Laut einer aktuellen Umfrage von »oe24« stürzt die Regierungskoalition in Wien weiter ab, und die drei Parteien sollen gemeinsam schon unter 50 Prozent liegen. Damit geht es ihnen noch schlechter als dem wirtschaftlich maroden Österreich. Nun darf man die Aussagekraft einer oe24-Studie nicht überbewerten, der Trend ist aber angesichts der mehr als unterdurchschnittlichen »Performance« der Bundesregierung von ÖVP, SPÖ und Neos schlüssig. Die Persönlichkeitswerte von Kanzler Christian Stocker und Vizekanzler Andreas Babler in der fiktiven »Kanzlerfrage« sind dabei desaströs. Stocker kommt auf peinliche 16 Prozent, Andreas Babler unterbietet das locker mit 13 Prozent. Man möchte meinen, die Regierung hat sich schon lange in den Advent verkrochen, um sich in Ruhe und Besinnung ins neue Jahr zu retten.
Inhaltlich ist mir aus den letzten Tagen die »Grundsatzrede« von Neos-Bildungsminister Christoph Wiederkehr in schlimmer Erinnerung. Mit einem als »Plan Z« bezeichneten Programm möchte er unser Bildungssystem (wieder einmal) umkrempeln und moniert unter anderem tatsächlich, dass Österreichs Schüler »zu viel lernen« würden. Allgemeinbildung und eine ordentliche Vorbereitung auf das echte Leben scheinen ihm damit von untergeordneter Bedeutung. Er versteigt sich in Digitalwortblasen und meint mit der oftmaligen Erwähnung von »KI« und sonstigem gerade modischen Schnickschnack unsere Kinder »besser auf das Leben vorbereiten« zu können.
Das ist grober Unfug. Ich war etwa 16 Jahre alt, als der Macintosh-Computer von Apple hierzulande eingeführt wurde. Ich hätte gerne diesen Computer gehabt, aber ich wusste damals schon, dass ich die hohe Summe von über 60.000 Schilling, die der gekostet hätte, meinen Eltern nicht abverlangen konnte. (Zudem wollte ich mir die Aussicht auf einen Golf mit 18 Jahren nicht verbauen.) Also habe ich, als Schüler einer AHS und in der Oberstufe einer BHS, die Handbücher dieses Computers und aller wichtigen – und zur damaligen Zeit vor allem für Grafik und Design epocheverändernden – Programme gelesen und studiert. Als ich dann einige Jahre später, nach der Handelsakademie, meine Selbständigkeit beginnend, das erste Mal vor einem solchen Computer gesessen bin, konnte ich ihn sofort perfekt und allumfassend bedienen.
Das Apple-Betriebssystem, auf dem heute im Grunde alle Computer mehr oder weniger basieren (sehr vereinfachend dargestellt, IT-Experten mögen mir das verzeihen), hatte damals wie heute nichts anderes gemacht, als die reale Welt auf einem Bildschirm – in der digitalen Welt also – zu simulieren. Bis zum heutigen Tag – auch jedes moderne Telefon funktioniert nach diesen Prinzipien, – zehre ich von Wissen und Techniken, die ich aus Büchern gelernt hatte. Buchwissen also, das der Bildungsminister weiter einschränken will. Er glaubt, damit den Stein der Weisen gefunden zu haben. Wenn man möglichst von klein auf Doktor Google fragen kann, wäre man schon für das Leben vorbereitet.
Das Gegenteil ist wahr, unsere Kinder sollten so lange wie möglich im schulischen Betrieb auf den Einsatz digitaler Medien verzichten dürfen. (Selbstverständlich gilt das dann nur noch bedingt für die Oberstufe.) Kinder werden durch die allgegenwärtigen Smartphones und sonstigen Spielkonsolen ausreichend in der Bedienung solcher Geräte geschult; meine beiden Mädels (elf und neun) sind schon seit bald zwei Jahren für die Betreuung ihrer Großeltern bei Handyproblemen verantwortlich.
Zurück zur Regierung, da haben die Neos ihre wenigstens in Wirtschaftsfragen vorhandene Kompetenz offenbar links liegen gelassen und setzen ganz auf gesellschaftspolitische Modernität – sprich nur ja nichts Konservativverdächtiges. Was die SPÖ und deren Politik unter Babler darstellen will, soll und kann, erschließt sich mir nicht; ich sehe jedenfalls diese einst so wichtige demokratische Bewegung in Gefahr, jede Bedeutung zu verlieren. Ähnliches gilt natürlich und vielleicht noch viel mehr für meine Partei, für die Volkspartei. Ich habe schon oft versucht, konstruktive Anregungen zu geben, was, wie und warum die ÖVP machen müsste, um wieder positiv für das Land wirken zu können. Da bin ich mit meinem Latein am Ende. Diese Partei muss sich neu strukturieren, ja neu erfinden. Sie muss innert der nächsten zwei bis drei Jahre ihre Funktionäre austauschen und sie braucht augenscheinlich neues Spitzenpersonal.
Da sehe ich, das wird jetzt einigen von Ihnen nicht gefallen, nur Sebastian Kurz als den, der das stemmen kann. Aber wer weiß, vielleicht gibt es ja sonst irgendeinen Wunderwuzzi, der diese Partei vor der Abwicklung bewahrt. Schauen wir mal.
Christian Klepej ist Unternehmer und gibt in Graz das Monatsmagazin Fazit heraus. Er ist verheiratet, hat zwei Kinder und lebt mit seiner Familie in Hirschegg-Pack und Graz.












Die Prozentwerte lassen Rückschlüsse auf den intellektuellen Zustand der Befürworter*Innen zu ((:-
Zum den letzten Absätzen: Kurz ist kein Programm. Methode: jetzt mal Kurz und dann mach mal (hat es ja schon einmal bewiesen) führt dazu, dass ein "Miteinander" entsteht, welches auf "Friss oder stirb" aufbaut. Es entsteht kein Handeln, das von einer gemeinsam entwickelten Idee getragen ist und das es somit erlaubt, aus dem Geist der Entwicklungsdiskussionen aufkommende Entscheidungsfragen zu beantworten.
Die Struktur der VP verhindert eine radikale Neuaufstellung. Die Umfaller/Täuschungsmanöver nur seit seit dem Wahlkampf 2024 bis dato zeigen die Beliebigkeit der Aussagen. Kein Fundament, das über kritische Fragen hilft bzw. das auch tragfähig genug wäre, Widerstände des Zeitgeistes zu überstehen.
Die Selbstauflösung an der Wahlurne wird meiner Einschätzung nach nur durch den zum Erzfeind stilisierten Kickl verhindert. Kickl jedoch macht nichts, um diesen Status zu verändern. Wir werden also noch lange eine todeskämpfende VP erleben, die das dazu nicht erkennen will.