Es ist geradezu unerträglich, wie von allen Seiten derzeit Stimmung gemacht wird, wer denn neuer ORF-Generaldirektor werden soll beziehungsweise, wer es nicht werden soll. Parteien wie Medien wie ORF-Belegschaft verlangen heuchlerisch, dass der Mann oder die Frau "unabhängig" sein soll, wobei keiner je definiert, was Unabhängigkeit eigentlich bedeuten soll. In Wahrheit hat jeder bei solchen Forderungen schmutzige Intentionen und meint in Wahrheit vor allem, nur der eigene Kandidat wäre unabhängig.
Vor Kurzem riefen Mitarbeiter des ORF die Aktion #nichtmituns ins Leben. Es sollte darauf aufmerksam gemacht werden, was es aus ihrer Sicht künftig in ihrem Unternehmen nicht mehr geben dürfe. Auf #nichtmituns folgt #mituns. In der nächsten Kampagne formulieren die ORF-Redakteure nun ihre Forderungen. Alles schön und gut. Jedoch: Was ist mit den Erwartungen von unzähligen, notgedrungenen Gebührenzahlern?
Donald Trump hat wie ein Jongleur viele Bälle in die Luft geworfen, sowohl innenpolitische wie auch außenpolitische – nun zeigt sich jedoch, dass er außerstande ist, sie alle wieder aufzufangen. Vor allem kann er das deshalb nicht, weil im Herbst Zwischenwahlen zum Kongress anstehen. Und da sind die Aussichten seiner (seiner?) Republikaner ohnedies schlecht. Da würde es wahrscheinlich gar keine herunterfallenden Jonglierbälle, keine schweren politischen Fehler mehr brauchen. Durch diese hat sich Trump aber endgültig in eine lahme Ente verwandelt, auch wenn er noch zweieinhalb Jahre im Amt ist.
Man muss schon eine bemerkenswert dekadente Zivilisation sein, um sich derart kunstvoll selbst zu verwirren. Während draußen die Weltgeschichte wieder Kapriolen schlägt, führt der Westen seinen bizarren Kulturkampf mit fest zugewiesenen Rollen. Rechts verdächtigt den Islam des finsteren Rückfalls ins Mittelalter; links verklärt ihn zur bunten Folklore des Widerstands gegen das weiße Patriarchat. Auf der einen Seite sieht man das Minarett als Belagerungsturm, auf der anderen als ethno-romantisches Weltkulturerbe – irgendwo zwischen Couscous, Bauchtanz und Alhambra.
Papst Leo hat seine erste Enzyklika veröffentlicht. Darin verlangt er eine moralische Kontrolle der Macht, die mit der Künstlichen intelligenz verbunden ist – das klingt zwar total notwendig, das ist aber illusorisch angesichts der Tatsache, dass China den USA beim KI-Rennen dicht auf den Fersen ist.
Die schwedische Außenministerin appelliert, auch alle Schiffe zu boykottieren, die russische Häfen angelaufen sind. Jedenfalls sei die russische Wirtschaft viel schwächer, als wir glauben. Nur der Golfkrieg hat ihr geholfen, aber sonst haben Russland die westlichen Sanktionen wie auch die Erfolge der Ukraine schwer geschadet.
Der frühere schleswig-holsteinische Ministerpräsident Torsten Albig hat der SPD empfohlen, sich auch auf von der AfD tolerierte Minderheitsregierungen einzulassen.
Lange hat die US-Regierung den Export des höchstentwickelten Nvidia-Chips blockiert, dann endlich freigegeben - aber jetzt zwingt Peking die eigene Industrie, solche Chips selber zu entwickeln, statt sie zu kaufen.
Keine kirchliche Personalentscheidung erregt auch in völlig kirchenfernen Kreisen so viel Aufregung wie die fürs kommende Jahr beschlossene Pensionierung des Wiener Dompfarrers Toni Faber mit 65 Jahren. Ist das doch ein Pensionsantrittsalter, das zwar für Normalsterbliche im real existierenden Schuldensozialismus geradezu spät ist, das in kirchlichen Ämtern aber total früh ist. Man denke etwa an Hartmann Thaler, der bis zu seinem Tod im 93. Lebensjahr als Pfarrer der Piaristenkirche Maria Treu fungiert hat, wo er schon in den Jahrzehnten vorher gerade durch seine Bescheidenheit zur weitaus wichtigsten Persönlichkeit für die Wiener Josefstadt geworden war. Das ist auch Faber in vielerlei Hinsicht für den 1. Bezirk geworden – auch wenn es dort noch viele andere Kirchen gibt, die Sonntag für Sonntag sehr voll sind, teils der Kirchenmusik, teils der klugen Predigten wegen. Wer die Causa Faber objektiv und seriös bewerten will, der sollte das jedenfalls auf zumindest vier Ebenen tun.
Warum schafft Österreich eigentlich nicht mehr, was es während der ersten drei Nachkriegsjahrzehnte in der Mehrzahl der Jahre geschafft hatte, was seit einem halben Jahrhundert mit Ausnahme zweier Jahre (2018 und 2019) nie mehr gelingt: nämlich ein Staatshaushalt, der ausgeglichen oder mit Überschuss endet? Warum ist die Staatsverschuldung, die bis 1973 deutlich unter 20 Prozent der – damals noch sehr geringen! –Wirtschaftsleistung gelegen war, seither praktisch ständig gestiegen, um nun deutlich mehr als 80 Prozent des BIP auszumachen?
Positives passiert derzeit rund um die in der Endphase befindliche Budgeterstellung. Erstmals scheint diese Regierung das Sparen ein wenig ernster zu nehmen als bisher – auch wenn in zentralen Punkten wie dem Pensions- und Gesundheitssystem, wie den Bestechungsinseraten, wie dem Geldsegen für linke NGOs die schweren Fehler und Unterlassungen früherer Regierungen, welcher Parteikombination aus Schwarz, Rot, Blau, Grün, Pink immer, wiederholt werden.