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Gastkommentare

Stromproduktion in China, Österreich und andere Staaten

21. April 2026 20:14 | Autor: Gerhard Kirchner
11 Kommentare

In der Medienlandschaft wird China als Vorzeigeland für den Ausbau CO₂-armer Energieerzeugung gepriesen. So ist die Frage berechtigt, was der immerwährende Hinweis auf den Solarpaneelen-Ausbau soll; soll er uns animieren, China nachzueifern? Oder wird von den Journalisten schlicht nicht erkannt, dass das, was China macht, hierzulande nicht möglich ist: Wir haben keine Wüsten. Zugleich wird verschwiegen, dass China in noch größerem Maße Kohlekraftwerke errichten wird. Es wird auch nichts darüber berichtet, dass der Ausbau von Atomkraftwerken forciert wird. Der zusätzliche Ausstoß von CO₂ ist für China kein Thema, einzig wichtig ist das Ziel, Energie im Überschuss bereitzustellen, um seine Wirtschaft und die Bevölkerung mit preiswerter Energie zu versorgen.

In der Europäischen Union wird angestrebt, den Ausbau von grünem Strom zu forcieren. Darunter sollte man auch CO₂-armen Strom verstehen, der aus Atomkraftwerken stammt.

Fast in allen Artikeln über Energie wird der Bestand oder Zubau eines Energiesystems in MW oder GW angegeben. Diese Werte sind nicht geeignet die Menge des damit erzeugten Stroms zu demonstrieren, da sie die unterschiedlichen Kapazitätsfaktoren für verschiedene Systeme nicht berücksichtigen. Deshalb wird in den folgenden Betrachtungen der spezifische Verbrauch, oder der je Einwohner zur Verfügung gestellte herangezogen. Nur das lässt einen Ländervergleich zu.

China kommt beim Ausbau CO₂-armer Energie nicht so gut weg, wie in den Medien dargestellt.

                                                                                               

Aus diesen Werten ist einiges ersichtlich.

  • Von den untersuchten Staaten produziert China je Einwohner am wenigsten CO₂-armen Strom
  • In der Stromproduktion aus Wind-, Wasser- und Kernenergie liegen die europäischen Staaten weit vor China.
  • Nur im Ausbau von Solarkraft liegt China vor den betrachteten Staaten.

Doch wie stellt sich die Gesamtsituation der Stromproduktion dar Darüber gibt die nachfolgende Tabelle Aufschluss.

                                                        

            

Diese Betrachtung zeigt, dass Österreich und Deutschland 20 Prozent weniger Strom als China seinen Einwohnern zur Verfügung stellt. Das ist beachtlich! Scheint aber unsere Wirtschaftsdirigenten nicht zu stören. Auch sind die beiden Vorzeigestaaten Finnland, wo über 80 Prozent der Bevölkerung Atomkraft begrüßen und Schweden, als Muster für Energiepolitik, den Medien und Politikern als solche nicht bekannt. Hierzulande wird nur von Energiekrise und sonstigen Krisen gejammert, anstelle einen Blick nach Norden zu werfen.

Wollte man in Österreich die Stromerzeugung zu 100 Prozent, wie in den beiden nordischen Ländern Schweden und Finnland, mit CO₂-armen Systemen generieren, so müsste entweder Wind- Solar- oder Atomkraft kräftig ausgebaut werden.

Das Dilemma ist, wie die Erfahrung zeigt, die geringe Stromerzeugung mittels Wind- oder Solarkraft in den Wintermonaten. Es ist daher keine Lösung, weitere Wind- oder Solarkraftwerke zu bauen. Und Atomkraft: die üblichen Argumente. Zu teuer, zu gefährlich, strahlt über Millionen Jahre und überhaupt gehört sie weltweit verboten, sind die wohlbekannten Argumente der Medienbranche und deren Hörige.

Eine weitere Option wäre, Wasserkraft weiter auszubauen. Fließwasser und Pumpspeicherwerke werden vorgeschlagen. Der Klimawandel wäre dabei in unseren Breiten zu berücksichtigen. Gletscher, die wesentlichen Wasserlieferanten, werden von Jahr zu Jahr kleiner und liefern daher auch geringere Mengen Wasser. Das spüren Laufkraftwerke, in Zukunft wohl auch Pumpspeicherkraftwerke. Mit anderen Worten, Wasserkraftwerke sind abhängig vom Klimawandel, der nicht aufgehalten werden kann, auch wenn versucht wird mit Milliardeninvestitionen diesen zu bekämpfen.

Auch die immer wieder in den Raum gestellte Lösung, Strom in Batterien zu speichern, ist eine sehr fragliche Option. Solche Speicher sind dienlich, um Stromschwankungen auszugleichen, doch die Größe der Anlagen, um Strom für Tage und Wochen zu speichern, wären immens. Die Kosten dafür lägen über allem Erdenkliche.

Also müssten Gaskraftwerke gebaut werden, die allerdings mit Wasserstoff oder Biogas betrieben werden müssten, um die Atmosphäre nicht mit CO₂ zu belasten. Und wie zu vernehmen ist, muss Biogas mit 150 Millionen Euro gefördert werden, um "wirtschaftlich" zu sein. Wasserstoff kann in Österreich nicht ausreichend produziert werden. Fehlende Mengen würden importiert werden. Ideen dazu sind in den Medien vorhanden. Über Anlagen im südlichen Amerika bis Afrika wird geträumt. Die dazu nötigen Verträge, Regularien, Infrastruktur in Übersee noch Inland existieren. Die Kosten dafür sind exorbitant, und diese Lösung ist daher undenkbar, jedoch nicht innerhalb der existierenden grünen Dunstglocke, der jedes technische und wirtschaftliche Denken abhandengekommen ist (falls es jemals vorhanden war).

Schweden will Wasserstoff selbst produzieren, jedoch nicht um diesen in Gaskraftwerke einzusetzen. Für die Produktion dafür wird an Solar-Katalysatoren gedacht, mit denen man Wasserstoff für 2 bis 3 Euro/kg gewinnen könnte, ein Wert der wesentlich unter den aktuellen Kosten herkömmlicher Elektrolyse (meist 4–7 €/kg H2) liegen würde.

In den beiden nordischen Ländern ist Wind-, Wasser- und Kernenergie weitgehend für die Produktion von CO₂-armen Strom verantwortlich. Das hindert Schweden jedoch nicht zusätzliche Atomkraftanlagen zu errichten.

In Schweden ist letzten August ein neues Gesetz in Kraft getreten, das Investitionen in neue Atomkraftwerke mit staatlicher Unterstützung fördert. Das Fördermodell umfasst bis zu 5.000 Megawatt – das entspricht etwa vier großen Reaktoren.

"Neue Atomkraftwerke sollen dabei helfen, eine stabile Grundlast zu sichern, insbesondere in einem Stromsystem mit wachsendem Anteil wetterabhängiger Energiequellen wie Wind und Sonne": Diese Initiative wird auch von der Industrie begrüßt als wichtige Maßnahme, um langfristig wettbewerbsfähige Strompreise und Versorgungssicherheit für die energieintensive Industrie zu gewährleisten.

Zusammengefasst kann festgestellt werden:

  • Dass Länder mit einer ausgewogenen Stromproduktion dem Konsumenten auch genügend günstigen Strom zur Verfügung stellen
  • dass die beiden hoch industrialisierten Länder Österreich oder Deutschland die geringsten KWh je Einwohner verzeichnen
  • dass diese Länder u.a. mit ähnlicher Energiepolitik die höchsten Stromkosten haben
  • dass der österreichische Weg hohe Stromkosten verursacht, die infolge des Ausbaus der nötigen Infrastruktur weiterhin steigen werden
  • dass eine Abwanderung der Industrie damit vorgegeben ist und damit eine Reduktion des Wohlstandes der Bevölkerung.

Der schwedische Weg würde sich für Österreich eignen. Um ihn zu beschreiten, wäre ein Sinneswandel nötig. Vorläufig ist ein solcher nicht zu erkennen.

 

Gerhard Kirchner ist Bergingenieur und liebt die Umwelt.

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  1. rowischin
    26. April 2026 09:54

    ,,@ Gerhard: Mein Bruder( Chemiker) meint Stromspitzen sind verlorener Strom, der kostet nichts, wenn man ihn für die Produktion von Wasserstoff verwenden könnte.



  2. rowischin
    23. April 2026 20:55

    Herr Dr. Kirchner, ich habe eine Frage, warum verwendet man die Stromspitzen in Ö. nicht für die Produktion des Wasserstoffes.



    • Gerhard
      25. April 2026 19:30

      n rowischin
      habe 2 x versucht zu antworten, ist mir leider nicht gelungen



    • Gerhard
      25. April 2026 19:34

      an rowischin,
      eine berechtigte Frage, auf die ich keine konkrete Antwort habe. An verschiedenen Orten Österreichs werden Elektrolyseure errichtet, ob diese mit Überschussstrom oder mit eigens dafür errichteten Solar- oder Windkraft betrieben werden, sind Fragen. Die Zukunft wird diese beantworten.



    • rowischin
      26. April 2026 09:55

      @Gerhard: Danke für die Beantwortung.



  3. rowischin
    22. April 2026 17:55

    Mittwoch Welt Journal: ORF 2 um 22.31 Uhr "Tschernobyl". Was erzählt heute der ORF darüber, ich bin neugierig.



  4. rowischin
    22. April 2026 09:04

    Vielen Dank Dr. Kirchner für diese Zusammenfassung der Daten.
    Eine Volkswirtschaft, die nicht genügend und günstige Energie hat, geht den Weg in den sozialen Abgrund. Anläßlich 40 Jahre Tschernobyl nützt man die Gelegenheit im ORF wieder gegen die Kernenergie aufzutreten. Frau Kromp -Kolb, Meteorologin, Klimaforscherin, wird immer herangezogen, wenn es darum geht gegen die Atomenergie anzutreten. Im ORF On ist der Beitrag nachhören."Atomkraft im Fokus: Risiken, Lehren, und Zukunft. Aktuell nach eins vom 21.04.2026 " Ihre Abschlußworte.: Die Atomenergie kommt zu spät, wir müssen bis 2040 -2050 bei Null CO2 sein, die Planungen für A.Kraftwerke sind dazu zu lang und die Kleinkraftwerke noch nicht spruchreif und überhaupt Atomkraftwerke....????
    Wie Outback sagt, die grünen Meinungsmacher haben volle Arbeit geleistet.



  5. Outback
    21. April 2026 22:31

    Wieder eine anschauliche und auch für den technischen Laien leicht verständliche Abhandlung. Vielen Dank Herr Dr. Kirchner! Die Katastrophe Tschernobyl ist jetzt 40 Jahre her. Das "Nein" zu Zwentendorf fast 50 Jahre. Moderne Kernkraftwerke lassen sich mit diesen Anlagen in Bezug auf Sicherheit wohl nicht vergleichen. Rund um Wien stehen in mehr oder weniger unmittelbarer Nähe alte Kernkraftwerke, deren Auswirkungen im Falle einer Katastrophe auch Österreich voll treffen würden. Es sollte sohin rational gedacht nichts gegen die Errichtung eines modernen Kernkraftwerkes in Österreich sprechen. Trotzdem ist die Volksseele völlig verbohrt dagegen, ohne dass das vor fast 50 Jahren knapp mehrheitlich gefallene "Nein" auch nur im Ansatz neuerlich kritisch überdacht wird. Da haben Meinungsmacher über Jahrzehnte ganze Arbeit geleistet.



    • MM
      23. April 2026 10:53

      Die Volksseele ist nur verbohrt, weil eine durchgeknallte Politik das propagiert und ebensolche Medien das trommeln. Alleine was da in den Medien für Unsinn im Zusammenhang mit 40 Jahre Tschernobyl verkauft wird, sprengt alle Grenzen. Als Beispiel ein Artikel in "DiePresse":

      https://www.diepresse.com/20774337/tschernobyl-katastrophe-fuehrte-zu-mehr-krebserkrankungen

      Da wird die Strahlenbelastung von vor 40 Jahren eines Reaktor"Unglücks", das in Wirklichkeit ein völlig missglücktes wahnwitziges Experiment mit einem Uraltreaktor ohne signifikante Sicherheitseinrichtungen war, auf heutige Anlagen umgelegt und zu einer immer noch heute existierenden Bedrohung hochstilisiert. Gleichzeitig wird aber verschämt geschrieben (z.B.):
      "...Im Allgemeinen ist die Strahlungsbelastung durch Tschernobyl zusätzlich zur natürlichen Strahlung in Österreich aber gering..."

      Tatsächl



    • MM
      23. April 2026 10:55

      "...Im Allgemeinen ist die Strahlungsbelastung durch Tschernobyl zusätzlich zur natürlichen Strahlung in Österreich aber gering..."

      und

      "Die zusätzliche Belastung durch Tschernobyl plus der oberirdischen Kernwaffenversuche (1945 bis 1980) beträgt...etwa 0.01 mSv..."

      "...durchschnittliche Strahlenexposition der österreichischen Bevölkerung...beträgt" 6 mSv
      "....ein Viertel davon geht auf medizinische Diagnostik und Therapien zurück – der größte Anteil mit rund drei mSv auf das radioaktive Gas Radon.

      Zu Tode gefürchtet ist auch gestorben!



    • elokrat1





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