Der Rücktritt des Wiener Wirtschaftskammerpräsidenten Walter Ruck war angesichts des öffentlichen Drucks nur noch eine Frage der Zeit gewesen. Er hat aber gleich neun Ebenen, die zum Nachdenken zwingen, und von denen nicht alle gegen Ruck sprechen.
Der Rücktritt des Wiener Wirtschaftskammerpräsidenten Walter Ruck war angesichts des öffentlichen Drucks nur noch eine Frage der Zeit gewesen. Er hat aber gleich neun Ebenen, die zum Nachdenken zwingen, und von denen nicht alle gegen Ruck sprechen.
Das klingt krass. Aber das ist politisch die klare Folge einer komplett deformierten Alterspyramide. Die Babyboomer – ja, meine Generation – haben als erste Generation der Geschichte viel zu wenige Kinder in die Welt gesetzt. Jetzt sind sie selber alt. Sie lasten dennoch weiterhin und sogar in mehrfacher Hinsicht komplett die Folgen ihres eigenen Versagens und ihres verantwortungslosen wohlfahrtsstaatlichen Genusslebens den heutigen und künftigen Jungen auf. Sie konsumieren zwischen Mallorca und Kreuzfahrten sogar noch weitere ungedeckte Schecks auf die Zukunft.
Wenn man herumblickt, so gibt es doch etliches Erfreuliches in Österreich, Europa und in der Welt. Bisweilen setzt sich die Vernunft ja doch durch.
Was für ein bezeichnender Zufall: Am gleichen Tag, da die Neos einer unglaublichen Sauerei der SPÖ die Mauer gemacht haben, hat die SPÖ einer unglaublichen Sauerei der Neos zugestimmt. Damit und mit dem Hinausdrängen eines der letzten echten Liberalen aus der Neos-Fraktion ist das endgültig bestätigt, was schon bei der Gründung der angeblich liberalen Partei ziemlich klar gewesen ist: Rot und Pink sind einander mehr als ähnlich – sowohl in der physikalischen wie auch in der politischen Farbenlehre. Opfer dieser Ähnlichkeit sind einerseits die historische Schönheit der Stadt Wien, wie auch andererseits die ohnedies nicht allzu große Fähigkeit Österreichs zur Landesverteidigung. Opfer sind aber vor allem auch die Österreicher, auf deren Rücken da offensichtlich ganz miese Geschäfte gemacht worden sind: zugunsten eines Immobilien-Spekulanten wie auch zugunsten der Spekulation der unter politischer Auszehrung leidenden Neos mit ein paar Stimmen der künftigen Zivildiener-Generation. Das alles ist ein grauslicher und unfassbarer Polit-Schacher.
Wenn die österreichische Politik von einer großen Reform im Gesundheits- und Spitalsbereich spricht, schwingt eine gefährliche Drohung mit. Enorme Geldsummen haben nun einmal eine besondere Faszination und Anziehungskraft auf Korruption, Freunderlwirtschaft und bergen generell Risiken für eine planbare Finanzierung. Im Gesundheitsbereich geht es um Summen wie in wenigen anderen Politikfeldern. Vielleicht mit der Ausnahme des Schul- und Bildungsbereichs – allerdings mit dem Unterschied, dass Schulbauten nicht einmal im Ansatz so kostspielig sind wie Hightech-Krankenhäuser mit mehreren Millionen Investitionen in Diagnose- und Behandlungsapparate.
Aber nur für jene, deren Augen nicht verklebt oder geblendet wurden. Die Sehenden haben auch das Wissen ihres "Aus-der-Geschichte-Gelernt-Habens" noch nicht vergessen: Staaten, die sich immer höher verschulden, neuerdings durch "Sondervermögen" und dann als "Kriegswirtschaften", konnten sich in der bisherigen Geschichte nicht vor Zerstörung und Untergang retten.
Es ist wieder soweit: Die erste, brutale Hitzewelle hat Europa überrollt.