Das beziehungskulturelle System drucken

Lesezeit: 2:30

Die Realverfassung dieses Landes kann als "neofeudales korporatistisch-sozialistisches und beziehungskulturelles System mit höfischen Strukturen und Verhaltensweisen" bezeichnet werden. Die Schwächen dieses Systems werden immer transparenter. Wir benötigen mehr Regelkultur!

Die Freunde der "Beziehungskultur" in den Zirkeln der Macht nehmen die Sorgen der Bürger nicht ernst. Viele von ihnen respektieren keine anderen Standpunkte und lehnen einen fairen Wettbewerb mit Regeln ab. Es geht ihnen vor allem um den Machterhalt und um die Ausweitung der Macht für den Staat, der von ihnen für ihre Partialinteressen instrumentalisiert wird.

Zahlreiche Mitglieder der neofeudalen Cliquen und ihre Gefolgschaften sind (kakanische) Profis bei Rang- und Gunststreitigkeiten. Als Beziehungskultur-Experten haben sie im Verlauf ihrer Karriere gelernt, ihre Gefühle zu kontrollieren (Affektbeherrschung!), Unterwürfigkeit zu praktizieren, geschickt zu lügen und zu verführen, andere zu benutzen beziehungsweise für sich arbeiten zu lassen sowie dafür zu sorgen, dass andere miteinander in Streit geraten.

Praxiserprobte "Intriganten" in höfischen Strukturen wollen primär anderen schaden. Als Meister des Vorteils durch List/Täuschung benutzen sie "Masken", heucheln, pflegen das Doppelspiel und die hinterhältige Denunziation. Inszenierungen mit Vernebelungstaktik und mit Flexibilität sind ihre Stärken. Es gilt vor allem, sich keine Blöße zu geben. Falschmeldungen, Desinformation, Verleumdungen, verdeckte Aktionen (um Misstrauen zu erzeugen!), Verpersönlichung der Sache und Gerüchte über Personen werden (im immerwährenden Wahlkampf) permanent in frecher Arroganz kombiniert mit "Appellen an den Gemeinsinn"!

Bewähren kann sich ein solches beziehungskulturelles System nur, wenn die Mehrheit der Bürger belogen werden will und keine Freiheit unter dem Recht, sondern der (vermeintlichen) Vorteile wegen die freiwillige Knechtschaft ersehnt.

In offenen Gesellschafts- und Wirtschaftsordnungen versuchen die Bürger und die Politiker, Wissen und Weisheit zu erlangen, um aus Irrtümern und Fehlern bzw. aus dem Scheitern zu lernen.

Beziehungskultur-Experten und Intriganten ersehnen keine Kritik und keinen Widerspruch. Demut, Bescheidenheit und Wahrhaftigkeit sind ihnen fremd. Produktive Konflikte werden von ihnen nicht als Chancen für bessere sachliche Lösungen betrachtet. Im täglichen "Spiel um die Macht" verzichten sie gerne darauf, sich unbequemen Wahrheiten zu stellen, Beziehungen, Seilschaften, Arrangements und Junktimierung werden gepflegt. Ein Engagement für die "gemeinsame Sache" und für die Errungenschaften der europäischen Zivilisation hilft nicht bei der Karriere. Alles, was zählt, ist gespielte Tugend.

Solidaritätsappelle sollen helfen, die Tatsache zu verschleiern, dass durch Schulden sowie durch finanz- und geldpolitische Enteignung Sonderinteressen bedient werden.

Das beziehungskulturelle System ist das zentrale Problem dieses Landes. Es fördert die Partei- und Verbändesoldaten, entmutigt die Produktiven, verringert den Wohlstand, schwächt den Mittelstand und eröffnet der Jugend weniger Chancen im Vermögensaufbau.

Die Politik der neofeudalen Zirkel der Macht löst keine strukturellen Probleme, sondern sie schafft neue Probleme.

Josef Stargl ist AHS-Lehrer in Ruhe und ein Freund der Freiheit.

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  1. Ausgezeichneter Kommentatorbrechstange
    7x Ausgezeichneter Kommentar
    13. Juli 2017 11:04

    Unsere Bürgerinitiative SOS-Bargeld.com/unterschreiben/ sucht Unterstützer.

    Dazu fällt mir eine Begebenheit ein, die wie die Faust aufs Auge zu Ihrem Artikel passt. Ich fragte den steir. WK-Präsidenten um Unterstützung durch seine Unterschrift. Forsch antwortete er: Wir machen selber was. Meine Antwort: Wir machen uns mit unserem privaten Geld, Sie machen es auch mit unserem. Das fand er wahrscheinlich nicht freundlich, rasch wendete er sich seinem Handy zu.

  2. Ausgezeichneter KommentatorNormalsterblicher
    3x Ausgezeichneter Kommentar
    13. Juli 2017 21:23

    Danke, Herr Stargl, man kann es gar nicht oft genug sagen:

    "Solidaritätsappelle sollen helfen, die Tatsache zu verschleiern, dass durch Schulden sowie durch finanz- und geldpolitische Enteignung Sonderinteressen bedient werden."

    Tol[l]eranz gibt es in einem derart klassenbewussten Netzwerk nur für all das, was die öffentlichen Ausgaben steigert. Die ständig wachsende Einkommensschere zwischen öffentlich-rechtlich Beschäftigten und dem gemeinem Volk ist der Feudalklasse dabei natürlich "Schnuppe".

  3. Ausgezeichneter KommentatorSpecht
    3x Ausgezeichneter Kommentar
    13. Juli 2017 10:24

    Bei mir hat sich durch diese Beschreibung ein Film vor meinem geistigen Auge abgespielt. Angefangen von den Geschichten vom Dr. Kreisky über einen talentieren Zuckerbäcker und weiter zu seltsamem Morden und Kanonen, eigenartige Karrieren und Bankskandale wobei immer gewisse Kreise auf der Butterseite landen.

  4. Ausgezeichneter KommentatorHelmut Oswald
    1x Ausgezeichneter Kommentar
    15. Juli 2017 03:53

    Stargl - jedes Wort stimmt. Danke.

  5. Ausgezeichneter Kommentatorde Voltaire
    1x Ausgezeichneter Kommentar
    13. Juli 2017 11:20

    "... wenn die Mehrheit der Bürger belogen werden will und keine Freiheit unter dem Recht, sondern der (vermeintlichen) Vorteile wegen die freiwillige Knechtschaft ersehnt."

    Genauso nehme ich aber die Mehrheit der Bürger war. Auch durchaus intelligenten und integren Personen sind diese Mechanismen nicht klar zu machen. Leider.

  6. Ausgezeichneter KommentatorBob
    1x Ausgezeichneter Kommentar
    13. Juli 2017 09:45

    Leider bin ich zu primitiv oder zu blöd um ihren Ausführungen zu folgen. Aber Hut ab, soviel Fremdwörter in einem Artikel findet man selten.

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  1. Anmerkung (kein Partner)
    16. Juli 2017 21:01

    Wenn nur das parteienübergreifende "beziehungskulturelle" System nicht die Haupt-"Errungenschaft der europäischen Zivilisation" wäre! Kompliziert ist daran nichts, man muss nur beachten, dass in dem System die zentrale Beziehungsachse zwischen den Schmarotzern "oben" und den zahlenmäßig stark im Aufschwung befindlichen Schmarotzern "unten" verläuft. Das ist jetzt die demokratische Mehrheit, die sich die Leistungswilligen als Sklaven hält.

    Gerne wird Komplexität vorgeschützt, um sicherzustellen, dass das menschliche Schmarotzertum weiterhin nicht thematisiert wird. Ein völlig logisches Verbot, weil eben die Schmarotzer das Sagen haben. Wegen ihrer Mehrheit wird sich da auch nichts ändern.

  2. Ingrid Bittner
    16. Juli 2017 18:07

    Nach mehreren Anläufen wollt ich mir jetzt diesen Beitrag doch auch zur Gänze zu Gemüte führen, aber ich bin wieder ausgestiegen, weil wenn ich schon im ersten Satz lese:
    "neofeudales korporatistisch-sozialistisches und beziehungskulturelles System mit höfischen Strukturen und Verhaltensweisen" - dann vergeht mir irgendwie die Lust. Ich hab's wieder nicht gepackt.
    Ich weiss nicht, ob es einzelne zuviel verwendete Fremdwörter sind oder eine Sprache, die ein flüssiges Lesen unmöglich macht, auf alle Fälle ist es nicht das erste Mal, dass ich dem Hr. Mag. Stargl sozusagen einen Korb geben muss.
    Vielleicht ist es schlicht und einfach eine etwas veraltete Schreibweise. Nix für ungut Hr. Mag. Stargl.

  3. Helmut Oswald
    15. Juli 2017 03:53

    Stargl - jedes Wort stimmt. Danke.

  4. Normalsterblicher
    13. Juli 2017 21:23

    Danke, Herr Stargl, man kann es gar nicht oft genug sagen:

    "Solidaritätsappelle sollen helfen, die Tatsache zu verschleiern, dass durch Schulden sowie durch finanz- und geldpolitische Enteignung Sonderinteressen bedient werden."

    Tol[l]eranz gibt es in einem derart klassenbewussten Netzwerk nur für all das, was die öffentlichen Ausgaben steigert. Die ständig wachsende Einkommensschere zwischen öffentlich-rechtlich Beschäftigten und dem gemeinem Volk ist der Feudalklasse dabei natürlich "Schnuppe".

  5. de Voltaire
    13. Juli 2017 11:20

    "... wenn die Mehrheit der Bürger belogen werden will und keine Freiheit unter dem Recht, sondern der (vermeintlichen) Vorteile wegen die freiwillige Knechtschaft ersehnt."

    Genauso nehme ich aber die Mehrheit der Bürger war. Auch durchaus intelligenten und integren Personen sind diese Mechanismen nicht klar zu machen. Leider.

  6. brechstange
    13. Juli 2017 11:04

    Unsere Bürgerinitiative SOS-Bargeld.com/unterschreiben/ sucht Unterstützer.

    Dazu fällt mir eine Begebenheit ein, die wie die Faust aufs Auge zu Ihrem Artikel passt. Ich fragte den steir. WK-Präsidenten um Unterstützung durch seine Unterschrift. Forsch antwortete er: Wir machen selber was. Meine Antwort: Wir machen uns mit unserem privaten Geld, Sie machen es auch mit unserem. Das fand er wahrscheinlich nicht freundlich, rasch wendete er sich seinem Handy zu.

  7. Specht
    13. Juli 2017 10:24

    Bei mir hat sich durch diese Beschreibung ein Film vor meinem geistigen Auge abgespielt. Angefangen von den Geschichten vom Dr. Kreisky über einen talentieren Zuckerbäcker und weiter zu seltsamem Morden und Kanonen, eigenartige Karrieren und Bankskandale wobei immer gewisse Kreise auf der Butterseite landen.

  8. Bob
    13. Juli 2017 09:45

    Leider bin ich zu primitiv oder zu blöd um ihren Ausführungen zu folgen. Aber Hut ab, soviel Fremdwörter in einem Artikel findet man selten.

    • lei-lei
      13. Juli 2017 19:44

      Nun ja, diesmal liegen Sie aber falsch, werter Bob. Das einzige selten gebrauchte Wort in dem Artikel ist nämlich "korporatistisch".

    • Anmerkung (kein Partner)
      16. Juli 2017 21:07

      Richtig, @lei-lei, und auch, was "korporatistisch" heißt, weiß man in Österreich wohl besser als anderswo. Man braucht nur an das zu denken, was unter der Bezeichnung "sozialpartnerschaftlich" läuft.





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