Ein liberaler Sozialismus ist eine Illusion drucken

Lesezeit: 2:00

Freiheit und Eigenverantwortung können nicht ohne Persönlichkeitsbildung gelingen. Doch nichts ist so schwierig, wie der Versuch, den staatsgläubigen, kollektivismus- und kompetenzorientierten Sozialisten, für die die Schule ein Instrument zur Umverteilung von Ausbildungschancen ist, die Notwendigkeit einer Persönlichkeitsbildung zu erklären.

Die öffentlichen Schulen werden primär über Gesetze, Verordnungen, Erlässe und Weisungen gesteuert. Das ist mit Konstruktivismus-, mit Regulierungs-, mit Interventions- und mit Organisationskaskaden verbunden. Aber Innovationen können weder geplant noch verordnet werden. Der Verzicht auf Vielfalt und Wettbewerb bewirkt eine Strukturkonservierung.

Die Schulleiter von öffentlichen Schulen werden parteipolitisch bestellt. Einzelne Schulleiter dokumentieren das sogar mit einem großen Kreisky-Bild in ihrem Amtszimmer. In diesen Schulen zählen vor allem Parteizugehörigkeiten, aber keineswegs fachliche Qualitäten oder sachliche Argumente.

Öffentliche Schulen sind ideologische Spielwiesen für die Selbstdarstellung von Schulleitern und ihrer höfischen Gesellschaften geworden. Die Auswahl der Lehrer orientiert sich immer mehr an weltanschaulichen Kriterien. Im Mittelpunkt steht die Überprüfung der Gesinnungstüchtigkeit im Interesse des sogenannten "Schulprofils".

In den öffentlichen Schulen gibt es eine sehr starke Tendenz zu einer Zentralisierung und zu einem schleichenden Kollektivismus. Die Zentralisierung bewirkt eine Fehlleitung von Ressourcen. Der Kollektivismus, der mit einer "schulautonomen" Gleichschaltung von Schulbüchern, von Fachinhalten und von Unterrichtsmethoden verbunden ist, bewirkt einen Konformismus und verhindert eine Nutzung des Potentials Andersdenkender.

Die Kollektivisten vertreten die Idee einer "Freiheit in der Gemeinschaft". Sie vermarkten ihre Angriffe auf die Freiheit des einzelnen Lehrers als "Befreiung". Selbstgleichschaltung durch vorauseilenden Gehorsam wird belohnt. Im Namen des Sozialen (Sozialismus) wird auf Unikate und auf Vorbilder mit eigenständiger Positionierung verzichtet.

Ins Kollektiv eingeschmolzene, entmündigte und bevormundete Lehrer mit "krummem Rücken und mit geschlossenen Lippen" sollen freie, selbständig denkende, Fragen stellende, kritisierende, widersprechende und erörternd argumentierende Schüler fördern?

Die öffentlichen Schulen danken immer mehr als Wissensunternehmen ab. Sie haben schon längst aufgehört, "Orte der Muße" zu sein. Nützlichkeits-, Zweck- und Kompetenzorientierung treten an die Stelle einer Persönlichkeitsbildung. Darunter leiden Sprach- und Denkfähigkeit, die Erörterungs- und Argumentierfähigkeit sowie die Urteilsfähigkeit der Jugendlichen. Die moderne Kompetenzorientierung bewirkt einen Verzicht auf den Erwerb einer Inkompetenzkompensationskompetenz.

Die Freiheit eines einzelnen Schülers und des einzelnen Lehrers ist den Egalitaristen, den Distributions- und Wettbewerbvermeidungspädagogen kein Anliegen. Sie ersehnen eine Umverteilung.

Ein liberaler Sozialismus ist eine Illusion! Die Sozialisten sind auch ohne Freiheit und ohne Persönlichkeitsbildung glücklich.

Josef Stargl ist AHS-Lehrer in Ruhe und ein Freund der Freiheit.

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  1. Ausgezeichneter Kommentatormachmuss verschiebnix
    7x Ausgezeichneter Kommentar
    10. September 2017 11:41

    In der Anfangs-Phase verspricht der Sozialismus, die Werktätigen
    vor der Ausbeutung zu bewahren. Wenn die Menschen nach Jahrzehnten
    endlich begreifen, daß es der Sozialismus ist, der sie ausbeutet,
    dann geht der Sozialismus schleichend in die zweite Phase, in welcher
    er den Menschen verspricht, sie vor dem Totalitarismus zu bewahren.

    Wir sehen ja, daß es funktioniert !

    Bald werden wir es kaum noch wagen, unsere Meinung hier rein zu stellen,
    so gut wie uns der Sozialismus bewahrt . . .

    Im Grunde dreht sich Alles nur um die Macht - MAFIOSE MACHT - zum
    Abzocken. Dafür bedient "man" sich menschlicher Schwächen und bringt
    die Massen in Abhängigkeit. Im Grunde ist der Sozialismus eine
    mafiose Psycho-Sekte ! ! ! ! !


  2. Ausgezeichneter KommentatorHaider
    7x Ausgezeichneter Kommentar
    10. September 2017 22:56

    Also ganz klar sehe ich noch nicht! Ist "liberaler Sozialismus" so etwas wie ein weißer Rappe oder eher wie ein schwarzer Schimmel? Oder versteht man darunter eine hell erleuchtete Sonnenfinsternis?

  3. Ausgezeichneter Kommentatoroberösi
    6x Ausgezeichneter Kommentar
    10. September 2017 15:30

    Kürzlich Sendung auf Ö1 (im Auto, ansonsten gibts kein ORF) nebenbei mitgehört über den Lehrerberuf: könnte glatt als Satire durchgehen, wenns nicht so ernst wäre. ORF-FrauIn (jung, außerordentlich enhtusiasmiert, was neben Stimmlage vor allem durch das notorische "ganz" in jedem Satz zum Ausdruck gebracht wird, spricht mit LehrerIn über deren erfolgreichen Projektunterricht, über Aufmerksamkeitstraining, das sie mit SchülernInnen macht, damit die lernen, achtungsvoll miteinander zu kommunizieren, über EU-geförderte Kompetenzprojekte etc. Natürlich nicht fehlen durfte Bezug auf "Flüchtlingskinder" und die besondere Herausforderung, diese zu integrieren. Das schwindende Wissen werden diese Kinder künftig umso kompetenter inszenieren.

    Man höre sich eine Rede unseres BK Kern an und weiß, was auf uns zukommt.

    Hauptsache, alle haben sich ganz viel ganz lieb und retten die Umwelt, zumal jetzt, wo Irma wütet. Die roten Bonzen, soweit sie noch Kinder aufziehen (lassen), schicken ihre Kinder sowieso ins Sacre Coeur, zu den Ursulinen, ins Kollegium Kalksburg, Theresianum.

    Hatte heute ein erbauliches Gespräch mit meinem jungen Nachbarn an den ungarischen Gestaden der Güns: intelligent, wertbewußt, katholisch-konservativ. Werde mich wohlfühlen dort...

  4. Ausgezeichneter KommentatorBob
    4x Ausgezeichneter Kommentar
    11. September 2017 15:08

    Anlässlich einer Stadtführung in Kroatien verdeitigte sich der Führer mit den Worten "lieber rot als tot". Meine Antwort war: bei mir ist es umgekehrt!!!!!!!

  5. Ausgezeichneter KommentatorKarl Rinnhofer
    1x Ausgezeichneter Kommentar
    14. September 2017 01:05

    Jedem Wort dieses wichtigen Artikels ist beizupflichten.
    (Im Folgenden ohne Anspruch auf Generalisierung:) Die Situation an öffentlichen Schulen ist vielerorts katastrophal: Berechtigungsinflation ist angesagt; Show geht vor seriöser Leistung, Atteste sind oft das Papier nicht wert, auf dem sie ausgestellt werden. Direktoren und Schulaufsichtsbeamte werden von Parteien in ihre Position gehievt, sind diesen fortan verpflichtet, erweisen sich als ideologiehörige Funktionäre.

    „Personelle Autonomie der Dienststellenleiter“ wird naiv und in unbefangen-fehlgeleiteter Analogie zu anderen Berufen als Fortschritt betrachtet. Aber sie legalisiert de facto Freunderlwirtschaft, schafft den Boden für kaum gesetzlich begründbare „Weisungen“ auch aus bedenklichen Motivationen“, ermöglicht hire (für Parteisoldaten) and fire (für vorgeblich „nicht ins Schulprofil Passende“, de facto Nicht-Parteigänger, Nicht- V.I.P.-Privilegierende, Leistungs-Fordernde).

    Auch das Auslaufen des Berufsschutzes bei Lehrern ist kaum mit Rechtsstaatlichkeit vereinbar: Pragmatisierung ist notwendige Bedingung der Rechtsstaatlichkeit, keineswegs Faulbett. Daher gilt für Beamte (zu Recht!) ein strenges Disziplinarrecht, das harte Sanktionen bei objektivierbarem Fehlverhalten vorsieht. Lehrer stellen Berechtigungen durch Atteste aus, denen Nachfolgeinstanzen vertrauen sollen. Diese müssen Prüfer aber - an sich gesetzeskonform - bei Nicht-Leistungs-Erbringung verwehren. In dieser Funktion werden gerade leistungsorientierte, gesetzestreue Lehrer von unverständiger Öffentlichkeit und vorgesetzter, populistisch oder ideologisch agierender Dienstbehörde im Stich gelassen, finden sich mangels Berufsschutz in existenzbedrohender Position wieder.

    Hoffentlich hat der Autor die Kraft, seine erfahrungsbasierte Position – mit der er sich in bester Gesellschaft befindet - wirkungsmächtig zu vertreten.

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  1. Susanna (kein Partner)
    14. September 2017 08:55

    Ist es nicht sehr liberal, wenn die Schüler gemeinsam mit den Eltern ihren Klassenraum ausmalen dürfen?
    Oder Schulbücher für das Wahlpflichtfach aus eigener Tasche bezahlen?
    Eben.

  2. Karl Rinnhofer
    14. September 2017 01:05

    Jedem Wort dieses wichtigen Artikels ist beizupflichten.
    (Im Folgenden ohne Anspruch auf Generalisierung:) Die Situation an öffentlichen Schulen ist vielerorts katastrophal: Berechtigungsinflation ist angesagt; Show geht vor seriöser Leistung, Atteste sind oft das Papier nicht wert, auf dem sie ausgestellt werden. Direktoren und Schulaufsichtsbeamte werden von Parteien in ihre Position gehievt, sind diesen fortan verpflichtet, erweisen sich als ideologiehörige Funktionäre.

    „Personelle Autonomie der Dienststellenleiter“ wird naiv und in unbefangen-fehlgeleiteter Analogie zu anderen Berufen als Fortschritt betrachtet. Aber sie legalisiert de facto Freunderlwirtschaft, schafft den Boden für kaum gesetzlich begründbare „Weisungen“ auch aus bedenklichen Motivationen“, ermöglicht hire (für Parteisoldaten) and fire (für vorgeblich „nicht ins Schulprofil Passende“, de facto Nicht-Parteigänger, Nicht- V.I.P.-Privilegierende, Leistungs-Fordernde).

    Auch das Auslaufen des Berufsschutzes bei Lehrern ist kaum mit Rechtsstaatlichkeit vereinbar: Pragmatisierung ist notwendige Bedingung der Rechtsstaatlichkeit, keineswegs Faulbett. Daher gilt für Beamte (zu Recht!) ein strenges Disziplinarrecht, das harte Sanktionen bei objektivierbarem Fehlverhalten vorsieht. Lehrer stellen Berechtigungen durch Atteste aus, denen Nachfolgeinstanzen vertrauen sollen. Diese müssen Prüfer aber - an sich gesetzeskonform - bei Nicht-Leistungs-Erbringung verwehren. In dieser Funktion werden gerade leistungsorientierte, gesetzestreue Lehrer von unverständiger Öffentlichkeit und vorgesetzter, populistisch oder ideologisch agierender Dienstbehörde im Stich gelassen, finden sich mangels Berufsschutz in existenzbedrohender Position wieder.

    Hoffentlich hat der Autor die Kraft, seine erfahrungsbasierte Position – mit der er sich in bester Gesellschaft befindet - wirkungsmächtig zu vertreten.

  3. Bob
    11. September 2017 15:08

    Anlässlich einer Stadtführung in Kroatien verdeitigte sich der Führer mit den Worten "lieber rot als tot". Meine Antwort war: bei mir ist es umgekehrt!!!!!!!

  4. Haider
    10. September 2017 22:56

    Also ganz klar sehe ich noch nicht! Ist "liberaler Sozialismus" so etwas wie ein weißer Rappe oder eher wie ein schwarzer Schimmel? Oder versteht man darunter eine hell erleuchtete Sonnenfinsternis?

    • oberösi
      11. September 2017 03:02

      Liberal und Sozialismus geht nicht zusammen, ganz richtig. Sozialismus funktoniert nur mit Zwang und Gewalt. Aber auch immer nur temporär, mit dem Geld der anderen. Beginnt er liberal zu erodieren, in Wirklichkeit meist nichts als wohlfeiler, hedonistischer "Werte"-Relativismus, implodiert das System. Ergeht der Demokratie nicht anders, sobald sie den festen Boden der Abstimmung auf der Agora verläßt und sukzessive zur repräsentativen Parteienoligarchie verkommt. Nur dauerts dort dies etwas länger, weil wegen der höheren Produktivität in sogenannten demokratischen Systemen mehr Geld da ist zum Verteilen, zum Sedieren des Plebs.
      Es lebe die Monarchie!

    • Riese35
      12. September 2017 18:35

      @Haider: Sie haben einige Beispiele gebracht, die alle äquivalent in ihrer Aussagekraft sind. Weitere solcher Beispiele:
      - Englische Küche
      - Italienische Heldensagen
      - Euroislam.

  5. oberösi
    10. September 2017 15:30

    Kürzlich Sendung auf Ö1 (im Auto, ansonsten gibts kein ORF) nebenbei mitgehört über den Lehrerberuf: könnte glatt als Satire durchgehen, wenns nicht so ernst wäre. ORF-FrauIn (jung, außerordentlich enhtusiasmiert, was neben Stimmlage vor allem durch das notorische "ganz" in jedem Satz zum Ausdruck gebracht wird, spricht mit LehrerIn über deren erfolgreichen Projektunterricht, über Aufmerksamkeitstraining, das sie mit SchülernInnen macht, damit die lernen, achtungsvoll miteinander zu kommunizieren, über EU-geförderte Kompetenzprojekte etc. Natürlich nicht fehlen durfte Bezug auf "Flüchtlingskinder" und die besondere Herausforderung, diese zu integrieren. Das schwindende Wissen werden diese Kinder künftig umso kompetenter inszenieren.

    Man höre sich eine Rede unseres BK Kern an und weiß, was auf uns zukommt.

    Hauptsache, alle haben sich ganz viel ganz lieb und retten die Umwelt, zumal jetzt, wo Irma wütet. Die roten Bonzen, soweit sie noch Kinder aufziehen (lassen), schicken ihre Kinder sowieso ins Sacre Coeur, zu den Ursulinen, ins Kollegium Kalksburg, Theresianum.

    Hatte heute ein erbauliches Gespräch mit meinem jungen Nachbarn an den ungarischen Gestaden der Güns: intelligent, wertbewußt, katholisch-konservativ. Werde mich wohlfühlen dort...

  6. machmuss verschiebnix
    10. September 2017 11:41

    In der Anfangs-Phase verspricht der Sozialismus, die Werktätigen
    vor der Ausbeutung zu bewahren. Wenn die Menschen nach Jahrzehnten
    endlich begreifen, daß es der Sozialismus ist, der sie ausbeutet,
    dann geht der Sozialismus schleichend in die zweite Phase, in welcher
    er den Menschen verspricht, sie vor dem Totalitarismus zu bewahren.

    Wir sehen ja, daß es funktioniert !

    Bald werden wir es kaum noch wagen, unsere Meinung hier rein zu stellen,
    so gut wie uns der Sozialismus bewahrt . . .

    Im Grunde dreht sich Alles nur um die Macht - MAFIOSE MACHT - zum
    Abzocken. Dafür bedient "man" sich menschlicher Schwächen und bringt
    die Massen in Abhängigkeit. Im Grunde ist der Sozialismus eine
    mafiose Psycho-Sekte ! ! ! ! !


    • machmuss verschiebnix
      10. September 2017 14:14

      . . . aber vielleicht wird sich Hr. Häupl bei seiner Abschieds-Rede
      an die Aussage des Ungarischen Genossen Gyurcsány ( Mai 2006 )
      erinnern:
      » Wir haben beschissen und gelogen,
      morgens, tagsüber und abends !
      Wir haben es versaut ! «

    • werauchimmer
      12. September 2017 22:11

      Ja richtig, wir befinden uns in der zweiten Phase - nämlicher in jener des (ausgetrommelten) Kampfes gegen "Revisionismus und Faschismus".





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