Jene Zuwanderung, die man kritisieren darf

Autor: Wolfgang Maurer

Fundamente „Europäischer Bildung“

Autor: Josef Stargl

„Wer Antisemit ist, bestimmen wir!“

Autor: Elmar Forster

Die USA unter sozialdemokratischem Regime

Autor: Andreas Tögel

Meine Erkrankung oder: Wie das Virus die Behörden überfordert

Autor: Hans Anonym

Die Freiheit der Demokratie und ihre ahnungslosen Feinde

Autor: Leo Dorner

Die massive Korruption in der Slowakei und eine Dissertation

Autor: Elmar Forster

Hass in Favoriten

Autor: Georg Vetter

Corona: Nicht alle leiden ...

Autor: Rachel Gold

"Waffenlager“

Autor: Rachel Gold

Weitere Gastkommentare

Schmierer, Kunst und Krebs

Bei Polizei wie Geschädigten galt er als Landplage: Jener Wandbeschmierer, der in den letzten zwölf Monaten unzählige Male „Puber“ auf Wiener Fassaden, Türen, Scheiben oder Tafeln gesprüht hat. Nun ging er den Fahndern endlich ins Netz. Ein „anonymer Hinweis“ habe in jene Wohngemeinschaft im 15. Bezirk geführt, wo der 29-jährige Schweizer brasilianischer Abstammung ohne Meldezettel lebte.

Der Mann hatte sich in der Sprayer- und Schmierer-Szene einen überaus aggressiven Ruf erworben und übersprühte nicht nur Konkurrenz-Produkte sondern auch eine Kindergarten-Fassade oder das Portal einer Redaktion, die kritisch über sein Schaffen berichtete. Nachdem der bisher bekannte Schaden aus 119 Anzeigen 50.000 Euro überschreitet und dringende Wiederholungsgefahr besteht, verhängte die Staatsanwaltschaft die U-Haft. Immerhin.

Denn wie immer öfter in solchen Fällen fragt man sich öffentlich nicht etwa, was einen doch nicht mehr ganz jungen Mann zu solchen – vorsichtig formuliert – pubertären Taten zwingt. Nein, selbst seriös anmutende Medien treiben sofort selbsternannte Experten auf, die dessen „Werk“ in Richtung Kunst deuten. So bot ausgerechnet das Organ der Republik Österreich, die „Wiener Zeitung“, nur einen Tag nach der Festnahme-Meldung Pubers dessen Bewunderern (die gibt es natürlich via Facebook zuhauf) ein breites Darstellungsspektrum. Eine Ex-Wirtschaftsjournalistin titelte im Kultur-Teil nostalgisch „Puber-Wien, ein New York der 70er“ und ließ einen Wiener Street-Artist und Multimedia-Künstler ausgiebig über das Phänomen Puber schwadronieren.

Da werden munter Vergleiche angestellt zwischen dem „monotonen Schriftzug im Kontext der 80er-Jahre-Ästhetik, die noch immer ein Revival bei Musik und Mode feiert – ein Ja zur Hässlichkeit“. Puber wird assoziiert mit dem Schmier-Pionier Taki 183, der in New York bereits vor mehr als 40 Jahren ähnliches zuwege brachte, und dessen Werke, etwa übermalte Straßenkarten, heute um 500 Dollar zu kaufen sind – für jene, die dafür Geld ausgeben wollen. Es gehe bei Pubers Werk um eine „klassische Art des Kommunikationsdesigns, die für den Betrachter sperriger sind als die netten elaborierten Bildgeschichten, die etwa am Donaukanal zu finden sind“, heißt es weiter im Staatsorgan.

Wie bitte? Welche Art der Kommunikation findet denn statt, wenn jemand anonym, meist ohne Bezug zum Opfer und ohne Vorwarnung, einfach fremdes Eigentum mit „Puber“ besprüht? Als Hausbesitzer oder -bewohner kann ich ihm dazu weder gratulieren noch ihn fragen, ob er verrückt ist, noch ihn dazu zwingen, es wieder abzuwaschen. Es bleiben nur ohnmächtige Wut – und gesalzene Reinigungskosten. Den ÖBB etwa rund eine Million, den Wiener Linien rund 200.000 Euro. Pro Jahr. Beide Unternehmen und auch die Polizei beschäftigen deshalb längst eigene Sondereinheiten zur Bekämpfung des „Künstler“-Wildwuchses.

Dabei wird in der Schmierer/Graffiti-Debatte (ja, Graffiti kann durchaus Kunst sein, keine Frage) ein ganz wesentlicher Aspekt gerne übersehen: der gesundheitliche. Sprühdosen sind in der Regel mit Treibgasen befüllt, die die Ozonschicht schädigen. Schlecht für die Allgemeinheit – aber das ist Egomanen wie Puber wohl wurscht. Die zerstäubten Farben sind in der Regel auf petrochemischer Basis hergestellt, mit chlorierten Kohlenwasserstoffen als Lösungsmittel. Diese gelten als hochgradig krebserregend. Wer also länger und öfter mit Sprühdosen arbeitet, kommt unweigerlich mit solchen Chemikalien über Haut und Lunge intensiv in Kontakt. Ein hoher Preis für „sperrige Kommunikation“.

Der Clou: Puber soll – zumindest laut „Wiener Zeitung“ – als Wachmann bei einer Sicherheitsfirma beschäftigt gewesen sein. Wie das ohne Meldezettel geht, sollte eine andere staatsnahe Institution dringend klären. Im Dienste der öffentlichen Sicherheit.

Werner Grotte ist 52, langjähriger Redakteur bei Kurier, ORF, Wiener Zeitung u.a., Buchautor – seit 2013 als freier Journalist tätig.

zur Übersicht

einen Kommentar schreiben

Teilen:
  • email
  • Add to favorites
  • Facebook
  • Google Bookmarks
  • Twitter
  • Print

die besten Kommentare

  1. Ausgezeichneter KommentatorArundo.donax
    10x Ausgezeichneter Kommentar
    17. März 2014 20:36

    Werte hier vereinigte Kunstbanausen! Wer von Ihnen immer noch der längst überholten Ansicht ist, "Kunst" komme von "können", möge diese schleunigst revidieren. Dieser Purismus in einem schlichten Puber-Schriftzug ist doch unvergleichlich. Die Schönheit dieser unter höchstem persönlichen Einsatz gesprühten Buchstaben ist ergreifend. Jegliche weitere Ausgestaltung oder Ornamentik würde diese Wirkung zerstören. U-Haft für so einen begabten jungen Mann ist das tatsächliche Verbrechen. *Ironie off* Meines Erachtens gehört dieser "Künstler" nicht eingesperrt, sondern mit Bürste und Reinigungsmitteln ausgestattet an seine künstlerischen Wirkungsstätten beordert, um den ursprünglichen Zustand wiederherzustellen. Davon hätten alle, er inklusive, wahrscheinlich mehr.

    Anmerkung: Die Tatsache, dass die Autokorrektur "Puber" zu "Pubertät" vervollständigt, spricht für sich. :-)

  2. Ausgezeichneter Kommentatormischu
    9x Ausgezeichneter Kommentar
    17. März 2014 19:41

    Wenn es wenigstens echte Graffiti-Kunstwerke a la Banksy wären,

    http://it.wikipedia.org/wiki/File:Banksy_-_Sweep_at_Hoxton.jpg

    dann könnte man zumindest damit das Geld für die Reinigung erzielen.

    http://www.mittelbayerische.de/nachrichten/kultur-ressort/artikel/kuessende-polizisten-bringen-geld/1021452/kuessende-polizisten-bringen-geld.html

    Das hier spottet ja jeder Beschreibung und hat weder etwas mit Protest oder Kunst zu tun = reiner Vandalismus!

    http://wirtschaftsblatt.at/home/nachrichten/oesterreich/wien/1572866/GraffitiSprayer-Puber-in-UHaft-genommen

    Aber der wird ja schon seit dem 24. Jänner 2014 von den Linken mit allen Mitteln schöngeredet, als in der Innenstadt reihenweise Geschäftsportale zerschlagen wurden. Vielleicht entdeckt die Journaille demnächst auch hier "Straßenkunst"!

    Man muß in Österreich nur arbeitslos, gewalttätig, ausländischer Herkunft und am besten noch als Tupfen am i schwul sein, dann ist man hierzulande sakrosankt und gehört zur geschützten Spezies der (Lebens-)Künstler, oder genießt zumindest den immer wieder mißbräuchlich verwendeten Minderheitenschutz. Es ist höchste Zeit, daß der Rechtsstaat durchgreift!

  3. Ausgezeichneter KommentatorHaider
    8x Ausgezeichneter Kommentar
    17. März 2014 23:26

    Mit sprachverhunzender Rhetorik, mit geisttötender Dialektik oder haßzerfressener Agitation wird aus jedem Misthaufen eine Pallas Athene. Weniger fein ausgedrückt: Scheiße bleibt Scheiße und sei sie noch so linkskonform!
    Da es in jenen Kreisen für Kunst nicht reicht, müssen eben Schmierer einspringen. Mit fremdem Geld hochsubventioniert, werden anständige Steuerzahler pausenlos vor den Kopf gestoßen. Und wehe, einer wehrt sich. Sofort ist er ein Banause. Immer dieselbe linksfaschistische Masche! (Leider fallen auch Pseudobürgerliche immer wieder auf diese Schmähs herein).

  4. Ausgezeichneter KommentatorMarkus Theiner
    4x Ausgezeichneter Kommentar
    18. März 2014 11:46

    Was Kunst ist liegt im Ermessen des Betrachters.
    Was man auf fremde Sachen malen darf liegt im Ermessen des Eigentümers.

    Mir egal ob das ein pubertärender Teenager oder ein weltberühmter Künstler ist, keiner hat ungefragt auf fremde Häuser zu malen.
    Wäre er ein toller Künstler, dann hätte er auch kein Problem jemanden zu finden, der sich seine Wand beschmieren lassen will.

    Aber das was sowohl der Sprayer will als auch eine gewisse "Szene" als Kunst feiert ist ja nicht der Schriftzug, sondern der Akt der Rebellion.

    Wie funktioniert die Argumentation?
    "Provokation ist ja geradezu ein Wesensmerkmal von Kunst. Wenn ich nicht provoziere, dann ist das ja Alltag, angepasst, langweilig.
    Wobei das natürlich nur gilt, so lange die Provokation sich gegen Andere richtet. Mich zu provozieren ist keine Kunst."

  5. Ausgezeichneter KommentatorSensenmann
    1x Ausgezeichneter Kommentar
    19. März 2014 15:03

    Der Schmierant hat Glück. Bei meinem Haus erwischt, frisst er die Spraydose hochkant.
    Normal wäre: Schaden wiedergutmachen, also arbeiten, daß die Schwarte kracht um die eigentümer der beschädigten Güter schadlos zu halten.

    Im Sozistaat Österreich: Diskussionen über angebliche "Kunst" und versuchen, dem Ratzen gegenüber Verständnis aufzubringen, während man ähnlichem Geschmeiß eine Bühne bietet.

    Nun: Ist Österreich ein Dreckstaat?

  6. Ausgezeichneter Kommentatorsocrates
    1x Ausgezeichneter Kommentar
    23. März 2014 10:31

    Früher hat man solche Leute erfolgreich mit Sauborsten bekämpft.

  7. Ausgezeichneter KommentatorKonsul Buddenbrook
    1x Ausgezeichneter Kommentar
    18. März 2014 20:43

    Wow, meisterhaft recherchiert, das hat sich der Herr wohl vom Unterberger abgeschaut - FCKW werden schon seit ~ 2 Jahrzehnten nicht mehr in Sprühdosen eingesetzt. Die klugen Sprayer verwenden Masken um sich vor den Aerosolen zu schützen.

    Sonst no na - fremdes Eigentum beschädigen ist unzulässig, rechtlich wie moralisch, dafür braucht es keinen Artikel.

die besten Kommentare

  1. Ausgezeichneter KommentatorKonsul Buddenbrook
    1x Ausgezeichneter Kommentar
    18. März 2014 20:43

    Wow, meisterhaft recherchiert, das hat sich der Herr wohl vom Unterberger abgeschaut - FCKW werden schon seit ~ 2 Jahrzehnten nicht mehr in Sprühdosen eingesetzt. Die klugen Sprayer verwenden Masken um sich vor den Aerosolen zu schützen.

    Sonst no na - fremdes Eigentum beschädigen ist unzulässig, rechtlich wie moralisch, dafür braucht es keinen Artikel.


alle Kommentare

  1. Maki (kein Partner)
    22. Januar 2015 08:38

    Het begint hier indeidmls een beetje op te klaren, maar er is veel nattigheid gevallen. Dan is een bloemetje met vrolijke kleuren meer dan welkom!Lieve groet, Ingrid http://pqwyntrbodt.com [url=http://dzyagt.com]dzyagt[/url ] [link=http://zayfozsdxj.com]zayfozsdxj[/link ]

  2. Sajeed (kein Partner)
    21. Januar 2015 17:19

    wat lief van je zoon! En dan zeker omdat het een kleur is die jij zelf niet zou kiezen, dan is het zeker een cdaeau van HEM!Enne... hij heeft geen slechte smaak, hoor!:)Groetjes Sandra

  3. Destrey (kein Partner)
    20. Januar 2015 20:42

    That's a weugt-houlht-olt answer to a challenging question

  4. Zraxl (kein Partner)
    24. März 2014 14:05

    OT: (oder vielleicht doch nicht ganz)

    Es ist interessant, worüber die österreichischen "Qualitätsmedien" nicht eine Zeile verlieren: Hier etwa die Zerstörung an ca 30 christlichen Gedenkstätten, ca. 40 Gräbern und dutzenden anderen Verwüstungen. Über die Motive dieser Brut mag sich jeder selbst ein Urteil bilden.
    http://www.noen.at/lokales/noe-uebersicht/stpoelten/aktuell/Verwuestung-HTL-Schueler-Vandalismus-Serie-St-Poelten-Tulln-Melk-Das-Gefuehl-war-saugeil;art2428,517541?fCMS=h6ilveueceb47togalvqumqvd5

  5. socrates
    23. März 2014 10:31

    Früher hat man solche Leute erfolgreich mit Sauborsten bekämpft.

  6. mschoss (kein Partner)
    20. März 2014 07:37

    Mir fiele da ein probates Mittel ein dem Herrn „Puber“ gerecht zu werden – Hosen runter und von oben bis unten fest einsprühen, da erregte er noch mehr Aufmerksamkeit und er würde nicht fremdes Eigentum beschmieren, sondern seinen eigenen Körper!

  7. Nestor 1937
    19. März 2014 16:01

    Mich freut es sehr, daß Werner Grotte wieder recherchiert. Viel Erfolg !

    • Konsul Buddenbrook (kein Partner)
      23. März 2014 12:51

      Wie gut kann ein Mensch "recherchiert" haben, wenn er nichtmal weiß, dass FCKW schon seit ~2 Jahrzehnten aus handelsüblichen Spraydosen verbannt wurden?

  8. Sensenmann
    19. März 2014 15:03

    Der Schmierant hat Glück. Bei meinem Haus erwischt, frisst er die Spraydose hochkant.
    Normal wäre: Schaden wiedergutmachen, also arbeiten, daß die Schwarte kracht um die eigentümer der beschädigten Güter schadlos zu halten.

    Im Sozistaat Österreich: Diskussionen über angebliche "Kunst" und versuchen, dem Ratzen gegenüber Verständnis aufzubringen, während man ähnlichem Geschmeiß eine Bühne bietet.

    Nun: Ist Österreich ein Dreckstaat?

    • wolf (kein Partner)
      19. März 2014 17:20

      Österreich wäre dann ein Dreckstaat, wenn nicht klar wäre, dass etwas Sachbeschädigung und Kunst gleichzeitig sein kann und Verständnis dem Künstler gegenüber (in dem Fall wäre eher Mitleid angebracht) und Bestrafung des Sachbeschädigers sich nicht ausschließen.

    • Konsul Buddenbrook (kein Partner)
      23. März 2014 12:53

      Oh ein sogenannter Internet Togh Guy.

  9. Gerhard Pascher
    19. März 2014 10:46

    Der in Südamerika geborene und nun 30-jähriger Schweizer Staatsbürger Renato S. mit dem "Künstler"-Namen Puber hatte vermutlich mit seinen post-pubertären Egokomplexen den Merksatz von Ludwig Hevesi am Wiener Secessionsgebäude falsch verstanden:
    »Der Zeit ihre Kunst, der Kunst ihre Freiheit«.

  10. wolf (kein Partner)
    18. März 2014 21:36

    Tagging ist nichts Neues, das hat der Kyselak vor 200 Jahren schon gemacht. Selbst der Kaiser hat weniger aggressiev reagiert, als Sie hier und fand seine Einstellung dazu zwischen Amüsement und Verwunderung.

    Mit Kunst hatte das nie etwas zu tun, mit 'links' auch nicht, trotzdem pilgern Touristen deswegen in den Schwarzenbergpark und sogar nach Kapfenberg.

    Puber kann gar nichts, hat nichts dazu gelernt, sich nicht weiter entwickelt, ansonsten soll er - a propos 'links' - eine prononcierter Schwulenhasser sein. Wär doch ein (wenn auch der einzige) Grund, ihn freundlichst hier aufzunehmen.

    Mirko Reisser dürfte sogar ungefragt die Fassade meines Hauses bearbeiten - wär einen Haufen Geld wert - aber das macht der dann ja leider doch nicht, weil er eben Geld dafür haben will. Das hat dann mit Kunst zu tun - mit links immer noch nicht.

  11. Konsul Buddenbrook (kein Partner)
    18. März 2014 20:43

    Wow, meisterhaft recherchiert, das hat sich der Herr wohl vom Unterberger abgeschaut - FCKW werden schon seit ~ 2 Jahrzehnten nicht mehr in Sprühdosen eingesetzt. Die klugen Sprayer verwenden Masken um sich vor den Aerosolen zu schützen.

    Sonst no na - fremdes Eigentum beschädigen ist unzulässig, rechtlich wie moralisch, dafür braucht es keinen Artikel.

    • simplicissimus
      23. März 2014 08:09

      ... und warum lesen Sie ihn dann so aufmerksam?

    • Konsul Buddenbrook (kein Partner)
      23. März 2014 12:55

      Um darauf hinzuweisen, dass der Artikel inhaltlich falsch und generell unnötig ist.

  12. Markus Theiner
    18. März 2014 11:46

    Was Kunst ist liegt im Ermessen des Betrachters.
    Was man auf fremde Sachen malen darf liegt im Ermessen des Eigentümers.

    Mir egal ob das ein pubertärender Teenager oder ein weltberühmter Künstler ist, keiner hat ungefragt auf fremde Häuser zu malen.
    Wäre er ein toller Künstler, dann hätte er auch kein Problem jemanden zu finden, der sich seine Wand beschmieren lassen will.

    Aber das was sowohl der Sprayer will als auch eine gewisse "Szene" als Kunst feiert ist ja nicht der Schriftzug, sondern der Akt der Rebellion.

    Wie funktioniert die Argumentation?
    "Provokation ist ja geradezu ein Wesensmerkmal von Kunst. Wenn ich nicht provoziere, dann ist das ja Alltag, angepasst, langweilig.
    Wobei das natürlich nur gilt, so lange die Provokation sich gegen Andere richtet. Mich zu provozieren ist keine Kunst."

    • wolf (kein Partner)
      18. März 2014 21:51

      Würden Sie das KHM oder das Belvedere von allen Werken 'befreien', die provozier(t)en - sei es sozial oder künstlerisch - wären diese beiden Häuser faktisch leer. Kunst war, ist immer Provokation und wird es immer sein.

    • Markus Theiner
      19. März 2014 06:36

      Kunst war oft provozierend, aber nicht immer.
      Es stört mich prinzipiell auch nicht, wenn Kunst provokant ist.
      Was mich stört ist, wenn Kunst nur über Provokation definiert wird.
      Wenn alles was provokant ist im KHM oder Belvedere hängen würde, dann würden diese Häuser explodieren.

    • wolf (kein Partner)
      19. März 2014 09:01

      Einverstanden.

      Allerdings wäre mir nicht bekannt, dass es jemanden gäbe, der Kunst einzig und allein auf Provokation reduziert.

      Und mit der Provokation ist es eben ähnlich wie mit dem Geschmack. Was den einen provoziert, findet der andere faszinierend. Mir scheint, dass es kein Kunstwerk gibt, das die Geschichte überlebt hat ohne in der einen oder anderen Art und Weise provoziert zu haben.

  13. Haider
    17. März 2014 23:26

    Mit sprachverhunzender Rhetorik, mit geisttötender Dialektik oder haßzerfressener Agitation wird aus jedem Misthaufen eine Pallas Athene. Weniger fein ausgedrückt: Scheiße bleibt Scheiße und sei sie noch so linkskonform!
    Da es in jenen Kreisen für Kunst nicht reicht, müssen eben Schmierer einspringen. Mit fremdem Geld hochsubventioniert, werden anständige Steuerzahler pausenlos vor den Kopf gestoßen. Und wehe, einer wehrt sich. Sofort ist er ein Banause. Immer dieselbe linksfaschistische Masche! (Leider fallen auch Pseudobürgerliche immer wieder auf diese Schmähs herein).

    • logiker2
      22. März 2014 20:52

      und sollten sie letztendlich am exstastischen Höhepunkt ihres Kunstverständnisses angelangt sein, nähmlich der Fäkalienkunst, so offenbart sich auch ihre intellektuelle Ausstattung.

  14. Arundo.donax
    17. März 2014 20:36

    Werte hier vereinigte Kunstbanausen! Wer von Ihnen immer noch der längst überholten Ansicht ist, "Kunst" komme von "können", möge diese schleunigst revidieren. Dieser Purismus in einem schlichten Puber-Schriftzug ist doch unvergleichlich. Die Schönheit dieser unter höchstem persönlichen Einsatz gesprühten Buchstaben ist ergreifend. Jegliche weitere Ausgestaltung oder Ornamentik würde diese Wirkung zerstören. U-Haft für so einen begabten jungen Mann ist das tatsächliche Verbrechen. *Ironie off* Meines Erachtens gehört dieser "Künstler" nicht eingesperrt, sondern mit Bürste und Reinigungsmitteln ausgestattet an seine künstlerischen Wirkungsstätten beordert, um den ursprünglichen Zustand wiederherzustellen. Davon hätten alle, er inklusive, wahrscheinlich mehr.

    Anmerkung: Die Tatsache, dass die Autokorrektur "Puber" zu "Pubertät" vervollständigt, spricht für sich. :-)

    • kakadu
      17. März 2014 21:36

      Nein, das geht doch gar nicht!
      Mit Bürste und Reinigungsmittel wäre Wiederbetätigung und die ist bekanntlich verboten. ;-)

    • ENIGMA
      17. März 2014 22:51

      @Arundo.donax

      Nestroy sah das anders: ""Kunst ist, wenn man's nicht kann, denn wenn man's kann, ist's keine Kunst"! :-)

    • Haider
      17. März 2014 23:32

      Im Paradies der Werktätigen ließ man solche Typen a la "puber" in einer psychiatrischen Anstalt verschwinden. Sind sie jedoch im kapitalistischen Ausland tätig, dann erfüllen sie dort ihren kulturzersetzenden Zweck. Daher ist auch unser staatliches Printmedium [Wiener Zeitung] voll auf Linie.

  15. mischu
    17. März 2014 19:41

    Wenn es wenigstens echte Graffiti-Kunstwerke a la Banksy wären,

    http://it.wikipedia.org/wiki/File:Banksy_-_Sweep_at_Hoxton.jpg

    dann könnte man zumindest damit das Geld für die Reinigung erzielen.

    http://www.mittelbayerische.de/nachrichten/kultur-ressort/artikel/kuessende-polizisten-bringen-geld/1021452/kuessende-polizisten-bringen-geld.html

    Das hier spottet ja jeder Beschreibung und hat weder etwas mit Protest oder Kunst zu tun = reiner Vandalismus!

    http://wirtschaftsblatt.at/home/nachrichten/oesterreich/wien/1572866/GraffitiSprayer-Puber-in-UHaft-genommen

    Aber der wird ja schon seit dem 24. Jänner 2014 von den Linken mit allen Mitteln schöngeredet, als in der Innenstadt reihenweise Geschäftsportale zerschlagen wurden. Vielleicht entdeckt die Journaille demnächst auch hier "Straßenkunst"!

    Man muß in Österreich nur arbeitslos, gewalttätig, ausländischer Herkunft und am besten noch als Tupfen am i schwul sein, dann ist man hierzulande sakrosankt und gehört zur geschützten Spezies der (Lebens-)Künstler, oder genießt zumindest den immer wieder mißbräuchlich verwendeten Minderheitenschutz. Es ist höchste Zeit, daß der Rechtsstaat durchgreift!





Bitte OHNE Internet-Links (Kommentare mit Links werden nicht veröffentlicht)
verbleibende Zeichen: 700

Sicherheitsabfrage:
Bild neu laden

Ich will die Datenschutzerklärung lesen.


© 2021 by Andreas Unterberger (seit 2009)  Impressum  Datenschutzerklärung