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Plädoyer für die Monarchie

Die demokratische Geschichte ist sehr kurz und umfasst nur wenige Jahrhunderte. Wenn man von der griechischen Polis absieht, die ja nur bedingt mit der heutigen Demokratie zu vergleichen ist, da in ihr ausschließlich bürgerliche Männer teilhaben durften, ist die Demokratie eine Geburt der Moderne, wobei unter Moderne die Geschichte seit der Französischen Revolution zu verstehen ist.

Nachdem die Könige gestürzt wurden, war mit ihnen in gewisser Weise auch Gott aus dem Staat verbannt worden, denn in der alten Monarchie ging das Recht immer noch in erster Instanz von Gott aus und erst in zweiter Instanz vom König, der sich ja auch als von Gott legitimierter Herrscher sah. Der Monarch war immer eine Analogie zu Gott, der die Welt regiert, genauso wie der Familienvater als rechtmäßiger „Herrscher" über seine Familie angesehen wurde.

Man kann es durchaus so ausdrücken, dass die Demokratie, indem sie postuliert: „Das Recht geht vom Volk aus", den Mensch an erste Stelle gesetzt hat, anstelle von Gott. Denn ein gläubiger Mensch – ganz gleich welcher Konfession – wird immer dabei bleiben, dass das Recht von Gott ausgeht und kein Mehrheitsentscheid aus einer Sünde (zB. Homosexualität, Abtreibung) ein legitimes Handeln machen kann. Gott wurde also bewusst aus der Verfassung ausgeklammert, weil die Menschen ihren Staat nun auf Rationalität und Individualität aufbauen wollten.

Prof. Dirk Budde drückt das in seinem Buch „Heiliges Reich, Republik, Monarchie“ so aus: „Mit der französischen Revolution begann jenes Suchen eines utopisch geprägten republikanischen Rechtsbewusstseins nach dem idealen Staat und der idealen Verfassung, dem die Menschen nur als Objekt und Material für seinen Heilsentwurf dienten. Nicht mehr die komplexe unkonkrete Realität des Lebens und der in ihm lebenden Menschen baute den Staat organisch auf, sondern die Menschen wurden ausgerichtet auf einen Heilsentwurf, der zur Grundlage der staatlichen Politik wurde.

Das utopisch orientierte republikanische Rechtsbewusstsein – mit seiner im Gegensatz zum konservativen Bewusstsein durch die Aufklärung geprägten Auffassung von der wesentlichen Vollkommenheit der Menschen – erlebte seinen gewaltigsten und totalitärsten Amoklauf in der kommunistischen Heilsutopie, deren Nichteinlösung und innerer Zusammenbruch das utopische Denken vieler orientierungslos und, insbesondere in Deutschland, teilweise hysterisch zurückließ." (Dirk Budde, Heiliges Reich, Republik, Monarchie, S.77)

Die drei Fehler der Demokratie

Die Demokratie ist von drei negativen Charakteristiken geprägt. Das erste habe ich eingangs erwähnt, nämlich, dass die liberale Demokratie behauptet, dass die Mehrheit das Recht hat, jedes Gesetz zu erlassen. Die Kirche hält dagegen, denn sie unterscheidet zwischen Wahrheit und Lüge, Recht und Unrecht, Gut und Böse, Rechtgläubigkeit und Irrtum. Das zweite negative Charakterium wäre der unnatürliche Freiheitsbegriff und das dritte der enge Zeithorizont der Demokratie.

Weiters verkennt sie das Faktum, dass „als Resultat eines weiten Spektrums menschlicher Talente in jeder Gesellschaft minimaler Komplexität einige Individuen rasch den Status einer Elite erreichen werden. Aufgrund überlegener Leistungen hinsichtlich Vermögen, Weisheit, Mut oder einer Kombination davon werden einige Individuen 'natürliche Autorität' erlangen, und ihre Meinungen und Urteile werden weitreichenden Respekt genießen. Darüber hinaus werden, als Ergebnis selektiver Paarung und Ehelichung sowie der Gesetze bürgerlicher und genetischer Vererbung, die Positionen natürlicher Autorität wahrscheinlich von den Mitgliedern weniger 'adeliger' Familien eingenommen und innerhalb dieser Familien weitergegeben." (Hans-Hermann Hoppe, Demokratie der Gott der keiner ist, S.163).

Die Demokratie ist somit eine künstliche Regierungsform und negiert die natürliche Ordnung auf dieser Welt. Sie kann sich auch nur durch Enteignungen (hohe Steuern), Umverteilung (diverse Abgaben), Gleichmacherei und permanente Neiddebatten halten.

Nur das Wohl des Ganzen macht frei

Aber kommen wir zum Freiheitsbegriff. Der Freiheitsbegriff, der der liberalen Demokratie zugrundeliegt, ist autonomistisch, individualistisch, also a-christlich, a-theistisch. Der Individualismus unter dessen Stern der neue Staat, die Demokratie, von Anfang an stand, hat die Beziehung der einzelnen Teile zum Ganzen umgekehrt. Nach dem Individualismus sind die Teile vor dem Ganzen, die Einzelnen das einzig Wahre und Wirkliche. Das Verhältnis des Einzelnen zur Gesellschaft ist subjektiv, von Zufall geprägt, rein nutzhaft, utilitaristisch, aber ohne wesenhafte geistige Bezugnahme.

Der Individualismus wähnt, indem er dem Einzelnen Autarkie und Autonomie zuspricht, ihm dadurch zur eigentlichen Entfaltung zu verhelfen, zerstört aber paradoxerweise die Individualität des Einzelnen mit dessen Absolutsetzung. Im Gegensatz dazu ist für das organische, ganzheitliche Denken, wie es im Mittelalter typisch war, das Primäre, die ursprüngliche Tatsache, von der sich alles ableitet, nicht der Einzelne, sondern die Ganzheit, die Gesellschaft.

Der Einzelne ist nicht mehr selbst bestimmt, autark, steht nicht mehr ausschließlich auf dem Boden seiner Ichheit; die primäre Wirklichkeit liegt nicht mehr in ihm, sondern in dem Ganzen, in der Gesellschaft. Damit wird das Individuum nicht vernichtet, sondern es wird ihm gerade das gegeben, was ihm zukommt, Einzigartigkeit, Individualität und Eigenleben. Das Wesen der organischen Hierachie hat der hl. Apostel Paulus im 1. Korintherbrief (12,12-30) gekennzeichnet, in dem er die Kirche, die Stände und Ämter in der Kirche, die Gemeinden und alle Getauften mit einem Leib vergleicht, dessen Haupt Christus ist.

Keine Wahlen – keine Kurzsichtigkeit

Was genauso wichtig ist, ist der stark limitierte Zeithorizont, der in einer Demokratie herrscht. Da geht es um Perioden von vier bis acht Jahren nach denen sich die Mehrheit der Politiker und Entscheidungsträger richtet. Dies stellt meistens eine Amtsperiode dar und dann kommt die nächste Wahl. Während der Amtsperiode ist die Versuchung natürlich groß in dieser kurzen Zeitspanne möglichst viel für sich und seine Freunde und die Partei herauszuholen.

Der Monarch hingegen weiß, dass er in zwanzig Jahren noch genauso an der Macht sein wird, oder zumindest eines seiner Kinder, er plant daher vorsichtiger und auf längere Sicht. Es würde ihm und seiner Familie auch auf Dauer nichts bringen, das Volk über die Maßen auszunehmen. Im Gegenteil, es wäre für ihn sogar eine Gefahr, wenn er das Land und sein Volk zu sehr ausquetschen würde, daher wird er auf ein langsames, aber organisches Wachstums setzen.

Der Politiker hingegen hat kein Problem damit, fünfzig Prozent Steuer- und Abgabenquote einzuheben. Der moderne, sozialdemokratische Politiker hat überhaupt keine Hemmungen mehr, auf das Vermögen der Bürger zuzugreifen. Er hat auch kein Problem damit, neue Schulden einzunehmen und die Zukunft der nachfolgenden Generationen zu verspielen. Aber auch der nationale Sozialismus ist kaum besser, dort geht es auch nur ums Fressen und dort kommt man genauso ohne Gott aus.

Das religiöse Verständnis fehlt dort leider ebenso, und darum kann es mit ihnen auch keine spirituelle Weiterentwicklung unseres Volkes geben. Es sei denn, es gelingt einer Gruppe Priester ihnen ein religiöses Leben einzuhauchen, so wie damals unter dem Priesteranwärter Dollfuß, der das rechte, christliche Lager geeint hat.

Dollfuß: Der letzte echte Staatsmann

Dazu schreibt der Historiker Stanley Payne in seinem Buch Geschichte des Faschismus: „So waren in Österreich anders als in Deutschland die nicht-faschistischen Kräfte der Rechten in der Lage, vorbeugend eine eigene autoritäre Regierung zu errichten und den Nazis den Weg zur Macht zu versperren, was vor allem auf die breite, wenn auch nicht mehrheitliche Unterstützung für die Christlich-Sozialen und die entschlossene Führung des zum Märtyrer gewordenen Dollfuß zurückzuführen war."

Und Otto von Habsburg meinte über Dollfuß: „Er war ein tief honoriger Mensch und ein guter Christ. Er wollte auch die Beziehungen zum Haus Habsburg in Ordnung bringen. Aber die letzte Wende war erst kurz vor seinem Tod. Er hat es auch nicht nach außen hin gesagt, so weit ich informiert bin, er hat es zu Ernst Karl Winter gesagt, dem er sehr vertraut hat und ihm sehr viel Offenes gesagt hat. Dieser war sehr erstaunt, als er damals zu mir gekommen ist, über den Gedanken, dass die Monarchie nun sehr bald wieder kommen würde.

Dollfuß hat ja gewusst, dass er in einer äußerst schwierigen Situation war. Und er hat das Gefühl gehabt, mit der Monarchie ging es. Dollfuß hat erkannt, dass die Monarchisten am entschlossensten gegen den Nationalsozialismus waren und zweitens hat er gesehen, dass die verschiedenen reichischen Gedanken an der Substanz Österreichs vorbeigingen. Es war eine logische Fortsetzung des Österreich-Gedankens. Der christliche Ständestaat war ein Gedanke, der nie die Füße auf den Boden bekommen hat." (Gudula Walterskirchen, Engelbert Dollfuß, S.42)

Ohne Staatsreligion zerfällt die Nation

Wer meint, dass Religion bloß Privatsache sei, der verkennt deren Bedeutung für die Gesellschaft. Fjodor Dostojewski schrieb im „Tagebuch eines Schriftstellers“: „Der Bildung einer Nation ist immer eine sittliche Idee vorausgegangen; die jüdische Nation, die erst nach Moses entstanden ist, sowie viele muslimische Nationen erst nach dem Koran. Und wenn im Laufe der Jahrhunderte das sittliche Ideal einer bestimmten Nationalität zu wanken beginnt, so verfällt auch diese Nationalität, mit allen ihren zivilen Normen und Idealen."

Letztlich überleben die Völker mit der stärksten Religion, oder besser gesagt, der stärksten Religionsbindung, die anderen drohen sich in einem multikulturellen Meer voll von Nihilismus und Materialismus aufzulösen. So meint Ernst Nolte, der große Historiker Deutschlands: "Ein Volk aber, das seine Mission verliert, hat keinen Platz mehr auf der Bühne der Geschichte, es tritt ab und wird, wie im Falle der Deutschen, zum ethnographischen Material des ältesten noch existierenden Religionsvolkes der Erde, das im vielfältigen Ringen mit dem christlichen und konservativen Europa zum Vorkämpfer der Moderne geworden war." Um zumindest noch Österreich zu retten, bedarf es dringend einer starken Monarchie und eines Königs, der sich der Bedeutung von Religion bewusst ist. Auf die Habsburger traf dies immer zu.

Heute erkennen immer mehr Menschen, dass es so nicht weitergehen kann und viele ahnen auch schon, dass wir langsam in ein totalitäres System hinabgleiten. Sie kennen jedoch keine Antwort darauf, denn sie wollen weder von einem König (Monarchie) noch von Gott (Kirche) etwas wissen. Die Antwort erscheint den Menschen paradox und man fürchtet wohl persönliche Freiheiten zu verlieren und im Gegenzug mehr persönliche Verantwortung übernehmen zu müssen. Und natürlich ist der Neid ein großer Faktor auf den sich die Demokratie gründet, aber vor allem ist es der Wunschtraum der Massen nach Herrschaftslosigkeit.

Die moderne Demokratie mitsamt ihrem Wohlfahrtsstaat hat den Menschen diesen infantilen Traum von einem Leben abseits der natürlichen Ordnung ohne Gott und König zumindest für ein paar Jahrzehnte erfüllt. Da träumt man lieber weiter von diversen sozialistisch-kommunistischen Szenarien, oder man bastelt an aussichtslosen, kosmetischen Korrekturen des vorhandenen Systems herum. So ganz Unrecht haben die Massen nicht, auch das zukünftige totalitäre System wird sich ihrer menschlichen Bedürfnisse annehmen, aber es wird eine trügerische Freiheit sein, eine die nur von Nabel abwärts gilt.

Entweder absolute Monarchie oder Totalitarismus

In der Zwischenzeit beobachten wir, wie sich der internationale Sozialismus und der nationale Sozialismus – angeheizt durch eine völlig falsche Immigrationspolitik und die internationale Wirtschafstkrise – immer erbitterter gegenüberstehen, und es ist sogar zu erwarten, dass dies in naher Zukunft in bürgerkriegsähnlichen Zuständen münden wird. In dieser Situation braucht es eine Kraft, die als Brücke zwischen diesen beiden Ideologien fungiert und sie auch in Schach halten kann. In Österreich ist eine Monarchie für diese Aufgabe prädestiniert.

Die zweite Möglichkeit wäre eine Einigung des rechten und des bürgerlichen Lagers unter starker Einbindung von Priestern und anderen religiösen Menschen, welche dann auch einen maßgeblichen Einfluß auf diese Koalition haben müssten. Dann wären wir jedoch höchstens dort, wo Dollfuß schon einmal war. Und wo er letztlich gescheitert ist, weil er die Monarchie nicht restauriert hat um seinem Ständestaat das nötige Fundament zu geben.

Will Österreich dem zukünftigen, europaweiten Totalitarismus entgehen, müssen beide oben genannten Bedingungen realisiert werden. Eine kaum zu lösende Aufgabe, aber ich sehe es als meine Pflicht an, darauf hinzuweisen, dass unser derzeitiges politisches System moralisch am Ende ist und eine Gefahr für den Staat und die Gesellschaft darstellt. Aus meiner Sicht kann der kommende Totalitarismus nur durch eine starke Monarchie und eine ebenso starke Kirche verhindert werden.

Als Theodore Roosevelt Kaiser Franz Joseph 1910 fragte, was er denn in diesem fortschrittlichen 20. Jahrhundert als seine wichtigste Aufgabe betrachte, antwortete ihm der greise Monarch: „Meine Völker vor ihren Regierungen zu beschützen.“

Heute braucht es wieder einen Kaiser, der über den Ideologien der Regierungen und des Zeitgeistes steht und der in Jahrhunderten denkt anstatt in Legislaturperioden.

Der Autor, Jahrgang 1982, ist ehemaliger Laienpriester und arbeitet als Bankangestellter in Wien.

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die besten Kommentare

  1. Ausgezeichneter KommentatorWertkonservativer
    7x Ausgezeichneter Kommentar
    05. Januar 2012 18:44

    Also, verehrte Diskkutanten beider Denkrichtungen, aber dieser Gastbeitrag geht ein wenig an den heutigen und morgigen Entwicklungen vorbei.

    Zwar ein alter Wertkonservativer mit viel Sympathie für die "guten alten Zeiten", in denen Kaiser, Könige und sonstige Fürsten die Völker regierten, sich Päpste und Bischöfe ihnen wahrlich nicht zustehende weltliche Machtbefugnisse über ihre Völker aneigneten, meine ich doch, dass dies - bei allem Idealismus, der aus den Zeilen des Gastkommentators spricht - heute nicht mehr wirklich diskussionswürdig ist.

    Natürlich gab es zu allen Zeiten edle und auch volksnahe Herrscher und Volksführer, doch ist dagegen die große Zahl unfähiger, blutrünstiger und auch sonst zum Herrschen Unqualifizierter derart groß, dass wir uns diese Regierungsform eigentlich nicht wieder zurückwünschen sollten.

    Die Demokratie hat viele Schwächen, doch sie bietet die Möglichkeit, unfähige, korrupte oder sonst nicht dem Volkswohl dienende Politiker aus eigener Kraft und mit demokratischen Mitteln außer Kurs zu setzen.

    Außerdem wären Ideen der angesprochenen Art bei dem heute doch viel höherem Aufklärungsgrad der Menschen, und beim nun bereits derart fortgeschrittenen Globalisierungszustand unserer Welt wohl kaum auch nur in Ansätzen mehrheitsfähig, und daher eigentlich außer jeder Relevanz!

    Einverstanden, wenn wir doch lieber bei der Demokratie bleiben, die zwar unvollständig, oft anfechtbar und auch nicht ideal ist, jedoch die Freiheit des Menschen in der Gemeinschaft immer noch am besten gewährleistet?

    Sie mit ganzer Kraft zu unterstützen und weiterzuentwickeln, als Demokraten am Volkswohl aktiv mitzuarbeiten, ja, dass muss die Losung sein!

    Alles andere: ein Rückschritt, bestenfalls ein nostalgischer Wunschtraum!

    (mail to: gerhard@michler.at)

  2. Ausgezeichneter KommentatorA.K.
    5x Ausgezeichneter Kommentar
    05. Januar 2012 13:00

    Im Gastbeitrag „Plädoyer für die Monarchie“( Alex Kopf) wird manches Richtige über die Probleme der Demokratie und auch über einige Vorteile der Monarchie gesagt, doch hat auch die Demokratie Vorteile und die Monarchie besitzt Nachteile – siehe dazu den Verlauf der europäischen Geschichte, z.B. ab dem Mittelalter. Die Demokratie hat mit ihren Mehrheitsentscheidungen das Problem, daß nicht beweisbar ist, daß die Mehrheit auch richtig entscheidet. Es entziehen sich einfach manche Themen der Mehrheitsentscheidung. So kann z.B. ein mathematisches Problem nur durch richtiges Denken bzw. Schließen und nachfolgendes Rechnen und nicht auf Grund einer Mehrheitsentscheidung gelöst werden. Umgekehrt kann auch ein Monarch ein Ergebnis der Mathematik nicht auf Grund seiner persönlichen Wünsche verordnen, sondern muß berücksichtigen was richtig oder falsch ist. Damit kommt der Glaube an objektive Wahrheit ins Spiel.
    Glaubt man an objektive Wahrheit – wie z.B. katholische Kirche – dann sollten/müßten auch deren Anhänger nach ihren besten Einsichten handeln. Viele der aktuellen Probleme der Demokratie folgen daraus, daß der Zeitkrankheit „ethischer Relativismus“ – in Form der „Political correctnes“ gehuldigt wird. Man verlangt, daß man nicht einmal denken dürfe, daß es objektive Wahrheit mit „Richtig“ und „Falsch“ gibt. „Political Correctness“ ersetzt heute oftmals die Entscheidung zwischen „Richtig“ und „Falsch“. Für die katholische Kirche hat erst kürzlich dankenswerter Weise der vatikanische Außenminister Erzbischof Mamberti mit seiner wichtigen Aussage „Durch einen Relativismus, der es verbiete, etwas als wahr oder falsch zu bezeichnen, sei das Christentum in eine schwache Position gelangt.“ dazu Stellung genommen.
    Auch mit einem Monarchen kann es Demokratie geben, somit sind diese nicht schroffe Gegensätze, wie es der Schreibeer des Gastbeitrages sieht. Wirklich wünschenswert und problemlösend wäre, den ethischen Relativismus klar zu erkennen, abzulehnen und entsprechendes Handeln - jener die sich Christen nennen - folgen zu lassen.

  3. Ausgezeichneter KommentatorScipio
    5x Ausgezeichneter Kommentar
    05. Januar 2012 12:38

    @ Karl Rinnhofer

    So ziemlch alles, was Harl Rinnhofer verzapft, ist falsch und Ausfluß der "Systemtrottel"-Ideologie, wie das Collector nennt.

    Es gibt keine "missverstandene Demokratie", sowenig wie missverstandenen Kommunismus oder Liberalismus. Es sind das alles Perversionen aus "Aufklärung" und Französischer Revollution.

    "Herrschaft des Volkes ist weder "wünschenswert" noch "würdig". Würdig ist allein das "Regnum Christi". Demokratie führt immer zu "Pöbelherrschaft", das hat uns Grillparzer schon gelehrt (Bruderzwist in Habsburg, 3. Aufzug).

    Um Demokratie lohnt es sich nicht zu "kämpfen", sie ist Illusion, nur "schöner Schein" (Hans-Hermann von Arnim: Vom schönen Schein der Demokratie, Mannhaim 2000).

    Gerade für Cicero, dem Verfechter des "Naturrechts", ist eine Trennung von Staat und Religion, Recht und Politik, Kult und Politik völlig undenkbar.

    Von der Demokratie als "bestmögliche Herrschaftsform" können nur Ignoranten reden.
    Platon hat sie stets abgelehnt, Aristoteles ist immer für eine "gemischte Verfassung"
    (mit monarchischen, aristokratischen und demokratischen Elementen) eingetreten.

    @ Observer

    Mit dem Churchill zugeschriebenen Satz hat dieser eine nichtdemokratische Körperschaft (das House of Lords) und deren Einspruchsrecht gegen demokratische Beschlüsse des Unterhauses verteidigt! Bitte, keine unhaltbaren Gemeinplätze wiedergeben, sondern dem Rat Kreiskys folgen: "Lernen Sie Geschichte!" Vergessen wir nicht: Demokratisch wurde Christus gekreuzigt, Sokrates zum Tod verurteilt und Hitler an die Macht gebracht. Kein einladender Leistungsausweris!

    Weder die Politik der USA noch die Existenz Israels sind ohne Religion denbar. In den USa endet bald jede Rede mit "God bless America!". Irael begründet seine ganze Existenz auf der Heiligen Schrift. Warum sollte ähnliches in "Arabien"nicht funktionieren?

  4. Ausgezeichneter KommentatorCollector
    5x Ausgezeichneter Kommentar
    05. Januar 2012 11:38

    Gratulation dem Autor sowie AU, weil er diesen Beitrag veröffentlicht hat! Es ist endlich ein Beitrag der die eigentlichen Grundfragen unseres Staates behandelt. Die Demokratie, auf der er angeblich beruht, ist ja schon vom Wort her "die Große Lüge": "Volksherrschaft". Das Volk, lehrt uns der österreichisch-britische Sozialphilosoph, Sir Karl R. Popper, "hat noch in keinem Sinne je geherrscht".

    Und für die EU ist Demokratie ohnehin nur "Ramsch", schreibt der Chefredakteur der FAZ, Frank Schirrmacher, assistiert von Jürgen Habermas. Beide Herren geben sich allerdings der Illusion hin, Demokratie könnte je etwas anderes sein als Ramsch.

    In der Demokratie herrschen die politischen Parteien, doch die zerspalten den Staat und das Volk. Sie lassen eine echte Gemeingesinnung nicht aufkommen. Sie sind die eigentlichen Volksschädlinge, durch und durch korrupt, schon um ihre Wahlkampfkassen aufzufüllen. Wählerbestechung gehört zu ihrem Geschäft. Oft geschieht das durch Versprechen, die sie nicht halten. Sie betrügen das Volk. Statt an einem Strang zu ziehen, bekämpfen sie sich und machen sie sich gegenseitig nieder. Inzwischen haben in Österreich gut 80% jedes Vertrauen in die Parteien, in die Politik und die Politiker verloren (lt. Standard vom 30. Okt. Und Presse vom 11.Nov. 2011).

    Eben ist ein wunderbares Buch erschienen von Eugen Maria Schulak und Rahim Taghizadegan: "Vom Systemtrottel zum Wutbüger" (Econwin-Verlag Salzburg 2011).
    Ein Zitat mag genügen: "Die größte politische Lüge ist wohl das Märchen, wir würden in Demokratie und Rechtsstaat leben" (S. 136). Die Systeme, in die uns die Parteien zwingen, sind längst zu Gefängnissen geworden, die jeden Funken von Freiheit vernichten. Die Parteien zwingen uns in das "Hamsterrad" und dort müssen wir unser ganzes Leben lang treten bis uns das Weiße aus den Augen rinnt. Alle 5 Jahre dürfen wir unsere Stimme abgeben, um dann keine mehr zu haben.

    Es ist in der Tat höchste Zeit, dass wir die Systemfrage stellen. Demokratie und Republik haben ausgedient. Ebenso die bürokratische Diktatur vom Zuschnitt Brüssels.

    Wir müssen wieder lernen und den Mut haben , unseren „Garten“ selbst zu bestellen, empfehlen uns die beiden oben genannten Autoren, und das heißt Ja zu sagen zu Österreich. Dieses Ja bedeutet zuerst einmal raus aus dem Euro, raus aus der EU und raus aus der WTO-Globalisierung. Dann wird auch eine Wiederherstellung der gesellschaftlichen Ordnung möglich sein, in der Monarchie, Leistungsaristokratie und demokratische Partizipation von Berufskammern ihren gebührenden Platz einnehmen.

  5. Ausgezeichneter KommentatorKarl Rinnhofer
    4x Ausgezeichneter Kommentar
    09. Januar 2012 17:05

    @Scipio
    Ihre Argumentation, offenbar gegen meine Subkommentar (siehe unten) gerichtet, ist für mich keineswegs nachvollziehbar; ich bekenne mich zur Demokratie zumindest als geringstmögliches Übel aller möglichen Staatsformen und bleibe dabei, dass es sie wert ist, um sie zu kämpfen, und dass man sich geradezu versüdigt, sie zur Disposition zu stellen. Ich fühle mich damit auch nicht als Anhänger eine „Systemtrottel-Ideologie“, unter die Sie mich subsumieren, oder als „Ignorant“. Sollte in diesem geschätzten Forum (wider Erwarten) überwiegend eine andere Meinung herrschen, welche die Demokratie – trotz aller ihrer Schwächen - zur Disposition stellte, bin ich als Blogpartner fehl am Platz.

    Nun zur Auseinandersetzung mit Ihren einzelnen Behauptungen.

    1. „Es gibt keine misserstandene Demokratie“: Die gibt es sehr wohl, die „Ochlokratie eben: Sie frönt dem Populismus, wägt Stimmen nicht, baut keine kompetenzorientierten Strukturen auf, ihre Mandatare reden nur nach dem Munde ihrer potenziellen Wähler, werden in intransparenten Mechanismen hochgespült, ohne sich Verantwortungsbewusstsein verpflichtet zu fühlen und notwendigerweise auch Unpopuläres mit der Kraft der Argumentation und des Charismas durchzusetzen. Ihnen ist Machterhalt Selbstzweck – statt legitime Möglichkeit zu sein, sich verantwortungsvoll und wirksam im Interesse des Volkes einzubringen. Finale, tragisch pervertierte Konsequenz dieser Fehlenwicklung angesichts des notgedrungen sich ergebenden Chaos erschallt der Ruf nach dem starken Mann.

    2. Jede der möglichen Herrschaftsformen hat ihre Degenerationsformen; das ist die Aussage der antiken Staatstheorien. Monarchie kann in Tyrannis enden, Optimatenherrschaft („Herrschaft der Besten“) in eine Herrschaft der Klüngel („factiones“), der Seilschaften, der Ämterkäufer (Plutokratie), in jedem Fall der unbegründet selbsternannten, vermeintlichen „Eliten“. Keine dieser Degenerationsformen macht den Staat lebensfähig, doch die Demokratie, auch von ihrer Degenerationsform (Ochlokratie, „Pöbelherrschaft“, s.o.) gefährdet, hat zwei relative Vorteile: Die Fehlentwicklung ist grundsätzlich reversibel, und in ihr bleibt das Volk „particeps“ (Cicero) also potenziell anteilig an der Herrschaft, und aufgefordert, sich bei Erkennen von Fehlentwicklungen einzubringen. Daher ist auch die Verbiedermeierlichung der satten Demokratie eine Gefahr, in der ihre Mitglieder resignativ in innerer Emigration enden. Denn genau das schafft ein Vakuum für neue Herrschaftsformen fragwürdiger Legitimation und Motivation

    3. Cicero salopp als „den Vertreter des Naturrechts“ hinzustellen ist kaum angebracht; hier ist eine viel differenziertere Sicht angebracht: In der „ewigen „Auseinandersetzung zwischen Naturrecht und gesetztem Recht entschied er sich für die Gültigkeit kodifizierter Gesetze, die nachvollziehbar „rechtsstaatlich“ angewandt werden müssen; das war wohl auch seine Motivation, das Werk über die Gesetze „De legibus“ zu verfassen. Er bekannte sich dazu, dass Gesetze daher notwendigerweise kodifiziert und so intersubjektiv grundsätzlich jedem zugänglich sein müssen, Diese Gesetze dürfen aber kein Eigenleben bekommen oder Instrumentalisierung gesonderter Machtinteressen sein, sondern auf der Basis natürlicher Gegebenheiten ausformuliert werden. Das ist ein strikt demokratisches Prinzip; selbst sein Intimfeind Caesar gibt ihm recht, indem er diese Stärke der (mutatis mutandis) „aufgeklärten“ Römer gegenüber den „Barbaren“ hervorhebt, bei denen nur eine elitäre Schicht (z.B. die gallischen Druiden) Zugang zu den Gesetzen hat und man sich daher dort gegen jede schriftliche Fixierung wehrt.

    4. Völlig absurd erscheint die Behauptung, wonach bei Cicero die Trennung von Staat und Religion bzw. Kult undenkbar wären: In der Zeit der ausgehenden Republik hatte die römische Religion längst ihre Akzeptanz verloren, führte nur mehr ein Eigenleben in einem innerlich leerlaufenden Kult und wurde durch die neuen philosophischen Strömungen (Stoa, Epikuräismus, akademische Skepsis, römische Variante des „Peripatos“) ersetzt. Selbst das Ur-Christentum (welch penetranter Gegensatz zur späteren „Amtskirche“) wird als glaubwürdiger „Proletarierplatonismus“ (Max Weber) auf dieser Basis durch spezifische Überlegenheit der Volksorientierung seinen Siegeszug antreten Bezeichnenderweise besinnen sich erst die nachfolgenden Caesaren wieder der irrationalen Kraft des Mythos und landen bei krausen Formen von „Vergöttlichungen“, „Apotheosen“ und „Gottkaisertum“ als mühsam-unglaubwürdige Selbstlegitimation. Cicero, der viele diese Entwicklungen voraussah, war stets ein glaubwürdiger, tragischer Kämpfer um die Demokratie.

    5. Platon lehnte die Demokratie nicht grundsätzlich abgelehnt; er ist es ja, der in der „Politeia“ den Kreislauf der Verfassungen so exemplarisch und ohne Präferenzanspruch beschrieb, das ihn Cicero praktisch 1:1 in seiner „de re publica“ übersetzen konnte. Damit nicht zu verwechseln: Platon zitiert an ganz anderen Stellen biographisch korrekt seinen verehrten Lehrer Sokrates (Apologie, Kriton), der sich eine Generation davor– selbst nicht literarisch tätig – Skepsis gegen der allzu naiv betrachteten „demokratischen“ Regierungsform geäußert hatte. („Herrschaft der Vielzuvielen“). Auch Xenophon bestätigt diese Tendenz des Sokrates in den „Memorabilia Socratis“. Platon unterscheidet immer die „gute“ Demokratie“, - die immer auch ein elitäres Element (Cicero. „ut aliquid regale sit“) brauche - von der dekadenten „Ochlokratie“, die er in ihren Auswüchsen zu Recht –mit besonders drastischen Bildern beschreibt.
    6. Zum „genus permixtum“, der „Mischverfassung“: Gerade im Scipionenkreis (Name, Herr Scipio!) wurde diese Möglichkeit intensiv diskutiert: Besonders Polybios und die nach der Schlacht bei Pydna nach Rom gekommenen Griechen in dessen „Klublokal“, der Bibliothek des siegreichen Lucius Aemilius Paulus, bewunderten die für Griechen ungewohnte ungewohnte Stabilität der römischen Verfassung und leiteten – durchaus im Kontext des klassischen griechisch-antiken Staatsmodells, das immer einen naturgesetzanalogen, eigendynamischen „Kreislauf der Verfassungen“ vorsah und jede Form als temporär ansah: Der römische Pragmatismus vereine alle Vorteile: In den Konsuln (durch Annuitäts- und Kollegialitätsprinzuip relativiert) sei das Monarchische Prinzip vertreten, im Senat das optimatische (in diesem Falle waren eben die „Erfahrendsten“ senes „die Besten“; und das Volk bekam seine Vertretung über die Volkstribunen, sodass auch das demokratische Element vertreten sei.

    7. „Würdig ist allein das Regnum Christi“ ist eine sehr bedenkliche Vorentscheidung, die ich nicht annähernd teile.

    8. Die sich aus Aufklärung und französischer Revolution ergebenden Folgeentwicklungen (Demokratie) als „Perversion“, „schönen Schein“, abzutun, schmerzt mich geradezu persönlich. Dass Demokratie in ihrer Dekadenzform schwere Schattenseiten haben kann, ist nicht abzuleugnen, doch ist sie deswegen keineswegs prinzipiell in Frage zu stellen.
    9. Der von Ihnen zu Recht erwähnte Grillparzers stellt mit markanten Zitaten Warnungstafeln in den stets gefährlichen Weg der Demokratie. „Das Volk – das sind die vielen Nullen, die gern sich beisetzt, wer sich fühlt als Zahl“ beschreibt die mögliche Instrumentalisierung demokratischer Strukturen für autokratische Realverhältnisse – doch setzt er damit Demokratie zur Disposition?. Mag mancher aktueller Realbefund (schöner Schein“) richtig sein, so sollte man sich doch an der normativen Kraft der Idee und nicht an der abgetriffteten Degenration orientieren.

    Schluss: Viel sollten wir daraus für die Gegenwart lernen. Doch jemals Demokratie zur Disposition zu setzen hieße “das Kind mit dem Bade ausschütten“ und Garant für des Starts einer verhängnisvollen irreversiblen Entwicklung. Selbst wenn ein „Ausschalten der Demokratie“ punktuell und aus möglicherweise guter Absicht prima vista sinnvoll erscheinen mag, so sollte doch das von Ihnen zitierte Beispiel von Dollfuß zeigen, zu welcher Eigendynamik deine derartige Entscheidung führen kann.

  6. Ausgezeichneter KommentatorKaffeehäferl
    4x Ausgezeichneter Kommentar
    05. Januar 2012 13:27

    Unabhängig von diesem Gastkommentar habe ich ähnliche Überlegungen angestellt. Allerdings weniger religions-orientiert.

    Der Mensch an sich ist doch eine intelligente Lebensform, der es möglich ist, die Folgen des eigenen Handelns vorherzusehen, darüber nachzudenken und abzuwägen.

    So ist doch für jeden einzelnen klar ersichtlich, daß das derzeitige System des ständigen Wirtschaftswachstum um jeden Preis auf einen großen Crash zusteuert. Jedes natürliche System regelt sich aus, das Wirtschaftssystem ist da keine Ausnahme. Überschwinger werden in natürlichen Systemen durch Gegenbewegungen kompensiert. Gegenbewegungen nach unten kann man auch als Crashes bezeichnen. Beispielsweise wird eine Hasenpopulation so lange wachsen bis das Futter nicht mehr reicht und das große Massensterben einsetzt. So wird auch der derzeitige schuldenfinanzierte Wohlstand einen entsprechenden Ausgleich erfahren. Wie auch immer der aussieht, der Unterschied zur gegenwärtigen Situation wird umso größer, je länger man die Gegenbewegung hinauszögert.

    Nun könnte man doch als intelligentes Lebewesen diesen Zusammenhang erkennen und das natürliche System durch intelligente Maßnahmen zu einer stetigen (im mathematischen Sinn) aber langsamen Annäherung an die Stagnation führen, die dann Stabilität darstellt.

    Dennoch gelingt es aber der Masse, die ja nur aus vielen einzelnen intelligenten Menschen besteht nicht, diese Maßnahmen zu ergreifen. Denn in der Masse wird keineswegs intelligent gehandelt, da erlangen dann plötzlich persönliche Interessen Oberhand und man überläßt es dem System, sich selbst auszuregeln.

    In Summe kann man also sagen: je größer eine Organisation ist, desto dümmer agiert sie.

    Ein Analogon stellen da auch börsennotierte Aktiengesellschaften dar. Die Eigeninteressen der Aktionäre verhindern ein intelligentes Handeln des Unternehmens.

    Grund könnte sein, daß kurzfristige Eigeninteressen über das langfristige Interesse des Fortbestands des Unternehmens/der Gesellschaftsform/des Staats stehen.

    Abhilfe könnte, zu dem Schluß bin auch ich gekommen, eine Monarchie sein. Der Monarch darf allerdings kein Tyrann im Sinne eines Diktators sein. Und hier kommt mglw. die Religion ins Spiel, denn sie definiert moralische Maßstäbe im Umgang miteinander.

  7. Ausgezeichneter Kommentatorlibertus
    4x Ausgezeichneter Kommentar
    05. Januar 2012 22:21

    Es ist nicht zu leugnen, daß z. B. Österreich und speziell die damalige Reichshauptstadt Wien unter klugen, umsichtigen und verantwortungsvollen Monarchen die größte Blütezeit erlebte.
    Und obwohl ich nostalgische Sympathie für diese Form der Staatsführung hege, muß man den Tatsachen ins Auge sehen.
    Die Zeit hat sich nun einmal weiterentwickelt und ich glaube kaum, daß die Rückkehr eines Monarchen die Lösung unserer Probleme wäre.

    Was ich mir für unser Land vorstelle, wäre weg von der repräsentativen Demokratie, hin zu einer DIREKTEN nach Schweizer Vorbild, denn dort hat sich diese Form des Regierens seit Jahrhunderten bis in die Gegenwart bewährt.

die besten Kommentare

  1. Ausgezeichneter KommentatorFrancois Villon
    2x Ausgezeichneter Kommentar
    06. Januar 2012 18:27

    Wenn man überzeugt ist, daß die Demokratie unvermeidlich zur Herrschaft der Schlechtesten – der Ochlokratie – mutiert und weiters, weil die solcherart ob ihres Charakters, Wissens und ihrer Erfahrung Minderwertigen ja keinesfalls wirklich „herrschen“ (dem bonum commune verpflichtet sind), sondern sich hinter dieser pseudo-demokratischen Facade eine Oligarchie befindet, die in Wahrheit die Fäden zieht, diese aber nichts anderes als eine Tyrannis darstellt, dann fällt es schwer sich für die Demokratie erwärmen zu können. Ob nun die Tyrannis in der Herrschaft eines Einzelnen oder in einer sich gegenseitig die Macht streitig machenden Clique besteht, ist letztlich belanglos.
    Mir kam, um ein für mich anschauliches Bild zu malen, immer die Winkelfunktion in den Sinn: eine Sinus-Kurve „bewegt“ sich auf der positiven Seite zunächst aufwärts, aber sie trägt unvermeidlich auch ihren „Abschwung“ zur negativen Seite hin von Anfang an in sich.
    Will man solche Entwicklungen nicht, dann genügt es nicht sich erst an ihrem negativen „Endprodukt“ zu reiben, sondern den dorthin führenden Anfang – die Demokratie - gleich mit zu negieren. Man könnte sich bestenfalls trösten, daß diese zwingende Abfolge von Herrschaftssystemen immer wieder das Übel auch überwindet, d. h. die angeblich oder tatsächliche Abfolge von Herrschaftssystemen letztlich wieder zum erwünschten Zustand, dem Ideal – etwa der Demokratie – führen würde.
    Ob das so ist, wissen wir aber nicht, und historische Beispiele – ein „Gesetz“ solcher Abfolge - könnten irreführend sein, weil es noch nie eine der „One World“ vergleichbare Lage gegeben hat. Alle früheren Hochkulturen waren begrenzt, was außerhalb ihres Bereiches lag, war entweder unbekannt oder wurde ignoriert oder auch einverleibt, freilich immer noch begrenzt und meist an den Rändern nicht mehr wirklich beherrscht.
    Erik Kühnelt-Leddihn führt in seinem Büchlein, Demokratie eine Analyse, Stocker Verlag, in 199 Paragraphen vor, was von dieser Fiktion zu halten ist: nichts.
    Carl Schmitt schrieb – nach unserer Erinnerung – daß für das Funktionieren der Demokratie ein weitgehend homogenes Staatsvolk Bedingung sei, weil nur dann ein Mehrheitsbeschluß auch die fundamentalen Bedürfnisse der unterlegenen Minderheit quasi repräsentieren könne, sozusagen im Teil noch immer das Ganze enthalten ist.
    Daß dies heute aber kaum mehr der Fall ist, braucht nicht weiter dargelegt werden.
    Was für die monarchische Gestaltung eines Gemeinwesens spricht, ist die Vermeidung von Machtkämpfen um die Führung, die viel längerfristige Sicht auf die Dinge und auch die Bündelung der Energien auf das als „Staatszweck“ erkannte Ziel. Clemens Fürst Metternich schreibt in seinem politischen Testament (höchst interessant und lesenwert, Karolinger Verlag), daß er die „Ponderation der Kräfte/Macht“ (= die Gewaltenteilung) nicht verstehe, weil man hier, anstatt daß alle Energie zum Wohl des Gemeinwesens gebündelt wird, ausdrücklich deren gegenseitige Aufhebung anstrebt. Verständlich ist dieses „demokratische Prinzip“ nur insofern, als man dem jeweiligen politischen Gegner nicht über den Weg traut. (Womit das Mißtrauen auch zu den Grundannahmen einer demokratischen Verfassung zu gehören scheint.)
    Schließlich noch ein Wort zur „Formel“ für die Legitimation eines Monarchen: „Von Gottes Gnaden“. Dies wird in der pseudo-aufgeklärten Welt der Moderne geradezu verhöhnt und pervertiert. In der Tat bedeutet es aber, daß die Legitimation nicht von menschlichen und damit beliebigen Mehrheitsbeschlüssen abgeleitet wird, sonder der Monarch selbst unter dem absoluten „Gesetz“, dem Natur- oder göttlichen Recht, steht, und seine Herrschaft nur solange Bestand hat, als er in der Gnade Gottes steht, sich eben nicht einer Willkürherrschaft hingibt.
    Wir können das hier nicht weiter ausbreiten, aber dem interessierten Leser sei der Hinweis auf Josef Pieper, „Überlieferung“ gegeben. Hier ist dargelegt, worum es tatsächlich geht.
    Der sehr geschätzte Herr Scheiber hat als wichtigste Elemente der Demokratie Freiheit und Gerechtigkeit angeführt. Nun, ob das mit der Freiheit in der Demokratie so ist, kann durchaus bezweifelt werden: Libertinage ist´s wohl oft, und die Gerechtigkeit ist gerade nicht „das“ Ideal der Demokratie und der hier herrschenden liberalen Ideologie, sondern das einer „religiös“ begründeten Staatsauffassung.
    Dem Agnostiker oder Atheist, der Religion und/oder Kirche ablehnend gegenüber steht, wird an solchen Worten wenig Freude haben. Aber: „Mit dem Verlust des Glaubens orientieren sich Vernunft und vernünftiges Handeln nicht mehr an Wahrheit und Weisheit, sondern am ökonomischen Kalkül von pleasure and pain (William Stanley JEVONS), Nutzen und Aufwand, Kosten und Ertrag". Die Antriebskräfte der wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Prozesse in der liberalen Demokratie sind das Verlangen nach Macht und die Gier nach Profit. Nach liberaler Auffassung ist ja das eigentliche Problem der ökonomisierten, demokratischen Gesellschaft, die optimale Aufteilung der Ressourcen. Diese Auffassung ist zwar seit langem als Ideologie entlarvt, dennoch ist sie heute tonangebend.
    Es ist also bemerkenswert, was als das „eigentliche Problem“, das Kernproblem, der Gesellschaft/des Staates angesehen wird: nicht das gerechte Auskommen einer Gemeinschaft (die Wohlfahrt des Volkes in einem Staat), sozialer wie Friede überhaupt oder Gerechtigkeit und Ordnung, sondern die „optimale Ressourcen-Aufteilung“.
    Ihre Folgen sind Destruktion (atomisierte Gesellschaft, Naturzerstörung), Verschwendung der Ressourcen und Verdinglichung des Menschen (Entfremdung).

    Als letzte Anmerkung möchten wir auch darauf hinweisen, daß in ca. 650 Jahren der Herrschaft der Habsburger im Hl. Röm. Reich und später der k.u.k. Monarchie das aufgebaut wurde, was heute als Weltkulturerbe gilt (und von dem wir zehren), wir aber solches von Konferenz-Zentrum oder Milleniums Tower, oder dem „Fortschritt“ im Rechtswesen mit legaler Abtreibung, etc., um nur ein paar Beispiele zu nennen, nicht zu sagen vermögen.
    Also, so schlecht scheint das Plädoyer für die Monarchie nicht begründet.


alle Kommentare

  1. Monika (kein Partner)
    23. Januar 2015 20:14

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  2. Dilip (kein Partner)
    21. Januar 2015 05:31

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  3. Yadira (kein Partner)
    20. Januar 2015 16:56

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  4. Anton Volpini
    15. Januar 2012 19:34

    Mein Freund Johann hat mich aufgefordert an dieser Diskussion teilzunehmen. Bei all den gebildeten, gscheiten, historisch begründeten Beiträgen vermag ich aber nur in aller Demut feststellen: egal welche Regierungsform, es hängt immer an den handelnden Personen, ob erfolgreich oder nicht! Es gibt kein System, das über mehrere menschliche Generationen für alle Beteiligten zufriedenstellend erfolgreich ist. Es hängt daher immer von den jeweils handelnden Personen ab.

  5. Reinhard (kein Partner)
    12. Januar 2012 06:42

    Unsere Demokratie krankt nicht daran, zu wenig Monarchie zu sein, sondern zu viel!
    Statt Rückschritt zum Kaisertum wäre Fortschritt zu einer direkten, offenen Demokratie nach schweizer Vorbild angebracht - man sieht dort, dass es funktioniert.
    So lange das Volk sich zurücklehnt und glaubt, mit einem Kreuzerl alle paar Jahre seiner Pflicht zur Mitgestaltung des gesellschaftlichen Lebens Genüge getan zu haben, wird es Feudalsysteme geben. Das eine (die richtigerweise erwähnten Machtfamilien, man lese nur die Namen der heutigen Jungpolitiker aller Parteien) durch das andere (Machterbschaft durch Feudalhäuser) zu ersetzen hieße nur dem alten Hund ein neues Häubchen stricken.
    Der Übergang von der Monarchie (eine alles andere als goldene Zeit, wenn man nicht zu den privilegierten Familien zählte) zur Demokratie erfolgte hier nahtlos - man entmachtete den Kaiser und seine Höflinge, gab dem Volk die Möglichkeit, sich einen Ersatzkaiser und Ersatzhöflinge auf Zeit zu wählen und wurstelte mitsamt dem alten Beamtenapparat weiter wie bisher. Das führte in letzter Konsequenz zu genau jener Volksferne und jenem Machtrausch, in dem sich heute die Protagonisten der Parteifeudalhäuser suhlen.
    Auf elitäres Wunschdenken ausgerichtete Gesellschaftsformen werden immer die Masse unterdrücken.
    Die Schweiz braucht keine Staatsreligion und keinen König, sie hat den bisher höchsten Grad an direkter Volksmitbestimmung erreicht - und fährt bisher am Besten von Allen damit.

    • BKL (kein Partner)
      12. Januar 2012 12:06

      Was sie ansprechen ist aber nur in einem kleinen Land möglich, welches immer von Feinden umgeben war, und das daher aus purer Selbserhaltung immer demokratisch zusammenhalten musste. Und es funktioniert auch nur - wie Celian angesprochen hat - in einer homogenen Gruppe in welcher die Menschen ein ähnliches Niveau haben.
      Auch in der Schrift ist von einer Epoche in der Geschichte Israels die Rede in der die Menschen so lebten:

      "in jenen Tagen war kein König in Israel; ein jeder tat was recht war in seinen Augen". (Richter 21,25)

    • Reinhard (kein Partner)
      12. Januar 2012 21:22

      Ein Volk wird niemals homogen sein, das stimmt. Aber Demokratie, weil sie so wie sie jetzt funktioniert ungerecht und schwach ist, generell zu verdammen und dafür den Traum der idealen Monarchie zu träumen (sorry, aber von der goldenen Vergangenheit träumen auch nur jene jungen Mädchen, die glauben, sie wären eine der 0,1% Burgfräulein gewesen und nicht eine der 99,9% Bauerntrampel) halte ich für falsch. Wenn die Spielregeln ein faires Spiel unmöglich machen, gehört nicht das Spiel abgeschafft, sondern die Regeln gehören geändert! Und die Spielregeln sind hier fast identisch mit jenen der Monarchie, der einzige Unterschied ist die Berufung der Herrscher - hie durch Gnade der Geburt, dort durch erkaufte Wählergunst.
      So lange das Volk nicht begreift, dass Demokratie "Herrschaft des Volkes" und nicht "Herrschaft durch Stellvertreter, die man sich irgendwie angwählt hat" bedeutet, wird es schief gehen. Denn so lange wird das Volk lieber einem Rattenfänger seine Stimme geben als diese selbst zu erheben.
      Bevor wir über eine Demokratie in Österreich reden, müssten wir erst einmal eine haben. Eine Rückkehr zu einer Monarchie (ich glaube nicht an die Fähigkeit zu weiser Regentschaft durch genetische Vererbung) hieße nur, ein schlecht funktionierendes neues System durch ein ebenso schlecht funktionierendes, aber inzwischen verklärtes, altes System auszutauschen anstatt sich an die Reformation des Bestehenden zu wagen.
      Nach dem weisen rRegenten zu Rufen ist ebenso feige wie nach dem alles richtenden Stellvertreter, der meine Pension sichert, meine soziale Hängematte fest knüpft oder mir anderes Manna verspricht.
      Fortschritt sieht anders aus. Er kostet Mühe. Deswegen schreien verlotterte Gesellschaften wie unsere nach dem "starken Mann", der es ihnen richten soll, denn selbst sind sie zu verwahrlost und faul.
      Entschuldigung, wenn das hart klingt, aber manchmal überkommt es mich...

  6. Celian
    11. Januar 2012 21:26

    Es freut einen, festzustellen, daß ein junger Mann von 30 Jahren zu solchen reifen Ansichten imstande ist. Nicht viele sind zu dieser Geistesleistung fähig, schon gar nicht in dem Alter.

    "Infantil", das Wort ist zutreffend. Ist es nicht infantil, wenn heute nach den Freveln des 20. Jahrhunderts immer noch Menschen von der Demokratie überzeugt sind? Dem Jahrhundert des Holocausts und unzähligen Pogromen.

    Dagegen das Zeitalter der Habsburger, 650 Jahre:

    Bella gerant alii, tu felix Austria nube.
    Nam quae Mars aliis, dat tibi diva Venus.

    Kriege führen mögen andere, du glückliches Österreich heirate.
    Denn was Mars (den) anderen (verschafft), gibt dir die göttliche Venus.

    Das nenne ich ein Motto! Kommt ganz ohne Weltkrieg aus. Seltsam. Trotzdem verabscheut man die Habsburger und wirft ihnen eine kriegerische Vergangenheit vor. Und das NACH dem 20. Jhdt.... Oje, wie verblendet muß man sein.

    Wer heutzutage noch überzeugt ist von der Demokratie, muß wohl ganze Stahlträger vor den Augen haben. 

    Anderer Gesichtspunkt: Demokratie funktioniert nur unter Gleichwertigen, unter Freunden, unter Menschen auf gleicher Augenhöhe, wie z.B. in einem Vorstand, im Kreis der Direktoren, im Kreis der Eigentümer einer Firma. Wer würde schon eine Putzfrau dort mitabstimmen lassen. Nur unter Menschen auf Augenhöhe ist Demokratie möglich, aber nicht unter völlig Ungleichen, Nichts anderes aber verlangt der Staat, die Politik.  Wo Fleißige und Faule, Reiche und Arme zusammengespannt werden, um über dein einseitig erworbenen Wohlstand gemeinsam abzustimmen, kommt es immer zu  Benachteiligungen. In der EZB stimmen die Südländer über die Nordländer ab, und die EZB kauft die Staatsanleihen der "Schwachen". Gegen den Willen Deutschlands, der Niederlande, Dänemarks u..s.w. die dafür aufkommen sollen. Ist das gerecht? Nein, aber es ist demokratisch. In "reichen" Ländern wie Österreich stimmen die Faulen über das Geld der Fleißigen ab. Der Ruf nach der Reichensteuer ist laut und wird von der Politik erhört. Die "Reichen" sollen noch mehr zahlen als sie schon bisher taten. Ist das gerecht? Nein, aber es ist demokratisch.  

    Wer also bitte schön ist noch immer so naiv und heult der Demokratie nach?

  7. Tertullian (kein Partner)
    11. Januar 2012 17:40

    (Rest-)Österreich ist viel zu klein und hat leider seinen vielbeneideten Sonderstatus mit dem EU-Beitritt aufgegeben.
    Demokratie bräuchte, wie der Name sagt, ein starkes Volk!
    Am ehesten gelebt wird sie in der Schweiz - sicher nicht zum Nachteil des Volkes.
    Ob konstitutionelle Monarchie oder Verfassungs-Republik ist einerlei - es fehlt in der Führung an den besten Köpfen

  8. Dämokratie (kein Partner)
    10. Januar 2012 09:54

    Der Reichsfürst will sich lösen von dem Reich,
    Dann kommt der Adel und bekämpft die Fürsten;
    Den gibt die Not, die Tochter der Verschwendung
    Drauf in des Bürgers Hand, des Krämers, Mäklers,
    Der allen Wert abwägt nach Goldgewicht.
    Der dehnt sich breit und hört mit Spotteslächeln
    Von Toren reden, die man Helden nennt,
    Von Weisen, die nicht klug für eignen Säckel,
    Von allem, was nicht nützt und Zinsen trägt.
    Bis endlich aus der untersten der Tiefen
    Ein Scheusal aufsteigt, gräßlich anzusehn,
    Mit breiten Schultern, weitgespaltnem Mund,
    Nach allem lüstern und durch nichts zu füllen.
    Das ist die Hefe, die den Tag gewinnt,
    Nur um den Tag am Abend zu verlieren,
    Angrenzend an das Geist- und Willenlose.
    Der ruft: Auch mir mein Teil, vielmehr das Ganze!
    Sind wir die Mehrzahl doch, die Stärkern doch,
    Sind Menschen so wie ihr, uns unser Recht!
    Des Menschen Recht heißt hungern, Freund, und leiden,
    Eh noch ein Acker war, der frommer Pflege
    Die Frucht vereint, den Vorrat für das Jahr,
    Als noch das wilde Tier, ein Brudermörder,
    Den Menschen schlachtete, der waffenlos,
    Als noch der Winter und des Hungers Zahn
    Alljährlich Ernte hielt von Menschenleben.
    Begehrst ein Recht du als ursprünglich erstes,
    So kehr zum Zustand wieder, der der erste.
    Gott aber hat die Ordnung eingesetzt,
    Von da an ward es licht, das Tier ward Mensch.
    Ich sage dir: nicht Skythen und Chazaren,
    Die einst den Glanz getilgt der alten Welt,
    Bedrohen unsre Zeit, nicht fremde Völker:
    Aus eignem Schoß ringt los sich der Barbar,
    Der, wenn erst ohne Zügel, alles Große,
    Die Kunst, die Wissenschaft, den Staat, die Kirche
    Herabstürzt von der Höhe, die sie schützt,
    Zur Oberfläche eigener Gemeinheit,
    Bis alles gleich, ei ja, weil alles niedrig.
    (Franz Grillparzer, Ein Bruderzwist in Habsburg, 3.Aufzug)

  9. Karl Rinnhofer
    09. Januar 2012 17:05

    @Scipio
    Ihre Argumentation, offenbar gegen meine Subkommentar (siehe unten) gerichtet, ist für mich keineswegs nachvollziehbar; ich bekenne mich zur Demokratie zumindest als geringstmögliches Übel aller möglichen Staatsformen und bleibe dabei, dass es sie wert ist, um sie zu kämpfen, und dass man sich geradezu versüdigt, sie zur Disposition zu stellen. Ich fühle mich damit auch nicht als Anhänger eine „Systemtrottel-Ideologie“, unter die Sie mich subsumieren, oder als „Ignorant“. Sollte in diesem geschätzten Forum (wider Erwarten) überwiegend eine andere Meinung herrschen, welche die Demokratie – trotz aller ihrer Schwächen - zur Disposition stellte, bin ich als Blogpartner fehl am Platz.

    Nun zur Auseinandersetzung mit Ihren einzelnen Behauptungen.

    1. „Es gibt keine misserstandene Demokratie“: Die gibt es sehr wohl, die „Ochlokratie eben: Sie frönt dem Populismus, wägt Stimmen nicht, baut keine kompetenzorientierten Strukturen auf, ihre Mandatare reden nur nach dem Munde ihrer potenziellen Wähler, werden in intransparenten Mechanismen hochgespült, ohne sich Verantwortungsbewusstsein verpflichtet zu fühlen und notwendigerweise auch Unpopuläres mit der Kraft der Argumentation und des Charismas durchzusetzen. Ihnen ist Machterhalt Selbstzweck – statt legitime Möglichkeit zu sein, sich verantwortungsvoll und wirksam im Interesse des Volkes einzubringen. Finale, tragisch pervertierte Konsequenz dieser Fehlenwicklung angesichts des notgedrungen sich ergebenden Chaos erschallt der Ruf nach dem starken Mann.

    2. Jede der möglichen Herrschaftsformen hat ihre Degenerationsformen; das ist die Aussage der antiken Staatstheorien. Monarchie kann in Tyrannis enden, Optimatenherrschaft („Herrschaft der Besten“) in eine Herrschaft der Klüngel („factiones“), der Seilschaften, der Ämterkäufer (Plutokratie), in jedem Fall der unbegründet selbsternannten, vermeintlichen „Eliten“. Keine dieser Degenerationsformen macht den Staat lebensfähig, doch die Demokratie, auch von ihrer Degenerationsform (Ochlokratie, „Pöbelherrschaft“, s.o.) gefährdet, hat zwei relative Vorteile: Die Fehlentwicklung ist grundsätzlich reversibel, und in ihr bleibt das Volk „particeps“ (Cicero) also potenziell anteilig an der Herrschaft, und aufgefordert, sich bei Erkennen von Fehlentwicklungen einzubringen. Daher ist auch die Verbiedermeierlichung der satten Demokratie eine Gefahr, in der ihre Mitglieder resignativ in innerer Emigration enden. Denn genau das schafft ein Vakuum für neue Herrschaftsformen fragwürdiger Legitimation und Motivation

    3. Cicero salopp als „den Vertreter des Naturrechts“ hinzustellen ist kaum angebracht; hier ist eine viel differenziertere Sicht angebracht: In der „ewigen „Auseinandersetzung zwischen Naturrecht und gesetztem Recht entschied er sich für die Gültigkeit kodifizierter Gesetze, die nachvollziehbar „rechtsstaatlich“ angewandt werden müssen; das war wohl auch seine Motivation, das Werk über die Gesetze „De legibus“ zu verfassen. Er bekannte sich dazu, dass Gesetze daher notwendigerweise kodifiziert und so intersubjektiv grundsätzlich jedem zugänglich sein müssen, Diese Gesetze dürfen aber kein Eigenleben bekommen oder Instrumentalisierung gesonderter Machtinteressen sein, sondern auf der Basis natürlicher Gegebenheiten ausformuliert werden. Das ist ein strikt demokratisches Prinzip; selbst sein Intimfeind Caesar gibt ihm recht, indem er diese Stärke der (mutatis mutandis) „aufgeklärten“ Römer gegenüber den „Barbaren“ hervorhebt, bei denen nur eine elitäre Schicht (z.B. die gallischen Druiden) Zugang zu den Gesetzen hat und man sich daher dort gegen jede schriftliche Fixierung wehrt.

    4. Völlig absurd erscheint die Behauptung, wonach bei Cicero die Trennung von Staat und Religion bzw. Kult undenkbar wären: In der Zeit der ausgehenden Republik hatte die römische Religion längst ihre Akzeptanz verloren, führte nur mehr ein Eigenleben in einem innerlich leerlaufenden Kult und wurde durch die neuen philosophischen Strömungen (Stoa, Epikuräismus, akademische Skepsis, römische Variante des „Peripatos“) ersetzt. Selbst das Ur-Christentum (welch penetranter Gegensatz zur späteren „Amtskirche“) wird als glaubwürdiger „Proletarierplatonismus“ (Max Weber) auf dieser Basis durch spezifische Überlegenheit der Volksorientierung seinen Siegeszug antreten Bezeichnenderweise besinnen sich erst die nachfolgenden Caesaren wieder der irrationalen Kraft des Mythos und landen bei krausen Formen von „Vergöttlichungen“, „Apotheosen“ und „Gottkaisertum“ als mühsam-unglaubwürdige Selbstlegitimation. Cicero, der viele diese Entwicklungen voraussah, war stets ein glaubwürdiger, tragischer Kämpfer um die Demokratie.

    5. Platon lehnte die Demokratie nicht grundsätzlich abgelehnt; er ist es ja, der in der „Politeia“ den Kreislauf der Verfassungen so exemplarisch und ohne Präferenzanspruch beschrieb, das ihn Cicero praktisch 1:1 in seiner „de re publica“ übersetzen konnte. Damit nicht zu verwechseln: Platon zitiert an ganz anderen Stellen biographisch korrekt seinen verehrten Lehrer Sokrates (Apologie, Kriton), der sich eine Generation davor– selbst nicht literarisch tätig – Skepsis gegen der allzu naiv betrachteten „demokratischen“ Regierungsform geäußert hatte. („Herrschaft der Vielzuvielen“). Auch Xenophon bestätigt diese Tendenz des Sokrates in den „Memorabilia Socratis“. Platon unterscheidet immer die „gute“ Demokratie“, - die immer auch ein elitäres Element (Cicero. „ut aliquid regale sit“) brauche - von der dekadenten „Ochlokratie“, die er in ihren Auswüchsen zu Recht –mit besonders drastischen Bildern beschreibt.
    6. Zum „genus permixtum“, der „Mischverfassung“: Gerade im Scipionenkreis (Name, Herr Scipio!) wurde diese Möglichkeit intensiv diskutiert: Besonders Polybios und die nach der Schlacht bei Pydna nach Rom gekommenen Griechen in dessen „Klublokal“, der Bibliothek des siegreichen Lucius Aemilius Paulus, bewunderten die für Griechen ungewohnte ungewohnte Stabilität der römischen Verfassung und leiteten – durchaus im Kontext des klassischen griechisch-antiken Staatsmodells, das immer einen naturgesetzanalogen, eigendynamischen „Kreislauf der Verfassungen“ vorsah und jede Form als temporär ansah: Der römische Pragmatismus vereine alle Vorteile: In den Konsuln (durch Annuitäts- und Kollegialitätsprinzuip relativiert) sei das Monarchische Prinzip vertreten, im Senat das optimatische (in diesem Falle waren eben die „Erfahrendsten“ senes „die Besten“; und das Volk bekam seine Vertretung über die Volkstribunen, sodass auch das demokratische Element vertreten sei.

    7. „Würdig ist allein das Regnum Christi“ ist eine sehr bedenkliche Vorentscheidung, die ich nicht annähernd teile.

    8. Die sich aus Aufklärung und französischer Revolution ergebenden Folgeentwicklungen (Demokratie) als „Perversion“, „schönen Schein“, abzutun, schmerzt mich geradezu persönlich. Dass Demokratie in ihrer Dekadenzform schwere Schattenseiten haben kann, ist nicht abzuleugnen, doch ist sie deswegen keineswegs prinzipiell in Frage zu stellen.
    9. Der von Ihnen zu Recht erwähnte Grillparzers stellt mit markanten Zitaten Warnungstafeln in den stets gefährlichen Weg der Demokratie. „Das Volk – das sind die vielen Nullen, die gern sich beisetzt, wer sich fühlt als Zahl“ beschreibt die mögliche Instrumentalisierung demokratischer Strukturen für autokratische Realverhältnisse – doch setzt er damit Demokratie zur Disposition?. Mag mancher aktueller Realbefund (schöner Schein“) richtig sein, so sollte man sich doch an der normativen Kraft der Idee und nicht an der abgetriffteten Degenration orientieren.

    Schluss: Viel sollten wir daraus für die Gegenwart lernen. Doch jemals Demokratie zur Disposition zu setzen hieße “das Kind mit dem Bade ausschütten“ und Garant für des Starts einer verhängnisvollen irreversiblen Entwicklung. Selbst wenn ein „Ausschalten der Demokratie“ punktuell und aus möglicherweise guter Absicht prima vista sinnvoll erscheinen mag, so sollte doch das von Ihnen zitierte Beispiel von Dollfuß zeigen, zu welcher Eigendynamik deine derartige Entscheidung führen kann.

    • Scipio
      11. Januar 2012 20:51

      @Karl Rinnhofer 9.01.11, 17:05

      Wozu Sie sich bekennen, etwa zu einem „geflügelten Pferd“ oder zur „Demokratie“ bleibt ganz Ihnen überlassen. Vernünftige Menschen allerdings wissen, dass es „geflügelte Pferde“ (außer als Markenzeichen von Agip, Märchenfigur oder als metaphorische Sprachfigur) genauso wenig gibt wie eine „Demokratie“, die Sie (Beitrag 5. 01) als „Herrschaft des Volkes“ definieren. „Das Volk“, so wurde Sir Karl Popper (Die offene Gesellschaft und ihre Feinde) zitiert, „hat noch in keinem Sinne je geherrscht“. Wenn „das Volk“ – nach Grillparzer „die vielen Nullen“ – niemals „geherrscht“ oder „regiert“ hat, dann gibt es eben auch keine Demokratie. Bekennen Sie sich ruhig trotzdem zu ihr, so wie andere eben auch auf ihr „geflügeltes Pferd“ nicht verzichten wollen.

      Auch ob Sie sich als „Systemtrottel“ fühlen oder nicht, bleibt ganz Ihnen überlassen. Nicht aber bleibt Ihnen überlassen die Beurteilung Ihrer Intelligenz und Ihrer Ansichten durch andere. Ihre Einstufung als „Systemtrottel“ durch mich gründet sich auf das vor kurzem erschienene, höchst lesenswerte Buch von Eugen Maria Schulak/Rahim Taghizadegan: Vom Systemtrottel zum Wutbürger (Econwin-Verlag Salzburg 2011). Die Bezeichnung „Systemtrottel“ steht für Wiederkäuer des durch „geschlossene“ Erziehungsanstalten (Kindergärten, Regelschulen, Bolognastudien), Massenmedien, Talkshows und „demokratische“ Politiker vorgesetzten Fraßes. Die Bezeichnung gilt für einzelne Menschen jedenfalls solange, als sie sich nicht aus dem „Hamsterrad“ befreit und selbständig zu denken angefangen haben. Selbständiges Denken beginnt, den beiden Autoren zufolge, jedenfalls damit, die „großen Lügen unserer Zeit“ zu durchschauen. „Die größte politische Lüge ist wohl das Märchen, wir würden in Demokratie und Rechtsstaat leben … Die Tabus, die rund um die heilige `Demokratie´und den `Rechtsstaat´, errichtet wurden, sollen die Widersprüche und Lügen verdecken, die nötig sind, um unsere Illusionen am Leben zu erhalten“ (S. 136).
      Ich habe nicht den Eindruck, dass sie die Demokratie (= Volksherrschaft“ nach Ihrer Definition) als DIE GROSSE LÜGE unserer Zeit durchschaut haben. Daher erlaube ich mir die von den beiden oben genannten Autoren angeregte Charakterisierung. Platon spricht im „Staat“ von „Bürgern, die sich im Kote ihrer Unwissenheit wälzen“

      Jetzt zu Ihren Punkten:

      1. Ochlokratie ist keine Demokratie, sondern das, was der Name sagt: „Pöbelherrschaft“. Wo soll da das „Mißverständnis“ liegen? Die Marxisten/Sozialisten/Soialdemokraten bejahen sie als „Diktatur des Proletariats“ und bekennen sich damit zur Diktatur. Sie schließen Demokratie und Diktatur nicht aus, sondern treffen damit das, worauf Demokratie eigentlich abzielt: die Diktatur. „Reine Demokratie hat ihr Telos nicht in der Freiheit, in deren Namen sie propagiert wird und mit der man sie legitimiert, sondern in Diktatur und Terror. Die gesamte klassische Staatslehre hat das gewußt, von Platon über Kant bis Hegel“, beöhrt uns einer der anregendsten österreichischen Philosophen („Das Volk, die Herrschaft und die Menschenwürde - `demokratische Grrundwerte´ - Gibt es so etwas überhaupt?“, DIE PRESSE, Spectrum vom 26. Feb. 2000, S II). Nur Sie, Herr Rinnhofer, scheinen das nicht zur Kenntnis nehmen zu wollen. Aber immerhin ist die Beschreibung der Mandatare der „demokratischen“ Pöbelherrschaft, die Sie in Ihrem Beitrag liefern, sehr zutreffend. Die negative Auswahl der Mandatare hängt mit unserem politischen System, das sich „demokratisch“ nennt, zusammen.
      2. Richtig ist auch Ihre Aussage, jede Herrschafts- oder Regierungsform könne „degenerieren“. Die Degeneration ist immer Folge eines Machtmissbrauchs. Die ganze politische Wissenschaft seit der Antike bis heute sucht nach Beschränkungen des Machtmissbrauchs ohne dabei die Ausübung legitimer Machtausübung, die das Gemeinwohl fördert und die Gesellschaft festigt, zu hindern. Darum geht es eben auch im „Plädoyer für die Monarchie“ im Gastkommentar von Herrn Kopf. Die Reversibilität des Machtmißbrauchs führt bei demokratisch/ochlokratischer Herrschaft nach Platon über die Tyrannis, und auch das nur, wenn der Glücksfall eintritt, dass der Tyrann zum Philosophen wird. Francois Villon stellt in seinem Kommentar (6. Jan. 2011) klar, dass den mit der demokratischen Ochlokratie unvermeidbar verbunden Fehlentwicklungen durch Negieren des „Anfangs“, d.h. durch den Verzicht auf die Einführung demokratischer Herrschaftsverhältnisse vorgebeugt werden sollte
      3. Cicero nicht als Verfechter des Naturrechts zu bezeichnen, zeugt von beispielloser Ignoranz. Naturrecht schließt die Kodifizierung von Gesetzen nicht aus. Ihre Formulierung soll, wie Sie selbst ganz richtig bemerken, den „natürlichen Gegebenheiten“ nicht widersprechen. Das ist auch die Auffassung von Vertretern des Naturrechts, doch genau das ist eben kein „demokratisches Prinzip“. Teil 1 von Ciceros „De legibus“ behandelt den Begriff und die Natur des Rechts. Beides bindet Cicero an die „in der Natur sich zeigende Vernunft“, welche im Geist des Verständigen als „Kraft der Natur“ wirkt, die ihn Recht und Unrecht unterscheiden lässt (1,18). Die prudentia ist die Weisheit des sich um die res publica kümmernden Mannes, der durch seine Tätigkeit gesellschaftliche Ordnung stiftet. Seine Weisheit hat teil an der Weltvernunft, die den Kosmos durchwaltet und ihm sein ewiges und göttliches Gesetz (die lex aeterna) gibt. Die gleiche recta ratio ist Gott, Mensch und Kosmos eigen. Die Prudentia ist für Cicero nichts anderes als die Tugend, die den Menschen vervollkommnet und „Gott ähnlich macht“ (1,25). Recht wurzelt daher nach Cicero nicht in irgendwelchen Meinungen, Mehrheits- oder Volks(kammer)beschlüssen, sondern in der Ordnung der Natur, die durch die recta ratio und Weisheit des Herrschers erkannt wird.
      4. Gänzlich falsch liegen Sie, Herr Rinnhofer, wiederum mit der Behauptung, Cicero habe auf der „Trennung von Staat und Religion bzw. Kult“ bestanden. Genau das Gegenteil ist richtig. Nach dem 2. Buch von De legibus geht das „uranfängliche Gesetz“ (die lex aeterna) von der rechten Vernunft, der recta ratio, des „höchsten Jupiters“ aus (2,10). Cicero folgert daraus, dass Anerkennung und Richtung der göttlichen Weltvernunft die Grundlage des Gemeinschaftslebens der Bürger zu sein habe: „Die sakrale Ordnung der res publica ist deren Fundament“. So interpretiert einer der besten Kenner Ciceros, Jürgen Gebhardt die Auffassung Ciceros. Die Gerechtigkeit beruht nach Cicero auf dem göttlichen oder „wahren Gesetz“ (lex vera), das mit der Natur in Einklang steht, in sich konstant und ewig ist. Es stammt von einem „uns gemeinsamen Lehrer und Herrscher: Gott“ (Res publica, 3, 22). Es nicht zu beachten ist Frevel und führt unweigerlich zum Unergang des Gemeinswesens. Ciceros Ausführungen über das Sakralrecht als Grundlage des Gemeinwesens und des Zivilrechts betonen den Wert der väterlichen Tradition und der „kultischen Ordnung“, an welche die Ausübung der Magistrate oder „Ämter“ zu binden sind. (2. Buch von De Legibus).
      5. Sowohl Platon wie Cicero lehnen demokratische Herrschaftsformen ab, wenn sie nicht durch vorrangige aristokratische und monarchische Herrschaftsformen gezügelt werden.
      6. Hier nehmen Sie den richtigen Gedanken der „gemischten Verfassung“ auf, widersprechen sich aber, wenn Sie die die Demokratie als die „würdigste Form“ einer aufgeklärten Gesellschaft bezeichnen (Ihr erster Kommentar zum „Plädoyer“). Wenn Sie die „gemischte Verassung“ für richtig halten, dann müssten Sie, falls Sie konsequent sein wollen, für diese „kämpfen“, nicht für die Demokratie.
      7. Auch wenn Sie persönlich die Auffassung, das regnum Christi sei die allein würdige Regierungsform nicht teilen, ändert das nichts an ihrem objektiven Wahrheitsgehalt, den eben auch Cicero mit dem Hinweis auf Jupiter (siehe Punkt 4 oben) vertritt. Der höchste Gott bildet das Fundament der civitas (= Gemeinschaft, Gesellschaft, Staat). In unseren Breiten jedenfalls ist das Christus.
      8. In der Tat schmerzt es manche, sich aus der gewohnten Tretmühle des „Hamsterrades“ zu befreien und die Lüge der „Aufklärung“, der Französischen Revolution und der Demokratie zu durchschauen.
      9. Demokratie als „Volksherrschaft“, wie von Ihnen definiert, ist eine „idée fausse“. Von ihr geht keine „normative Kraft“ aus, sondern sie nährt die Kräfte der Destruktion. Dollfuß hat sich gegen diese Kräfte gewährt und dies mit seinem Leben bezahlt. Seinem Beispiel sollten wir nacheifern: Einsatz für Gott und Vaterland.

    • Johann Scheiber
      12. Januar 2012 07:52

      Das Erstaunliche an der Position Scipios und der Traditionalisten ist, dass ihre Position mit der Position ihrer Gegner, der Position der Aufklärer, Progressiven und der Revolutionäre substantiell identisch ist, was eigentlich eine Plattitüde ist, denn stets kämpfen Antagonisten um ein Prinzip, das sie grundsätzlich teilen.

      Was ist das gemeinsame Prinzip der Traditionalisten und der Progressiven? Es ist der Sachverhalt, dass beide die Französische Revolution als Ende der europäisch- abendländischen Geschichte verstehen. Nur, was die einen begrüßt haben, haben die anderen beklagt, aber in der Einschätzung und Auslegung der Sache sind sie sich einig.

      Das was Hegel gleichzeitig mit dem Ausbruch der Französischen Revolution erkannt hat – ich folge hier der Interpretationslinie von Günter Rohrmoser - ist, dass dieser Gegensatz des Fortschritts gegen die Tradition kein substantiell begründeter Gegensatz ist und dass er im Grunde genommen abstrakt ist und dass sie am anderen jeweils das negieren, wovon sie selber leben.
      Der Grundantrieb der Progressiven besteht darin, das Bisherige und Bestehende zu negieren. Wenn sie aber am Ziel sind und alles zerstört haben, stehen sie im Nichts, weil nichts mehr da ist, was sie negieren könnten – diesen Zustand haben wir ja beinahe erreicht. Aber in der Stunde des absoluten Triumphes werden sie dann von der Wahrheit derjenigen ereilt die sie ständig bekämpft haben, nämlich von der Wahrheit der Konservativen.
      Und die Traditionalisten die unter der Bedingung der Progressivität die Tradition verteidigen wollen, beschleunigen durch die abstrakte Entgegensetzung des Bisherigen und Alten gegen das jeweils Aktuelle und Moderne gerade den Vormarsch der Moderne. Historisch gesehen hat jeder restaurative Versuch genau das beschleunigt was er verhindern wollte. Die Antagonisten bekämpfen so, im anderen ihrer selbst, sich selbst.

      Was stellt der große, bisher wohl unüberholte Vollender der Philosophie, Hegel, den ruinösen einander feindlichen, aber wie gesagt, im Grunde identischen Abstraktionen der Konservativen und der Progressiven gegenüber?
      Die These, dass die Französische Revolution nicht ENDE, sondern MOMENT einer Geschichte ist, in der es nun um die vollendende Verwirklichung eines Prinzips und eines Begriffes von Freiheit geht, der bei den Griechen seinen Anfang genommen hat und im Christentum zu sich selbst gekommen ist. Darum interpretiert Hegel die ganze zweitausendjährige Geschichte als den Prozess des Geistes, in dem es darum geht, den im Christentum aufgegangenen Begriff von Freiheit zu verwirklichen. Dazu gehört die unendliche, in sich frei gewordene Subjektivität des Einzelnen, die diesem Freiheitsbegriff gemäß versucht die Welt zu transformieren und Bedingungen zu erzeugen, die es gestatten, dass dieser christliche Freiheitsbegriff aus der Innerlichkeit heraus in die Äußerlichkeit tritt. 2000 Jahre ist daran gearbeitet worden einen Zustand der Welt hervorzubringen, der zu seiner Voraussetzung etwas hat, was dem christlichen Begriff vom Verständnis der Freiheit entspricht. Darum ist die mit der F.R. beginnende Geschichte für Hegel nicht das Ende, sondern mögliche Vollendung.

      Hegel hat aber auch erkannt, dass aus dieser durch die F.R. etablierten neuen politischen Freiheit Probleme resultieren, die politisch nicht lösbar sind. Diese neue emanzipatorische Freiheit löst nämlich, in ihrer bloßen Willkür, die Institutionen und den Staat auf – das Finale davon erleben wir gerade heftigst.
      Als Remedium ist für Hegel die Quelle und die Kraft, die den Menschen befähigt und gewillt macht, sich in seinem vereinzelte privaten und exzessiv emanzipatorischen Sein auf das Allgemeine hin zu überschreiten , allgemein formuliert das Christentum, konkret die Existenz der christlichen Gemeinde. Genau hier und nur hier haben wir auch die Bedingung der Möglichkeit eines demokratisch verfassten Staates dessen Telos eben nicht Tyrannei der Mehrheit ist. Dabei geht es aber nicht um Moral oder christliche Werte sondern um Teilhabe an einer Kraft und um Verwandlung, die es dem homo naturalis ermöglicht sich selbst zu transzendieren, um nicht mehr nur im Interesse des Eigenen zu handeln, sondern auch im Dienste und zu Gunsten des im Staat Wirklichkeit werdenden Allgemeinen tätig zu werden.
      Damit hat der Staat im Bewusstsein des Menschen seine Substanz und seine Basis, so wie auch Gott seine Basis im glaubenden Bewusstsein hat: „Ich habe keine anderen Hände, Augen, Ohren als die Euren.“

      Mit definitiver Wirksamkeit hat sich in der Neuzeit die Repräsentation der Wahrheit des Staates und der christlichen Religion in der Subjektivität ihren neuen Schwerpunkt. Daher gibt es weder ein zurück zur mittelalterlichen Kirche, noch ein zurück zu überholten Formen politischer Repräsentation, außer, in diesem zweiten Fall, als Tüpfelchen auf dem i.

      (Ich folge in diesem Beitrag über weite Passagen fast wörtlich Günter Rohrmosers unveröffentlichter Vorlesung: „Hegels Denken“)

    • Scipio
      12. Januar 2012 10:23

      @Johann Scheibner 12.01.12, 7:52

      So sehr ich Inhalt und Niveau Ihrer Beiträge und auch Ihre Gewährsmänner, Hegel und Rohrmoser, schätze, erlaube ich mir doch einige Einwände in gebotener Kürze vorzubringen.

      Hegel und Rohrmoser sind Protestanten, ihnen fehlt – genau wie Luther - der Kirchen- und damit der Reichsbegriff. Nicht die christliche Gemeinde konstituiert Kirche, Reich und Staat, sondern Christus selbst, „der wahre Gott vom wahren Gott“. Nicht wir haben IHN erwählt, sondern ER uns. Damit fehlt jedem „demokratischen Prinzip“ die Grundlage. Die „Zwei-Reiche-Theorie“, die Rohrmoser, auf Luther gegründet, vertritt, übersieht m. E., dass auch das irdische, säkulare Reich „heilig“ ist. Hier irrt wohl auch Kuehnelt-Ledihn, der die Notwendigkeit des Staates und seiner Zwangsgewalt auf den von der Erbsünde korrumpierten Menschen zurückführt, d. h. der Staat ist ein Produkt der Sünde. Dass auf dieser Auffassung der totalitäre Staat beruht, kann hier nicht weiter ausgeführt werden, sollte aber zum Nachdenken anregen.

      Die Hegelsche Dialektik zeigt ihre schwächsten Momente gerade in der Geschichtsphilosophie. In der Geschichte lässt sich der Fortschritt im Bewusstsein der Freiheit nicht nachweisen, die Entwicklung vom Despotismus zur freiheitlichen „Demokratie“ und zu irgendwelchem „Humanismus“ existiert nur in der Einbildung. Was in der Geschichte sich tatsächlich herausbildet, ist die Ausbreitung der antichristlichen Herrschaft des „Fürsten dieser Welt“, der Verwirrers, Lügners und Menschenmörders von Anfang an. Horkheimer/Adorno haben m. E. mit der „Dialektik der Aufklärung“ gezeigt, dass unser Fortschritt in der Zerstörung der Natur, der Verschleuderung unserer Ressourcen und in der „Entfremdung“ des Menschen besteht, eine Entwicklung, durch die wir alle Gefahr laufen, zu „glücklichen Sklaven“ oder, wie es jetzt heißt, zu „Systemtrotteln“ zu werden. Die wenigen „Aufhalter“, zu denen ich Sie und auch nicht wenige der Poster in diesem Blog zähle, leisten ihr Mögliches, doch ihr Erfolg in dieser Welt ist sehr begrenzt. Tamen! Wer nicht ans ewige Leben glaubt, hat keine Zukunft und kann auch seinen Aufgaben in dieser Welt nicht gerecht werden.

    • ProConsul
      12. Januar 2012 10:27

      @Scipio

      großartiger Beitrag, wir sind genau einer Meinung.

      @Johann Scheiber

      Lieber Hans, danke für deinen interessanten Kommentar. Du bist unserer Meinung, dass die Religion (Christentum) in dieser Sache den Ausschlag gibt, oder wie Du schreibst Quelle, Kraft und Remedium ist. Die Frage ist nur, wie man eine Reevangelisierung erreichen bzw. fördern will? Während du und die "linken Christen" (copyright Erik v Kuehnelt-Leddhin) offenbar auf ein Wunder wartet und nur nebulös und träumerisch von dieser Sache schreibt, bin ich der Meinung, dass eine Monarchie als Katalysator dafür dienen kann; ganz abgesehen von den ganzen anderen Gründen für eine Monarchie. Hans, wie lange wollt ihr und die ganzen anderen naiven Christen noch warten? Sollen wir weiterhin zuschauen, bis unsere Gesellschaft und unsere Kultur ganz zerstört sind? Es geht jetzt nicht mehr bloß um den einzelnen, sondern es geht um das was Österreich in seinem Kern ist und ausmacht.

    • Johann Scheiber
      12. Januar 2012 14:47

      @Scipio

      Ich denke nicht, dass Hegel den sakralen Charakter des Staates leugnet, denn er sagt ganz deutlich, dass Staat und Religion den selben Inhalt haben, dass sie aber in der Form getrennt wären. An anderer Stelle sagt Hegel dass ein Staat ohne Religion einem Tempel ohne Allerheiligsten gleicht. Die Trennung von Staat und Religion hält er schlechthin für Unfug, denn so wie die Menschen sich Gott vorstellen, so gestalten sie auch ihre Staaten und so sind sie. So kann es einen Staat der Freiheit nur auf christlichem Grund geben, weil nur im Christentum der Mensch Moment des Absoluten selbst ist. Das ist eben das Ignotum der modernen Welt, dass sie ohne den Fortbestand der substantiellen Voraussetzung ihrer Freiheit Harakiri begeht.
      Damit trennt Hegel den Staat nicht von der Religion, sondern er unterscheidet sie. Das Verhältnis ist ein dialektisches, eine Identität von Identität und Nichtidentität .Identität im Inhalt, Nichtidentität in der Form. Das kann der Verstand nicht begreifen, denn dieser kann nur entweder die Identität oder die Nichtidentität konstatieren.

      Zur Zwei-Reiche-Lehre ist wohl zu sagen, dass diese nicht von Augustinus, Luther, Hegel oder Rohrmoser erfunden wurde, sondern dass sie die mittelalterliche Verfassung des Reiches abbildet, eine Verfassung aber, die, wie das offene Ende des Investiturstreites zeigt in einer Aporie endete. Auf der Basis des mittelalterlichen Reiches hat es eben keine Lösung gegeben, auch von daher hat Hegel das Verhältnis von Reich zur Linken, Sacerdotium, und Reich zur Rechten, Imperium, in seiner Rechtsphilosophie als Staat der Freiheit neu gedacht und dabei hat er die mittelalterliche Weglosigkeit definitiv überwunden.

      Wie die reale Geschichte mit der Vollendung der Geschichte des Bewußtseins der Freiheit umgeht, darüber hat sich niemand skeptischer geäußert als Hegel selbst am Ende seiner Religionsphilosophie. Aber die Dialektik der Geschichte ist ja noch nicht ausgestanden.

      Ich fühle mich sehr geehrt, dass sie mich zu den "Aufhaltern" zählen. An anderer Stelle heißt es aber: Herr komm bald! Wir sollten also unser Möglichstes tun, gleichtzeitig aber doch alles von Ihm er-warten.

      Günter Rohrmoser, mit dem ich fast zwanzig Jahre in Kontakt war, hat übrigens mehrmals darauf hingewiesen, dass es in Österreich einen Mann gibt dem sein Denken wenigstens verwandt ist, nämlich Friedrich Romig!

      Mich hat es in die Fänge von Rohrmoser/Hegel verschlagen, weil ich in deren Modernen Konservativismus die für mich irgendwie existentiell wichtige Versöhnung von Christentum und moderner Welt gefunden habe.
      Rohrmoser hat sich übrigens immer wieder mit dem Gedanken herumgeschlagen, zur Katholischen Kirche überzutreten.

    • yyyyyy
      12. Januar 2012 15:48

      ad Friedrich Romig: Doz. Romig hat auf diesem Blog vor ca. 1 Jahr einen vielbeachteten Gastkommnetar "Aut Christus Aut Nihil" geschrieben, den ich auch als Vorarbeit zu meinem Gastkommentar ansehe:
      http://www.andreas-unterberger.at/2010/11/aut-christus-aut-nihil/?s=aut christus aut nihil
      Besonders seine beiden Bücher "Die Rechte der Nation und "Der Sinn der Geschichte" sind sehr zu empfehlen.

    • Johann Scheiber
      12. Januar 2012 18:03

      Alex, da wird sich aber Friedrich Romig freue, dass er dir vorarbeiten durfte!

    • Romig
      13. Januar 2012 09:59

      Sehr geehrter Herr Scheiber!

      Von befreundeter Seite wurde ich auf Ihren Eintrag vom 12. Jan. 2012, 17:47 aufmerksam gemacht. Ich würde mich sehr freuen, mich mit Ihnen austauschen zu können und zu diesem Zweck Ihre eMail-Adresse zu erfahren. Meine steht unten.

      Mit Günter Rohrmoser hat ich mehrfach intensive Gespräche, ganz besonders über den verhängnisvollen Einfluß Luthers auf die Geschichte der Neuzeit, Kirchenspaltung, die Zerstörung des Reiches, Religionskrieg, Aufklärung, Absolutismus, Nationalismus, Liberalismus, Nationalsozialismus, Judenverfolgung und natürlich auch über Hegel und seine überragende und unverzichtbare Bedeutung für die ganze Philosophie, Staats- und Gesellschaftslehre bis in unsere Tage. Die Intensität dieser Gespräche dürfte, wie Rohrmoser versicherte, mit dazu beigetragen haben, dass er noch bis kurz vor seinem Tod (2008) den Übertritt in die Katholische Kirche erwog und zu vollziehen dachte. Er war mehr und mehr davon überzeugt, dass der mystische Leib Christi, d. i. die Katholische Kirche, und jede politische Form von Reich und Staat unverzichtbar und untrennbar, wenn auch unvermischt aufeinander angewiesen sind und beide, Kirche und Staat, durch ihre vertrauensvolle und enge Zusammenarbeit sich wechselseitig stärken sollten, zum Wohle des ganzen Volkes.
      Diese Überzeugung von der Synergie Kirche/Reich/Staat kam auch in seiner Sympathie für Rußland und die russisch-orthodoxe Kirche zum Ausdruck, die zu engen Kontakten Rohrmoser zu akdemischen und politischen Kreisen in und außerhalb Moskaus führte.
      Die von seinem Schüler Harald Seubert herausgegeben Festschrift zum 80. Geburtstag zeugt von der Wertschätzung, die ihm höchste katholische Würdenträger entgegenbrachten.
      Rohrmoser sprach immer wieder vom "heimlichen Reich", das in Österreich mehr als im heutigen Deutschland seine Heimat habe. Erfreulich jedenfalls, dass nun auch zahlreiche jüngere Kreise auf direkte oder indirekte Weise aus seinem Werk Kraft schöpfen und seine Intentionen weiterverfolgen.

      Friedrich.Romig@gmail.com

    • Kopf
      13. Januar 2012 10:30

      Es wurde hier mehrmals der "Katechon" (Aufhalter) angesprochen. Der Begriff des "Katechon" ist ein Schlüsselbegriff für das metahistorische Verständnis des Reiches. Mit dem "Katechon" ist jene geheimnisvolle Stelle im 2.Brief an die Thessalonischer gemeint, in dem Paulus von dem "Aufhalter" spricht, 2 Thessal. 1-8:

      "Eine Bitte haben wir noch an euch, Brüder, bezüglich der Ankunft unseres Herrn Jesus Christus und unserer Vereinigung mit ihm: Laßt euch nicht so leicht aus der Fassung bringen und in Schrecken setzen - weder durch Geistrede noch durch einen Ausspruch oder durch einen angeblichen Brief von uns - als sei der Tag des Herrn schon da. Niemand möge euch auf irgendeine Weise täuschen. Denn zunächst muß der Abfall kommen und der Mensch der Gesetzlosigkeit offenbart werden, der Sohn des Verderbens, der Widersacher, der sich über alles hinwegsetzt, was Gott heißt oder Gottesverehrung, und schließlich sich selbst in den Tempel Gottes setzt ud vorgibt, er sei Gott. Entsinnt ihr euch nicht, dass ich euch dies gesagt habe, als ich noch bei euch war? Und iht wißt, was gegenwärtig noch aufhält, dass er zu seiner Zeit ooffenbart werde. Zwar ist das Geheimnis der Gesetzlosigkeit jetzt schon am Werk, doch muß der, der es bis zur Stunde noch aufhält, erst beseitigt werden. Und dann wird der Gesetzlose offenbart werden; ihn wird der Herr Jesus durch den Hauch seines Mundes beseitigen und durch das Aufleuchten seiner Ankunft vernichten."

      Prof. Dirk Budde vertritt in seinem Buch "Heiliges Reich, Republik, Monarchie" die Meinung, dass der Katcheon die Monarchie ist, genauer gesagt, das Heilge Römische Reich, später dann das Heilige Römische Reich Deutscher Nation, Ende 1806. Er schreibt dazu: "Schon beginnend mit Tertullian (160-253) sind sich alle Apologeten darüber einig, dass das "Aufhaltende" gleichbedeutend ist dem Heiligen Römischen Reich und der "Aufhalter" dem Imperator, dem Kaiser des Heiligen Römischen Reiches. Den Kirchenvätern war die himmlische Legitimierung des Imperiums allein schon durch die Geburt Christi innerhalb der Grenzen Roms gegeben. Nach Eusebius von Caesarea war es das Werk der göttlichen Vorsehung, dass die Menschwerdung des Logos in die Zeit der Herrschaft des Augustus fiel und dass das Ende des jüdischen Königtums mit der Blütezeit des römischen Imperiums zusammenfiel; denn Christus war nicht nur zu den Juden gesandt, sondern zu allen Nationen, geint durch das Imperium. Denn wie der christliche Monotheismus den Polytheismus und die Tyrannei der Dämonen beendet hat, so hat das Imperium, indem es Ägypten, Syrien, Kappadozien, Judäa, Griechenland und ander Völkerschaften zu einer politischen Einheit zusammengefaßt hat, der bisherigen politischen Poliarchie ein Ende bereitet. Daher ist es offensichtlich, dass das Imerium nicht Menschen- oder Zufallswerk war, sondern göttliche Vorsehung, angekündigt durch die Propheten (Buch Micha 5,4-5). Und Origenes fügt hinzu:

      "Es ist klar, dass die Geburt Jesu unter der Regierung des Augustus erfolgte, der die große Mehrzahl der auf Erden lebenden Menschen durch ein einziges Kaiserreich sozusagen ins Gleichgewicht gebracht hatte. Das Vorhandensein vieler Reiche wäre für die Verbreitung der Lehre Jesu über die ganze Erde auch deshalb hinderlich gewesen, weil dann alle Völker gezwungen gewesen wären, Krieg zu führen und ihr Vaterland zu verteidigen; was ja vor den Tagen des Augustus und noch früher der Fall gewesen war, als Peloponnesier und Athener und ebenso andere Völker mit anderen Krieg führen mussten. Wie hätte da diese friedliche Lehre, die nicht einmal gestattete, an seinen Feinden Vergeltung zu üben, durchdringen können, wenn nicht bei der Ankunft Jesu die weltlichen Verhältnisse überall eine ruhigere Gestaltung gefunden hätten?" (Origenes, Gegen Celsus 2, 30).

      Das römische Reich ist daher das Instrument des göttlichen Heilsplans, Gefäß der Ausbreitung des Christentums und somit als Weltreich von Gott gewollt. Dass das römische Reich auf dieses sein äußerstes Ziel unbewußt hinarbeitete, zeigt sich in seinem von den östlichen Despotien gewaltigen und schicksalhaften Unterschied. Rom verkörpert Macht und Gesetz. Aber das formale Prinzip der Gerechtigkeit und das Streben nach äußerem Frieden, durch das das römische Imperium des Augustus bestimmt werden sollte, konnte, um lebensfähig bleiben zu können, nur Mittel und Form zur Verwirklichung einer höheren, absoluten Idee sein. Denn das rein formale Prinzip der Gerechtigkeit erhält seine höchste Weihe erst durch eine Verwirklichug der absoluten Idee der Wahrheit, Gerechtigkeit und Liebe, wie sie ihren höchsten und vollkommensten Ausdruck im Christentum gefunden hat. Damit war der tiefste Sinn des Imperiums gefunden: Im Kreuze erst hat Rom den endgültigen Sinn seines Daseins gefunden, ward es wiedergeboren zu neuer Jugend. So wird für die Christenheit das apokalyptiche Zeitalter des "Menschen der Sünde" erst mit der Auflösung des römischen Imperiums als des Aufhalters möglich." (Dirk Budde, Heiliges Reich, Republik, Monarchie, S.40)

  10. Bg (kein Partner)
    08. Januar 2012 19:39

    Das Grunddillema dieses Artikels besteht darin, dass Regierungs- und Staatsform vermischt und verwechselt werden.
    Demokratie ist eine Regierungsform, Monarchie hingegen eine Staatsform. Beide schließen einander nicht aus.
    Dem Autor schwebt freilich keine demokratische Monarchie sondern eine absolutistische Monarchie vor. Diese ließe sich freilich auch republikanisch verwirklichen. Ein Staatsoberhaupt das zb alle 10 Jahre gewählt und mit allumfassender Macht (Verwaltungs und Gesetzgebungskompetenz) ausgestattet ist.
    Das hört sich freilich nicht besonders erstrebenswert an, oder ?

    • Johann Scheiber
      09. Januar 2012 07:54

      Bg, ich sehe das ähnlich wie sie, denke aber, dass nach einer Läuterung das Verhältnis von Herrschenden und Beherrschten nicht mehr ein so abstraktes und einseitig formelles sein wird und dass auch der gegenseitige Verdacht als Resultat des modernen Verstandes- und Entzweiungsdenkens einem mehr symbiotischen, vernunftbasierten Denken weichen wird. Wenn es gut geht, wird es zur Aufhebung des Verstandes durch die Vernunft kommen.
      Wir wissen, dass ertwas zu Ende geht, wissen aber nicht, was kommen wird. Darüber ein paar Denkanstrengungen zu machen, dazu regt dieser Artikel allemal an.

    • F.V. (kein Partner)
      09. Januar 2012 10:09

      Vermischung von Regierungs- und Staatsform

      Der als „Gottseibeiuns“ verteufelte Wenzel Fürst Metternich sagte in seinem politischen Testament, daß – wie jeder Mensch – auch Staaten eine Constitution hätten, sie sein möge wie sie wolle, und meinte damit deren innere Gestaltung als Republik oder Monarchie. Seine Präferenzen waren klar, und er meinte auch, daß er sich aber nicht eine republikanische Monarchie oder eine monarchische Republik vorstellen könne, weil dies offensichtliche Widersprüche sind.
      Der von uns erwähnte Erik Kühnelt-Leddihn versuchte in „Demokratie eine Analyse“ den „guten Liberalismus“ gegenüber der „schlechten Demokratie“ zu retten. Wir widersprachen dem aber, weil zwar die politische Ideologie – Liberalismus – und die politische Methode – Demokratie – unterschiedliche Kategorien sind, sie aber immer zusammen erscheinen, wir also, wenn wir Liberalismus sagen selbstverständlich auch immer die Demokratie dazubekommen. Man könnte auch sagen, daß Form und Inhalt nicht so unabhängig sind, wie mancher glauben mag, sondern sich geradezu gegenseitig bedingen.
      Der Vorschlag von Bg die „demokratisch-republikanische“ Form/Methode auf die Monarchie anzuwenden bedeutet einen Widerspruch in sich, was ja schon Metternich festgestellt hatte.
      Das Fiktive am demokratischen Staat – Sir Karl Popper: Das Volk hat noch nie in irgend einer Weise regiert -, was Doz. Romig immer wieder in Erinnerung ruft, wird auch nicht mittels warmer Umschläge aufgehoben. Es gibt ihn einfach nicht.
      Die „Lösung“ ist in der Tat die „renovatio spiritualis“ (oder wie mancher Bischof und Papst es formulierte: die Re-Evangelisierung Europas), womit die aufeinander Bezogenheit von Individuum und Gemeinschaft (Bürger und Staat) allein wieder hergestellt werden könnte. Unter dieser Prämisse ist dann auch ein Monarch der legitimierte Vertreter des Volkes als einer Ganzheit und dessen Willen.
      Schon die Aufsummierung von Stimmen, der atomisierten Einzelnen ohne Bezug zu einem Volksganzen ist ja völliger Unsinn, weil daraus – den sogenannten demokratischen Mehrheitsbeschlüssen - niemals ein Wille des Volkes zusammengemischt werden kann.
      Es ist ja geradezu lustig, wie man einerseits Volk und Gemeinschaft als aus der Mode gekommene Fiktionen abtut, aber aus den individuellen, nur auf den egoistischen Einzelnen bezogene Willenskundgebungen, die keine anderen über sich gelten lassen, eine „Volksmeinung“ statuiert.
      Karl Valentin schau oba: Ich weiß nicht mehr, war´s gestern oder im ersten Stock.

  11. Johann Scheiber
    08. Januar 2012 12:14

    Wenn nach dem Ende der Matrix der tausend Luegen, ein Mann der sich in den Zeiten der Wirrnis hervorragend bewährt hat, in einer freien und allgemeinen Reichsversammlung zum König oder meinetwegen zum Kaiser gewählt wird, so hätte ich nichts dagegen, sofern dieser Monarch, wie bei Hegel gedacht, quasi als Tuepfelchen auf dem i als Garant und Symbol der Einheit der Voelker anerkannt wird.

    Ganz und gar abzulehnen wäre aber eine Restauration der Habsburger, da von da überhaupt kein wirksamer Impuls zu verspüren ist. Noch mehr abzulehnen wäre die Restauration des Adels, der schon zu Habsburgs Zeiten kein dynamisches Eliteelement mehr war, sondern durch die Blaubluetelei vielmehr zueiner Art Judentum im Christentum degeneriert ist.

    Dem sehr verehrten Francois Villon möchte ich noch entgegnen, dass sich die Freimaurer- und Finanzoligarchie zur Zeit der Monarchien herausgebildet hat, ein Sachverhalt, der gerade nicht fuer diese spricht.
    Und wenn heute der Freimaurergraf Coudenhove-Callergi immer noch in Monarchistenkreisen hoch geschätzt wird, so sollten eigentlich die Alarmglocken läuten.

    • ProConsul
      08. Januar 2012 13:16

      Sg. Herr Scheiber,

      ich glaube nicht, dass die Freimaurerei so sehr mit dem Adel verbunden ist, sondern vielmehr mit den Bügerlichen. M. Nazarov erklärt dies sehr gut in seinem Buch Über die Freimaurerei, die jüdische Frage und den Sender Freiheit , in welche erklärt:

      "Die Freimaurerei bildete sich als neuheitliche 'Religion des Verstandes' im Flußbett zwischen der protestantischen Reformation und der atheistischen Aufklärung. Und sogleich begannen sie sich verstärkt mit Politik zu beschäftigen, nämlich der 'Demokratisierung' der Welt. Wie der jüdische Gelehrte J. Katz anmerkt, haben die Juden sogleich die Schlüsselpositionen der Freimaurerei eingenommen, da sie in ihr ein Instrument in ihrem Kampf um Gleiberechtigung sahen. Dazu benutzen sie ihre finazielle Macht (z.B. Rothschild). Die Haupteckpunkte der Demokratisierung waren die europäischen Revolutionen, beginnend mit der Französischen. Im 19. Jahrhundert erreichte die Freimaurerei im Westen gewaltigen Einfluß; das Freimaurerlexikonvon 1930 zählt eine Vielzahl von amerikanischen Präsidenten zu Logenmitgliedern. Die Freimaurer tragen einen großen Teil der Verantwortung für die Entfesselung des 1. Weltkrieges, in welchem sie den Sturz der Monarchien in Rußland, Deutschland und Österreich-Ungarn erreichten. An der Spitze der dadurch neu gebildeten Staaten in Osteuropa (Polen, Tschechoslowakei u.a.) wurden Freimaurer gestellt (o auch in Rußland, Grusinien, in der Ukraine - aber auch dort wurden sie dann von den Bolschewisten niedergedrückt). Der Faschismus war die Reaktion auf den Sieg dieser Kräfte in Europa, aber er entsprach nicht dem geistigen Nivau der Aufgabe und entartet in Rassismus (in der Zitadelle des konservativen Bloks, in Deutschland). Die faschistische Koalition wurde im 2. Weltkrieg durch das Bündnis zwischen Demokraten und Kommunisten besiegt (das letztgennante Bündnis kann man als Analogie der freimaurerisch-kommunistischen antifaschistischen 'Volksfronten' der 30er jahre in Europa sehen). Nach dem 2. Weltkrieg hat die Freimaurerei,...im ganzen Westen ihre Ziele erreicht, die Errichtung der 'pluralistischen Demokratie' ... geistig in der Form des atheistischen Humanismus...". (M. Nazarov, Über die Freimaurerei, die jüdische Frage und den Sender Freiheit)

      ad Habsburger: ich gebe Ihnen Recht, dass mometan wenig Impulse von dort zu kommen scheinen, ABER trotzdem sind sie als letzte herrschende Dynastie, und als eine, die über die Jahrhunderte maßgeblichen Einfluß auf Österreich und seine Geschicke hatte, prädestiniert wieder auf den Thron gehoben zu werden.

    • F.V. (kein Partner)
      08. Januar 2012 19:31

      Lieber Herr Scheiber,

      unser Hinweis auf 650 Jahre Habsburg war kein Kniefall vor dem jüngst verstorbenen Otto v H, sondern sollte eher andeuten, daß auch jene Kaiser, die allgemein als schwach oder unfähig beurteilt werden dem Sacrum Imperium weniger geschadet haben, als die heutigen – grundsätzlich unfähigen und/oder kriminellen – hochgespülten Volksvertreter Dem Volk und Staat..
      Wir sprachen vom Prinzip, nicht von der konkreten Ausführung.
      Gerade der Umstand, daß Otto von Habsburg, als oberster Vertreter des Erzhauses, sich einem merkwürdigen Grafen unterwarf und dessen destruktive Paneuropa-Ideologie vertrat, und dann auch noch „EU-Parlamentarier“ spielte, zeigt, daß dieser Sproß kaum die monarchische Idee begriffen hat. Wir können das hier nicht weiter ausführen.
      Uns scheint auch, daß Adel und Monarchie nicht notwendig als eine zusammengehörige/idente Einheit zu sehen sind. Der Adel hat – wie sie richtig andeuten – immer seine Vorteile gesucht und stand oft im Gegensatz zum Monarchen. Sein Versagen kann man nicht dem Monarchen anlasten.
      Daß die Logen und Jakobiner über den Adel mächtig wurden, sieht man an der Französischen Revolution, aber ist das in der Demokratie etwa anders?
      Ihre Einwände sind sicher richtig, aber treffen sie den Kern der Sache? Die zugrunde liegende Idee?

      Mit besten Grüßen

    • Johann Scheiber
      09. Januar 2012 07:23

      Lieber Francois Villon,
      es freut mich, dass wir da eigentlich, aber wie eben fast immer, einer Meinung sind!
      Herzliche Grüße, JS

    • Johann Scheiber
      09. Januar 2012 07:34

      Lieber Alex, vielleicht solltest du, im Lichte der Antwort von F.V., deine Position noch einmal überdenken. L.G., J.S.

  12. Iwan (kein Partner)
    07. Januar 2012 13:01

    MONARCHISCHES UND REPUBLIKANISCHES RECHTSBEWUßTSEIN nach Iwan Iljin

    Monarchisches (rechtes) Rechtsbewußtsein - Republikanisches (linkes) Rechtsbewußtsein
    Personifizierung der Macht und des Staates (Staatsvolkes) - Auflösung der persönlichen Elemente der Macht im Kollektiv
    Betonung des Range - Gleichheitskult
    Mystische Auffassung der obersten Gewal - Utilitarismus (verstandesmäßige Annahme der Macht)
    Vorsehungsglaub - Ausschließliche Betonung des menschlichen Willens
    Der Staat als Familie (Patriarchalitäts- und Familiaritätsprinzip) - Der Staat als freies und gleiches Konglomerat; „Verteilerstaat“)
    Grundsatz des Vertrauens zum Staatsoberhaupt - „Garantien“ gegen das Staatsoberhaupt
    Treueprinzip - Grundsatz der Wahl eines „Geeigneten“, „rebus sic stantibus“
    Zentripetalbewegung - Zentrifugalbewegun
    Tendenz zu integrierender Akkumulation - Tendenz zur differenzierten Unbeständigkeit; Atomisierung
    Ehrenkult - Unabhängigkeits und Autonomiekult
    Wert des Dienen - Kult des persönlichen Erfolges, der Karriere
    Solidaritätsprinzip - Konkurrenzprinzip
    Organische Auffassung des Staates - Mechanistische Staatsauffassung
    Hohe Wertschätzung der Tradition (Traditionskult) - Neuerungssucht (Progressismus)
    Achtung der Disziplin, der Arme - Betonung der persönlichen Zustimmung, der Initiative, der Freiwilligkeit
    Askese im politischen Urteil - Betonung der politischen Urteilskraft
    Hetereonomie, Autorität - Autonomie, Ablehnung der Autorität
    Pathos des Gesetzes, der Gesetzlichkeit - Pathos des Vertrages, der Übereinkunft
    Subordination, Ernennung - Koordination, Wahlen
    Der Staat (Behörde, Amt) - Der Staat (Körperschaft)

  13. Philipp Starl
    07. Januar 2012 10:16

    Ein Gastkommentar mit vielen richtigen Ansätzen und interessanten Aspekten. Leider steht über dem Impetus die Prämisse, dass das Volk aus sich heraus keine Moral entwickeln könnte. Wir sehen heutzutage an allen Ecken und Enden moralische Verwerfungen und meinen, dies sei Ausfluss eines fehlendes religiösen Skeletts. In Wahrheit jedoch war der Adel, wie auch kirchliche Herrscher moralisch oft genauso verdorben, wenn nicht verdorbener. Wie sagte Hayek so schön: Macht korrumpiert, absolute Macht korrumpiert absolut. Eine Monarchie besteht eben nicht nur aus einem König oder einer Königin. Mit ihr gehen zahlreiche Kronvasallen einher, die mitnichten an des Volkes Zukunft sondern eher an ihren eigenen Reichtum und ihre eigene Macht denken.

    Leider besteht auch auf monarchistischer Seite in diesem Forum das Missverständnis, dass die Aufklärung das Ende der Moral und des geistigen Kultus heruafbeschworen habe.
    Vielmehr bin ich nach reiflicher Überlegung zu dem Schluss gekommen, dass die Aufklärung uns ein neues Rückgrat geben könnte. Ein Rückgrat nicht von oben verordnet sondern vom Volke entwickelt, aus sich heraus.

    Die Kirche kann dabei eine herausragende Rolle spielen; mit staatlicher Macht sollte sie jedoch nicht mehr in Berührung kommen. Sonst müsste sich die Kirche die Frage gefallen lassen, ob denn der christliche Glaube nur mit staatlicher Macht Anklang findet.

    Das Schisma zwischen Religion und Aufklärung sollte beendet werden. Erst dann kann der Glaube die Menschen der Herzen zurückerobern und können christliche Werte wieder von selbst wachsen.

    Dass die Demokratie in dieser Form schlecht ist, ist wohl außer Streit gestellt. Aber eine echte Demokratie, in der das Volk nur noch über seine Sicherheit und sein Recht (Militär, Justiz, Polizei) bestimmen kann und nicht über das Geld anderer (absolutes Eigentumsrecht; vor allem also keine Kompetenzen des Staates und keine Steuern oder sonstige Abgaben außer einer Umsatzsteuer), wird eine feste, beständige und fruchtbare sein.

    Ich würde mich aber freuen, wenn der Autor seine Gedanken etwas konkreter ausführen könnte. Vielleicht möchte der Autor ja auch nur einen König so wie in Großbritannien installieren. Dagegen wäre nun wirklich nichts einzuwenden.

    • contra
      07. Januar 2012 15:46

      Ein Operetten-Kaiser in Wien als Touristenattraktion könnte ich mir auch vorstellen und viel mehr Geld als die Sozis im "Rothaus" könnte uns der auch nicht kosten. ;-)

    • Francois Villon (kein Partner)
      07. Januar 2012 18:09

      Sie haben sich früher immer als scharfer Analytiker präsentiert, wenngleich Ihre Beurteilung der Prämissen von unserer meist divergierte. Aber wenigstens blieben Sie innerhalb Ihrer Annahmen einigermaßen konsequent.
      Was Sie hier abgeliefert haben ist eigentlich Beliebigkeit - etwas weniger aggressiv verpackt, sozusagen der heiße Eislutscher.

  14. november (kein Partner)
    06. Januar 2012 23:12

    Unterberger und seine nicht ganz langweiligen Partner als Kämpfer gegen Demokratie und Aufklärung? Eine absolute Monarchie in Verbindung mit einer Staatsreligion soll die Sittlichkeit (?) der Bürger fördern? Dieser Kommentar kann ja wohl kaum ernst gemeint sein.

    Sicher ist es ein Fehler, Atheismus mit Humanismus gleichzusetzen. Genauso aber auch, Religiosität mit moralischer Überlegenheit. Die Demarkation verläuft zwischen utopischen Ideologien (Marxismus, Nationalsozialsozialismus, Religion in fundamtentalistischer Ausprägung, absolute Monarchie) auf der einen Seite, und modernen liberalen Demokratien, die auf Menschenrechten und Humanismus bauen, auf der anderen. Und wer den angeblichen Werterelativismus der heutigen Zeit beklagt sei erinnert, dass selbst die katholische Kirche diesen betreibt. Die Bibel mit all ihren Widersprüchen kann kaum Massstab für ein allgemeines moralisches Handeln sein - nicht einmal für Christen.

    • ProConsul
      07. Januar 2012 13:52

      Liebe November,
      Sie schreiben noch immer hier bei uns, haben sie es noch nicht aufgegeben? Zu der von ihnen favorisierten liberalen Demokratie sei zu sagen, dass diese über kurz oder lang immer in einem totalitären System mündet. Denn der Freiheitsbegriff des Liberalismus ist wirklich in der Willkür der vereinzelten Einzelnen (der Sozialatome), die danach streben, alle Schranken, die ihrem Egoismus Grenzen ziehen, zu beseitigen. Fortschritte auf diesem Wege feiern sie als Siege. Das Gemeinwohl ist und bleibt ihnen fremd. Das Allgemeine, der Staat, wird zum Diener der Sonderinteressen. Folgerichtig behaupten sie, daß die Ganzheiten "Volk" und "Nation" nicht wirkliche, d.h. lebendige Ganze sind, sondern nur Wahngebilde (Phantasmagorien). Diese Denkgewohnheit - das zeigt sich immer deutlicher - zerstört das Gemeinwesen. Die bürgerliche Gesellschaft degeneriert zum Mafiosum, das Allgemeine, der Staat, zum Repressivum, das die Bürger wehrlos macht und an die Mafia ausliefert.

  15. Francois Villon (kein Partner)
    06. Januar 2012 18:27

    Wenn man überzeugt ist, daß die Demokratie unvermeidlich zur Herrschaft der Schlechtesten – der Ochlokratie – mutiert und weiters, weil die solcherart ob ihres Charakters, Wissens und ihrer Erfahrung Minderwertigen ja keinesfalls wirklich „herrschen“ (dem bonum commune verpflichtet sind), sondern sich hinter dieser pseudo-demokratischen Facade eine Oligarchie befindet, die in Wahrheit die Fäden zieht, diese aber nichts anderes als eine Tyrannis darstellt, dann fällt es schwer sich für die Demokratie erwärmen zu können. Ob nun die Tyrannis in der Herrschaft eines Einzelnen oder in einer sich gegenseitig die Macht streitig machenden Clique besteht, ist letztlich belanglos.
    Mir kam, um ein für mich anschauliches Bild zu malen, immer die Winkelfunktion in den Sinn: eine Sinus-Kurve „bewegt“ sich auf der positiven Seite zunächst aufwärts, aber sie trägt unvermeidlich auch ihren „Abschwung“ zur negativen Seite hin von Anfang an in sich.
    Will man solche Entwicklungen nicht, dann genügt es nicht sich erst an ihrem negativen „Endprodukt“ zu reiben, sondern den dorthin führenden Anfang – die Demokratie - gleich mit zu negieren. Man könnte sich bestenfalls trösten, daß diese zwingende Abfolge von Herrschaftssystemen immer wieder das Übel auch überwindet, d. h. die angeblich oder tatsächliche Abfolge von Herrschaftssystemen letztlich wieder zum erwünschten Zustand, dem Ideal – etwa der Demokratie – führen würde.
    Ob das so ist, wissen wir aber nicht, und historische Beispiele – ein „Gesetz“ solcher Abfolge - könnten irreführend sein, weil es noch nie eine der „One World“ vergleichbare Lage gegeben hat. Alle früheren Hochkulturen waren begrenzt, was außerhalb ihres Bereiches lag, war entweder unbekannt oder wurde ignoriert oder auch einverleibt, freilich immer noch begrenzt und meist an den Rändern nicht mehr wirklich beherrscht.
    Erik Kühnelt-Leddihn führt in seinem Büchlein, Demokratie eine Analyse, Stocker Verlag, in 199 Paragraphen vor, was von dieser Fiktion zu halten ist: nichts.
    Carl Schmitt schrieb – nach unserer Erinnerung – daß für das Funktionieren der Demokratie ein weitgehend homogenes Staatsvolk Bedingung sei, weil nur dann ein Mehrheitsbeschluß auch die fundamentalen Bedürfnisse der unterlegenen Minderheit quasi repräsentieren könne, sozusagen im Teil noch immer das Ganze enthalten ist.
    Daß dies heute aber kaum mehr der Fall ist, braucht nicht weiter dargelegt werden.
    Was für die monarchische Gestaltung eines Gemeinwesens spricht, ist die Vermeidung von Machtkämpfen um die Führung, die viel längerfristige Sicht auf die Dinge und auch die Bündelung der Energien auf das als „Staatszweck“ erkannte Ziel. Clemens Fürst Metternich schreibt in seinem politischen Testament (höchst interessant und lesenwert, Karolinger Verlag), daß er die „Ponderation der Kräfte/Macht“ (= die Gewaltenteilung) nicht verstehe, weil man hier, anstatt daß alle Energie zum Wohl des Gemeinwesens gebündelt wird, ausdrücklich deren gegenseitige Aufhebung anstrebt. Verständlich ist dieses „demokratische Prinzip“ nur insofern, als man dem jeweiligen politischen Gegner nicht über den Weg traut. (Womit das Mißtrauen auch zu den Grundannahmen einer demokratischen Verfassung zu gehören scheint.)
    Schließlich noch ein Wort zur „Formel“ für die Legitimation eines Monarchen: „Von Gottes Gnaden“. Dies wird in der pseudo-aufgeklärten Welt der Moderne geradezu verhöhnt und pervertiert. In der Tat bedeutet es aber, daß die Legitimation nicht von menschlichen und damit beliebigen Mehrheitsbeschlüssen abgeleitet wird, sonder der Monarch selbst unter dem absoluten „Gesetz“, dem Natur- oder göttlichen Recht, steht, und seine Herrschaft nur solange Bestand hat, als er in der Gnade Gottes steht, sich eben nicht einer Willkürherrschaft hingibt.
    Wir können das hier nicht weiter ausbreiten, aber dem interessierten Leser sei der Hinweis auf Josef Pieper, „Überlieferung“ gegeben. Hier ist dargelegt, worum es tatsächlich geht.
    Der sehr geschätzte Herr Scheiber hat als wichtigste Elemente der Demokratie Freiheit und Gerechtigkeit angeführt. Nun, ob das mit der Freiheit in der Demokratie so ist, kann durchaus bezweifelt werden: Libertinage ist´s wohl oft, und die Gerechtigkeit ist gerade nicht „das“ Ideal der Demokratie und der hier herrschenden liberalen Ideologie, sondern das einer „religiös“ begründeten Staatsauffassung.
    Dem Agnostiker oder Atheist, der Religion und/oder Kirche ablehnend gegenüber steht, wird an solchen Worten wenig Freude haben. Aber: „Mit dem Verlust des Glaubens orientieren sich Vernunft und vernünftiges Handeln nicht mehr an Wahrheit und Weisheit, sondern am ökonomischen Kalkül von pleasure and pain (William Stanley JEVONS), Nutzen und Aufwand, Kosten und Ertrag". Die Antriebskräfte der wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Prozesse in der liberalen Demokratie sind das Verlangen nach Macht und die Gier nach Profit. Nach liberaler Auffassung ist ja das eigentliche Problem der ökonomisierten, demokratischen Gesellschaft, die optimale Aufteilung der Ressourcen. Diese Auffassung ist zwar seit langem als Ideologie entlarvt, dennoch ist sie heute tonangebend.
    Es ist also bemerkenswert, was als das „eigentliche Problem“, das Kernproblem, der Gesellschaft/des Staates angesehen wird: nicht das gerechte Auskommen einer Gemeinschaft (die Wohlfahrt des Volkes in einem Staat), sozialer wie Friede überhaupt oder Gerechtigkeit und Ordnung, sondern die „optimale Ressourcen-Aufteilung“.
    Ihre Folgen sind Destruktion (atomisierte Gesellschaft, Naturzerstörung), Verschwendung der Ressourcen und Verdinglichung des Menschen (Entfremdung).

    Als letzte Anmerkung möchten wir auch darauf hinweisen, daß in ca. 650 Jahren der Herrschaft der Habsburger im Hl. Röm. Reich und später der k.u.k. Monarchie das aufgebaut wurde, was heute als Weltkulturerbe gilt (und von dem wir zehren), wir aber solches von Konferenz-Zentrum oder Milleniums Tower, oder dem „Fortschritt“ im Rechtswesen mit legaler Abtreibung, etc., um nur ein paar Beispiele zu nennen, nicht zu sagen vermögen.
    Also, so schlecht scheint das Plädoyer für die Monarchie nicht begründet.

    • yyyyyy
      06. Januar 2012 19:22

      Francois Villon

      danke für diesen hervorragenden Kommentar. Zu dem von ihnen angesprochene Legitimismus noch ein paar Zitate:

      "Durch mich regieren die Könige / und entscheiden die Machthaber, wie es Recht ist;
      durch mich versehen die Herrscher ihr Amt, / die Vornehmen und alle Verwalter des Rechts." (Sprüche 8: 15,16, Einheitsübersetzung)

      "Noch ehe ich dich im Mutterleib formte, habe ich dich ausersehen, noch ehe du aus dem Mutterschoß hervorkamst, habe ich dich geheiligt, zum Propheten für die Völker habe ich dich bestimmt." (Jeremia 1,5, Einheitsübersetzung)

      "Niemals frommt Vielherrschaft im Volk; nur einer sei Herrscher" (Homer, Ilias 2,204)

      "Dem einen König auf Erden enspricht der eine König im Himmel und der eine königliche Nomos und Logos." (Erik Peterson, Die Kirche, S.50)

      Buchempfehlung: Fritz Kern, Gottesgnadentum und Widerstandsrecht im frühen Mittelalter"

    • Collector
      07. Januar 2012 11:56

      @ Francois Villon

      Ein hervorragender Beitrag!

      Vielleicht darf ich darauf aufmerksam machen, dass die "Monarchie" in Wahrheit ein Struktuprinzip für ALLE GESELLSCHAFTLICHEN GEBILDE" darstellt, bei denen es auf Leistung ankommt, ob das nun eine politische Partei, der Staat, ein Ministerium, eine Verwaltungssektion, die Heeresorganisation, eine Wirtschaftskammer, eine Gewerkschaft, ein Interessenverband, ein Fußballklub der Bundesliga, eine Aktiengesellschaft (mit ihrem CEO), ein Sportverein, ein Gesangsverein, ein Orchester oder was immer ist. Immer muß einer (oder ein Kollegioum) die Letztentscheidung treffen.

      Leo XIII. hat das mit aller Klarheit formuliert: "Eine Gesellschaft kann weder bestehen noch gedacht werden, in der nicht einer die Bestrebungen ihrer Glieder derart leitet, dass aus Vielen gewissermaßen ein Einziges wird und die vielen Bestrebungen in rechtmäßgier und geordneter Weise einen Impuls nach dem Gemeinwohl hin empfangen"(Diuturnum illud, n. 8).

    • F.V. (kein Partner)
      07. Januar 2012 18:30

      Zu Collector

      Hierin liegt auch - wenn man Kirche "politisch" bzw. als Institution sehen wollte - der tiefere Grund für das Unfehlbarkeitsdogma. Sie entscheidet in "letzter Instanz" - also der Papst - was für sie die rechte (= wahre) Auslegung ihrer Religion, ihres Glaubens ist.
      Sie ist zur Entscheidung fähig.
      Der Liberalismus hält alles in einem nie enden wollenden Palaver in Schwebe. Drum gibt es auch keine "absolute" Wahrheit, sondern ... was eigentlich?
      Weil aber in der Fähigkeit Entscheidungen zu treffen Stärke und die Voraussetzung der Bewahrung auch der eigenen Identität liegt, wird sie gerade von jenen gehaßt, die mit ihrer liberalen Ideologie eine Gegenreligion ("Zivilreligion") zu etablieren versuchen - als Mittel die eigene Herrschaft damit befestigen.

      Wenn Sie mir Ihre e-mail-Adresse mitteilen sende ich Ihnen einen längeren Artikel, den ich hier nicht bringen möchte. (rosengarten.lintz@live.at)

  16. Pollux (kein Partner)
    06. Januar 2012 13:09

    Was soll bitte ein Laienpriester sein?

    • wki (kein Partner)
      06. Januar 2012 13:21

      als Laienpriester werden unter anderem ehrenamtliche Priester in protestantischen Glaubensgemeinschaften bezeichnet.

  17. KÖL (kein Partner)
    06. Januar 2012 06:18

    Österreich nach dem ersten Weltkrieg

    Das alte Österreich hatte den ersten Weltkrieg verloren und zerfiel in der Folge in seine Bestandteile. Der tschechische, ungarische, südslawische, italienische und besonders der deutsche Nationalismus hatte den Untergang des Vielvölkerreiches besiegelt. Im "Memorandum für Lethbridge", aufgezeichnet kurz vor seinem Tode, sah Kaiser Karl I. das Schicksal seiner Völker prophetisch voraus. Die Völker Mitteleuropas hatten nur die Wahl zwischen dem großpreußischen oder dem russischen Joch. Daß sie im Laufe der Geschichte zuerst unter der einen und dann unter der anderen Herrschaft zu leiden hatten, konnte selbst Karl nicht ahnen (vgl. E. Feigl, Hrsg.: Kaiser Karl. Persönliche Aufzeichnungen, Zeugnisse und Dokumente, Wien/München 1984). George Clemenceau höhnte Österreich als den "Rest, der übrig bleibt", ("L'Autriche, c'est qui reste"), und die politischen Führer nannten es "Deutsch-Österreich" und wollten eine Provinz der Deutschen Republik daraus machen.

    Nur der Friedensvertrag von St. Germain hinderte die "Staatsgründer wider Willen" (Karl Renner) daran. Die an der Macht befindlichen Parteien - links oder Rechts - wollten jedoch trotz aller Gegensätze weiterhin den "Anschluß" und glaubten nicht an die Lebensfähigkeit des klein geworden en Österreich. Vehementester Gegner dieser Politik war Kaiser Karl, der am 11. November 1918 zwar nicht auf seinen Thron, aber auf die Beteiligung an den Regierungsgeschäften verzichtet hatte. Der 12. November 1918 gilt daher als Gründungstag der Republik Österreich. Nachdem das Volk über seine Staatsform nicht befragt worden war, war die Ausrufung der Republik vom Standpunkt der "Legitimisten" illegal. Kaiser Karls Anhänger wollten vor allem die Unabhängigkeit Österreichs; sie hatten als einzige keine Nationalitäts- oder Identitätsprobleme und versuchten mit aller Kraft gegen den Strom zu schwimmen und wenigstens die Idee des übernationalen "abendländischen, römischen oder europäischen Reiches" in die Zukunft zu retten.
    http://www.koel.at/seite/oesterreich-nach-dem-ersten-weltkrieg

  18. yyyyyy
    06. Januar 2012 01:52

    Ich danke den verehrten Mitkommentatoren für die ausgesprochen höfliche und würdige Diskussion. Mir fällt natürlich auf, dass hier noch viel Skepsis herrscht, wobei ich glaube, dass die meisten davon überzeugt sind, dass eine Demokratie immer Gefahr läuft in Richtung Ochlokratie/Diktatur abzudriften. Daher meine Frage:

    Wie kann man verhindern, dass sich diese negative Transformation der Demokratie fortsetzt? "Mehr direkte Demokratie", wie momentan in vielen Medien und Parteien zu hören ist? Oder etwa "Beamtenabbau", "Privatisierungen"? Das sind zwar alles mehr oder weniger berechtigte und wichtige Anliegen, aber ich glaube nicht, dass diese den generellen Prozess der Degenerierung, der Entzivilisierung und der Dekadenz aufhalten können.

    Hier sehe ich als einzigen Ausweg - wie in meinem Gastkommentar beschrieben - eine (Staats-)Religion, welche die Sittlichkeit des Volkes fördert in Verbindung mit einer monarchische Ordnung. Das Ganze flankiert von Maßnahmen wie raus aus dem EURO, EU, WTO, UNO etc. was bereits der Mitposter Collector weiter unten angesprochen hat. Und Ja, es mag uns (vorläufig) einen Teil unseres Wohlstandes und des Wirtschaftswachstumes kosten, aber das steht in keiner Relation zu dem was wir verlieren werden, wenn wir mit den Anderen gemeinsam untergehen.

    • Observer
      06. Januar 2012 07:05

      Auch ich finde es grossartig, dass diese Diskussion so sachlich und ohne Emotionen abläuft. Völlig unverständlich ist mit aber als überzeugter Christ, dass Sie bei uns eine Staatsform mit starker christlicher Prägung als das Ideal empfinden. Daran wäre grundsätzlich nichts auszusetzen, wenn in unserem Land vorwiegend - zumindest sympatisierende - Christen wohnen. Tatsache ist aber, dass durch die Gastarbeiter/Familienzusammenführung/verliehene österreichische Staatsbürgerschaft nun schon ein beachtlicher Bevölkerungsteil unseres Landes sich dem Islam verbunden fühlt. Welche Religion wollen Sie da staatstragend haben? Obwohl sich auch die Moslems zu dem "einen Gott" bekennen, so ist die Auslegung der Schriften doch völlig unterschiedlich und es ist im Islamismus ein oberstes Ziel, die Rechtssprechung nach religiösen Gesichtspunkten (Scharia) in der Verfassung zu verankern. Das wollen Sie doch auch nicht, od'r? (als Vorarlberger verstehen Sie sicher das letze Wort). :-)

    • yyyyyy
      06. Januar 2012 14:07

      Observer
      Ich gehe davon aus, dass sich nach einer Europäischen Wirtschaftskrise und dem Abbau des Sozialstaates die Zahl dieser Mitbürger massiv reduzieren wird.

    • Observer
      06. Januar 2012 16:30

      Alex Kopf:
      Die Rückkehr der Migranten (besonders der 2. Generation, also der hier geborenen Leute) ist völlig unrealistisch. Denn
      1. haben viele dieser Leute keine Beziehung mehr zur Heimat der Eltern/Grosseltern,
      2. sprechen oft die dortige Sprache (z.B. türkisch, serbisch) schlecht oder gar nicht mehr und
      3. fühlen sie sich - trotz der vielleicht dann geringeren Transferleistungen - hier sehr wohl und haben ja auch schon die österr. Staatsbürgerschaft.
      Und nicht zu vergessen:
      4. der religiöse Auftrag des Propheten Mohammed, dass langfristig die Welt zu "erobern" und Gottesstaaten einzurichten sind.

      Also wie kann man dieser Entwicklung begegnen?
      Die Leute mit viel Geldbewegen, den Pass abzugeben und in das Ursprungsland zu fahren? Das christliche Religion in die österr. Verfassung als wichtigste Basis für aalles Handeln zu verankern? Die Österreicher zu mehr Nachwuchs zu motivieren?
      Ich weiss darauf keine Patentrezepte.
      Derzeit läuft mit staatlicher Förderung alles in die andere Richtung. Z.B. senden die Familien - über Schlepper - Jugendliche als Asylanten zu uns und aus "humanitären Gründen" wird später den Geschwistern/Eltern durch "Familienzusammenführung" ebenfalls Asyl gewährt.

    • G.Ott (kein Partner)
      06. Januar 2012 19:25

      Gegenfrage: Wie kann man verhindern, dass der irdische Herrscher, der durch ein vom Menschen erdachtes Fantasiewesen legitimiert wird, irgendwelchen Unsinn anstellt?

      Dieser Kommentar ist in vielerlei Hinsicht so abseitig, dass es einem die Zehennägel aufrollt. Ich fordere analog dazu die Rückkehr zur Urhorde!

    • yyyyyy
      06. Januar 2012 19:33

      Observer

      ich bin kein Prophet, aber es wird wohl eine Kombination aus mehreren Faktoren sein.

    • yyyyyy
      06. Januar 2012 19:41

      G.Ott

      Sie verstehen offenbar nicht viel von der Materie, ich möchte ihnen aber trotzdem ausnahmsweise antworten, und zwar mit einem Zitat aus Hans-Hermann Hoppes Buch "Demokratie der Gott der keiner ist":

      "Sowohl Erbfürsten wie auch demokratische Verwalter können ihre laufenden Ausgaben durch höhere Steuern steigern. Doch ein Fürst tendiert dazu, Steuererhöhungen dann zu vermeiden, wenn diese zum Kapitalverzehr führen - zu einem Sinken des diskontierten Gegenwartswerts des Kaitalstocks, dessen Eigentümer er ist. Im Gegensatz dazu zeigt ein Verwalter keine solche Zurückhaltung. Während er das gegenwärtige Steuereinkommen besitzt, ist er doch nicht der Besitzer des Kapitals, mittels desse sein Einkommen erzielt wird - andere besitzen dieses Kapital. Entsprechend geht das Maß der Besteuerung unter demokratischen Bedingungen weit über das unter fürstlicher Herrschaft erreichte Niveau hinaus. Zusätzlich können sowohl Fürsten als auch Verwalter ihre laufenden Ausgaben durch die Aufnahme von Schulden erhöhen, und da sie mit der Macht der Besteuerung ausgestattet sind, neigen beide dazu, mehr Schulden aufzunehmen, als Privatbürger es tun. Doch während ein Fürst sein persönliches Eigentum mit Verbindlichkeiten belastet, ist der demokratische Verwalter frei von solchen Sorgen. Er kann alle Vorteile höherer Gegenwartsausgaben genießen, während die entsprechenden Verbindlichkeiten und das gleichzeitige Absinken der Eigentumswerte von anderen getragen werden. Entsprechend sind Regierungsschulden unter demokratischen Bedingungen höher und steigen schneller als unter fürstlicher Herrschaft." (Hans-Hermann Hoppe, Demokratie der Gott der keiner ist, S.182)

    • G.Ott (kein Partner)
      06. Januar 2012 19:49

      Ahja, ein Legitimist antwortet mit dem Zitat eines Anarchokapitalisten, was da wohl noch kommt?
      Bei den ganzen Absurditäten muss ich mal bei ganz basalen Dingen beginnen - warum sollten sich die Menschen unterschiedlichster Glaubensrichtungen bzw. Atheisten Agnostiker usw. einer Staatsreligion unterwerfen? Ihre Fantasien sind, auch wenn es eine Gruppe gibt die diese teilt, Privatsache.

    • G.Ott (kein Partner)
      06. Januar 2012 19:54

      Es ist auch geradezu köstlich, dass sie sich dazu herablassen mir ausnahmsweise Antwort zu geben und ihr großartiges Wissen aus einem abgeschriebenen Zitat eines Extremisten besteht, der letztendlich nur die Herrschaft des Kapitals befürworten. Als Herrscher von Absurdistan würde ich sie durchaus sehen.

    • yyyyyy
      07. Januar 2012 13:07

      hier etwas zum Einlesen für sie:

      Albert Pethö - Warum ich Monarchist bin

      http://www.couleurstudent.at/index.php?id=3

    • G.Ott (kein Partner)
      07. Januar 2012 18:35

      Also soll ich ich mich Herrschern die von Fantasiewesen legitimiert werden unterwerfen, weil das jemand in einem Burschenschafterartikel schreibt?
      Großkotzig von geringer Ahnung daherplappern und selbst für die miesesten Argumente fremde Federn zu beanspruchen, was soll man da noch sagen?

  19. Johann Scheiber
    06. Januar 2012 00:46

    Es besteht kein Zweifel, dass die Demokratie mit ihrem höchsten Gut, der Freiheit, in eine Krise geraten ist. Die Demokratie ist kein Selbstzweck, sie ist deshalb die beste Staataform, weil sie die innere Befreiung der Kraft eines Volkes ermöglicht, und weil nur in der Demokratie die Chance besteht aus Fehlern zu lernen. Deshalb heute ein Ja zur Demokratie, mehr denn je.
    Die Grundvoraussetzung fuer eine Demokratie ist ein starker Mittelstand - weder eine feudalistische Kaste, noch eine proletarisierte Masse ist fuer die Demokratie geeignet.
    Die Deformation unserer Demokratie ist weitgehend das Ergebnisse einer totalen Oekonomisierung des Selbstverstaendnisses der gesellschaftlichen Kräfte, die früher eben den Mittelstand ausgemacht haben - eine Entwicklung übrigens, an der die Blaubluetler überproportional partizipiert haben.

    Diese ganze Monarchienostalgie, eine Art Boutiquenausgabe einer ohne Zweifel einst ganz großen Tradition, bewegt sich ja noch dazu weit unterhalb des geistig-intellektuellen Niveaus, das diese Tradition einst erreicht hat. Denn ohne Zweifel war der aufgeklärte Katholizismus einer Maria Theresia, dieser grandiosen Herrschergestalt und eines wohl nicht minder genialen Joseph II. Neben dem Deutschen Idealismus die absoluten Höhepunkte der deutschen Kultur.

    Was zeichnete den aufgeklärten Absolutismus einer Maria Theresia aus? Es war ihre dezidierte Absicht, die Ergebnisse der Aufklärung unter Beibehaltung der aeusseren Form der Monarchie zu etablieren und so aber gleichzeitig auch auf lange Sicht eine Systemtransformation einzuleiten. Die grosse Frau hat erkannt, dass mit der Neuzeit das Zeitalter des Einzelnen und der Freiheit angebrochen war. Wohl hat sie auch in der Auseinandersetzung mit den reformatorischen Kraeften gesehen' dass das Zeitalter der Freiheit dem innersten Impuls des Christentums folgt, der geschichtlichen Realisierung der in der Trinitaetslehre festgehaltenen absoluten Bedeutung des Menschen. Daher kann in der Neuzeit nichts mehr von der Gesinnung des Menschen abverlangt werden, was nicht durch seinen Verstand gerechtfertigt werden kann. Damit wird der Einzelne zum prioritaeren Träger auch des Glaubens. Ein katholischer Schriftsteller drückte das später so aus: Die Kirche erwacht in den Seelen der Menschen! Damit musste aus der Monarchie eine Demoktatie werden, aus der katholischen Hierarchie- und Hochreligion eine Volksreligion. Und diese grosse Transformation wurde gerade in Wien durch die Wiener Klassik, durch Haydn, Mozart und weiter Schubert und andere kulturell unterfuettert wie sonst nirgendwo: Die hoefische Musik ist populär, volkstümlich geworden und hat auf alle europäischen Nationen genau in diesem Sinne ausgestrahlt und das bis zum heutigen Tag.

    Gott ist im Einzelnen verankert und so im Volk - nicht primär in der Kirche, nicht in der Hierarchie, nicht in einem Monarchen, ich habe auch nirgendwo in der Schrift gelesen dass Gott in der staatlichen Verfassung festgeschrieben sein will.
    Ich habe keine anderen Augen und Hände als die euren! Gott hat seine Präsenz in der Welt gebunden an den Glauben des Menschen, des einzelnen Menschen und natürlich an den gemeinsamen Glauben seiner Gemeinde. Gottes Heilshandeln in der Welt ist geknüpft an den Einzelnen der ihm Raum gibt. Die Neuzeit hat mit der Formierung der Subjektivität erst die Form geschaffen, damit der absolute ewige Inhalt zur vollen Aktualität gelangen kann. Mitnichten ist daher, wie die Reaktionaere glauben, die moderne Welt eine antichristliche Epoche.

    Daher brauchen wir nicht die Restauration einer toten Form, sondern eine Revolution des Christlichen Bewusstseins. An dieser Frage wird sich,ueber kurz oder lang, alles entscheiden.

    • xxxxxx
      06. Januar 2012 01:17

      Sg. Herr Scheiber,

      Sie schneiden einen wesentlichen Punkt an und zwar den Begriff der Freiheit. Nur:
      Freiheit ist keine Forderung der Demokratie als solcher, die liberal oder auch illiberal sein mag und schließlich nur einen Rahmen darstellt (siehe Demokratische Volksrepublik Nordkrea), in den alle möglichen Bilder eingefügt werden können. Was geschieht denn, wenn sechzig Prozent von einem Demagogen faszinierter Staatsbürger eine totalitäre Partei wählen? Schon Plato sagte: „Aus keiner anderen Regierungsform als aus der Demokratie entsteht die Tyrannis“ (Plato: Der Staat. VIII), während Aristoteles sich weigerte, über den Konflikt zwischen Demokratie and Tyrannis zu diskutieren, weil dies ja nur ein „Familienzwist“ im Grunde verwandter Regierungsformen sei (Aristoteles, Politik, V, viii, 18.)

      Samuel Johnson erklärte mit Recht, daß ihm weder das Wahlrecht noch die Mehrheitsherrschaft wichtig wären, sondern lediglich der Habeas Corpus Akt, d. h. der Schutz der persönlichen Freiheit vor der Willkür des Staates.(F. C. Happold: Toward a New Aristocracy. Faber and London 1943, S. 20-21.) Es ist doch nur ein Ammenmärchen, daß die Mehrheit immer für Freiheit einsteht. Vor die Wahl zwischen (angeblicher) „Sicherheit“ und Freiheit gestellt, sind die meisten geneigt, die „Sicherheit“ zu wählen - und somit die Sklaverei.

  20. libertus
    05. Januar 2012 22:21

    Es ist nicht zu leugnen, daß z. B. Österreich und speziell die damalige Reichshauptstadt Wien unter klugen, umsichtigen und verantwortungsvollen Monarchen die größte Blütezeit erlebte.
    Und obwohl ich nostalgische Sympathie für diese Form der Staatsführung hege, muß man den Tatsachen ins Auge sehen.
    Die Zeit hat sich nun einmal weiterentwickelt und ich glaube kaum, daß die Rückkehr eines Monarchen die Lösung unserer Probleme wäre.

    Was ich mir für unser Land vorstelle, wäre weg von der repräsentativen Demokratie, hin zu einer DIREKTEN nach Schweizer Vorbild, denn dort hat sich diese Form des Regierens seit Jahrhunderten bis in die Gegenwart bewährt.

  21. RR Prof. Reinhard Horner
    05. Januar 2012 19:14

    reinhard.horner@chello.at

    Politische Verzerrungen

    Ein „Plädoyer für die Monarchie“ zu bieten (zu versuchen), indem man eine schier perfekte Herrschaft von Gottes Gnaden den tatsächlichen und aufgebauschten Mängeln demokratischer Lebensverhältnisse entgegenstellt, muss zwangsläufig danebengehen. Und es muss zwangsläufig in nicht wenige Skurrilitäten münden. Die grauslichen Fehlleistungen von Monarchien – insbesondere als Despotien – übersteigen diejenigen von Demokratien übrigens bei weitem.

    Von den bislang fünf grundlegenden staatsformenden Prinzipien (zwei untertanenstaatlichen: MONARCHIE = altehrwürdige Alleinherrschaft, DIKTATUR = anschaffende Herrschaft aus Machtvollkommenheit, und drei bürgerstaatlichen: REPUBLIK = Politik als öffentliche Angelegenheit, ARISTOKRATIE = Herrschaft der Besten; DEMOKRATIE = repräsentative und direkte Selbstbeherrschung des Volkes mit Hilfe von Mehrheitsentscheidungen ohne Unterdrückung von Minderheiten) sind nicht nur das monarchische und das demokratische von Bedeutung. Im Übrigen ist doch interessant, wie das demokratische Prinzip sowohl mit dem monarchischen als auch mit dem republikanischen tragfähige Verbindungen eingehen kann. Hinzu kommt, dass aristokratische Faktoren ebenso in Monarchien wie auch in Demokratien Eingang finden, mit positiven und mit negativen Auswirkungen.

    Unsere Demokratische Republik Österreich – zu ihr hat sich übrigens Dr. Otto Habsburg-Lothringen in seiner Verzichts- und Loyalitätserklärung vom 31. Mai 1961 („- und mich als getreuer Staatsbürger der Republik bekenne.“) solidarisch erklärt – ist großer Anstrengungen wert und bedürftig – zur Erhaltung des Errungenen und zur zukunftstauglichen Weiterentwicklung. Beurteilen wir deshalb solche freie Meinungsäußerungen als das, was sie sind: argumentationsschwächliche und realitätsverkürzende Retroüberlegungen. Nehmen wir ohne Ärger zur Kenntnis, dass es solche gibt, und lassen wir uns durch sie in der Erfüllung unserer Aufgaben und Verantwortungen nicht behindern.

  22. Wertkonservativer
    05. Januar 2012 18:44

    Also, verehrte Diskkutanten beider Denkrichtungen, aber dieser Gastbeitrag geht ein wenig an den heutigen und morgigen Entwicklungen vorbei.

    Zwar ein alter Wertkonservativer mit viel Sympathie für die "guten alten Zeiten", in denen Kaiser, Könige und sonstige Fürsten die Völker regierten, sich Päpste und Bischöfe ihnen wahrlich nicht zustehende weltliche Machtbefugnisse über ihre Völker aneigneten, meine ich doch, dass dies - bei allem Idealismus, der aus den Zeilen des Gastkommentators spricht - heute nicht mehr wirklich diskussionswürdig ist.

    Natürlich gab es zu allen Zeiten edle und auch volksnahe Herrscher und Volksführer, doch ist dagegen die große Zahl unfähiger, blutrünstiger und auch sonst zum Herrschen Unqualifizierter derart groß, dass wir uns diese Regierungsform eigentlich nicht wieder zurückwünschen sollten.

    Die Demokratie hat viele Schwächen, doch sie bietet die Möglichkeit, unfähige, korrupte oder sonst nicht dem Volkswohl dienende Politiker aus eigener Kraft und mit demokratischen Mitteln außer Kurs zu setzen.

    Außerdem wären Ideen der angesprochenen Art bei dem heute doch viel höherem Aufklärungsgrad der Menschen, und beim nun bereits derart fortgeschrittenen Globalisierungszustand unserer Welt wohl kaum auch nur in Ansätzen mehrheitsfähig, und daher eigentlich außer jeder Relevanz!

    Einverstanden, wenn wir doch lieber bei der Demokratie bleiben, die zwar unvollständig, oft anfechtbar und auch nicht ideal ist, jedoch die Freiheit des Menschen in der Gemeinschaft immer noch am besten gewährleistet?

    Sie mit ganzer Kraft zu unterstützen und weiterzuentwickeln, als Demokraten am Volkswohl aktiv mitzuarbeiten, ja, dass muss die Losung sein!

    Alles andere: ein Rückschritt, bestenfalls ein nostalgischer Wunschtraum!

    (mail to: gerhard@michler.at)

    • Johann Scheiber
      05. Januar 2012 23:13

      Werter Wertkonservativer, volle Zustimmung zu ihrem ausgewogenen Kommentar!

  23. ProConsul
    05. Januar 2012 15:34

    zum Thema Monarchie fällt mir noch Essay von Erik Kuehnelt-Leddhin ein, in welchem er schreibt:

    "Zweifelsohne hat der Mann auf der Rechten der Monarchie den Vorzug vor anderen Regierungsformen zu geben, und da das Rechte mit dem Richtigen wesensgleich ist (man erlaube uns wieder diesen kompromißlosen Stand), möchten wir feststellen. daß auch von einem rein rationalen Standpunkt aus die Monarchie als Form des Regierens keinen ebenbürtigen Rivalen kennt. Sie gilt im Rahmen unserer Tradition von Plato über die Scholastiker bis zu den besten politischen Köpfen unserer Tage herauf als die beste Staatsform und deshalb auch ihre Karikatur - die Tyrannis - als die schlechteste. Corruptio optimi pessima, wie schon der Aquinate hervorhob.

    Lehnen wir uns nun ein wenig zurück und betrachten die Weltgeschichte. Die Monarchie, heidnisch oder christlich, war immer die Dominante, Republiken waren kurze, falls nicht demokratisch strukturiert (wie im Falle Roms) auch lange Intervalle. Es gab nie eine Republik (außer der Schweiz), die nicht einmal eine Monarchie wurde oder in einer solchen aufging. Auch in republikanisch-demokratischen Perioden war die Kritik der Demokratie sehr scharf und Sokrates, der Homer gegen die republikanische Demokratie zitiert hatte, wurde deswegen ihr Opfer.

    Wenn nun Madariaga sagt, daß unsere westliche Kultur auf den Tod eines Philosophen und eines Gottessohnes ruht, so seien wir uns bewußt, daß beide das Opfer demokratischer Verfahren wurden. Pilatus war ein liberaler Relativist („Was ist Wahrheit?“) und befragte in Ermangelung fester Begriffe die Stimme des Volkes, die den davidischen Königssproß, der sich als König bekannte (Matth. 27, 11), zu Tode verurteilte. Aber eines ist sicher: es waren die Kirche und die Monarchen, die Monarchen und die Kirche, die für den Aufstieg Europas aus dem Chaos des finstersten Frühmittelalters zur Magistratur über fast den ganzen Erdball verantwortlich waren. Und kaum brach der Westen mit der Monarchie (1917-1918), kam auch der Sturz vom Gipfel ins Bodenlose - in Ohnmacht, Anarchie und Tyrannis.

    Die Dark Ages of Democracy, von Herman Melville, Amerikas größtem Dichter des vorigen Jahrhunderts, so bezeichnet, brachen nun an. Das „Jahrhundert des einfachen Mannes“ (The Century of the Common Man) ist tatsächlich von wilden Schrecken gekennzeichnet: vielleicht war Wilhelm II. großsprecherisch und innerlich unsicher und Franz Joseph „verkalkt“, aber was für reizende Zeitgenossen waren sie im Vergleich zu Adolf Hitler; sicher war Nikolaus II. ein tatenloser Melancholiker, aber wie human und menschlich im Vergleich zu Lenin und Stalin; zweifellos war die Kaiserin-Witwe Ts’e-hi nicht aus Marzipan, aber was für eine nette alte Dame im Vergleich zu Mao und seiner edlen Gattin; Alfons XIII. war kein Genie, aber wie klug und angenehm im Vergleich zu solchen Genossen wie Azaña, Largo Caballero und Indalecio Prieto.

    Die Anakýklosis, das Drehen des Rades in der Evolution der Staatsformen, wurde von Plato und Polybius in rohen Umrissen gesehen: Monarchie - aristokratische Herrschaft - Demokratie - Tyrannis. In diesem Zyklus ist allerdings die Monarchie die Dominante. Nur sehen wir heute, wie schwierig der Obergang der Tyrannis in die Monarchie geworden ist, denn die vom .,Fortschritt“ faszinierten Massen empfinden die Monarchie nicht als modern und die Tyrannis (die heute stets totalitäre Züge zeigt) steht prinzipiell links."

    (Erik von Kuehnelt-Leddihn, "Welche Staatsform hat geschichtliche Dauer?")

  24. Gerhard Pascher
    05. Januar 2012 15:31

    S.g. Hr. Kopf,
    Ich glaube erst dann an eine Monarchie als beste Staatsform, wenn mir jemand einen solchen Staat auf der Welt als positives Beispiel JETZT zeigen kann.
    Vielleicht das nikotinfreie Bhutan, wo ein "Glücksnationalprodukt" anstelle des Bruttonationalproduktes eingeführt wurde? Das geht aber auch nur dort, wo alle Leute in der dortigen Religion fest verwurzelt sind und immer schon "untertänigst" lebten und es auch weiterhin so tun wollen.
    Wir leben aber in Europa und schreiben das Jahr 2012!
    G.Pascher (Christ und Realist)

  25. Kaffeehäferl
    05. Januar 2012 13:27

    Unabhängig von diesem Gastkommentar habe ich ähnliche Überlegungen angestellt. Allerdings weniger religions-orientiert.

    Der Mensch an sich ist doch eine intelligente Lebensform, der es möglich ist, die Folgen des eigenen Handelns vorherzusehen, darüber nachzudenken und abzuwägen.

    So ist doch für jeden einzelnen klar ersichtlich, daß das derzeitige System des ständigen Wirtschaftswachstum um jeden Preis auf einen großen Crash zusteuert. Jedes natürliche System regelt sich aus, das Wirtschaftssystem ist da keine Ausnahme. Überschwinger werden in natürlichen Systemen durch Gegenbewegungen kompensiert. Gegenbewegungen nach unten kann man auch als Crashes bezeichnen. Beispielsweise wird eine Hasenpopulation so lange wachsen bis das Futter nicht mehr reicht und das große Massensterben einsetzt. So wird auch der derzeitige schuldenfinanzierte Wohlstand einen entsprechenden Ausgleich erfahren. Wie auch immer der aussieht, der Unterschied zur gegenwärtigen Situation wird umso größer, je länger man die Gegenbewegung hinauszögert.

    Nun könnte man doch als intelligentes Lebewesen diesen Zusammenhang erkennen und das natürliche System durch intelligente Maßnahmen zu einer stetigen (im mathematischen Sinn) aber langsamen Annäherung an die Stagnation führen, die dann Stabilität darstellt.

    Dennoch gelingt es aber der Masse, die ja nur aus vielen einzelnen intelligenten Menschen besteht nicht, diese Maßnahmen zu ergreifen. Denn in der Masse wird keineswegs intelligent gehandelt, da erlangen dann plötzlich persönliche Interessen Oberhand und man überläßt es dem System, sich selbst auszuregeln.

    In Summe kann man also sagen: je größer eine Organisation ist, desto dümmer agiert sie.

    Ein Analogon stellen da auch börsennotierte Aktiengesellschaften dar. Die Eigeninteressen der Aktionäre verhindern ein intelligentes Handeln des Unternehmens.

    Grund könnte sein, daß kurzfristige Eigeninteressen über das langfristige Interesse des Fortbestands des Unternehmens/der Gesellschaftsform/des Staats stehen.

    Abhilfe könnte, zu dem Schluß bin auch ich gekommen, eine Monarchie sein. Der Monarch darf allerdings kein Tyrann im Sinne eines Diktators sein. Und hier kommt mglw. die Religion ins Spiel, denn sie definiert moralische Maßstäbe im Umgang miteinander.

  26. A.K.
    05. Januar 2012 13:00

    Im Gastbeitrag „Plädoyer für die Monarchie“( Alex Kopf) wird manches Richtige über die Probleme der Demokratie und auch über einige Vorteile der Monarchie gesagt, doch hat auch die Demokratie Vorteile und die Monarchie besitzt Nachteile – siehe dazu den Verlauf der europäischen Geschichte, z.B. ab dem Mittelalter. Die Demokratie hat mit ihren Mehrheitsentscheidungen das Problem, daß nicht beweisbar ist, daß die Mehrheit auch richtig entscheidet. Es entziehen sich einfach manche Themen der Mehrheitsentscheidung. So kann z.B. ein mathematisches Problem nur durch richtiges Denken bzw. Schließen und nachfolgendes Rechnen und nicht auf Grund einer Mehrheitsentscheidung gelöst werden. Umgekehrt kann auch ein Monarch ein Ergebnis der Mathematik nicht auf Grund seiner persönlichen Wünsche verordnen, sondern muß berücksichtigen was richtig oder falsch ist. Damit kommt der Glaube an objektive Wahrheit ins Spiel.
    Glaubt man an objektive Wahrheit – wie z.B. katholische Kirche – dann sollten/müßten auch deren Anhänger nach ihren besten Einsichten handeln. Viele der aktuellen Probleme der Demokratie folgen daraus, daß der Zeitkrankheit „ethischer Relativismus“ – in Form der „Political correctnes“ gehuldigt wird. Man verlangt, daß man nicht einmal denken dürfe, daß es objektive Wahrheit mit „Richtig“ und „Falsch“ gibt. „Political Correctness“ ersetzt heute oftmals die Entscheidung zwischen „Richtig“ und „Falsch“. Für die katholische Kirche hat erst kürzlich dankenswerter Weise der vatikanische Außenminister Erzbischof Mamberti mit seiner wichtigen Aussage „Durch einen Relativismus, der es verbiete, etwas als wahr oder falsch zu bezeichnen, sei das Christentum in eine schwache Position gelangt.“ dazu Stellung genommen.
    Auch mit einem Monarchen kann es Demokratie geben, somit sind diese nicht schroffe Gegensätze, wie es der Schreibeer des Gastbeitrages sieht. Wirklich wünschenswert und problemlösend wäre, den ethischen Relativismus klar zu erkennen, abzulehnen und entsprechendes Handeln - jener die sich Christen nennen - folgen zu lassen.

    • Haider
      06. Januar 2012 01:02

      Mit vielem da core. Aber passierten der Kirche in ihrer Geschichte (übrigens genauso machtbesessen agierend wie viele Despoten im Laufe der Jahrhunderte/-tausende) nicht einfach viel zu viele Irrtümer, um sie als einzig und unfehlbar zu akzeptieren.
      Und sie bewegt sich doch!

    • A.K.
      07. Januar 2012 11:36

      @Haider
      Die Kirche kann für sich das Zitat „Ich bin bei euch – alle Tage bis zum Ende der Welt.“ (Mt 28, 16-20) anführen. In die immer zu vermerkende Angst- und Zweifelsituation hinein ergreift mit diesen Worten Jesus die Initiative vor den Jüngern. Er stellt sich als der vor, der alles in der Hand hat. Er will damit zum Ausdruck bringen, daß eigentlich kein Grund zum Zweifeln gegeben wäre, weil er ja alle Macht hat. Matthäus spricht hier sehr wohl von Gläubigen. Aber in entscheidenden Momenten ist dieser Glaube oft ein „Kleinglaube“. Eine ganz typische Situation in der Kirche. Der Glaube und das Bekenntnis zu Leben, Tod und Auferstehung Jesu ist zwar vorhanden, aber eben nur „klein“. Aus dem Zitat läßt sich Kraft und Zuversicht schöpfen, daß nicht machtbesessene Despoten und Irrtümer die Oberhand behalten.

  27. Scipio
    05. Januar 2012 12:38

    @ Karl Rinnhofer

    So ziemlch alles, was Harl Rinnhofer verzapft, ist falsch und Ausfluß der "Systemtrottel"-Ideologie, wie das Collector nennt.

    Es gibt keine "missverstandene Demokratie", sowenig wie missverstandenen Kommunismus oder Liberalismus. Es sind das alles Perversionen aus "Aufklärung" und Französischer Revollution.

    "Herrschaft des Volkes ist weder "wünschenswert" noch "würdig". Würdig ist allein das "Regnum Christi". Demokratie führt immer zu "Pöbelherrschaft", das hat uns Grillparzer schon gelehrt (Bruderzwist in Habsburg, 3. Aufzug).

    Um Demokratie lohnt es sich nicht zu "kämpfen", sie ist Illusion, nur "schöner Schein" (Hans-Hermann von Arnim: Vom schönen Schein der Demokratie, Mannhaim 2000).

    Gerade für Cicero, dem Verfechter des "Naturrechts", ist eine Trennung von Staat und Religion, Recht und Politik, Kult und Politik völlig undenkbar.

    Von der Demokratie als "bestmögliche Herrschaftsform" können nur Ignoranten reden.
    Platon hat sie stets abgelehnt, Aristoteles ist immer für eine "gemischte Verfassung"
    (mit monarchischen, aristokratischen und demokratischen Elementen) eingetreten.

    @ Observer

    Mit dem Churchill zugeschriebenen Satz hat dieser eine nichtdemokratische Körperschaft (das House of Lords) und deren Einspruchsrecht gegen demokratische Beschlüsse des Unterhauses verteidigt! Bitte, keine unhaltbaren Gemeinplätze wiedergeben, sondern dem Rat Kreiskys folgen: "Lernen Sie Geschichte!" Vergessen wir nicht: Demokratisch wurde Christus gekreuzigt, Sokrates zum Tod verurteilt und Hitler an die Macht gebracht. Kein einladender Leistungsausweris!

    Weder die Politik der USA noch die Existenz Israels sind ohne Religion denbar. In den USa endet bald jede Rede mit "God bless America!". Irael begründet seine ganze Existenz auf der Heiligen Schrift. Warum sollte ähnliches in "Arabien"nicht funktionieren?

    • Observer
      05. Januar 2012 14:29

      Scipio:
      es ist hier müssig, mit Ihnen über die Pros and cons von Demokratie und Monarchie zu diskutieren. Die Geschichte der vergangenen 200 Jahre zeigt, dass es solche und solche gegeben hat. Nordkorea nennt sich "Demokatische Volksrepublik", hat aber mit Demokratie nichts am Hut. Swasiland im Süden Afrikas ist eine absolute Monarchie. Würden Sie König Mswati III mit seinen 13 Frauen und umgerechnet 77 Millionen Euros Privatvermögen als Landesvater wünschen, wenn Sie selbst zu den 70 % Armen gehören? Oder würden Sie dieses Land ohne freie Meinungsäusserung, Vereinigungs- und Versammlungsfreiheit und weltweit höchsten Rate der HIV-Infizierten als vorbildhaft bezeichnen? Die Königshäuser in Europa mit ihren konstitutionellen Monarchien werden nur noch aus Tradition gehalten, dort gibt es keine Macht der Krone, auch nicht der (Staats)Religion. Man muss Realist sein um zu erkennen, dass dies alles unter "Geschichte" fällt.
      Was die derzeitige USA betrifft, so sind im Alltagsleben beide Strömungen erkennbar und Religion vom Staat völlig getrennt. Das mit "God bless America" ist ähnlich wie der Aufdruck auf jeder Banknote "In God we trust". Es wird gerne gesehen und ausgesprochen, aber nicht danach gehandelt. Auf der einen Seite gibt es riesige Bordelle und Spielhöllen, auf der anderen Seite tiefgläubige Menschen (denken Sie nur an die Mennoniten und die unabhängigen christl. Kirchengemeinden, wo man oft die Grenze zu den Sekten schwer erkennen kann). Auch in Israel spielt sich das Lesebn zeimlich ungläubig ab, in Notlage besinnt man sich aber imemr des gemeinsamen jüdischen Glaubens.
      Natürlich würde ich mir lauter gäubige Christen (nicht nur Taufscheinchristen) wünschen, aber die Wirklichkeit ist leider anders.

    • Scipio
      05. Januar 2012 16:26

      @Observer 14:29

      Bravo, da sind wir ja schon einig, dass "Demokratie" jedenfalls nichts ist als ein hohles Wort (siehe Nordkorea).

      Die Verhältnisse im Swaziland kenne ich nicht, wohl aber die klassische Beschreibung primitiver Kulturen durch Frazer (The Golden Bow, 12 Bde.). Er führt den Nachweis, dass das Königtum in allen primitiven Kulturen mit dem Selbstopfer des Königs zusammenhängt. König konnte nur werden, wer das erforderliche "Mana" (=Lebenskraft, auch Zeugungskraft) besaß, von dem das Wohlergehen des ganzen Stammes abhing. Ging es verloren, mußte der König (oder Häuptling) Leib und Leben opfern, und das geschah häufig sogar auf rituelle Weise. In primitiven Kulturen gab es herrscherliche Macht und Würde "immer nur insoferne, als ihre Inhaber und Träger durchweg auch die Uropferer, ja Ur-Opfer sind ... Und lange noch hat im Klangkörper der Menschheit ein gefühlsmäßiges Wissen um diese Zusammenhänge nachgezittert - mindestens so lange als ein Adel noch die Pflicht des Dienens zu seinem höchsten Vorrecht machten, ein Volk aber die Unentbehrlichkeit des Adels durch sein Verhalten anerkannte, und so Volk am Adel, Adel am Volk wechselseitig erstarkten", schreibt dazu der Goethepreisträger Leopold Ziegler in seinem berühmten Buch "Überlieferung" (München 1948, inzwischen m. W. neu aufgelegt). Ich habe diese schöne Stelle dem Kapitel "Herrschaft und Opfer. Über eine zentrale These Leopold Zieglers" entnommen, enthalten in dem Buch von Paulus Wall (Hrsg.): Leopold Ziegler. "Weltzerfall und Menschwerdung", Würzburg 2001, S. 105ff. Das Kapitel wurde in der Süddeutschen Zeitung als "subtilst" bezeichnet. Es erinnert nämlich u.a. daran, dass auch der "Christkönig" dieses Selbstopfer der Könige für sein Volk, das Neue Israel, darbringt, welches wir bis zum heutigen Tage in jeder Messe wiederholen. Bis heute weist übrigens die Kirche, eine societas perfecta, eine monarchisch-aristokratische Struktur auf. Sie ist nach Carl Schmitt, dem berühmtesten Verfassungsrechtler des 20. Jh., das unüberhohlbare Modell eines jeden Staates, der diesen Namen verdient (Römischer Katholizismus und politische Form, München 1925).

    • Haider
      06. Januar 2012 01:07

      Meine 3 Sternderl waren ein Irrtum.

    • Karl Rinnhofer
      09. Januar 2012 19:23

      @Scipio
      Ihre Argumentation, offenbar gegen meinen Subkommentar (siehe unten) gerichtet, ist in einien Punkten für mich keineswegs nachvollziehbar; ich bekenne mich zur Demokratie zumindest als geringstmögliches Übel aller möglichen Staatsformen und bleibe dabei, dass sie es wert ist, um sie zu kämpfen, und dass man sich geradezu versündigt, sie zur Disposition zu stellen. Ich fühle mich damit auch nicht als Anhänger eine „Systemtrottel-Ideologie“, unter die Sie mich subsumieren, oder als „Ignorant“. Sollte in diesem geschätzten Forum (wider Erwarten) überwiegend eine andere Meinung herrschen, welche die Demokratie – trotz aller ihrer Schwächen - zur Disposition stellte, bin ich als Blogpartner fehl am Platz.

      Nun zur Auseinandersetzung mit Ihren einzelnen Behauptungen.

      1. „Es gibt keine missverstandene Demokratie“: Die gibt es sehr wohl, die „Ochlokratie eben: Sie frönt dem Populismus, wägt Stimmen nicht, baut keine kompetenzorientierten Strukturen auf, ihre Mandatare reden nur nach dem Munde ihrer potenziellen Wähler, werden in intransparenten Mechanismen hochgespült, ohne sich Verantwortungsbewusstsein verpflichtet zu fühlen und notwendigerweise auch Unpopuläres mit der Kraft der Argumentation und des Charismas durchzusetzen. Ihnen ist Machterhalt Selbstzweck – statt legitime Möglichkeit zu sein, sich verantwortungsvoll und wirksam im Interesse des Volkes einzubringen. Finale, tragisch pervertierte Konsequenz dieser Fehlenwicklung angesichts des notgedrungen sich ergebenden Chaos erschallt der Ruf nach dem starken Mann.

      2. Jede der möglichen Herrschaftsformen hat ihre Degenerationsformen; das ist die Aussage der antiken Staatstheorien. Monarchie kann in Tyrannis enden, Optimatenherrschaft („Herrschaft der Besten“) in eine Herrschaft der Klüngel („factiones“), der Seilschaften, der Ämterkäufer (Plutokratie), in jedem Fall der unbegründet selbsternannten, vermeintlichen „Eliten“. Keine dieser Degenerationsformen macht den Staat lebensfähig, doch die Demokratie, auch von ihrer Degenerationsform (Ochlokratie, „Pöbelherrschaft“, s.o.) gefährdet, hat zwei relative Vorteile: Die Fehlentwicklung ist grundsätzlich reversibel, und in ihr bleibt das Volk „particeps“ (Cicero) also potenziell anteilig an der Herrschaft, und aufgefordert, sich bei Erkennen von Fehlentwicklungen einzubringen. Daher ist auch die Verbiedermeierlichung der satten Demokratie eine Gefahr, in der ihre Mitglieder resignativ in innerer Emigration enden. Denn genau das schafft ein Vakuum für neue Herrschaftsformen fragwürdiger Legitimation und Motivation

      3. Cicero salopp als „den Vertreter des Naturrechts“ hinzustellen ist kaum angebracht; hier ist eine viel differenziertere Sicht angebracht: In der „ewigen „Auseinandersetzung zwischen Naturrecht und gesetztem Recht entschied er sich für die Gültigkeit kodifizierter Gesetze, die nachvollziehbar „rechtsstaatlich“ angewandt werden müssen; das war wohl auch seine Motivation, das Werk über die Gesetze „De legibus“ zu verfassen. Er bekannte sich dazu, dass Gesetze daher notwendigerweise kodifiziert und so intersubjektiv grundsätzlich jedem zugänglich sein müssen, Diese Gesetze dürfen aber kein Eigenleben bekommen oder Instrumentalisierung gesonderter Machtinteressen sein, sondern auf der Basis natürlicher Gegebenheiten ausformuliert werden. Das ist ein strikt demokratisches Prinzip; selbst sein Intimfeind Caesar gibt ihm recht, indem er diese Stärke der (mutatis mutandis) „aufgeklärten“ Römer gegenüber den „Barbaren“ hervorhebt, bei denen nur eine elitäre Schicht (z.B. die gallischen Druiden) Zugang zu den Gesetzen hat und man sich daher dort gegen jede schriftliche Fixierung wehrt.

      4. Völlig absurd erscheint die Behauptung, wonach bei Cicero die Trennung von Staat und Religion bzw. Kult undenkbar wären: In der Zeit der ausgehenden Republik hatte die römische Religion längst ihre Akzeptanz verloren, führte nur mehr ein Eigenleben in einem innerlich leerlaufenden Kult und wurde durch die neuen philosophischen Strömungen (Stoa, Epikureismus, akademische Skepsis, römische Variante des „Peripatos“) ersetzt. Selbst das Ur-Christentum (welch penetranter Gegensatz zur späteren „Amtskirche“) wird als glaubwürdiger „Proletarierplatonismus“ (@Max Weber) auf dieser Basis durch spezifische Überlegenheit der Volksorientierung seinen Siegeszug antreten Bezeichnenderweise besinnen sich erst die nachfolgenden Caesaren wieder der irrationalen Kraft des Mythos und landen bei krausen Formen von „Vergöttlichungen“, „Apotheosen“ und „Gottkaisertum“ als mühsam-unglaubwürdige Selbstlegitimation. Cicero, der viele diese Entwicklungen voraussah, war stets ein glaubwürdiger, tragischer Kämpfer um die Demokratie.

      5. Platon lehnte die Demokratie nicht grundsätzlich abgelehnt; er ist es ja, der in der „Politeia“ den Kreislauf der Verfassungen so exemplarisch und ohne Präferenzanspruch beschrieb, das ihn Cicero praktisch 1:1 in seiner „de re publica“ übersetzen konnte. Damit nicht zu verwechseln: Platon zitiert an ganz anderen Stellen biographisch korrekt seinen verehrten Lehrer Sokrates (Apologie, Kriton), der sich eine Generation davor– selbst nicht literarisch tätig – Skepsis gegen der allzu naiv betrachteten „demokratischen“ Regierungsform geäußert hatte. („Herrschaft der Vielzuvielen“). Auch Xenophon bestätigt diese Tendenz des Sokrates in den „Memorabilia Socratis“. Platon unterscheidet immer die „gute“ Demokratie“, - die immer auch ein elitäres Element (Cicero. „ut aliquid regale sit“) brauche - von der dekadenten „Ochlokratie“, die er in ihren Auswüchsen zu Recht mit besonders drastischen Bildern beschreibt.

      6. Zum „genus permixtum“, der „Mischverfassung“: Gerade im Scipionenkreis (nach einem Scipio benannt, sehr geehrter Blogpartner) wurde diese Möglichkeit intensiv diskutiert: Besonders Polybios und die nach der Schlacht bei Pydna nach Rom gekommenen Griechen in dessen „Klublokal“, der Bibliothek des siegreichen Lucius Aemilius Paulus, bewunderten die für Griechen ungewohnte ungewohnte Stabilität der römischen Verfassung und leiteten – durchaus im Kontext des klassischen griechisch-antiken Staatsmodells, das immer einen naturgesetzanalogen, eigendynamischen „Kreislauf der Verfassungen“ vorsah und jede Form als temporär ansah: Der römische Pragmatismus vereine alle Vorteile: In den Konsuln (durch Annuitäts- und Kollegialitätsprinzuip relativiert) sei das Monarchische Prinzip vertreten, im Senat das optimatische (in diesem Falle waren eben die „Erfahrendsten“ senes „die Besten“; und das Volk bekam seine Vertretung über die Volkstribunen, sodass auch das demokratische Element vertreten sei.

      7. „Würdig ist allein das Regnum Christi“ ist eine sehr bedenkliche Vorentscheidung, die ich nicht annähernd teile.

      8. Die sich aus Aufklärung und französischer Revolution ergebenden Folgeentwicklungen (Demokratie) als „Perversion“ oder „schönen Schein“, abzutun, schmerzt mich geradezu persönlich. Dass Demokratie in ihrer Dekadenzform schwere Schattenseiten haben kann, ist nicht abzuleugnen, doch ist sie deswegen keineswegs prinzipiell in Frage zu stellen.

      9. Der von Ihnen zu Recht erwähnte Grillparzers stellt mit markanten Zitaten Warnungstafeln in den stets gefährlichen Weg der Demokratie. „Das Volk – das sind die vielen Nullen, die gern sich beisetzt, wer sich fühlt als Zahl“ beschreibt die mögliche Instrumentalisierung demokratischer Strukturen für autokratische Realverhältnisse – doch setzt er damit Demokratie zur Disposition?. Mag mancher aktueller Realbefund (schöner Schein“) richtig sein, so sollte man sich doch an der normativen Kraft der Idee und nicht an der abgetrifteten Degeneration orientieren.

      Schluss: Viel sollten wir daraus für die Gegenwart lernen. Doch jemals Demokratie zur Disposition zu setzen hieße “das Kind mit dem Bade ausschütten“ und Garant für des Starts einer verhängnisvollen irreversiblen Entwicklung. Selbst wenn ein „Ausschalten der Demokratie“ punktuell und aus möglicherweise guter Absicht prima vista sinnvoll erscheinen mag (oder erschienen ist), so sollte doch das von Ihnen zitierte Beispiel von Dollfuß zeigen, zu welcher Eigendynamik deine derartige Entscheidung führen kann .... !

  28. Helmut Oswald
    05. Januar 2012 12:07

    Dollfuss bedeutet - zwei Bürgerkriege im Abstand von fünf Monaten.
    Millimetternich, die Lachnummer der - nein nicht Nation - denn Österreich war, bis 1933 unbestritten von allen Lagern, das zweite, für manche das bessere Deutschland. Tut mir leid, aber Reminiszenzen an eine Monarchie sind die gleiche Sackgasse wie die an einen 'starken Führer' - Kaiser, was auch immer dieser Art. Rückwärtsgewandt bedeuten diese Ansätze eine Suche nach einer letzten Autorität. Sie erzieht den Bürger weg von Freiheit und Selbstbestimmung hin zum Blick nach oben - nach dort, woher die 'richtigen' Entscheidungen kommen, die wir selbst, wie viele von uns gerne hätten, nach oben delegieren zu können glauben und aus Feigheit auch so wollen. Sie gebiert nicht stolze und freie Menschen, sondern hündisch buckelnde Untertanen. Vom Byzantinismus des Hofschranzentums, das heute wenigstens abwählbar, erneut bis zum Überdruss den Vorhof zur Macht bevölkern wird. Auf Lebensdauer des Monarchen.
    Sie bedeuten gesellschaftlichen, geistigen und politischen Rückschritt. Und ich spare uns jetzt allen den Rückblick auf die, im Nebel der Vergangenheit verlorengegangenen und von nachgeborenen leichthin übersehenen Katastrophen, welche durch Monarchen ausgelöst wurden. Das ist der gleiche Unsinn, wie Ostalgie spätgeborener DDR Verherrlicher und ihre rechtsaußen Pendants. Politisch unakzeptabel - bei aller Empathie.

  29. Collector
    05. Januar 2012 11:38

    Gratulation dem Autor sowie AU, weil er diesen Beitrag veröffentlicht hat! Es ist endlich ein Beitrag der die eigentlichen Grundfragen unseres Staates behandelt. Die Demokratie, auf der er angeblich beruht, ist ja schon vom Wort her "die Große Lüge": "Volksherrschaft". Das Volk, lehrt uns der österreichisch-britische Sozialphilosoph, Sir Karl R. Popper, "hat noch in keinem Sinne je geherrscht".

    Und für die EU ist Demokratie ohnehin nur "Ramsch", schreibt der Chefredakteur der FAZ, Frank Schirrmacher, assistiert von Jürgen Habermas. Beide Herren geben sich allerdings der Illusion hin, Demokratie könnte je etwas anderes sein als Ramsch.

    In der Demokratie herrschen die politischen Parteien, doch die zerspalten den Staat und das Volk. Sie lassen eine echte Gemeingesinnung nicht aufkommen. Sie sind die eigentlichen Volksschädlinge, durch und durch korrupt, schon um ihre Wahlkampfkassen aufzufüllen. Wählerbestechung gehört zu ihrem Geschäft. Oft geschieht das durch Versprechen, die sie nicht halten. Sie betrügen das Volk. Statt an einem Strang zu ziehen, bekämpfen sie sich und machen sie sich gegenseitig nieder. Inzwischen haben in Österreich gut 80% jedes Vertrauen in die Parteien, in die Politik und die Politiker verloren (lt. Standard vom 30. Okt. Und Presse vom 11.Nov. 2011).

    Eben ist ein wunderbares Buch erschienen von Eugen Maria Schulak und Rahim Taghizadegan: "Vom Systemtrottel zum Wutbüger" (Econwin-Verlag Salzburg 2011).
    Ein Zitat mag genügen: "Die größte politische Lüge ist wohl das Märchen, wir würden in Demokratie und Rechtsstaat leben" (S. 136). Die Systeme, in die uns die Parteien zwingen, sind längst zu Gefängnissen geworden, die jeden Funken von Freiheit vernichten. Die Parteien zwingen uns in das "Hamsterrad" und dort müssen wir unser ganzes Leben lang treten bis uns das Weiße aus den Augen rinnt. Alle 5 Jahre dürfen wir unsere Stimme abgeben, um dann keine mehr zu haben.

    Es ist in der Tat höchste Zeit, dass wir die Systemfrage stellen. Demokratie und Republik haben ausgedient. Ebenso die bürokratische Diktatur vom Zuschnitt Brüssels.

    Wir müssen wieder lernen und den Mut haben , unseren „Garten“ selbst zu bestellen, empfehlen uns die beiden oben genannten Autoren, und das heißt Ja zu sagen zu Österreich. Dieses Ja bedeutet zuerst einmal raus aus dem Euro, raus aus der EU und raus aus der WTO-Globalisierung. Dann wird auch eine Wiederherstellung der gesellschaftlichen Ordnung möglich sein, in der Monarchie, Leistungsaristokratie und demokratische Partizipation von Berufskammern ihren gebührenden Platz einnehmen.

  30. Karl Rinnhofer
    05. Januar 2012 10:44

    Sosehr dieser Gastkommentar viele zutreffende Beobachtungen von Schattenseiten einer missverstandenen Demokratie enthält, ist ihm in der Gesamtaussage zu widersprechen.

    Es ist zu unterscheiden zwischen der Demokratie als (wünschenswerte) Herrschaft des Volkes, welche die würdigste Form einer sich als aufgeklärt verstehenden Gesellschaft versteht, und dessen Degenerationsform Ochlokratie („Pöbelherrschaft“) - in die wir zweifellos geraten sind – genauso wie der (wünschenswerte) “Sozialstaat seine Degenerationsform im unfinanzierbaren und unwürdigen „Wohlfahrtsstaat“ findet.

    Bereits in den antiken Staatstheorien - von Platon („Politeia“) über Aristoteles zu Cicero („de re publica“) - erkannte man die Gefahr, dass die dekadenten Formen von „Demokratie“ (die dann diesen Namen nicht mehr verdient) ein Staatswesen nicht konkurrenzfähig halten können. Irgendwann rufen die Massen im Chaos wieder nach dem „starken Mann“, dem „Mon-Archos“ (Einzelherrscher) – eine tragische Entwicklung.

    Um Demokratie lohnt es sich in jedem Fall zu kämpfen, sie legt aber dem Einzelnen mannigfache Pflichten auf, ist kein Faulbett, kein Schlaraffenland, nicht das anstrengungslos erreichte Paradies auf Erden: „Res publica res populi esse debet!“ – „Ein Gemeinwesen muss Sache des Volkes sein!“ appelliert Cicero. Sie ist grundlegend missverstanden, wenn sie nur vom vermeintlich legitimen Anspruchsdenken ohne Bedeckungsbereitschaft ausgeht, das immer Eigendynamik bis zur Unverschämtheit entwickelt, damit populistisch-verantwortungslose Demagogen in unangemessener Bevorzugung hochspült und deren Machtgelüste bedient, die diese Ansprüche auf Kosten ungefragter Dritter bedienen. „Ut aliquid regale sit“ verlangt schon Cicero gerade für die Demokratie, also, „dass es etwas Königliches in ihr gäbe“ – und verwehrt sich doch gegen die immanente Widersprüchlichkeit dieses Desiderates: Elitäres, Vorbildhaftes, das sich über die Massen erhebt, von Charisma getragene Akzeptanz findet, die Richtung weist, motiviert, an einem Strang zu ziehen und nicht „systematische Kontraproduktivität zum Prinzip zu erheben. Elite im besten Sinn des Wortes, transparent Kompetenz-orientiert, nicht durch Seilschaften und Bereitschaft zu Gesinnungsprostitution selbst-arrogiert, ist Voraussetzung für funktionierende Demokratie, die Stimmen nicht bloß zählen, sondern wägen müsste; Stimmen, die sich jedem Wählerkauf entziehen. Gleichzeitig verlangt Cicero ein „vinculum“, das gemeinsames, „verpflichtende Band“, geadelt durch ein „consilum commune“, der „gemeinsamen Idee“, die ein Identifikationsangebot und Motivationsverstärker ist, um die demokratische Staatsform konkurrenzfähig zu halten. Gerade diese notwendige Resonanz auf positiv kanalisierbare Leistungspotenziale aktiviert letztere erst, bewahrt sie vor dem Brachliegen, lässt sie im Sinne der „virtus“ (Cicero, Sallust), der „wertschaffenden Aktivität“, nutzbar werden. Nicht Selbstzweckkonsum und durch Eigenleistung kaum legitimierte materielle Maximierung als Ziel des Lebens, sondern umgekehrt Sicherstellung der Existenzfähigkeit zum Realisieren der gemeinsamen Idee ist als Basis zu legen.

    Der Gottesbegriff ist in diesem Kontext – wie die Historie zeigt – problematisch: „Gottgewollt“ oder „von Gottes Gnaden“ immunisiert inadäquat Herrschaftsstrukturen: „Gebt Gott was Gottes ist, und dem Kaiser , was Kaiser ist!“, macht nicht nachvollziehbare, kompetenzferne, bloß ererbte „Eliten“ durch Tabuisierung unangreifbar.

    Mein Schluss: Um Demokratie müssen wir kämpfen, und es ist ein opferreicher Kampf, der sich dennoch angesichts de Alternativen lohnt; „Tamquam ex stirpe tyrannus exstitit“ – übersetzt Cicero Platos Politeia: In (missverstandener) Demokratie lauert stets „wie eine Wurzelknolle“ der Despot – den man nicht mehr los wird. Demokratie mag viele Schattenseiten haben – wir erleben sie hautnah - und ist doch das geringst mögliche Übel, positiv gewendet die bestmöglichste aller Herrschaftsformen - im Sinne Leibnitz’ von dessen Annahme der „bestmöglichen aller Welten“ als Strategie gegen (verständliche) Frustration, Resignation und innere Emigration nach Analyse des Gegenwartszustandes. Es wäre eine Niederlage des aufgeklärten Menschen, sie – mühsam genug errungen – leichtfertig zur Disposition gestellt und damit samt all ihren Potenzialen verspielt zu haben.

  31. Observer
    05. Januar 2012 10:42

    Es ist schon erstaunlich, wenn ein heute 30jähriger die absolute Monarchie als die einzige Lösung zu den negativen Entwicklungen in den derzeitigen Demokratien sieht.
    Ja es ist wirklich ein Jammer, was wir derzeit in unseren politischen und gesellschaftlichen Welt erleben. Winston Churchill wird folgender Ausspruch nachgesagt: "Die Demokratie ist die schlechteste aller Staatsformen, ausgenommen alle anderen".
    Wenn alle Staatsbürger (auch die Monarchen!) gläubige Christen wären und - was aber leider utopisch ist - genau nach den Empfehlungen der Heiligen Schrift leben, dann wäre auch eine Monarchie akzeptabel.
    Aktuell sieht man in den Staaten des schon "erfolgreichen" arabischen Frühlings, wie man dort die Religion (den Islam) mit der gewünschten Demokratie verbinden will. Das wird nie und nimmer funktionieren. Daher doch lieber "unsere" Demokratie mit Trennung von Staat und Kirche, welche aber ständig verbessert werden muß.





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