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Gastkommentare

Elektrostahlerzeugung in Österreich

12. Mai 2026 17:30 | Autor: Gerhard Kirchner
12 Kommentare

Notwendigerweise braucht man Strom, viel Strom und preiswerten Strom, um Stahl in einem Elektrolichtbogenofen zu schmelzen. Dieser soll aus Ökostromanlagen kommen.  Das ist der Wunsch der Öko-Lobby, möglicherweise auch der VOEST.

So konnte man vor Kurzem im Energy News Magazin lesen: "45 Millionen Euro investieren die Energie Steiermark mit ihrem 50-Prozent-Projektpartner Verbund, um das neue Murkraftwerk im Bereich Judendorf zu errichten." Baustart soll Herbst 2026 sein. "Das Kraftwerk soll eine Leistung von 7,5 Megawatt haben und jährlich 37 Gigawattstunden Energie produzieren."

"Vor allem die Industrie soll vom Bau des Murkraftwerks Leoben-Ost profitieren – allen voran die Voestalpine Donawitz, die derzeit riesige, aufwändige und kostspielige Baumaßnahmen setzt, um bei der Produktion auf Greentec-Steel mit Elektro-Lichtbogen-Hochöfen umstellen zu können."

"Ein Teil unseres Kraftwerksprojekts wird eine Direktleitung zur Voestalpine Donawitz sein", erklärt Harnik-Lauris weiter. Insgesamt handle es sich um einen wesentlichen Beitrag zur "Ökologisierung der Stahlproduktion".

"Elektro-Lichtbogen-Hochöfen" waren mir bisher unbekannt. Muss eine neue, journalistische Kreation des Schauspielers und Bereichsleiter Konzernkommunikation, Konzernsprecher, Energie Steiermark AG sein. 

Also dieser im Bau befindliche "Elektro-Lichtbogen-Hochofen" soll einen der konventionellen Donawitz Hochofen ersetzen und teilweise mit der nötigen Energie durch das Mur-Kraftwerk Leoben-Ost betrieben werden. Das ist interessant. Nämlich aus mehreren Gründen.

  • Ein Hochofen in Donawitz produziert pro Jahr 850.000 Tonnen Stahl.
  • Der Lichtbogenofen verbraucht 300 bis 500 KWh, um eine Tonne Stahl zu schmelzen.
  • Daher wären zwischen 225 bis 425 GWh erforderlich, um die Produktion eines Hochofens durch einen Lichtbogenofen zu ersetzen.
  • Das geplante Mur-Kraftwerk Leoben-Ost produziert 34,6 GWh.

Also eine gewaltige Spanne zu den 225 bis 425 GWh. Hinzu kommt, dass auch das Kraftwerk in Donawitz durch den Ausfall des Gichtgases weniger Strom erzeugen kann. Demnach müssen 200 bis 400 GWh Solar- oder Windstrom zugekauft werden. Nimmt man dafür Windräder mit einer Leistung von 7 MW, so müssten unter hiesigen Wetterbedingungen (Kapazitätsfaktor 0,23) zwischen 14 bis 28 Windkraftwerke gebaut werden.

Zusätzlich ist der durch die Stilllegung eines Hochofens entstehende Verlust von Gichtgas, das zur Stromerzeugung Verwendung fand, auszugleichen. Doch Ökostromanlagen liefern nur Strom, wenn die Natur das genehmigt, also bei Flauten muss Strom durch Batterien oder Gaskraftwerke zum Einsatz kommen.

Einige statistische Werte seien genannt:

Investition Mill.€ je MW install. Leistung                                                                       Investition in Euro je KWh/Laufzeit

                                                                     

Mur-Kraftwerk Puntigam              5,25              1,12

Salzach-Kraftwerk Stegenwald    7,13               1,38

Mur-Kraftwerk Gratkorn              7,46                1,49

Mur-Kraftwerk Leoben-Ost          6,00               1,30

Atomkraftwerk Barakah                6,06              1,22

Atomkraftwerk Al Dabaa               6,25              1,32

Österr. größter Windpark              1,64             3,98

Grafenwörth Schwimmende PV-Anlage 0,90   4,12

 

Es ist ersichtlich, dass Laufkraftwerke in etwa gleich hohe Investmentkosten je MW installierter Leistung wie Atomkraftwerke beanspruchen. Ebenfalls sind die Energiegestehungskosten über die Laufzeit der Laufkraftwerke etwa gleich wie für Atomkraftwerke.

Ein Riesenunterschied dagegen kann man bei dem Wind- oder Solar-Kraftwerk feststellen. Außerdem ist anzumerken, dass diese alle 20 bis 25 Jahre erneuert werden müssen und im Endeffekt (Inflation) deutlich teurer sind als in der Tabelle dargestellt. Hinzu kommen die Backup-Gaskraftwerke und alle notwendige Struktur. Auch ist der Schaden für die Umwelt zu berücksichtigen, der durch zusätzliche Straßen, Stromnetzanlagen, Umspannwerke und Bodenversiegelung entsteht.

Für Industriekomplexe wie es Donawitz oder Linz sind, kämen small modulair reactors (SMR) in Frage. Diese neuesten Reaktoren können neben Strom auch Prozesswärme liefern. In Donawitz wäre das zunächst ein Reaktor mit einer Leistung von etwa 60 MW, (oder mehrere kleine Reaktoren wie sie gegenwärtig in China getestet werden) der, skaliert aus Werten von Barakah, eine Investition von etwa 350 Millionen Euro verlangen würde. Eine solche Anlage könnte im Werksgelände errichtet werden und würde keine Backup-Einrichtungen erfordern, wie es bei Wind- und Solarkraftanlagen der Fall ist. Leider sind SMR derzeit für die Industrie noch nicht vorhanden, jedoch sollte man SMRs für die Zukunft in Betracht ziehen, denn es sollen ja alle Hochöfen – in Donawitz und in Linz – durch Lichtbogenöfen ersetzt werden.

Wie Georg Steinhauser, Professor für Radiochemie an der TU Wien, im Verhör durch Armin Wolf auf ORF 2 feststellt, ist moderne Kernenergie unfassbar sicher.

Ein entscheidender Vorteil der Atomkraftwerke liegt in der Sicherheitsbilanz: Statistisch gesehen gibt es je Terawattstunde produzierten Strom weniger Todesfälle als bei Solarkraftwerken. Diese Tatsache unterstreicht die hohe Sicherheit von Atomkraftanlagen im Vergleich zu anderen erneuerbaren Energieformen.

In der Diskussion rund um Tschernobyl und Atomkraft war es nicht möglich, Prof. Steinhauser zu negativen Aussagen über die Atomkraft zu bewegen – zum Leidwesen von Herrn Wolf, der offenbar eine kritische Stellungnahme erwartet hatte.

Die Zukunft wird zeigen, ob das geplante Megarechenzentrum in Wien, oder die gesamte Stahlerzeugung mit Solar- oder Windstrom betrieben werden können. Die Erfahrung in den USA lässt am österreichischen Weg zweifeln. Speicherung von sommerlichen Überflussstrom wird zwar immer als Lösung angepriesen, doch niemand hat je die Kosten für Speicherkapazitäten, die mehrere TWH umfassen müssen, dargelegt. Und sich in Flauten auf den Import von Atomstrom unserer Nachbarn zu verlassen, ist eine zweifelhafte Politik.

Leider musste Prof. Steinhauser feststellen, dass in Österreich Atomkraft mangels Akzeptanz vorerst kein Thema ist. 

 

Gerhard Kirchner ist Bergingenieur und liebt die Umwelt.

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  1. elokrat1
    14. Mai 2026 17:37

    Wer die ideologische & vertrottelte Energiepolitik in der EU, besonders in Ösistan und Germony, noch immer als "alternativlos" sieht, gehört in ein spezielles Heim. Bitte kann das eine einflussreiche Person endlich den blauäugigen Laien Hartmannsdorfer verklickern!? Vielen Dank jedenfalls an Hrn. Kirchner, der unermüdlich versucht, die weniger technisch ausgebildeten über die Realität zu informieren. Diesbezüglich auch ein gutes Interview von Ralph Schöllhammer mit dem erfahrenen Maschinenbauingenieur Ulrich Gräber über dessen Buch "Kniefall vor der Unvernunft"
    https://youtu.be/TFeICURUgvM?is=_XmpF6eghkSQapJN



  2. Outback
    13. Mai 2026 16:32

    Da mir der Begriff Elektro-Lichtbogenöfen völlig neu war, habe ich die KI von google herangezogen. Daraus ergibt sich Folgendes:
    „Elektro-Lichtbogenöfen (EAF - Electric Arc Furnace) sind moderne Industrieöfen, die Stahlschrott und andere eisenhaltige Stoffe mittels elektrischer Lichtbögen (bis zu 3500 °C) einschmelzen. Sie sind das Herzstück der Elektrostahlerzeugung, ermöglichen eine Kreislaufwirtschaft durch Recycling und sind entscheidend für die Dekarbonisierung der Stahlindustrie, da sie mit grünem Strom CO?-arm produzieren. [1, 2, 3, 4, 5, 6]
    Funktionsweise und Technik
    • Energieeintrag: Drei Graphit-Elektroden (bei Wechselstrom/AC) oder eine Anode (bei Gleichstrom/DC) leiten Strom in den Schrott, wodurch Lichtbögen entstehen.
    • Schmelzprozess: Der Schrott wird in ca. 30–60 Minuten bei über 1600 °C geschmolzen.
    • Chargieren: Der Ofendeckel wird geschwenkt, um den Schrottkorb zu entleeren.
    • Pfannenofen: Nach dem Abstich erfolgt im Pfannenofen die genaue Legierungseinstellung.



    • Outback
      13. Mai 2026 16:32

      • Unterstützung: Erdgasbrenner und Sauerstofflanzen helfen beim Schmelzen. [1, 2, 3]
      Vorteile und Bedeutung
      • Recycling: Hauptsächlich Nutzung von Schrott, Reduzierung des Rohstoffverbrauchs.
      • Flexibilität: Schnell start- und stoppbar, Produktion von Spezial- und Edelstahl möglich.
      • Umweltfreundlich: Geringerer CO?-Ausstoß im Vergleich zum Hochofen, besonders bei grünem Strom.
      • Qualität: Hohe Reinheit des Stahls durch präzise Steuerung. [1, 2, 3, 4, 5]
      Herausforderungen
      • Hoher Energieverbrauch: Ca. 400–500 kWh pro Tonne Stahl.
      • Rohstoffqualität: Abhängigkeit von der Schrottqualität.
      • Emissionen: Entstehung von Staub und Rauchgasen, die eine Reinigung erfordern. [1, 2]“

      Meine Frage an den Autor: Ist das wissenschaftlich haltbar, oder sprechen wir hier von „greenwashing“?



    • Rupertus Meldenius
      13. Mai 2026 19:53

      Dabei wird selbstverständlich auch Eisenerz verwendet, nicht nur Schrott.
      Kurz gesagt, ein Schmelzverfahren ohne Zugabe von Kohle bzw Koks als Brennstoffe, doch sehr energieintensiv.



    • rowischin
      13. Mai 2026 21:22

      @outback: Danke für die ausführliche Darstellung des Lichtbogenverfahrens. Ich wollte auch schon nachschauen, aber aus Zeitmangel ist es mir nicht gelungen. Wasserstoff kann statt Koks als Reduktionsmittel verwendet werden. Dieser entzieht den Sauerstoff im Eisenerz und es entsteht ein Eisenschwamm - Null CO2. Danach kann der Eisenschwamm mittels Elektrolichtbogen eingeschmolzen werden und Stahl damit erzeugt werden. Hoher Energiebedarf und hohe Investitionskosten. Ein grüner Stahl entsteht, wenn erneuerbare Energie aus Atomkraft, Photovoltaik oder Windkraft verwendet wurde.



  3. eupraxie
    13. Mai 2026 13:35

    Danke für den für Laien verständlichen Artikel. Nur damit ich das richtig verstehe: die Investition in KWh bezogen auf die Laufzeit wird bei Wind und Solar auf 20-25 Jahre berechnet und bei Atom und Wasserkraft auf 60?

    Es wäre die Aufgabe einer verantwortungsvollen Politik, die Akzeptanz für die Atomkraft oder zumindest die Problematik des eingeschlagenen Weges für die Gesellschaft darzustellen. Wählerergebnisse hin oder her.



    • Gerhard
    • rowischin
      13. Mai 2026 21:50

      Was noch zu erwähnen wäre, dass die Kosten der einzelnen Energieträger, einschließlich der Entsorgungskosten am Ende der Lebenszeit dieser, anzugeben wären. Dieses Argument dient um die Atomkraft zu desavouieren, siehe nicht gelöstes Endlager.



  4. rowischin
    13. Mai 2026 10:39

    Sg. Herr Dr. Kirchner, das Murkraftwerk Judendorf ist wegen des Huchens und der Vollverbauung der Mur umstritten, nun greift man zu realitätsfernen Argumenten um den Bau zu rechtfertigen. Danke für die umfassende Übersicht.
    Ich habe vor einigen Tagen im Servus TV im Rahmen der Sendung " Der Pragmatikus" einen Beitrag über Elektolyseure in Ö. zur Erzeugung von Wasserstoff gesehen.

    https://www.rag-austria.at/ueber-uns/standorte/speicherstandorte/rag-wasserstoffspeicher-rubensdorf
    Wasserstoff-Produktion und Speicherung mittels Überschußstrom aus erneuerbarer Energie in Rubensdorf durch die Firma RAG AG. Es gibt sie doch in Ösiland die Elektrolyseure.
    Nachzuschauen in Servus TV On in der Mediathek, die Beiträge waren sehr interessant.Der Energieexperte Johannes Benigni hat auch referiert und die unterschiedlichen Sichtweisen zu CO2 von China, USA, Ländern des S?



    • rowischin
      13. Mai 2026 11:18

      ...Sichtweise zu CO2 von China, USA, Ländern des Südens und EU. Die Bewertung der Umsetzung der Energiewände in der EU wurde mit 5 beurteilt. In den USA ist CO2 positiv bewertet, mehr Grünwachstum und es herrscht ein reger Diskurs über die Klimaerwärmung. In Europa heißt es Maul halten, wenn man eine anderer Meinung zum Klimawandel hat. In China baut man gleichzeitig erneuerbare und Kohlekraftwerke. Die im Süden warten auf Zahlungen von den Industriestaaten.



    • Rupertus Meldenius
      13. Mai 2026 19:57

      Habe besagte Sendung auch gesehen, sehr informativ und aufschlussreich. Da kannst hundert Jahre alt werden bevor der besch.....ene ORF ähnliches berichtet oder ausstrahlt.



    • rowischin
      13. Mai 2026 23:59

      @ Meldenius: ja, es war sehr interessant. Vor allem die Elektrolyseure, denn mein Bruder, Chemiker und schon sehr alt, sagte mir immer, ich verstehe nicht, warum sie den Spitzenstrom mit Hilfe der Elektrolyse nicht zur Erzeugung von Wasserstoff verwenden. In diesem Beitrag von Servus TV hat man nun erfahren können ,dass die Firma RAG dies nun so macht. Weiters meint er, warum wird die Brennstoffzelle nicht mehr in der Autoindustrie eingesetzt?






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