Der Angriff Israels und der USA auf Persien bescherte Europa, aber nicht nur diesem, Probleme, die so nicht erwartet wurden. Persien löste durch die Blockade der Straße von Hormus ein weltweites Versorgungsproblem für lebenswichtige Produkte aus. Darunter die Versorgung der Landwirtschaft mit Düngemittel.
Jedoch sollte nicht nur Hormus eine Lehre sein. Die Ursachen der Probleme der Versorgung Europas mit Rohstoffen sind bereits älteren Datums. Sie begannen mit der irren Meinung, alle Rohstoffe könnte man jederzeit am Weltmarkt kaufen.
China hat schon vor einem Vierteljahrhundert begonnen, sich Rohstoffe zu sichern. So hat China gezielt in einigen Staaten Afrikas alle verfügbaren Lagerstätten und Bergwerke – auch potenzielle – gekauft, oder sich einen strategischen Anteil daran gesichert. In der Demokratischen Republik Kongo wurden fast alle Kupfer-Kobaltbergbaue, wie auch Lithium- und Zinnbergbaue übernommen, im Grenzgebiet zu Ruanda alle Tantal-Vorkommen und Bergbaubetriebe sowie in Namibia alle Uranbergbaue.
Die Aktivitäten Chinas im Bergbau-Sektor wurden nicht ernst genommen. Europa hat zugesehen. Es hat auch keine Maßnahmen ergriffen, sich an dem Erwerb von Ressourcen zu beteiligen. Die europäische Krämerseelenpolitik bescherte uns die gegenwärtige Misere.
Die Kontrolle Chinas über den überwiegenden Teil strategischer Rohstoffe ist schmerzlich, wie Europa erfahren muss. Aber es ist nicht nur die Abhängigkeit von China, aus der sich Europa befreien muss, es sind auch Rohstoffe, die aus dem arabischen Raum geliefert werden und die hier erzeugt werden könnten. So konnte man in "top agrar" vom 1.August 2026 lesen: "Hormus-Blockade: Studie warnt vor Schwefel-Schock". Das ist eine Basis-Chemikalie, die für die Produktion von Kunstdünger und zahlreichen anderen Produkten gebraucht wird.
Schon lange hätte die EU den Bedarf einiger Elemente aus eigenen Lagerstätten decken können, wäre entsprechende Energie vorhanden gewesen und wären die Umweltstandards vernünftig angewendet worden. Will sich Europa von den Fesseln andere Mächte befreien, müssen jetzt Anstrengungen unternommen werden, die eigenen Vorkommen zu entwickeln.
Nun endlich hat sich die Europäische Union dazu aufgerafft selbst Bergwerksprodukte zu erzeugen, zu gewinnen und aufzubereiten. Spät, aber doch. Sie will vor allem im eigenen Bereich nach Lagerstätten suchen und sogar alte Abraumhalden verwerten.
Doch eines harrt noch einer Lösung: das Thema preiswerte Energie. Viele Regierungen haben erkannt, dass der Weg, sich allein auf Sonne und Wind zu verlassen und den Überschuss zu speichern, ein teurer Weg ist. Ganz anders China. Das Handelsblatt vom 1. August berichtet, dass China neuerlich den Bau von weiteren acht Reaktoren genehmigt hat. Bereits zehn Reaktoren waren dieses Jahr bereits genehmigt worden. im April erreichte die Gesamtkapazität bereits 125 Gigawatt.
Auch Frankreich sollte ein Vorbild sein. Es exportiert das Jahr über Strom, und das zu Kosten, von denen Deutschland, Dänemark oder Österreichs nur träumen können. In Flauten stößt nun die Idee, Wasserkraft einzusetzen, ebenfalls an Grenzen. Auf Grund des Klimawandels liefern die Gletscher von Jahr zu Jahr weniger Wasser, hinzukommt das Fehlen von genügend Regen. Gaskraftwerke müssen errichtet, oder Strom von den Nachbarn gekauft werden, um den Bedarf zu decken.
Das Thema Düngemittel
Die Europäische Union und andere Staaten importierten aus den Staaten des Nahen Osten Erdgas, Chemikalien und Düngemittel. Die faktische Sperre von Hormus hat zu Problemen in der Versorgung von Industrieprodukten geführt. Besonders schmerzlich ist der Ausfall von Kunstdünger für Afrika. Jedoch spürt auch Europa die Folgen. Der Preis für Düngemittel stieg um 30 Prozent. Könnten wir diese Düngemittel selbst erzeugen?
Die Deutsche Forschung, allen voran:
- Friedrich Wöhler (31.7.1800-23.9.1882), ein Held der Chemie und Erfinder der Harnstoffsynthese,
- Fritz Haber (1868-1934) und Carl Bosch (27.8.1874-26.4.1940), Erfinder und Entwickler des Haber-Bosch Verfahrens zur Synthese von Ammoniak,
und viele andere deutsche Forscher haben die Prozesse der synthetischen Erzeugung von Düngemitteln erforscht und umgesetzt.
- Harnstoff ist aufgrund seines hohen Stickstoffgehaltes weltweit das bedeutendste Stickstoffdüngemittel. Aber auch in der chemischen Industrie spielt Harnstoff eine wichtige Rolle. Er kann aus Kohlendioxid – das gibt es im Überfluss – und Ammoniak bei 120°C und mehr als 150 bar synthetisiert werden.
- Ammoniak wird synthetisch aus atmosphärischem Stickstoff und Wasserstoff unter einem Druck von etwa 150 bis 350 bar und Temperaturen von etwa 400 bis 500 °C gewonnen.
So erhebt sich die Frage: Haben wir die nötigen Rohstoffe für die Erzeugung synthetischer Produkte und welche sind das? Für die gebräuchlichsten Düngemittel und auch anderen Produkten wären das:
- Erdgas
- Energie
- Kohle
- Wasserstoff
- Schwefel
- Stickstoff
- Phosphat
Russland lieferte preiswertes Erdgas, auf das die Industrie und viele Haushalte in der EU angewiesen waren. Russisches Gas wurde großteils ersetzt durch den Import teuren Flüssigerdgas (LNG) aus den USA. Europa hat Lagerstätten, die mittels Frackings den Bedarf decken könnten, doch die irre Umweltpolitik verbietet deren Entwicklung.
Preiswerte Energie, die in großen Mengen nötig ist, ist derzeit nicht vorhanden. Die Energiewende mit der Abschaltung von Kernkraftwerken sowie dem Diktat von Solar- und Windenergie resultierte in einer Explosion der Strompreise. Versprochen werden schon seit Jahren niedrigere Energiepreise. Jedoch werden sie unweigerlich mit dem Ausbau einer dezentralen Energieproduktion und der dazu erforderlichen Infrastruktur steigen.
Die Idee, die deutsche Kohle-Produktion 2038 zu beenden, ist im Hinblick dieses vielfältig verwertbaren Rohstoffes, der nicht nur zur Verfeuerung in kalorischen Kraftwerken Verwendung findet, absurd. Braunkohle ist einer der Rohstoffe, aus dem Wasserstoff und Ammoniak, aber auch Kunststoffe und anderen Produkte, hergestellt werden können; eine weitere Entwicklung falsch verstandenen Umweltschutzes. Ammoniak wird für die Herstellung von Ammoniumnitrat, Ammoniumsulfat und Ammoniumphosphat genützt, die als Düngemittel – aber nicht nur – Verwendung finden. Aber auch das wurde von den Politikern nicht erkannt.
Wasserstoff kann auch durch die Elektrolyse von Wasser gewonnen werden. Es erfordert jedoch preiswerte Energie, die zum Beispiel aus Wasserkraft oder Atomenergie zur Verfügung gestellt werden kann.
Eine Reihe von Düngemitteln erfordert für den Prozess auch Schwefel (Schwefelsäure). Schwefel fiel hauptsächlich als Nebenprodukt der Erdgas-Entsäuerung an. Doch mit der Entwicklung von Laugungsprozessen im Bergbau wurde die Deckung des Bedarfs zunehmend ein Problem.
Hatte man vor Zeiten bei der Röstung von Sulfid-Erzen das entstehende Schwefeldioxid (SO2) ungenützt entweichen lassen und damit im weiten Umkreis der Anlagen die Landschaft zerstört, wird nunmehr SO2 für die Erzeugung von Schwefelsäure verwendet. Zunehmend gelangt dazu das Mineral Pyrit (Eisensulfid FeS2) zur Anwendung. Pyrit ist neben Schwefel der wichtigste Rohstoff zur Herstellung von Schwefelsäure.
Bedeutende Fundorte sind in der Provinz Huelva (Spanien) und der Provinz Alentejo in Portugal. Die Minen Spaniens von Rio Tinto haben Ressourcen, die mit einer geschätzten Menge von etwa einer 1,9 bis 2 Milliarden Tonnen vorliegen.
Für die Verarbeitung zu Schwefelsäure wird Pyrit auf über 800°C erhitzt, wobei sich Schwefeldioxid bildet, das weiter zu Schwefelsäure verarbeitet wird.
Phosphor, ein weiterer Rohstoff in der Düngemittelherstellung, kommt in wirtschaftlich nutzbare Phosphat-Reserven in der Europäischen Union nur in Finnland vor. Ein neues Vorkommen mit 12 Milliarden Tonnen Erz soll auch Seltene Erden und andere Elemente enthalten. Ferner sind vor kurzem bisher nicht bekannte Phosphor-Vorkommen in Norwegen, die auch Titan und Vanadium enthalten, veröffentlicht worden. Erste Angaben sprechen von mindestens 70 Milliarden Tonnen Phosphatgestein.
Zusammenfassend ist festzustellen: Die nötigen Rohstoffe, das Wissen und die Technologie, um synthetische Produkte herzustellen, sind vorhanden. Es liegt an den irren, selbstschädigenden Gesetzen und Regelungen, die die Europäische Union hindern, preiswerte Betriebsmittel, wie Rohstoffe und Energie bereitzustellen, um in großem Umfang unabhängig zu werden, zu entsorgen.
Gerhard Kirchner ist Bergingenieur und liebt die Umwelt.








Danke Herr Dr. Kirchner, Sie stellen unermüdlich die Dinge ins richtige Licht. Sind unsere Politiker in der EU oder einzelner Länder so blöd oder beratungsresistent oder ideologisch so verblendet, dass man Jahrzehnte zusieht, was China tut. Beim Verfolgen von Blödsinnigkeiten sind sie Spitze, in mir keimt der Verdacht, dass es sich um überhebliche Dummheit handelt.
Vielen Dank Herr Dr. Kirchner für diese hervorragende Analyse. Die aktuelle Krise an der Straße von Hormus führt uns die Quittung für eine jahrelange, naive Rohstoffpolitik vor Augen. Während China strategisch dachte und sich weltweit Vorkommen sicherte, hat sich Europa in eine gefährliche Abhängigkeit manövriert – sowohl bei strategischen Metallen als auch bei simplen Basis-Chemikalien wie Schwefel. Besonders bitter ist das beim Thema Düngemittel: Die Pionierarbeit deutscher Forscher wie Haber und Bosch zeigt, dass wir das technologische Know-how in Europa haben. Was uns blockiert, ist die selbst auferlegte Energie- und Rohstoffknappheit durch ideologische Verbote (wie beim Fracking oder der Kohlenutzung als chemischer Rohstoff). Wenn wir uns nicht endlich von diesen Blockaden befreien und stattdessen eigene Lagerstätten abbauen und auf verlässliche, bezahlbare Energie setzen, werden die Preise für Lebensmittel und Industriebranchen dauerhaft explodieren.