Die Krisenherde der Gegenwart und der Nachkriegszeit

Donnerschläge in der Ostukraine und auf Gaza haben bei vielen Mitbürgern das Gefühl aufkommen lassen, es hätte noch nie in der Nachkriegszeit so viele Krisenherde gegeben wie in diesem jungen 21. Jahrhundert.

Beginnen wir 1950. Eben konnte die Luftbrücke nach West-Berlin beendet werden, und die Sowjetunion hat ihre erste Atombombe gezündet, da greift Kim Il Sung aus Nordkorea den Süden der Halbinsel an. Vier Jahre dauert der Krieg mit 6 Millionen Toten, Verletzten und Geschändeten, in dem zuletzt Rotchina mit einer Million Mann interveniert.

Als der Koreakrieg aufhört, kollabiert die Kolonialmacht Frankreich in Indochina. Der tropische Bergkessel Dien Bien Phu wurde zum Synonym für die Verletzlichkeit der Europäer. Im russischen, arktischen Workuta streiken die Bergarbeiter, bald auch in Ostdeutschland. Die sowjetische Besatzungsmacht walzt den Aufstand blutig nieder.

In Malaya führen chinesische Kommunisten einen hartnäckigen Guerillakrieg gegen die Engländer, und in Kenia kämpfen die Mau Mau bestialisch gegen die Kolonialmacht London. Ihr Führer, „Der flammende Speer“, Jomo Kenyatta, wird das Land in die Unabhängigkeit und zu Prosperität führen. In Algerien beginnt die FLN einen Untergrundkrieg gegen die Herrschaft Frankreichs und gegen die fremden Siedler im Land.

Zwischen Rotchina und Nationalchina kommt es in der Straße von Formosa bei den Inseln Quemoy und Matsu zu schweren Artilleriegefechten. Tschiang Kai Schek will die Stunde nutzen und eine Invasion des Festlandes starten. US-Präsident Eisenhower, einst Oberkommandierender der Alliierten auf dem Kriegsschauplatz Europa macht ihm klar, dass das keine gute Idee ist.

In Polen und Ungarn rebelliert das Volk gegen die Kommunisten. In Budapest wird der Aufstand extrem blutig niedergeschlagen. 200.000 fliehen nach Österreich.

Briten und Franzosen schicken ein Expeditionscorps nach Ägypten und erobern den von Gamal Abdel Nasser besetzten Suezkanal zurück. Zeitgleich erobert Israel den Sinai. US-Präsident Eisenhower pfeift alle drei Mächte zurück, nachdem der ukrainische Sowjetführer Nikita Chruschtschow mit dem Einsatz der Atombombe gedroht hatte.

In Kuba gelingt einem Rechtsanwalt, Fidel Castro, ein Partisanenkrieg gegen die Machthaber der Mafia-Insel. Er verbietet Glücksspiele und Prostitution, verstaatlicht alles und jedes, bringt seinem Volk Lesen und Schreiben bei und sorgt für eine medizinische Versorgung für alle. Kein schlechtes Ergebnis, aber die Wirtschaft stagniert wie überall im Kommunismus und es gibt drastische Versorgungsengpässe. Das durch seinen Zucker in den fünfziger Jahren reichste Land Lateinamerikas fällt zurück in eine erbärmliche Armut.

Eine Million, die gesamte Ober- und Mittelschicht, flüchtet nach Florida und macht es reich. Castro wird in den sechziger Jahren beinahe einen Weltkrieg auslösen und in Afrika und Lateinamerika Unruhe stiften. Die Hälfte seiner Afrika-Armee – 400.000 Soldaten – kehrt aus Angola und Mocambique mit dem AIDS-Virus infiziert nach Kuba zurück. Der Zusammenbruch der Sowjetunion schmeißt Castro aus den Socken. Kuba muss hinfort ohne Alimentierung durch den Großen Bruder auskommen. Erst Putin brachte diesen Sommer eine komplette Entschuldung als Gastgeschenk mit.

Die Krisen der Nachkriegszeit

Die Sechziger Jahre

Das Jahrzehnt beginnt mit einer dramatischen Verschärfung des Ost-Westkonflikts. Über dem Ural, nahe Perm, wird ein Amerikanisches Spionageflugzeug, die U-2, abgeschossen. Es folgt eine Eiszeit in den Ost-Westbeziehungen und zwei Berlinkrisen.

Im belgischen Kongo führt ein linker Verwirrter, Patrice Lumumba, das Land in die Unabhängigkeit. Als sich die Provinz Katanga loslöst, gibt es Krieg, in den die UNO und südafrikanische Söldner eingreifen. In Ruanda kommt es zu schrecklichen Massakern zwischen Hutus und Tutsi, noch bevor das Land unabhängig wird. Die Tutsis flüchten nach Uganda und werden 1990-1994 die UNO bis auf die Knochen blamieren.

In Berlin wird von den Kommunisten eine Mauer errichtet. Bald stehen sich sowjetische und amerikanische Panzer an der Zonengrenze gegenüber. Ein Jahr später führt der Bau sowjetischer Abschussrampen auf Kuba abermals beinahe zu einem Atomkrieg.

Rotchina stößt von Tibet aus völlig überraschend nach Indien vor und besetzt große Gebiete am Himalaya. Aus einem Teil davon zieht es sich wieder zurück. Ladakh aber gehört heute noch zu China.

In Indien organisiert Verteidigungsminister Krishna Menon ohne Blutvergießen die Besetzung der Portugiesischen Enklaven Goa und Diu.

In Algerien wird der Krieg mit den Arabern heißer und heißer. Unter General Salan putscht die französische Armee in Algerien mit einer Million Siedlern gegen die Vierte Republik in Paris. Charles de Gaulle, Held des Widerstandes gegen die Deutschen von 1940 bis 1945 und Präsident von 1944 bis 1946, folgt wieder dem Ruf zur Macht und gründet die Fünfte Republik. Er lässt in der Sahara eine Atombombe bei Taman Rasset zünden – und einigt sich mit der FLN auf die Unabhängigkeit von Algerien. Die Kolonialfranzosen flüchten nach Marseille und Toulouse, viele gehen nach Südafrika, Australien und Quebec/Kanada.

Dreizehn Tage vor dem Dritten Weltkrieg

Als auf Kuba die Sowjets Mittelstreckenraketen montieren, herrscht in Washington Feuer am Dach. Eine Seeblockade der US-Marine zwingt Nikita Chruschtschow zu einem Rückzieher, als ihm der KGB berichtet, dass John F. Kennedy den Befehl zu einem Bombardement der Raketenbasen auf Kuba geben wird. Das hätte die Möglichkeit inkludiert, dass mindestens eine Rakete auf die USA gefeuert wird. In dem Fall wäre die Sowjetunion durch Fernbomber und Interkontinentalraketen komplett zerstört worden, die USA beim Gegenschlag teilweise. Rote Armee und die DDR-Nationale Volksarmee hätten West-Berlin besetzt und wären auf Hamburg, Köln und Strassburg vorgestoßen. Bei den Panzerschlachten wären Atomgranaten eingesetzt worden und Deutschland dabei untergegangen. Die Strahlenopfer wären tagelang unversorgt auf den Straßen und in den Büschen gelegen. Durch den Ausfall der Sowjetunion wäre es überall im Ostblock zu Aufständen und Revolutionen gekommen, die kommunistischen Machthaber hätte man gejagt und massenweise aufgehängt.

Papst Johannes XXIII. schickt einen Emissär nach Moskau mit einer Kompilation der Marienbotschaften von Fatima und La Salette: „Feuer wird vom Himmel fallen und drei Städte verzehren. In wenigen Stunden sterben mehr Menschen als in den beiden Weltkriegen zusammen. Ganze Länder werden von den Landkarten verschwinden“.

Alle atmen auf, als Radio Moskau eine Botschaft von Chruschtschow verliest, in der er den Abzug der Raketen aus Kuba ankündigt. Aber ein russisches U-Boot mit Atomgranaten an Bord hat den Auftrag, die US-Blockadeflotte vor Kuba zu vernichten. Da die Amerikaner das Boot geortet haben, decken sie es mit Wasserbomben ein, und da es nun nicht auftauchen kann, um Funkbotschaften zu empfangen, wissen die Matrosen nicht, dass schon Entwarnung gegeben wurde. Es kommt zu einem Wortgefecht zwischen dem Kapitän des U-Boots und dem für den Nukleartorpedo zuständigen Offizier. Der weigert sich, den Knopf zu drücken und rettet so die Menschheit, vor allem aber Russland selber. Bei der Rückkehr wird er Monate später vor ein Kriegsgericht gestellt.

Ein halbes Jahr später beginnen die Amerikaner ihre in der Türkei aufgestellten Jupiter-Raketen zu demontieren. Danach wird ein heißer Draht zwischen Moskau und Washington eingerichtet und ein Atomteststoppabkommen verhandelt. Kennedy schickt Techniker nach Moskau – mit Plänen für die Sicherungen von Atombomben. Das Kriegskabinett der Kubakrise in Washington hatte damals der Schrecken gepackt, als es erfuhr, dass die sowjetischen Atombomben keinen Sicherheitsmechanismus gegen unbeabsichtigtes Zünden hatten. Die USA hatten 1958 im Meer vor Spanien und in den Gewässern vor Grönland Atombomber verloren und die Atombomben geborgen. Von sieben Sicherungen hatte jeweils nur die letzte gehalten. Da schon hätte es zu einem Atomkrieg kommen können.

Als John F. Kennedy in Texas ermordet wird, zeigt sich Chruschtschow ehrlich betroffen, aber wenige Monate darauf wird er von seinen Kollegen im Moskauer Politbüro gestürzt – unter anderem wegen Auslösung der Kubakrise.

Im Morast des Dschungelkrieges

In Vietnam eskaliert der Untergrundkrieg, den Nordvietnam im Süden angezündet hat, kaum dass die Franzosen weg waren. Die US-Amerikaner übernehmen aus Angst vor einem Domino-Effekt die Stafette von Frankreich. Sie haben bei den Briten in Malaya gesehen, dass ein Dschungelkrieg gegen Kommunisten gewonnen werden kann. Aber sie kämpfen in Vietnam nicht nur gegen Pyjamakrieger, sondern gegen Chinesen und Russen und deren ungeheure Waffenströme. John F. Kennedy und Lyndon Baines Johnson erhöhen daraufhin laufend den Druck auf die hartnäckigen Kommunisten, bis es zur Entsendung von einer halben Million junger Amerikaner in den Dschungel von Indochina kommt. In der „Tet-Offensive“ verlieren die Amerikaner die Balance. Die US-Armee wurde mit billigem Rauschgift geschwächt, das von Nordvietnam über Hongkong in ihre Reihen geschmuggelt wird.

Als Präsident Richard Nixon erfährt, dass mehr Soldaten an Drogenkonsum sterben als im Krieg, beschließt er den Abzug der US-Truppen und die „Vietnamisierung“ des Krieges. In Deutschland, Frankreich und USA revoltiert die Jugend gegen den Krieg und orientiert sich radikal links. Straßenkämpfe von Berlin bis Berkeley sind die Folge.

Zwischen Österreich und Italien fliegen die Funken. Um Major Klotz hat sich ein Südtiroler Widerstand gegen fortgesetzte italienische Besetzung und Majorisierung gebildet. Fernseh- und Strommasten werden gesprengt. Österreich wirft Truppen an die Grenze, um den Südtiroler „Bumsern“ die Flucht nach Österreich zu verwehren. Kurt Waldheim gelingt mit seinen italienischen und Südtiroler Partnern die Paraphierung eines Autonomiestatuts, für welches die früheren Außenminister Karl Gruber und Bruno Kreisky schon Grundlagen verhandelt hatten.

Auf Zypern kommt es durch nationalistische Griechen zu einer schweren Krise. Nur knapp können die Amerikaner eine Landung türkischer Truppen verhindern.

In Israel gibt es wieder einmal Krieg, als Nasser einen Blockadering vom Mittelmeer zum Roten Meer legt. Israel wehrt sich mit einem präventiven Angriff, der die ägyptische Luft- und Panzerwaffe auslöscht. Sinai, der Golan und Ostjerusalem kommen unter die Kontrolle Israels. Die Palästinenser haben zuvor schon unter Jasser Arafat ihren weltweiten Terrorkrieg gegen den ungeliebten Judenstaat auf ihrem Boden begonnen.

In Mitteleuropa radiert die UdSSR den „Prager Frühling“ aus. Von allen Grenzen her dringen Warschauer-Pakttruppen nach Prag, Pressburg und Kaschau. Der demokratische Westen muss ohnmächtig zusehen, wie die sich nach Freiheit sehnende Bevölkerung abermals in die Sklaverei zurückgeworfen wird. Die CSSR, DDR, Polen, Ungarn und Bulgarien befinden sich im Ausnahmezustand. Rumänien unter Ceausescu und Jugoslawien unter Tito wenden sich gegen die Sowjetunion und befürchten ihrerseits einen Einmarsch.

In Libyen putscht ein 29-jähriger Offizier gegen König Idris und jagt Italiener und Amerikaner aus dem Land. Er wird zu einem der großen Terrorpaten der Welt.

Die Siebziger Jahre

Der Vietnamkrieg schwappt in voller Härte auf Kambodscha über. Und die Palästinenser tragen ihren Terror nach Jordanien und verdüstern die olympischen Sommerspiele in der Bundesrepublik Deutschland. Ägypten überquert im Zuge eines Überraschungsangriffs mit einer großen Streitmacht den Suezkanal und dringt in den Sinai vor. Israel holt daraufhin seine geheimen Atomwaffen aus den Depots, was die Amerikaner veranlasst, mit einer gigantischen Luftbrücke Israel neu zu bewaffnen. Damit kreist Heerführer Ariel Sharon eine Million ägyptischer Soldaten bei Port Said ein und droht diese Armee zu vernichten. Jetzt mobilisieren die Sowjets 80.000 Fallschirmjäger und wollen damit in Syrien landen. Israel rollt zum zweiten Mal seine Atombomben aus den Hangars. Mitten in der Nacht fliegt US-Außenminister Henry Kissinger nach Moskau und verhandelt einen Deal.

Im Libanon kommt es zu einem Bürgerkrieg zwischen Christen, Sunniten und Schiiten, der zehn Jahre dauern wird.

Richard Nixon erzwingt mit einem heftigen Bombardement von Nordvietnam und einer Blockade des Hafens von Haiphong einen Friedensvertrag, der aber von den Nordvietnamesen zwei Jahre später unter Präsident Gerald Ford gebrochen wird. 1600 Panzer stürmen nach Saigon. Der US-Kongress verbietet den Einsatz amerikanischer Kampfjets und Südvietnam kippt in die Hände der Kommunisten. Drei Millionen Vietnamesen flüchten in Booten nach Hongkong, Japan und Australien. Drei Millionen Kambodschaner werden von den Roten Khmer getötet.

Fünf Jahre nach dem Sieg der Kommunisten in Vietnam, Kambodscha und Laos greift Vietnam Kambodscha an und wenig später Rotchina Vietnam. Wie einst aus Indien ziehen sich die Chinesen bald wieder zurück. Die Vietnamesen aber beenden die Gräuel der Roten Khmer.

Zwischen Indien und Pakistan kommt es wieder einmal zum Krieg, weil sich Bangladesh von Pakistan trennen will und wird.

In Chile putschen rechte Militärs gegen den Linkssozialisten Salvador Allende, der bereits 15.000 Kämpfer aus Kuba, Nicaragua, Uruguay und Argentinien heimlich ins Land hat sickern lassen. 3000 Gefangene sterben. Aber Pinochet organisiert mit Hilfe der „Chicago Boys“ eine Wirtschaftsreform, die Chile zum reichsten Land Südamerikas macht.

Argentinien versucht ein Gleiches. Fortgesetzter Terror mit hunderten Toten täglich führt zu einem Gewaltakt der Militärregierung unter Jorge Videla. 30.000 Linke werden von Flugzeugen nördlich der Falkland-Inseln lebend ins Meer geworfen. Die Bombenattentate hören auf, aber eine Belebung der maroden Wirtschaft gelingt jeweils nur kurzfristig. Der von General Juan Peron und Evita Duarte institutionalisierte Populismus zerfrisst die Zukunftschancen des Landes. Argentinien war im Zweiten Weltkrieg durch Getreide- und Fleischexporte zum wohlhabendsten Land Südamerikas geworden. Aber die mächtigen Gewerkschaften haben den Reichtum verbraten und das Land heruntergewirtschaftet.

Auf Zypern putschen rechte Nationalisten gegen Präsident Erzbischof Makarios und machen Jagd auf die türkische Minderheit. Ankara schickt Fallschirmjäger und besetzt 40 Prozent der Insel, obwohl die Türken nur 19 Prozent der Bevölkerung ausmachen. In Athen revoltiert das Volk gegen die Militärregierung, König Konstantin flüchtet nach Spanien. Dort führt die ETA der Basken einen Terrorkrieg gegen Madrid, so wie die IRA in Nordirland gegen London.

In Portugal putscht die Armee unter linken Offizieren gegen die rechte Diktatur Salazars. Sie entlassen die Kolonien, Angola, Mozambique, Guinea-Bissau und Cabinda überhastet in die Unabhängigkeit, so dass sich dort jahrelange Bürgerkriege entwickeln. Portugal selber beruhigt sich wieder und tritt EU und Nato bei – gemäß der Prophezeiung von Fatima am 13. Juli 1917: „In Portugal wird der wahre Glaube für immer erhalten bleiben.“ (sprich: „nicht in die Hände der Kommunisten fallen“).

Ein israelisches Spezialkommando befreit in Entebbe, Uganda, ein entführtes Flugzeug. Die Bundesrepublik wird von einer linken Sekte mit Terror überzogen. Als Palästinenser ein Flugzeug in ihre Gewalt bekommen und die Freilassung inhaftierter RAF-Mitglieder fordern, schickt Bundeskanzler Helmut Schmidt eine neu formierte Spezialtruppe – die GSG 9 – nach Mogadischu, der Hauptstadt Somalias. Die Befreiung der Passagiere gelingt. Inhaftierte RAF-Mitglieder begehen Selbstmord und die anderen ermorden den Chef des Unternehmerverbandes.

In Persien revoltiert das Volk gegen den Schah. Der charismatische Greis Ajatollah Ruhollah Khomeini gestaltet das Land nach seiner islamistischen Art völlig um. „Studenten“ setzten unter seiner Duldung 53 in der US-Botschaft beschäftigte Amerikaner 444 Tage gefangen. Ein Befreiungsversuch durch die US-Armee scheitert kläglich in der persischen Wüste.

In Afghanistan übernehmen Sowjetkommunisten die Macht, die dann von Maoisten herausgefordert wird. So kommt es zur Invasion einer riesigen Streitmacht der UdSSR unter Leonid Breschnew, der ja schon einige Übung im Überfallen anderer Länder hatte. Das sollte der Sowjetunion und Afghanistan nicht gut bekommen.

Die Achtziger Jahre

Das Jahrzehnt beginnt mit einer Reihe von Attentaten: gegen Ronald Reagan, Papst Johannes Paul II. und gegen Margaret Thatcher. Deren Überleben hat die Welt enorm geprägt und vielleicht auch gerettet. In Polen beginnt der Kampf des Elektrikers Lech Walesa gegen den Kommunismus und er wird dabei durch den polnischen Papst enorm unterstützt. Es gilt zeitweise Kriegsrecht und wieder sind die Armeen der UdSSR, der DDR und Bulgariens zur Invasion in Bereitschaft. Gegen Ende des Jahrzehnts wählt Polen ein demokratisches Parlament und einen christdemokratischen Premier. Dann stürzt die Berliner Mauer durch ein Loch im Eisernen Vorhang in Ungarn. Nur in Rumänien wird gekämpft, aber auch dort setzt sich Demokratie durch, die Wahrheit siegt über Lüge und Propaganda.

1980 sterben zwei Große: Francisco Franco und Josip Broz Tito. In Spanien wird daraus später eine Demokratie mit EU- und Nato Beitritt. Jugoslawien hingegen versinkt in einen Bürgerkrieg gegen die serbischen Kommunisten. Zu guter Letzt entstehen auch hier demokratische Regimes.

Schwerwiegend erweist sich ein Überfall des irakischen Diktators Saddam Hussein auf den Iran. Er wollte dort die arabisch besiedelte Provinz Khusistan erobern, was zu einem achtjährigen Krieg mit dem Iran führt und zu einer Million Toten. Nicht genug damit setzt er auch Giftgas gegen die Kurden ein.

Damit Saddam Hussein nicht zusätzlich noch zu Atomwaffen kommt, bombardiert Israel mit einem Jet-Geschwader in einer komplizierten Aktion den Atomreaktor Osirak und bremst damit die Entwicklung von nuklearen Waffen für 15 Jahre, bis die beiden Irakkriege der Amerikaner das Atomprogramm endgültig auslöschen.

Zusätzlich hat Israel genug vom ewigen Terror, der aus dem Libanon herüberschwappt, holt unter Menachem Begin zum großen Schlag aus und besetzt in zwei Schüben das ganze Land und zerstört die Infrastruktur der PLO in Beirut. Jassir Arafat muss mit seiner Entourage nach Tunis ausweichen.

Nach dem Abzug der Israelis wird unter Assistenz Teherans Beirut zur Terrorhölle. Laufend werden Amerikaner und Briten entführt und jahrelang in Geiselhaft gehalten. Eine Bombe tötet mit einem Schlag fast dreihundert US-Soldaten, sodass sich die Amerikaner in Zukunft dort heraushalten.

Und dann kommt etwas, womit kaum jemand gerechnet hatte. Argentinien besetzt die britischen Falkland-Inseln und Großbritannien schickt seine Flotte samt Atom-U-Booten um den halben Globus und wirft die Argentinier wieder hinaus. Schifferl versenken wie zu den besten Zeiten in den beiden Weltkriegen. Bevor Margret Thatcher triumphiert, mobilisiert Chile wegen dreier Inseln im Beagle Kanal gegen Argentinien; Bolivien marschiert wegen Antofagasta gegen Chile auf, Ecuador gegen Bolivien und Peru, Venezuela gegen Guyana, und Honduras gegen Belize. Überall geht es um offene Rechnungen aus früheren Konflikten. Ganz Lateinamerika droht in stupiden Kriegen zu versinken. Durch den Sieg Englands über Argentinien werden die allgemeinen Mobilisierungen schlagartig beendet, Argentinien und in Folge der Rest Lateinamerikas wandelt sich wieder in eine Demokratie zurück. Bis auf Kuba.

Die karibische Zuckerinsel wiederum schickt zwei große Armeen nach Angola und Mosambique, um die dortigen kommunistischen Regimes zu schützen. Das wiederum veranlasst das nur von Weißen regierte Südafrika, sich mit denen auf einen Krieg einzulassen, während in Kapstadt und Johannesburg die Townships brennen.

Kurz vor seinem Ende wird der Kalte Krieg brennend heiß

Die USA haben unter Ronald Reagan die Schnauze voll von dem ständigen Vormarsch der Kommunisten und besetzen nach einem Kommunistenputsch die Karibikinsel Grenada, als man dort daranging, sich von Kubanern eine Riesen-Landebahn bauen zu lassen, die nur für sowjetische Fernbomber einen Sinn machte. Zum Drüberstreuen unterstützen die USA nun einen Guerillakrieg gegen das kommunistische Nicaragua und genauso die Mudschaheddihn in Afghanistan gegen das von den Sowjets installierte Regime.

Die Sowjetunion wiederum installiert SS-20 Mittelstreckenraketen gegen Mitteleuropa, was die Nato mit dem Aufstellen von Pershing-Raketen kontert. In diesem Klima läuft der Kreml gegen die Reformbewegung Solidarnosc in Polen Amok und versucht durch den KGB den polnischen Papst zu ermorden. Nur die Vorsehung scheint das verhindert zu haben. Über der russischen Insel Sachalin wird ein südkoreanisches Passagierflugzeug abgeschossen und ein sowjetischer Überwachungssatellit meldet irrtümlich einen amerikanischen Raketenangriff. Ein einziger Offizier in der sowjetischen Raketenzentrale behält die Nerven und verhindert einen Atomkrieg.

Aber es bietet sich noch eine Gelegenheit, ein nukleares Inferno auszulösen. Der nierenkranke Parteichef Juri Andropow, vorher lange Jahre KGB-Chef, liegt im Krankenhaus, als ihn aus dem Fernen Osten die Nachricht erreicht, eine US-Transportmaschine überquere gerade die Insel Sachalin. „Abschießen!“ ordnet der Kreml-Herr an. Die Piloten der zuständigen Jagdstaffel sind alle betrunken, eine zweite Rotte aus Kamtschatka wird in Marsch gesetzt. Oft ist ihnen schon ein Amerikaner begegnet, ohne Licht, manchmal auch ohne Kennzeichen. Aber nie waren die über Sachalin. Das, was vor ihnen im nächtlichen Dunkel fliegt, ist aber keine amerikanische Militärmaschine, sondern ein südkoreanisches Verkehrsflugzeug. Der Pilot reagiert nicht auf die Ansprache durch die russischen Abfangjäger. Wie später durchsickert, wollte der Pilot Treibstoff sparen und hat eine Abkürzung über Sachalin genommen. Für Minderverbrauch bekamen die südkoreanischen Piloten Prämien und nach Auskunft von AUA-Piloten ist das schon öfters vorgekommen.

Ronald Reagan, der Monate zuvor vom „Reich des Bösen“ gesprochen und ein Programm zur Abwehr von Interkontinentalraketen in Auftrag gegeben hatte, reagiert gefasst auf den Abschuss. In Moskau jedoch rechnen sie mit einem Erstschlag der Amerikaner und bereiten selber genau so etwas vor. Doch dann besucht eine Verwandte Andropow im Kreml und schießt ihm in die gesunde Niere. Binnen Wochen ist er tot. Sein Nachfolger Konstantin Tschernenko, ein farbloser Apparatschick aus dem sibirischen Krasnojarsk, stirbt nach nur einem Jahr.

Doch dann kommt Wundermann Gorbatschow und dreht den Lauf der Geschichte völlig um.

Seine Glasnostpolitik führt zu Rede- und Meinungsfreiheit im Ostblock. Aber dies führt auch zu neuen nationalistischen und separatistischen Bewegungen. So war es ja auch im „Prager Frühling“ – kaum war das Denken frei, kam die Forderung nach einer unabhängigen Slowakei. Die Sowjetrepubliken Armenien und Aserbeidschan führen 1992 Krieg um Berg Karabach, in Georgien wollen die Provinzen Abchasien und Südossetien von einer Unabhängigkeit Georgiens nichts wissen, und in Moldawien will sich Transnistrien nicht mit in die Unabhängigkeit begeben.

In Polen bringen erste freie Wahlen einen Christdemokraten an die Regierung. Ungarn öffnet den Eisernen Vorhang und lässt DDR-Bürger ausreisen. Das führt zum Fall der Berliner Mauer. Aber während noch die Menschen am Brandenburger Tor feiern, zieht DDR-General Hoffmann 70.000 Soldaten der NVA (Nationale Volksarmee) zusammen und bildet einen Ring um Westberlin. Er will glatt die Stadt besetzen. Bis heute ist nicht klar, wer und was ihn zur Räson gebracht hat. (In seinen Memoiren schreibt er, seine Verweigerung eines Einsatzbefehls durch Egon Krenz habe Europa vor einem Atomkrieg gerettet).

Kurz danach sammeln sich in Prag auf dem Letna-Feld eine Million Tschechen und pfeifen die Kommunisten in den Rücktritt. Der Held des Prager Frühlings, der Slowake Alexander Dubcek, wird bejubelt, aber der Dramatiker Vaclav Havel, Autor der Charta 77, wird Präsident. Von so viel Wirbel wird dem Altkommunisten Todor Schiffkoff in Sofia schwindlig und er begibt sich ohne großes Tamtam in die Pension. Nur in Rumänien bricht Krieg aus und der Abgang des Langzeitdik-tators Nicolae Ceausescu gestaltet sich blutig. Er und seine Frau Elena werden deshalb von der Armee nach einem Femegericht exekutiert. Als die Securitate weiterkämpft, holen sowjetische Transporter amerikanische Stinger-Raketen aus der Türkei und die beenden den Securitate-Terror aus der Luft (Aussage des früheren österreichischen Verteidigungsministers Robert Lichal).

In Panama landen US-Truppen und jagen den Drogendealer Präsident Manuel Noriega. Er wird nach zehn Tagen gefunden und kommt in Miami vor Gericht und ins Gefängnis. Panama wird wieder eine Demokratie. In Kolumbien führt Drogenbaron Pablo Escobar Krieg gegen Polizei, Armee und andere Banden, zugleich zieht die kommunistische FARC das Land in einen ewigen Guerillakrieg.

Auf Sri Lanka, dem früheren Ceylon, begehren die Tamilen gegen die Singhalesen-Mehrheit auf und beginnen einen langen, verlustreichen Terrorkrieg, den sie schlussendlich verlieren.

Die USA und Verbündete beenden eine Hungersnot in Somalia und scheitern gegen die dortige Bandenherrschaft. Der Film „Black Hawk down“ vermittelt ein authentisches Bild jener Ereignisse.

Die Neunziger Jahre

Das Jahrzehnt beginnt zunächst mit einer großen Hoffnung und Erleichterung. „Der Gefangene von Robben Island“, Nelson Mandela, wird freigelassen und die Burenregierung beginnt, mit seiner Partei ANC zu verhandeln. Heraus kommt ein neues, umfassend demokratisches, multikulturelles, sozialeres Südafrika – die „Regenbogennation“. Eine neue Fahne, ein neuer Geist und eine neue Art der Aufarbeitung von politischen Verbrechen – Bischof Desmond Tutus „Wahrheitskommission“.

Die Kriege in Angola und Mozambique werden beendet, die Rassentrennung, gegen die schon Friedensnobelpreisträger Albert Luthuli gewaltlos gekämpft hatte, komplett abgeschafft. Sechs mit Hilfe Israels fertig gebaute Atombomben werden demontiert, das Atomforschungszentrum Pelindaba dem Erdboden gleichgemacht. 1978 hatte es einen Atomtest 400 Meter über dem Meer und unter einer zweiten Wolkendecke in der Nähe der Antarktis gegeben. Südafrika war Anlass vieler Sorgen. Das Gespenst eines blutigen Rassenkrieges zwischen Weißen und Schwarzen, zwischen Zulus und Xhosas stand im Raum. Das Leiden, die Standfestigkeit, die Vernunft eines Nelson Mandela und vieler Mitstreiter ermöglichten ein Wunder ebenso wie die schmerzhaften Sanktionen der internationalen Gemeinschaft. Und am Anfang der Wunderzeit seit 1985, über 1989 und 1991 stand der Russe Michail Gorbatschow, der auf die Macht der Wahrheit vertraute und die Sackgasse verlassen wollte, in die der Kommunismus geraten war.

Doch dann der Hammer. Diktator Saddam Hussein überfällt Kuwait und macht Anstalten, auch die Erdölgebiete Saudi Arabiens um Dahran zu besetzen. Das ist zuviel für die Amerikaner, sie schmieden eine große Kriegskoalition im Rahmen der UNO, vertreiben die Iraker aus Kuwait und bilden einen Luftschirm über Kurdistan. Leider beschließen sie, Saddam Hussein zu schonen, obwohl französische Spezialtruppen bereits Bagdad von einem Hügel aus sehen konnten und General Norman Schwarzkopf alles für einen schnellen Vormarsch zur Hand hatte. In Moskau nämlich war der Oberkommandierende aller sowjetischen Streitkräfte, Marschall Igor Varennikov, persönlich in der US-Botschaft erschienen und hatte gedroht, Michail Gorbatschow zu stürzen, falls die Amerikaner weiter marschieren sollten.

Im Baltikum geben sich eine Million Menschen die Hand und bilden eine Kette vom estnischen Tallinn bis zum litauischen Vilnius. Doch dann besetzen in Litauen sowjetische Omon-Truppen den Fernsehturm und stürzen so das Land in die Unabhängigkeit. Ein halbes Jahr später putschen Partei, Armee, Geheimdienst und Gewerkschaft in Moskau gegen Gorbatschow und scheitern an Jelzin. Die Sowjetunion landet auf dem Misthaufen der Geschichte.

Nun zeigt Jugoslawien, was leicht in Russland hätte passieren können. Slowenien und Kroatien, Bosnien-Herzegowina und Mazedonien verabschieden sich per Volksabstimmungen aus dem jugoslawischen Staatsverband und das noch kommunistische Serbien überzieht alsbald seine früheren Gliedstaaten mit Krieg und bestialischen Massakern. Die USA, Großbritannien und Frankreich intervenieren nach langem Zögern militärisch und beenden den Krieg in Bosnien und vier Jahre später im Kosovo.

In Ruanda dringen aus Uganda kommend unter Paul Kagame 10.000 Tutsi-Soldaten in ihre alte Heimat Ruanda ein, massakrieren 75.000 Hutus und besetzen einen Landstreifen im Norden. Vier Jahre später dringen sie bis zur Hauptstadt Kigali vor und schießen ein Flugzeug ab, in dem fast die gesamte Hutu-Regierung eben von Friedensverhandlungen aus Arusha kommt. Wütend massakriert nun das Mehrheitsvolk der Hutus die Minderheit der Tutsi, fast eine Million wird auf beiden Seiten getötet.

In Algerien gewinnt die islamistische FIS Parlamentswahlen, wird aber von der regierenden FLN aufgelöst und verboten. Es folgt ein zwölfjähriger Guerillakrieg mit 250.000 Toten. Schließlich obsiegt Bouteflika, der schon beim Unabhängigkeitskrieg prominent dabei war. Seine Partei war marxistischen Konzepten verhaftet und die Wirtschaft wird trotz Ölreichtum in Stagnation gehalten. Nun kommt es zu vorsichtigen Reformen.

Auf Haiti gehen die USA gegen Diktator Duvalier vor und organisieren Wahlen, aus denen der Armenpriester Aristide als Präsident hervorgeht. Er wird nach kurzer Zeit von den Rechten verjagt und von den Amerikanern mit UN-Mandat wieder zurückgebracht.

Auch in Liberia intervenieren sie erfolgreich und bringen nach Jahren der Willkür und Herrschaft von Kinderbanden und der Gier nach Blutdiamanten eine allseits anerkannte Präsidentin an die Macht. Ihr Vorgänger steht in Den Haag vor Gericht. Aber heute droht der Ausbruch von Ebola das Land neu zu destabilisieren.

Nach tschetschenischen Terrorattentaten in Moskau, St. Petersburg und mehreren Städten Russlands startet Wladimir Putin einen neuen Krieg gegen das Terrornest Tschetschenien.

Osama bin Laden entlädt seinen Amerikahass mit Attentaten auf US-Botschaften in Kenia und Tansania mit bereits hunderten Toten und seine Männer bomben im Jemen ein Loch in das US-Kriegsschiff „Cole“. 17 Amerikaner sterben. Die Welt feiert sich in ein neues Jahrhundert und Jahrtausend.

Das erste Jahrzehnt des Jahrtausends

Von Afghanistan aus organisiert der Islamist Osama bin Laden einen Mega-Terroranschlag gegen die Twintowers auf Manhattan, New York, und auf das Pentagon in der Hauptstadt Washington D.C. Die Antwort Amerikas lässt nicht lange auf sich warten. Die Taliban und al-Qaida werden aus Afghanistan vertrieben, und ein weiterer Krieg erfolgt gegen Saddam Hussein im Irak. Er wird von einem irakischen Gericht für seine Verbrechen verurteilt und gehängt.

Zugleich bricht die Hölle los. US- und UN-Personal wird zur Zielscheibe von Terror der besiegten Armee Saddam Husseins. Kurz vor dem Anschlag auf New York und Washington wurden al-Kaida Leute im Irak gesichtet. Die in linken und liberalen Medien kolportierte Meinung über eine tiefe Feindschaft zwischen Saddam Hussein und Osama bin Laden kann demnach so tief nicht gewesen sein. „Das Böse geht gerne mit dem Bösen“, sagt eine alte Weisheit.

Als die Amerikaner im Februar 1991 irakische Panzer und Flugzeuge aus der Luft zerpulverten, verlegte Saddam den Rest seiner Luftwaffe in den Iran, obwohl er drei Jahre zuvor noch gegen diesen Krieg geführt hatte. Täglich explodiert ab Mitte 2003 im Irak irgendwo eine Bombe. Und der fundamentalistische Iran baut seinen Einfluss unter dem schiitischen Mehrheitsvolk des Zweistromlandes aus.

Atomanlagen im Visier

Israel zerstört wieder einmal einen Atomreaktor, bevor der kritisch wird. Im Norden Syriens haben Nordkoreaner im Auftrag des Iran einen Plutoniumreaktor errichtet, um so internationalen Kontrollen zu entgehen und Israel mit einem Atomschlag zu überraschen. Irans Präsident Ahmadinedschad hat lauthals verkündet, dass es sein Ziel sei, Israel zu zerstören. Und schon arbeitet der Judenstaat an einem größeren Projekt – der Ausschaltung der nuklearen Kapazität des Iran. Als sie noch unter George Bush losschlagen wollen, kaufen ihnen die Amerikaner Zurückhaltung mit der Bereitstellung eines Raketenabwehrsystems ab. In der Wüste Negev beziehen US-Spezialisten Quartier und errichten einen „Iron Dome“, der sich im Gazakrieg 2014 voll bewährt.

Israel sieht sich bald gezwungen, im Libanon abermals Krieg zu führen. Die Mentalität der Assassinen des Mittelalters hat sich tief im arabischen Bewusstsein verankert. Überall, wo man zur strengen Doktrin des Koran zurückkehrt, kehrt man auch zurück zur Geisteshaltung von Wegelagerern und Schlimmerem. Entführung und Geiselnahmen gelten als ehrenhaft, Gefangene, Frauen und Kinder werden als Schutzschilde gegen Bombardements gehalten. Die Unterschriften unter den Beitrittsvertrag zu den Vereinten Nationen sind für sie irrelevant und damit genauso die Menschenrechte, Kriegsrecht und die Konventionen des Roten Kreuzes.

Seit Jahrzehnten schon werden die Schiiten des Libanon von Fundamentalisten geführt, heute durch Ajatollah Hassan Nassrallah, den Chef des Kampfverbandes Hezbollah. Immer wieder entführen sie Menschen, um etwas zu erpressen. Diesmal waren es drei junge israelische Soldaten, die am Grenzzaum zum Libanon patrouillierten. Israel reagierte mit harten Attacken. Daraufhin regnete es Raketen auf Erez-Israel, auch dort, wo sie bisher nicht hingelangt waren. Der Iran hatte die Hizbollah mit 80.000 Stück modernster Kurzstreckenraketen beliefert. Jetzt wurden sie massiv Richtung Süden eingesetzt.

Es gab Tote und Verletzte und die Menschen in den Kibbuzims, Dörfern und Städten bis Jerusalem rannten um ihr Leben. Israel bombardiert im Gegenzug die Stellungen und Quartiere der Hezbollah und dringt mit Panzertruppen ein, um Raketenstellungen auszuschalten. Wie immer folgt auf eine Zeit der Gewalt ein Waffenstillstand. Und Israel weiß, dass bei einem Angriff auf die iranischen Atomanlagen die Hezbollah ihr ganzes Raketenarsenal vom Libanon aus abfeuern wird und die Hamas in Gaza würde ein Gleiches tun.

Ein Frühling wird zum Albtraum

Inzwischen hat sich eine andere Unruhe breitgemacht. Ausgehend von einer Rede Barack Obamas an der Universität von Kairo, in der er die universelle Gültigkeit von Demokratie und Menschenrechten betonte, breitet sich von Tunesien her überall in der arabischen Welt der „Arabische Frühling“ aus. Korruption und Misswirtschaft sollen verschwinden und rechtsstaatliche Demokratien in der islamischen Welt eingeführt werden. Nach anfänglicher Euphorie kippt der arabische Raum aber nicht in die Demokratie sondern in den Islamismus.

Ägypten befreit sich davon durch einen Militärputsch. Der Jemen kostet kurze Zeit aus dem Becher der westlichen Ideologie, um schließlich in den traditionellen Stammeskämpfen zu zerfallen und der al-Qaida und IS eine Plattform zu bieten.

Jordanien und Marokko retten sich mit Neuwahlen und Regierungsumbildungen vor dem Frühlingsbazillus, Saudi Arabien erhöht die Sozialzahlungen, in Bahrain kommt es durch seine schiitische Bevölkerung zu gefährlichen Demonstrationen. Und in Libyen wird Muammar Ghaddafi gestürzt, der sich mit einer Preisgabe seines Atomprogramms und hohen Abschlagszahlungen für Bombenattentate in Jumboflugzeugen im Westen überraschend fast zum Liebkind gemacht hatte. Außerdem war er der al-Kaida nicht wohl gesonnen. Aber das Fieber des Arabischen Frühlings hatte auch Libyen erfasst. Die Jugend sah die Glitzerwelt von Dubai, Abu Dhabi und Katar und wollte dem gleichkommen. In Bengasi siegte die Revolution rasch und schmerzlos, als aber Ghaddafis hoch bezahlte, kampferfahrene Söldnertruppen Raketen herankarrten, reagierte der Westen ausnahmsweise schnell.

Noch vor den Amerikanern begannen die Franzosen die Gaddafi-Truppen zu bombardieren, bald flogen auch Italiener Angriffe, dann sogar modernste Flugzeuge aus Katar. Immer mehr Soldaten und Zivilisten bedienten sich aus den Waffenlagern des Regimes. Unter großen Verlusten wurden die Truppen Gaddafis besiegt, er selbst schließlich in einem Kanalrohr entdeckt und massakriert. Aber das Land findet keinen Frieden. 60.000 Libyer sind in diesem Bürgerkrieg umgekommen, viele Waffendepots wurden geplündert und ab sofort kämpft jeder gegen jeden, vor allem aber die Region um Bengasi gegen jene um die Hauptstadt Tripolis.

Doch der Rundlauf des Arabischen Frühlings war noch nicht zu Ende. Nun ging es in Syrien los. Dort, wo 1980 Hafez al Assad, der Vater des heutigen Präsidenten, 20.000 sunnitische Fundamentalisten hinschlachten ließ, im nördlichen Aleppo, kam es zu ersten friedlichen und disziplinierten Demonstrationen mit Rufen nach Freiheit. Doch die Demonstranten wurden niedergeknüppelt, verschleppt und massakriert, was neue Demonstrationen im ganzen Land zur Folge hatte.

Rasch kam es zur Polarisierung zwischen Sunniten auf der einen und Christen und Alewiten auf der anderen Seite. Der Westen fürchtete genau das, was später auch passiert ist: das Großwerden islamistischer Kämpfer. Mit Bashar al Assad aber war nicht zu reden. Er wurde und wird massiv von Russland und dem Iran alimentiert und ausgerüstet. Als die Syrischen Regierungstruppen massiv Giftgas einsetzten, war der Faden zum Westen endgültig gerissen. Die Amerikaner bereiteten sich auf Bombenschläge auf die Giftgaslager vor. Aber noch bevor der Kongress eine Entscheidung treffen konnte, gab Assad nach und erlaubte der Uno die Giftgaslager zu entsorgen. Putin hat da mitgeholfen, den wiederum der Papst angerufen hatte. Die chemischen Waffen sind weg. Aber nun steht die IS in weiten Teilen Syriens und die Regierung bietet neuerdings den Amerikanern in diesem Kampf Kooperation an. Zynisch, aber nicht unlogisch.

Krisenjahr 2014

Machen wir hier einen Strich und halten uns nochmals das bisher Gesagte vor Augen. Die vielen Krisen des Jahres 2014 stellen zwar eine auffällige Häufung da, aber jedes Jahrzehnt seit dem Zweiten Weltkrieg war voll mit ungeheuren Bedrohungen. Dass wir überlebt haben, ist ein Geschenk Gottes.

Was also hat es mit dem heurigen Jahr auf sich?

Die gefährlichste und überraschendste Entwicklung ergab sich in der bislang friedlichen Ukraine. Als Millionen Bürger auf dem Maidan-Platz im Zentrum von Kiew gegen eine von Russland gestützte Regierung protestierten und den Anschluss an die Europäische Union forderten, reagierte Putin aggressiv und sprach nur mehr von den Maidan-Faschisten, obwohl diese bei den Wahlen nur acht Prozent bekommen hatten. Sofort nach Abschluss der erfolgreichen Winterolympiade in Sotschi sorgte er für eine stille Okkupation der Krim, welche seinerzeit Kreml-Chef Nikita Chruschtschow innerhalb der Sowjetunion administrativ der Ukraine zugeschlagen hatte, obwohl dort mehrheitlich Russen lebten.

Bei Auflösung der Sowjetunion einigten sich Russen, Ukrainer, UNO und Westmächte, dass die Krim und der Donbass völkerrechtlich bei der Ukraine bleiben, wofür diese damals bereit war, die in der Ukraine gelagerten Atomwaffen der Sowjetzeit zu verschrotten. Russland setzte sich nun über all das hinweg und begann nach Abtrennung der Krim und deren Anschluss an die Russische Föderation nun auch im Kohlerevier der Ostukraine Separatisten zu organisieren und zu unterstützen. Die Ukraine widersetzte sich mit unzureichender Bewaffnung, jungen Rekruten ohne Ausbildung und einer Handvoll Freiwilliger aus dem Bandera-Lager. In dieser Situation kam es zu einem irrtümlichen Abschuss einer malaysischen Verkehrsmaschine an der Grenze der Ukraine zu Russland. Damit schwanden im Westen alle Hemmungen, über Russland Wirtschaftssanktionen zu verhängen.

Dort stehen wir nun. Russland verstärkt die Belieferung der Separatisten und sendet bereits ganz offen Militäreinheiten nach Donezk, Lugansk, Slawjansk und in die Hafenstadt Mariupol im Süden (sodass es nicht ausgeschlossen erscheint, der Russische Vorstoß könnte in Wahrheit auf Odessa und Transsnistrien gerichtet sein). Da die Ukrainer nicht gewillt sind, auf ihre Ostgebiete zu verzichten, zeichnet sich eine brisante Eskalation ab, in welcher die Nato mehr und mehr in den Konflikt hineingezogen wird.

Putins Endgame? Niemand weiß es. Seine Ambitionen könnten weiter reichen, als dem Westen bewusst ist. Vielleicht versucht er gar, Serbien von der EU fernzuhalten und dort seinen Fuß in Europa hineinzustellen.

Freilich werden verschärfte Sanktionen des Westens Russland fatalen Schaden zufügen, den die Eurasische Union nicht auffangen kann. Die Atomarsenale verhindern, dass die Ukrainekrise zum Weltkrieg wird. Aber 100 Jahre nach Ausbruch des Ersten Weltkriegs und 75 Jahre nach Beginn des Zweiten hängt ein Schatten über Europa. Und es gibt keine Garantie, dass nicht irgendein Idiot in den Russischen Streitkräften eine Atombombe zündet. Wenn man von einem engen Berater des früheren litauischen KP-Chefs und Chefreformers Algirdas Brazauskas hört, dass auf dem Flughafen Vilnius die Nato Atomwaffen lagert, wird die Sache entrisch.

Gaza

Nicht weniger brisant erscheint der Krisenherd Gaza. Israel beobachtet seit der Überlassung Gazas 2005 an die Palästinensische Autonomie mit Ingrimm das Wachstum der radikal-islamischen, vom Iran unterstützten Hamas und die Anhäufung von Raketen auf diesem Territorium. Als die Hamas wieder israelische Jugendliche entführte und tötete, riss der israelischen Regierung die Hutschnur. Von geschätzten 100.000 Raketen in den Depots in Gaza gingen 10.000 auf Israel nieder, allerdings ohne allzu großen Schaden anzurichten. Das amerikanische Raketenabwehrsystem „Iron Dome“ fetzte 80 Prozent der heran fliegenden Hamas-Raketen vom Himmel, über den großen Städten schützte es fast hundertprozentig.

Als der Waffenstillstand mehrfach gebrochen wurde, schickte Jerusalem Bodentruppen und Panzer. Man entdeckte ein weit verzweigtes, professionell unter iranischer Ägide angelegtes Tunnelsystem, von dem aus Israel mit Terrorschwadronen hätte überfallen werden sollen. In letzter Minute wurden einzelne Kommandos abgefangen. 32 Tunnels wurden zerstört. Bevor es aber an die endgültige Vernichtung der Raketenbasen ging, welche unter Schulen und Krankenhäusern installiert worden waren, gab die Hamas nach und stimmte durch Ägyptische Vermittlung erstaunlicherweise einem unbefristeten Waffenstillstand zu.

Jetzt soll über die Öffnung der Grenzen, den Bau eines Hafens und eines Flughafens verhandelt werden. Die Crux besteht in der Notwendigkeit einer Verhinderung von weiteren Waffenlieferungen an die Hamas über diese neuen Einrichtungen. Stimmt die Hamas ernsthaften Kontrollen zu, ist alles gelaufen, lehnt sie das wie bisher immer wieder ab, wird Israel Gaza besetzen, durchkämmen und mit härtestem Durchgriff beherrschen. Das Aufspüren und Töten von Hamasführern haben sie bereits zur Perfektion entwickelt und angewendet.

Beim nächsten Waffengang müsste die Hamas in ein anderes Land umziehen – ohne ihr leitendes Personal. Das Töten von Führern ist laut Genfer Konvention und Völkerrecht nicht erlaubt, aber Israel hat da seine eigene Interpretation. Die Regelung der UNO galt für konventionelle Kriege. Was bei asymmetrischen Gefechten und Terror zu geschehen hat, war 1944 in San Francisco kein Thema, dafür muss die Weltgemeinschaft neue Regeln erfinden. Israel schreibt sie gegenwärtig mit Blut in den nahöstlichen Sand.

Libanon

Ähnlich der Hamas in Gaza agiert die Hezbollah im Libanon. Sie hätte im heurigen Gaza-Krieg liebend gerne mitgemischt und hat auch ein paar Raketen nach Israel geschossen. Aber doch hielten ihre Reihen im Wesentlichen dicht. Denn die Hezbollah kämpft im Auftrag Persiens in Syrien mit Bashar al-Assad gegen die islamischen Aufständischen. Perverser geht es nicht mehr. Die schiitische Hezbollah würde doch viel lieber mit islamistischen Brüdern gegen Alawiten und Christen kämpfen. Aber die „Staatsräson“ gebietet ihnen, auf Teheran zu hören, denn nur von dort erhalten sie Unterstützung.

Dennoch bleibt das Faktum von 80.000 Raketen in den Depots im Süden des Libanon. Sollten sie in den Wirrnissen der heutigen Zeit doch einmal losballern, geschieht das gleiche wie in Gaza, israelische Flugzeuge und Drohnen werden bis zum geht-nicht-mehr bombardieren und Fußtruppen werden Büsche und Dörfer durchkämmen. Die Hezbollah als bestimmender Faktor im Libanon wäre Geschichte.

Das würde dann auch den Sturz des Assad-Regimes in Damaskus bedeuten. Ohne die mit ihm verbündeten Hezbollah-Kämpfern würden die Isis-Leute die syrischen Linien durchbrechen. Was dann aus dem Nahen Osten würde, vermag niemand zu sagen, oder sagt es lieber nicht. Wir hätten die Taliban neben Afghanistan und Pakistan nun auch in Syrien und Irak. Und damit eine neue riesige Gefahr für Israel, das darauf mit dem Einsatz von Atomwaffen antworten könnte.

Eine Drohne über Naftanz

Und um da ja nicht dabei behindert zu werden, könnten im Atomstreit mit dem Iran doch noch die Waffen sprechen. Als vor wenigen Wochen die Gespräche stockten und Gerüchte über spezielle Tests in Naftanz die Runde machten, wurde eben dort eine israelische Drohne abgeschossen. Ein Zeichen an der Wand? Wiederum wäre es sehr schwer vorherzusagen, was die Reaktionen in der Welt sein würden. Technisch wäre Israel vermutlich in der Lage, die iranischen Atomanlagen schachmatt zusetzen. Geübt wird seit 2005 wöchentlich mit 100 Flugzeugen vor Kreta und Zypern, vor Sardinien und bis Gibraltar. Gaddafi hatte vergeblich dagegen protestiert.

Wirklich Sinn könnte so eine Aktion nur im Gleichklang mit den amerikanischen Flugzeugträgern im Indischen Ozean und dem Mittelmeer machen. Ist das wahrscheinlich? – Nein! Wäre es denkbar? – Ja! George W. Bush war bereit dazu, aber sein eigener Verteidigungsminister legte ein Veto ein. Stattdessen kam die Lösung mit dem „Iron Dome“ und die Aktion „Broken Arrows“ (Entwicklung israelischer Abfangraketen mit US-Finanzhilfe). Es kann in und um den Iran also noch mächtig krachen. Zwar bemüht sich der neue Präsident Hassan Rahani glaubhaft um Frieden, aber die Machtstrukturen in Teheran sind noch vom großen Hasser Ajatollah Khomeini geprägt. Krieg und Frieden haben derzeit gleiche Chancen.

Im wilden Kurdistan

Einen interessanten Krisenherd haben wir wohl in Kurdistan. Das Siedlungsgebiet der antiken Zarathustra-Anhänger umfasst den Norden Iraks, den Südosten der Türkei, den äußersten Nordosten Syriens, den Nordwesten des Iran und ein kleines Gebiet von Aserbeidschan. Insgesamt 22 Millionen Menschen. Das Siedlungsgebiet entspricht etwa der Größe Deutschlands. Nach allen Kriterien des Völkerrechts hätten die Kurden Anspruch auf Eigenstaatlichkeit. Die beiden Irakkriege begründeten Schutz und Autonomie für die irakischen Kurden, wo es nun auch beachtliche ökonomische Fortschritte gibt und die Hauptstadt Erbil ein Drehkreuz für den nahöstlichen Flugverkehr wurde.

Der islamische Aufstand gegen das Assad-Regime bringt den Kurden in Syrien zwar viel Leid, aber auch einen Schritt zur Freiheit. In der Türkei sitzt nach einem langen Guerilla- und Terrorkrieg PKK-Anführer Abdullah Öcalan auf einer Insel zwischen Europa und Asien hinter Gittern. Dafür hat der türkische Premier Recep Tayyipp Erdogan die Kurden als eigenes Volk anerkannt und eine Teilautonomie gewährt. Im Augenblick nehmen die einstigen Kämpfer der PKK regen Anteil am Schutz der Kurden des Nordirak gegen die wahnwitzigen Kämpfer des Islamischen Staates. Die Logik der Entwicklung könnte dahin führen, dass Nordirak ein unabhängiger Staat und Mitglied der Vereinten Nationen wird, um den sich autonome kurdische Regionen in Syrien und Persien gruppieren, welche sich wirtschaftlich, politisch und kulturell eng mit Erbil verflechten.

Solange aber rundherum die Fetzen fliegen, besteht die Gefahr, dass die Kurden in militärische Konflikte mit ihren Wirtsvölkern geraten.

Die Terrorbasis

Im Osten von Persien liegt Afghanistan, es bildet seit 1973 einen außergewöhnlichen Hotspot für Unruhe und Krieg. Der sowjetfreundliche Daud putscht gegen König und Regierung. 1978 wird sein Nachfolger Amin von Rotchina-freundlichen Kommunisten gestürzt. Daraufhin interveniert 1979 die Sowjetunion unter Leonid Breschnew mit einer starken Armee. Die verliert ihren Machtrückhalt, als die USA unter Ronald Reagan beginnen, Stinger-Flugabwehrraketen an die Mudschaheddihn-Rebellen zu liefern. Ein Helikopter nach dem anderen stürzt vom Himmel. Die militärische Krise der Sowjettruppen in Afghanistan bringt Michail S. Gorbatschow an die Macht, weil man dem energischen jungen Politiker zutraut, damit fertig zu werden. Stattdessen holt er dem Volkswillen entsprechend die Sowjettruppen wieder zurück.

Ein Pyrrhus-Sieg für die Amerikaner. Sie hatten mit Stinger-Raketen für die Rebellen indirekt die Wende herbeigeführt. Doch nun herrschten die islamistischen Taliban in Afghanistan. Und Osama bin Laden, groß geworden im Kampf gegen die Sowjets, errichtete am Hindukusch seine Terrorbasis, von der aus er al-Kaida steuerte und die diversen Attentate im Westen veranlasste. Im Zorn über 9-11 vertrieben die Amerikaner die Taliban und Osama bin Laden, und töteten ihn zuletzt in seinem Haus in Pakistan. Aber mit Ende 2014 verlässt die Nato Afghanistan und die Taliban kehren höchstwahrscheinlich zurück.

Schalmeientöne am Indus

Auffällig ist nun, dass der neue pakistanische Premierminister Nawaz Sharif die Annäherung an Indien sucht, obwohl mit Narendra Modi dort ein radikaler Hindu zum Premierminister gewählt wurde. Bisher stand zwischen Indien und Pakistan die ungelöste Frage Kashmir. Dieses wunderschöne Land am westlichen Himalaja wurde 1947, so wie ganz Indien, geteilt; der Osten ging an Pakistan, West-Kashmir an Indien. Aber auch dort ist die Mehrheit der Bevölkerung muslimisch, sodass der pakistanische Geheimdienst in Kashmir eine Guerilla unterstützt und Terror in Indien durchführt. Schließen Pakistan und Indien Frieden, dann wäre eine eminente Kriegsgefahr beseitigt. Immerhin sind beide Länder Atommächte.

Und das ergibt ein weiteres Problem. Während Indien nun schon lange als stabile Demokratie funktioniert und nach Reformen schnelles Wachstum vorweisen kann, stagniert Pakistan, ist innerlich zerrissen und von den Taliban bedroht. Sollten die pakistanischen Atomwaffen in die Hände von Terroristen fallen, hätten wir einen weltweiten Alarm, wie er nur in James Bond-Filmen zu sehen war oder bei Tom Cruise. Nach Osama bin Ladens Anschlag in New York 2001 fehlte nicht viel, und die Amerikaner hätten die pakistanischen Nukleardepots gestürmt. Die US-Botschafterin in Islamabad gab Präsident Pervez Musharraf 15 Minuten Zeit, sich zu entscheiden, ob er mit den Amerikanern gegen Osama bin Laden vorgeht oder seine Atomwaffen verliert. Sein Geheimdienst ISI hatte die Taliban aufgebaut und später bin Laden in Abottabad ein bequemes Leben führen lassen.

Kim Jong Bumm

Von den pakistanischen Atomwaffen führt eine direkte Linie nach Nordkorea. Pakistan stand Pate bei der Entwicklung der nordkoreanischen A-Bombe. Und Nordkorea hilft dem Iran. Die Hoffnung, dass der Enkel von Republikgründer Kim Il-sung, Kim Jong-Un, Veränderungen bringen wird, hat sich nicht erfüllt, außer der Einrichtung eines Wiener Kaffeehauses in der nördlichen Hauptstadt Pjöngjang. Stattdessen hat er einen neuen Zeitvertreib entdeckt: den Süden und die Amerikaner mit Angriffsübungen zu schrecken. Kleine Atombomben könnten Schneisen für eine Angriffsarmee durch den Minengürtel an der Grenze sprengen.

Das ökonomisch erfolgreiche Südkorea lebt seit 64 Jahren unter der ständigen Drohung eines Blitzkrieges aus dem Norden. Immerhin hat China inzwischen die Seiten gewechselt und Kim Jong „Bumm“ klargemacht, dass Peking einen Angriff auf Südkorea so gar nicht lustig finden würde. Nach der letzten Alarmübung tauchten in Pjöngjang zwölf chinesische Generäle des Oberkommandos in Peking mit allen Orden und goldenen Epauletten auf – mit einer kurzen Botschaft: „Wenn ihr angreift, seid ihr allein.“

Das Wunder von Burma

Kein Hotspot sondern ein wahrer Lichtblick ist heute Burma. Vor wenigen Jahren noch hungerte das Land, verfiel die Wirtschaft und schmachteten politische Häftlinge hinter nassen Mauern. Dann eine überraschende Wende. Der neue Staatspräsident nach den Diktatoren Ne Win und Than Shwe, General Thein Sein, befreite die Kämpferin für Demokratie und Menschenrechte, Aung San Suu Kyi, aus dem Hausarrest, beendete die Zensur, erlaubte Marktreformen und Parlamentswahlen ohne Vorselektion. In den nächsten Präsidentenwahlen darf Aung dann kandidieren und wird mit hoher Wahrscheinlichkeit gewinnen.

Wenn China erwacht…

Damit erreichen wir China, dessen wachsende riesige Nachfrage den Burmesen so wie Afrika und Lateinamerika einen ökonomischen Aufschwung verschafft hat. China hat sich das boomende Singapur als Leitstern erkoren und möchte dessen Performance gleichkommen. 1996 hat Singapur die einstigen Kolonialherren in London im Prokopfeinkommen eingeholt und es seither vervielfacht. Aber China ist keine kleine Insel, sondern eine riesige Landmasse mit einem Milliardenvolk. So entstehen mit steigender Rüstung neue geopolitische Ansprüche. Die Niederhaltung der moslemischen Uiguren und buddhistischen Tibeter ist da nur eine davon. Man will auch endlich die Insel Taiwan so wie Hongkong ins Mutterland integrieren und zeigt den Taiwanesen in jährlichen Marineübungen, wo der Bartel den Most holt.

Dabei waren es die Milliardeninvestitionen der hoch entwickelten Inselwirtschaft, die zusammen mit Geld und Know-how aus Singapur, Hongkong, Südkorea, Japan und San Francisco den unglaublichen Aufschwung des Festlandes bewirkt haben. Heute leben und arbeiten eine Million Inselchinesen in Rotchina. Die Hoffnung wäre, dass bei einer Wiedervereinigung die Kuomintang-Partei in China kandidieren darf – beginnend mit Lokalwahlen, dann Provinzwahlen und zuletzt bei landesweiten Wahlen – und korrespondierend dazu die Kommunisten auf Taiwan. Später könnte auch das demokratische Spektrum von Hongkong miteinbezogen werden.

Niemand versteht heute, warum die kommunistische Elite nicht fähig ist, Tibet und Sinkiang eine echte Autonomie zuzugestehen und eine Rückkehr des Dalai Lama aus dem indischen Exil in Dharamsala zu erlauben. Hier können wir nur auf ein Wunder hoffen und auf das Gebet von Papst Franziskus.

Leider gibt es da noch ein paar unbewohnte Inseln zwischen Vietnam und Korea, auf die neben China auch Vietnam, die Philippinen, Südkorea und Japan Anspruch erheben. China schickt seine Flotte und Japan baut nun die seine aus und ändert die Verfassung, damit militärisches Handeln wieder erlaubt sein wird. Aus harmlosen Scharmützeln kann sich da leicht ein ganz großer Krieg entzünden. China ist es immerhin gelungen, die fremden Kolonien Hongkong und Macao kurz vor und nach der Jahrtausendwende von den Kolonialmächten Großbritannien und Portugal zu übernehmen. Es hatte die Geduld, das Auslaufen von alten Verträgen abzuwarten.

Zum Unterschied von Indonesien. Dort hatte man diese Geduld nicht. Es schnappte sich bei günstigem Wind von Portugal dessen Ableger Osttimor, schaffte es aber nicht, die Bevölkerung auf seine Seite zu ziehen. Wieder musste die UNO eingreifen. Australische Truppen spielten bei der Befriedung eine sehr positive Rolle. Ein Attentat von indonesischen Islamfanatikern hatte Ihnen zuvor vor Augen geführt, dass sie sich auf Dauer nicht heraushalten können. Australien hat Erfahrung mit Asien. Es kämpfte mit den Amerikanern gegen den kommunistischen Vietkong und hatte sich im Zweiten Weltkrieg gegen Japan zu verteidigen. Aussies kämpften in Singapur, Thailand und Burma. Als Kriegsgefangene bauten sie die „Brücke am Kwai“. Langsam ändert sich auch die Bevölkerungsstruktur in Australien, Einwanderer und Flüchtlinge aus Asien sind in großer Zahl in allen Städten zu finden. Im 22. Jahrhundert wird Australien eine asiatische Nation sein.

Afrika

Bleiben da noch neben diesem Mega-Hotspot Asien ein paar kleinere in Afrika und Lateinamerika. Im Südsudan kämpfen zwei Stämme um die Vorherrschaft. China hat dort die Ölförderung in die Hand genommen. So fließt viel Geld ins Land, das nicht der Entwicklung dient, sondern den Bruderkrieg anfeuert.

Frankreich hat unter Präsident Francoise Hollande überraschend schnell und energisch auf eine islamistische Bedrohung in Mali reagiert. Aber die al-Kaida der Sahelzone hat sich nur verkrochen. Sie wird wiederkommen. Sie rumort auch in Mauretanien, Tschad und Niger.

Im bevölkerungsreichsten Land Afrikas, Nigeria, hat sich die islamistische Boko Haram festgefressen. Sie entführen und vergewaltigen Mädchen, um sie dann auf dem Sklavenmarkt zu verkaufen. In Europa versteht man nicht, warum die starke nigerianische Armee nicht imstande ist, mit diesen ungebildeten Fanatikern fertig zu werden. Aber 1967 spaltete sich der ölreiche christliche Süden Nigerias als Biafra ab und wurde dann in einem langen Krieg niedergeworfen. Das Militär ist gemischt und hegt zum Teil Sympathie für die Islamisten.

Der Kongo hat noch kaum seit der Unabhängigkeit 1960 eine Phase der Ruhe erlebt. Mehrere Rebellenarmeen gegen Präsident Laurent Kabila bewegen sich im Land. Die meisten werden von Ruandischen Tutsis geführt und von Kigali finanziert. Beinahe hätten sie die Hauptstadt Kinshasa erobert. Daraufhin entsandten Simbabwe, Südafrika, Angola, Mozambique und Namibia Truppen, die den Geltungsbereich der kongolesischen Regierung wiederherstellten. Man nannte das den Ersten Afrikanischen Weltkrieg. (Wohl in der Erwartung, dass es da noch einen zweiten geben könnte). Und in der Tat brachen neuerlich Tutsi-Rebellen im Osten ein. Aber die UN war nun gewitzt und entsandte Truppen mit einem glaubwürdigen, robusten Mandat.

Sofort holten sich die Rebellen bei Goma einen blutigen Schädel und Paul Kagame sinnt nun in Kigali nach einer magischen Formel, die ihm die Herrschaft über den Kongo sichern könnte. Für die amharischen Tutsis, die kaum zwölf Prozent der Bevölkerung Ruandas stellen, aber seit Jahrhunderten das Land beherrschen, ist der Kongo ein Albtraum und eine Hoffnung. Dort leben 30 Millionen Hutus, die dem Mehrheitsvolk in Ruanda nahe verwandt sind. Kagame glaubt wohl, er müsse den ganzen Kongo unter Kontrolle bringen, um sich vor Aufständen der Hutus zu schützen. Außerdem locken die dortigen reichen Bodenschätze. Die übrige Welt durchschaut dieses Spiel noch nicht wirklich, sodass von da auch keine Lösungsvorschläge zu erwarten sind. Immerhin hat sich Ruanda die technische Führerschaft in Afrika erarbeitet und reüssiert neuerdings mit Mobiltelefonie, Glasfasertechnik und elektronischen Produkten.

Eine wahre Tragödie bietet Somalia. Als trockenes Land kann es seine Bevölkerung nicht ernähren. Nach der Befreiung der „Landshut“ stand das Land eine Zeit lang unter deutscher Protektion. Aber nach dem Tod seines langjährigen Diktators Siad Barre bekriegten sich Warlords derart heftig, dass eine große Hungersnot entstand. Die USA sandten Truppen, um die Lebensmittel-Verteilung zu sichern und die Banden niederzuhalten. Auch Deutschland sandte nach heftigen Debatten im Bundestag ein Hilfskontingent. Durch inkonsequentes Verhalten der amerikanischen Regierung gerieten die GIs in einen Hinterhalt und die Rebellen unter Mohammed Farah Aideed schleiften deren Leichen durch die Straßen von Mogadishou. Bill Clinton zog die Truppen ab. Und hinterließ so eine fatale Lehre für Afrika und alle Gewalttäter weltweit: „Sei nur brutal genug, und die eierlosen Westler werden klein beigeben.“ So nisteten sich al-Kaida-Zellen in Somalia ein, aus denen sich die Al Shahaab-Milizen entwickelten. Und die verbreiteten ihren Terror bis Kenia.

Andere Ableger lehrten den Fischern Geld mit Schiffskaperungen zu lukrieren. Das ging bis zu riesigen Öltankern. UNO und Nato schufen das Verteidigungssystem „Atalanta“, an dem auch russische und chinesische Schiffe teilnehmen. Damit wurde das Beispiel für eine künftige globale Nato als Schwert der Vereinten Nationen geschaffen – nennen wir sie in Zukunft die „Humanunion“. Die Uno ist neuerdings in Somalia mit robustem Mandat aktiv, allen voran dienen Truppen aus Kenia.

I like to be in Amerika

Lateinamerika, in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts eine sehr unruhige Region, bietet aber auch im neuen Jahrtausend ein paar Problemzonen. Kuba ist immer noch da, nach wie vor kommunistisch und nach wie vor ein Feind der USA. Eine kleine Marktöffnung hat aber bereits positive Ergebnisse gezeitigt. In Miami gibt es seit ein paar Jahren schon ein marktliberales Institut, das sich bemüht, Grundlagen für eine volle Umstellung Kubas auf Marktwirtschaft zu erarbeiten.

Ein Asset Kubas ist neben seiner allgemeinen Schulbildung der Ausbau des medizinischen Sektors. Längst kommen Firmen aus Europa, um hier Stammzellenforschung etc. zu betreiben. Sollte bei den nächsten Präsidentenwahlen in den Vereinigten Staaten der chancenreiche republikanische Senator kubanischer Abstammung, Marco Rubio, die Wahl gewinnen, wird es spannend sein zu beobachten, welche Politik er gegenüber dem Land seiner Vorfahren wählen wird.

Auch wie er sich zur Einwanderung aus Lateinamerika und besonders aus Mexiko stellen wird, kann zu einer Wende führen. Zu seiner Zeit werden Staaten wie Kalifornien, New Mexiko und Arizona eine Lateinische Mehrheit haben. Das heißt aber auch, dass indianische Gene nach Nordamerika zurückkehren werden, denn die Lateiner sind ja meist mit der Urbevölkerung vermischt.

Der verstorbene Präsident Venezuelas, Hugo Chavez, versuchte in Südamerika einen „Sozialismus des 21. Jahrhunderts“ einzuführen. Aber der scheitert genauso wie der Sozialismus des vorigen Jahrhunderts und alle Sozialismen dieser Welt. Die Inflation galoppiert, Regale sind leer und neues Öl kann nicht mehr erbohrt werden, weil nur die westlichen Ölgesellschaften über die nötige Ausrüstung verfügen und damit umgehen können.

Ähnlich geht es Ecuador und Bolivien. Dort hat man Anbau und Konsum von Coca-Blättern wieder erlaubt, aber ansonsten geht es mit der Wirtschaft bergab. Kolumbien hingegen, das sich vor Jahren für eine enge Kooperation mit den USA entschieden hat, boomt, und besiegte die Drogenbarone und die linke Guerillabewegung Farc und ist dabei, seine Stabilität zurück zu gewinnen.

Bleibt noch der traurige Fall Argentinien. Bei einer richtigen Finanz- und Wirtschaftspolitik könnte das Land, aus dem Papst Franziskus kommt, reich wie Kuwait sein. Aber seit Ende des Zweiten Weltkriegs wird nur mehr Politik für den Augenblick gemacht ohne jede langfristige konzeptionelle Perspektive. Carlos Menem hat es kurzeitig probiert, aber nicht durchgehalten.

Auf einen kräftigen Aufschwung mit stabiler Währung folgte bald das ewige Leiden populistischer Maßnahmen. Die Währung kollabierte, die Wirtschaft sackte ab, ja Argentinien schlitterte in den Bankrott. Nach zwölf Jahren wiederholt sich das Spektakel.

Aber da ist ja noch Putin, der lenkt nun die Lebensmittelimporte wegen der Sanktionen gegen ihn von Europa nach Argentinien um. Bei seinem letzten Besuch in Kuba flog er schnurstracks nach Buenos Aires und wird vielleicht Hafenrechte für seine Atom-U-Boote verhandelt haben. Das hätte für Argentinien neben Einnahmen und Waffenlieferungen auch den Vorteil, dass beim nächsten Krieg mit England um die Falkland-Inseln russische U-Boote eine Barriere gegen einen Flotteneinsatz aus Europa bilden könnten. Hoffentlich kommt es nicht so weit. Präsidentin Christina Kirchner hat Papst Franziskus gebeten, sich für eine Rückführung der Falkland-Inseln unter argentinische Hoheit einzusetzen. Wetten, dass er das tut? Er könnte ja einen Mitarbeiter zu den Aalandinseln zwischen Finnland und Schweden schicken, die zu Finnland gehören, aber sich einer totalen Autonomie erfreuen. Na, ja, vielleicht gelingt es vorher noch Wladimir Putin dieses Modell mit „Novaja Rossija“ in der Ostukraine umzusetzen.

Der magische Moment

Der Blick auf die Krisenherde 2014 zeigt extreme Gefahren auf. Aber wenn wir zurückschauen, dann haben wir schon ganz andere Bedrohungen überstanden. Wahrscheinlich gelang das mit göttlicher Hilfe, denn manche Ereignisse wie der unblutige Fall der Berliner Mauer muten geradezu magisch an. So als hätte die himmlische Macht nach Hiroshima und Nagasaki eine schützende Hand über den Planeten gehalten. Hoffen und beten wir, dass das weiterhin so ist. 1914 und 1939 hat scheinbar jeglicher Schutz aus dem Jenseits gefehlt. Der Papst in Rom versuchte sogar einen Fern-Exorzismus bei Adolf Hitler. Ohne jede Wirkung. Dann probierte er es mit einer Weihe Russlands an das Herz Mariens entsprechend den Forderungen der Erscheinungen in Fatima. Die wollte, dass alle Bischöfe der katholischen Kirche bei einer solchen Weihe mitmachen. Das war während des Krieges gar nicht möglich, und einige haben sich geweigert.

Immerhin brachte die Weihe Pius XII scheinbar doch eine Wende. Zu Weihnachten 1942 drehte sich das Schicksal der 6. Armee der Deutschen Wehrmacht unter Marschall Paulus. Görings Luftwaffe schaffte es nicht mehr, die Soldaten an der russischen Front zu versorgen. Hitler verweigerte einen Ausbruch von Paulus aus dem Kessel bei Stalingrad, und die Armee Wendt, welche die Stalingradkämpfer heraushauen sollte, blieb 20 km vor Stalingrad im Kreuzfeuer frischer russischer Truppen aus Sibirien liegen. Und General Winter sandte Temperaturen, die auch für die Wolgaregion ungewöhnlich niedrig lagen.

90.000 deutsche Soldaten gerieten in sowjetische Gefangenschaft, nur 6000 von ihnen kehrten 1955 heim. Gleichzeitig kam auch ein anderer Kriegsschauplatz ins Rutschen. Erwin Rommel gelang es nicht, in Nordafrika zu den Pyramiden und dem Suezkanal vorzustoßen und über den Irak und Iran die Ölregion von Baku einzunehmen. Vielmehr stoppten die neu von den USA ausgestatteten britischen Truppen unter General Montgomery Rommel bei El Alamein, und trieben den Wüstenfuchs anschließend über Tobruk bis Tunis zurück. Stalingrad und El Alamein wird von den Historikern als die Wende im Zweiten Weltkrieg gesehen.

Die in Fatima empfohlene „Weltweihe“ gelang dem polnischen Marien-Papst Johannes Paul II, alias Karol Wojtyla, offenbar vollkommen am 25. März 1984. Mit engen Getreuen führte er die Zeremonie der Weltweihe unter besonderer Erwähnung Russlands im Vatikan durch. Er hatte die Bischöfe der ganzen Welt gebeten, zumindest im Gebet bei der Weihe mitzumachen.

Als am nächsten Tag in Medjugorje die „Gospa“ den sechs Sehern erschien, zeigte sie sich hocherfreut in einem goldenen Gewand. Und sagte: „Berichtet dem Papst, dass die in Fatima geforderte Weihe der Welt an mein Herz nun gültig ist. Satan wird – nicht sofort – aber nach und nach seine Macht über die Erde verlieren.“ Wenn das aber wirklich der Fall sein sollte, dann können wir Hoffnung haben – gerade jetzt in der Ukraine – dass die Krisen nicht zum Äußersten metastasieren.

Nach der Weltweihe geschah aber jedenfalls dies: Der Fanatiker im Kreml, Juri Andropow, starb durch Nierenversagen. Sein Nachfolger Konstantin Tschernenko, ein Funktionär aus Krasnojarsk, hielt es auch nicht lange und am 11. März 1985 – fast genau ein Jahr nach der Weltweihe – betrat Michail Gorbatschow die Bühne. Durch ihn kam es zu einer weltweiten Entspannung, erste Abrüstungsverträge wurden unterzeichnet und die Berliner Mauer öffnete sich und mit ihr der gesamte Eiserne Vorhang. In Russland wurde im Juni 1991 mit Boris Jelzin erstmals ein Präsident demokratisch gewählt. 73 Jahre und sieben Monate nach der Oktoberrevolution war Russland in sein altes Flussbett zurückgekehrt (so wie es Nostradamus vor 500 Jahren geweissagt hatte). Fernwirkungen waren die Freilassung von Nelson Mandela und folgend ein neues Südafrika, geheime Friedensverhandlungen zwischen Israel und der PLO in Oslo und folgend die Konferenz von Madrid und die Schaffung einer palästinensischen Autonomie. In China verstärkte Teng Hsiao Ping seine Marktreformen und befreite die Bauern aus der Kollektivwirtschaft.

Wir sind im 20. Jahrhundert in zwei Weltkriege hineingetaumelt und haben sie mutwillig vom Zaun gebrochen – mit zusammen 100 Millionen Toten allein zwischen 1914 und 1945. Das Jahr 2014 ist noch nicht zu Ende. Vielleicht bringt es doch noch eine Wende zum Guten.

Paul Fischer ist Journalist und Vorstandsmitglied des Wiener Akademikerbundes.

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die besten Kommentare

  1. Ausgezeichneter KommentatorNestor 1937
    2x Ausgezeichneter Kommentar
    08. September 2014 17:36

    Dieser Herr Fischer hat vor Jahren den "segensreichen" Krieg der USA gegen den Irak hochgelobt und in den Himmel gehoben. Er schreibt üblicherweise wie ein CIA Agent. Ob er wirklich Vorstandsmitglied des Akademikerbundes ist ?

    Jedenfalls paßt er nicht unter die Autoren dieses Blogs!

  2. Ausgezeichneter KommentatorMarcus Aurelius
    1x Ausgezeichneter Kommentar
    09. September 2014 15:19

    Lieb und nett gemeint, teilweise auch fundiert, soweit die Augen der Gegenwart reichen:
    Herr Fischer gewährt uns einen Blick in seine Version der jüngeren Geschichte, teilweise überzeugend und klar.
    Was die Zukunft angeht, ist es halt leider die übliche Kaffeesatzleserei aus eigenen, zwangsläufig individuell gewachsenen und geformten Parametern. Ebenfalls lieb und nett — aber behaftet mit dem daraus folgenden Tunnelblick.
    Die Zukunft singt ihr eigenes Lied, das sich an verklungenen Melodien, sosehr sie auch in unseren Ohren nachhallen mögen, nicht orientiert.

    Wie jede Generation vor uns werden wir Überraschungen erleben, die wir weder musikalisch noch politisch vorhersehen konnten.

  3. Ausgezeichneter Kommentatorterbuan
    1x Ausgezeichneter Kommentar
    08. September 2014 14:24

    Vielen Dank Herr Fischer für Ihre zeitgeschichtliche Nachhilfestunde.
    Hoffentlich gelingt es den segensreichen USA auch in der gegenwärtigen Krise, wieder einmal einen Atomkrieg zu verhindern. Wir Europäer wären unendlich dankbar!
    "I like to be in America"

die besten Kommentare

  1. Ausgezeichneter KommentatorMarcus Aurelius
    1x Ausgezeichneter Kommentar
    09. September 2014 15:19

    Lieb und nett gemeint, teilweise auch fundiert, soweit die Augen der Gegenwart reichen:
    Herr Fischer gewährt uns einen Blick in seine Version der jüngeren Geschichte, teilweise überzeugend und klar.
    Was die Zukunft angeht, ist es halt leider die übliche Kaffeesatzleserei aus eigenen, zwangsläufig individuell gewachsenen und geformten Parametern. Ebenfalls lieb und nett — aber behaftet mit dem daraus folgenden Tunnelblick.
    Die Zukunft singt ihr eigenes Lied, das sich an verklungenen Melodien, sosehr sie auch in unseren Ohren nachhallen mögen, nicht orientiert.

    Wie jede Generation vor uns werden wir Überraschungen erleben, die wir weder musikalisch noch politisch vorhersehen konnten.


alle Kommentare

  1. Lisseth (kein Partner)
    22. Januar 2015 13:53

    Umm, are you really just giving this info out for notghni?

  2. Bebeto (kein Partner)
    19. Januar 2015 12:33

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  3. Kazin (kein Partner)
    19. Januar 2015 07:50

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  4. Kazin (kein Partner)
    19. Januar 2015 07:49

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  5. Ana-Lyse (kein Partner)
    13. September 2014 16:35

    @ Nestor 1937:
    Aus Insider-Kreisen: Herr Fischer gehört seit Mai 2014 nicht zu den Funktionären mit Amtsgewalt im Wiener Akademikerbund, wohl aber zum AB-Team.

    Seine historischen Kenntnisse und seine Zukunftsprognosen sind cum grano salis zu beurteilen - beispielsweise bejubelte er in einem AB-Vortrag den "Arabischen Frühling" mit großer Emotion und dies zu einem Zeitpunkt, als schon einfachen Beobachtern der nordafrikanischen Ereignisse die Zweifel am " demokratischen Ergebnis" kamen.

    Ausserdem: Wer immer noch nicht die Medjugorje-Lüge durchschaut hat, ....

  6. Aron Sperber (kein Partner)
    10. September 2014 15:06

    Zum Vietnamkrieg sollte erwähnt werden, dass die Teth-Offensive militärisch ein Fiasko für die Kommunisten war, aber auf der Propaganda-Front allerdings in einen entscheidenden Sieg umgedeutet werden konnte.

    Sobald sich die Überzeugung durchgesetzt hat, “ein Krieg sei nicht zu gewinnen”, wird diese Überzeugung zur “Self-fullfilling prophecy”.

    Ab 1969 begann der Abzug der US-Truppen aus Südvietnam.

    1973 hatten sämtliche Kampfverbände das Land verlassen.

    1975 konnte das nordvietnamesische Regime ungestört Südvietnam erobern.

    Die Folgen des Abzugs waren verheerend, auch wenn sich unser Mitgefühl für das Leid de

  7. Marcus Aurelius (kein Partner)
    09. September 2014 15:19

    Lieb und nett gemeint, teilweise auch fundiert, soweit die Augen der Gegenwart reichen:
    Herr Fischer gewährt uns einen Blick in seine Version der jüngeren Geschichte, teilweise überzeugend und klar.
    Was die Zukunft angeht, ist es halt leider die übliche Kaffeesatzleserei aus eigenen, zwangsläufig individuell gewachsenen und geformten Parametern. Ebenfalls lieb und nett — aber behaftet mit dem daraus folgenden Tunnelblick.
    Die Zukunft singt ihr eigenes Lied, das sich an verklungenen Melodien, sosehr sie auch in unseren Ohren nachhallen mögen, nicht orientiert.

    Wie jede Generation vor uns werden wir Überraschungen erleben, die wir weder musikalisch noch politisch vorhersehen konnten.

  8. Nestor 1937
    08. September 2014 17:36

    Dieser Herr Fischer hat vor Jahren den "segensreichen" Krieg der USA gegen den Irak hochgelobt und in den Himmel gehoben. Er schreibt üblicherweise wie ein CIA Agent. Ob er wirklich Vorstandsmitglied des Akademikerbundes ist ?

    Jedenfalls paßt er nicht unter die Autoren dieses Blogs!

  9. terbuan
    08. September 2014 14:24

    Vielen Dank Herr Fischer für Ihre zeitgeschichtliche Nachhilfestunde.
    Hoffentlich gelingt es den segensreichen USA auch in der gegenwärtigen Krise, wieder einmal einen Atomkrieg zu verhindern. Wir Europäer wären unendlich dankbar!
    "I like to be in America"





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