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Gastkommentare

Etwas Philosophiegeschichte seit Herder, Kant und Hegel

04. Januar 2026 18:02 | Autor: Leo Dorner
3 Kommentare

Herder als Bindeglied zwischen Kant und Hegel? Diese These ist schon historisch-chronologisch kaum möglich und dennoch nicht ohne Argument: Denn Herder setzt auf die Wissenschaften der Natur, die in seinen Tagen große Fortschritte machten. Zugleich ist er nicht geneigt, seinen Glauben an einen "übergreifenden" Gott, dessen "Methode" entweder noch oder für immer unbekannt bleiben wird, aufzugeben. So entgeht er Hegels logizistischem Gott, der meinte, sein absoluter (Vernunft-)Begriff habe auch alle Offenbarungsreligionen "im Griff" des Begriffs unter sich. 

Und er entgeht den Denkverboten der Kirche(n) und dem Wahn einer Offenbarung, die alle Anerkennung neuer Wahrheiten auf den Index verbotener (gottloser) Gedanken bugsierte.  Denn eine und nur eine Wahrheit zu wissen, sei dem sterblichen Mensch nötig und dienlich: dass durch einen Menschen die Sünde in die Welt gekommen und durch einen anderen, durch einen jungfräulich geborenen Gottmenschen, wieder aus der Welt hinausgeschaffen wurde. Ein Wundergeschehen, dass Hegel unter die Emanation der Vernunft des Begriffes subsumierte:  Indem er diese als Grund jener "begriff", eine Vernünftigung des Glaubens, die nicht zur Aufklärung der Irr- und Wirrdogmen der Offenbarungsreligion beitrug, und bei Goethe weder eine Rückkehr in die Kirche noch einen Eintritt in eine der Hegelschen Schulen bewirkte.     

Der Preis für diese Entwicklung um 1830 war zunächst, dass Hegels Philosophie und Theologie nicht die des Aquinaten ablösen konnte:  Ein Schein von Ablösung entstand, den die Schulen Hegels, insbesondere die Theologen in ihnen, durch unlösbare Streitfragen büßten. Ein weiterer Preis, war, dass Hegel die Natur aller Naturen frei vom Evolutionsprinzip zu halten versuchte, obwohl sein eigenes System nicht ohne den Begriff der Entwicklung möglich ist.  An die Emanation der absoluten Idee als eigener Vernunft-Offenbarung ist aller philosophische Glaube erloschen.  Und dennoch wäre die Menschheit rettungslos verloren, würde sie unterm Diktat einzelner Wissenschaften deren fanatischen Ideologisierungen folgen, wie sich an der aktuellen Zertrümmerung der Vernunft in viele Vernünfte zeigt.   

Ein letzter Preis des logischen "Vernunft-Systems", der aber nicht auf Hegels persönliches Konto geht, war die Verabsolutierung der Ökonomie, vulgo Wirtschaft, zum weltbegründenden System schlechthin. Eine linke Schule entstand, der das diabolische Duo Marx und Engels entsprang. "Der Unterbau macht allen Überbau", und nur, wer dies erkennt und alles Opium von Religion und Philosophie hinter sich lässt, darf und soll die Entwicklung einer erstmals freien Menschheit anfangen.

 

Leo Dorner ist ein österreichischer Philosoph. 

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  1. Hr. Zyni
    07. Januar 2026 09:47

    Indessen haben sich "wissenschaftliche" Diziplinen durchgesetzt, unter dem Primat der Politik, die eine Coulronisierung der Debatte ausgelöst haben, gegen die jeglicher religiöse Popanz so ernsthaft wie eine Diskussion von Anhängern des Stagyriten aussehen würde.



    • rowischin
      07. Januar 2026 10:25

      Was ist Coulronisierung?



    • Leo Dorner
      07. Januar 2026 12:06

      Ja, und dieses Muster ist historisch bekannt: Unzählige Wissenschaften sprangen nach 1917 auf den fahrenden Zug der Partei auf, darunter auch der „Sprachwissenschaftler“ Stalin, der Literaturwissenschaftler Lukacs, um nur diese beiden zu nennen...

      “Primat der Politik“ meint daher: die jeweiligen Ideologien, die sich öffentlich durchgesetzt haben, indem sie Intellektuelle und vor allem hörige Massen vergatterten. „Farbspiegelverkehrt“ dasselbe Spiel im Deutschland der 30er Jahre. Und beides ist mehr und anderes als “Kolonisierung“. Interessant noch, daß beide Ideologien, obwohl extrem gegensätzlich, Darwins Lehre zu „kolonisieren“ versuchten.

      Daß die Kirchen der Gegenwart die Lehre von den Menschenrechten zu kolonisieren („verheiligen“) versuchten, wurde ihnen zum Verhängnis.






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