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Gastkommentare

Österreich kann mehr – man muss es nur lassen

16. Oktober 2026 20:49 | Autor: Simon Blöthner
2 Kommentare

Beim Übergang in die dunkle Jahreszeit trübt sich die Stimmung, und das Leben kann für viele einen gewissen Teil seines Scheins verlieren. So vermutet man, dass die Herbstprognose des WIFO ein wenig den Glanz der vergangenen Sommermonate verlängern könnte. Doch auch dieser Schein ist bei längerer Betrachtung nicht allzu lange zu genießen.

So wird erwartet, dass das Wachstum der österreichischen Wirtschaftsleistung im Jahr 2026 0,9% betragen wird und damit zumindest nicht schrumpft, und im Jahr 2027 sogar auf strahlende 1,3% steigen soll. Ein genauerer Blick auf die Zahlen verrät jedoch, dass diese nicht der Lebensrealität der meisten entsprechen. Der private Konsum bleibt aufgrund hoher Unsicherheit und Preisinflation schwach. Bei einer Arbeitslosenquote von 7,6% und Preisinflation von 3,3% ist dies auch leicht nachzuvollziehen.

Der öffentliche Sektor treibt die Wirtschaftsleistung

Diese Entwicklungen folgen der längsten Rezession der Zweiten Republik der Jahre 2023 und 2024. Auch wenn man der Versuchung widerstehen sollte, diese als zumindest wirtschaftlich verlorene Jahre zu bezeichnen, so lag das reale Bruttoinlandsprodukt pro Kopf, also nach Bereinigung der Preisinflation, im Jahr 2024 um 1,7% niedriger, als es 2019 war, und schnitt damit von allen EU-Staaten am schlechtesten ab. Dass dies zumindest in Teilen der expansiven Geldpolitik der Europäischen Zentralbank im Nachgang geschuldet ist, sollte nicht davon ablenken, dass das zugrundeliegende Problem der österreichischen Wirtschaft struktureller Natur ist.

Von 2023 bis 2025 war die Wirtschaftsleistung erheblich durch den öffentlichen Sektor getrieben. Dass dies allerdings nur eine statistische Fata Morgana ist, liegt daran, dass dieser Sektor in den wenigsten Fällen Mehrwert liefert. Produktion außerhalb des Marktes findet ohne Preise statt. Wenn folglich der Staat Güter und Dienstleistungen bereitstellt, werden diese zu Kosten bewertet und somit erscheinen höhere Staatsausgaben als Wachstum, wobei häufig nur ein Kostenanstieg zu verzeichnen ist. Weiterhin kann sich der öffentliche Sektor nicht aus dem Nichts finanzieren, weshalb der private Sektor dafür belastet werden muss und das sogar erheblich.

Die Steuer- und Abgabenquote liegt bei 44,3% und das Staatshaushaltsdefizit lag 2025 bei 4,2% der Wirtschaftsleistung, einem Wert, der deutlich über der Maastricht-Grenze der EU von 3% lag. Aufgrund dessen und erheblicher Vorjahresdefizite eröffnete der Rat der EU im Juli 2025 ein Defizitverfahren gegen Österreich. Dabei sieht die Prognose der Schuldenentwicklung auch kein Ende in Sicht. Der Fiskalrat erwartet einen historischen Höchststand von 87,8% des Bruttoinlandsprodukts im Jahr 2030. Letztendlich müssen diese Schulden natürlich wieder zurückgezahlt werden, wofür nun eben wieder der Steuerzahler zur sich rapide leerenden Kasse gebeten werden muss.

Staatliches Mitmischen in der Wirtschaft führt zur Verschwendung

Auch wenn die Diagnose recht klar ist, so ist die Reaktion auf diese Tatsachen nur mehr vom Gleichen. Die Sanierung des Staatshaushalts soll nicht durch die Reduktion der Ausgaben und Verpflichtungen geschehen, sondern wiederum überwiegend durch die Einnahmenseite laufen. Das Problem dabei ist, dass das starke Mitmischen in der Wirtschaft nicht nur extrem viel kostet, sondern auch zu immensen Ineffizienzen führt. Von den Anreizproblemen des öffentlichen Sektors abgesehen, ist es für den Staat faktisch unmöglich, eine Betätigung im Wirtschaftsgeschehen ohne massive Verschwendung durchzuführen.

Man sollte meinen, dass in Österreich als Heimat Ludwig von Mises‘ und Friedrich von Hayeks ein wenig mehr Bewusstsein für diese Problematik herrsche. Die beiden zeigten bereits in den 1920er bis 40er Jahren, dass ohne Marktpreise niemand wissen kann, welche Güter wo am dringendsten gebraucht werden, und dass staatlich gelenkte Wirtschaft deshalb am Bedarf der Menschen vorbeiproduziert. Allerdings werden ihre Lehren munter missachtet, während man sich hilflos umschaut.

Deshalb: Weniger Staat, mehr Markt

Dabei ist die Antwort gar nicht kompliziert, wenngleich sie für Politiker schwer zu schlucken ist. Lässt man wieder zu, dass Marktpreise die tatsächlichen Wünsche und Bedürfnisse der Menschen abbilden, so werden die Unternehmer, sofern sie weitestgehend in ihrer Rolle frei walten dürfen, sich dieser annehmen und versuchen sie zu bedienen. Das Potenzial Österreichs ist massiv. Gut ausgebildete Fachkräfte und eine stabile Infrastruktur sind reale gesellschaftliche Werte.

Selbst aus den Institutionen werden Rufe nach Reform immer lauter. Der Fiskalrat forderte ein Umdenken bei Förderungen, im Gesundheits- und im Pensionssystem, die zu den größten Ausgabenposten zählen. Doch wie genau sollte das angegangen werden? Die Größenordnung der Probleme erfordert eine Strategie, einen Ansatz, der die Sorgen und Ängste der Menschen ernst nimmt.

Die Nachricht ist klar: Keine Bevormundung durch den Staat mehr, der vorgibt, die Interessen seiner Bürger besser zu kennen als diese selbst! Österreich und seine Menschen wissen, wie sie sich zu helfen haben und haben die Mittel, dies auch erfolgreich zu tun. Man muss sie dabei nur lassen.

 

Um diese Fragen zu beantworten, lädt das Austrian Institute of Economics and Social Philosophy zu einem Vortrag von Dr. Franz Schellhorn, dem Direktor der Agenda Austria, ein. Der Vortrag "Österreich kann mehr! Wie wir mit weniger Staat und mehr Markt wieder zu Wachstum kommen" mit anschließender Diskussion wird am 4. November 2026 im Palais Eschenbach in der Eschenbachgasse 11, 1010 Wien um 18:30 Uhr stattfinden. Die Teilnahme ist kostenlos, allerdings wollen wir Sie darauf hinweisen, dass eine Anmeldung erforderlich ist. Alle Informationen zur Veranstaltung und das Anmeldeformular finden Sie unter: https://austrian-institute.org/de/events/dr-franz-schellhorn-oesterreich-kann-mehr-wie-wir-mit-weniger-staat-und-mehr-markt-wieder-zu-wachstum-kommen/

 

Simon Blöthner, B.A., M.Sc., ist Geschäftsführer des Austrian Institute of Economics and Social Philosophy, Wien, und Doktorand VWL an der Universität Bayreuth sowie Co-Founder von MDD-Index GmbH.

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  1. El Dorado
    17. Oktober 2026 16:04

    Was wir bräuchten: Politikerhaftung, freie Marktwirtschaft als Grundpfeiler für Wohlstand im Verfassungsrang, Reduzierung des Staates auf: Neukonzeption Landesverteidigung, Sanierung Gesundheitswesen (Verbesserung Patientenversorgung bei gleichzeitiger Kostenreduzierung!), Sanierung Bildungswesen, Polizei, Finanzamt, Modernisierung Sozial- und Migrationswesen, Rechtssystem zum Schutze der Rechte von Bürgern und Unternehmen sowie Gewährleistung Leistungsorientierung, Wettbewerb, bedarfsgerechte Sozialhilfe und zumutbarer Migrationspolitik....

    ...sowie Politiker, die das oben genannte auch verstehen und glaubwürdig verfolgen.



  2. Verschwörungssatiriker
    17. Oktober 2026 08:06

    ...."die Sorgen und Ängste der Menschen ernst nehmen, "

    .....sind die wichtigsten Worte jeder Politäußerung und erfreut wohl alle, die glauben jetzt einmal "ernst genommen" zu werden, oder?






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