Politik und Bankenpleite

In Österreich hat man es immer verstanden, die geographische Lage des Landes und seine seit der Zeit der Donaumonarchie bestehenden, besonderen Beziehungen zu vielen Staaten des ehemaligen Ostblocks ins Verdienen zu bringen. Österreichische Direktinvestitionen machen einen nicht geringen Anteil des westlichen Engagements in den Reformstaaten aus. Die Präsenz einiger österreichischer Bankinstitute ist beachtlich – sei es infolge der Übernahme lokaler Institute oder durch die grenzüberschreitende Ausdehnung eigener Organisationen.

Dass im Zuge des aggressiven Bemühens um Marktanteile die notwendige Sorgfalt und Umsicht oft außer Acht gelassen wurde, hat in der Zwischenzeit – insbesondere seit dem Ausbruch der Schuldenkrise anno 2008 – zu einem schmerzhaften Wertberichtigungsbedarf bei den betroffenen Instituten geführt.

So hat etwa die zur UniCredit-Gruppe gehörende Bank Austria alle Ostbeteiligungen auf Null abgewertet und damit im abgelaufenen Jahr einen rekordverdächtigen Buchverlust von 1,6 Mrd. Euro eingefahren. Welcher zusätzliche Korrekturbedarf durch die gegenwärtigen Ereignisse in der Ukraine auf die in Osteuropa exponierten Banken zukommen wird, ist im Moment schwer abzuschätzen.

Eine problematische Rolle im Zusammenhang mit namhaften Schadensfällen im Finanzsektor spielte und spielt die (nicht allein auf Österreich beschränkte) Allianz aus Politik und Geldwirtschaft. In einem staatlich monopolisierten Schuldgeldsystem ist eine derartige Komplizenschaft zu Lasten von Otto Normalbürger auch absolut unvermeidlich. Dass ausgerechnet Notenbankgouverneur Nowotny auf diesen Umstand hinweist, entbehrt nicht der Pikanterie. Schließlich manifestiert sich in seiner Person die von ihm plötzlich öffentlich kritisierte Symbiose auf geradezu archetypische Weise. Immerhin kann der wackere, bis in die Unterwolle rot gefärbte Mann nicht nur auf eine beachtliche Karriere als Bankmanager (nach seiner durch keinerlei Selbstkritik getrübten eigenen Einschätzung wurde diese natürlich nicht im Geringsten durch die hohe Politik gefördert), sondern auch auf eine jahrzehntelange Tätigkeit in der SPÖ zurückblicken.

Wie dem auch sei, das seit Wochen die Schlagzeilen der österreichischen Medien beherrschende Debakel der Provinzbank Hypo-Alpe-Adria (die massiv auf dem Balkan exponiert ist), dürfte nach derzeitigem Stand und der Einschätzung Herrn Nowotnys wohl ein Loch von rund 18 Milliarden Euro in den Staatssäckel reißen. Kein Pappenstiel. Der Betrag ist, dank des Größenwahns einiger Landespolitiker (die jeden vernünftigen Rahmen sprengende Haftungen übernommen haben) und des beeindruckenden Stumpfsinns der mit einer „Rettungsaktion“ betrauten Bundespolitiker (die sich zu einer panikartigen Notverstaatlichung des Instituts haben hinreißen lassen), im Begriff, sich in Rauch aufzulösen. Blechen wird am Ende des Tages ausschließlich der Steuerzahler. Ob durch die im Zuge der mutmaßlich geplanten Problembewältigung mittels einer „Bad-Bank“ schlagend werdenden, defizitwirksamen Abschreibungserfordernisse die Maastricht-Schuldenobergrenze verletzt wird, ist gegenwärtig nicht absehbar.

Fest steht indessen: Wo Politik, Finanzindustrie und -Aufsicht allzu amikalen Umgang miteinander pflegen, da hat der Bürger (und Bürge!) nichts zu lachen. Da werden seitens der Länder und Gemeinden (das Land Kärnten ist beileibe kein Einzelfall) Haftungen übernommen, die im Fall der Fälle nie zu stemmen sind. Da werden seitens der Aufsichtsbehörde Gefälligkeitsatteste erstellt, die offensichtlich mit der wirtschaftlichen Realität wenig zu tun haben (weil auch ein Kontrolleur schließlich nur ein Mensch ist und seine Bestellung für einen gut dotierten und prestigeträchtigen Posten nicht leichtfertig gefährden möchte). Schließlich wird – so lange es geht und bis es eben zu spät ist – von fachlich inkompetenten Politikern eine auf Konkursverschleppung hinauslaufende Vernebelungsstrategie gefahren. Der Öffentlichkeit eingestanden wird immer nur das, was selbst bei heißestem Bemühen gar nicht mehr zu leugnen ist.

Jeder Buchhalter, Schuster oder Baumeister benötigt einen Qualifikationsnachweis zur Ausübung seines Gewerbes. Ohne aufwendige Ausbildung und Fachprüfung geht gar nichts. Indes ist es in Kakanien ohne weiteres möglich, Zahnarzthelferinnen zu Infrastrukturministern, Schlosser zu Gesundheitsministern, Studienabbrecher zu Außenministern und gelernte Landwirte oder Juristen – die keinen Tag ihres Lebens jemals außerhalb geschützter Werkstätten tätig waren – zu Leitern des Finanzressorts zu küren. Ein bisserl Unterschied zwischen den Welten von Unter- und Obertanen muss eben sein. Allerdings ist mit dem, wie beschrieben, inferioren Personal kaum ein Staat zu machen – kein funktionierender nämlich!

Kein bei Sinnen befindlicher Mensch wird einen Tischler damit beauftragen, ihm ein Haus zu bauen oder einem Hilfsarbeiter die Sanierung seines Gebisses anvertrauen, etc. Selbstverständlich wird jedermann hierfür einschlägige Experten heranziehen. Nur in der hohen Politik ist das erstaunlicherweise anders. Da werden – siehe oben – blutigen Amateuren Aufgaben übertragen, die sie heillos überfordern. Prompt werden von denen postwendend entsprechend deprimierende Ergebnisse abgeliefert. Die Ausrede, dass den Ressortchefs schließlich Stäbe kundiger Beamter zur Seite stünden, trägt nicht weit. Fachlich unkundige Minister werden damit zu hilflosen Marionetten einer (politisch oft entgegengesetzt orientierten) Beamtenschaft. Minister sollten also schon wissen, worum es geht.

Dass es im Spätstadium des demokratischen Wohlfahrtsstaates keine fachlich qualifizierten – und gleichzeitig charakterlich tauglichen – Mitmenschen in die hohe Politik zieht, ist ein nicht nur in der Alpenrepublik zu beobachtendes Phänomen. Dass in Österreich selbst in den (durch Staatsgelder korrumpierten) Hauptstrommedien die beiden Begriffe „Politiker“ und „nasse Fetzen“ mittlerweile immer öfter im selben Satz genannt werden, ist bezeichnend. Der griechische Philosoph Epikur hat schon vor 2300 Jahren vor politischer Betätigung gewarnt – sofern man nämlich anstrebt, ein anständiges Leben in Zufriedenheit zu führen. Ein weiser Mann. Kompetenter Politiker zu sein und zugleich anständig zu bleiben, ist offensichtlich ein unauflösbarer Widerspruch – zumindest in der Massendemokratie unserer Tage.

Weil das so ist, kann der Ausweg aus dem dadurch entstehenden Problem nur in einem drastischen Rückbau des Staates bestehen – jenes Bereichs, in dem haarsträubende Inkompetenz sowie faktisch totale Unverantwortlichkeit herrschen. Der mündige Bürger sollte seine Angelegenheiten wieder in die eigenen Hände nehmen! Je weniger Macht und Möglichkeiten eine durch und durch verkommene Politikerkaste und deren beamtete Lakaien in ihren Händen halten, umso besser. Das Schicksal der maroden Provinzbank Hypo Alpe-Adria beruht nicht auf einem Zufall. Es ist vielmehr ein Menetekel.

Andreas Tögel, Jahrgang 1957, ist Kaufmann in Wien.

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die besten Kommentare

  1. Ausgezeichneter KommentatorInger
    4x Ausgezeichneter Kommentar
    15. März 2014 18:35

    Eigentlich hab ich's mit dem Team Stronach sowas von überhaupt nicht, aber eins muss man der Chefin, Frau Dr. Nachbaur lassen, kein anderer sonst sagt so deutlich, dass der Staat bzw. dessen Repräsentanten keine Unternehmer sind, letzthin grad wieder bei 60 Minuten Politik auf ORF III.

  2. Ausgezeichneter Kommentatormischu
    3x Ausgezeichneter Kommentar
    16. März 2014 12:23

    In unserer repräsentativen Demokratie wird sich bei der politischen Postenvergabe leider nichts ändern. Wichtige Ämter werden eben nicht nach Qualifikation, sondern mit verdienten "Baddeisoldaten" besetzt! Und dementsprechend gestalten sich die (gesellschafts-)politischen Zustände.

    Eine Möglichkeit die Demokratie zu retten, wäre die Umstellung auf mehr direktes Mitspracherecht der Bevölkerung, aber davor fürchten sich unsere an den Schalthebeln der Macht sitzenden Politamateure am meisten. Sollte das nicht gelingen, wird es eines Tages zu einer eher ungemütlich erzwungenen Änderung der inzwischen unhaltbaren Zustände kommen.
    Es gärt bereits an vielen Ecken und Enden!

  3. Ausgezeichneter Kommentatorlogiker2
    2x Ausgezeichneter Kommentar
    15. März 2014 19:03

    danke für diese Bestätigung des geistigen und moralischen Abstiegs der "Politelite". Die Frage die sich stellt, ist, ob es überhaupt einen Bereich gibt, den die Politik mit ihren unqualifizierten Darstellern, nicht ruiniert.

  4. Ausgezeichneter Kommentatordssm
    2x Ausgezeichneter Kommentar
    15. März 2014 20:36

    Das ist ja ein anti-liberales Manifest?!?!?
    Ein Hohelied auf Qualifikationskriterien, meist staatliche (Mises dreht sich im Grab um).
    Qualifikationsnachweis für ein Gewerbe?!?! (Damit wäre ich dann wohl arbeitslos; toll, gestern noch internationaler Export von Hochtechnologie und heute bemitleidenswert und unfähig).

    In einer liberalen Welt soll der Bürger die Macht ausüben und zwar jener Bürger, welcher Nettozahler, und sonst nichts, ist! Das hat über Jahrhunderte gut funktioniert! Seltsamer Weise wird genau dies im letzten Absatz dann wieder gefordert, davor aber intensiv bekämpft.

    Wichtig ist doch nur die konkret erbrachte Leistung, nicht eine formale Bestätigung. Hat das HAA Desaster nicht genug gekostet, da waren unglaublich viele einschlägig akademisch gebildete 'Experten' tätig, die hatten im Unterschied zu mir einen Qualifikationsnachweis.

    Wenn der besagte Hilfsarbeiter die besten Zahnbehandlungen macht, so werde ich ihn als 'Dentisten' nehmen, denn meine Zähne soll nur der aller aller beste Könner behandeln. Sollte unser Vollkaskostaat da anderer Meinung sein, so werde ich Wege finden diese Vorschriften zu umgehen.

    Da ich Sie aber als Ultra-Liberalen kenne und schätze, nehme ich an, da ist irgend etwas schief gegangen, also nicht tragisch nehmen.

  5. Ausgezeichneter Kommentatorterbuan
    2x Ausgezeichneter Kommentar
    15. März 2014 19:52

    Vollkommen einverstanden s.g. Herr Tögel, Ihre Bestandsaufnahme ist treffend bis erschreckend, nur Ihre Aussage,

    "Der mündige Bürger sollte seine Angelegenheiten wieder in die eigenen Hände nehmen!",

    mit der komme ich nicht wirklich zurecht.
    Ich versuche es ja immer wieder, zum Teil gelingt es auch, aber zumeist sind meine Hände gebunden durch die Allmacht der (nicht von mir) gewählten Parteien.
    Sie bestimmen mein Leben, meine Steuern, mein ganzes Umfeld, es sagt sich so leicht, aber was ist konkret zu tun, mangels Alternativen an zu wählenden Parteien?
    Selbst eine Partei gründen, eine Revolution anzetteln oder einfach nur resigniert den völligen Zusammenbruch der Schuldenburg abwarten um darauf zu hoffen, etwas neues, besseres aus der Asche erwächst?

    mfG terbuan

  6. Ausgezeichneter KommentatorSusanna
    1x Ausgezeichneter Kommentar
    16. März 2014 22:39

    "Man wähle von zwei Politikern das kleinere." (Roda Roda)

  7. Ausgezeichneter Kommentatormachmuss verschiebnix
    1x Ausgezeichneter Kommentar
    16. März 2014 12:07

    Vermutlich ist das sogar beabsichtigt :
    »... blutigen Amateuren Aufgaben übertragen, die sie heillos überfordern. «
    denn damit hat man nicht nur einen (zukünftigen) Sündenbock bestellt, sondern
    zudem auch gleich einen, der jeden "guten Rat" (von der falschen Seite) dankbar
    aufgreift ! Kurz gesagt: Politik auf die österreichische Art. .

die besten Kommentare

  1. Ausgezeichneter KommentatorSusanna
    1x Ausgezeichneter Kommentar
    16. März 2014 22:39

    "Man wähle von zwei Politikern das kleinere." (Roda Roda)


alle Kommentare

  1. Lidia (kein Partner)
    20. Januar 2015 09:44

    That's a knowing answer to a diulfcift question

  2. Susanna (kein Partner)
    16. März 2014 22:39

    "Man wähle von zwei Politikern das kleinere." (Roda Roda)

  3. Julia (kein Partner)
    16. März 2014 18:23

    Ein sehr weiser Mann!
    Zitate: Friedrich II von Preußen … auch Friedrich der Große oder der Alte Fritz genannt.
    http://www.eisenblatt.net/?p=26492

  4. mischu
    16. März 2014 12:23

    In unserer repräsentativen Demokratie wird sich bei der politischen Postenvergabe leider nichts ändern. Wichtige Ämter werden eben nicht nach Qualifikation, sondern mit verdienten "Baddeisoldaten" besetzt! Und dementsprechend gestalten sich die (gesellschafts-)politischen Zustände.

    Eine Möglichkeit die Demokratie zu retten, wäre die Umstellung auf mehr direktes Mitspracherecht der Bevölkerung, aber davor fürchten sich unsere an den Schalthebeln der Macht sitzenden Politamateure am meisten. Sollte das nicht gelingen, wird es eines Tages zu einer eher ungemütlich erzwungenen Änderung der inzwischen unhaltbaren Zustände kommen.
    Es gärt bereits an vielen Ecken und Enden!

  5. machmuss verschiebnix
    16. März 2014 12:07

    Vermutlich ist das sogar beabsichtigt :
    »... blutigen Amateuren Aufgaben übertragen, die sie heillos überfordern. «
    denn damit hat man nicht nur einen (zukünftigen) Sündenbock bestellt, sondern
    zudem auch gleich einen, der jeden "guten Rat" (von der falschen Seite) dankbar
    aufgreift ! Kurz gesagt: Politik auf die österreichische Art. .

  6. Politicus1
    15. März 2014 21:32

    von mir aus müssen Politiker, auch Fachminister, nicht eine ausgewiesene berufliche Befähigung für das Sachgebiet ihres Ressorts haben.
    ABER: sie sollten
    1) einen etwas über dem landesweiten Durchschnitt liegenden IQ haben
    2) den beim Einkauf im Supermarkt geforderten Hausverstand haben
    3) eine entscheidungsfähige Urteilskraft ihr eigen nennen
    4) ein "G'spür" dafür haben, wen sie sich als Einflüsterer halten
    5) eigenständige Personen sein, die nicht vom goodwill anderer abhängig oder gar jemandes Erpressungen ausgeliefert sind - weder finanziell noch sonst wie ...
    6) Personen sein, mit denen sich zumindest 51% der Bevölkerung nach einem Schiffbruch voll Zuversicht auf die berühmte einsame Insel retten würden

    Wenn also diese Kriterien gegeben sind (keine taxative Aufzählung!), dann braucht mMn. ein Kulturminister kein Schauspieler, Cellist oder Schüttbildermaler;
    ein Gesundheitsminister kein Unfallchirurg oder Hausarzt;
    ein Unterrichstminister kein Diplompädagoge;
    ein Finanzminister kein Steuerberater oder Investmentbanker;
    und auch ein Außenminister kein Berufsdiplomat zu sein.
    (Wobei letzter mMn. den Beweis für meine Ansichten sehr erfreulich liefert...)

    PS: um nicht dem von Sarrazin angeprangerten Tugendterror ausgeliefert zu sein, betone ich, dass alle Berufsbezeichnungen etc. genderneutral verwendet wurden.

    • terbuan
      15. März 2014 21:44

      @Politicus1

      Einverstanden, aber schaden kann es sicher nicht, wenn der Betreffende etwas mehr Sachverstand von seinem Arbeitsgebiet hat als der Durchschnitt, um nicht so leicht gemäß Punkt 4) Ihrer Aufzählung, den falschen Einflüsterern auf den Leim zu gehen! ;-)

    • dssm
      15. März 2014 23:43

      @Politicus1
      Super, Sie haben gerade Bismark (2.) und Graf Stadion (2. und 6.) ausgeschieden!
      Herakleios (5. und 6.) wäre nie Kaiser geworden und wir hätten einen christlichen Feiertag weniger.
      Justinian (4. und 5.) wäre ja dann auch nicht gewesen.
      Und natürlich Jesus Christus (4. und bei 2. bin ich mir nicht sicher ...)
      Spätestens bei 5. haben Sie sowieso alle(!) französischen Politiker ausgeschieden, Sie kennen ja deren Faible für Frauen ...

      Lassen wir diese unglückliche verlaufende Diskussion, sie ist einfach nur unerfreulich sozialistisch! Dort zählt nur das Formale, weil real können die Sozis ja nie etwas.

  7. dssm
    15. März 2014 20:36

    Das ist ja ein anti-liberales Manifest?!?!?
    Ein Hohelied auf Qualifikationskriterien, meist staatliche (Mises dreht sich im Grab um).
    Qualifikationsnachweis für ein Gewerbe?!?! (Damit wäre ich dann wohl arbeitslos; toll, gestern noch internationaler Export von Hochtechnologie und heute bemitleidenswert und unfähig).

    In einer liberalen Welt soll der Bürger die Macht ausüben und zwar jener Bürger, welcher Nettozahler, und sonst nichts, ist! Das hat über Jahrhunderte gut funktioniert! Seltsamer Weise wird genau dies im letzten Absatz dann wieder gefordert, davor aber intensiv bekämpft.

    Wichtig ist doch nur die konkret erbrachte Leistung, nicht eine formale Bestätigung. Hat das HAA Desaster nicht genug gekostet, da waren unglaublich viele einschlägig akademisch gebildete 'Experten' tätig, die hatten im Unterschied zu mir einen Qualifikationsnachweis.

    Wenn der besagte Hilfsarbeiter die besten Zahnbehandlungen macht, so werde ich ihn als 'Dentisten' nehmen, denn meine Zähne soll nur der aller aller beste Könner behandeln. Sollte unser Vollkaskostaat da anderer Meinung sein, so werde ich Wege finden diese Vorschriften zu umgehen.

    Da ich Sie aber als Ultra-Liberalen kenne und schätze, nehme ich an, da ist irgend etwas schief gegangen, also nicht tragisch nehmen.

    • terbuan
      15. März 2014 20:48

      Ich glaube, werter dssm, Sie haben da etwas missverstanden. Nach meinem Verständnis wollte Herr Tögel nur etwas plakativ aufzeigen, welches völlig unqualifiziertes Personal heute an den Hebeln der Macht sitzt und dagegen ist wohl nichts einzuwenden. Es sind in der Tat blutige und überforderte Laien, die hier seit Jahrzehnten nur absahnen und unsere Republik in den Abgrund steuern!

    • dssm
      15. März 2014 22:24

      @terbuan
      Dies ändert nichts an einer, hier im Westen, sehr unschön angesehenen Einstellung.
      Schön brav die Matura, dann studieren und dann ist man 'Experte', dies hat mich jetzt einfach zu viel Geld ('Spar'pakete) gekostet.

      Mir ist egal ob der Bundeskanzler (oder sonst wer) die Matura hat oder nicht! Ich will vernünftige Arbeit sehen!

      Und die HAA Geschichte hat mir jetzt endgültig das Kraut ausgeschüttet, muss ja schließlich wieder zahlen! Ab jetzt ist bei mir jeder Jurist und Wirtschaftsakademiker (ausser den 'alten' Hasen) erst einmal ein Volltr...el, bis er das Gegenteil beweist! Hätten wir nur ein paar Leute mit Gesellenprüfung und Berufserfahrung in der FMA gehabt, wie viel Geld hätte uns Steuerzahlern dies erspart?

      Die Worte mögen hart erscheinen, aber liberal heißt für mich: Leistung. Und nur Leistung. Egal was an formalen Kriterien da ist, zählen tut reale Leistung! Es gibt kein anderes Kriterium!
      Nicht zuletzt in der Bibel heißt es: An ihren Taten sollt ihr sie erkennen!

      Abgesehen davon hat Herr Tögel einen persönlichen Angriff auf meine Mitarbeit und mich gefahren (und wohl zahlreiche weitere tech-lastige Personen)! Wir sind alle keine formalen 'Experten', wir können es einfach gut.

      Und, um einmal zu zeigen wie pervers dies alles ist, Herr Tögel ist guter und erfolgreicher Kaufmann in einem Segment von dem er, rein formal rein gar nichts versteht – er macht es aber gut! Also sagt er von sich selber: Ich mache es erwiesenermaßen gut, bin aber unqualifiziert?

      Diese Diskussion gibt es nur in Ostösterreich, im Westen, also in der Schweiz wüssten die nicht einmal was wir hier bereden.

    • logiker2
      16. März 2014 09:21

      grundsätzliche Zustimmung dass es auch "Experten " in verschiedenen Bereichen ohne formale Qualifikationen gibt, eine Möglichkeit muss es auf alle Fälle geben und zwar die viel raschere Abberufung von Funktionen bevor der Schaden zu gross wird bzw. verhindert werden kann. Die repräsentative Parteiendiktatur ist dazu nicht fähig.

    • Andreas Tögel
      16. März 2014 09:50

      Vererhter dssm,
      Terbuan ist ja bereits für mich in die Bresche gesprungen. An formale, noch dazu staatlich oktroyierte Kriterien (Konzessionen) war in meinem Beitrag nicht gedacht. Es ist aber grotesk, wenn Private selbst für die Eröffnung einer Frittenbude alle möglichen Handstände aufführen müssen, während es zur Erlangung der Ministerwürde vollständig ausreicht, dämlich in eine Kamera zu grinsen.

      In der wirtschaftlichen Sphäre entscheidet allein die Nachfrageseite über Sein oder Nichtsein. Produzieren Sie mit Ihrem Betrieb Ausschuß oder liefere ich mit meinem Mist, können wir einpacken. Konzessionen (die nur ein Machtmittel für jene Institution darstellen, die sie erteilen) sind daher völlig überflüssig. Der Kunde sucht sich schon den geeigneten Lieferanten und liqudiert die Unfähigen.

      In der politischen Sphäre ist das (in der modernen Massendemokratie) leider nicht möglich, da ja (beinahe) ausschließlich die Produkte einer beinharten Negativauslese zur Wahl stehen - egal welcher Partei auch immer zugehörig. Wahlen sind da m. E. eine lächerliche Faschingsveranstaltung. Wer lediglich zwischen Pest, Cholera und noch Schlimmeren wählen kann, hat im Grunde gar keine Wahl.

      Ad Terbuan: Daß innerhalb des bestehenden "Verfassungsbogens" eine Wende zum Guten möglich ist, halte ich für ausgeschlossen. Das heißt nicht, daß ich mich auf den Kollaps freue. Keiner der ein bisserl was zu verlieren hat, wird sich das wünschen. Allerdings wird es ohne veritablen Crash keinen Neustart auf einer gesünderen Basis geben - ohne geheimes Wahlrecht und mit von der Steuerleistung abhängigem Stimmgewicht - d. h. kein Stimmnrecht für Nettotransferemfänger, sondern nur für Zahler...
      Mit freundlichen Grüßen,
      A. Tögel

    • dssm
      16. März 2014 18:07

      Lieber Herr Tögel,

      beschränken wir uns auf das Wesentliche: Leistung, reale Leistung und nochmals Leistung. Jedes andere Kriterium ist für liberale Denker fehl am Platz, egal ob für Kaufleute, Beamte oder Regierungsleute.
      Jedes andere Kriterium führt zu Kommissionen, Genehmigungen, Bittgängen, Expertengremien, Anträgen, Rekursionen und Revisionen, Subventionen, Kontrollen und Gegenkontrollen, 'nachvollziehbaren' Dokumentationen, Prüfungen usw. nur nicht zu gleichen Chancen!

      Und ein Argument, daß die Sozialisten dieses und jenes Kriterium von uns, als geduldete Minderheit verlangen, bei sich selber aber 'gleicher' sind, ist ein Ringschluss. Dies ist das Wesen des Sozialismus! Und ich werde vielleicht dieses Kriterium zähneknirschend beibringen um in soviel Anstand und Würde wie möglich leben zu können, aber es niemals akzeptieren und insbesondere niemals (!!!!) von anderen verlangen.

      Und sollte ich einmal in den sozialistischen Gedankenweg versehentlich verfallen, so bitte mir auch gründlich die Meinung sagen!

  8. terbuan
    15. März 2014 19:52

    Vollkommen einverstanden s.g. Herr Tögel, Ihre Bestandsaufnahme ist treffend bis erschreckend, nur Ihre Aussage,

    "Der mündige Bürger sollte seine Angelegenheiten wieder in die eigenen Hände nehmen!",

    mit der komme ich nicht wirklich zurecht.
    Ich versuche es ja immer wieder, zum Teil gelingt es auch, aber zumeist sind meine Hände gebunden durch die Allmacht der (nicht von mir) gewählten Parteien.
    Sie bestimmen mein Leben, meine Steuern, mein ganzes Umfeld, es sagt sich so leicht, aber was ist konkret zu tun, mangels Alternativen an zu wählenden Parteien?
    Selbst eine Partei gründen, eine Revolution anzetteln oder einfach nur resigniert den völligen Zusammenbruch der Schuldenburg abwarten um darauf zu hoffen, etwas neues, besseres aus der Asche erwächst?

    mfG terbuan

  9. logiker2
    15. März 2014 19:03

    danke für diese Bestätigung des geistigen und moralischen Abstiegs der "Politelite". Die Frage die sich stellt, ist, ob es überhaupt einen Bereich gibt, den die Politik mit ihren unqualifizierten Darstellern, nicht ruiniert.

  10. Inger
    15. März 2014 18:35

    Eigentlich hab ich's mit dem Team Stronach sowas von überhaupt nicht, aber eins muss man der Chefin, Frau Dr. Nachbaur lassen, kein anderer sonst sagt so deutlich, dass der Staat bzw. dessen Repräsentanten keine Unternehmer sind, letzthin grad wieder bei 60 Minuten Politik auf ORF III.

    • Gandalf
      18. März 2014 18:40

      Ja, wenn sich Frau Dr. Nachbaur jetzt noch dazu durchringen könnte, bei der Absonderung ihrer - mehr oder weniger gescheiten - Kommentare nicht unausgesetzt (unmotiviert) zu grinsen; dadurch dreht sie selbst auch an sich richtige Aussagen ins Lächerliche - frei nach dem Motto: 'bin ich nicht gscheit UND schöön?'; allerdings sehe ich kaum eine Chance, dass sie das noch lernt. Tussi bleibt eben Tussi, selbst mit akademischem Studienabschluss.





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