2
Gastkommentare

„Reichensteuer“ und Erbschaftsklau

14. April 2026 19:36 | Autor: Andreas Tögel
5 Kommentare

Religion, Familie und Privateigentum, die Pfeiler der traditionellen bürgerlichen Ordnung, sind seit der im Februar 1848 erfolgten Publikation des "Manifests der kommunistischen Partei" die drei Hauptangriffsziele linker Klassenkämpfer. Da heute – zumindest in Mittel- und Westeuropa – die christlichen Kirchen zu säkularen Kampforganisationen für den ökosozialistischen Gesellschaftsumbau degeneriert sind, während sie zu spirituellen Fagen nichts mehr zu sagen haben, kann Religion als im Sinne der Linken erledigt betrachtet werden. Ähnliches gilt für die Familien, die dank einer beharrlichen Wohlfahrtsstaatspolitik und dem damit - außerhalb migrantischer Milieus - verbundenen Gebärstreik entscheidend an Bedeutung verloren haben. Privates Eigentum bildet somit die letzte noch verbliebene Basis bürgerlich-liberaler Gesellschaften und ist folgerichtig rollenden Angriffen linker Parteien und NGOs ausgesetzt. 

Sowohl in Deutschland als auch in Österreich werden derzeit Forderungen nach höheren Steuern für Vermögende ("Reichen- oder Millionärssteuern") sowie nach stärkeren oder noch einzuführenden Erbschaftssteuern erhoben.

Vermögenssteuern gibt es in Deutschland seit 1997 faktisch nicht mehr, da sie nach einem Urteil des Bundesverfassungsgerichts ausgesetzt wurden. In Österreich wurden Erbschafts- und Schenkungssteuern im Jahr 2008 abgeschafft. Hoher Vollzugsaufwand und geringer Ertrag waren die entscheidenden Gründe für diesen Schritt.

Überdies hat Österreich mit seiner damals attraktiven Stiftungsbesteuerung gezielt versucht, ausländisches Vermögen und Investoren anzuziehen, was auch tatsächlich gelungen ist. Wie man Mäuse bekanntlich mit Speck lockt, so gelingt das mit Investitionskapital durch milde Steuerregelungen, und nicht mit Enteignungsdrohungen. In den 1990er und frühen 2000er Jahren war in Österreich dadurch ein deutlicher Zustrom an Vermögen zu verzeichnen, das in Privatstiftungen eingebracht wurde.

Die mit der reichlich abgeschmackten Losung "mehr Gerechtigkeit" begründeten Begehrlichkeiten sollen vorgeblich zur "fairen" Verteilung der Lasten der Staatsfinanzierung dienen. Ein Blick auf die historische Entwicklung der Staatsschulden und der Steuerlasten wird dabei wohlweislich unterlassen. Die Staatsverschuldung Österreich-Ungarns belief sich am Vorabend des Ersten Weltkriegs – je nach Quelle – auf rund 75 Prozent des BIP. Der maximale Satz der Einkommenssteuer lag bei fünf Prozent. Heute liegt der Schuldenstand der Alpenrepublik bei 81% und der Höchstsatz der Einkommensteuer bei 55%. Der elfmal höhere Einkommenssteuertarif konnte nicht verhindern, dass sich die Staatsverschuldung erhöhte. Egal, wieviel der gierige Steuerstaat abgreift – es wird niemals reichen.

Bei dieser Gelegenheit sei wieder einmal darauf hingewiesen, dass die Idee progressiver Einkommenssteuern – neben der Enteignung von Grundbesitz und der Abschaffung des Erbrechts – einen der wichtigsten Programmpunkte des "Manifests der kommunistischen Partei" bildete. Rote, Grüne, "Attac" & alle übrigen Neidgenossenschafter wandeln bis heute auf den Spuren des arbeitsscheuen Trierer Philosophen.

Da die Staatsausgaben in Österreich inzwischen einen Wert von 56 Prozent der Wirtschaftsleistung erreicht haben, sollte langsam auch dem Dümmsten einleuchten, dass kein Einnahmendefizit, sondern Ausgabenexzesse die Wurzel maroder Staatsfinanzen bilden (was in gleicher Weise natürlich auch für Deutschland gilt).

In Ländern mit derart hypertrophen staatlichen Organisationen, wie sie in Deutschland und Österreich existieren, auch nur einen einzigen Gedanken an weitere Enteignungsmaßnahmen zu verschwenden – gleich, welcher Art –, ist nichts weniger als eine Revolte wider die Vernunft, wie Immanuel Kant es benannt haben würde.

Die von Linken vorgetragene Kritik an "leistungslosen Einkommen" (wobei die Bestandsgröße Vermögen kontrafaktisch zu einem Einkommen der Erben umgedeutet wird) verkennt erstens die immense Bedeutung der Kapitalakkumulation, ohne die niemals eine derart stürmische Steigerung des Wohlstandsniveaus der "kapitalistischen" Gesellschaften möglich gewesen wäre; und sie blendet zweitens aus, dass jene Personen, auf die durch Erbschaftskonfiskation lukrierte Gelder verteilt werden sollen, ja ebenfalls leistungslos in deren Genuss kommen. Was wäre daran fair oder gerecht?

Auf den Kern reduziert, entpuppt sich sowohl eine "Reichensteuer", als auch die Erbschaftskonfiskation auf eine Maßnahme zur Schädigung des unternehmerischen Mittelstandes. Denn die vorgeblich ins Visier genommen "Superreichen" werden ihre Vermögen schneller ins sichere Ausland transferiert haben, als die Genossen ihre feuchten Träume in eine Gesetzesvorlage transformieren können. Und da es in kommunalen Wohnsilos für den begehrlichen Fiskus bekanntlich nichts zu holen gibt, bleiben nur die noch nicht ruinierten oder bereits ins steuerfreundlichere Ausland geflüchteten Mittelständler und die Grundbesitzer übrig.

Deutsche Firmen investieren immer mehr Geld im Ausland. Allein in den letzten fünf Jahren stieg das Nettoauslandsvermögen um fast 1.000 Milliarden Euro. Kapital, das in Deutschland somit fehlt! 2023 flossen rund 132 Milliarden Euro Kapital aus Deutschland ab. 2025 war ein Nettoverlust von rund 400 Millionären zu erwarten – mit einem geschätzten Kapitalabfluss von etwa zwei Milliarden Euro.

Für Österreich liegen zwar keine belastbaren Zahlen vor, die Tendenz wird indes auch hier in dieselbe Richtung gehen. Mit neidgetriebenen "Eat-the-rich"-Programmen war und ist eben kein Blumentopf zu gewinnen. Ohne drastische Reformen auf der Ausgabenseite sind die Staatsbudgets nicht mehr in den Griff zu bekommen. Noch höhere Steuereinnahmen bringen jedenfalls keine Lösung!

Fazit: Ehe nicht auch noch der letzte wertschöpfend tätige Wirtschaftsbetrieb durch Gleichbehandlungsgesetze, Umweltvorgaben und Kollektivvertragsdiktate gefesselt und mittels drückender Steuerlasten abgezockt ist, werden die Sozialisten in allen Parteien nicht lockerlassen. Sollen sie irgendwann doch zur Einsicht kommen, dass man Steuerbescheide nicht essen kann und Gewerkschaften und NGOs keine Lebensgrundlagen erwirtschaften, wird es allerdings zu spät sein. Wer heute – wie das große Player à la Mercedes oder BMW längst tun – Investitionen ins Ausland verlagert, kehrt so rasch nicht mehr zurück. 

 

Andreas Tögel, Jahrgang 1957, ist Kaufmann in Wien.

Teilen:
  • email
  • Facebook
  • Google Bookmarks
  • Twitter

  1. Outback
    15. April 2026 10:10

    Vielen Dank für diesen Artikel, Herr Tögel! Aufgrund der von Ihnen völlig richtig dargestellten Situation wird sich der „arbeitsscheue Trier Philosoph“ aufgrund des Einschlags seiner Ideen noch heute am Highgate Cemetery die Hände reiben.



  2. Stadtindianer
    15. April 2026 09:20

    Der ORF ist da klar kommunistisch:
    Ich habe versucht die Radiosendung Diagonal Die Erbengesellschaft Ö1 vom Sa., 28.3., zu hören und habe mir eine Darstellung aller Standpunkte erwartet. Ich musste die Sendung abbrechen, reinste kommunistische Argumentation.
    Daher danke für das immer wieder Anschreiben gegen diese linken Parolen.



  3. Petron
  4. elokrat1
    15. April 2026 07:57

    Hr. Tögel, ihre Darstellung ist wie immer erfrischend, gleich einem „seelischen Fußbad“. Alles richtig! Eine Methode „…für Österreich liegen keine belastbaren Zahlen vor….“, um die Bevölkerung nicht unnötig zu beunruhigen. Entweder nicht vorhanden, oder manipuliert, so werden statistische Daten in Ösistan abgebildet.



  5. SM
    14. April 2026 21:04

    Danke Herr Tögel für diese Zusammenfassung bekannter Tatsachen.
    Gerecht ist wenn jeder für die gleiche Leistung gleich viel zahlt. Niemand würde auf die Idee kommen von einem Armen weniger für eine Wurstsemmel zu verlangen als von einem Reichen.
    Für die staatlichen Leistungen, die allen zugute kommen, zahlen wir allerdings unterschiedlich viel.
    Wenn jeder einen Prozentsatz seines Einkommens dafür bezahlt und nicht einen fixen, für alle gleichen Betrag, ist das nicht gerecht, aber sozial.
    Wenn die Prozentsätze mit der Einkommenshöhe steigen ist das noch weniger gerecht, aber dafür sozial zum Quadrat.
    Wenn jetzt noch viele Bezieher kleiner Einkommen gar nichts zahlen ist das sozial hoch drei und hat mit Gerechtigkeit nicht mehr viel zu tun.
    "Soziale Gerechtigkeit" ist, wie man sieht, ein Widerspruch in sich.
    Dennoch ist das System an sich im Sinne Christlicher Solidarität OK wenn auch die Sätze bereits weit überzogen sind. Weitere Exzesse können getrost unterbleiben.






Zwischen Lügenpresse und Fake News: Eine Analyse orf-watch.at Schafft die Politik ab Europa 2030 Börsen-Kurier (Bezahlte Anzeige) Academia kathtreff.org