Verbot der Tötung auf Verlangen in der Verfassung – Ein Plädoyer

Tobias Moretti sagte über die Euthanasie: „Wie soll man heute der Zukunftsgeneration, die selber um ihre Existenzberechtigung kämpft, weil sie nur kostet, erklären, dass es eine Gesellschaft reicher macht, Platz zu haben für das nicht Normale, für das Welke, für das Sterben; es gehört einfach dazu, das ist ja, als würde man eine Jahreszeit wegkürzen, als würde man den Herbst abschaffen." (Hartheim, 2007)

Als Erstunterzeichnerin der parlamentarischen Bürgerinitiative „An der Hand, nicht durch die Hand eines Menschen sterben“ plädiere ich dafür, den österreichischen Status Quo in den Verfassungsrang zu heben und damit vor vorschnellen Änderungen zu schützen. (Unterzeichnen Sie die Bürgerinitiative hier)

Denn manchmal werden recht schnell parlamentarische Mehrheiten für Dinge gefunden, die negative Auswirkungen haben. In der Frage der Tötung auf Verlangen sind die große Missbrauchsanfälligkeit und der immense Druck, den eine Liberalisierung auf sterbende Menschen erzeugt, durch Erfahrungen in der EU belegt. 2001 wurden in den Niederlanden 3.100 Menschen auf Verlangen getötet, davon waren 45 Prozent einwilligungsfähige Patienten.

In 13 Prozent der Tötungen auf Verlangen in den Niederlanden liegt zwischen Wunsch und Todeseintritt weniger als ein Tag, in 35 Prozent erfolgt der Tod zwischen dem zweiten Tag und einer Woche. Der häufigste Grund für den Todeswunsch ist Sinnlosigkeit (29 Prozent), der zweithäufigste Angst vor Entwürdigung (24 Prozent). Muss der Wille des Menschen also Vorrang haben? Der Wille des Menschen ist nie autonom. Er ist immer kontext-abhängig. „In der überwiegenden Mehrheit der Fälle heißt Ich will nicht mehr leben nur Ich will so nicht mehr leben. Mit guter Palliativbetreuung schwindet der Wunsch nicht mehr leben zu wollen." (Grafinger, Die Presse, 26.5.)

Was ist aber mit dramatischen Extremfällen? Gesetze macht man nicht für Ausnahmefälle. Für Verzweiflungstaten sieht das Strafrecht die Regelung des Notstands vor. Öffnet man die Tür nur einen kleinen Spaltbreit, bricht der Damm ein bis zur Euthanasie von Kindern, die kürzlich in Belgien erlaubt worden ist.

Soll jede Generation selbst entscheiden? Wer diese Entscheidung trifft, entscheidet nicht über sich selbst, sondern über die jeweils ältere Generation. Die nächste Generation würde also über uns bestimmen.

Weckt die Diskussion über ein Verfassungsverbot nur schlafende Hunde? Anscheinend nicht: Die Zustimmung zur aktiven Sterbehilfe im Sinne der Euthanasie oder Beihilfe zum Suizid ist in Österreich seit dem Jahr 2010 um 14,5 Prozent auf 47,5 Prozent stark zurück gegangen. Der Grazer Sozialmediziner und Studienautor Wolfgang Freidl erklärt dies durch die jüngst geführte politische und mediale Diskussion rund um die Verankerung eines Euthanasie-Verbotes in der Verfassung.

Würde ein verfassungsrechtliches Verbot die Patientenverfügung aushebeln oder eine Behandlungspflicht schaffen? Natürlich nicht: Jemanden an seinem Gebrechen sterben zu lassen ist mit einer aktiven Tötungshandlung nicht vergleichbar.

Andreas Khol sagte: „Wer gegen die Verankerung des Verbots der Tötung auf Verlangen in der Verfassung ist, ist gegen den derzeitigen Status Quo.“ In Österreich gibt es einen breiten Konsens, der rechtlich noch besser verankert werden muss: Ja zu bestmöglicher Palliativmedizin. Ja zu bestmöglicher Sterbebegleitung. Nein zur Tötung auf Verlangen.

Unterzeichnen Sie die Bürgerinitiative „An der Hand, nicht durch die Hand eines Menschen sterben“ hier: https://www.parlament.gv.at/SEC/Zustimmen.shtml?gpCode=XXV&ityp=BI&inr=48)

Weitere Informationen auf: www.keineEuthanasie.at

Dr. iur. Gudrun Kugler, promovierte im internationalen Strafrecht und absolvierte einen Master in Theologischen Studien zu Ehe und Familie. Die für christliche Werte engagierte Mutter von vier Kindern zwischen 0 und 8 Jahren wurde bei der Nationalratswahl 2013 in Vorzugsstimmen sowohl auf der ÖVP–Bundesliste als auch auf der Wiener Landesliste Drittplazierte. 

zur Übersicht

einen Kommentar schreiben

Teilen:
  • email
  • Add to favorites
  • Facebook
  • Google Bookmarks
  • Twitter
  • Print

die besten Kommentare

  1. Ausgezeichneter KommentatorWafthrudnir
    6x Ausgezeichneter Kommentar
    18. Juni 2014 13:21

    Fr. Dr. Kugler führt hervorragende Gründe an, warum Euthanasie keinesfalls wünschenswert ist. Ihre Gründe, warum Euthanasie gesetzlich verboten sein soll, überzeugen mich jedoch nicht, und ich werde die Petition auch nicht unterschreiben.
    Die Kernfrage scheint mir zu sein, ob der Mensch sich selbst gehört, oder seinen Mitmenschen. Gehört er sich selbst, so dürfen ihn Außenstehende - Staat, Gesellschaft oder wer auch immer - nur an solchen Handlungen gewaltsam hindern, welche in die Interessen Dritter eingreifen. Das ist aber bei Tötung auf Verlangen keineswegs der Fall. Gehört der Menschen jedoch ganz oder teilweise der Allgemeinheit, so muß er für seine Handlungen um Erlaubnis bitten, und die Allgemeinheit kann ihm diese nach Gutdünken verweigern. Aber warum sollte der Mensch Eigentum seiner Mitmenschen sein? Wenn ich nicht einmal das volle Eigentumsrecht über meine Person haben sollte, welche Berechtigung hätte ich dann, Eigentumsrechte über fremde Personen zu beanspruchen? Die Annahme, daß jeder teilweise der Gesellschaft gehört, ist somit in sich widersprüchlich und daher falsch.
    Die dritte Möglichkeit, daß nämlich der Mensch Gott gehört, kann man hier vernachlässigen. Da es nicht möglich ist, Einigkeit auch nur über die Existenz Gottes herzustellen, von seinem Willen ganz zu schweigen, kann Gott schlecht als Grundlage der Gesetzgebung in einer Demokratie sein. Also bleibt als Schlussfolgerung nur, daß jeder das natürlich Recht hat, alles zu tun, was ihm beliebt, solange er Dritte nicht beeinträchtigt.
    Offenbar ist Fr. Dr. Kugler trotz ihres Engagements "für christliche Werte" der Ansicht, daß Recht und Aufgabe der Allgemeinheit wäre, den Einzelnen gegebenenfalls zu einem Leben zu zwingen, das die Mehrheit der Mitmenschen für lebenswert hält. Es ist ihr gewiß keinerlei böse Absicht zu unterstellen, aber die dahinterstehende Logik weist nur geringe Unterschiede zu jener der linken Gesellschaftsingenieure auf. Einem freien ebenso wie einem christlichen Menschen scheint es mir eher angemessen zu sein, durch Vorbild, Appell und Argument auf seine Mitmenschen einzuwirken, nicht aber durch direkten oder legislativen Zwang - also sich auf genau jene Methoden zu beschränken, die auch unser Religionsstifter gewählt hat.

  2. Ausgezeichneter Kommentatormischu
    3x Ausgezeichneter Kommentar
    18. Juni 2014 19:53

    Eine sehr heikle Gratwanderung, auf die man sich bei diesem Thema begibt.

    Auf Grund der moderenen, medizinischen Errungenschaften ist es in vielen Fällen möglich, Leben weit über die oftmals natürlichen Grenzen hinaus zu verlängern.
    Ob das immer im Sinne des Betroffenen ist, muß jedoch unbedingt berücksichtigt werden. Man sollte diese Menschen in entsprechenden Einrichtungen auf ihrem schweren Weg fürsorglich begleiten, aber man darf niemanden ein würdiges, selbstbestimmtes Beenden vorenthalten, auch wenn es vorzeitig verlangt wird.

    Das Selbstbestimmungsrecht des Menschen muß auch beim Sterben ermöglich sein!

  3. Ausgezeichneter Kommentatorsimplicissimus
    3x Ausgezeichneter Kommentar
    18. Juni 2014 17:28

    Ich sehe wenig Grund einem durch Krankheit zum baldigen Tod verurteilten, furchtbar leidenden Menschen eine Tötung auf eigenes Verlangen zu verweigern. Man kann ihm auch, so er bewegungsfähig ist, die Tötung/Selbstmord selber durchführen lassen.
    Nach sorgfältiger Prüfung und unter Beiziehung von (auch unabhängigen) Zeugen.
    Abtreibung ist jedoch ungefragte Tötung, man kann es auch Mord nennen.

  4. Ausgezeichneter KommentatorHegelianer
    2x Ausgezeichneter Kommentar
    19. Juni 2014 11:10

    Problematisch bei einer Verankerung in der Verfassung scheint mir lediglich die dann nur raschere Strafbarkeit der Beihilfe. Wer seine Frau in die Schweiz begleitet, hat für seine "Beihilfe" dennoch einen Tatort Österreich gesetzt und unterliegt dem heimischen StGB. Hier sollte Augenmaß weiterhin sichergestellt sein. Man stelle sich einmal die Situation eines Menschen vor, dessen Partner/in unheilbar krank ist, vielleicht schon schwerst beeinträchtigt ist und nicht mehr leben will.

  5. Ausgezeichneter KommentatorOMalley
    2x Ausgezeichneter Kommentar
    18. Juni 2014 12:10

    Die Tötung lebensunwerten Lebens wird im Neusprech Fristenlösung genannt. Unterm Strich ist es aber belanglos ob die eigentliche Todeshandlung eine Funktion ist von Juda verrecke oder von mein Bauch gehört mir oder sonst irgendeiner Ansage. Davon abgesehen gibt es oft Personen in der Umgebung des Kranken, die am raschen Ableben interessiert sind und daher an aktiver Nachhilfe mindest nichts auszusetzen haben/hätten.

  6. Ausgezeichneter KommentatorHuber
    1x Ausgezeichneter Kommentar
    19. Juni 2014 09:08

    Die Zulässigkeit der Sterbehilfe in Europa wird kommen. In einer extrem alternden Gesellschaft mit all ihren Problemen ist ein Verbot der Sterbehilfe nicht mehr aufrecht zu erhalten. Das Argumente mit einer guten Palliativbetreuung fällt auch der Wunsch zu sterben weg, ist religiös nachvollziehbar, nur es wird schlicht und einfach nicht finanzierbar sein.

    Ich stell mir vor: Ein ältere Mensch, der gesundheitlich bereits schwer bedient ist und sterben will. Und da stellt man dem eine Person zur Seite, die ihm einredet, dass es eh nicht so schlimm ist, er solle doch noch weiter durchhalten ... Das zieht sich Jahre hin und dann sind wir alle zufrieden?

    Da gibt es wieder ein Gutmenschentum, das sich moralisch überlegen fühlt (so wie in der Integrationsindustrie), ... wo es Leute gibt, die eine Menge Geld an der Pflege von Leuten verdient und alles daran setzt will, ihre Klienten so lange wie möglich betreuen zu können, unabhängig davon, ob die Klienten das überhaupt wollen.

    Nein ich werde die Petition nicht unterschreiben, im Gegenteil ich würde eher eine Petition unterschreiben, die sich für Sterbehilfe unter bestimmten Voraussetzung einsetzt.

  7. Ausgezeichneter KommentatorGünther
    1x Ausgezeichneter Kommentar
    19. Juni 2014 14:19

    Warum haben Ungeborene kein verfassungrechtlich geschütztes Recht auf Leben.

die besten Kommentare

  1. Ausgezeichneter KommentatorHegelianer
    2x Ausgezeichneter Kommentar
    19. Juni 2014 11:10

    Problematisch bei einer Verankerung in der Verfassung scheint mir lediglich die dann nur raschere Strafbarkeit der Beihilfe. Wer seine Frau in die Schweiz begleitet, hat für seine "Beihilfe" dennoch einen Tatort Österreich gesetzt und unterliegt dem heimischen StGB. Hier sollte Augenmaß weiterhin sichergestellt sein. Man stelle sich einmal die Situation eines Menschen vor, dessen Partner/in unheilbar krank ist, vielleicht schon schwerst beeinträchtigt ist und nicht mehr leben will.


alle Kommentare

  1. Eurakylon
    20. Juni 2014 00:27

    Ich kann Frau Kuglers Engagement in diesem Thema nur begrüßen.
    Der derzeitige Status Quo in Österreich sollte abgesichert werden und zusätzlich verstärkt in Palliativmedizin und Sterbebegleitung investiert werden (Forschung, Einrichtungen, Wissensbildung) - durch Umlenkung vorhandener Mittel.

    "Der Anfang war eine feine Verschiebung in der Grundeinstellung der Ärzte. Es begann mit der Akzeptanz der Einstellung der Ärzte, dass es bestimmte Leben gibt, die nicht wert sind gelebt zu werden. Diese Einstellung umfasste in ihrer frühen Ausprägung die ernsthaft und chronisch Kranken. Allmählich wurde der Kreis derjenigen, die in diese Kategorie einbezogen wurden, ausgeweitet auf die sozial unproduktiven, die ideologisch Unerwünschten, die rassisch Unerwünschten... es ist wichtig zu erkennen, dass die unendlich kleine Eintrittspforte, von der aus diese ganze Geisteshaltung ihren Lauf nahm, die Einstellung gegenüber nicht rehabilitierbaren Kranken war."

    Zitat von Leo Alexander, Berichterstatter des Nürnberger Ärzteprozesses von 1949

    Die Diskussion ist nicht neu und die Richtungen, in die es gehen kann, sind erkennbar...

  2. Günther (kein Partner)
    19. Juni 2014 14:19

    Warum haben Ungeborene kein verfassungrechtlich geschütztes Recht auf Leben.

  3. Hegelianer (kein Partner)
    19. Juni 2014 11:10

    Problematisch bei einer Verankerung in der Verfassung scheint mir lediglich die dann nur raschere Strafbarkeit der Beihilfe. Wer seine Frau in die Schweiz begleitet, hat für seine "Beihilfe" dennoch einen Tatort Österreich gesetzt und unterliegt dem heimischen StGB. Hier sollte Augenmaß weiterhin sichergestellt sein. Man stelle sich einmal die Situation eines Menschen vor, dessen Partner/in unheilbar krank ist, vielleicht schon schwerst beeinträchtigt ist und nicht mehr leben will.

  4. Huber (kein Partner)
    19. Juni 2014 09:08

    Die Zulässigkeit der Sterbehilfe in Europa wird kommen. In einer extrem alternden Gesellschaft mit all ihren Problemen ist ein Verbot der Sterbehilfe nicht mehr aufrecht zu erhalten. Das Argumente mit einer guten Palliativbetreuung fällt auch der Wunsch zu sterben weg, ist religiös nachvollziehbar, nur es wird schlicht und einfach nicht finanzierbar sein.

    Ich stell mir vor: Ein ältere Mensch, der gesundheitlich bereits schwer bedient ist und sterben will. Und da stellt man dem eine Person zur Seite, die ihm einredet, dass es eh nicht so schlimm ist, er solle doch noch weiter durchhalten ... Das zieht sich Jahre hin und dann sind wir alle zufrieden?

    Da gibt es wieder ein Gutmenschentum, das sich moralisch überlegen fühlt (so wie in der Integrationsindustrie), ... wo es Leute gibt, die eine Menge Geld an der Pflege von Leuten verdient und alles daran setzt will, ihre Klienten so lange wie möglich betreuen zu können, unabhängig davon, ob die Klienten das überhaupt wollen.

    Nein ich werde die Petition nicht unterschreiben, im Gegenteil ich würde eher eine Petition unterschreiben, die sich für Sterbehilfe unter bestimmten Voraussetzung einsetzt.

  5. mischu
    18. Juni 2014 19:53

    Eine sehr heikle Gratwanderung, auf die man sich bei diesem Thema begibt.

    Auf Grund der moderenen, medizinischen Errungenschaften ist es in vielen Fällen möglich, Leben weit über die oftmals natürlichen Grenzen hinaus zu verlängern.
    Ob das immer im Sinne des Betroffenen ist, muß jedoch unbedingt berücksichtigt werden. Man sollte diese Menschen in entsprechenden Einrichtungen auf ihrem schweren Weg fürsorglich begleiten, aber man darf niemanden ein würdiges, selbstbestimmtes Beenden vorenthalten, auch wenn es vorzeitig verlangt wird.

    Das Selbstbestimmungsrecht des Menschen muß auch beim Sterben ermöglich sein!

  6. simplicissimus
    18. Juni 2014 17:28

    Ich sehe wenig Grund einem durch Krankheit zum baldigen Tod verurteilten, furchtbar leidenden Menschen eine Tötung auf eigenes Verlangen zu verweigern. Man kann ihm auch, so er bewegungsfähig ist, die Tötung/Selbstmord selber durchführen lassen.
    Nach sorgfältiger Prüfung und unter Beiziehung von (auch unabhängigen) Zeugen.
    Abtreibung ist jedoch ungefragte Tötung, man kann es auch Mord nennen.

    • helma mücke (kein Partner)
      03. August 2014 10:22

      Ich habe kein Recht auf mein Leben- denn ich habe es geschenkt bekommen und kann es daher selbst nicht wegwerfen und auch nicht Dritte zu Mörder machen , indem ich um meine Tötung bitte. Auch das Leiden ist ein Geschenk. So wie man in seinem LEBEN auch viel Gutes erfahren durfte und als Selbstverständlichkeit annahm.

  7. Wafthrudnir
    18. Juni 2014 13:21

    Fr. Dr. Kugler führt hervorragende Gründe an, warum Euthanasie keinesfalls wünschenswert ist. Ihre Gründe, warum Euthanasie gesetzlich verboten sein soll, überzeugen mich jedoch nicht, und ich werde die Petition auch nicht unterschreiben.
    Die Kernfrage scheint mir zu sein, ob der Mensch sich selbst gehört, oder seinen Mitmenschen. Gehört er sich selbst, so dürfen ihn Außenstehende - Staat, Gesellschaft oder wer auch immer - nur an solchen Handlungen gewaltsam hindern, welche in die Interessen Dritter eingreifen. Das ist aber bei Tötung auf Verlangen keineswegs der Fall. Gehört der Menschen jedoch ganz oder teilweise der Allgemeinheit, so muß er für seine Handlungen um Erlaubnis bitten, und die Allgemeinheit kann ihm diese nach Gutdünken verweigern. Aber warum sollte der Mensch Eigentum seiner Mitmenschen sein? Wenn ich nicht einmal das volle Eigentumsrecht über meine Person haben sollte, welche Berechtigung hätte ich dann, Eigentumsrechte über fremde Personen zu beanspruchen? Die Annahme, daß jeder teilweise der Gesellschaft gehört, ist somit in sich widersprüchlich und daher falsch.
    Die dritte Möglichkeit, daß nämlich der Mensch Gott gehört, kann man hier vernachlässigen. Da es nicht möglich ist, Einigkeit auch nur über die Existenz Gottes herzustellen, von seinem Willen ganz zu schweigen, kann Gott schlecht als Grundlage der Gesetzgebung in einer Demokratie sein. Also bleibt als Schlussfolgerung nur, daß jeder das natürlich Recht hat, alles zu tun, was ihm beliebt, solange er Dritte nicht beeinträchtigt.
    Offenbar ist Fr. Dr. Kugler trotz ihres Engagements "für christliche Werte" der Ansicht, daß Recht und Aufgabe der Allgemeinheit wäre, den Einzelnen gegebenenfalls zu einem Leben zu zwingen, das die Mehrheit der Mitmenschen für lebenswert hält. Es ist ihr gewiß keinerlei böse Absicht zu unterstellen, aber die dahinterstehende Logik weist nur geringe Unterschiede zu jener der linken Gesellschaftsingenieure auf. Einem freien ebenso wie einem christlichen Menschen scheint es mir eher angemessen zu sein, durch Vorbild, Appell und Argument auf seine Mitmenschen einzuwirken, nicht aber durch direkten oder legislativen Zwang - also sich auf genau jene Methoden zu beschränken, die auch unser Religionsstifter gewählt hat.

    • simplicissimus
      18. Juni 2014 17:29

      Völlige Zustimmung.

    • Eurakylon
      20. Juni 2014 00:15

      Ich bin ganz Ihrer Meinung, dass Frau Kugler hervorragende Gründe anführt, warum Euthanasie keinesfalls wünschenswert ist.
      Ich habe mich seit dem Auflegen dieser Bürgerinitiative intensiv mit der Thematik auseinandergesetzt und auch schon viele Gespräche geführt. Ich persönlich unterstütze die Initiative.

      Warum? Weil es außer dem Punkt er verfassungsrechtlichen Verankerung eines Verbots der aktiven Sterbehilfe (sie ist ja jetzt auch schon verboten, insoferne wäre ihr Statement als Aufruf zur Liberalisierung zu verstehen - hatten Sie das so sagen wollen?) auch noch die ganz wesentlichen Punkte einer Priorisierung auf palliativmedizinische Versorgung und Begleitung am Lebensende legt.

      Ich verstehe Ihre Bedenken und Argumente gegen den juristischen Punkt - wobei für mich das Verlangen nach Tötung sehr wohl in die Interessen Dritter eingreift. denn irgendwer ist ja dann in der unvorstellbaren Situation, ein anderes Leben beenden zu müssen. So gesehen ist das Verbot aktiver Sterbehilfe für mich ein wahren von gesunden und natürlichen Schranken.
      Mit diesen sollte der Mensch nicht experimentieren, denn es zeigt sich, dass wir heute in ethischen Fragen mehr als ratlos agieren (Abtreibung, PID, künstliche Befruchtung, Leihmutterschaft, etc.)

      Die Beispiele Belgien und die Niederlande bewegen mich dazu, in Österreich keine Büchse der Pandora öffnen zu wollen. Was heute aus ehrbaren Gründen denkbar erscheint, kann bereits morgen ein Recht sein, dass auf Kosten der Menschlichkeit ausgeübt wird. Bestes Beispiel ist hier wohl die Fristenregelung in Österreich und auch anderswo.

      Wie lange wird es bei uns dauern, bis aus dem Recht auf Tötung eines Einzelnen unter gewissen Umständen, ein Recht auf die Tötung von Einzelnen aufgrund von Umständen wird, die diese Einzelnen nicht mehr beeinflussen können?

      Wehret den Anfängen!
      Im Übrigen ist eine Bürgerinitiative noch kein Gesetz - aber sie kann eine gute Verhandlungsgrundlage sein.

    • Prudentia (kein Partner)
      21. Juni 2014 23:50

      Ich kann Ihnen nicht folgen, wenn Sie schreiben:"Da es nicht möglich ist, Einigkeit auch nur über die Existenz Gottes herzustellen, von seinem Willen ganz zu schweigen, kann Gott schlecht als Grundlage der Gesetzgebung in einer Demokratie sein." Seit wann basiert die Demokratie auf der Einigkeit? Die Gesetzte werden mit einer Mehrheit, z.B. in Parlament, beschlossen. Und weiter, seit wann werden die Meinungen der gläubigen Menschen in einer Demokratie nicht berücksichtigt?

  8. OMalley
    18. Juni 2014 12:10

    Die Tötung lebensunwerten Lebens wird im Neusprech Fristenlösung genannt. Unterm Strich ist es aber belanglos ob die eigentliche Todeshandlung eine Funktion ist von Juda verrecke oder von mein Bauch gehört mir oder sonst irgendeiner Ansage. Davon abgesehen gibt es oft Personen in der Umgebung des Kranken, die am raschen Ableben interessiert sind und daher an aktiver Nachhilfe mindest nichts auszusetzen haben/hätten.

    • simplicissimus
      18. Juni 2014 17:33

      Die Hinterhältigkeit gewisser Zeitgenossen stellt sicher ein Problem dar, ist jedoch nicht ausreichend Grund, einem bei vollem Bewusstsein und Entscheidungsfähigkeit befindlichen Menschen die Erlösung von seinen Leiden zu verweigern.
      Dies ist etwas grundsätzlich anderes als Abtreibung, den das Ungeborene kann nicht befragt werden.

    • zauberlehrling
      18. Juni 2014 22:19

      @simplicissimus

      **********!





Bitte OHNE Internet-Links (Kommentare mit Links werden nicht veröffentlicht)
verbleibende Zeichen: 700

Sicherheitsabfrage:
Bild neu laden

Ich will die Datenschutzerklärung lesen.


© 2021 by Andreas Unterberger (seit 2009)  Impressum  Datenschutzerklärung