2
Gastkommentare

Unsere Demokratie kann nicht undemokratisch gerettet werden

04. März 2026 17:51 | Autor: Christian Klepej
2 Kommentare

Der Schweizer Regisseur und Autor Milo Rau hat mit den »Wiener Prozessen« politische, soziale und kulturelle Verwerfungen in Österreich im Rahmen der Wiener Festwochen 2024 öffentlich »verhandeln« lassen. Im heurigen Februar nun inszenierte er den »Prozess gegen Deutschland« im Hamburger »Thalia Theater«. Dabei ging es konkret um die Fragestellung, soll die »Alternative für Deutschland«, einer Einleitung eines verfassungsrechtlichen Prüfungsverfahrens zu ihrem Verbot unterzogen werden.


Das Format selbst, ich habe die Festwochen damals und auch den aktuellen Prozess via Internet mitverfolgen können, ist ein durchaus kurzweiliges; die Referenten, die als »Ankläger« bzw. »Verteidiger« fungierten, waren recht kontroversiell ausgesucht. Das Publikum vor Ort war – nona – links bis ganz weit links im gesellschaftlichen Spektrum »verortet«. (Als Demokrat verkraftet man sowas mit links).


Eine Rede dieses sich als »Tribunal der Kunst« verstehenden Hamburger Spektakels hat für besondere Resonanz gesorgt: die des Kolumnisten und Schriftstellers Harald Martenstein. Zumindest in einer eher konservativen bis rechtskonservativen »Blase« im Internet. Da wurde sie auf Twitter (jetzt X) zigmal geteilt, diskutiert und in aller Regel über allen Klee gelobt. Als hervorragend, beachtlich, bedeutend oder bemerkenswert. Mir ist sie – jedenfalls bei der ersten Anhörung – gar nicht so bemerkenswert erschienen. Damit wir uns nicht falsch verstehen, ich halte Harald Martenstein für wohl einen der großen Schreiber und Denker deutscher Zunge der Gegenwart und habe die letzten zwanzig, fünfundzwanzig Jahre keinen Text von ihm gelesen, der mich nicht wenigstens ein wenig beeindruckt hätte.

Nicht so bemerkenswert war seine Rede für mich deswegen, weil sie im Grunde eine Aneinanderreihung, stilistisch natürlich gewohnt geschliffen, eine Aneinanderreihung von demokratischen Allgemeinplätzen war. Eine Zusammenfassung also dessen, davon bin ich überzeugt, was jedem Demokraten und jedem, der sich als Demokrat versteht, vollkommene Selbstverständlichkeit sein sollte. Ja, sein muss.

Aber offensichtlich habe ich mich getäuscht. Die Genialität der Ausführungen Martensteins liegt augenscheinlich darin, diese in weiten Teilen unserer Gesellschaft nicht mehr vorhandene demokratische Selbstverständlichkeit dieser Gesellschaft wie einen Spiegel vorzuhalten; diese unglaubliche Diskrepanz zwischen dem, was gesagt, dem, was gedacht, und dem, was getan wird – im eben vor allem linksintellektuellen Milieu – in frappierender Einfach- wie Klarheit aufzuzeigen und zu entlarven. Er hat dabei auch nicht vergessen, darauf hinzuweisen, dass man niemandem mangelndes Wissen oder gar Einfältigkeit vorwerfen dürfe. (Etwa ist es traurig, aber Gewissheit, dass viele junge Menschen heutzutage davon ausgehen, dass die Sklaverei eine Erfindung weißer Europäer oder Amerikaner ist. Und nicht wissen, dass Sklaverei seit Menschenbeginn Bestandteil unserer Gesellschaften auf allen Kontinenten war und in manchen Winkeln der Erde noch immer ist, und dass es weiße Europäer und Amerikaner waren, die die Sklaverei beendet und verboten haben.) Martenstein führt aber zurecht auch aus, dass das beim Prozess anwesende Publikum und vor allem die als »Richtende« fungierenden Personen diesen Überblick über demokratische Grundfesten eigentlich – zumindest zum Gros – haben sollten. Die Rede des Kolumnisten trug übrigens wenig Früchte, die »Jury« stimmte nach Ende des Prozesses für die Einleitung eines Verbotsverfahrens gegen die AfD.

Meine Ersteinschätzung war also falsch, Martensteins Rede war eine mehr als bemerkenswerte. Sie sollte in allen öffentlich-rechtlichen Sendern ausgestrahlt und in den Kanon der im Schulunterricht Verwendung findenden Materialien schleunigst aufgenommen werden.
Inhaltlich kann ich übrigens wenig zur AfD beitragen, ich befasse mich eher ungern mit Sachen, die mir wenig bedeuten, die mir eher unsympathisch daherkommen. Eines aber weiß ich: Wer die AfD verbieten will, kann kein Demokrat sein. Eine solche »Rettung unserer Demokratie« würde den Anfang von ihrem Ende darstellen. Und eines befürchte ich: Die Gefahr für unsere Gesellschaften, für unseren Kontinent, geht– im Wesentlichen – nicht von rechtsextremen Hirngespinsten aus. Ich sehe die Gefahr durch die enormen demografischen Verwerfungen aus einer in ihrer schieren Masse vollkommen irren Migration heraus, und vor allem durch die fürchterliche Mesalliance linksextremer und islamistischer Ideologien. Ich hoffe nichts mehr, als mich dabei zu irren.

 

Christian Klepej ist Unternehmer und gibt in Graz das Monatsmagazin Fazit heraus. Er ist verheiratet, hat zwei Kinder und lebt mit seiner Familie in Hirschegg-Pack und Graz.

Teilen:
  • email
  • Facebook
  • Google Bookmarks
  • Twitter

  1. Pennpatrik
    05. März 2026 15:15

    Die Politiker verachten uns - zurecht. Wenn man jemanden tritt und er bedankt sich dafür mit Unterwürfigkeit - wie soll mach ihn achten?



  2. elokrat1
    04. März 2026 20:30

    Ralph Schöllhammer hat gestern im „exxpress“ einen exzellenten Artikel geschrieben, „Die Partei des Selbsthasses“. Ein Auszug davon, der zu diesem Gastbeitrag passt:
    „Trump bat die Abgeordneten aufzustehen, wenn sie der Aussage zustimmen, dass die erste Pflicht einer Regierung der Schutz der eigenen Bürger ist – und nicht der Schutz illegaler Einwanderer. Fast alle demokratischen Abgeordneten blieben sitzen. Die gefestigte Neigung der Eliten einer Zivilisation, die eigene Kultur, die eigenen Traditionen und das eigene Volk zu verachten“.
    https://exxpress.at/meinung/ralph-schoellhammer-die-partei-des-selbsthasses/






Zwischen Lügenpresse und Fake News: Eine Analyse orf-watch.at Schafft die Politik ab Europa 2030 Börsen-Kurier (Bezahlte Anzeige) Academia kathtreff.org