Mit der Covid-19-Pandemie, respektive den daraufhin von vielen Regierungen ergriffenen Maßnahmen, haben sich die Auseinandersetzungen zwischen Menschen mit unterschiedlichen Sichtweisen deutlich verschärft. Rein sachbezogene, nicht ad personam ausgetragene Dispute werden seither immer rarer. Die nüchterne Abwägung von Argumenten tritt gegenüber der Verteidigung von Glaubensüberzeugungen zurück. Der Riss geht dabei oft mitten durch die Familien. Auch der Klimawandel, der Ukrainekrieg und die dieser Tage gegen das Mullahregime im Iran laufende amerikanisch-israelische Luftoffensive offenbaren einen allgemeinen Verlust am Willen oder an der Fähigkeit, differenziert zu urteilen. Es gibt nur noch schwarz oder weiß.
Wer nicht bedingungslos für Masken- und Impfzwang eintrat, wurde von Politik und Medienhauptstrom als "Gefährder", "Schwurbler" oder "Aluhut" gebrandmarkt. Zweifel am Narrativ einer "Pandemie der Ungeimpften" zu äußern, zog die soziale Ächtung nach sich. Umgekehrt wurde den Regierungen gern pauschal der wohl überzogene Vorwurf gemacht, die Pandemie als Vorwand zu nutzen, um einen totalitären Staat nach Orwellschem Muster zu errichten.
Wer Kritik an der Politik des vormaligen "Comedian" und nunmehrigen Präsidenten der Ukraine äußert, wird taxfrei zum "Putinisten" erklärt. Wer auf die in der Ukraine endmische Korruption hinweist, liefert damit vermeintlich den Beweis für seine Zustimmung zum russischen Angriffskrieg. Auf der Gegenseite offenbart sich dafür ein erstaunlicher Mangel an Empathie für die vielen zivilen Opfer der russischen Aggression.
Ein differenzierter Blick auf den am 28. Februar 2026 losgebrochenen Luftkrieg gegen die den Iran seit 47 Jahren mit eiserner Hand regierenden Islamfaschisten scheint ebenfalls vielen Zeitgenossen unmöglich zu sein. Nicht nur Jürgen Todenhöfer oder Daniele Ganser, deren Passion es ist, alles Böse der Welt in den USA zu suchen und zu finden, sehen im Krieg gegen die Mullahherrschaft ein nicht zu rechtfertigendes Verbrechen. Der flagrante Bruch des Völkerrechts durch diesen Angriffskrieg ist schon allein deshalb zu verurteilen, weil ja sonst auch jede Kritik am Krieg Russlands gegen die Ukraine zur Frace verkommen würde. Nebenbei bemerkt sei, dass der Begriff "Angriffskrieg" ein Pleonasmus ist, weil schließlich jeder Krieg mit einem Angriff durch eine der beteiligten Parteien beginnt! Einen "Nicht-Angriffskrieg" gibt es nicht.
Der liberale Wiener Journalist Christian Ortner hat kürzlich die beachtenswerte These aufgestellt, dass das Völkerrecht offensichtlich schwere Defizite aufweist, indem es ein Verbrecherregime wie jenes, das sich vor 47 Jahren in Teheran etabliert hat, vor seiner Beseitigung von außen schützt. Da ist schon was dran! Denn welcher bei Sinnen befindliche, westlich zivilisierte Mensch kann sich – Völkerrecht hin oder her – für den Fortbestand einer islamfaschistischen Regierung einsetzen, die drauf und dran ist, Atomwaffen zu produzieren, mit denen sie dank weitreichender Trägersysteme Europa und Israel bedrohen und politisch erpressen könnte? Wo bleibt die Solidarität der vielen Regimenter von plötzlich zu Völkerrechtlern mutierten Zeitgenossen mit den von eben diesem Regime unterdrückten oder ermordeten Zivilisten? Zählt die Einhaltung abstrakter Gesetzesregeln tatsächlich mehr als Menschenleben?
Und – das ist der wohl erstaunlichste Aspekt des aktuellen Krieges – die Betonung der eigenen Sicherheitsinteressen Europas scheint für viele seiner Bewohner überhaupt keine Rolle zu spielen! Während die Behauptung Donald Trumps, er müsse die USA vor einer möglichen Bedrohung durch den Iran beschützen, angesichts der geographischen Gegebenheiten ebenso ein Märchen ist wie weiland das von Saddam Husseins angeblich vorhandenen "weapons of mass destruction" wäre die Bedrohung Eurolands durch ein iranisches Atomwaffenarsenal absolut ernst zu nehmen.
Darf man als autochthoner Europäer seinen eigenen Sicherheitsinteressen inzwischen keinen Vorrang mehr einräumen? Falls das so ist, dann liegen die Regierungen der EU mit dem massenhaften Import wehrfähiger Männer aus der Welt des Halbmonds goldrichtig. Dann darf sich Europa auch nicht gegen die Produktion von Waffensystemen positionieren, die sich in der Hand fanatischer Mohammedaner ("Tod Israel, Tod den USA und Tod allen Kuffar") alsbald auch gegen die Alte Welt richten würden.
Wenn die Europäer es allerdings dabei belassen wollen, nicht von einem totalitären Regime in Teheran nuklear bedroht und/oder politisch erpresst werden zu können, dann sollten sie – feminisiert und militärisch impotent, wie sie sind, – den Herren Trump und Netanjahu dafür dankbar sein, dass sie die Mullahs in den Orkus bomben, anstatt mit dem moralisch erhobenen Zeigefinger herumfuchteln.
Der 2020 verstorbene britische Philosoph Roger Scruten würde die von vielen Europäern am israelisch-amerikanischen Krieg gegen die Regierung in Teheran geübte Kritik als Ausdruck einer grassierenden "Oikophobie" gewertet haben, als Folge einer Ablehnung oder gar Verachtung der eigenen Kultur und einer Überhöhung und Verherrlichung alles Fremden. Diese geistige Verirrung ist besonders typisch für linke Intellektuelle, die vergessen haben, auf welchen Fundamenten das christliche Abendland gründet und die als nützliche Idioten der Islamisierung der westlichen Welt Vorschub leisten.
Der Ausgang des Iran-Krieges ist ungewiss. Die vom Iran auf seine Nachbarstaaten abgeschossenen Drohnen und Raketen haben den Bewohnern der arabischen Halbinsel endgültig klargemacht, was vom dortigen Regime zu halten ist.
Überlebt die Herrschaft der iranischen Mullahs die amerikanisch-israelische Militärintervention, haben Europa und Israel durch die Zerstörung großer Teile Irans militärischer Infrastruktur zumindest Zeit gewonnen, in der sie vor Nuklearattacken aus diesem Land sicher sind. Für die USA und deren weltweite Reputation als Supermacht wäre der Fortbestand der islamischen Theokratie indes eine ungeheure Blamage. Für die Regierung Trump wäre ein Debakel bei den für Anfang November des Jahres anberaumten "Midterms" vermutlich unvermeidlich.
Fällt aber die gegenwärtig herrschende Regierung in Teheran doch noch, stellt sich die Frage: "Was kommt danach?" In multiethnischen Staaten wie dem Iran garantiert eine totalitäre Regierung nämlich oft die nationale Einheit, so wie das in Jugoslawien der Fall war. Nach Titos Tod verschärften sich ethnische Konflikte und alsbald beherrschten Chaos und Bürgerkriege das Land. Das könnte auch dem Iran blühen.
Wieder könnte das Völkerrecht auf der falschen Seite der Geschichte stehen – nämlich auf der des Bewahrers des mehrheitlich Unerwünschten. Denn das Völkerrecht schützt grundsätzlich die territoriale Integrität bestehender Staaten. Ein klar geregeltes Sezessionsrecht existiert so gut wie nicht, was den derzeit wiederaufkeimenden Traum der Kurden von einem eigenen Staat rasch wieder beenden könnte.
Fazit: Wir leben gegenwärtig in interessanten Zeiten.
Andreas Tögel, Jahrgang 1957, ist Kaufmann in Wien.












Die Notwendigkeit der langen Einleitung von den getroffenen Gesundheitsmaßnahmen in den Jahren 20-22 bis zum Bombenangriff der Israeli und Ami verstehe ich nicht.
Angriffskrieg ist nicht zwingend ein Pleonasmus. Im Fall der Ukraine führt RU einen Angriffskrieg und die UA einen Verteidigungskrieg. Das kann man auch zum jetzigen Angriff der USA und Israel auf den Iran sagen - die Iraner führen einen Verteidigungskrieg. Den "Angriff" der Israeli auf den Gaza-Streifen wird man wohl schwerlich als Angriffskrieg bezeichnen können, obwohl das Territorium Israels mit der IDF kampfweise überschritten wurde.
Europa wird sich finden müssen. Frank Böckelmann schreibt im Editorial zur Frühjahrsausgabe des Tumult-Magazins über "Das eingeschüchterte Europa und das deutsche Interesse". "Die gut vierzig (!) europäischen Staaten stehen vor der Entscheidung, entweder ein Sammelsurium von Vasallen zu sein oder zur Vermeidung von Elend und Abhängigkeit ihre Kräfte zu bündeln."
Er führt auch aus, dass die Linken in F natürlich den Europäern näher stehen, als die Konservativen auf Thailand, um dann darauf zu kommen, dass die Hofierung der Konservativen in Europa durch die USA ein Spaltkeil in die Gemeinschaft der europäischen Staaten ist.
@ eupraxie
Die Einleitung, die Sie nicht verstehen, bezieht sich in erster Linie auf die Zeit nach der Covid-19-Pandemie und der danach entstandenen Einengung der Diskursbereitschaft. Es gilt seither zunehmen, nur schwarz oder weiß, höchstens noch grau. So habe ich das zumindest verstanden!
Ordnung kann nur dort sein, wo Gerechtigkeit herrscht.
S.g. Hr. Tögel, ein weiterer Beweis für den geistigen Irrweg linker Zeitgenossen.
Trump bat die Abgeordneten aufzustehen, wenn sie der Aussage zustimmen, dass die erste Pflicht einer Regierung der Schutz der eigenen Bürger ist – und nicht der Schutz illegaler Einwanderer. Fast alle demokratischen Abgeordneten blieben sitzen.
Die Neigung der Eliten einer Zivilisation, die eigene Kultur, die eigenen Traditionen und das eigene Volk zu verachten. Der Begriff stammt ursprünglich von Roger Scruton, der ihn als „das empfundene Bedürfnis, die Bräuche, die Kultur und die Institutionen herabzusetzen, die erkennbar die unseren sind” definierte. Der vollständige Artikel von Ralph Schöllhammer auf „Express“
https://exxpress.at/meinung/ralph-schoellhammer-die-partei-des-selbsthasses/