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Gastkommentare

Warum wählen so viele gescheite Leute links?

20. April 2026 19:11 | Autor: Silvio Pötschner
7 Kommentare

Der Sozialismus ist die niemals aussterbende politische Strömung, die an guten Absichten vor die Hunde geht und an der Wirklichkeit zerschellt. Er lebt davon, zu verteilen, was andere erst erwirtschaften müssen und hat die elegante Gewohnheit, den Moment des zuverlässig eintretenden Scheiterns als alternativlosen moralischen Höhepunkt zu deklarieren. Wenn die Kasse leer ist, war es nicht die verkehrte Kalkulation, sondern der Mangel an Glauben an die gute Sache.

Erstaunlich dabei ist weniger das Scheitern als die treue Gefolgschaft der Gebildeten, jener Schicht, die sich gerne zur Elite zählt. Intelligenz schützt nicht vor Selbsttäuschung; sie stattet sie nur mit wohlformulierten Fußnoten aus. Man rechnet nicht mehr, man fühlt. Ökonomie gilt als kalte Technik, Moral als menschliche Empfindung – und wer möchte nicht zum Heer der Humanisten dazugehören? Eine Frage, die leider immer mehr christlich-soziale, sich zur Mitte zählende Konservative mit einem naiven "Ja, natürlich" beantworten. 

Links zu wählen ist dabei die bequemste Form der Tugend: Man delegiert das Gute an den Staat und behält die eigene Unbeflecktheit samt staatsnahem Bullshitjob in der Bobobubble. Nächstenliebe per Steuerbescheid – zuverlässig, berechenbar und ohne die Zumutung persönlicher Nähe zur übelriechenden Armut. Der Linksintellektuelle wird so zum Gesinnungsaktionär: Er zeichnet Anteile am Guten, andere, bevorzugt kalte Kapitalisten, liefern die Dividende.

Das Ganze braucht allerdings ein Feindbild, sonst käme man vielleicht doch ins Grübeln. Dieses Monster dräut "räächts". Dort draußen lauert nicht der politische Gegner, sondern das ultimative Böse. Der Kontrahent ist nicht mehr bloß entgegengesetzter Meinung, sondern unheilbar verdorben – ein hygienisches Problem, kein argumentatives. Widerspruch gefährdet nicht eine politische Überzeugung, sondern die eigene moralische Statik.

Also wird der Gegner pathologisiert und mit Brandmauern eingehegt. So schließt sich der Kreis: Man schützt den eigenen Kinderglauben vor der Wirklichkeit, indem man die Realität delegitimiert. Wenn sie dennoch anklopft – in Form von Kosten, Knappheit, Kollaps –, erklärt man sie kurzerhand zum rechten Narrativ. Das ist die eigentliche geistige Meisterleistung: mit Intelligenz, nicht trotz ihr, am Irrtum festzuhalten.

 

Silvio Pötschner ist HNO-Facharzt und Gerichtssachverständiger.

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  1. MM
    23. April 2026 11:12

    Definition:

    "Intellektuell ist jemand, der sich ein Gehabe zugelegt hat, von dem er glaubt, es wirke intelligent"

    So sind sie halt unsere Intellektuellen...



  2. Schani
    21. April 2026 18:49

    Intelligenz und Dummheit sind in jedem Menschen vereint, jedoch oft sehr selektiv verteilt.



  3. Vernunft und Freiheit
    21. April 2026 13:11

    Wie sagte doch Forest Gump so schön: "Dumm ist, wer Dummes tut."



  4. elokrat1
    21. April 2026 12:24

    Weil diese Leute nur so tun, als wären sie gescheit. Bildung schützt vor Dummheit nicht!



  5. El Dorado
    20. April 2026 22:48

    Der Satz gefällt mir am besten: "Er (der Sozialismus, AdV) lebt davon, zu verteilen, was andere erst erwirtschaften müssen und hat die elegante Gewohnheit, den Moment des zuverlässig eintretenden Scheiterns als alternativlosen moralischen Höhepunkt zu deklarieren."

    Exzellenter Artikel!



  6. Alexander Huss
    20. April 2026 20:57

    Eine gelungene Analyse, die hervorragend erklärt, warum sich so viele Leute einem Sozialismus ihre Wählerstimme geben.

    Schon 1932 entschieden sich viele klugen Leute in Deutschland zu Reichstagswahlen für eine Sozialismus, der sich das Mascherl "National" umgehängt hatte.

    Das Ergebnis ist bekannt.



    • Petron
      21. April 2026 09:01

      Die zweite exzellente Analyse binnen kurzem. Inhaltlich stimmig und glänzend sowie prägnant formuliert. Bitte mehr davon!
      In gutem alten Deutsch verlangte die Präposition "trotz" allerdings den Genetiv, also "trotz ihrer ..."






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