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Der Hype um den angeblichen russischen Vordenker Alexander Dugin

In letzter Zeit grassieren in konservativen Kreisen Mails, Rundschreiben, Postings und Positionspapiere, die sich in zustimmender Weise – teils sogar in frenetischem Jubel – mit dem selbst ernannten Vordenker eines neuen, imperialen Groß-Russland, Alexander Dugin, beschäftigen. Dugin gilt, wahrscheinlich zu Unrecht, als ideologisches Mastermind hinter Putin.

Er entstammt der so genannten „Nationalbolschewistischen Bewegung“ und lehrt absonderlicherweise Politologie an der ansonsten renommierten Moskauer Lomonossow-Universität. Er vertritt die Auffassung, dass der dekadent gewordene, von seinen ursprünglichen Idealen abgefallene Westen nur vor sich selbst geschützt werden kann, wenn er von Russland okkupiert und Europa zu einem Protektorat eines neuen Zarenreiches gemacht wird.

Auf diese Weise könne Russland „auf friedliche Weise“ die technologische Überlegenheit Europas zugeführt werden, das im Gegenzug in den Genuss einer dauerhaften Absicherung seines Energiebedarfes gelangen würde. Ideologisch hängt Dugin einem geradezu okkultistischen Spiritualismus an, den er als Gegenposition zu den Abgleitflächen des „Liberalismus“ in Stellung bringt.

Der Zuspruch zu einem dermaßen obskuren Konzept und die Begeisterung, die ihm aktuell auch hierzulande entgegengebracht wird, ist wohl auch auf die verbreitete Frustration über die einseitige Berichterstattung über Russland und die internationale Krise um die Katastrophe in der Ukraine zurückzuführen. Viele Menschen fragen sich seit Monaten, ob die Interessen eines US-geführten euroatlantischen Bündnisses tatsächlich mit unseren eigenen – europäischen und österreichischen – Interessen um so viel mehr übereinstimmen als die einer geordneten Form der Koexistenz und Kooperation mit Russland, dem wohl als riesigem Vielvölkerstaat eine gewisse geostrategische Hegemonialposition zugebilligt werden muss.

Und viele sind zu der Überzeugung gelangt, dass die geschundene und in ein Knäuel von Krisen verstrickte Ukraine, mit der uns kulturell und historisch so viel verbindet, von der Einmischung des Westens und den sich daraus ergebenden Folgen keineswegs profitiert hat. Tatsächlich ist es durchaus legitim zu fragen, ob die Ukraine derzeit mehr unter den Ausplünderungsversuchen des Westens und dem Versuch einer Instrumentalisierung als NATO-Vorposten einerseits oder unter der machtpolitsch perfekt ins Werk gesetzten Reaktion Putins andererseits leidet, der die Gunst der Stunde naturgemäß für seine strategischen Ziele nutzt.

Dessen ungeachtet besteht kein Anlass, sich in zustimmender Form mit den Großmachtphantasien eines Alexander Dugin zu beschäftigen oder diese gar als Inspiration für den Umgang mit der geistigen, kulturellen, politischen und ökonomischen Großkrise zu begreifen, die die europäischen Gesellschaften, darunter zweifelsfrei auch die österreichische, fest in ihren Krallen hält.

Dugin ist geistig-intellektuell nicht ernst zu nehmen, versteht von den Zusammenhängen und Funktionsmomenten der modernen Welt nichts und hat keine einzige originelle oder originäre Idee zu bieten. Die – berechtigte – Verzweiflung über den Zustand der westlichen Welt in eine russische Großmachtphantasie zu kanalisieren ist keine Leistung, die Beachtung verdienen würde. Der Mann hat keine Ahnung, warum unser Kontinent in diesem Zustand ist und kann daher nicht annähernd ermessen, welche Form von Medizin hier angebracht wäre.

Hingegen ist er politisch wahrscheinlich sehr wohl ernst zu nehmen, und zwar unabhängig davon, ob sein Einfluss auf Putin real besteht, übertrieben wird oder gar nicht existiert. Er greift ein bestimmtes Sentiment auf – und zwar eines, das in unterschiedlicher Form sowohl in Russland als auch in Europa existiert – und wendet es in völlig simplifizierter Form als strategische Waffe gegen die bestehende Geo-Ordnung der Welt an. Das macht ihn gefährlich, tendenziell genauso gefährlich wie die unkritische transatlantische Allianz, die er zu Recht kritisiert.

Leute wie Dugin geben all jenen Nahrung, die Russland dämonisieren und verächtlich machen und in der Frage der Großprobleme wie Ukraine, Gasstreit, NATO, US-Einfluss auf Europa usw. mit einem anti-russischen Reflex reagieren. Er und seine Sympathisanten tragen dazu bei, die Chance auf eine vernünftige Variante der Analyse der Probleme der heutigen Welt potentiell zu durchkreuzen und allen Ansätzen zu einer wahrhaft konservativen Revolution zu schaden.

Konservative und Konservativ-Liberale wären gut beraten, sich nicht in die Nähe eines Spinners zu begeben, der allen Ernstes ein Bündnis mit den Asiaten (inklusive Nordkorea) anstrebt, um die aus seiner Sicht erforderliche Kraft für eine Eroberung und Eingliederung Europas in das neo-zaristische Russland aufbauen zu können. In diesem Sinne ist auch die konspirative Zusammenkunft zu beurteilen, die neulich in einem Wiener Stadtpalais stattgefunden hat, wo Dugin als Hauptreferent und geistiger Führer aufgetreten ist – unter Teilnahme österreichischer Politiker.

Beunruhigend ist das Maß, in dem Dugin derzeit auch in Österreich Zuspruch erhält. Es ist fast gespenstisch, wie schnell die Anhängerschaft gegenüber einem neuen Guru zu grassieren beginnt. Soziologisch und kommunikationstheoretisch ist das Phänomen freilich interessant: Offenbar aus Verzweiflung über das geistige und operative Vakuum im Bereich der ersehnten Alternativen zum bestehenden System sind viele Menschen schnellstens bereit, sich einem gefährlichen Rattenfänger an den Hals zu werfen, ohne dabei die Folgen zu bedenken.

Dabei müsste ein Blick auf die Selbst-Inszenierungen dieses Mannes eigentlich reichen, um von seinem Einfluss dauerhaft geheilt zu werden. Dugin liebt es beispielsweise, sich in bombastisch ausgestatteten Auditoriums-Sälen mit esoterisch anmutender Ausstattung interviewen zu lassen oder als legitimer Nachfahre großer Gestalten aus der Philosophiegeschichte vorgestellt zu werden. Derartiges lässt tief blicken in die Seele eines Mannes, der sich für den Retter der Welt zu halten scheint.

Dugin ist wissenschaftlich ein Scharlatan und politisch eine tickende Zeitbombe. Besteht hier irgendein substantieller Unterschied zu Erdogan?

Der Autor ist wissenschaftlicher Direktor des Instituts für Angewandte Politische Ökonomie.

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die besten Kommentare

  1. Ausgezeichneter Kommentatoroberösi
    10x Ausgezeichneter Kommentar
    25. Juni 2014 00:22

    Wenn man vergleicht, mit welcher Inbrunst die Europäer seit Jahrzehnten der Ersatzreligion Klimawandel anhängen, mit welcher Ernsthaftigkeit eine ganze durch und durch korrumpierte Generation von "Wissenschaftlern" sich mit dem Ozonloch beschäftigte, und dazu den riesigen industriell-politischen Komplex von Profiteuren (von hochsubventionierter "Ökoenergie", "Energiesparlampen bis zu Grünparteien und NGO´s) in Betracht zieht, dann kann das, was ein Dugan verbreitet, gar nicht so obskur sein, um diesen Wahnsinn zu toppen.

    Und da rede ich noch gar nicht vom Umbau der Gesellschaft in Richtung antiheteronormativer Beliebigkeit, Zerstörung der Wehrfähigkeit durch Schwulenhochzeiten, Kindergärten für SoldatInnen und der Tatsache, daß unsere Armeen zusammen gar nicht mehr zu größeren Einsätzen fähig wären, weil nicht für jeden Landser ein Therapeut verfügbar wäre, der ihm im Falle des obligatorischen posttraumatischen Belastungssyndrom zur Seite stehen und ihn für den ebenso obligatorischen larmoyanten Auftritt in einer der zahlreichen Talkshows briefen würde.
    Demagogen wie Erdogan oder Dugan tun das, was Scharlatane und Demagogen tun können, weil aus dem durch demografische Versäumnisse und selbstverschuldeter Dekadenz wehrlos gewordenen Europa kein Widerstand mehr zu erwarten ist: kein Wille zur Selbstbehauptung, zur Behauptung des Eigenen, des Identitären.

    Es ist nur ein gnädiger Aufschub, der uns einstweilen noch durch das strategische Interesse des Hegemons USA an uns gewährt wird. Doch dieses Interesse schwindet in dem Maße, in dem sich dieser Hegemon, selbst in der Spätphase seiner Existenz begriffen, sukzessive auf Südostasien und den pazifischen Raum fokussieren wird, um dem aufsteigenden Hegemon China die Stirn zu bieten, solange er noch Kraft dazu hat.

    Ex oriente lux: Es ist durchaus nachvollziehbar, daß Putin mehr und mehr zur Integrationsfigur für konservative und christlich geprägte Europäer wird, die sich in unseren pc-Demokraturen immer weniger zuhause fühlen und nach einem spirituellen und starken politischen Führer sehnen. Unsere Parteienoligarchien, die sich noch solange an der Macht halten, solange sie dem Mittelstand noch Bares zwecks Wählerbestechung abpressen können, scheinen jedenfalls für viele immer weniger eine erstrebenswerte Alternative zu sein.

    Das Schöne an Geschichte ist, daß sie doch schlicht zyklisch zu verlaufen scheint, und nicht teleologisch. Wäre ja sonst auch fad. Und das alles fußfrei, simultan, bequem mitzuverfolgen, den Laptop auf der Couch, während die Pizza ins Haus geliefert wird - das zumindest haben wir früheren Generationen voraus.

    Zum Schluß ein weiteres Mal Carl Schmitt, 1932, Der Begriff des Politischen:

    „Es wäre tölpelhaft zu glauben, ein wehrloses Volk habe nur noch Freunde, und eine krapulose Berechnung, der Feind könnte vielleicht durch Widerstandslosigkeit gerührt werden. Daß die Menschen durch einen Verzicht auf jede ästhetische oder wirtschaftliche Produktivität die Welt z.B. in einen Zustand reiner Moralität überführen könnten, wird niemand für möglich halten; aber noch viel weniger könnte ein Volk durch den Verzicht auf jede politische Entscheidung einen rein moralischen oder rein ökonomischen Zustand der Menschheit herbeiführen. Dadurch, daß ein Volk nicht mehr die Kraft oder den Willen hat, sich in der Sphäre des Politischen zu halten, verschwindet das Politische nicht aus der Welt. Es verschwindet nur ein schwaches Volk.“

  2. Ausgezeichneter Kommentatormischu
    6x Ausgezeichneter Kommentar
    25. Juni 2014 02:20

    Who the hell is Dugin?

    Er ist nur eine Randfigur der Geschichte, denn seine Nähe zu Putin ist nirgendwo bestätigt und er kann mit seinen etwas bizarren Ideen die Entwicklung des Westens, der an seiner Dekadenz sowie an seinem Hedonismus scheitern wird, weder beschleunigen, noch aufhalten.

    Wozu ihm dann mehr Bedeutung zumessen, als er verdient?

  3. Ausgezeichneter KommentatorJ.Scheiber
    3x Ausgezeichneter Kommentar
    26. Juni 2014 11:45

    "Der Mann hat keine Ahnung, warum unser Kontinent in diesem Zustand ist und kann daher nicht annähernd ermessen, welche Form von Medizin hier angebracht wäre."

    Gut, der Mann hat keine angemessene Medizin für die Krise der Moderne, aber haben wir eine?
    Dugin ist nur ein Symptom dafür, dass der Fundus menschenfressender Mythen im blutigen 20. Jahrhundert nicht erschöpft wurde. Wir erfahrungsresistenten Idioten des 21. Jahrhunderts glauben noch immer an Mythen, nicht nur an den Klimawandel, die Evolution, Mutter Gaia, sondern zum Beispiel an den scheinbar so rationalen liberalen Mythos vom Allheilmittel Markt, dessen Dämmerung andere gebiert, u.a. den Dugins.

    Die unaufgehobene Dialektik der Moderne, die notwendig Ungeheuer gebiert, besteht darin, dass die Auflösung des vorstellungsgebundenen christlichen Glaubens durch die neuzeitliche Wissenschaft zu einer Rationalisierung der Welt auf der einen Seite und als einer Konsequenz dieser Rationalisierung zu einer Remythisierung auf der anderen Seite geführt hat. Die Moderne, sich ihrer Substanz des Christentums selbst beraubend, sinkt so notwendig immer wieder in archaische Verhältnisse zurück.

    Die verzweifelte Versöhnung der Nazis von Archaik und Moderne ist nicht etwas , was dem stumpfen und blöden Gehirn von Hitler entsprungen ist, sondern ist eine Tendenz, die die Aufklärung in der Auflösung des Inhalts und der substantiellen Gegenwart eines Absoluten in dieser Welt selber und ohne Gegenwehr der Theologie geschaffen hat.

    C.S.Lewis zeigt auf, dass die Remythisierung der Welt schon durch Richard Wagner, nach der Eliminierung des Christentums aus der Lebenswirklichkeit und dessen Rückzug auf die Moral und damit Selbststerilisierung, fast notwendig einsetzt. Neben den nationalsozialistischen waren im 20.Jahrhundert auch die sozialistischen und liberalen Mythopoeten aktiv. Ein Spezialfall, F.A. Hayek, der sich vom Sozialismus zum Kapitalismus hinübergeglaubt hat.

  4. Ausgezeichneter Kommentatorterbuan
    2x Ausgezeichneter Kommentar
    25. Juni 2014 09:48

    Das klingt irgendwie nach Alfred (Woldemarowitsch) Rosenberg:
    "Der Mythus des 20. Jahrhunderts" mit umgekehrten Vorzeichen, von der Germanisierung zur Slawisierung!

  5. Ausgezeichneter KommentatorScipio
    1x Ausgezeichneter Kommentar
    26. Juni 2014 11:29

    Zeitz bezeichnet Dugin als "angeblichen" russischen Vordenker. Das steht im Widerspruch zu den Erkenntnissen der FAZ und von "Foreign Affairs".

    Am 15. Juni 2014 widmete die FAZ im Feuilleton Dugin eine ganze Seite unter dem Titel und samt erklärender Beifügung: "AUF DIESEN MANN HÖRT PUTIN. Alexander Dugin ist ein Abenteurer der Geistes. Im isolierten Russland wächst er zur Kultfigur heran. Er smmelt die europäischen Rechten und gilt als Putins Einflüsterer. Eine Begegnung"

    In der März-Nummer (2014) von „Foreign Affairs“ beschreiben zwei Autoren, Anton Barbashin und Hannah Thoburn, Alexander Dugin als Ideenlieferanten Putins. Dugin habe Putins Position in der eurasischen Frage, in der Bewertung des orthodoxen Christentums für Russlands Wiedergeburt als Nation sowie die Hochschätzung der traditionellen Familienbande "popularisiert". Beide Autoren sehen in Dugin einen Vertreter der „Konservativen Revolution“, der, ähnlich seinen deutschen Vorgängern aus der Zwischenkriegszeit, sich gegen die liberal-demokratische Grundordnung sowie die Ökonomisierung der ganzen Kultur und Zivilisation wendet und eine organische Staats- und Wirtschaftsauffassung vertritt, in welcher der Einzelne seine Bedürfnisse und Wünsche dem Ganzen der Gemeinschaft unterordnet. In den USA sähe Dugin ein künstliches, anti-organisches Gebilde ohne sakrales Fundament, welches ihr „babylonisches Modell“ anderen Staaten und Kulturen aufzwingen möchte. Deshalb müsse Russland „Europa retten". Für Dugin, wie wohl auch für Putin, sei der „Eurianismus“ jene Ideologie, die, in direkter Opposition zur geopolitischen Hegemonie der USA und den Werten des Westens, der konservativ-bewahrenden Rolle Russlands am ehesten gerecht werde. Die Zugehörigkeit zum „westlichen Club“ sei jedenfalls nach der Auffassung von Putin und Dugin für Russland kein wünschenswertes Ziel mehr. Russland sei für den Westen "verloren". Der russische Konservativismus knüpfe – im Gegensatz zum westlichen „Liberalkonservativismus“ - an alte, autoritative, zaristische und autokratische Traditionen an, die von der russisch-orthodoxen Kirche gestützt wurden und werden.

    Die TAZ vom 14. 04. 14 behauptet, Dugin und seine Adepten beherrschten den politischen Diskurs in Russland, es gäbe dort „schlichtweg keinen anderen mehr“.

    Wikipedia zitiert eine Passage aus Dugins Buch "Grundlagen der Geoplitik (1997): „Das neue eurasische Reich kennt seinen Feind. Es weist Atlantizismus, die strategische Kontrolle der Welt durch die USA und die liberalen Werte zurück, mit denen Amerika uns beherrschen will".

    In seinem im Palais Liechtenstein vor Hochadel, Finanzgrößen und Rechtspolitikern (Juni 2014) gehaltenen Hauptreferat sprach er über die historische und geopolitische Aufgabe, „den Geist der Heiligen Allianz wieder aufleben zu lassen“ und Europa vom „Gift des Liberalismus“ zu befreien.

    Dass Christian Zeitz als Paläoliberaler im Gefolge des Agnostikers Friedrich A. von Hayek mit Dugin nichts anfangen kann und ihn gar als "Spinner", "Scharlatan" oder "Rattenfänger" bezeichnet, ist verständlich, wird aber der kulturpolitischen Bedeutung Dugins als "Einflüsterer", "Kultfigur", "Anti-Atlantiker", "Anti-Westler", orthodoxer "Traditionalist" und auch dem Professor für Soziologie und Vorstand des "Zentrums für Konservative Studien" an der renommiertesten russischen Universität nicht gerecht. Bei allen Mentalreserven gegenüber Dugin kann ich mir schwer vorstellen, dass seine, ihn wertschätzenden Hörer an der Universität oder bei Vorträgen im Ausland lauter "Ratten" sind.

  6. Ausgezeichneter Kommentatordssm
    1x Ausgezeichneter Kommentar
    25. Juni 2014 22:29

    Und schon wieder Russland! Ich kann es nicht mehr hören!
    Wenn schon, dann sollte man Dinge aufwerfen die schwer verständlich sind. Russland hat in Tarsus mehrfach die Israelis auflaufen lassen. Woher haben die Russen die Elektronik? (Die Nato-Türken sind einfach nur untergegangen, haben sogar Flieger verloren).
    Die US-Marine hatte einige unlustige Ereignisse im Schwarzen Meer. Wie war das möglich? Woher kommt Hard- und Software?
    Wenn man den Briten glauben darf, dann ist ein 'stealth' Schiff der Russen vor Dänemark aufgetaucht, schon wieder hi-tech.
    Die Russen verkünden ganz offen, daß staatliche Stellen nun mit Prozessoren aus russischer Produktion ausgestattet werden sollen. Zahlreiche Details zum ARM-Core wurden bekannt. Wenn man weiß wie sehr AMD seit vielen Jahren versucht in dem Bereich mitzuhalten, bleibt erneut die Frage: Woher haben die Russen die Technik?

    Also entweder sind diese Ereignisse medienwirksame Täuschungen westlicher Geheimdienste (oder wer auch immer) oder es gibt da ein Auseinanderklaffen vom allgemein vermittelten Eindruck und der realen Verfassung der russischen Hi-Tech-Industrie.

    Womit die Träume des Herrn Dugin u.U. gar nicht so realitätsfern wären, eine etwas unlustige Vorstellung!
    Könnte sich daher unsere 'Experten' nicht einmal diesen sehr realen Fragen annehmen? Es wird doch irgend jemand geben, der von moderner Elektronik und den damit verbundenen Produkten eine Ahnung hat!

die besten Kommentare

  1. Ausgezeichneter KommentatorJ.Scheiber
    3x Ausgezeichneter Kommentar
    26. Juni 2014 11:45

    "Der Mann hat keine Ahnung, warum unser Kontinent in diesem Zustand ist und kann daher nicht annähernd ermessen, welche Form von Medizin hier angebracht wäre."

    Gut, der Mann hat keine angemessene Medizin für die Krise der Moderne, aber haben wir eine?
    Dugin ist nur ein Symptom dafür, dass der Fundus menschenfressender Mythen im blutigen 20. Jahrhundert nicht erschöpft wurde. Wir erfahrungsresistenten Idioten des 21. Jahrhunderts glauben noch immer an Mythen, nicht nur an den Klimawandel, die Evolution, Mutter Gaia, sondern zum Beispiel an den scheinbar so rationalen liberalen Mythos vom Allheilmittel Markt, dessen Dämmerung andere gebiert, u.a. den Dugins.

    Die unaufgehobene Dialektik der Moderne, die notwendig Ungeheuer gebiert, besteht darin, dass die Auflösung des vorstellungsgebundenen christlichen Glaubens durch die neuzeitliche Wissenschaft zu einer Rationalisierung der Welt auf der einen Seite und als einer Konsequenz dieser Rationalisierung zu einer Remythisierung auf der anderen Seite geführt hat. Die Moderne, sich ihrer Substanz des Christentums selbst beraubend, sinkt so notwendig immer wieder in archaische Verhältnisse zurück.

    Die verzweifelte Versöhnung der Nazis von Archaik und Moderne ist nicht etwas , was dem stumpfen und blöden Gehirn von Hitler entsprungen ist, sondern ist eine Tendenz, die die Aufklärung in der Auflösung des Inhalts und der substantiellen Gegenwart eines Absoluten in dieser Welt selber und ohne Gegenwehr der Theologie geschaffen hat.

    C.S.Lewis zeigt auf, dass die Remythisierung der Welt schon durch Richard Wagner, nach der Eliminierung des Christentums aus der Lebenswirklichkeit und dessen Rückzug auf die Moral und damit Selbststerilisierung, fast notwendig einsetzt. Neben den nationalsozialistischen waren im 20.Jahrhundert auch die sozialistischen und liberalen Mythopoeten aktiv. Ein Spezialfall, F.A. Hayek, der sich vom Sozialismus zum Kapitalismus hinübergeglaubt hat.


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  1. Rosenfeld (kein Partner)
    03. Juli 2014 15:53

    @ Zeitz: "Vordenker eines neuen, imperialen Groß-Russland"

    Immerhin hat Russland eine Zukunft.

    Europa ist ein sterbender Kontintent, auf dem die Kinder hautsächlich als medizinischer Abfall (nach der Abtreibung) durch die Schlote der Müllverbrennungsanlangen verpuffen. Dass Europa vor die Hunde geht ist gerecht und schön.

  2. Waltraut Kupf
    01. Juli 2014 11:09

    Dugin muß in der m.E. völlig pervertierten und verrotteten westlichen Welt Beachtung finden, weil jenen Leuten, die sich davon angeekelt fühlen, jeder recht ist, der hier auf Konfrontation geht. Ihn einfach zu verteufeln, weil er kein Rezept gegen alle Mißstände habe (wobei überdies Definitionssache ist, was überhaupt ein Mißstand sei), ist etwas zu simpel, denn: wer hat schon eines? Er hat aber eine Grundeinstellung, mit der, wenn sie allgemeiner wäre, alles gewonnen werden könnte. Wer noch nicht verstanden hat, daß die sogenannten westlichen Werte in ihrem angewandten Teil aus Lüge und Heuchelei bestehen und, wie in den schwarzen Messen, alles unter Verwendung „guter“ Versatzstücke ins Böse verkehrt wird, soll ruhig patzige Floskeln versprühen und im finsteren Wald laut singend seine vermeintliche Überlegenheit hinausplärren, es wird ohne Effekt bleiben.

  3. ProConsul
    26. Juni 2014 22:32

    Ich habe mir jetzt ein langes Interview mit ihm durchgelesen, das gar nicht mal so schlecht ist. Er lehnt zumindest Demokratie, Kapitalismus und die Ideologie der Menschenrechte ab. Aber wie hier bereits festgestellt wurde, weiß dieser Mann auch kein Remedium.

    “The society that Russia needs should not be a representative democracy, should not me a market society, based on the monetary equivalence of all values, and should not be the idiotic, anti-natural, perverse ideology of human rights. Market, democracy, and human rights, get out of here”.

    http://www.4pt.su/en/content/vladimir-posner-interviews-alexander-dugin

    zum Thema Menschenfechte empfehle ich folgenden Artikel von Alain de Benoist:

    "Die Religion der Menschenrechte"

    http://www.thule-italia.net/Metapolitica/alain%20de%20benoist/alain%20de%20benoist%20-%20religion%20der%20menschenrechte.pdf

    nur ein Zitat daraus:

    "Die Freiheit, so wie die Ideologie der Menschenrechte sie auffaßt, liefert dem Liberalkapitalismus tatsächlich ein wunderbares Alibi, da sie nun mit einem ,Recht auf das öffentliche Wohl’ in Verbindung gebracht wird, das die Bewegungsfreiheit der Menschen, aber auch der Produkte, die Durchlässigkeit der Grenzen, die Zerbröcklung der kollektiven Identitäten, schließlich die Atomisierung sowie die Verwandlung der Völker in Massen beinhaltet. Diesen Massen, die bloße Additionen von Einzel-,Personen’ darstellen, steht es ,frei’, das ,Glück’ auf dem Weg der materiellen Bereicherung und des Konsums zu finden. In der auf Konsum und Geschäft basierenden ,Freizeitkultur’ ist der Trieb zum ,liberalkapitalistischen Konsum’ nämlich die einzige Form für das - von der Staatsgewalt ,befreite’ - Individuum, sein Recht auf Freiheit’ und auf ,Glück’ geltend zu machen; das einzige, ihm zur Verfügung stehende Mittel, um seine Existenz zu verwirklichen, um seine Persönlichkeit unter Umständen zurückzufinden, die ihm keine organische Gruppe, kein mobilisierendes politisches Projekt, keine Volksangehörigkeit mehr geben können noch dürfen. Die unter ihrem doppelten Aspekt von transnationaler Zivilisation und wirtschaftlichem Makrosystem aufgefaßte liberalkapitalistische Gesellschaft findet demnach ihre Berechtigung in dem Ideal des auffallenden Konsums ( con-spicuous consumption), das ,befreite’ und ,verglückte’ Individuen erzeugt."

    • Collector
      27. Juni 2014 07:40

      @ProConsul

      Besten Dank für Quellen und Zitate.

      Am 24. ds. fand in der Dipl. Akademie ein Vortrag über Russland und Europa statt. Vortragende ein Prof. Braun aus Canada/USA und Botschafter Vukovich (AT, ehem. Moskau), Moderator der ehem. Minister Fasslabend.

      Man hatte den Eindruck, Braun und Fasslabend wollen, so wie einige Poster hier, einfach nicht erkennen: Die Atlantikbrücke ist zerbrochen, die USA haben ihren good will verspielt, sie erwiesen sich als "Katastrophe für die Welt" (Tony Judt), als Großmacht befinden sie sich in Auflösung und sind jetzt nur noch eines "Nachrufs" würdig (Emanuel Todd: Après l´émpire. Essai sur la décomposition du système americain, Paris 2002, dtsch. Weltmacht USA – ein Nachruf, 10. Aufl. 2003). Für Noam Chomsky sind die USA ein „rogue state“ (Schurkenstaat) par excellence. Wo immer die USA nach 9/11 interveniert haben, entstand Chaos. Die "Werte", die Amerika mit militärischer Gewalt oder durch das Schüren innerer Konflikte im Wege von „covert actions“ zu verbreiten trachtet – Selbstbestimmung, Demokratie, Menschenrechte, Rechtsstaat, Freiheit, Gleichheit, offene Gesellschaft, Nichtsdiskriminierung, Marktwirtschaft – haben ihre Glaubwürdigkeit verloren und taugen nun nicht einmal mehr zur Durchsetzung der eigenen imperialistischer Interessen. Der durch die USA von langer Hand vorbereitete, organisierte und mit vielen Dolllarmilliarden finanzierte Putsch in der Ukraine hat in Europa zu schweren Verstörungen selbst unter amerikanischen Freunden geführt, in Russland aber Reaktionen hervorgerufen, die an die Zeiten des „Vaterländischen Krieges“ erinnern.

      Man kann Dugin und Putin nur verstehen, wenn man in die russische Geschichtsphilosophie sich vertieft. Hauptgegenstand der russischen Geschichtsphilosophie war von jeher das Verhältnis Russland zu Europa. Für die russischen Denker und Literaten war Russland ohne Europa genauso wie für die großen Denker des europ. Idealismus Europa ohne Russland NICHT LEBENSFÄHIG.

      Die von Dugin propagierte Wiederbelebung der "Heiligen Allianz" als zeitgemäße politische Aufgabe stößt in Russland wie in Europa auf zunehmende Akzeptanz.

    • Lot
      27. Juni 2014 09:52

      @ProConsul, Collector

      Eben das Interview gelesen. Dugin argumentiert eindrucksvoll. Wenn Zeitz Dugin als "Spoinner" bezeichnet, süpinnt er selbst!

    • Collector
      28. Juni 2014 15:37

      Nach einem ausführlichen Referat von Mag. Labacher über Edgar Julius
      Jung wurde gestern, Freitag, den 27.Juni, im Wr. Akademikerbund die
      geistige Nähe von Dugin zu dem von Hitler vor 80 Jahren ermordeten
      "konservativen Revolutionär" diskutiert. Jung bezeichnete als konservativ revolutionär "das Zerschlagen der zeitlichen Ordnungen um der ewigen willen". Labacher sah Gemeinsamkeiten mit Dugin.

  4. J.Scheiber (kein Partner)
    26. Juni 2014 11:45

    "Der Mann hat keine Ahnung, warum unser Kontinent in diesem Zustand ist und kann daher nicht annähernd ermessen, welche Form von Medizin hier angebracht wäre."

    Gut, der Mann hat keine angemessene Medizin für die Krise der Moderne, aber haben wir eine?
    Dugin ist nur ein Symptom dafür, dass der Fundus menschenfressender Mythen im blutigen 20. Jahrhundert nicht erschöpft wurde. Wir erfahrungsresistenten Idioten des 21. Jahrhunderts glauben noch immer an Mythen, nicht nur an den Klimawandel, die Evolution, Mutter Gaia, sondern zum Beispiel an den scheinbar so rationalen liberalen Mythos vom Allheilmittel Markt, dessen Dämmerung andere gebiert, u.a. den Dugins.

    Die unaufgehobene Dialektik der Moderne, die notwendig Ungeheuer gebiert, besteht darin, dass die Auflösung des vorstellungsgebundenen christlichen Glaubens durch die neuzeitliche Wissenschaft zu einer Rationalisierung der Welt auf der einen Seite und als einer Konsequenz dieser Rationalisierung zu einer Remythisierung auf der anderen Seite geführt hat. Die Moderne, sich ihrer Substanz des Christentums selbst beraubend, sinkt so notwendig immer wieder in archaische Verhältnisse zurück.

    Die verzweifelte Versöhnung der Nazis von Archaik und Moderne ist nicht etwas , was dem stumpfen und blöden Gehirn von Hitler entsprungen ist, sondern ist eine Tendenz, die die Aufklärung in der Auflösung des Inhalts und der substantiellen Gegenwart eines Absoluten in dieser Welt selber und ohne Gegenwehr der Theologie geschaffen hat.

    C.S.Lewis zeigt auf, dass die Remythisierung der Welt schon durch Richard Wagner, nach der Eliminierung des Christentums aus der Lebenswirklichkeit und dessen Rückzug auf die Moral und damit Selbststerilisierung, fast notwendig einsetzt. Neben den nationalsozialistischen waren im 20.Jahrhundert auch die sozialistischen und liberalen Mythopoeten aktiv. Ein Spezialfall, F.A. Hayek, der sich vom Sozialismus zum Kapitalismus hinübergeglaubt hat.

    • J.Scheiber (kein Partner)
      27. Juni 2014 08:24

      Ich wollte damit sagen, dass der Ball eigentlich bei den Christen liegt, es also nicht ausreicht, Unliebsames zu verurteilen. Die moderne Freiheit ist dazu verdammt neuen Mythen anheimzufallen und möglicherweise final darin unterzugehen, wenn es ihr nicht gelingt den christlichen Glauben , ihre unabdingbare substantielle Voraussetzung, wieder einzuholen.

      Der christliche Glaube, die Theologie muss dabei aber einen Schritt auf die Moderne zu tun, über die vorstellungsgebundene Form des Glaubens hinaus auch die begriffliche und denkende Rechtfertigung des Glaubens leisten, um so der modernen Subjektivität, die sich letztlich der christlichen Befreiung verdankt, Genüge zu tun, die darin besteht, dass nichts in der Gesinnung einzufordern ist, was nicht durch den Gedanken gerechtfertigt werden kann. Es geht also nicht um die übliche, seichte Anpassung an die Moderne, sondern darum, sie, durch Versöhnung mit ihrem substantiellen Grund, zu vollenden. In der Abstraktion von der eigenen Geschichte und nur auf sich selbst gestellt sind Moderne und Aufklärung, wie wir sehen, dabei, nicht die Freiheit zu realisieren, sondern die schlimmste Sklaverei, die die Welt je gesehen hat.

      Vorstellungsgebunden ist der Glaube wenn z.B. gesprochen wird vom Vater und vom Sohn, da ist Bild und Bedeutung getrennt, da hat die moderne Wissenschaft verständlicherweise tabula rasa gemacht. Vater, Sohn und Heiliger Geist sind aber auch im Denken zu begreifen. Wenn das geleistet wird, dann bricht das cartesianische Wirklichkeitsverständnis der modernen Welt augenblicklich zusammen. Dann befinden wir uns in jener geistigen, w i r k lichen Welt, an die sich auch die neueste Wissenschaft, Quantenphysik, Epigenetik, etc. momentan, ebenfalls weltbildstürzend, herantastet.

  5. Scipio
    26. Juni 2014 11:29

    Zeitz bezeichnet Dugin als "angeblichen" russischen Vordenker. Das steht im Widerspruch zu den Erkenntnissen der FAZ und von "Foreign Affairs".

    Am 15. Juni 2014 widmete die FAZ im Feuilleton Dugin eine ganze Seite unter dem Titel und samt erklärender Beifügung: "AUF DIESEN MANN HÖRT PUTIN. Alexander Dugin ist ein Abenteurer der Geistes. Im isolierten Russland wächst er zur Kultfigur heran. Er smmelt die europäischen Rechten und gilt als Putins Einflüsterer. Eine Begegnung"

    In der März-Nummer (2014) von „Foreign Affairs“ beschreiben zwei Autoren, Anton Barbashin und Hannah Thoburn, Alexander Dugin als Ideenlieferanten Putins. Dugin habe Putins Position in der eurasischen Frage, in der Bewertung des orthodoxen Christentums für Russlands Wiedergeburt als Nation sowie die Hochschätzung der traditionellen Familienbande "popularisiert". Beide Autoren sehen in Dugin einen Vertreter der „Konservativen Revolution“, der, ähnlich seinen deutschen Vorgängern aus der Zwischenkriegszeit, sich gegen die liberal-demokratische Grundordnung sowie die Ökonomisierung der ganzen Kultur und Zivilisation wendet und eine organische Staats- und Wirtschaftsauffassung vertritt, in welcher der Einzelne seine Bedürfnisse und Wünsche dem Ganzen der Gemeinschaft unterordnet. In den USA sähe Dugin ein künstliches, anti-organisches Gebilde ohne sakrales Fundament, welches ihr „babylonisches Modell“ anderen Staaten und Kulturen aufzwingen möchte. Deshalb müsse Russland „Europa retten". Für Dugin, wie wohl auch für Putin, sei der „Eurianismus“ jene Ideologie, die, in direkter Opposition zur geopolitischen Hegemonie der USA und den Werten des Westens, der konservativ-bewahrenden Rolle Russlands am ehesten gerecht werde. Die Zugehörigkeit zum „westlichen Club“ sei jedenfalls nach der Auffassung von Putin und Dugin für Russland kein wünschenswertes Ziel mehr. Russland sei für den Westen "verloren". Der russische Konservativismus knüpfe – im Gegensatz zum westlichen „Liberalkonservativismus“ - an alte, autoritative, zaristische und autokratische Traditionen an, die von der russisch-orthodoxen Kirche gestützt wurden und werden.

    Die TAZ vom 14. 04. 14 behauptet, Dugin und seine Adepten beherrschten den politischen Diskurs in Russland, es gäbe dort „schlichtweg keinen anderen mehr“.

    Wikipedia zitiert eine Passage aus Dugins Buch "Grundlagen der Geoplitik (1997): „Das neue eurasische Reich kennt seinen Feind. Es weist Atlantizismus, die strategische Kontrolle der Welt durch die USA und die liberalen Werte zurück, mit denen Amerika uns beherrschen will".

    In seinem im Palais Liechtenstein vor Hochadel, Finanzgrößen und Rechtspolitikern (Juni 2014) gehaltenen Hauptreferat sprach er über die historische und geopolitische Aufgabe, „den Geist der Heiligen Allianz wieder aufleben zu lassen“ und Europa vom „Gift des Liberalismus“ zu befreien.

    Dass Christian Zeitz als Paläoliberaler im Gefolge des Agnostikers Friedrich A. von Hayek mit Dugin nichts anfangen kann und ihn gar als "Spinner", "Scharlatan" oder "Rattenfänger" bezeichnet, ist verständlich, wird aber der kulturpolitischen Bedeutung Dugins als "Einflüsterer", "Kultfigur", "Anti-Atlantiker", "Anti-Westler", orthodoxer "Traditionalist" und auch dem Professor für Soziologie und Vorstand des "Zentrums für Konservative Studien" an der renommiertesten russischen Universität nicht gerecht. Bei allen Mentalreserven gegenüber Dugin kann ich mir schwer vorstellen, dass seine, ihn wertschätzenden Hörer an der Universität oder bei Vorträgen im Ausland lauter "Ratten" sind.

  6. Igor Potemkin (kein Partner)
    26. Juni 2014 08:57

    @ Christian Zeitz

    Ich hatte vor einiger Zeit das "Vergnügen", Alexander Dugins Schrift über „weißen Nationalismus“ und andere potentielle Verbündete in der globalen Revolution" zu
    lesen.

    Danach habe ich mich gefragt, ob es wirklich nur noch "Bekloppte" auf unserem Planeten gibt. Erschreckend wie meistens in unserer Zeit, das die verrücktesten
    Ideen den grössten Zulauf haben.

    Der gesunde Menschenverstand scheint immer weniger in "Mode" zu sein, und wir werden das eines Tages teuer bezahlen müssen, soviel ist sicher!

    Daher vielen Dank für Ihre zutreffende Beschreibung dieses gefährlichen Idioten.

  7. dssm
    25. Juni 2014 22:29

    Und schon wieder Russland! Ich kann es nicht mehr hören!
    Wenn schon, dann sollte man Dinge aufwerfen die schwer verständlich sind. Russland hat in Tarsus mehrfach die Israelis auflaufen lassen. Woher haben die Russen die Elektronik? (Die Nato-Türken sind einfach nur untergegangen, haben sogar Flieger verloren).
    Die US-Marine hatte einige unlustige Ereignisse im Schwarzen Meer. Wie war das möglich? Woher kommt Hard- und Software?
    Wenn man den Briten glauben darf, dann ist ein 'stealth' Schiff der Russen vor Dänemark aufgetaucht, schon wieder hi-tech.
    Die Russen verkünden ganz offen, daß staatliche Stellen nun mit Prozessoren aus russischer Produktion ausgestattet werden sollen. Zahlreiche Details zum ARM-Core wurden bekannt. Wenn man weiß wie sehr AMD seit vielen Jahren versucht in dem Bereich mitzuhalten, bleibt erneut die Frage: Woher haben die Russen die Technik?

    Also entweder sind diese Ereignisse medienwirksame Täuschungen westlicher Geheimdienste (oder wer auch immer) oder es gibt da ein Auseinanderklaffen vom allgemein vermittelten Eindruck und der realen Verfassung der russischen Hi-Tech-Industrie.

    Womit die Träume des Herrn Dugin u.U. gar nicht so realitätsfern wären, eine etwas unlustige Vorstellung!
    Könnte sich daher unsere 'Experten' nicht einmal diesen sehr realen Fragen annehmen? Es wird doch irgend jemand geben, der von moderner Elektronik und den damit verbundenen Produkten eine Ahnung hat!

  8. Wafthrudnir
    25. Juni 2014 11:33

    Wenn man Dugin liest, erkennt man nach wenigen Sätzen, wie sehr es sich hier um mystifizierendes Geschwafel handelt. Auch wenn Dugin den Begriff "Liberalismus" eher im Sinne von engl. "liberalism", also "Sozialdemokratie" verwenden dürfte, ist es eigentlich unmöglich zu übersehen, daß seine Geisteshaltung jeder des Liberalismus (zumindest im Sinne der österreichischen Schule) um 180° entgegengesetzt ist. All das, was die Stärke des Liberalismus ausmacht - sorgfältige Analyse und unbestechlich logische Schlussfolgerung auf der Grundlage klar beschriebener Axiome und Definitionen - wird von Dugin klar verachtet.
    Dennoch kann man nur schwer bestreiten, daß Dugins Schwächen von den Eurokraten weitgehend geteilt werden: auch sie verachten logische Konsequenz, auch sie sehen im Liberalismus einen Hauptfeind (würde er sie doch weitgehend überflüssig machen), auch sie hängen einem ganz und gar antiaufklärerischen Mystizismus an. Zudem kann man zu Dugins Gunsten anführen, daß er zumindest nicht von Haß auf die eigene Kultur und Identität zerfressen ist, und im Gegensatz zu den Eurokraten seine Kultur bewahren und erneuern, aber nicht mit allen Mitteln zerstören will.
    Ich kann es somit den Liberalkonservativen, die zwischen wohlfahrtsstaatlichem Totalitarismus und slawophilem Imperialismus eingekeilt sind wie zwischen Skylla und Charybdis, nur schwer verdenken, daß sie sich manchmal unbedacht dem Feind ihres Feindes zuwenden.

  9. terbuan
    25. Juni 2014 09:48

    Das klingt irgendwie nach Alfred (Woldemarowitsch) Rosenberg:
    "Der Mythus des 20. Jahrhunderts" mit umgekehrten Vorzeichen, von der Germanisierung zur Slawisierung!

  10. mischu
    25. Juni 2014 02:20

    Who the hell is Dugin?

    Er ist nur eine Randfigur der Geschichte, denn seine Nähe zu Putin ist nirgendwo bestätigt und er kann mit seinen etwas bizarren Ideen die Entwicklung des Westens, der an seiner Dekadenz sowie an seinem Hedonismus scheitern wird, weder beschleunigen, noch aufhalten.

    Wozu ihm dann mehr Bedeutung zumessen, als er verdient?

  11. oberösi
    25. Juni 2014 00:22

    Wenn man vergleicht, mit welcher Inbrunst die Europäer seit Jahrzehnten der Ersatzreligion Klimawandel anhängen, mit welcher Ernsthaftigkeit eine ganze durch und durch korrumpierte Generation von "Wissenschaftlern" sich mit dem Ozonloch beschäftigte, und dazu den riesigen industriell-politischen Komplex von Profiteuren (von hochsubventionierter "Ökoenergie", "Energiesparlampen bis zu Grünparteien und NGO´s) in Betracht zieht, dann kann das, was ein Dugan verbreitet, gar nicht so obskur sein, um diesen Wahnsinn zu toppen.

    Und da rede ich noch gar nicht vom Umbau der Gesellschaft in Richtung antiheteronormativer Beliebigkeit, Zerstörung der Wehrfähigkeit durch Schwulenhochzeiten, Kindergärten für SoldatInnen und der Tatsache, daß unsere Armeen zusammen gar nicht mehr zu größeren Einsätzen fähig wären, weil nicht für jeden Landser ein Therapeut verfügbar wäre, der ihm im Falle des obligatorischen posttraumatischen Belastungssyndrom zur Seite stehen und ihn für den ebenso obligatorischen larmoyanten Auftritt in einer der zahlreichen Talkshows briefen würde.
    Demagogen wie Erdogan oder Dugan tun das, was Scharlatane und Demagogen tun können, weil aus dem durch demografische Versäumnisse und selbstverschuldeter Dekadenz wehrlos gewordenen Europa kein Widerstand mehr zu erwarten ist: kein Wille zur Selbstbehauptung, zur Behauptung des Eigenen, des Identitären.

    Es ist nur ein gnädiger Aufschub, der uns einstweilen noch durch das strategische Interesse des Hegemons USA an uns gewährt wird. Doch dieses Interesse schwindet in dem Maße, in dem sich dieser Hegemon, selbst in der Spätphase seiner Existenz begriffen, sukzessive auf Südostasien und den pazifischen Raum fokussieren wird, um dem aufsteigenden Hegemon China die Stirn zu bieten, solange er noch Kraft dazu hat.

    Ex oriente lux: Es ist durchaus nachvollziehbar, daß Putin mehr und mehr zur Integrationsfigur für konservative und christlich geprägte Europäer wird, die sich in unseren pc-Demokraturen immer weniger zuhause fühlen und nach einem spirituellen und starken politischen Führer sehnen. Unsere Parteienoligarchien, die sich noch solange an der Macht halten, solange sie dem Mittelstand noch Bares zwecks Wählerbestechung abpressen können, scheinen jedenfalls für viele immer weniger eine erstrebenswerte Alternative zu sein.

    Das Schöne an Geschichte ist, daß sie doch schlicht zyklisch zu verlaufen scheint, und nicht teleologisch. Wäre ja sonst auch fad. Und das alles fußfrei, simultan, bequem mitzuverfolgen, den Laptop auf der Couch, während die Pizza ins Haus geliefert wird - das zumindest haben wir früheren Generationen voraus.

    Zum Schluß ein weiteres Mal Carl Schmitt, 1932, Der Begriff des Politischen:

    „Es wäre tölpelhaft zu glauben, ein wehrloses Volk habe nur noch Freunde, und eine krapulose Berechnung, der Feind könnte vielleicht durch Widerstandslosigkeit gerührt werden. Daß die Menschen durch einen Verzicht auf jede ästhetische oder wirtschaftliche Produktivität die Welt z.B. in einen Zustand reiner Moralität überführen könnten, wird niemand für möglich halten; aber noch viel weniger könnte ein Volk durch den Verzicht auf jede politische Entscheidung einen rein moralischen oder rein ökonomischen Zustand der Menschheit herbeiführen. Dadurch, daß ein Volk nicht mehr die Kraft oder den Willen hat, sich in der Sphäre des Politischen zu halten, verschwindet das Politische nicht aus der Welt. Es verschwindet nur ein schwaches Volk.“

    • Elisabeth Mudra
      25. Juni 2014 02:28

      "Dadurch, daß ein Volk nicht mehr die Kraft oder den Willen hat, sich in der Sphäre des Politischen zu halten, verschwindet das Politische nicht aus der Welt. Es verschwindet nur ein schwaches Volk".

      Und dieses verdientermaßen.





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