Gastkommentare

Die Klimakatastrophen-Demagogie

30. Dezember 2019 07:30 | Autor: Christian Walderdorff
8 Kommentare

Notlagen schreien nach außerordentlichen Maßnahmen. Im Ersten Weltkrieg griff die Regierung der österreichischen Reichshälfte mit Notverordnungen durch, während zentrale Grundrechte wie Personenfreiheits-, Versammlungs- und Vereinsrecht sowie Rede- und Pressefreiheit suspendiert waren.

Vom öffentlich erklärten Notstand bis zum Inkraftsetzen oder Verschärfen des Notstandsrechts, das autoritäre Durchgriffsbefugnisse verleiht und Grundrechtsgarantien kappt, braucht es nur einen kleinen politischen Schritt (siehe hier). So absurd das Ausrufen eines Klimanotstands vom Anlass her sein mag, so leicht kann das Spiel mit dem Feuer rücksichtslosen ökodiktatorischen Gelüsten Vorschub leisten.

Genau diesen Umbruch trachtet die Klimakatastrophen-Demagogie mit erlaubten Mitteln oder mit tückischer Rosstäuscherei durchzudrücken. Das wäre nicht nur das Ende der mühsam erkämpften, modern-freiheitlichen westlichen Ordnung, sondern auch des gleichermaßen strapaziös erarbeiteten Wohlstands.

Wer den anwachsenden Ökodiktaturdrall verfolgen will, wird alsbald bei Nichtregierungsorganisationen fündig. In den Entwicklungsländern sehen die Betroffenen längst klarer: sie verdammen den Ökofaschismus/Ökoimperialismus dominanter NGOs aus den Industriestaaten (siehe hier).

Im Vergleich zu 2011 kann die heuer angeheizte Klimaüberhitzungspanik als Zwischenschritt verstanden werden, den gewählten Politikern die Zügel aus der Hand zu reißen und die Weisen der CO₂-Gnosis als einzig legitime Lenker unser aller Geschicke einzusetzen. Die Saat eines Propagandajahrzehnts soll nun endlich aufgehen. Im drohenden Weltuntergang darf für demokratische Mätzchen wirklich kein Platz mehr sein. Wenn die Erde brennt, hat die Bürgerschaft zu kuschen (siehe hier und hier).

Anschaulich wird die Politisierung der Zwangsbeglücker und radikalen Weltverbesserer bei den Demos der "Fridays for Future" oder der "Extinction Rebellion". Jahrzehntelang unattraktive Grüppchen von trotzkistischen Mutterkindchen über Wettbewerbsabschaffer-Ultras bis zu vermummten Antifa-Gestalten hängen sich an und versuchen, die Klimabewegung in systematische allgemeine Bevormundung umzufunktionieren. Manche der Parolen könnten eindeutiger nicht sein; an den zerbrochenen Ostblock erinnert bei einigen Aufmärschen die brüllrote Beflaggung. Ebenso wie den Rechtsextremen gebricht es jedoch auch den Linksextremen an Leitfiguren, die aus einem gesellschaftlichen Umbruch eine straffe Diktatur herausholen könnten. Greta-Ikonenverehrung oder das Skandieren retrorevolutionärer Sprüche zeugen von dekadenter, ja degenerierter Unfähigkeit zum Kämpfen in der Großen Revolte.

Die parlamentarischen Parteien oder die Interessenverbände und Kammern geben sich offen für die Klimathematik. Aber selbst die Grünen zeigen wenig Bereitschaft, sich unter die Fuchtel einer CO₂-gnostischen Klimatechnokratie wegzuducken und auf ihre eigenen Machtspielchen zu verzichten. Zumal gerade sie danach gieren, maximal aus der Klimaüberhitzungshysterie Kapital auf ihr Stimmenkonto zu schlagen.

Belastungspakete für die Allgemeinheit und eine aus CO₂-gnostischen Fehlsteuerungen resultierende Wirtschaftsflaute samt spürbarer Arbeitslosigkeit dürften die noch schweigende Mehrheit freilich rasch aus ihrer Lethargie reißen. Je besser es ihr in den letzten Jahrzehnten gegangen ist, desto empörter muss sie auf reale Wohlstandseinbußen reagieren. Vor allem dann, wenn frivol herbeigezetertes Weltuntergangsklima sie um die Früchte ihrer Lebensleistung zu bringen sowie mit staatlichem Zwang ihrer gewohnten Lebensart zu berauben droht. Wer aus freien Stücken verzichtet, kann dafür sogar dankbar sein; Wut und erbitterter Widerstand regt sich in jenen, die zum Verzicht genötigt sind. Ein herrschsüchtiger Geistesverwirrung geschuldeter Wirtschaftsumbau gerät sehr schnell ins Stocken, sobald für die Allgemeinheit aus Ersatzmaßnahmen Einbußen, aus Umschuldungen Pleiten, aus Transformationen harte Einschränkungen oder aus Utopien fatale Abstürze werden.

Klimakatastrophen-Demagogen sind der politisierende Zweig der CO₂-Gnosis. In ihrem Instrumentarium entlehnen sie vieles aus den Beeinflussungsmethoden der "Klimawissenschaft". Allem voran die kontrafaktische Behauptung, die gesamte Forschung warne einhellig vor der kurz bevorstehenden globalen Klimakatastrophe. Sie stellen Erderwärmung mit Überhitzung gleich und stöhnen, demnächst seien Kipp-Punkte weltweit erreicht. Verstärkereffekte holen sie sich aus dem Toben der Natur, das sie teils memmenhaft übertreiben, teils in getürkte Messreihen stellen. Demnach war noch vor hundert Jahren alles viel harmloser, erst jetzt würden die Elemente stets verheerender wüten. Offenkundige Gegenmessergebnisse unterdrücken und deren Autoren diskreditieren sie systematisch.

Genau wie die "Klimawissenschaft" setzt auch die Klimakatastrophen-Demagogie das Geschäft mit der Angst zum eigenen Vorteil ein. Hier wie dort geht es nicht um Erkenntnisertrag, sondern um Machtgewinn. Klimanotstandsbeschlüsse, so lächerlich sie vom Anlass her sein mögen, erschweren der Vernunft das Argumentieren in der Öffentlichkeit. Wer im Sinne des kollektiven Irrsinns auftritt, scheint vorläufig die Vermutung der Rechtschaffenheit für sich zu haben. Wer wider den Stachel löckt, kann oft das Bluten nicht vermeiden. Selbst wenn eine Mehrheit bei sich im Stillen ähnlich denkt oder sich verhält, gellen doch die Stimmen der Scharfmacher und Angstparolenschreihälse. Während die CO₂-Gnostiker keineswegs die volle Zustimmung satter Mehrheiten einfahren, gelingt es ihnen immerhin, dass Allzuviele es peinlich vermeiden, gegen sie zu debattieren oder ihr Divergieren auch nur offen auszusprechen.

Die Klimakatastrophen-Demagogie kommt überdies Kräften sehr zupass, die das Anstreben einer ökosozialen Marktwirtschaft mit Kasino- oder Turbokapitalismus in einen Topf schmeißen. Sie wollen nicht wahrhaben, dass verängstigte Massen niemals ernste Herausforderungen menschenwürdig bewältigen können. Sie setzen sich ja nur zu dem Zweck für die Ausgebeuteten und Zukurzgekommenen ein, um die Schalthebel der Willkür in ihren schmutzigen Griff zu bekommen. Dort ist ihnen alles recht, was im Namen der Meinungsfreiheit das ungehinderte Wort unterdrückt und statt Chancengleichheit das Unterdurchschnittliche als Ergebnisgleichheit feiert. Im Ökonomischen torkeln sie trunken von Weltverbesserei zwischen Dirigitis, Interventionitis, Verstaatlichungen und Kommandowirtschaft hin und her. Wäre doch gelacht, wenn ihnen die Klimaüberhitzungspanik nicht Gelegenheiten zuhauf böte, die Welt endlich wieder an ihrem Wesen genesen zu lassen.

Blöd für die Klimakatastrophen-Demagogen, dass ihr Glaubwürdigkeitsdefizit nicht nur nicht abnimmt, sondern gerade rapide wächst. Wenn schon von Hitler zu Chaplin nur ein winziger Schritt war, wieviel kürzer ist es dann von "How dare you?" zu homerischem Gelächter? Blöd auch, dass die Angstmacherei mit Naturkatastrophen da und dort den allergrößten Teil der Menschheit überhaupt nicht betrifft. Zurecht mag sich Barmherzigkeit und Spendenbereitschaft regen, aber keinesfalls ein Zittern davor, selbst zum Opfer zu werden. Psychologisch bleibt wahr, dass hypothetisches Leiden höchstens die miesesten Hypochonder ängstigen kann.

Das Dilemma der Klimakatastrophen-Demagogen liegt in der Dramatisierung. Sie müssen zugleich das Ärgste drohen lassen und einen glücklichen Ausgang beschwören. Mit einem solchen gebrochenen Handlungsverlauf kann sich aber kein Mensch wirklich identifizieren. "Medea" oder "Niobe", wenn deren Kinder eventuell gut davonkommen — wer wollte sich so ein Theater anschauen?

Christian Walderdorff ist Jurist mit Studien der Philosophie und am Dolmetschinstitut. Anschließend Einjährig-Freiwilliger und an der London School of Economics im Bereich politische Philosophie. Seither Operationsbasis London mit Ausritten in andere europäische Städte. Er publiziert sonst vorwiegend auf Englisch.


die besten Kommentare

  1. Ausgezeichneter KommentatorKonrad Loräntz
    7x Ausgezeichneter Kommentar
    30. Dezember 2019 10:23

    "eine aus CO?-gnostischen Fehlsteuerungen resultierende Wirtschaftsflaute"

    herrlicher Artikel, danke

  2. Ausgezeichneter Kommentatorelfenzauberin
    5x Ausgezeichneter Kommentar
    31. Dezember 2019 04:44

    Die Linke hat eben erkannt, dass der Klimaschmäh das ideale Mittel ist, Kommunismus und Planwirtschaft über die Hintertür einzuführen. Tatsächlich stehen praktisch alle Klimaalarmisten auf der (extrem)linken Seite des politischen Spektrums. So sieht man etwa den Hrn. Prof. Schellnhuber, der lange dem PIK vorstand, welches als das europäische Epizentrum für den Klimaalarmismus bekannt ist, gern gesehener Gast bei den Parties der Grünen.

    Früher mussten die Kommunisten den Menschen Angst vor dem Kapitalismus einjagen, um sie für die Segnungen des Kommunismus zu gewinnen. Mittlerweile haben auch intellektuell weniger Begabte begriffen, dass es der Kommunismus ist, der die Menschen in Krieg und Armut stürzt, nicht der Kapitalismus (der nichts anderes als eine pejorative Bezeichnung für eine freie Marktwirtschaft ist, weswegen ich die letzte Bezeichnung bevorzuge).

    Heute gehen die Linken nach dem gleichen Muster vor, das man in vielen Religionen und Sekten findet. Man warnt vor einer Apokalypse, die angeblich nur dann abwendbar ist, indem man sich der Sekte anschließt und eins zu eins deren Ideologie übernimmt. Zu der Ideologie gehört selbstverständlich der persönliche Verzicht, der dann unbarmherzig und notfalls mit Sanktionen eingefordert wird.

    Letztendlich geht es darum, den Leuten Angst und Schrecken einzujagen, damit die Menschen das tun, was sie freiwillig niemals täten. Das können die Linken, allen voran die Grünen sehr gut, das konnten auch die Nazis sehr gut, was - so ganz nebenbei - meine These stützt, dass die Nazis Linke waren.

  3. Ausgezeichneter Kommentatorsteinmein
    2x Ausgezeichneter Kommentar
    30. Dezember 2019 15:17

    Warum wird nicht den Vulkanausbrüchen eine Klimaänderung zugeordnet? Was hat mein Auto mit den Erdbeben zu tun?
    Bestechend formuliert, mit Gruß auch ein EF.


  1. Heimgarten (kein Partner)
    18. Januar 2020 22:29

    Tatsächlich sehr guter Artikel. Bravo. War ein Genuß zu lesen.

  2. sepp imland (kein Partner)
    01. Januar 2020 13:22

    schmeiss den frosch ins kochende wasser.
    er stirbt sofort und du bist wegen tierquälerei dran.
    gib den frosch in den topf kalten wassers und
    erhöhe die temperatur langsam über drei tage.
    der frosch ist dann hin und keinen interessierts.
    das wasser ist die grüne co2 zulage, der küchenchef heisst staat österreich und der frosch ist die voestalpine die binnen 10 jahren kaputtgemacht wird....

  3. elfenzauberin
    31. Dezember 2019 04:44

    Die Linke hat eben erkannt, dass der Klimaschmäh das ideale Mittel ist, Kommunismus und Planwirtschaft über die Hintertür einzuführen. Tatsächlich stehen praktisch alle Klimaalarmisten auf der (extrem)linken Seite des politischen Spektrums. So sieht man etwa den Hrn. Prof. Schellnhuber, der lange dem PIK vorstand, welches als das europäische Epizentrum für den Klimaalarmismus bekannt ist, gern gesehener Gast bei den Parties der Grünen.

    Früher mussten die Kommunisten den Menschen Angst vor dem Kapitalismus einjagen, um sie für die Segnungen des Kommunismus zu gewinnen. Mittlerweile haben auch intellektuell weniger Begabte begriffen, dass es der Kommunismus ist, der die Menschen in Krieg und Armut stürzt, nicht der Kapitalismus (der nichts anderes als eine pejorative Bezeichnung für eine freie Marktwirtschaft ist, weswegen ich die letzte Bezeichnung bevorzuge).

    Heute gehen die Linken nach dem gleichen Muster vor, das man in vielen Religionen und Sekten findet. Man warnt vor einer Apokalypse, die angeblich nur dann abwendbar ist, indem man sich der Sekte anschließt und eins zu eins deren Ideologie übernimmt. Zu der Ideologie gehört selbstverständlich der persönliche Verzicht, der dann unbarmherzig und notfalls mit Sanktionen eingefordert wird.

    Letztendlich geht es darum, den Leuten Angst und Schrecken einzujagen, damit die Menschen das tun, was sie freiwillig niemals täten. Das können die Linken, allen voran die Grünen sehr gut, das konnten auch die Nazis sehr gut, was - so ganz nebenbei - meine These stützt, dass die Nazis Linke waren.

    • Wyatt
      31. Dezember 2019 09:05

      …..Angst und Schrecken einzujagen hat Methode, wird doch dadurch, noch dazu wenn wie neuerdings "die Zeit davon läuft", Logik und Vernunft orientiertes Denken bei weitem ausgeschaltet.

    • fred11 (kein Partner)
      01. Januar 2020 18:50

      der letzte satz bringt es auf den punkt

  4. steinmein
    30. Dezember 2019 15:17

    Warum wird nicht den Vulkanausbrüchen eine Klimaänderung zugeordnet? Was hat mein Auto mit den Erdbeben zu tun?
    Bestechend formuliert, mit Gruß auch ein EF.

    • Wyatt
      31. Dezember 2019 09:00

      ….weil es die schon immer gab und man sich zur Zeit noch schwer tut bei Vulkanausbrüchen dem Mensch schuldhaftes Verhalten anzulasten.

  5. Konrad Loräntz
    30. Dezember 2019 10:23

    "eine aus CO?-gnostischen Fehlsteuerungen resultierende Wirtschaftsflaute"

    herrlicher Artikel, danke




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