Dass Gaskraftwerke den Sommer über in Betrieb sein müssen, ist eine bizarre Situation angesichts dessen, dass Photovoltaik- und Windkraftanlagen im Sommer mehr Strom produzieren, als verbraucht werden kann.
Die Ursachen liegen einerseits im Klimawandel und andererseits am Wetter. In diesem Jahr führten geringe Niederschläge zu niedrigen Wasserständen; zugleich lässt der Klimawandel die Gletscher rapide abschmelzen, sodass sie immer weniger Wasser liefern. Deshalb können Laufkraftwerke nur eingeschränkt Strom erzeugen. Diese Misere hätte eine vernünftige Energiepolitik längst entschärfen können: Statt den weiteren Bau von Photovoltaik- und Windkraftanlagen zu subventionieren, hätte sie den Netzausbau im Gleichschritt mit der Stromerzeugung vorantreiben müssen. Das wurde versäumt. Die Folge: Überschussstrom aus dem Osten kann nicht zu den Pumpspeicherkraftwerken transportiert werden.
Um die klimatischen und wetterbedingten Probleme auszugleichen, fordert die IG Windkraft eine "breit aufgestellte Energieversorgung". Doch diese erschöpft sich nur in der Forderung nach einem weiteren Ausbau der Windkraft. Auch wenn 83 Prozent der Österreicher den weiteren Ausbau der Windkraft, in Oberösterreich sogar 90 Prozent den Ausbau von Windkraftanlagen befürworten, werden die Probleme, die während der Wintermonate auftreten, nicht gelöst. Vielen ist offenbar nicht bewusst, dass besonders in den Wintermonaten tagelange "Dunkelflauten" auftreten können, in denen weder Wind- noch Photovoltaikanlagen Strom erzeugen.
Eine Lösung, die angeboten wird, sind Batteriestromspeicher, die den Überschussstrom der Sommermonate speichern.
Strom zu speichern ist grundsätzlich sinnvoll. Mehrere Speicher sind geplant oder befinden sich im Bau. Fraglich ist jedoch, ob Batteriespeicher Flauten wirtschaftlich überbrücken können.
Der derzeit größte Batteriespeicher Österreichs in Theiß befindet sich im Bau und soll zu einem zentralen Baustein für Netzstabilität und Versorgungssicherheit werden.
Die Kennzahlen:
- Leistung 70 Megawatt (MW)
- Kapazität 140 MWh
- Investition rund 46 Millionen Euro
- Das sind 329 Euro/KWh Investitionskosten
Es wird betont, dass dieser neue Großspeicher so viel Energie bereitstellen könnte, wie ein mittelgroßes Gaskraftwerk. Theoretisch könnten damit alle Haushalte in St. Pölten, rund zwölf bis vierzehn Stunden lang, mit Strom versorgt werden.
Der weltgrößte Batteriespeicher, Edwards & Sanborn in Kalifornien, hat einen Energieinhalt von 3,3 GWh. Dieser Speicher entspricht mit seiner Speicherkapazität 24 Theiß-Speichern. Über die Kosten ist nichts bekannt.
Betrachtet man den Verbrauch des letzten Jänners, in welchem 54 Prozent (3,356 TWh) des Stromverbrauchs durch Gaskraftwerke und zugekauftem Strom gedeckt werden mussten, so entspricht das einem durchschnittlichen täglichen Bedarf von rund 108,000 MWh (3,356 TWh/31 Tage).
Wollte man diese mit gespeicherter Batterieenergie ersetzen, so wären (108,000 MWh/140 MWh) 773 Batteriespeicher in der Größe von Theiß erforderlich. Es bedarf daher einer Investition von 36 Milliarden Euro für den Bau von Batteriespeichern, um den durch Gaskraftwerke und zugekauften Strom für nur einen Tag zu ersetzen. Um mehrere Tage, ja Wochen, wie Österreich erfahren musste, mittels Batteriespeicherkraftwerke mit Strom zu versorgen, bedarf es astronomischer Investitionen.
Also mit Batteriespeicherkraftwerken, wie einige Medien insinuieren, dem Problem beizukommen, wäre wohl eine irre Lösung. Jedoch sind Batteriespeicher notwendig, um Lastspitzen in der Energienachfrage abzufedern und kurzfristige Lücken in der Stromerzeugung zu kompensieren. Ob damit auch zusätzlicher Netzausbau vermieden werden kann, ist fraglich.
Wie sicher eine Stromversorgung im Winter ist, besonders im Hinblick auf die Versorgung der VOEST und des Rechenzentrums Kronstorf, und bis zu irrealen 30 GW, die angemeldet sind, gelöst werden wird, wird sich weisen. Das Problem winterlicher Flauten löst ein weiterer Ausbau von Ökostromerzeugungsanlagen jedoch nicht. Gaskraftwerke und Stromzukäufe werden weiterhin nötig sein, um den Bedarf zu decken.
Um dieser Misere zu entgehen, sollte Österreich prüfen, dem Beispiel anderer Staaten zu folgen und die Primärstromerzeugung durch Atomkraft abzusichern, während Ökostrom ergänzend eingesetzt wird. Damit könnte der Ökovandalismus eingeschränkt werden und Österreich sich einer autarken Stromversorgung nähern.
Gerhard Kirchner ist Bergingenieur und liebt die Umwelt.








Wie immer von ihnen, informativ und eine Expertise, die man selten zu Lesen bekommt. Zu ihrem Beitrag passend, vorgetragen von Fritz Vahrenhold "Gas, Kohle, Wind: Es wird noch viel schlimmer"!
https://youtu.be/7TwkarMTjO8?is=sXwzjcf-VnLuGWpR
Haben Sie herzlichen Dank für Ihre sachlichen Fortbildungsbemühungen!
...sehe eher eine der Realität geschuldete sachbezogene Aufklärung, welche allerdings m. E. bei den Gläubigen aus der Klimahysterie kaum etwas zum Nachdenken bewirkt.