Wie lange lassen sich die angeblich liberalen NEOS-Mitglieder das noch gefallen? Jetzt hat er nämlich tatsächlich nachgelegt, der österreichische Unterrichtsminister, und knallte die urmarxistische Forderung nach der Gesamtschule zur Zwangsversumperung der Begabten auf den Tisch. Der NEOS-Politiker Christoph Wiederkehr positioniert sich nun regelmäßig links von Vizekanzler Andreas Babler, den die "Kronen Zeitung" bekanntlich täglich mit dem Zusatz "linkslinker" Sozialdemokrat versieht.
Sechs statt vier Jahre sollen lernfähige und lernwillige Kinder mit den schwächsten Gliedern des Bildungsgeleitzugs zusammengepfercht werden. Bis Österreich endlich unter das Bildungsniveau der schwächsten Staaten Afrikas und Asiens sinkt.
Von der zusätzlichen Problematik der Wiener Volksschulklassen, in denen viele oder fast alle Insassen dem Unterricht schon sprachlich nicht folgen können, gar nicht zu reden.
Nun sollen in einer unwiederbringlichen Lebenszeit mit hoher Aufnahmebereitschaft und vorhandener Motivation junge Menschen in eine ideologisierte Gleichmacherei gepresst werden, bis der Saft von Talent, Fleiß und Lernfreude in der Gosse der geistigen Trostlosigkeit versickert, während in Indien und China und in den USA und in vielen Staaten der globalisierten Welt die Begabtenförderung zum Raketenantrieb der wissenschaftlichen, wirtschaftlichen und künstlerischen Erfolge geworden ist.
Dabei ist die Gesamtschulidee aus der linksideologischen Mottenkiste in zahlreichen Versuchen im deutschsprachigen Raum längst kläglich gescheitert. Es sind schon bald zwanzig Jahre her, dass das Max-Planck-Institut für Bildungsforschung festgestellt hat: Begabungsschwache Schüler profitieren nicht davon, dass alle Schüler einer Altersgruppe den gleichen Unterricht erhalten; die späte Differenzierung bremst die Entwicklung von Schülern, die sonst bereits das Gymnasium besuchen könnten, erheblich und nachhaltig. Auch der Gesamtschule gelingt es nicht, den Zusammenhang zwischen sozialer Herkunft und Schullaufbahn aufzuheben. Gesamtschüler stellen den überwiegenden Teil der deutschen Studienabbrecher. Die Gesamtschule leistet keinen Beitrag zu einer sozial gerechten Schule.
Was "liberale" Politik in ihrem schlampigen Verhältnis zum Marxismus nicht zur Kenntnis nimmt.
Die nivellierende Gesamtschule ist innerhalb kürzester Zeit der zweite Angriff des Unterrichtsministers auf das heimische Bildungssystem, das heißt auf die junge Generation unseres Staates, und das heißt wiederum auf den Staat Österreich.
Der erste Tiefschlag war bereits die Kampfansage an den Lateinunterricht.
Man kann verstehen, dass viele deren Folgen nicht verstehen. Aber drei Nobel-Preisträger, Ärzte, Intendanten, Altpolitiker, alle drei Köpfe größer (so der Kulturjournalist Heinz Sichrovsky in einer Glosse), und viele verantwortungsbewusste Persönlichkeiten vieler Fachgebiete empfahlen in den letzten Wochen ultimativ, die Finger vom humanistischen Erbe zu lassen.
Latein ist der Humus, auf dem die gesamte europäische Kultur gewachsen ist und heute immer noch ihre Kraft schöpft. Es gibt kein west-, süd- oder mitteleuropäisches Kulturzentrum ohne vielfache Verflechtung mit der Antike. Latein durchdringt etliche Sprachen, nicht nur die romanischen, sondern auch das Englische, das Latein zwar nicht gesprochen, aber geschrieben am präzisesten übernommen hat. Vom Deutschen soll hier nur auf Butter und Fenster hingewiesen werden.
Das römische Recht bildet heute noch die Grundlage vieler Rechtssysteme. Auch im 21. Jahrhundert wird das römische Recht noch genutzt. Der Europäische Gerichtshof hatte im 20. Jahrhundert einige seiner Rechtssätze als allgemeine Rechtsgrundsätze eingeordnet.
Die Einschränkung oder gar Abschaffung von Latein beschleunigt den ohnehin galoppierenden Schwund der politischen Bedeutung Europas.
Latein ist vor allem die unersetzliche Schule des folgerichtigen Denkens. Ein Grazer Universitätsprofessor für Strafrecht erzählte einmal, dass ihm niemand aus seiner Studentenschar die vorhandenen Lateinkenntnisse zu verraten brauche – er merke das nach einem kurzen Gespräch.
Latein lernt man nicht, um auf der Insel Lateinia korrekt eine cervisia (ein Bier) zu bestellen. Neben der Wissensvermittlung erzieht die Sprache zur Selbständigkeit, zum Eigenwert, zur Entscheidungskraft, zum Vermögen des Überblicks, zur Einsicht in die Zusammenhänge und zu einem stimmigen Weltbild. Daraus nichts zu mitzunehmen, liegt nicht am Latein.
Der Mittelschüler-Kartell-Verband sah in einer Stellungnahme Anfang Februar 2026 Latein nicht als Traditionsballast, sondern zentral für Sprachbildung, analytisches Denken und fundiertes Verständnis von Recht, Wissenschaft und Demokratie.
Bedeutende Schreiber aller Fachgebiete übersetzten immer schon komplizierte deutsche Sätze zwar nicht vokabelmäßig, aber grammatikalisch zunächst ins Lateinische. Und mehr Menschen, als der Stammtisch für möglich hält, lesen regelmäßig bis täglich Latein, um geistig fit zu bleiben.
Natürlich soll in der Schule auch Künstliche Intelligenz gelehrt werden, aber diese nützt jenen Natürlichen Unintelligenten nichts, die nicht gelernt haben, die 45-prozentige Fehlerquote der KI zu durchschauen.
Der Applaus derer, die sich in der Schule überfordert fühlten, wird sich verflüchtigen, wenn diese in einem Staat ohne qualifizierte Führungselite leben müssen.
Laut dem früheren Salzburger Landeshauptmann Wilfried I. Haslauer lautet die Frage nicht, was der Mensch mit Latein macht, sondern was Latein aus dem Menschen macht.
Vor einigen Jahren schockte eine 14-jährige Berliner Schülerin ihre Familie mit der Wahl Lateins statt einer lebenden Fremdsprache für die Oberstufe. Sie begründete ihre Entscheidung damit, dass 2000 Jahre lang die Europas Schicksal bestimmenden Männer Latein gekonnt hätten und hielt das für keinen Zufall.
Der erwähnte Glossator Heinz Sichrovsky schrieb am 8. Februar zu Christoph Wiederkehr:
"Er selbst, sagte der Minister in der ZIB 2, habe sechs Jahre Latein gelernt, genützt habe es ihm nichts. Das glaube ich unhinterfragt. Nur allzu offensiv zugeben, würde ich es an seiner Stelle nicht."
Das liest sich nicht nur wie ein vernichtendes Nichtgenügend. Das ist eines.
In Zeiten politischer Hochkultur sind nach solchen Zensuren in den Medien Minister zurückgetreten.
Willi Sauberer, Schüler Hugo Portischs, war ab 1961 Mitarbeiter von Alfons Gorbach, Josef Klaus und Hermann Withalm und von 1971 bis 1994 Chefredakteur einer kleinen Salzburger Tageszeitung. Der konservative Publizist schreibt vorwiegend über gesellschaftspolitische, zeithistorische und lokal-geschichtliche Themen.












Lieber Kbr.!
Vielen Dank für Deine wahren, wichtigen doch leider weitgehend ungehörten Worte.
Lieber Herr Prof. Willi Sauberer!
Ich kann Ihnen nur voll zustimmen. Ich habe – nachdem ich schon in der Wirtschaft erfolgreich tätig war – im z weiten Bildungsweg die Matura nachgeholt. Dies weil ich mit 19 Jahren schon ein Großunternehmen bilanziert habe und der Auffassung war, dass dies doch nicht das Ende der Fahnenstange sein kann. Obwohl Wissenschafter, brauche ich im Alltag meiner Sparte kaum Latein noch eine über die über die Grundrechnungsarten hinausgehende Mathematik. Nichts aber hat mein Denken mehr geschult als die beiden Fächer.
Dass der Minister sagte, dass er sechs Jahre Latein gelernt, aber es ihm nichts genützt habe, offenbart seine geistige Qualität.
Was ich mich frage:
Ich kenne einige Neos-Anhänger persönlich. Obere Bildungsschicht, beruflich sehr erfolgreich ...
Wie konnte es geschehen, dass ihre Partei dein Ungeeignetesten zum Chef am Minoritenplatz machte?
Wer sind die Verantwortlichen für diese ruinöse Fehlentscheidung?
Wollte Frau Meinl-Reisende nur ja keinen Konkurrenten neben sich auf der Regierungsbank?
Zustimmung dem Autor in allen Punkten! Mehr als nachdenklich macht allerdings, dass der UM offenbar völlig blauäugig und ohne den Informationsgehalt seiner Aussage in Hinblick auf naheliegende Schlussfolgerungen vorab zu prüfen, von sich behauptet, dass er selbst sechs Jahre Latein gelernt, es ihm aber nichts genützt habe.
„Si tacuisses…….“!
Nach dem Aufbrechen der verkrusteten Rot - Schwarz Koalition haben sich die NEOS auf einen Weg begeben, der sie hurtig in die Bedeutungslosigkeit fohrt. Für die bestehende Koalition haben sie sich sogar zum Steigbügelhalter gemacht.
Auch in das Latein hatten sich über die römischen Jahrhunderte hin mächtige Kategorien der Vernunft eingenistet, die, (wie die Nährstoffe in der Baby-Milch), gegen die unausgesprochenen Denkverbote der Religion(en) aufbegehrten und den Aberglauben der Staatsreligion bekämpften.
Mehr noch wären Vernunftkategorien im Griechischen der antiken Philosophie, von der auch Senecas Stoa noch lernte, zu finden und unbewußt (sprachgewohnheitlich) einzuüben (gewesen). Aber das Griechische wurde geschliffen und das Latein soll in das große Grab der toten Sprachen nachfolgen. Barbarische Zeiten sind angebrochen. Sie nennen sich (noch) neuintelligente Zeiten.
.. wurde geschleift ....
@ Politicus1
Und Fr. Bauer, ex Fr. Plakolm. Jung dynamisch, zielstrebig, konsequent. Ich vermut sie wird nicht lange in der Politik bleiben, ähnlich wie Fr. Sachslehner.
Hätte unter Politicus1-Kommentar landen sollen!
Zustimmung
" wenn diese in einem Staat ohne qualifizierte Führungselite leben müssen."
Nicht wenn - wir müssen schon heute in einem Österreich ohne qualifizierte Führungselite leben!
Einzige Ausnahme sehe ich nur in der Verteidigungsministerin Tanner.
Herrn Sauberer kann man nur völlig beipflichten. Man muss ihm dankbar sein, dass er den heutigen Politikertypen überhaupt noch Aufmerksamkeit schenkt. Dass muss sicherlich der Tiefpunkt seiner Beobachtungen sein.