Partner)
      19. Juli 2015 00:10

      Wenn sich jemand als Direktor eines „liberalen Thinktanks“ bezeichnet, tut er zweierlei kund:

      1. daß er an der „Immunschwäche Europas“ – dem Liberalismus – (b. c. Bischof Kurt Krenn) leidet, und
      2. daß er diesbezüglich eine dumpfe Ahnung haben muß, weil er dieses „Institut“ mit einem Begriff aus Pidgin bezeichnet, was damit eo ipso aussagt, daß es sich nur um Sch... dreck handeln kann.

      Die griechischen „Lösungen“ – also die „economic adjustment policies“ von IWF, WB und ähnlichen ehrenwerten Gesellschaften - haben es ja noch überall dort, wo sie zur Anwendung kamen, geschafft, die Länder dem ungehinderten Zugriff der Plünderer auszuliefern.

      Das muß man einmal verstehen, damit man die löbliche Tätigkeit des Herrn Schellhorn richtig erfassen kann.

      Ad majorem gloriam ... des Ökonomischen Kalküls!

  4. monofavoriten (kein Partner)
    18. Juli 2015 20:25

    herr schellhorn,

    für all die gastro- und tourismusberufe, wo am wochenende gearbeitet wird, werden keinerlei zuschläge für die sonntagsarbeit bezahlt. das gibts nur bei den wiener linien und ähnlichem.

    das nur zur korrektur.

  5. Johann_ (kein Partner)
    18. Juli 2015 17:17

    Privatisieren? Und wer wir die Staatsbetriebe kaufen? Sind das dann österreichische mittelständische Betriebe oder doch irgendwelche internationale Großkonzerne bzw. Ölscheichs, die dann die Eigentümer unserer Infrastruktur sind.

  6. Gerhard Schabl (kein Partner)
    18. Juli 2015 10:26

    Wenn das die Ideen von Agenda Austria sind, die hier vorgeschlagen werden, dann ist die Fähigkeit der Leute dort in Frage zu stellen.
    Ad Pensionsalter: Junge Akademiker, auch solche aus dem technischen Bereich, finden keinen Job, Personen mit 45 plus, auch als Akademiker, mit durchaus hoher Qualifikation und praktischer Erfahrung, körperlich sehr wohl noch fit, finden keinen adäquaten Job.
    Ad Finanzierung: Wenn ein Staat seinen Haushalt in Ordnung hält und nicht Geld für ..... (man erspare mir die Aufzählung) hinauswirft, dann gerät man nicht in Abhängigkeit und bleibt ein souveräner Staat. Das scheint aber kein Ziel zu sein.
    Ad Öffnungszeit: der "Kuchen wird" dadurch nicht größer.

    • Torres (kein Partner)
      18. Juli 2015 11:25

      Immerhin hat Österreich (Faymann/Schelling) den Auflagen für Griechenland - darunter die Anhebung des Pensionsalters auf 67 - zugestimmt. Und dort ist ja die Arbeitslosigkeit wesentlich höher als bei uns. Jemand anderem etwas anschaffen, was man bei sich selbst unzumutbar findet - das ist doch wohl der Gipfel der Scheinheiligkeit!

  7. harald44 (kein Partner)
    18. Juli 2015 09:52

    Schön und gut, aber dies alles nützt nichts, weil die volksverräterischen Demokraten das durch wirtschaftliche Reformen ersparte Geld über die Steuern schneller einziehen und in die Welt verjubeln, als es erwirtschaftet werden kann.
    Dazu kommt die herrliche Unangreifbarkeit dieser Volldemokraten, die dann, wenn ihre Mißwirtschaft offenkundig geworden ist, sich längst einer üppigen Pension erfreuen mit dem Gedanken: Soll sich doch mein Nachfolger darum kümmern.
    Und das ist die wahre Crux, und diese reicht vom Staatspräsidenten bis zum kleinen Ortsbürgermeister: Was kümmert mich das Unheil, welches ich angerichtet habe, Hauptsache ich bringe meine fünf bis sieben Amtsjahre hinter mich.

  8. Collector
    16. Juli 2015 10:59

    Am Beispiel Griechenlands kann Österreich nur lernen, dass die Währungsunion nicht funktioniert. Sie ist eine "idée fausse", eine falsche Idee, weil sie gegen das eiserne Grundgesetz jeder Geldpolitik verstößt, das Prof. Breuss (Wifo)in die markante Formel gepreßt hat: "One State - One Money". Die EU ist kein Staat und wird nie einer werden. Ohne Währung, ohne Staat, ohne Schulden-, Haftungs-, Transfer-, Fiskal- und Bankenunion ist eine Währungsunion ein Ding der Unmöglichkeit. Ihr Scheitern ist längst allen offensichtlich, die nicht verbohrt an eine Politische Union glauben.

    "Europa braucht den Euro nicht" (Thilo Sarrazin), er spaltet Europa. Frei und unbhängig ist ein Staat nur, wenn er über seine Kreditschöpfung bestimmt, und das ist nur möglich mit eigener Währung, denn der Kredit ist das "Blut" seiner Wirtschaft, das wichtigste Instrument seiner Wirtschaftspolitik!

    Wollen wir unsere Freiheit, Souveränität, Unabhängigkeit und Selbstbestimmung aufgeben? Nein! Daher zieht endlich aus dem "Nein" die Konsequenz: Raus aus dem Euro!

    • Zraxl (kein Partner)
      18. Juli 2015 13:03

      @Collector
      In der Formel "One State - One Money" sind, so scheints, mehrere grausame Wahrheiten komprimiert.
      1) Die Installierung einer "unabhängigen" Notenbank ist eine Farce. Wäre es nicht so, dann wäre es nämlich egal, ob diese Notenbank nur von einer oder von mehreren Regierungen unabhängig ist.
      2) Staatsverträge sind das Papier nicht wert auf dem sie gedruckt sind, sofern sie den Interessen der tatsächlichen Machthaber widersprechen. Die Haushaltsregeln der Euro-Staaten (Maastricht) wurden zuerst von den großen Staaten, danach auch von fast allen anderen Staaten gebrochen. Mit der vereinbarten Maximalverschuldung von 60% des BIP gäbe es die jetzt vorhandene Dramatik wohl kaum.
      3) Volksabstimmungen sind eine Farce, da grundlegende Bedingungen für diese Volksabstimmung nachträglich nach Belieben geändert werden können. Grundlage für die Abstimmung über den Beitritt zur Eurozone war u.a., dass es keinen Schuldenübernahme für andere Staaten geben darf.

      Ja, ich war seinerzeit für den Betritt Österreichs zur Eurozone. Ein schwerer Fehler, wie ich jetzt weiß.

  9. Politicus1
    16. Juli 2015 08:35

    'Vielmehr sollte sich das Pensionsantrittsalter um die erfreulicherweise steigende Lebenserwartung erhöhen.' (von 65 auf 67 ..)

    Ja, wenn es so einfach wäre mit dem Alter ...

    Anscheinend haben alle Pensionsreformer immer nur Schreibtischtäter im Visier.
    Wer ist mit 67 noch geeignet, z.B. bei 33 Grad im Schatten die Gleise der Wiener Linien auszuwechseln? Wer kann mit 67 noch den ganzen Tag auf den Knien einen Fussboden verlegen? Welche Krankenschwester noch einen 100kg schweren Patienten umlegen?

    Hört doch endlich auf mit den sinnlosen Zahlenspielereien der Statistik Austria!
    Sagt es ehrlich: wer kann, der soll!
    Und ehrliche ärztliche Untersuchungen müssen dafür die Grundlage bieten.





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