Ganze 25 Jahre lang wurde zwischen Euroland und den südamerikanischen Mercosur-Staaten Brasilien, Argentinien, Uruguay und Paraguay um die Endfassung eines Freihandelsvertrages gerungen. Nachdem Brasiliens Präsident Luiz Inácio Lula da Silva im Vorjahr der EU unverhohlen damit gedroht hatte, das lange geplante EU‑Mercosur‑Abkommen scheitern zu lassen, falls es nicht endlich besiegelt werde, kam es am 17. Jänner dieses Jahres in Paraguay seitens der EU zur Unterzeichnung. Mit diesem Abkommen wird eine gemeinsame Wirtschaftszone für 700 Millionen Bürger geschaffen.
Prompt und nicht unerwartet kam es in der Folge zu Bauernprotesten in einigen EU-Staaten, namentlich in Belgien, Frankreich und Österreich. Die Landwirte befürchten – wohl nicht ganz zu Unrecht – eine übermächtige Konkurrenz der Südamerikaner, namentlich auf dem Gebiet der Rindfleischproduktion.
Grundsätzlich liegt es auf der Hand, dass von politischen Eingriffen verschonter Freihandel einer hoheitlich gelenkten Plan- und Kommandowirtschaft vorzuziehen ist. Die Betriebe wissen in jedem Fall besser, was ihnen guttut, als wirtschaftsferne Bürokraten. Kein Mensch würde deshalb Verständnis dafür haben, beispielsweise Zollbarrieren und andere Handelshemmnisse zwischen Hamburg und München zu errichten, wie sie vor der Errichtung des Deutschen Zollvereins 1834 gang und gäbe waren. Nach dem Wegfall der Handelshemmnisse kam es damals zu einem bemerkenswerten Wirtschaftsaufschwung.
Wenn innerhalb einzelner Staaten keine politisch oktroyierten Wirtschaftshemmnisse bestehen – weshalb sollte das dann bei grenzüberschreitenden Handelsbeziehungen der Fall sein? Warum müssen freie Unternehmer auf die Befindlichkeiten von Politkern und Bürokraten Bedacht nehmen oder gar erst um Lizenzen betteln, um Handelsbeziehungen mit Partnern aufnehmen zu dürfen, die sich jenseits der Landesgrenzen befinden?
Die russisch-amerikanische Philosophin und Erfolgsautorin Ayn Rand äußerte sich zu dieser Frage wie folgt:
"Wenn Sie sehen, dass Geschäfte nicht mehr freiwillig abgeschlossen werden, sondern unter Zwang, dass man, um produzieren zu können, die Genehmigung von Leuten braucht, die nichts produzieren, dass das Geld denen zufließt, die nicht mit Gütern, sondern mit Vergünstigungen handeln, dass Menschen durch Bestechung und Beziehungen reich werden, nicht durch Arbeit, dass die Gesetze Sie nicht vor diesen Leuten schützen, sondern diese Leute vor Ihnen, dass Korruption belohnt und Ehrlichkeit bestraft wird, dann wissen Sie, dass Ihre Gesellschaft vor dem Untergang steht" (Quelle siehe hier).
Ökonomische Binsenweisheit: Handelsbeziehungen werden nur dann aufgenommen, wenn alle daran Beteiligten sich Vorteile ausrechnen, andernfalls würden sie ja unterbleiben. Mit welchem Recht also fallen Politiker und Bürokraten privaten Unternehmen in den Arm, wenn die sich auf internationale Geschäftsbeziehungen verständigen? Wie kommen Produzenten dazu, sich von Nichtproduzenten – parasitär lebenden Politikern und Bürokraten – in die Suppe spucken zu lassen?
Wenn eine Kritik am EU-Mercosur-Pakt berechtigt ist, dann die, dass um Freihandelsbeziehungen erst jahrzehntelang von Regierungen gefeilscht werden muss. Ein Freihandelsabkommen braucht auch kein tausenden von Seiten kleingedruckter Regeln zu enthalten, sondern sollte genau sieben Worten umfassen: "Sämtliche Zölle und andere Handelsbarrieren sind abgeschafft" (wie das Wirtschaftsnobelpreisträger Milton Friedman einst sinngemäß angemahnt hat).
Zölle entfalten auf mehrere Weise nachteilige Wirkung auf die Wirtschaft: So ist es offensichtlich, dass Zölle einerseits einigen Unternehmen (beispielsweise den Stahlproduzenten) nutzen, die dadurch vor internationalem Wettbewerb geschützt und damit gegenüber anderen Betrieben privilegiert werden, während die auf die von diesen gelieferte Produkte angewiesenen Kunden sich mit höheren Preisen und möglicherweise schlechterer Qualität abfinden müssen. Andererseits wird die Regierung durch die Möglichkeit, Zölle zu erheben, in die Lage versetzt, bestimmte, ihr aus welchen Gründen auch immer, nahestehende Betriebe zu begünstigen, was erhebliche Korruptionsanreize schafft.
Außerdem bewirken die Zölle eine Umverteilung weg vom produktiven Sektor hin zum wesenhaft unproduktiven Staat. Damit werden einerseits Investitionsmöglichkeiten und -Anreize für die Unternehmen reduziert und anderseits wird die Staatsbürokratie weiter aufgebläht, da die Zölle ja durch Beamte eingetrieben und abgerechnet werden müssen.
Wie bereits ausgeführt, ist der Abbau von Handelshemmnissen immer von Vorteil und das gilt natürlich auch für das Abkommen zwischen der EU den Mercosur-Staaten Südamerikas. Allerdings wird es hochinteressant sein zu sehen, wie und in welcher Höhe etwa die den europäischen Landwirten in Aussicht gestellten "Kompensationszahlungen" ausfallen werden, mit denen sie ruhiggestellt werden sollen. Bei diesen zusätzlichen Subventionen handelt es sich ja um ein klassisches Beispiel für die Konsequenz einer Interventionsspirale, denn hätte die EU die europäischen Bauern nicht mit einer derart unglaublichen Fülle von Geboten, Verboten und Bürokratieanforderungen zugemüllt und damit um ihre Wettbewerbsfähigkeit gebracht, müssten sie die überseeische Konkurrenz auch nicht so fürchten wie der Teufel das Weihwasser.
Andreas Tögel, Jahrgang 1957, ist Kaufmann in Wien.












@ Ingrid Bittner
Das AMA Gütesiegel sollte nicht überbewertet werden. Man erinnere sich z.B. an die horrenden Missstände in einem Geflügelhof, der AMA- zertifiziert und -ausgezeichnet war.
Sorry, disloziert. Hätte zum Subkommentar von Ingrid Bittner gehören sollen.
So schnell kann´s gehen: Am Montag geschrieben, und am Mittwoch schon wieder überholt. Mit der Verweisung des Vertagens an den EuGH zur Überprüfung, ist, angesichts der seltsamen Figuren die dort hocken, die Chose wohl gestorben. Die Südamerikaner werden nicht hinnehmen, dass nach 25 Jahren Feilscherei nun noch ein paar Jahre vergehen, bis die Richter - vielleicht - grünes Licht geben. Nichts könnte die Schwäche der EU besser dokumentieren, als diese Farce.
Europaxie hat recht - der Konsument sollte darüber informiert werden, was er kauft. Allerdings wird das für viele Verbraucher (nicht unbedingt für die auf diesem Blog versammelten) keinen Unterschied machen, da sie ohnehin immer nur auf den Preis schauen (müssen!). Und - ehrlich gesagt - MIR ist es vollkommen egal, ob mein Steak aus dem Waldviertel oder aus Argentinien kommt, solange die Qualität stimmt. Denn "Made in Austria" garantiert ja keineswegs immer beste Güte.
"Denn "Made in Austria" garantiert ja keineswegs immer beste Güte."
Herr Tögel, sie enttäuschen mich! Offenbar haben sie absolut keine Ahnung, wie unsere Bauern kuoniert werden. Die AMA überprüft auf Teufel komm heraus und das AMA-Gütesiegel wäre schon verlässlich, wenn denn immer nur Fleisch auf den Teller käme, das das AMA-Gütesiegel hat.
Recherchieren sie doch einmal, wieviel Geld die AMA lukriert.
Und ein so gut dotiertes Prüfinstitut sollte keine qualitativ hochwertige Waren garantieren?
Sie mögen Recht haben. Man sollte dann der Freiheit des Händlers die Freiheit des Konsumenten beistellen. Das ist dann möglich, wenn klar ausgezeichnet ist, woher das begehrte Gut kommt. Also Fleisch aus Brasilien, geschlachtet und verpackt i Ö oder zur Gänze aus Brasilien. So hat der Konsument die Möglichkeit, eine Rückmeldung mit der Geldbörse nach seinen Präferenzen.
Der Konsument wird zu Recht misstrauisch da mit halben Informationen versorgt - warum? - wenn eben nicht die wesentlichen Details aufscheinen. Herkunft Ö reicht, wenn mehr als 50% der Wertschöpfung in Ö erfolgt. Was immer dies ist.
@eupraxie: mir hat das ein Wirtschaftsprüfer einmal so erklärt:
stell dir einen BH vor, der zur Gänze in Indien (z.B.) erzeugt wird, nur die beiden Träger ( je eine 1cmNaht ) werden in Österreich angenäht, dann erfolgt damit die Endfertigung in Österreich, damit "made in Austria".
Sehr plastisches Beispiel:-)) dann ist das ja noch schlimmer als ich bislang wusste.