Schuften für Frieden drucken

Lesezeit: 4:00

Schuften für eine Sozialunion, für Eurobonds (Schuldenübernahme), für eine EU-Transferunion – das muss es uns schon wert sein oder nicht? 

Alle Macron-Fans sollten langsam aufwachen und die Fakten beachten. Was will Macron? Was wollen europäische Sozialdemokraten, Grüne und andere Linke? Was wollen die „nationalen Helden“ wie Draghi, Barnier, Enria u.a. in den europäischen Institutionen?

Sie alle wollen das angerichtete Desaster weiterschleppen mit Hilfe einer Sozialunion, mit Hilfe von Eurobonds und einer EU-Transferunion. Sie wollen eine Bankenunion mit europäischer Einlagensicherung. Sie wollen die Einlagensicherungsfonds der Deutschen und Österreicher. Unsere lieben Freunde schwächen UNS aus Eigennutz und nennen das Solidarität. Ist Solidarität eine Einbahnstraße?

Diese Anliegen sind für uns eine sehr teure Angelegenheit. Reformen werden in Frankreich sowie im Süden Europas von den Gewerkschaften mit Gewalt verhindert. So wird Frankreichs Elite auf die Feinde außen setzen. Le Pen hat es bereits im Wahlkampf gesagt, dass Deutschland an allem Schuld hat. Macron hat es zwar nicht gesagt, denkt aber keineswegs an innere Reformen, sondern an eine europäische Reform mit dem Ziel einer europäischen Transferunion: Deutschland und Co sollen zahlen. Eine Umverteilungsunion soll die Lösung sein. Die deutschen Sozialdemokraten haben bereits einen deutsch-französischen Investmentfonds vorgeschlagen, um Macron zu stützen.

In der EU gibt es seit Anbeginn eine Konfliktlinie zwischen dem zentralistisch-etatistischen Weg Frankreichs und dem föderalem Weg Deutschlands mit Eigenverantwortung statt direktiver Planwirtschaft. Die EU soll nach dem französischen Modell gebaut werden, weil Frankreich, die Grande Nation, nichts anderes akzeptiert. Das Grande ist zwar inzwischen Petite, aber auch beim Militär setzt Frankreich auf EU-Helfer wie Österreich trotz Neutralität (siehe Mali-Einsatz). Diese Entwicklung ist ein Hauptgrund für den Brexit, den Austritt Großbritanniens aus der EU.

Frankreich und der Club Med haben ein Riesenproblem. Sie sind im Euro nicht wettbewerbsfähig. Sie haben sich seit 1998 im Euro günstig verschulden können. Sie haben das prächtig genutzt. Ihre Banken haben Kredite nach Griechenland und auch in die Türkei in Milliardenhöhe vergeben, um Marktanteile zu sichern. Nun stehen diese Kredite im Feuer. Sie sind faul. Alleine Italiens Banken haben 360 Milliarden Euro faule Kredite in ihren Büchern. Andrea Enria, von der europäischen Bankenaufsichtsbehörde fordert eine europäische Bad Bank –  das heißt, alle Europäer sollen für die Fehlentscheidungen mitzahlen. Sehr praktisch, die Friedensunion wird das wohl wert sein.

Außerdem haben die Deutschen einen zu großen Handelsüberschuss, so was Schlimmes aber auch. Die Ursache liegt nicht in Deutschland. Sie liegt an der Fehleinschätzung der Siegermächte, allen voran Frankreichs, als sie als Pfand für die Wiedervereinigung die DM gegen den Euro verlangten. Für Mitterrand war die DM eine „Atombombe“. Die Forderungen Deutschlands gegen das Eurosystem (Targetsalden) sind auf über 800 Milliarden Euro aufgelaufen. Frankreich einschließlich Club Med bedient sich am Eurosystem, kein Mensch weiß, was über den STEP-Markt läuft, angeblich nicht einmal die EZB.

Für Deutschland ist der Euro zu billig, sie verkaufen ihre Waren zu billig und enteignen so automatisch ihre Einwohner. Für Frankreich und Co ist der Euro zu teuer, sie sind nicht wettbewerbsfähig.

Macron fordert (ich wage zu behaupten: in Übereinstimmung mit der EU) die Aufweichung der Maastricht-Kriterien. Auch europäische Sozialdemokraten, Linke, Grüne befürworten das.

Die Folge daraus sind höhere Schulden durch öffentliche Investitionen, durch Subventionen für unternehmerische Investitionen, durch deutsche Investitionen in Frankreich, durch die Verdoppelung der Lehrer und Schulräumlichkeiten, durch Aufstockung der Polizei um 10.000 Polizisten, durch Gewaltprävention in Schulen. Das alles und viel mehr soll bei Beibehaltung der 35-Stunden-Woche und der Rente mit 62 Jahren zu weniger Schulden und Schuldenabbau in Frankreich führen.

Diese Quadratur des Kreises ist selbstverständlich nur mit Hilfe einer EU-Transferunion mit Schulden-Vergemeinschaftung zu stemmen, denkt die „Elite“, nicht faktenbasiert. Das Pulver ist verschossen, es wird von der Substanz gelebt: von der Substanz der Nettozahler, von der Substanz der Bürger und Steuerzahler.

Wacht auf, Ihr im Glückstaumel ob der französischen Wahl Geblendeten. Es wird ein hartes Tauziehen. Ein Weiterwurschteln wird uns Österreicher zusätzlich zu den hausgemachten Problemen endgültig Kopf und Kragen kosten. Europa kann nur in Eigenverantwortung der Staaten funktionieren. Europäische Kooperation ist wichtig und notwendig, Solidarität aber ist keine Einbahnstraße.

Mag. Elisabeth Weiß ist Betriebswirtin und Mitbegründerin der Bürgerzeitschrift „Echo der himmelschreienden Diskriminierung des österreichischen Steuerzahlers“. Außerdem ist sie Initiatorin der Bürgerinitiative SOS Bargeld Stopp der Abschaffung,

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  1. Ausgezeichneter KommentatorWyatt
    10x Ausgezeichneter Kommentar
    16. Mai 2017 17:58

    Mag. Weiß,
    *****
    *****
    *****
    So ist es, Europa kann nur in Eigenverantwortung der Staaten funktionieren!!!

    (...und braucht Regierungen, welche die Interessen der eigenen Bevölkerung wahrnimmt und nicht Marionetten des Programms "Neue Weltordnung".)

  2. Ausgezeichneter KommentatorHelmut Oswald
    9x Ausgezeichneter Kommentar
    16. Mai 2017 18:52

    Schuften für den Frieden nannte man zu anderen, ehrlicheren Zeiten beim Wort:
    es war Tribut!

    Der funktioniert, außer bei einem Kötervolk, nur, wenn sich Rüstung und Befreiungsschlag nicht billiger verwirklichen lassen, als den Feind zu bezahlen. Hat wer von euch gerade eben einen Taschenrechner dabei ... ???

  3. Ausgezeichneter KommentatorRomana
    8x Ausgezeichneter Kommentar
    17. Mai 2017 09:47

    Aus diesem kaputten Verein kann man nur austreten, wie es England vorgemacht hat. Rette sich, wer kann!

  4. Ausgezeichneter KommentatorJosef Maierhofer
    7x Ausgezeichneter Kommentar
    16. Mai 2017 18:04

    Nicht nur das, auch die Zuwanderung, auch die Sozialunion. all das fällt uns gerade auf den Kopf.

    Danke für den Artikel !

  5. Ausgezeichneter Kommentatordssm
    4x Ausgezeichneter Kommentar
    17. Mai 2017 14:27

    Marcon und Kollegen denken immer in Geld, nicht in Waren und Menschen. Deutschland ist pleite, da ist nichts zu holen! Denn die vielen schönen Vermögen sind wahlweise durch die Bewertung rund um die Gelddruckerei entstanden oder es handelt sich um Geldvermögen, dem Schuldtitel eben jener Länder gegenüberstehen, welche nun weiter von Deutschland leben wollen.

    Entscheidend ist der Fluss von Waren! Sonst gar nichts. Deutschland produziert zwar ganz nett, aber da keine Rohstoffe da sind, stehen jedem inländischen Verbrauch und jedem Export erst Importe gegenüber. Steigt also der Ölpreis (oder andere Rohstoffpreise), so ist es mit Deutschlands ‚Reichtum‘ vorbei. Längerfristig kann der Club Med sich nicht von Deutschland aushalten lassen, egal wie viele Phantastillionen an Haftungen und Transfers fließen.

  6. Ausgezeichneter KommentatorBob
    4x Ausgezeichneter Kommentar
    17. Mai 2017 09:33

    Danke für die klärenden Worte!
    **********************************************

  7. Ausgezeichneter KommentatorFlotte Lotte
    2x Ausgezeichneter Kommentar

alle Kommentare drucken

  1. Ausgebeuteter
    23. Mai 2017 08:59

    Danke Frau Mag. Weiß alias brechstange für den kurzen, aber prägnanten Kommentar.

  2. Flotte Lotte
    18. Mai 2017 20:03

    Genau, das meine ich auch...

    • Flotte Lotte
      18. Mai 2017 20:05

      Oje, das sollte zu Wyatt, sorry - hätte ich einen eigenen Kommentar angefangen, müsste ich mich einfach bei Fr. Mag. Weiß recht herzlich bedanken für die ausgezeichnete Analyse. Danke!

  3. dssm
    17. Mai 2017 14:27

    Marcon und Kollegen denken immer in Geld, nicht in Waren und Menschen. Deutschland ist pleite, da ist nichts zu holen! Denn die vielen schönen Vermögen sind wahlweise durch die Bewertung rund um die Gelddruckerei entstanden oder es handelt sich um Geldvermögen, dem Schuldtitel eben jener Länder gegenüberstehen, welche nun weiter von Deutschland leben wollen.

    Entscheidend ist der Fluss von Waren! Sonst gar nichts. Deutschland produziert zwar ganz nett, aber da keine Rohstoffe da sind, stehen jedem inländischen Verbrauch und jedem Export erst Importe gegenüber. Steigt also der Ölpreis (oder andere Rohstoffpreise), so ist es mit Deutschlands ‚Reichtum‘ vorbei. Längerfristig kann der Club Med sich nicht von Deutschland aushalten lassen, egal wie viele Phantastillionen an Haftungen und Transfers fließen.

    • brechstange
      19. Mai 2017 12:09

      Das ist richtig, aber eine Nivellierung nach unten sollte als unerwünscht thematisiert werden.

  4. Romana
    17. Mai 2017 09:47

    Aus diesem kaputten Verein kann man nur austreten, wie es England vorgemacht hat. Rette sich, wer kann!

  5. Bob
    17. Mai 2017 09:33

    Danke für die klärenden Worte!
    **********************************************

  6. Helmut Oswald
    16. Mai 2017 18:52

    Schuften für den Frieden nannte man zu anderen, ehrlicheren Zeiten beim Wort:
    es war Tribut!

    Der funktioniert, außer bei einem Kötervolk, nur, wenn sich Rüstung und Befreiungsschlag nicht billiger verwirklichen lassen, als den Feind zu bezahlen. Hat wer von euch gerade eben einen Taschenrechner dabei ... ???

    • dssm
      17. Mai 2017 14:33

      @Helmut Oswald
      Eine ganz andere Denkweise, nämlich jene der führenden Köpfe nach dem WKI:
      Deutschland akzeptiert unendlich zu leistende Tribute. Da diese mit kaufkräftigem Geld (damals Gold) oder Ware bezahlt werden müssen, heißt dies exportieren, exportieren und nochmals exportieren – ohne wirkliche Bezahlung.
      Die Nehmerländer können inzwischen die Arbeitszeit weiter und weiter herunterfahren, den Beamtenstand vergrößern und die soziale Wohlfahrt verbessern, der Wohlstand wird ja von den Deutschen erarbeitet.
      Bis eines Tages auch die letzte Fabrik geschlossen hat und ohne Fabriken ist man auch militärisch impotent. Womit die Deutschen die Herrn würden, ohne einen Schuss.

    • Helmut Oswald
      17. Mai 2017 16:12

      @ dssm - eben, und weil die fremden Mächte das verstanden haben, halten Sie sich zwecks systematischer Deindustrialisierung die Morgenthau FRaktion mit den Trittins, den Fischers, der Claudia Roth et al. Und schieben die Flutilanten nach, damit sich der Genpool möglichst nicht noch weiter verbessert .. sonst wäre es wie mit Herkules - jede Last, jede Aufgabe die er übertragen bekommt macht ihn stärker, am Ende verkriecht sich der feige König in einem Faß, weil er sich nicht mehr getraut, dem Ausgebeuteten direkt in die Augen zu schauen ...
      Wir sind mitten drin ...

    • Wyatt
      18. Mai 2017 05:40

      @ beide
      *********
      *********
      *********
      (blöd ist nur, dass außer hier im Blog, nur selten noch sonst wo Hinweise in dieser Richtung zu lesen sind.)

    • Helmut Oswald
      18. Mai 2017 08:58

      @ Wyatt - macht nix, wir erzählens einfach allen weiter, die sich nicht auskennen. Damit sie sich auskennen.

    • dssm
      18. Mai 2017 14:25

      @Wyatt
      Zuerst müssen Sie: Unternehmensstrategien und technischer Fortschritt. Die deutsche und die britische Stahlindustrie 1865-1895, Wengenroth, lesen, dann wissen Sie warum es den WKI überhaupt gab, allen restlichen Schrott der Historiker kann man vergessen, die verstehen nichts von Wirtschft und Technik.
      Und dann lesen Sie eine Stinnes und/oder Rathenau Biographie.
      Und in den ganzen Büchern sind es drei oder vier Seiten, der Rest ist Beiwerk.

      Wenn Sie dies jemanden empfehlen, so werden Sie bald einen völlig veränderten Menschen finden.

  7. Josef Maierhofer
    16. Mai 2017 18:04

    Nicht nur das, auch die Zuwanderung, auch die Sozialunion. all das fällt uns gerade auf den Kopf.

    Danke für den Artikel !

  8. Wyatt
    16. Mai 2017 17:58

    Mag. Weiß,
    *****
    *****
    *****
    So ist es, Europa kann nur in Eigenverantwortung der Staaten funktionieren!!!

    (...und braucht Regierungen, welche die Interessen der eigenen Bevölkerung wahrnimmt und nicht Marionetten des Programms "Neue Weltordnung".)





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