Ist es Wiederbetätigung, wenn sich Corona-Demonstranten mit verfolgten Juden vergleichen?

Autor: Wilfried Grießer

Jene Zuwanderung, die man kritisieren darf

Autor: Wolfgang Maurer

Fundamente „Europäischer Bildung“

Autor: Josef Stargl

„Wer Antisemit ist, bestimmen wir!“

Autor: Elmar Forster

Die USA unter sozialdemokratischem Regime

Autor: Andreas Tögel

Meine Erkrankung oder: Wie das Virus die Behörden überfordert

Autor: Hans Anonym

Die Freiheit der Demokratie und ihre ahnungslosen Feinde

Autor: Leo Dorner

Die massive Korruption in der Slowakei und eine Dissertation

Autor: Elmar Forster

Hass in Favoriten

Autor: Georg Vetter

Corona: Nicht alle leiden ...

Autor: Rachel Gold

Weitere Gastkommentare

Die immerwährende Kollektivschuldthese

Irgendwie sind die Theoretiker des Kollektivismus in der Schuldzuweisung doch konsequent: Wo immer ein Verbrechen begangen wird, sucht sie die Schuld nicht beim Täter, sondern beim politischen Gegner.

Als in den siebziger Jahren die RAF Deutschland mit ihren Terroranschlägen überzog sollte, „das System“ daran schuld sein. Der Kapitalismus hatte Andreas Baader, Ulrike Meinhof und Genossen angeblich zu jenen Gegnern des herrschenden Systems gemacht, die nicht anders konnten, als mit Waffengewalt ihrer Frustration Ausdruck zu verleihen.

Wenn heutzutage ein Herr B. in Norwegen einen Terrorakt verübt, sollen wiederum andere daran schuld sein: Nämlich jene, die beispielsweise vor der Islamisierung Europas gewarnt haben. Kaum auszudenken, welche Theorien mit einer Verallgemeinerung eines solches Ansatzes vertretbar wären.

Jede attackierte Schwiegermutter könnte – gesamtgesellschaftlich gesehen – als ein Opfer aller Schwiegersöhne gesehen werden, die durch ein einmaliges böses Wort gegen die ungewollte Verwandte ein Klima der Intoleranz geschaffen haben. Wer die modernen Theoretiker der Kollektivschuldthese agieren sieht, mag sich fragen, was diese den (ewig)gestrigen Theoretikern ähnlicher Thesen intellektuell entgegen zu setzen haben.

Unsere moderne Strafrechtskultur baut auf dem Grundgedanken der Individualschuld auf. „Keine Strafe ohne Schuld“ ist ein Prinzip des Strafgesetzbuchs. Wäre „das System“ oder irgendwelche politische Bewegungen an Verbrechen schuld, dürften wir die Verbrecher gar nicht verurteilen.

Gerade ganz furchtbare Verbrechen rufen uns in Erinnerung, dass Freiheit auch bedeutet, dass sich der einzelne für das Böse entscheiden kann. Manche wünschen sich eine idealisierte Welt herbei, in der das Böse ausgerottet ist und alles Schlechte ein Auswuchs von Krankheit sei. Damit wäre das Prinzip der Verantwortung für das eigene Tun allerdings abgeschafft.

Dass wir Menschen nicht nur frei sind, Gutes zu tun, sondern auch Böses zu verbrechen, mag für einige erschreckend sein. Genau genommen liegt darin das „Drama der Freiheit“, weil uns niemand die Verantwortung für unser eigenes Tun abnimmt. Dass auf der anderen Seite jeder Mensch auch für das Gute, das er begeht, verantwortlich zeichnet, mag für die einen ein Trost sein. Für die anderen ist es eine Quelle von Hoffnung und Gerechtigkeit.

Dr. Georg Vetter ist selbständiger Rechtsanwalt mit Schwergewicht auf Gesellschaftsrecht und Wahrnehmung von Aktionärsinteressen in Publikumsgesellschaften.

zur Übersicht

einen Kommentar schreiben

Teilen:
  • email
  • Add to favorites
  • Facebook
  • Google Bookmarks
  • Twitter
  • Print

die besten Kommentare

  1. Ausgezeichneter KommentatorWertkonservativer
    3x Ausgezeichneter Kommentar
    05. August 2011 06:39

    Ich musste 1945 als Zwölfjähriger, mit Mutter und Schwester im tschechischen Aussiedlungslager, einen weißen Aufnäher "Nemec" (Deutscher) auf meiner armseligen und verschlissenen Jacke tragen, gleich dem gelben Judenstern der armen Menschen kurz vorher!

    Seit damals weiß ich, was mit Kollektivschuld gemeint ist!

    gerhard@michler.at

  2. Ausgezeichneter KommentatorKarl Rinnhofer
    3x Ausgezeichneter Kommentar
    05. August 2011 08:22

    Dieses Missstand ist in den Kontext (lehrbarer!) Beweisumkehr und dem systematischen Aus-dem-Verkehr-Ziehen persönlicher Verantwortung zu stellen. Diese wird relativierbar und damit obsolet.

    Der unheilvolle Mechanismus beginnt bereits in der Schule: Schlechte Lernerfolge infolge falsch gewählten Schultypus, nicht gegebener Eingangsvoraussetzungen (Mindesteignung, mangelnde Arbeitshaltung und Belastbarkeit) unterliegen als „insuffiziente Unterrichtserfolge“ des Lehrers zunächst der Verantwortungs-Umkehr“, denn „die Schule“ hat „zu wenig motiviert“, es wurde „nicht begabt“, „zu wenig individualisiert“. In weiterer Folge kommt der „entlastende“ Verweis auf ein „obsolet gewordenes System“, weil ja "der bürgerliche Bildungskanon unwirksam gemacht werden müsse“ (Zitat eines Vertreters in der höheren Entscheidungsebene unseres Bildungssystems, der sich eigentlich weitgehend damit identifizieren müsste).

    So wird jedes Scheitern, aber auch voraussehbar nachhaltig-Schädliches dem Bereich der persönlichen Verantwortung entzogen, als „unverschuldete Konsequenz“ dem Kollektiv überantwortet, Opfer-Täterrolle beliebig austauschbar.

    Dass selbst bei schwerem Fehlverhalten de facto den Lehrern alle disziplinären Mittel genommen wurden, wird damit begründet, dass es als „Auflehnen gegen ein als ungerecht empfundenes System“ interpretiert wird; tut das eine Gruppe, in der sich der Einzelne in der Anonymität versteckt, darf schon aus formalrechtlichen Gründen nicht vorgegangen werden, da es Kollektivstrafen nicht gibt.

    So geht es in vielen Bereichen weiter: Schuld an den Konsequenzen für voraussehbar scheiternde Schuldenpolitik ist „die Krise“, „die Banken“, „die Zocker“, letztlich „das System“ (frei erweiterbar), in jedem Fall irgendeine anonyme Instanz,. der wählerkaufende Politiker ist längst aus dem Amt, um je für objektive ruinöse Entscheidungen zur Verantwortung gezogen werden zu können. Und nötigenfalls hat er diese „aus externen Sachzwängen“ getroffen, um wieder exculpiert, wenn nicht gar „Verdienst-voll“ (man beachte die Doppelbedeutung) gewesen zu sein.

  3. Ausgezeichneter Kommentatorlibertus
    2x Ausgezeichneter Kommentar
    05. August 2011 01:26

    Bei den gesellschaftspolitischen Beispielen wird der Realität entsprechend sehr gut vom Autor aufgezeigt, daß die Kollektivschuld wiederholt eindeutig einer bestimmte Richtung zugeordnet wird (weitere Beispiele wären noch möglich!). Wem diese Instrumentalisierung nutzt, muß wohl nicht detailiert angeführt werden.
    So gesehen wird die Freiheit allzuoft durch Eigennutz und Machtpolitik eingeschränkt. Da bleibt nurmehr ein kleiner Spielraum, welchen man denn doch wieder in Eigenverantwortung nutzen muß = klein, aber fein!

  4. Ausgezeichneter Kommentatorsocrates
    1x Ausgezeichneter Kommentar
    04. August 2011 23:45

    Die Erbsünde war immer schon ein gutes Geschäft. Wenn man die Medien in der Hand hat und die Meinung steuern kann, lässt sich damit gut verdienen.


alle Kommentare

  1. simplicissimus
    18. August 2011 06:06

    selbstverständlich weiss die linke, dass b. ein geistesgestörter einzeltäter ist.
    mit klammheimlicher freude schlägt sie daraus ganz bewusst politisches kleingeld.
    seitdem verbrecherische rechte regime den schlimmsten aggressionskrieg der geschichte verloren haben, hat die linke das sich ihr offen stehende moralfenster genutzt und in gehirnwäscheartiger erziehungsarbeit zementiert, dass rechts böse und links gut ist.
    daher werden auch in offener ignoranz die zahlenmässig sogar grösseren linken verbrechen nicht nur unter den teppich gekehrt, sondern genüsslich den bösen rechten "verursachern" in die schuhe geschoben.
    wie gesagt, alles ganz bewusste gesellschaftliche indoktrination.

  2. Neppomuck (kein Partner)
    05. August 2011 23:29

    "Vor Gericht und auf hoher See ist man in Gottes Hand."

    Ob die Richter alle Agnostiker sind?

  3. Josef Maierhofer
    05. August 2011 17:07

    Unsere moderne Strafrechtskultur.

    Ich wage zu behaupten, dass man da in der Realität kaum mehr von 'Kultur' sprechen kann bei uns. Es gibt auch beim Strafrecht keine Rechtsprechung mehr sondern nur noch die Linkssprechung.

  4. Observer
    05. August 2011 15:25

    Die christliche Bibel lehrt uns, dass wir alle von Grund auf böse ist. Aber wir haben gleichzeitig die Freiheit, uns zu ändern und für das Gute zu entscheiden. Niemand wird vom Schöpfer für die eine oder andere Art gezwungen, den sein Gericht findet erst nach dem Tode statt.
    Anders ist es in den modernen weltlichen Gesellschaftsformen. Da wurden und werden Spielregeln geschaffen, welche jeder Einwohner zu akzeptieren hat. Bei Verstössen gegen diese Gesetze wird schon zu seinem Lebzeiten Gericht gehalten und ggfs. auch Strafen ausgesprochen. Jeder vernünftige Mensch wird daher bei allen seinen Entscheidungen berücksichtigen, welche Konsequenzen diese im positiven und negativen Sinn nach sich ziehen. Eine Kollektivschuld bzw. Verantwortung von Verstössen unserer Vorfahren, des Volkes oder der Rasse gibt es in unserem Rechtssystem "Gott-sei-Dank" nicht!

    • Schani
      05. August 2011 16:37

      Wo in der Bibel steht geschrieben, daß wir Alle von Grund auf böse sind?

    • Observer
      05. August 2011 17:44

      Schani:
      Natürlich ist nicht der Säugling oder das Kleinkind von Geburt an böse. Aber "aus dem Herzen" kommt später mehr Böses, daher prangern die Religionen dieses Tun an und fordern zum gegensteuern auf.
      In der Bibel der Christen finden sich dazu einige Behauptungen bzw. Beweise:
      1. Mos. 8/21 und 6/5, Ps. 14/3, Hiob 14/4, Matth. 15/19.

  5. Karl Rinnhofer
    05. August 2011 08:22

    Dieses Missstand ist in den Kontext (lehrbarer!) Beweisumkehr und dem systematischen Aus-dem-Verkehr-Ziehen persönlicher Verantwortung zu stellen. Diese wird relativierbar und damit obsolet.

    Der unheilvolle Mechanismus beginnt bereits in der Schule: Schlechte Lernerfolge infolge falsch gewählten Schultypus, nicht gegebener Eingangsvoraussetzungen (Mindesteignung, mangelnde Arbeitshaltung und Belastbarkeit) unterliegen als „insuffiziente Unterrichtserfolge“ des Lehrers zunächst der Verantwortungs-Umkehr“, denn „die Schule“ hat „zu wenig motiviert“, es wurde „nicht begabt“, „zu wenig individualisiert“. In weiterer Folge kommt der „entlastende“ Verweis auf ein „obsolet gewordenes System“, weil ja "der bürgerliche Bildungskanon unwirksam gemacht werden müsse“ (Zitat eines Vertreters in der höheren Entscheidungsebene unseres Bildungssystems, der sich eigentlich weitgehend damit identifizieren müsste).

    So wird jedes Scheitern, aber auch voraussehbar nachhaltig-Schädliches dem Bereich der persönlichen Verantwortung entzogen, als „unverschuldete Konsequenz“ dem Kollektiv überantwortet, Opfer-Täterrolle beliebig austauschbar.

    Dass selbst bei schwerem Fehlverhalten de facto den Lehrern alle disziplinären Mittel genommen wurden, wird damit begründet, dass es als „Auflehnen gegen ein als ungerecht empfundenes System“ interpretiert wird; tut das eine Gruppe, in der sich der Einzelne in der Anonymität versteckt, darf schon aus formalrechtlichen Gründen nicht vorgegangen werden, da es Kollektivstrafen nicht gibt.

    So geht es in vielen Bereichen weiter: Schuld an den Konsequenzen für voraussehbar scheiternde Schuldenpolitik ist „die Krise“, „die Banken“, „die Zocker“, letztlich „das System“ (frei erweiterbar), in jedem Fall irgendeine anonyme Instanz,. der wählerkaufende Politiker ist längst aus dem Amt, um je für objektive ruinöse Entscheidungen zur Verantwortung gezogen werden zu können. Und nötigenfalls hat er diese „aus externen Sachzwängen“ getroffen, um wieder exculpiert, wenn nicht gar „Verdienst-voll“ (man beachte die Doppelbedeutung) gewesen zu sein.

    • Mag. W. Dellisch (kein Partner)
      13. August 2011 13:14

      Sie treffen mit Ihrem Kommentar ins Schwarze. Dieses Fehlen von Verantwortlichmachen für Fehlleistungen oder gar kriminelle Taten ist es, was den ungeheuren Frust der Bürger und Steuerzahler hervorruft. Ich sehe allerdings auch bei sog. bürgerlichen Parteien, die sich immer wieder rhethorisch auf Werte berufen, keinen Willen zur Änderung. Siehe Entschärfen der Antikorruptions §§.

  6. Wertkonservativer
    05. August 2011 06:39

    Ich musste 1945 als Zwölfjähriger, mit Mutter und Schwester im tschechischen Aussiedlungslager, einen weißen Aufnäher "Nemec" (Deutscher) auf meiner armseligen und verschlissenen Jacke tragen, gleich dem gelben Judenstern der armen Menschen kurz vorher!

    Seit damals weiß ich, was mit Kollektivschuld gemeint ist!

    gerhard@michler.at

    • Wertkonservativer
      05. August 2011 08:18

      Kleine Berichtigung, der guten Ordnung halber:

      Unser "Kainsmal" mussten wir vor der Lagereinweisung - noch auf freiem Fuß - tragen, im tschechischen Gulag waren dann nur "Nemce" eingepfercht!

    • socrates
      06. August 2011 22:01

      Manche Zeitzeugen werden nicht gefragt um die deutsche Schuld nicht zu relativieren!
      Da wird mit Tabus und Verbotsgesetzen gearbeitet.

  7. phaidros
    05. August 2011 05:14

    Ich stolpere jedesmal über das »Herr« beim B. Ging mir schon bei Unterbergers Tagebuchblatt so.

  8. libertus
    05. August 2011 01:26

    Bei den gesellschaftspolitischen Beispielen wird der Realität entsprechend sehr gut vom Autor aufgezeigt, daß die Kollektivschuld wiederholt eindeutig einer bestimmte Richtung zugeordnet wird (weitere Beispiele wären noch möglich!). Wem diese Instrumentalisierung nutzt, muß wohl nicht detailiert angeführt werden.
    So gesehen wird die Freiheit allzuoft durch Eigennutz und Machtpolitik eingeschränkt. Da bleibt nurmehr ein kleiner Spielraum, welchen man denn doch wieder in Eigenverantwortung nutzen muß = klein, aber fein!

  9. socrates
    04. August 2011 23:45

    Die Erbsünde war immer schon ein gutes Geschäft. Wenn man die Medien in der Hand hat und die Meinung steuern kann, lässt sich damit gut verdienen.





Bitte OHNE Internet-Links (Kommentare mit Links werden nicht veröffentlicht)
verbleibende Zeichen: 700

Sicherheitsabfrage:
Bild neu laden

Ich will die Datenschutzerklärung lesen.


© 2021 by Andreas Unterberger (seit 2009)  Impressum  Datenschutzerklärung