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Politisch korrekte Philosophie

Auf 271 Seiten versucht Markus Gabriel – mit Jahrgang 1980 der wohl jüngste Philosophieprofessor Deutschlands – zu begründen, „warum es die Welt nicht gibt". Seine wort- und einfallsreichen Begründungen lassen sich in einem Satz zusammenfassen: Es gibt die Welt nicht, weil es Gott nicht gibt. Gott existiert nicht „in dem Sinne, dass es eine Person gibt, die Gesetze verhängt oder sich außerhalb des Universums an einem unzugänglichen Ort befindet" (S. 208).

Gott ist „kein Prinzip, das alles zusammenhält und organisiert. Die Welt gibt es nicht. Auch Gott kann es demnach nicht geben, wenn wir unter <Gott> ein solches Prinzip verstehen" (S.211).

„Man könnte provokativ sogar sagen, dass Religion die Einsicht ist, dass es Gott nicht gibt, dass Gott kein Objekt oder Supergegenstand ist, der den Sinn unseres Lebens garantiert" (S. 211). „Wenn man meint, dass es einen großen Regenten gibt, der das Universum und das menschliche Leben steuert, täuscht man sich. Denn es gibt kein solches Weltganzes, das dann auch noch jemand zu regieren hätte" (S. 212). Religion als „Vorstellung von einem allumfassenden, alles beherrschenden Weltprinzip" ist „Fetischismus" (S. 185). „Der Fetischismus identifiziert ein Objekt als den Ursprung von allem und versucht, aus diesem Objekt die Identitätsmuster zu entwickeln, denen alle Menschen Folge leisten sollten. Dabei spielt es dann nur noch an der Oberfläche eine Rolle, ob Gott oder der Big Bang verehrt wird" (S. 190).

Gabriels Auffassung hat politische Konsequenzen: Wenn es Gott und die Welt nicht gibt, „dann gibt es auch keine einheitliche deutsche Gesellschaft, in die man dann irgendjemand integrieren müsste" (S. 236). Demokratie steht „dem Totalitarismus entgegen, weil sie in der Anerkennung der Tatsache besteht, dass es keine abschließende, alles umfassende Wahrheit" gibt (S. 236). Weil die eine Welt nicht existiert, „existieren viele Sinnfelder" und Perspektiven (vgl. S. 240). „Die Vielzahl real existierender Perspektiven anzuerkennen ist gerade die Pointe moderner Freiheit (…), die nicht auf eine unnötige Vereinheitlichung setzt" (S. 254). Politik ist gefordert, sich dem „Perspektivenmanagement" zu stellen (S. 236).

Markus Gabriel nennt seine Anschauungen „Neuen Realismus". In ihm spiegelt sich die heute allgegenwärtige „Diktatur des Relativismus, die nichts als endgültig anerkennt" (J. Ratzinger, 2005). Nichts gegen Philosophen, welche sich dieser Diktatur unterwerfen und, gestützt auf Film- und Fernsehserien, eine Art Show about Nothing abziehen. Doch zum akademischen Comment gehört es, sich mit der wichtigsten Gegenstimme auseinanderzusetzen, die sich dieser Diktatur des Relativismus widersetzt. Das ist heute wie seit eh und je das Lehramt der katholischen Kirche, dessen Äußerungen zu philosophischen Grundfragen höchste Beachtung verdienen.

Zum einen kommt in diesen Äußerungen nicht eine persönliche Meinung, sondern eine kollektive Stimme zum Ausdruck, die für über eine Milliarde Menschen spricht, ihnen Handlungsnormen und Werte vorgibt, und schon deswegen in der Öffentlichkeit ein weites Echo findet. Zum anderen sind lehramtliche Äußerungen häufig das Ergebnis intensiver Beratungen, an denen die feinsten Geister teilgenommen haben. Dadurch erhalten diese Äußerungen eine natürliche Autorität, die auf Argumentation und geistiger Gültigkeit beruht.

Solche autoritativen, kollektiven Äußerungen stellen häufig genug „Zeitgeistsperren” dar. Sie zu unterschlagen beruht entweder auf Ignoranz, oder meist auf dem Vorsatz, dem Lumen gentium keinen Platz einzuräumen und einer Auseinandersetzung mit diesem „Licht der Völker” aus dem Wege zu gehen. Für Markus Gabriel ist das typisch.

Im Quellenregister finden sich zwar zeitgenössische Regisseure wie Christoph Schliengensief oder Jean-Claude Brisseau, nicht jedoch philosophische Denker vom Rang eines Joseph Ratzinger oder Karol Wojtyla. Eine Auseinandersetzung mit so beutenden Enzykliken und Lehrdokumenten aus jüngster Zeit wie jenen über das Verhältnis von Glaube und Vernunft (Fides et ratio, 1998), von Wahrheit, Freiheit und Moral (Veritatis splendor, 1993), der Religionen zueinander (Nostra aetate, 1965), von Kirche und Welt (Gaudium et spes, 1965), von Kirche, Naturrecht und Demokratie (Evangelium vitae, 1995) oder über die Würde des Menschen (Dignitatis humanae, 1965) oder über die Soziale Frage (heute zusammengefasst im „Kompendium der Soziallehre der Kirche”, 2004), sucht man bei Gabriel vergebens.

Obwohl er die gleichen Themen in extenso behandelt, verzichtet er auf die Heranziehung dieser Weltdokumente. Philosophisch bewegen sich diese Dokumente auch auf der Ebene der „natürlichen Vernunft” und nicht nur der Theologie. Sie als die entschiedene und starke philosophische Gegenstimme gegen Relativismus und Modernismus nicht zu berücksichtigen, verkitscht den „Neuen Realismus” Gabiels zu einer primitiven Rechtfertigungs- und Beschwichtigungsphilosophie zum Zwecke der politisch korrekten Affirmation einer uns vorgespiegelten „heilen” Welt, welche die Sinn- und Wahrheitsfrage nicht mehr stellt und in einem wohlfeilen Gebräu aus Toleranz und Pluralismus ertränkt.

Cui bono? Der Unisono-Beifall aus der Ecke der gelenkten Qualitätsmedien (NZZ, FAZ, Spiegel, Süddeutsche, Welt, TV) legt die Antwort nahe.

Der Autor lehrte Politische Ökonomie in Wien, Graz und Aachen. Er veröffentlichte zuletzt „Die Rechte der Nation“ (Stocker, Graz 2002), „Der Sinn der Geschichte“ (Regin-Verlag, Kiel 2011) und „ESM-Verfassungsputsch in Europa“ (Schnellroda 2012).

Markus Gabriel: Warum es die Welt nicht gibt. 271 Seiten. 5. Aufl. Ullstein-Verlag, Berlin 2013. ISBN 978-3-550-0810-4. 18,00 €

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die besten Kommentare

  1. Ausgezeichneter Kommentatorterbuan
    4x Ausgezeichneter Kommentar
    06. August 2013 21:50

    Die Zerstörung christlicher Werte und Traditionen ist zu einem System geworden.
    Viele Journalisten, Politiker und sogenannte Wissenschaftler arbeiten eifrig daran.
    Herr Gabriel ist einer von vielen, die mit diesem Machwerk und seinen krausen Theorien dazu beitragen!
    Danke Friedrich Romig, ich habe dieses Elaborat schon vergessen!

  2. Ausgezeichneter KommentatorAnton Volpini
    3x Ausgezeichneter Kommentar
    08. August 2013 18:58

    "Es gibt die Welt nicht, weil es Gott nicht gibt."

    Dann gibt es auch keinen Professor Markus Gabriel. Uns ebenfalls nicht!
    Und daher können wir seinen Unsinn auch nicht lesen, schon gar nicht uns darüber Gedanken machen.

    Soren Kierkegaard erklärte den Unterschied zwischen einer Kartoffel und dem Menschen, daß zwar beide Lebewesen seien, die Kartoffel aber nicht in Kontakt zu anderen Kartoffel treten kann, während wir Menschen sehr wohl zu anderen Menschen Beziehungen unterhalten.

    Möge sich der Herr Markus Gabriel als Kartoffel fühlen, ich fühle mich als Mensch.

    Und um es noch einmal mit Kierkegaard zu sagen, der Mensch hat sein höchstes Daseinsziel erreicht, wenn er sich Gott direkt und unmittelbar am nächsten fühlt, die Kartoffel kann das nicht!

  3. Ausgezeichneter KommentatorFrancois Villon
    2x Ausgezeichneter Kommentar
    07. August 2013 10:44

    Die Lage ist wirklich ernst, wenn derartige Ansichten mit dem Weihrauch akademisch-philosophischer „Autorität“ verkündet werden. Und Dr. Romig zeigt auch überdeutlich in welchem zeitgeistigen „Denken“ dies eingebettet ist, indem er den Beifall der üblichen „Qualitätsmedien“ erwähnt.

    Dazu paßt, daß vor wenigen Tagen folgende Erklärung auf den Tisch flatterte:

    The Roman Catholic Church is Declared a Transnational Criminal Organization

    Itccs.org – International Tribunal into Crimes of Church and State, August 03, 2013

    The Brussels Proclamation of August 4, 2013

    A Legal Notice and Instrument issued by The International Common Law Court of Justice
    …. (4 Seiten)

    George Dufort, LL.B., Secretary of the Court
    4 August, 2013
    ICLCJ – 04/08/13

    Betrachtet man dann auch noch den Zustand zahlreicher Vertreter des Klerus, dann ist man an Solowjows “Drei kleine Erzählungen“ – und hier an jene vom Antichrist – erinnert.

    Seit Jahr und Tag bietet etwa das Stift Kremsmünster, eines der ältesten des Landes, in den sogenannten ökumenischen Sommergesprächen vor allem Atheisten und sonstigen Feinden von Religion und Kirche ein Podium; die Dummheit kennt offenbar keine Grnzen.

    Zu Schönborn oder Schüller fällt mir schon nichts mehr ein.

    Herrn Dr. Romig ist nur zu danken, daß er wortgewaltig und mit unerbittlicher Schärfe seiner Argumentation einen Pseudo-Philosophen als das demaskiert was er ist: ein angepaßter Schwätzer im Dienste des Zeitgeistes.

  4. Ausgezeichneter KommentatorLuther
    2x Ausgezeichneter Kommentar
    07. August 2013 08:39

    In Deutschland mangelt es nicht an angepassten Speichelleckern, um wieder einmal eine Diktatur errichten zu können.

  5. Ausgezeichneter KommentatorJohann Scheiber
    1x Ausgezeichneter Kommentar
    07. August 2013 12:49

    Gabriel kritisiert hier, unbewußt, den jüdischen und den mohammedanischen, jenseitigen, monotheistischen Gott, nicht den christlichen. Von der Trinität hat er offenbar keinen Begriff. Der trinitarische Gott ist kein Monokrat, er zwingt nicht, er überführt, er ist kein jenseitiger Gott, er ist in Jesus Christus Mensch geworden und hat so die menschliche Natur wieder in das göttliche Leben aufgenommen und er ist kein jenseitiges Gespenst, sondern gegenwärtig als Geist.

    Die Trinität ist die Festung des Glaubens, an der all diese oberflächliche Kritik abprallt. Seit der Ablösung der Heilsmission des jüdischen Volkes durch Jesus Christus und der von Paulus betriebenen Heidenmission konkurrierten viele Völker dieser Erde um die wahre Nachfolge Christi. Jedes Volk ist so ein Schöpfungsgedanke Gottes und Zeichen der Gegenwart Gottes in der Welt. Das Konzept der multikriminellen Gesellschaft ist so widergöttlich, wie etwas nur widergöttlich sein kann.

    Das deutsche Volk ist ein ganz herausragendes Beispiel christlicher Kultur und Mission. Die Theologie der Kirche ist überragend deutschen Ursprungs und fünfzig Prozent des finanziellen Aufwandes der Weltkirche wird heute noch von Deutschland getragen. Man könnte meinen, dass Deutschland eine ganz hervorragende Rolle in der Endzeit auszuführen hat, weswegen diese Mitte Europas geistig ganz besonders umkämpt ist, wobei die Deutschen sich offenbar durch die Preisgabe ihrer Nation wieder in der selben Sonderrolle befinden, die sie innehatten, als sie ihre Nation überhöhten.

    Jede (einstige) christliche Kulturnation dieser Welt, nicht nur Deutschland ist dermaßen bestückt mit geistigen Zeugnissen des Glaubens, dass man wirklich mit dem Prediger des AT sagen kann: Nur der Tor spricht in seinem Herzen, es ist kein Gott!
    Und Torheit ist auf akademischen Lehrstühlen, weiß Gott, keine Seltenheit.

    Den Menschen von Gott zu trennen gelingt nur, wenn man ihn verblödet und gutmenschlich terrorisiert - aber auch das bestimmt nicht für lange Zeit!
    Und Torheit ist auf akademischen Lehrstühlen, weiß Gott, keine Seltenheit.

  6. Ausgezeichneter KommentatorWolfram Schrems
    1x Ausgezeichneter Kommentar
    08. August 2013 11:26

    Die akademische Philosophie im deutschen Sprachraum ist - wie man an diesem Beispiel unschwer erkennt - in einem komatösen Zustand. Es ist atemberaubend, mit welchem kranken Geschwätz man zum Lehrstuhlinhaber werden kann.

    Der junge Herr Professor sollte einmal - rein historisch - erforschen, welche Institution das Überleben der antiken Philosophie und deren Entfaltung überhaupt erst möglich gemacht hat: Das war ausschließlich die Katholische Kirche (bzw. die Kirche von Byzanz vor und nach der Trennung), die in Klöstern und Domschulen Platon und Aristoteles bewahrt haben.

    Es ist ausschließlich das rechtgläubige Christentum, in dem sich das Denken entfalten kann und entfaltet hat. Der Unglaube führt auch immer in die Irrationalität, bzw. in den Wahnsinn und in weiterer Folge in den Totalitarismus.

    Dem geschätzten Herr Dozenten Romig ist allerdings leider auch ein kleiner Fehler unterlaufen: Er hat übersehen, daß die weitschweifigen, unklaren und antinomischen Texte des II. Vaticanums (hier Gaudium et Spes, Nostra Aetate und Dignitatis Humanae genannt) evidenterweise nicht in einer Kontinuität zum alten, kristallklaren, philosophisch profunden Lehramt stehen bzw. stehen wollen.

    Im Gegenteil hat sich am Konzil eine geradezu gespenstische Renaissance der Irrationalität, ja der Gnosis ereignet. Insofern hätte Doz. Romig auf eine positive Nennung dieser Texte verzichten sollen, weil sie gerade seine eigene Aussageabsicht, wie sie sonst im Text zum Ausdruck kommt, untergraben.

die besten Kommentare

  1. Ausgezeichneter KommentatorFrancois Villon
    2x Ausgezeichneter Kommentar
    07. August 2013 10:44

    Die Lage ist wirklich ernst, wenn derartige Ansichten mit dem Weihrauch akademisch-philosophischer „Autorität“ verkündet werden. Und Dr. Romig zeigt auch überdeutlich in welchem zeitgeistigen „Denken“ dies eingebettet ist, indem er den Beifall der üblichen „Qualitätsmedien“ erwähnt.

    Dazu paßt, daß vor wenigen Tagen folgende Erklärung auf den Tisch flatterte:

    The Roman Catholic Church is Declared a Transnational Criminal Organization

    Itccs.org – International Tribunal into Crimes of Church and State, August 03, 2013

    The Brussels Proclamation of August 4, 2013

    A Legal Notice and Instrument issued by The International Common Law Court of Justice
    …. (4 Seiten)

    George Dufort, LL.B., Secretary of the Court
    4 August, 2013
    ICLCJ – 04/08/13

    Betrachtet man dann auch noch den Zustand zahlreicher Vertreter des Klerus, dann ist man an Solowjows “Drei kleine Erzählungen“ – und hier an jene vom Antichrist – erinnert.

    Seit Jahr und Tag bietet etwa das Stift Kremsmünster, eines der ältesten des Landes, in den sogenannten ökumenischen Sommergesprächen vor allem Atheisten und sonstigen Feinden von Religion und Kirche ein Podium; die Dummheit kennt offenbar keine Grnzen.

    Zu Schönborn oder Schüller fällt mir schon nichts mehr ein.

    Herrn Dr. Romig ist nur zu danken, daß er wortgewaltig und mit unerbittlicher Schärfe seiner Argumentation einen Pseudo-Philosophen als das demaskiert was er ist: ein angepaßter Schwätzer im Dienste des Zeitgeistes.


alle Kommentare

  1. Anton Volpini
    08. August 2013 18:58

    "Es gibt die Welt nicht, weil es Gott nicht gibt."

    Dann gibt es auch keinen Professor Markus Gabriel. Uns ebenfalls nicht!
    Und daher können wir seinen Unsinn auch nicht lesen, schon gar nicht uns darüber Gedanken machen.

    Soren Kierkegaard erklärte den Unterschied zwischen einer Kartoffel und dem Menschen, daß zwar beide Lebewesen seien, die Kartoffel aber nicht in Kontakt zu anderen Kartoffel treten kann, während wir Menschen sehr wohl zu anderen Menschen Beziehungen unterhalten.

    Möge sich der Herr Markus Gabriel als Kartoffel fühlen, ich fühle mich als Mensch.

    Und um es noch einmal mit Kierkegaard zu sagen, der Mensch hat sein höchstes Daseinsziel erreicht, wenn er sich Gott direkt und unmittelbar am nächsten fühlt, die Kartoffel kann das nicht!

  2. Wolfram Schrems (kein Partner)
    08. August 2013 11:26

    Die akademische Philosophie im deutschen Sprachraum ist - wie man an diesem Beispiel unschwer erkennt - in einem komatösen Zustand. Es ist atemberaubend, mit welchem kranken Geschwätz man zum Lehrstuhlinhaber werden kann.

    Der junge Herr Professor sollte einmal - rein historisch - erforschen, welche Institution das Überleben der antiken Philosophie und deren Entfaltung überhaupt erst möglich gemacht hat: Das war ausschließlich die Katholische Kirche (bzw. die Kirche von Byzanz vor und nach der Trennung), die in Klöstern und Domschulen Platon und Aristoteles bewahrt haben.

    Es ist ausschließlich das rechtgläubige Christentum, in dem sich das Denken entfalten kann und entfaltet hat. Der Unglaube führt auch immer in die Irrationalität, bzw. in den Wahnsinn und in weiterer Folge in den Totalitarismus.

    Dem geschätzten Herr Dozenten Romig ist allerdings leider auch ein kleiner Fehler unterlaufen: Er hat übersehen, daß die weitschweifigen, unklaren und antinomischen Texte des II. Vaticanums (hier Gaudium et Spes, Nostra Aetate und Dignitatis Humanae genannt) evidenterweise nicht in einer Kontinuität zum alten, kristallklaren, philosophisch profunden Lehramt stehen bzw. stehen wollen.

    Im Gegenteil hat sich am Konzil eine geradezu gespenstische Renaissance der Irrationalität, ja der Gnosis ereignet. Insofern hätte Doz. Romig auf eine positive Nennung dieser Texte verzichten sollen, weil sie gerade seine eigene Aussageabsicht, wie sie sonst im Text zum Ausdruck kommt, untergraben.

    • Collector
      08. August 2013 13:00

      @Wolfram Schrems:

      Gerade Ihre Urteile über Gaudium et Spes, Nostra Aetate und Dignitatis Humanae (weitschweifig, unklar, antinomisch) unterstreichen die Notwendigkeit sich mit ihnen und ihrer Interpretation philosophisch unter dem Gesichtspunkt der "Hermeneutik der Kontinuität und der Diskontinuität" auseinanderzusetzen.

      Das geht natürlich nicht ohne Rückgriff auf Thomas von Aquin, der im Literaturverzeichnis in Gabriels Buch nicht einmal aufscheint!

    • Wolfram Schrems (kein Partner)
      08. August 2013 20:24

      @Collector

      Ich habe im Eigenstudium und im Austausch mit anderen genau das, was Sie anregen, versucht.

      Meine Einsicht: Wenn ich mit der wohlwollendsten "Hermeneutik der Kontinuität" vorgehe, um etwa Dignitatis Humanae mit dem voraufgehenden Lehramt in eine organische Kontinuität zu bringen, scheitere ich notwendig. Der Wortlaut von DH zeigt mir: Die Aussageabsicht des gesamten Dokuments widerspricht dem älteren Lehramt. Es führt einen irrealen, unempirischen und geradezu antichristlichen "Würde-"Begriff ein und argumentiert verquer und grotesk.

      Ich könnte also nur "Kontinuität" erkennen, wenn ich das Widerspruchsprinzip aufgäbe.

      Es ist die Quadratur des Kreises oder - um ein Schlagwort des Deutschen Idealismus zu bemühen - die "Identität der Identität und der Nicht-Identität". Es endet in der Konfusion - oder im Wahnsinn.

      Die Texte des II. Vat. in ihrer Gesamtheit sind nicht zu retten, denn: Bonum ex integra causa, malum ex quocumque defectu. D. h. die von Ihnen genannte Hermeneutik muß herausarbeiten, was kontinuierlich ist und das andere verwerfen.

      Man hat sich über Thomas lustig gemacht oder ihn abgetan und ist im Irrationalen und Irren gelandet.

    • Collector
      09. August 2013 08:33

      @Wolfram Schrems, 08. August,20:24

      Wir sind uns wohl ganz einig darin, dass mit Dignitatis humanae die wohl wichtigste Aufgabe der Philosophie zum Thema gemacht wird: die Würde des Menschen.
      Worin besteht sie? Vornehmlich in der Freiheit, zu der unabdingbar auch die Religionsfreiheit gehört. Hier bewegt sich DH ganz in der Kontinuität der Tradition: "Niemand darf zum Glauben gezwungen werden".
      Die Tragik von DH besteht darin, dass aus diesem Glaubenssatz der nachfolgende "Geist des Konzils" die falschen Konsequenzen für Gesellschaft und Staat zieht und - anders als die griechisch- oder russisch- orthodoxe Kirche - auf die Synergie zwischen Kirche und Staat weitgehend verzichtet. Doch auch das gehört zu den großen Fragen der (Sozial-)Philosophie. Markus Gabriel behandelt sie politisch korrekt, indem er sie im "Perspektivenpluralismus" versenkt und auf gesellschaftliche Einheit verzichtet. Damit gibt es naturgemäß auch kein bonum commune (Gemeinwohl) und keine soziale Gerechtigkeit, am Ende steht Chaos und Tyrannis, in die sich jede Demokratie verwandelt. "Das Telos der Demokratie ist Gewalt und Terror" (Rudolf Burger in DIE PRESSE 26.02.2000, ähnlich J. L. Talmon: The Origins of Totalitarian Democracy).Davon haben Gabriel und unsere ganze politische Elite nicht den geringsten Tau.Sie haben aus der Demokratie eine Art Religion gemacht: Democracy, The God that Failed (H.-H. Hoppe).

    • F.V. (kein Partner)
      09. August 2013 11:41

      Vor einiger Zeit schon hatte ich meinem leider kürzlich verstorbenen Freund – einem „Turm in der Schlacht“ wie mancher auch hier bei dieser Diskussion – meine

      Eindrücke und Gedanken von einer kleinen Reise

      mitgeteilt. Ich weiß nicht ob und inwieweit sie für die Diskussion vor allem bezüglich des als Bruch der Tradition empfundenen V II Anregung bieten können. Vor allem was Ziegler und Eberz sagten. Zu den Ansichten Eberz´ befragte ich – auch vor Jahren – den bedeutenden Theologen Leo Kardinal Scheffczyk inwieweit sie mit dem Dogma übereinstimmten, was er (für mich überraschend) positiv bestätigte.

      Eigentlich wollten wir ja nur ein paar Tage "irgendwo" Urlaub machen, und da wir Vorarlberg sehr gerne haben, dachten wir daran dort in der Nähe von Bregenz - hoch über dem See bei einer Bäuerin, Frau Sola - ein paar Tage zu verbringen. Dann ergab ein Anruf bei Rammersdorfer, mit dem wir schon ein paar Reisen nach Griechenland machten, - am Freitag 15.00 Uhr für Abfahrt am Sonntag 7.00 Uhr -, daß es noch Plätze gäbe, aber keine mehr für Griechenland (mangels Kabinen auf der Fähre), sodaß es dann Abazzia/Opatija wurde. Es war mir schon flüchtig von einer Kurzreise - zum Zweck die Funker- und Motorbootprüfung hier abzulegen - bekannt. (Die ÖPT, die sonst in Österreich für die Funkerlizenz zuständig ist, macht daraus eine solche Wissenschaft, daß die österreichischen Segelvereine lieber hierher fahren, wo es eine - auch ihr entsprechende - banale Sache ist.) Aber viel anzusehen kamen wir vor Jahren nicht dazu.

      Diesmal besuchten wir Krk, ein Bergdorf in der Umgebung und an einem Tag ging es nach Pula, Rovinij und Porec, eine Fahrt quer durch die Halbinsel. Es war sehr schön und es überraschte uns die Gepflegtheit jedes Ortes und der ganzen Gegend, die gute Erhaltung der alten Substanz, die sehr freundlichen und sehr gut deutsch-sprechenden Menschen. Die Beziehungen zu Österreich sind offensichtlich hervorragend; so ist es allein Österreichern etwa möglich in Kroatien Grund und Boden zu erwerben! Der Bürgermeister eines kleinen Dörfchens, Hochbauingenieur in Pension, erzählte, daß sie alte Häuser (oft nur noch "Keller") in der Umgebung des Dorfkernes um einen symbolischen "Schilling" verkauften. Man rechnet, daß der neue Besitzer es schon herrichten würde und somit Kapital und Arbeit herkäme und sich damit ein allgemeiner Aufschwung einstellen würde. Die Lebenshaltungskosten sind zwar nicht ausgesprochen überzogen, aber manches schien uns für die dortigen Einkommensverhältnisse doch viel zu teuer zu sein, jedenfalls im Vergleich zu unseren Lebenshaltungskosten.

      Archetypen und Tradition

      Besonders eindrucksvoll war die Altstadt von Porec. Vom riesigen, natürlichen Hafenbecken, das von den vorgelagerten Inseln und einigen Schutzdämmen gebildet wurde, gingen wir in die Altstadt zum Bischofsdom. Die Straßen sind südlich eng und schattig. Die Hauptstraße in Ost-West-Richtung heißt hier Decumana. Dieser Name kommt von der, von den römischen Haruspices vorgenommenen, Orientierung des Castrums: die Nord-Süd-Achse ist der - bedeutungsvollere - Cardo, Symbol für die Himmelsachse und Achse des Umschwunges des Alls. Die nachgeordnete, und somit auch im Namen als solche gekennzeichnete, Ost-West-Achse ist die Decumana(-us). Ihr Name leitet sich vom lateinischen decem – zehn - ab und spielt dabei auf das entsprechende lateinische Zahlenzeichen - ein X - an, das erst dadurch zum Zeichen für die Zehn wird, indem der zweite Querstrich es zum großen X - für decem - macht, womit die Nachrangigkeit der Decumana etymologisch ausgedrückt wird. Es freute mich hier ein lebendiges Beispiel dieser alten Symbolik vorzufinden, die als verborgenes Geheimnis in den Namen Hauptachsen der Altstadt sich dem Eingeweihten offenbarten.

      Der ganze Dom-Komplex mit dem Bischofspalast und Baptisterium wird z.Zt. als UNESCO-Weltkulturerbe restauriert. Der Dom geht auf das 3. Jahrhundert n. Chr. zurück und ist eine Hallen-Basilika, deren Hauptschiff von antiken Säulen getragen wird. Der neue Kirchenboden liegt über dem alten - z.T. noch als römisches Mosaik erhalten, und er ist an manchen Stellen zu besichtigen. Besonders interessant war die Apsis. Hier ist im Halbrund nicht - wie oft in byzantinischen Kirchen - der Schöpfer-Gott, der Pantokrator, mit dem Radkreuz (auch dieses kommt aus paläolithischer, nördliche Überlieferung!), fälschlich seinem "Heiligenschein", sondern Maria mit dem Jesus-Kind als zentrales Bildnis dargestellt. Ihre auch größenmäßige Hervorhebung aus dem Kreis der Heiligen und des Kirchenstifters und auch gegenüber dem Gottessohn und Jesus-Kind auf ihrem Arm, zeigt u. A. nach weniger an, daß es sich hier um eine "Marienkirche" (wie der Führer sagte), sondern um den Beleg einer ungebrochenen Überlieferung handelt, wie sie Otfried Eberz (in seinem Werk: Sophia und Logos - Philosophie der Wiederherstellung) dargestellt hat. Das Motiv, Maria mit dem Kind, hat übrigens eine Entsprechung in ägyptischen Vorbildern von Isis mit Osiris bzw. dem Horusknaben. Es ist dies also ein Archetyp religiöser Darstellung, der auch noch weit hinter die ägyptischen Glaubensvorstellungen hinausreicht und damit Zeichen einer kontinuierlichen religiösen Tradition wird. Da in der Tradition, vor allem in der religiösen Darstellung, die Größe der Figur immer auch ihren Rang repräsentiert, ist hier Maria nicht nur als menschliche "Muttergottes" gemeint, sondern – offensichtlich, wie es älteren Traditionen entsprach - als Göttin selbst.

      Leopold Ziegler, der große Religionsphilosoph zeigte in seinem Werk „Überlieferung“, daß der Mythos heilige Geschichte ist, Geschichte in Form des Vaters, der Mutter und des Sohnes. Trotz der Vielfalt der Formen dieser Erzählungen, sind sie im Kern immer gleich. „Immer ist da, zuerst und zuwichtigst, das urvordenklich vorweltliche Sein des Heilsbringers, seine Prä-Existenz, will sagen seine Gegenwart jenseits der Raumzeitstetigkeit, die für uns die Wirklichkeit ausmacht. Da ist, zweitens, seine unbefleckte Empfängnis im Schoße der jungfräulichen Mutter und Gottesgebärerin, häufig die Buhlin und Geliebte des eigenen Sohnes, dem sie sogar in die Unterwelt nachfolgt. Da ist, drittens, die leibliche Vaterlosigkeit des Sohnes. Da ist, viertens, die feierliche Vorankündigung. Da ist, fünftens, die Aussetzung des vaterlosen Kindes in einer Wiege, einer Kiste oder einem Korbe, seine tückische Verfolgung seitens der herrschenden Gewalten des jeweiligen Gegenreiches und seine wunderbare Rettung. Da ist, sechstens, der Sieg über den alten Chaos-Dämon, die bestandene „Versuchung“. Da ist, siebentens, und letztens, der Schicksalsumschwung auf der Höhe des Lebens, die Auslieferung an die Widersacher, die Folterung oder „Bohrung“ an das Marterholz mit dem Vollzug der stellvertretenden Selbstopferung. Anschließend an die Toten- und Höllenfahrt, die Umgeburt und Auferstehung, der Amtsantritt der Weltherrschaft genau von derselben Region her, in die der Herr und Heiland nach Vollendung seiner siebenten Station eingeht.“

      An anderer Stelle weist Ziegler auf das Reich der Urwassertiefe, ja der Großen Mutter noch diesseits jeder Weltentstehung oder Weltschöpfung als unvermeidlich hin.

      „Auf die dogmatischen Verlegenheiten will ich hier nicht eingehen, die der Kirche dadurch erwachsen, daß sie dasselbe Pneuma, ... zu personifizieren und an die Stelle der "Mutter" in ihre trinitarische Formel aufzunehmen strebt. Genug, daß dieser Versuch bis heute nicht recht geglückt ist und es eigentlich immer nur zu einer halben Personifikation gebracht hat, ja daß das von der Kirche zugelassene Symbol des Pneuma, die Taube, wie mit einem ausgestreckten Finger gleichfalls auf die Wesenheit der Großen Mutter zeigt und deutet - die Taube, das heilige Wappentier der kyprischen Aphrodite und schaumgeborenen Herrin der Urgewässer!“ ....

      „Die dritte Person des Apostolikums, ich möchte es nochmals wiederholen, entspricht ... als die ruha elohim, grundsätzlich der "Mutter", und reicht als Urwassertiefe und Urweisheit, als Tiâmat, Tehom, Hagia Sophia, offenbar in älteste Schichten des Gottbewußtsein hinab. Sie wird in doppelter Gestalt, sei es als Himmelsjungfrau und Gottesgebärerin Maria, sei es als die Mutter-Kirche, mit ihren kultisch-sakramentalen Weihekräften ins Dogma verpflanzt. Und wenn wir bei Augustin etwa die Worte lesen: `Lasset uns lieben Gott unseren Herrn, lasset uns lieben seine Kirche: jenen als unseren Vater, diese als unsere Mutter´ - so blitzt noch ihm ein Erinnerungsfunke auf an das Weltelternpaar urtümlicher Vergangenheit.“

      „Gesetzt nämlich, mit dem waagrechten Balken des Kreuzes sei der Raum gemeint, mit dem senkrechten Balken jedoch die Zeit; gesetzt ferner, sie beide, Raum und Zeit, gelangten nicht nur in ihrem eigentlichen Schnittpunkte zu ihrer wechselseitigen Durchdringung, sondern es spule und schieße außerdem bei der Fortbewegung jedes einzelnen Zeitpunktes auf der Zeitachse ein Faden hinüber zu jedem einzelnen Raumpunkt auf der Raumachse als seiner eigentlichen Entsprechung: dann entsteht am Kreuz aus diesen Schürzungen einander zugehöriger Raumzeitpunkte unfehlbar ein Gespinst oder ein Gewebe, welches das Kreuz selbst allmählich wie mit einem Kokon überzieht und unverkennbar genau das darstellt, was uns hier als Schleier der Ischtar, Isis, Mâyâ wiederholt beschäftigte. Auch dieser Schleier wird unmittelbar am Kreuz gesponnen und gewoben, womit dann gerade dem Christen endgültig jeder Vorwand genommen ist, Symbole wie Weltelternhochzeit oder Schleier der Ischtar schlankweg als heidnisch abzufertigen. Dasselbe Kreuz, welches wir soeben als das Hochzeitsbette der Welteltern erkannten, darin sich Vater Zeit und Mutter Raum ununterbrochen gatten, dasselbe Kreuz ist auch der Spinnrocken und Webstuhl, der das Gewand oder den Mantel Gottes, "die Welt", eh und je herstellt und fertigt. Für jeden nicht vorsätzlich Verstockten spricht übrigens hier die Sprache eben auch der Evangelien noch mit ungeschwächter Kraft urwüchsiger Symbolik. Denn wenn am Kreuze nach evangelischem Bericht auch nicht geradezu erzeugt und hervorgebracht, wird doch am Kreuz das nahtlose Untergewand des Herrn immerhin verlost und ausgewürfelt. Und wie zu einer nachträglichen Beglaubigung des entscheidenden Sachverhaltes stimmen zwei innere Schauungen, der Katharina Emmerich und der Theresia Neumann, darin vollkommen überein, daß dieser "braune ungenähte Rock", den der Herr auf seinem Leibe trug, gewoben und gewirkt gewesen sei von Maria! Hiernach ist der Mantel Gottes ausdrücklich als ein Gespinst der Gottesmutter gekennzeichnet, und wieder einmal fließt im Evangelium der historische Vorgang mit seiner metahistorischen Bedeutung ununterscheidbar zusammen. (Ein Gemälde des Piero della Francesca, die Madonna mit dem Schutzmantel, versinnbildlicht diese Zusammenhänge mit einer Größe der Anschauung, die kaum ihresgleichen hat. Eingewurzelt und bodenfest, wie aus der Erde gewachsen, steht hier die Gottes- und Menschenmutter da, diesmal sie selbst in die weitläufige Glocke des Weltenmantels gehüllt, dessen Falten der zeitlichen Menschheit Obhut und Zuflucht gewähren, herrlich vollendete Epiphanie der Mutter Raum, zu der die sterblichen Geschlechter beten.)“

      Man denke auch an: Alma Mater Austriae, den Wallfahrtsort und die Basilika Mariazell, zahlreiche Schutzmantelmadonnen, die „Una-voce“-Messe nach der Errettung von der Türkengefahr, die „Maria-Namen“ geweiht ist, 1683 seit damals!

      Es gibt aber noch zahlreiche weitere Bezüge auch zu Archetypen des Paläolithikums: die die Erde überspannenden Linien, das Netz, symbolisieren die Herrschaft über den Raum, die Erde. Der Krönungsmantel des Kaisers des Hl. Röm. Reiches mit seiner regelmäßigen Verzierung erinnert an das Netz, den Schleier, den Schutzmantel. Die keltischen Münzen zeigen diese archetypischen regelmäßigen Netze ebenfalls.

      Die Gitter, die Menschen über die bewohnte Erde legten, markiert durch Wegkreuze, Materln, Bildstöcken: beispielsweise um das Stift Zwettl.

      Sine approbatione ecclesiae

      Es ist uns nicht klar - weil es uns dazu an Kenntnissen mangelt -, ob darin die von der Kirche bekämpfte Gnosis - die duale Darstellung des Göttlichen als Sophia und Logos - oder ob es sich um eine andere, herätische Art der Trinität handelt: Schöpfergott, Sophia/Marija und Logos/Jeschua. Die in der Kirche ja ganz ungewöhnliche Marienverehrung könnte durchaus die - nicht gänzlich unterdrückbare - traditionale, frühere Verehrung der weiblichen Gottheit bedeuten, und es ist ja auch interessant, daß der Heilige Geist mit der Kirche symbolhaft gleichgesetzt wird, die wiederum als "Mutter" Kirche eine Assoziation/Erinnerung an die dritte göttliche Person, Marija/Sophia, sein könnte, was die oben zitierten Befunden L. Zieglers im Grunde schon nachgewiesen haben.

      Diese Gedanken drängen sich beim Lesen von Otfried Eberz oder Leopold Ziegler (Überlieferung) förmlich auf. Die antiken und prähistorischen Zeugnisse – richtig verstanden – sind dafür Belege. In diesem Licht erscheint auch die zunächst ganz unbegreifliche Änderung, die beim Zweiten Vatikanischen Konzil fixiert wurde, - daß in allen Religionen ein Strahl Gottes enthalten sei (was vielfach als eine Aufgabe das alleinigen Wahrheitsanspruches verstanden wurde), oder die für traditionale, „orthodoxe“ Katholiken kaum verdaulichen Ökumenismen der Kirche verständlich. Es dürfte dies freilich vom neuzeitlichem (materialistischen) Geist weitgehend ausgenützt werden, um die Kirche zu unterminieren. Aber die wahre Absicht könnte doch die sein, den Anschluß an die alten Traditionen/Überlieferung wiederzugewinnen, der im Westen (Abendland) heute praktisch völlig verloren gegangen ist. Solche Gedanken führt Rene Guenon in Die Krisis der Neuzeit aus, ein kleines aber ganz phantastisches, und die Lage Europas treffend beschreibendes Buch, das zu lesen lohnte.

      „... sie ist die Erbin“ (Carl Schmitt)

      Ursprünglich wollten wir nur von diesem eben erst gelesenen Büchlein berichten. - Bedeutend ist, daß auch R. Guenon nur in der katholischen Kirche die einzige noch verbliebene Institution erblickt, die den Untergang des Abendlandes und seiner Kultur aufhalten könnte. Wenn man sieht, wie andere, gar nicht "katholische" oder "frömmlerische" Denker zu diesem Schlusse kommen, dann ist es umso irritierender, wenn unsere vermeintlich nationalen "Eliten" sich noch immer und angesichts des nihilistischen Abgrundes mit längst als obsolet erkennbaren Ideologien abgeben. ...

      Ausblick

      Es kommt also auf eine Doppelstrategie hinaus: jederzeit zu wissen was eigentlich das Ziel ist und was dementsprechend zu tun wäre - auch wenn dies auf Umwegen nur erfolgen könnte, d.h. sich innerhalb des herrschenden Paradigmas behaupten und das was geht umzusetzen. Im Grunde geht es um die societas perfecta, also eine, in der Himmel und Erde in Einklang sind.

      Guenon meint, daß es im Abendland heute keine wirklichen geistigen Kräfte mehr gibt und selbst die katholische Kirche nur mehr oberflächlich und mechanistisch ihren Glauben praktiziert, sie wohl der Verbündeten bedürfe, die noch über traditionale Geistigkeit verfügen, die er im Morgenland/Osten noch als existent ansieht. - Ob das die Bemühungen um eine Ökumene auch mit den nicht-christlichen Religionen erklärt?

      Früher, d.h. bevor wir noch auf Carl Schmitt stießen, hatten wir keine Ahnung von dem Politischen. Nun, je mehr man liest, sieht und erfährt, merkt man, daß unsere ganze Ausbildung nur eine im "luftleeren" Raum schwebende Anhäufung von "Meinung" ist/war.

      Mein Vater erzählte oft von seinem Professor für pathologische Anatomie, der gefürchtet und sehr streng gewesen sein soll. Er begann, laut Vater, seine Vorlesung damit, daß er ein wohl griechisches Zitat an die Tafel malte, das sagte, "man könne sich nur jenen verständlich machen, die bereits wüßten, wovon die Rede ist, und denen man nur anzudeuten brauchte, was Gegenstand (bzw. das Neue) des/r Vortrages/Vorlesung sei". Das hat mich damals immer sehr entrüstet, weil mir die Aufgabe des Lehrens und Lernens die Vermittlung des Unbekannten an noch Unwissende war, und dieser Ausspruch also sehr überheblich erschien; - heute ist klar: er stimmt ganz offensichtlich.

      Nun, genug. ...
      Herzliche Grüße

      Dein

    • Wolfram Schrems (kein Partner)
      09. August 2013 15:37

      @ Collector

      Danke für Ihre weiterführenden Informationen.

      Auch der Hinweis auf Rudolf Burger scheint mir vielversprechend. Ich kenne sein grandioses Werk zur Geschichtsphilosophie (Im Namen der Geschichte - Vom Mißbrauch der historischen Vernunft). Ich habe dessen Grundeinsichten für einen eigenen, katholisch-apologetischen Vortrag gut einsetzen können.

      Zur Menschenwürde: Sie haben recht: "Niemand darf zum Glauben gezwungen werden." Das war aber immer kirchliche Lehre.

      Im Forum Internum herrscht Freiheit, weil es auch gar nicht anders möglich wäre. Die Kirche weiß das. In DH wird aber die Grenze zwischen Forum Internum und Forum Externum verwischt (worauf Roberto de Mattei ausführlich hinweist).

      Der Würde-Begriff wird somit irreal. Wenn ich nämlich jedem Menschen, unabhängig von seiner religiösen Bindung, seinem Charakter und seinem Handeln, immer nur Würde zuspreche, werde ich ihn in seinem allfällig würdelosen Zustand gefangen halten. Darum hat die Kirche auch immer um die charakterprägende Wirkung guter Gesetze gewußt ("Wo keine Strafe verhängt wird, ist die Bosheit schnell am Werk. Deshalb wächst im Herzen der Menschen die Lust, Böses zu tun." Koh 8, 11f).

      Diese können den Glauben natürlich nicht erzwingen, aber falsche Religionen mit falschen Morallehren eindämmen.

      Ich denke im Gegensatz zu Ihnen daher nicht, daß es nur eine falsche Rezeption nach dem Konzil war, die zu den desaströsen Konsequenzen in der Gesellschaft geführt hat. Das Desaster liegt in DH selbst, besonders in seinem irrealen und irgendwie hyperventilierten, rauschartigen Zelebrieren der "Würde". Die Folge war eine unfaßbare Schändung der Menschenwürde, wie wir sie seit Jahrzehnten immer stärker beobachten.

    • Collector
      09. August 2013 17:37

      @Wolfram Schrems, 09. August, 15:37

      Damit haben Sie leider recht: "In DH wird aber die Grenze zwischen Forum Internum und Forum Externum verwischt".

      Im Forum externum hat es die Kirche nie zu einer synthetisch-ganzheitlich-systematischen Gesellschaftslehre gebracht. Der Letzte, der es versuchte, war Pius XI. mit "Quadragesimo anno", dem Rundschreiben von 1931 "über die soziale Ordnung, ihre Wiederherstellung und Vervollkommnung nach den Normen des Evangeliums". Seither schreitet die Säkularisierung rasch fort. Jetzt faseln Kirchenfürsten sogar von "demokratischer Gesellschaft", als gäbe es gesellschaftliche Gebilde (Familie, Staat, Nation, Volk, Wirtschaftsbetriebe, Verwaltungen, Heereskörper, politische Parteien, Fußballvereine, Orchester, Kannichenzüchterverein), die mit "Demokratie" überleben könnten. Nikolas Gomez Davila´s Diktum werden sie wohl kaum verstehen: "Die Demokratie ist eine Fehlgeburt der Geschichte. Das Leben ist eine Werkstatt von Hierarchien. Nur der Tod ist Demokrat". Vielleicht gehen sie demnächst bei Herrn Gabriel in die Schule "of Political Correctness"?

  3. Zraxl (kein Partner)
    07. August 2013 19:08

    "Es gibt die Welt nicht, weil es Gott nicht gibt." Diese Aussage ist zwar wahr, enstprechend dem 4. Axiom der Logik, dem Satz vom zureichenden Grund, aber sie ist gegenstandslos, denn es gibt ja nichts. Das ist quasi die triviale Lösung der philosophischen Problemstellung.

    Thomas von Aquin hat diese Aussage umgedreht und als Gottesbeweis verwendet: Es gibt Gott, weil es die Welt gibt. Denn wenn es keinen Gott gäbe, siehe oben.

    Eine philosophische Abhandlung über das Seiende im Nichtseienden würde zunächst eine neue Festsetzung von Aussageregeln bedingen. Wo sind diese?

    • Collector
      09. August 2013 09:56

      @Anton Volpini

      Bei aller Hochschätzung von Kierkegaard: der "gefühlte" Gott ist nur das Produkt meiner subjektiven Gefühle und Einbildung, der selbstgemachte Gott, keine ontologische Realität. Kierkegaard kennt daher auch nicht den Begriff der Kirche als allumfassendes Sakrament, ohne welches das Heil der Seele und der Völker nicht zu erlangen ist (extra ecclesiam nulla salus). Sein Existentialismus (wie auch jener von Satre, Heidegger, Bultmann, Barth etc.) ist in Wahrheit "asozial", individualistisch. Für die Kirche, diese societas perfecta, und das Lehramt hat Kierkegaard, wie viele Mystiker, nur Spott übrig. Er ist damit sehr zeitgemäß und typisch: Christus ja, Kirche nein. Dass genau ist das, was ins Chaos führt. Das hat am Ende seines Lebens sogar Ernst Jünger begriffen: er wurde katholisch.
      Gerne noch ein Hinweis auf ein köstliches, eben erschienenes Buch: W. Imkampen: "Sei kein Spießer, sei katholisch" (Kösel, München 2013). Der Spießer macht sich seine Wohlfühlreligion selbst, oft eine Mixtur aus Fernost - der Dalai Lama steht hoch im Kurs! - und evangelikale Sekten. Für ihn, den Spießer, sind "all religions equal. None of it is true" (Kardinal Newman). Der Katholik bindet sich und nimmt sein (kirchen- und liturgisch gebundenes) Christentum und Credo ohne jeden Abstrich ganz ernst.

  4. SozialerMensch (kein Partner)
    07. August 2013 13:57

    Die relativistische Toleranzphilosophie der Postmoderne beruht auf einem eigentlich recht offensichtlichen Fehlschluss: Wenn man davon ausgeht, dass es keine objektive Wahrheit gibt, so folgt daraus in keiner Weise irgendeine Toleranz. Sondern es folgt daraus zunächst nur, dass sich im Falle des Konfliktes zweier subjektiven Überzeugungen die Frage "Wer hat Recht" nicht mehr stellt. Dann aber bleibt nur noch die Frage: "Wer setzt sich durch" übrig. Und das ist natürliche jene Überzeugung, die im Konfliktfall von ihren Anhängern die größte Skrupellosigkeit und Rücksichtslosigkeit einfordert. Toleranzüberzeugungen gingen notwendig unter, weil sie sich im Konfliktfall nicht behaupten können. Sie wären zwar nicht im engeren Sinne "unwahr", aber spieltheoretisch irrational. Die Schlussfolgerung ist eigentlich recht klar: Gibt es objektive keine Wahrheit, dann gibt es keinen Grund, die Skrupelosigkeit unseres Führers Adolf Hitler in Frage zu stellen, sondern wir müssen geschlossen hinter ihm stehen, um die subjektiven Mythen, an die wir glauben (arische Rasse), gegen die subjektiven Mythen anderer Völker (proletaristische Klasse) durchzusetzen.

    Diese Einsicht hatte die Philosophie in den 30er Jahren des letzten Jahrhunderts jedenfalls erlangt, egal ob es die gottlose Philosophie von Links oder Rechts war. Und sie ist auch vollkommen zwingend. Die postmoderne Toleranzphilosophie der Gegenwart ist schlicht dumm und irrig, in ihren Nihilismus einfach Inkonsequent. Selbstverständlich ist der moderne Staat auch keinesfalls Tolerant: Mit Toleranz und Pluralismus ist heute ohnehin nur noch schwuler Life-Stile gemeint. Alle wirklich abweichenden Lebensstile werden im erdrückende Steuerlast und staatliche Gegenerziehung ausgeblutet.

    • Komma
      07. August 2013 16:02

      @SozialerMensch

      Ein sehr guter Kommentar Erinnert an Dostojewskij, der Fürst Myschkin (Der Idiot) sagen läßt: "Der Mensch kann ohne Gott nicht leben", er wird "unmenschlich", wie eben Hitler, Stalin und eben Gutteil unserer heutigen Politik, die uns zu Sklaven jener (Finanz-, EU-,Washington-)Kräfte macht, "gegen deren Geheiß niemand auch nur zu atmen wagen kann".

    • F.V. (kein Partner)
      07. August 2013 16:10

      Die Romantik, eine sehr deutsche Kulturschöpfung, steht in einem unübersehbaren Gegensatz zur Moderne, zur französischen Aufklärung. Und so überrascht es nicht, daß die Aufklärung mit ihren Kennzeichen des Relativismus, Rationalismus, Materialismus, Individualismus – und nicht zuletzt ihres Atheismus von der deutschen Transzendental-Philosophie – dem Idealismus und der Romantik - geistig längst überwunden wurde. (Nur das „Vae victis!“ nach zwei Weltkriegen hat mit Brachialgewalt dies nochmals zurückgedreht.)
      Es waren die Auswirkungen dieser Aufklärungs-Philosophie, die zwar u. a. Toleranz predigte, aber Wohlfahrtsausschüsse schuf, und mit ihnen die „volenté general“ (der manipulierten, angeblichen Volksmeinung), mit der der erste Völkermord in der Neueren Geschichte – in der Vendee -, „rational“ „gerechtfertigt“ wurde. Für den „hors de loi“ – den „Feind des (abstrakten) Gesetzes“ – gab es keine „Toleranz“, was übrigens heute um nichts anders ist.
      Die schönen Worte stimmen nicht mit der rauen Wirklichkeit überein. Das ist zwar auch mit den Zehn Geboten so, auch diese werden ohne Unterlaß und von jedem gebrochen, aber dennoch sind sie als kategorischer Imperativ eine absolute Norm, und somit unantastbar. Sie sind aber auch göttliche Gebote, und unterscheiden sich schon deshalb von den menschlichen. Was bei der Toleranz aber noch – als Generalverdacht – hinzukommt, ist meine Beobachtung, daß solch ein „Ewiges Wahrwort“ wie die T., in Wahrheit als schweres Geschütz, als Kriegsmittel im Kampf um die Vorherrschaft einer bestimmten Ordnungsvorstellung, banal gesagt: im Kampf um die Macht fungiert. Toleranz ist somit ein höchst politischer Begriff, jedenfalls in seiner heutigen Anwendung. In der Französischen Revolution diente er vor allem zum Sturz der alten, hierarchischen Ordnung, - wobei die Toleranz in keinem Augeblick je Anwendung fand, allen hehren Worten VOLTAIRES zum Trotz: „Ich verurteile seine Ansicht, aber ich würde alles daran setzen, daß er sie äußern kann.“
      Schließlich wurde mit der Guillotine die egalité hergestellt.

      Auch kulturgeschichtlich ist die Toleranz ein Märchen.

      Zur Entstehung von Kulturen bzw. der Abfolge von Kulturstufen stellte Gotthard GÜNTHER sehr beachtliche Thesen auf, nämlich eine Drei Stufen-Abfolge der Weltgeschichte (im Anschluß an Oswald SPENGLER). Mit drei welthistorischen Entwicklungsstadien des menschlichen (Bewußt-)Seins wird dies von Günther begründet.
      Die Ausbildung der heutigen, d. h. der Hochkulturen der Zweiten Stufe, ist wesentlich von deren Abgeschlossenheit gegenüber anderen (= fremden) Räumen bedingt, und die radikale Ausschließung fremder Einflüsse, d. h. im Grunde der Intoleranz gegenüber solchen – sie auflösenden – fremdkulturellen Einflüssen.
      Alle Geschichtsabläufe sind auf ein enges geographisches Gebiet beschränkt, der Erfolg und die innere Kraft dieser regionalen Gebilde in China, Ägypten, Griechenland und anderswo beruht ausgesprochen auf der ausschließenden Einseitigkeit und intoleranten Konzentration auf ein einziges metaphysisches Lebensapriori. ...“

      Und da das so ist, ist die uns vom Hegemon USA aufgezwungene Immigrations- und Asylpolitik nichts weiter als der Seelenmord an unserem (und den anderen europäischen) Völkern.

      Obwohl Toleranz sich etymologisch angeblich vom lat. tolerare = ertragen ableitet, glaube ich, daß dies und die Orthographie falsch ist, und es richtig Tolleranz heißt und sich von „toll“ (= bösartig verrückt) ableitet.

    • Komma
      07. August 2013 21:04

      @F.V.
      Max Horheimer in einem Geheimpapier für die USA im Jahr 1944 :Man muß eine Elite schaffen, die ganz auf Amerika eingestellt ist. Diese Elite darf andererseits nicht so beschaffen sein, daß sie im deutschen Volk selber kein Vertrauen mehr genießt und als bestochen gilt" (zitiert durch den Historiker Stefan Scheil:Transatlantische Wechselwirkungen. Der Elitenwechsel in Deutschland nach 1945, Berlin: Duncker & Humblot 2012). Diese Elite haben wir jetzt: Merkel wie Steinbrück sind ihre Exponenten.
      Gabriel ist nur Produkt und Werkzeug dieses Elitenwechsels. Er markiert den geistigen Tiefstand der deutschen Gegenwartsphilosophie. Markus Gabriel fällt ja nicht nur hinter die Kirchenvertreter zurück, sondern auch hinter die Religionsphilosophie von G. F. W. Hegel. Für Hegel war ja Religion noch "das Bewußtsein der absoluten Wahrheit". Mit dem "Seelenmord" an Deutschland (F.V.) kam es zum Seelenmord an Europa, ja an der westlichen Welt. Das meint wohl auch

      @Johann Scheiber
      "Das deutsche Volk ist ein ganz herausragendes Beispiel christlicher Kultur und Mission." Mit der Abschaffung Deutschlands verliert die christliche Kultur und Mission ihren Träger. Die Tragödie, die sich vor unseren Augen abspielt, hat Dostojewskij in den "Dämonen" beschrieben. Jetzt schlägt der größte Teil der ernstzunehmenden modernen Literatur sich mit der immer krasseren Schilderung dieser Tragödie herum. Ich würde übrigens auch den Rücktritt von Papst Benedikt XVI. mit dieser Tragödie Deutschlands und seiner Mission in Verbindung bringen.

    • SozialerMensch (kein Partner)
      07. August 2013 22:14

      @ F.V.

      Bei der deutschen Tranzendentalphilosophie ist einige Vorsicht geboten. So überzeugend der moralisische Gottesbeweis von Immanuel Kant auch ist:

      Im Gegensatz zum Christentum fordert die Kantsche Moral nicht die Liebe zur Person, sondern die Erfurcht vor dem unpersönlichen Gesetz. Dies wiederum wäre "gesetzliches Christentum", eine schwere Häresie, nämlich die Überhöhung des Pharisäertum. Im Mittelpunkt des christlichen Glaubens steht nicht die Norm - wie etwa beim Islam die Sharia. Im Mittelpunkt steht die Liebe Gottes zu den Menschen und der Menschen zu Gott. Ein christlicher Gottesstaat, der schon aus Organisationsgründen nur auf Gesetze gebaut werden kann, ist daher nur für Ketzer denkbar.

      In konservativen Kreisen gibt es ständig ungläubige Intellektuelle, die dem linken Relativismus irgendwelche absoluten christlichen Werte entgegenhalten wollen. Aber Christentum ohne Gottesfurcht ist nicht machbar und dieser konservative Intellektualismus nur ein verzweifelter Versuch, der Orientierungslosigkeit des eigenen Nihilismus zu entfliehen. Das Christentum ist nicht ein Reservoir, aus dem man eine politische Agenda basteln kann.

    • Collector
      10. August 2013 09:09

      @SozialerMensch, 07.08., 22:14

      "Ein christlicher Gottesstaat, der schon aus Organisationsgründen nur auf Gesetze gebaut werden kann, ist daher nur für Ketzer denkbar."

      Vielleicht liegt hier ein Mißverständnis vor? Noch die aus habsburgischem Hause gestellten Kaiser bezeichneten und verstanden sich stets als "apostolische Majestät" von "Gottes Gnaden".

      Nach christlicher Auffassung ist jeder "Staat", der diesen Namen verdient "Gottesstaat", denn er ist durch das "Naturrecht", das Gott in seine Schöpfung eingeschrieben hat, an Gott gebunden. Benedikt XVI. hat dies in seiner Rede vor dem Deutschen Bundestag am 22. September 2011 in aller Schärfe herausgestellt. Ohne diese Bindung an transzendente (="heilige") Normen ist der Staat einer "Räuberbande" gleichzusetzen. "Gottesstaat" heißt nicht, dass Kleriker den Staat zu führen haben. Kirche und Staat haben in der Gesellschaft verschiedene Aufgaben. Die Kirche sorgt für das Heil der Seelen, der Staat für die irdische Wohlfahrt. Beide "Gewalten", die geistliche und die weltliche Gewalt, aber müssen gut zusammenarbeiten (und tun es ja auch bei uns auf Grund des "Konkordats"), denn von dieser Zusammenarbeit hängt das Wohl des Staates ab (Leo XIII.). Wie diese Zusammenarbeit nach christlicher Auffassung "organisiert" werden kann, hat Pius der XI. in seiner "Enzyklika über die gesellschaftliche Ordnung, ihre Wiederherstellung und Vollendung nach den Normen der Frohbotschaft" ausgeführt. Von dieser Ausrichtung des Staates "ad legis evangelicae", durch welche der Staat zum christlichen "Gottesstaat" wird, ist die christliche Soziallehre bei aller Ambiguität nie abgerückt.

      Jesus selbst lehrte, dass grundsätzlich "alle Gewalt von Gott ausgeht", eben auch die des Staates ("Kaisers").

    • F.V. (kein Partner)
      11. August 2013 17:33

      Collector,

      wie Sie richtig sagen, ist jeder Staat nur insofern einer, als er ein sittlicher Staat ist, also im christlichen Abendland auf den Geboten und der christlichen Sitten- und Soziallehre aufbaut.

      Viele mißverstehen das - oft auch absichtlich - und polemisieren dann, daß man eine Karikatur von Staat gefordert habe, im dem "Pfaffenherrschaft" angesagt sei.
      Aber das ist ja nicht gemeint und wo es tendenziell in eine solche Richtung geht, ist das Ergebnis kaum von der Räuberhöhle zu unterscheiden.

      Man muß da gar nicht die islamischen Länder als abschreckendes Beispiel heranziehen. (Im Übrigen bin ich ohnedies der Ansicht, daß die wenigsten Länder, die heute Mitglieder der UNO sind nach europäischen Maßstäben überhaupt als Staaten gelten können.) Betrachtet man die sich in weltlichen Dingen ergehenden evangelischen Kirchen (Plural!), dann bemerkt man nicht nur deren linke Verpolitisierung (und damit Ideologisierung und Verweltlichung), sondern auch, daß sie als Künder des Seelenheils in Wahrheit abgedankt haben. Und mit zahlreichen katholischen Kirchen-"fürsten" ist es inzwischen auch rasant in diese Richtung gegangen.

      Ergebnis: es ist für den weltlichen Staat, wie für die Kirche und den "Himmel" nur zum Nachteil.

      Ihr Hinweis, daß die christlichen Herrscher sich als "von Gottes Gnaden" legitimierte weltliche Stellvertreter einer göttlichen Ordnung auch auf Erden betrachten, ist einer der Hauptgründe, daß sich das Abendland zu solcher kultureller Höhe entwickelt hat. Und erstaunlicherweise scheinen das auch die Kaiser von China gewußt zu haben: auch dort glaubte man, daß ein Herrscher dann stürzt bzw. stürzen m u ß, wenn er und seine Herrschaft nicht mehr im Einklang mit dem Himmel (dh den göttlichen Geboten) sei.

  5. Johann Scheiber
    07. August 2013 12:49

    Gabriel kritisiert hier, unbewußt, den jüdischen und den mohammedanischen, jenseitigen, monotheistischen Gott, nicht den christlichen. Von der Trinität hat er offenbar keinen Begriff. Der trinitarische Gott ist kein Monokrat, er zwingt nicht, er überführt, er ist kein jenseitiger Gott, er ist in Jesus Christus Mensch geworden und hat so die menschliche Natur wieder in das göttliche Leben aufgenommen und er ist kein jenseitiges Gespenst, sondern gegenwärtig als Geist.

    Die Trinität ist die Festung des Glaubens, an der all diese oberflächliche Kritik abprallt. Seit der Ablösung der Heilsmission des jüdischen Volkes durch Jesus Christus und der von Paulus betriebenen Heidenmission konkurrierten viele Völker dieser Erde um die wahre Nachfolge Christi. Jedes Volk ist so ein Schöpfungsgedanke Gottes und Zeichen der Gegenwart Gottes in der Welt. Das Konzept der multikriminellen Gesellschaft ist so widergöttlich, wie etwas nur widergöttlich sein kann.

    Das deutsche Volk ist ein ganz herausragendes Beispiel christlicher Kultur und Mission. Die Theologie der Kirche ist überragend deutschen Ursprungs und fünfzig Prozent des finanziellen Aufwandes der Weltkirche wird heute noch von Deutschland getragen. Man könnte meinen, dass Deutschland eine ganz hervorragende Rolle in der Endzeit auszuführen hat, weswegen diese Mitte Europas geistig ganz besonders umkämpt ist, wobei die Deutschen sich offenbar durch die Preisgabe ihrer Nation wieder in der selben Sonderrolle befinden, die sie innehatten, als sie ihre Nation überhöhten.

    Jede (einstige) christliche Kulturnation dieser Welt, nicht nur Deutschland ist dermaßen bestückt mit geistigen Zeugnissen des Glaubens, dass man wirklich mit dem Prediger des AT sagen kann: Nur der Tor spricht in seinem Herzen, es ist kein Gott!
    Und Torheit ist auf akademischen Lehrstühlen, weiß Gott, keine Seltenheit.

    Den Menschen von Gott zu trennen gelingt nur, wenn man ihn verblödet und gutmenschlich terrorisiert - aber auch das bestimmt nicht für lange Zeit!
    Und Torheit ist auf akademischen Lehrstühlen, weiß Gott, keine Seltenheit.

    • Komma
      07. August 2013 16:32

      ad Johann Scheiber: "Und Torheit ist auf akademischen Lehrstühlen, weiß Gott, keine Seltenheit."

      Das hängt wohl mit der "wissenschaftlichen Methode" zusammen, die ganz "positivistisch" geprägt ist und "wertfrei" sein will. Wertfrei Wissenschaft führt zu wertfreiem Denken, wertfreies Denken zu wertfreier Politik, wertfreie Politik zu wertfreier Gesellschaft, wertfreie Gesellschaften sind nichts wert und verschwinden von der Bühne der Geschichte. Bergatzky (Berlin, 2012) hat wohl recht: Mit Renaissance, Humanismus und Aufklärung hat Europa einen Sonderweg angetreten. Er führte zur Französischen Revolution, "die das Tor zur Hölle aufgestoßen hat". Dort beginnen wir jetzt zu "braten".

  6. Komma
    07. August 2013 12:02

    Das müsste ja das Wahlkampfthema in Deutschland und Österreich sein: Leben wir wirklich bereits in einer Gesellschaft, in die sich niemand mehr zu integrieren braucht? Ist der Zerfall bereits soweit gediehen? Besteht unsere Kultur nur mehr darin, dass wir dank Multikuli keine mehr haben? Was ist aus unserer Heimat, aus unserem Österreich geworden? Ist es nicht mehr die "heimliche" (=kulturelle) Heimat der Deutschen"? "Schaffen wir uns ab", wie Thilo Sarrazin meinte, den Unterberger dankenswerterweise nach Wien holte?

    Und besteht unser politisches System, die "Demokratie", wirklich "in der Anerkennung der Tatsache..., dass es keine abschließende, alles umfassende Wahrheit" gibt (S. 236)" ? Dann enden wir nach Hannah Arendt notwendig in der Sklaverei,denn "ohne Wahrheit keine Freiheit": Wahrheit und Freiheit verbinden sich entweder miteinander oder sie gehen gemeinsam elend zugrunde. "Löscht den Geist (der Wahrheit) nicht aus", wurden wir gewarnt. Jetzt tun wir genau das und bemerken gar nicht, dass damit unsere ganze Kultur den Bach hinuntergeht. "Auf den verlassenen Altären tanzen die Dämonen". Und wir beten sie an, denn, so der neue Papst Franziskus zur Verwunderung und Überraschung seiner Zuhörer und der Medien, "wer nicht zum Herrn betet, betet zum Teufel". Starker Tobak!

    Und womit beschäftigen wir uns im Wahlkampf? Mit Schmonzes, und setzen damit unsere Zukunft aufs Spiel!

    • F.V. (kein Partner)
      07. August 2013 16:27

      Verehrter Komma,

      Sie sagen es: wir beschäftigen und mit Schmonzes und merken nicht, daß wir die Zukunft verspielen.

      Ein wichtiger strategischer Grundsatz lautet, daß man den jeweils größten "strategischen Engpaß" beseitigen muß, um weiter zu kommen. Gelingt dies, mag ein anderer, von geringerer Priorität oder Wichtigkeit an die oberste Stelle rücken, und so fort. Und wenn schließlich alle beiseite geräumt sind, ist der Weg aufs Ziel frei.

      Indem wir aber meist Erbsen zählen oder wohlfeile Sternchen vergeben und dies für Erkenntnis oder gar Taten halten, passiert das, was Sie sagten: wir verfehlen die wirklichen Herausforderungen.

      Gottseidank sind hier doch einige Einsichtige, die immer wieder - viel zu selten leider - auf die wichtigen Dinge fokussieren.

    • Zraxl (kein Partner)
      07. August 2013 18:47

      "wer nicht zum Herrn betet, betet zum Teufel" ...und dann schreibt er Glückwunschkarterln an die Ramadanfeierer?! Es ist diese widerliche Kriecherei und Relativiererei, mit der die Kirche jegliche Glaubwürdigkeit verliert. Wenn das Evangelium nicht mehr die Richtschnur ist, an der alles menschliche Verhalten zu messen ist, dann ist auch keine Kirche mehr erforderlich.

      "Nostra aetate" ist in zweifacher Hinsicht Teufelswerk. Zum ersten, weil die Relativierung und Vermengung von Glaubensinhalten bereits dem Wortsinn nach diabolisch ist und zum zweiten, weil die bestehenden Differenzen zum Evangelium frech hinweggelogen werden. "Die katholische Kirche lehnt nichts von alledem ab, was in diesen Religionen wahr und heilig ist.(Nostra aetate)". Aha, Menschenopfer, Mordaufträge, Anweisungen zum Völkermord, Blutrache, Fruchtbarkeitskulte, etc., all das ist also "wahr und heilig".

      Unter Berufung auf "Nostra aetate" ist es ja nur wichtig, an irgendwas Übernatürliches zu glauben. Also warum nicht an den Teufel glauben?

      An jener Multikultiseuche, die derzeit Europa zerstört, trägt die katholische Kirche ein gerüttelt Maß an Verantwortung.

  7. Waltraut Kupf (kein Partner)
    07. August 2013 11:15

    Die These des Herrn Gabriel ist ein Ergebnis des bereits anödenden Solipsismus aller selbsternannten Künstler, Literaten, Philosophen (und –Innen selbstverständlich) etc. So wie eine in den Medien lancierte Definition der Kunst sinngemäß lautete „Kunst ist das, was der jeweilige Urheber für Kunst erklärt“, so scheint das für alle Sparten geistiger Produktion zu gelten. Jeder giert nach einer Nische auf dem Geistesmarkt und produziert munter darauflos, bis hin zu Geräuschen aus Körperöffnungen. Man bedient als scheinbar innovativer Geist das billige Klischee des Wider-den-Stachel-Löckens um jeden Preis, womit man zum Liebkind der vom Widersacher gelenkten Medien wird und mithin „angekommen“ ist.

  8. Francois Villon (kein Partner)
    07. August 2013 10:44

    Die Lage ist wirklich ernst, wenn derartige Ansichten mit dem Weihrauch akademisch-philosophischer „Autorität“ verkündet werden. Und Dr. Romig zeigt auch überdeutlich in welchem zeitgeistigen „Denken“ dies eingebettet ist, indem er den Beifall der üblichen „Qualitätsmedien“ erwähnt.

    Dazu paßt, daß vor wenigen Tagen folgende Erklärung auf den Tisch flatterte:

    The Roman Catholic Church is Declared a Transnational Criminal Organization

    Itccs.org – International Tribunal into Crimes of Church and State, August 03, 2013

    The Brussels Proclamation of August 4, 2013

    A Legal Notice and Instrument issued by The International Common Law Court of Justice
    …. (4 Seiten)

    George Dufort, LL.B., Secretary of the Court
    4 August, 2013
    ICLCJ – 04/08/13

    Betrachtet man dann auch noch den Zustand zahlreicher Vertreter des Klerus, dann ist man an Solowjows “Drei kleine Erzählungen“ – und hier an jene vom Antichrist – erinnert.

    Seit Jahr und Tag bietet etwa das Stift Kremsmünster, eines der ältesten des Landes, in den sogenannten ökumenischen Sommergesprächen vor allem Atheisten und sonstigen Feinden von Religion und Kirche ein Podium; die Dummheit kennt offenbar keine Grnzen.

    Zu Schönborn oder Schüller fällt mir schon nichts mehr ein.

    Herrn Dr. Romig ist nur zu danken, daß er wortgewaltig und mit unerbittlicher Schärfe seiner Argumentation einen Pseudo-Philosophen als das demaskiert was er ist: ein angepaßter Schwätzer im Dienste des Zeitgeistes.

  9. Luther (kein Partner)
    07. August 2013 08:39

    In Deutschland mangelt es nicht an angepassten Speichelleckern, um wieder einmal eine Diktatur errichten zu können.

  10. terbuan
    06. August 2013 21:50

    Die Zerstörung christlicher Werte und Traditionen ist zu einem System geworden.
    Viele Journalisten, Politiker und sogenannte Wissenschaftler arbeiten eifrig daran.
    Herr Gabriel ist einer von vielen, die mit diesem Machwerk und seinen krausen Theorien dazu beitragen!
    Danke Friedrich Romig, ich habe dieses Elaborat schon vergessen!





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