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Gastkommentare

Wirtschaftliche und andere Freiheiten

28. Dezember 2025 22:16 | Autor: Andreas Tögel
1 Kommentare

Seit 1995 veröffentlicht die konservative US-amerikanische Denkfabrik "Heritage Foundation" zusammen mit dem Wall Street Journal einmal jährlich den internationalen "Index of Economic Freedom" (siehe Link hier). Der 2025-Report bietet einen Überblick über die wirtschaftliche Lage von 176 Ländern. Die ersten fünf Plätze belegen Singapur, die Schweiz, Irland, Taiwan und Luxemburg. Am Ende der Skala stehen der Sudan, Simbabwe, Venezuela, Kuba, und Nordkorea.

Zehn in vier Hauptkategorien unterteilte Kriterien bilden die Bewertungsgrundlage für den Index: Das Rechtsstaatsprinzip (Eigentumsrechte, Korruptionsfreiheit), die Regierungsgröße (Steuerlast, Höhe der Staatsausgaben), die Regelungseffizienz (Geschäftsfreiheit, Arbeitsfreiheit, Geldverkehrsfreiheit) und die Marktoffenheit (Handelsfreiheit, Investitionsfreiheit, Finanzfreiheit). Jede Kategorie wird in einer hundert Punkte zählenden Einteilung erfasst. Das aus den zehn Teilergebnissen errechnete arithmetische Mittel wird auf einer hundertteiligen Skala dargestellt (100 ist der Bestwert).

Wie auch in den zurückliegenden Jahren ist die Korrelation zwischen der herrschenden wirtschaftlichen Freiheit und dem Wohlstandsniveau nicht zu übersehen. Stabile Eigentums- und Rechtsstaatsverhältnisse und die Möglichkeit, frei zu wirtschaften, schaffen mehr Prosperität als totalitäre Planwirtschaften oder chaotische "Failed States". Manchen linken Phantasten, die Venezuela oder Kuba für "sozial gerechte" Wunderländer halten, will sich diese Erkenntnis bis heute nicht erschließen.

Noch nie hat Migration in sozialistische Musterstaaten wie Nordkorea, Venezuela oder Simbabwe stattgefunden. Wanderungsbewegungen laufen in umgekehrter Richtung – in prosperierende Staaten des kapitalistischen Westens.

 Die internationalen Migrationsbewegungen konzentrieren sich, dank strikter Immigrationsregeln in den klassischen Einwanderungsländen USA, Kanada, Australien und Neuseeland, auf die EU (mit Ausnahme der Visegrád-Staaten). Dank der geringen Produktivität schlecht (aus-)gebildeter Zuwanderer steht zu befürchten, dass sich das Ranking der am stärksten von der Migration betroffenen Staaten Europas künftig verschlechtern wird. Auch wenn die Massenimmigration nicht der einzige Grund dafür sein mag: Deutschland, im Jahr 2024 noch auf Rang 18, hat vier Plätze verloren und rangiert heuer auf Platz 22.

Österreich belegt den 32. Platz, wobei die sehr schlechten Wertungen in den Kategorien "Steuerlast" und "Staatsausgaben" eine bessere Platzierung verhindern.

Wirtschaftliche Freiheit bedeutet viel, aber nicht alles. Manche ziehen, wenn sie vor die Wahl gestellt werden, die sexuelle Freiheit der wirtschaftlichen Freiheit vor. Das US-Mises-Institut hat sich in einem kürzlich erschienen Artikel mit der Arbeit "Sexuelle Freiheit und ihre Auswirkungen auf Wirtschaftswachstum und Wohlstand" von Feler Bose auseinandergesetzt (hier). Demnach ergänzen wirtschaftliche und sexuelle Freiheit einander nicht, sondern konkurrieren miteinander. Kurz und vereinfacht zusammengefasst, geht das Streben nach wirtschaftlicher Freiheit mit einer niedrigen Zeitpräferenz einher. Die Präferenz für die sexuelle Freiheit korreliert dagegen mit einer hohen Augenblicksorientierung. Da eine hohe Zeitpräferenz mit einer Erosion des Kapitalstocks Hand in Hand geht, ist damit ein langfristiger Wohlstandverlust programmiert. Da Linke, wenn sie an Freiheit denken, eine unterhalb des Gürtels meinen, verwundert es auch nicht, dass sie in aller Regel wirtschaftliche Versager sind und unentwegt nach Umverteilung rufen.

 Unter diesem Aspekt betrachtet, erscheinen die großen wirtschaftlichen Erfolge sexuell repressiver, puritanischer Gesellschaften (Niederlande im 17. Jahrhundert, England im 18. Jahrhundert) plausibel. Salopp formuliert: Wenn im Bett nichts läuft, konzentriert man sich zum Ausgleich aufs Geldverdienen. Mit den Worten des Ethnologen und Anthropologen J. D. Unwin: "Wenn sexuelle Gelegenheiten minimiert werden, sind wirtschaftliche und kulturelle Fortschritte die Folge, und das herausragende Merkmal der ganzen Geschichte ist ihre ungebrochene Monotonie."

Eine entscheidende Voraussetzung für den wirtschaftlichen Erfolg und damit den Wohlstand der Nationen haben Richard Lynn (emeritierter Professor für Psychologie in Ulster) und Tatu Vanhanen (Politikwissenschaftler in Helsinki) in einer 2002 erschienenen, international angelegten Studie gezeigt (hier nachzulesen). Vereinfacht zusammengefasst: Die höchsten Einkommen und Vermögen werden in den Ländern gemessen, in denen Menschen mit den höchsten Intelligenzquotienten leben, während am untersten Ende der Wohlstandsskala jene Länder rangieren, in denen die am wenigsten intelligenten Menschen leben.

Allerdings reicht die unterschiedliche Intelligenzverteilung alleine nicht aus, um die internationalen Wohlstandsunterschiede zu erklären. Zwischen den Einkommen und Vermögen der Bürger der Bundesrepublik einerseits und jener der DDR andererseits existierten gewaltige Differenzen, die durch Unterschiede der Intelligenz rechts und links der Mauer nicht erklärt werden konnten. Dasselbe gilt heute noch für Nord- und Südkorea. Warum auch sollten südlich des 38. Breitengrades gescheitere Menschen Leben als nördlich davon?

Intelligenz ist daher eine zwar notwendige, aber nicht hinreichende Voraussetzung für materiellen Wohlstand. Welcher Faktor ist es also – neben der Intelligenz –, der Mangel und Überfluss maßgeblich bestimmt? Es ist ganz offensichtlich, siehe den "Index of Economic Freedom" der Heritage Foundation, die wirtschaftliche Freiheit – und die geht weder mit der durchschnittlichen Intelligenz der Bewohner eines Landes noch mit der politischen Freiheit Hand in Hand, wie vielfach geglaubt wird.

Ein für liberale Gesellschaften ebenfalls wichtiger Faktor ist die Meinungs- und Redefreiheit, die sich seit Jahren – insbesondere seit der Corona-Pandemie – auf dem Rückzug befindet. Der Philosoph und Autor Richard David Precht hat dem Phänomen Meinungsfreiheit soeben ein Buch gewidmet (siehe hier). Er konstatiert darin, dass in Deutschland und Österreich gegenwärtig nur noch eine Minderheit der Bürger glaubt, ihre Meinung frei äußern zu können. Inwieweit diese gefühlte Unfreiheit sich künftig auch auf die wirtschaftliche Freiheit und damit auf das herrschende Wohlstandsniveau auswirken wird, ist gegenwärtig noch nicht absehbar. Positive Impulse sind von einem gefühlten oder tatsächlichen Rückzug der Redefreiheit aber mit Sicherheit nicht zu erwarten.      

 

Andreas Tögel, Jahrgang 1957, ist Kaufmann in Wien.

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  1. rowischin
    29. Dezember 2025 20:13

    Dem ist nichts hinzuzufügen, außer, dass wirtschaftliche Freiheit gepaart mit Fleiß und Intelligenz, das Optimum ist.






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