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Gastkommentare

Staatliche Kontrollwut und NGOs

15. Oktober 2026 14:44 | Autor: Andreas Tögel
2 Kommentare

Man stelle sich eine Kinderschar in der Sandkiste vor, in der ständig um die vorhandenen Spielsachen gestritten wird. Es ist eine im Grunde gute Idee, den stärksten der Gruppe mit der Aufgabe zu betrauen, für Frieden zu sorgen und Streitereien zu schlichten. Allerdings würden bei Sinnen befindliche Eltern diesem Kind nicht zugestehen, auch solche Streitfälle zu entscheiden, in die es selbst involviert ist. Ein faires Urteil wäre dann nur von einem Heiligen zu erwarten – und die sind bekanntlich, und zwar nicht nur in der Sandkiste, rar. 

In seinen Büchern und Vorträgen betont Hans-Hermann Hoppe, einer der derzeit prominentesten Protagonisten des Libertarismus, dass mit der Geburt des Staates – eines Gewaltmonopolisten mit Gesetzgebungs- und Letztentscheidungskompetenz in allen Streitfällen – dessen stetiges Wachstum garantiert ist. Insbesondere der Umstand, dass der Staat auch in solchen Streitfällen als Letztentscheider auftritt, in die er selbst als Partei verwickelt ist, wird von Hoppe scharf kritisiert.

Dass dieser offensichtliche Missstand nicht öffentlich debattiert wird, ist der von Milton Friedman diagnostizierten "Tyrannei des Status quo" geschuldet: Es war halt schon immer so, und wer sonst sollte entscheiden? Würden wir in einer Welt leben, in welcher er für die Bekleidungsproduktion zuständig ist, würde eine große Mehrheit der Bürger befürchten, nackt herumlaufen zu müssen, wenn es den Staat nicht gäbe.

Dass das Gewaltmonopol in Verbindung mit der Gesetzgebungs- und Letztentscheidungskompetenz dazu führt, dass der Staat die Grenzen seiner Zuständigkeit stetig ausdehnt und immer weitere Bereiche des Lebens seiner Kontrolle unterwirft, ist eine empirisch feststehende Tatsache. Einerseits ist die ständig wachsende Flut von staatlichen Vorschriften, Ge- und Verboten unübersehbar; andererseits ist die unentwegt wachsende Zahl von Beamten und Vertragsbediensteten, die mit dem hoheitlichen Vollzug beschäftigt sind, der Grund für immer höhere Steuerlasten: In Österreich belief sich der Spitzensatz der Einkommensteuer am Vorabend des Ersten Weltkriegs auf fünf Prozent. Dieser Tarif liegt heute bei sagenhaften 55 Prozent! 

Ein kleines, aber typisches Beispiel für das maligne Staatswachstum liefert die "Verwahrungskontrolle" von Schusswaffen der Kategorie B (Pistolen Revolver und halbautomatische Büchsen und Flinten), die alle fünf Jahre durchzuführen ist. Bei rund 260.000 in Österreich ausgestellten Waffenbesitzkarten, lässt sich der konservativ geschätzte jährliche Zeitaufwand (zwei Beamte, Kontrollzeit 30 – 45 Minuten, Wegzeit 15 – 30 Minuten) auf etwa 30 Mannjahre hochrechnen. Dieser Wert wird sich, nachdem künftig auch Waffen der Kategorie C (die übrigen Langwaffen) kontrolliert werden sollen, deren Zahl die der Kategorie B weit übersteigt, dramatisch erhöhen. Wer ernsthaft glaubt, dass mit dieser kostenintensiven Belästigung gesetzestreuer Bürger der Sicherheit im Lande gedient ist, glaubt vermutlich auch an den Weihnachtsmann. Denn Berufskriminelle und Dschihadisten neigen im Allgemeinen nämlich nicht dazu, ihre Tatwerkzeuge den Behörden zu melden. Der Staat schlachtet in seiner Kontrollwut definitiv "das falsche Schwein".

Seit einiger Zeit überwacht nicht nur der Staat selbst die Meinungsäußerungen der Untertanen, sondern er spannt zusätzlich sogenannte "Nichtregierungsorganisationen" (NGOs), die weit überwiegende Zahl davon ist politisch links verortet, in seine Überwachungsagenda ein. Dutzende dieser großzügig mit Steuergeldern gemästeten Vereine widmen sich dem Kampf gegen "Hass, Hetze und Menschenfeindlichkeit". Im Nachbarland Deutschland laden die von ihnen unterhaltenen "Meldestellen" Denunzianten dazu ein, ihre Mitbürger anzuschwärzen, sofern diese durch unliebsame Aussagen oder Postings im Internet auffallen. In Österreich gibt es mehrere staatliche und private Meldestellen, an die man sich bei "Hass und Hetze" wenden kann. Eine davon ist Zara-#GegenHassimNetz (Website: zara.or.at). Eine andere, staatlich betriebene Stelle ist die NS-Meldestelle (DSN). Träger ist die Direktion Staatsschutz und Nachrichtendienst des Innenministeriums.

Dass pünktlich mit der rechtswidrigen Öffnung der Grenzen anno 2015 eine Verschärfung des Verhetzungsparagraphen einherging, ist alles nur kein Zufall, denn in der Politik gibt es keine Zufälle. Was geschieht, war und ist auch exakt so geplant. Die Massenzuwanderung von der westlichen Lebensart feindlich gegenüberstehenden Menschen – überwiegend männliche wehrfähige Muslime – war und ist, aus welchen Gründen auch immer, politisch gewollt. Dank der besagten Gesetzesänderung bedarf es nicht mehr länger eines Aufrufs zur Gewalt gegen bestimmte geschützte Gruppen, die zurecht strafrechtlich verfolgt wird, sondern es genügt bereits, zum "Hass" gegen derartige Menschen "aufzustacheln."  Unbestimmter lässt sich eine Regel gar nicht setzen. Der Interpretationsspielraum ist grenzenlos. Jedwede, noch so faktenbasierte Kritik, etwa der Hinweis auf in der Kriminalstatistik überrepräsentierte Menschen aus bestimmten Weltgegenden, kann jetzt bereits als "Hass, Hetze oder Menschenfeindlichkeit" verfolgt werden. Damit soll – getreu dem chinesischen Sprichwort "bestrafe einen und erziehe damit hundert!" sichergestellt werden, dass hoheitliche Verfehlungen nicht mehr kritisiert werden.

Die NGOs als Symbionten des zunehmend übergriffig agierenden Staates, entdecken täglich neue Minderheiten – Opfergruppen –, in deren vorgeblichem Interesse sie ihre ebenso einträgliche wie meinungsfreiheitsfeindliche Tätigkeit entfalten können. Abertausende Arbeitsplätze fürs akademische Lumpenproletariat werden auf diese Weise aus Steuertöpfen finanziert. Otto Normalvebraucher tut indessen gut daran, in Deckung zu gehen und seine Meinung zu heiklen Fragen allenfalls im engsten Freundeskreis, nicht aber in aller Öffentlichkeit zu äußern. Schnell kann er sich sonst auf einer schwarzen Liste wiederfinden, was schnell zu einer Existenzfrage werden kann.

Sollte jemals wieder eine rechts der politischen Mitte angesiedelte Regierung ans Ruder kommen, die tatsächlich auch eine nichtlinke Politik macht (was angesichts der weit unterschätzten Macht des von linken Akademikern beherrschten "Tiefen Staates" unwahrscheinlich ist), wäre eine deren vordringlichsten Aufgaben die Trockenlegung des NGO-Sumpfes. Mittels des Entzugs sämtlicher Subventionen, könnten damit auf unspektakuläre Art die Veitstänze um den angeblich "menschengmachten Klimawandel", die faktenwidrig behauptete Diskriminierung von Angehörigen der LGBTQ-Gemeinde, "antimuslimischen Rassismus" und viele andere Verrücktheiten, schlagartig beendet werden.

Zu hoffen, dass der Staat, respektive seine Beamten und Symbionten, die eroberten Claims freiwillig aufgeben könnten, ist naiv. Nur ein veritabler Geldmangel – die Unfinanzierbarkeit der verfetteten Wohlfahrtsdemokratie – kann einen Politikwechsel bewirken.

Der geplagte Steuersklave sollte die Hoffnung dennoch nicht aufgeben, denn angesichts des bresthaften Zustandes der Staatsfinanzen wird es bis dahin nicht mehr lange dauern. Freuen wir uns gemeinsam auf den Tag, an dem arbeitslos gewordene NGO-Aktivisten auf ehrliche Weise ihr Geld verdienen müssen: "Wollen Sie Pommes zu Ihrem Burger?"   

          

Andreas Tögel, Jahrgang 1957, ist Kaufmann in Wien.

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  1. El Dorado
    16. Oktober 2026 00:38

    alles richtig, die Frage ist ob die Metastasen die der öffentliche Dienst auf Kosten der Steuerzahler hochgetrieben hat, organisch geheilt werden können oder ob internationale Disruption oder ein gesellschaftspolitischer Zusammenbruch in Form von Bürgerkrieg oder Krieg zu Konsequenzen zwingt.



    • Andreas Tögel
      16. Oktober 2026 09:08

      Am 13. 1ô. hielt die Ökonomin Monika Köppl-Turyna, Direktorin des ECO Austria Instituts für Wirtschaftsforschung, im Wiener Club Unabhängiger Liberaler einen Vortrag zur aktuellen wirtschaftlichen Lage Österreichs und der Eurozone. Ihr pessimistischer Ausblick lautet sinngemäß: Da das Beharrungsvermögen der politischen Eliten übermächtig ist, wird es ohne Revolution vermutlich nicht abgehen - keinesfalls jedoch ohne erhebliche wirtschaftliche Schmerzen. Mein Senf dazu: Die gewaltigen Schuldenlasten, die von den Regierungen aufgehäuft wurden, sind ohne drastische Einschnitte (Staatsbankrotte, Währungsreformen, erbitterte Verteilungskämpfe Bürgerkriege?) nicht abzubauen. Wir bewegen uns auf sehr unruhige Zeiten zu. Und ein Typ wie Javier Milei ist in Euroland leider weit und breit nicht in Sicht. Öffenbar reicht der bestehende Leidensdruck noch längst nicht aus. Ein paar Jahre kann man sicher noch weiterwursteln.






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