Plädoyer für eine geldpolitische Bildung drucken

Lesezeit: 3:30

Antworten auf Fragen nach den Ursachen der Preissteigerungen für Vermögenswerte und für Konsumgüter, nach den Ursachen für Reallohnverluste, niedrige Zinsen/"Inflation ohne Zinsen" und nach den Gründen für die Schwierigkeiten eines Vermögensaufbaues und einer privaten Altersvorsorge erfordern eine Analyse der (langfristigen) Folgen der Maßnahmen von Zentralbanken und somit eine geldpolitische Bildung.

In den Schulen wird vor allem eine sonderinteressenorientierte (und parteipolitische) Bildung gepflegt. Von den Inhalten der Unterrichtsmaterialien der Oesterreichischen Nationalbank kann man auch nicht erwarten, dass sie sich kritisch mit der EZB-Politik auseinandersetzen und in den Schulbüchern der AHS-Oberstufe wird über Geldpolitik kaum reflektiert. Zahlreiche Maturanten und Akademiker sind geldpolitische Analphabeten.

Staats-(verbunds-)gläubigkeit und Zentralbankenvertrauen sind weit verbreitet! Es wird behauptet, dass die EZB eine "unabhängige Zentralbank" sei und, dass sie bei ihren Entscheidungen weder von der Politik (einzelner Staaten der Eurozone) noch von "systemisch relevanten Banken" beeinflusst werde. Mythen werden viele erzählt. Wir benötigen mehr geldpolitische Bildung!

Welche Folgen hat der antimarktwirtschaftliche monetäre Interventionismus der EZB, die vorgibt, dem Gemeinwohl zu dienen und mit Geldmengenausweitung sowie manipulierten Zinsen/mit einer "Inflationspolitik" den Traum von einer Wertschöpfung ohne Leistung und von einem "Wohlstand auf Pump" verwirklichen will?

Es gibt Begünstigte und Benachteiligte dieser EZB-Geldpolitik! Die EZB dient nationalen, staatlichen und Sonderinteressen (z.B. großen Banken und Unternehmen), Sie benachteiligt die Sparer, die private Altersvorsorge, die Konsumenten und die Steuerzahler!

Die EZB ermutigt die Schuldner, verbilligt die Staatsschulden, entwertet die Bankschulden, hilft bei der Entschuldung von Staaten und praktiziert eine "Verschleierung der Besteuerungs- und Umverteilungspolitik".

Verträge werden nicht eingehalten! Die EZB agiert auch selbstermächtigt ohne Rechtsbindung und ohne Kontrolle. Die EZB unterminiert den Rechtsstaat!

Wenn in Österreich Steuern erhöht werden, wird heftig diskutiert. "Inflation ist eine Art Steuer"! Sie bewirkt nicht nur höhere Kosten für die Steuerzahler und für die Konsumenten, sondern auch für Wohnen (Eigentum und Miete), für Schenkung und für Erbschaft. Die EZB-Geldpolitik hat eine Enteignung und eine Wertabschöpfung, aber keine Wertschöpfung zur Folge. Sie fördert die Gefahr von Blasenbildungen bei Vermögenswerten (Immobilien, Aktien), eine Fehlleitung von Ressourcen, Fehlinvestitionen und Kapitalaufzehrung. Es findet eine "Zwangsentsparung" statt! Eine private Altersvorsorge gilt als Torheit!

Die "Geldentwertungs- und Zwangsumverteilungsunion" ermöglicht den Politikern und den Bankmanagern einen Verzicht auf strukturelle Reformen, die "wehtun". Die Regierungen verlassen sich auf die EZB. Die Geldentwertung finanziert eine Verschwendung von Geld!

Es kann nicht die Aufgabe einer Zentralbank sein, Strukturkonservierung zu fördern und den Strukturwandel zu blockieren. Die EZB erspart Investoren (bei Fehlinvestitionen) Verluste. Die Innovativen und die Produktiven werden benachteiligt.

Die EZB-Geldpolitik ist antimarktwirtschaftlich! Der Angriff auf das Privateigentum ist antiliberal! Die EZB-Geldpolitik erschwert den Vermögensaufbau! Sie unterstützt nicht die Eigentümergesellschaft! Sie höhlt die Marktwirtschaft aus. Die EZB verhindert, dass "knappe Ressourcen in die Hände der besten Wirte gelangen". Das wirkt wohlstandsmindernd ("Was man sieht und was man nicht sieht").

Die Umverteilung im Sozialstaat wird permanent heftig diskutiert. Die EZB betreibt mit ihrer Geldpolitik eine (vergleichsweise) gigantische Einkommens- und Vermögensumverteilungspolitik und eine "Subventionspolitik", die auch die Kapitalflucht innerhalb der Eurozone und somit den Anstieg der Immobilienpreise fördert.

Die EZB ermöglicht ein Leben auf Kosten anderer in einer "Haftungs- und Transferunion". Sie kann die Probleme einzelner Staaten und Banken nicht lösen, aber es gelingt ihr durch die "Unterminierung rechtsstaatlicher Prinzipien" die Probleme zu verdecken und "Zeit zu kaufen"! Dabei werden in der "Wertabschöpfungsunion" Verluste auch sozialisiert/vergemeinschaftet. Der Steuerzahler wird heute und in Zukunft zur Kassa gebeten.

Die monetären Interventionsspiralen der EZB-Geldpolitik bewirken eine Verringerung von Wohlstandssteigerungen und Wohlstandsverluste. Es gibt aber weder eine Verantwortung noch eine Haftung der EZB für die Folgen IHRER Geldpolitik!

Die Politik "delegiert" die Verantwortung an die EZB. Die EZB betreibt "monetäre Staatsfinanzierung" und macht "Fiskalpolitik".

Eine Folge dieser Geldpolitik sind auch die Freiheitsverluste für die Bürger! Die Jugendlichen sind mit 16 Jahren wahlberechtigt. Sie sind auch in der Lage, über die Frage zu reflektieren, welche budgetpolitischen Maßnahmen (Steuererhöhungen, Ausgabenkürzungen) die Regierungen ohne die derzeitige Geldpolitik der EZB umsetzen müssten.

Warum sollten Jugendliche nicht mehr als bisher über die Instrumente der Geldpolitik, über Wertpapiere, über Besicherungspolitik, über "Notenbankfähigkeit" und über die Bonität von Sicherheiten sowie über "Geld aus dem Nichts" (durch Zentralbanken und Banken) nachdenken?

Ohne geldpolitische Bildung wird der geldpolitische Analphabetismus nicht verringert werden können.

Josef Stargl ist AHS-Lehrer in Ruhe und ein Freund der Freiheit.

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  1. Ausgezeichneter KommentatorÖkonomie-Vergelter
    1x Ausgezeichneter Kommentar
    08. August 2017 21:09

    "Die EZB verhindert, dass "knappe Ressourcen in die Hände der besten Wirte gelangen". Das wirkt wohlstandsmindernd ("Was man sieht und was man nicht sieht")."

    "Die EZB-Geldpolitik hat eine Enteignung und eine Wertabschöpfung, aber keine Wertschöpfung zur Folge. Sie fördert die Gefahr von Blasenbildungen bei Vermögenswerten (Immobilien, Aktien), eine Fehlleitung von Ressourcen, Fehlinvestitionen und Kapitalaufzehrung."

    Großen Dank Herr Stargl für Ihre goldenen Worte!

    Eine Notenbank hat keine großzügige Hilfe zu gewähren, sondern dafür zu sorgen, dass die Geldmenge im Verhältnis der Gesamtheit aller Vermögensaggregate möglichst konstant bleibt.

    Die EZB rettet aber entgegen ihrer Aufgabe trotzdem, nämlich Staaten durch Aufkauf von deren Anleihen ("Schatzbriefen"; wenn auch über den Sekundärmarkt), wofür - über den ESM - alle Steuerzahler geradezustehen haben, als auch den kriselnden Banken durch großzügige Kreditrahmen, wofür (auch) der Rest der noch intakten Branche via Negativzinsen bei den obligatorischen EZB-Einlagen zu büßen hat.

    Wenn Staaten nicht dazu verhalten werden können, im Rahmen von deren Volkswirtschaften den Warenverbrauch in einer Schwebe zu halten mit der eigenen Warenproduktion, dann bedeutet das - zumindest a la longue - den Zusammenbruch des kapitalistischen Geldmarktsystems, wodurch mit dem Enden der Möglichkeiten zur Schuldenmacherei im großen Stil die Volkswirtschaften mit brutaler sozialer Kälte wiederum auf sich allein und auf die eigene Werktätigkeit gestellt wären, um aus dem Ausland zB Smartphones importieren und mit Gegenwerten bezahlen zu können.

    Ebenso dürften Banken nicht "too big to fail" sein. Solche Institute sind unter Beistand und Aufsicht des Staates, um Härten bei Wirtschaftstreibenden abzufedern, entweder in den Konkurs zu schicken oder durch befristete staatliche Beteiligung zu sanieren, Letzteres aber nur bei guter Aussicht, dass der Steuerzahler zumindest pari aussteigt.

    Nicht unerwähnt sollte auch bleiben, dass eine Nullzinspolitik den Bürgern die Möglichkeit nimmt, am Wohlstandswachstum durch monetäre Engagements in erfolgreiche Wirtschaftsprojekte zu partizipieren. Dieser Missstand kommt wiederum den Etatisten zupass, die sich als einzige Wohlstandshüter der Untertanen auszugeben trachten.

  2. Ausgezeichneter Kommentatordssm
    1x Ausgezeichneter Kommentar
    07. August 2017 10:51

    Ein solcher Artikel ist unfair, so wahr viele Dinge auch sind. Aber die EZB-Oberen haben offensichtlich begriffen, daß ihre großzügig gewährte Hilfe nicht für die notwendigen Strukturreformen genutzt wurde, sondern um billige Wählerbestechung zu betreiben. Entsprechende dokumentiert die EZB genau was sie tut, wer und wie hat hier entschieden und was erwartet man im Gegenzug.
    Ich halte nichts von EZB-bashing, ganz im Gegenteil, ich würde es sehr begrüßen, wenn man Nowotny, Weidmann, Moscovici (für die EU), Makúch, Praet, Coeuré oder Liikanen seitens der Politik den Rücken stärken würde! Da könnten Kurz und seine Mannen ja einmal beweisen wo sie in Wahrheit stehen, bei Kern ist ja ohnehin Hopfen und Malz verloren. Auch der FPÖ würde eine klare Positionierung nicht schaden.
    Aber leider ist selbst in diesem Forum das Wissen um die Handlungen der EZB sehr gering, denn in den Massenmedien hört man ja nichts dazu und wenn, dann nur entweder blinde Lobhudelei oder eine, wohl durch Unwissenheit bedingte, schwarz/weiß Malerei wie in diesem Beitrag des Herrn Stargl.

    Mit anderen Worten, einen Herrn Stargl kann man diese Bildungsarbeit nicht überlassen, aber wenn selbst einem so engagierten Lehrer es nicht zuzutrauen ist, wer kann dies dann tun?
    Mises lesen? Mark Banco oder Bank von Amsterdam studieren?

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  1. fredl (kein Partner)
    10. August 2017 15:45

    @dssm, die Allwissende Müllhalde!

  2. fredl (kein Partner)
    10. August 2017 15:42

    Und wer wird die geldpolitische Bildung durchführen? Richtig, entweder Systemknechte oder irgendwelche nichtsnutzigen Junglehrer, die gleich ahnungslos aber noch linker sind als ihre Schüler. Werter Herr Stangl, sie scheinen zwar sehr engagiert aber auch unendlich naiv zu sein.

  3. fewe (kein Partner)
    10. August 2017 08:58

    "Geld aus dem Nichts" gibt es nicht. Der Wert der gesamte umlaufende Geldmenge im Wirtschaftsraum der Währung steht in einem direkten Verhältnis zur Wirtschaftsleistung im Währungsraum. Wenn mehr in Umlauf gebracht wird hat die Einheit einen geringeren Wert v.v. Also Inflation oder Deflation.

    Was die EZB mit der Währung aufführt will ich eigentlich garnicht so genau wissen, sonst wird mir eh nur schlecht. Es ist auch ziemlich nutzlos, weil ich kann keinen Einfluss darauf nehmen. Die Politiker übrigens auch nicht.

    Mit der Währung passiert das, wozu die entscheidenden Leute gerade aufgelegt sind. Mehr ist nicht dahinter. Wir müssen das hinnehmen.

  4. Ökonomie-Vergelter
    08. August 2017 21:09

    "Die EZB verhindert, dass "knappe Ressourcen in die Hände der besten Wirte gelangen". Das wirkt wohlstandsmindernd ("Was man sieht und was man nicht sieht")."

    "Die EZB-Geldpolitik hat eine Enteignung und eine Wertabschöpfung, aber keine Wertschöpfung zur Folge. Sie fördert die Gefahr von Blasenbildungen bei Vermögenswerten (Immobilien, Aktien), eine Fehlleitung von Ressourcen, Fehlinvestitionen und Kapitalaufzehrung."

    Großen Dank Herr Stargl für Ihre goldenen Worte!

    Eine Notenbank hat keine großzügige Hilfe zu gewähren, sondern dafür zu sorgen, dass die Geldmenge im Verhältnis der Gesamtheit aller Vermögensaggregate möglichst konstant bleibt.

    Die EZB rettet aber entgegen ihrer Aufgabe trotzdem, nämlich Staaten durch Aufkauf von deren Anleihen ("Schatzbriefen"; wenn auch über den Sekundärmarkt), wofür - über den ESM - alle Steuerzahler geradezustehen haben, als auch den kriselnden Banken durch großzügige Kreditrahmen, wofür (auch) der Rest der noch intakten Branche via Negativzinsen bei den obligatorischen EZB-Einlagen zu büßen hat.

    Wenn Staaten nicht dazu verhalten werden können, im Rahmen von deren Volkswirtschaften den Warenverbrauch in einer Schwebe zu halten mit der eigenen Warenproduktion, dann bedeutet das - zumindest a la longue - den Zusammenbruch des kapitalistischen Geldmarktsystems, wodurch mit dem Enden der Möglichkeiten zur Schuldenmacherei im großen Stil die Volkswirtschaften mit brutaler sozialer Kälte wiederum auf sich allein und auf die eigene Werktätigkeit gestellt wären, um aus dem Ausland zB Smartphones importieren und mit Gegenwerten bezahlen zu können.

    Ebenso dürften Banken nicht "too big to fail" sein. Solche Institute sind unter Beistand und Aufsicht des Staates, um Härten bei Wirtschaftstreibenden abzufedern, entweder in den Konkurs zu schicken oder durch befristete staatliche Beteiligung zu sanieren, Letzteres aber nur bei guter Aussicht, dass der Steuerzahler zumindest pari aussteigt.

    Nicht unerwähnt sollte auch bleiben, dass eine Nullzinspolitik den Bürgern die Möglichkeit nimmt, am Wohlstandswachstum durch monetäre Engagements in erfolgreiche Wirtschaftsprojekte zu partizipieren. Dieser Missstand kommt wiederum den Etatisten zupass, die sich als einzige Wohlstandshüter der Untertanen auszugeben trachten.

  5. dssm
    07. August 2017 10:51

    Ein solcher Artikel ist unfair, so wahr viele Dinge auch sind. Aber die EZB-Oberen haben offensichtlich begriffen, daß ihre großzügig gewährte Hilfe nicht für die notwendigen Strukturreformen genutzt wurde, sondern um billige Wählerbestechung zu betreiben. Entsprechende dokumentiert die EZB genau was sie tut, wer und wie hat hier entschieden und was erwartet man im Gegenzug.
    Ich halte nichts von EZB-bashing, ganz im Gegenteil, ich würde es sehr begrüßen, wenn man Nowotny, Weidmann, Moscovici (für die EU), Makúch, Praet, Coeuré oder Liikanen seitens der Politik den Rücken stärken würde! Da könnten Kurz und seine Mannen ja einmal beweisen wo sie in Wahrheit stehen, bei Kern ist ja ohnehin Hopfen und Malz verloren. Auch der FPÖ würde eine klare Positionierung nicht schaden.
    Aber leider ist selbst in diesem Forum das Wissen um die Handlungen der EZB sehr gering, denn in den Massenmedien hört man ja nichts dazu und wenn, dann nur entweder blinde Lobhudelei oder eine, wohl durch Unwissenheit bedingte, schwarz/weiß Malerei wie in diesem Beitrag des Herrn Stargl.

    Mit anderen Worten, einen Herrn Stargl kann man diese Bildungsarbeit nicht überlassen, aber wenn selbst einem so engagierten Lehrer es nicht zuzutrauen ist, wer kann dies dann tun?
    Mises lesen? Mark Banco oder Bank von Amsterdam studieren?





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