Putzig, wenn die EZB die Inflation umdeutet drucken

Lesezeit: 2:30

Durch den niedrigen Ölpreis war die allgemeine Inflation in den letzten Jahren auf niedrigem Niveau. Bei der Berechnung der „Kerninflation“ werden hingegen Energie und Lebensmittel aus dem Warenkorb genommen. Diese Kerninflation war in den letzten Jahren weit höher als die allgemeine Inflation. Nun steigen die Preise für Energie und Lebensmittel, offenbar wird hier ein Anstieg erwartet.

Das heißt, die allgemeine Inflationsrate steigt in einem Teil der Euroländer über den Wert, der gemäß Statuten der EZB als Grenzwert für die Preisstabilität definiert ist. Somit wäre die EZB gezwungen, einem weiteren Preisanstieg durch Anhebung der Zinsen zu begegnen. Das will die EZB aber nicht. Sie deutet um und bezieht sich daher jetzt auf die Kerninflation.

So kann die Party mit Negativzinsen und niedrigen Zinsen, Ankauf von Staatsanleihen und Unternehmensanleihen weitergehen. Die umlaufende Geldmenge wird weiter erhöht. Das Inflationsrisiko steigt in Österreich extrem.

Der Grund für diese Verrenkungen der Währungshüter besteht in der Fehlkonstruktion des Euro und der von der Politik ausgerufenen Alternativlosigkeit zum Euro. Die europäische Politik hofft, dass die Staaten mit mehr Schulden über ein Spardiktat, das gar nicht durchsetzbar ist, aus ihrer Misere kommen.

Gemeinsame europäische Anleihen wie Eurobonds oder eine Transferunion sind auf Grund der Belastung der Staaten mit weniger Schulden noch nicht durchsetzbar. Statutenwidrig hat die EZB die Umverteilungsrolle in der Eurozone übernommen, obwohl sie nur der Währungsstabilität verpflichtet ist. Den Freibrief dazu haben sie sich über den Europäischen Gerichtshof geholt, der nicht unpolitisch und auch nicht uneigennützig handelt.

Obwohl die EZB eine eigene Rechtsabteilung hat, nahm Draghi teure Anwälte, um die Kläger gegen diese Rechtsverletzungen mit hohen Prozesskosten zu belasten. Gegen Kritiker dieser Rechtsbeugung des Europäischen Vertrags, die sich naturgemäß in der Zivilgesellschaft und in der Opposition befinden, wird aus „allen Rohren geschossen“. Viele Medien werden „Diener des Establishments“.

Die Bürger mit niedrigem Einkommen sind die ersten, die diese Verwerfungen spüren, meist aber nicht richtig einordnen können. Sie werden „aufmüpfig“. Establishment und Medien im Elfenbeinturm reiben sich die Augen und fragen sich: „Dürfen die das?“

Viele Wahlen stehen an. Die Zeit ist gekommen, die Pfründe zu sichern und die Vertiefung der EU zu einer Umverteilungsunion mit Eurobonds nicht zu gefährden. Mit teuren Wahlversprechen, Angst- und Neidpropaganda, Einschränkungen der Meinungsfreiheit, der Denunzierung der Sozialen Medien und Political Correctness erhofft sich das Establishment dieses Ziel zu erreichen. Diese Täuschung wird zum Teil ihre Wirkung erreichen, ist aber ein weiterer Meilenstein zu mehr Politikverdrossenheit. Das Establishment kocht „nur mit Wasser“, mit dem Wasser der Leistungsfähigkeit der Bürger.

Mag. Elisabeth Weiß, Betriebswirt

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  1. Ausgezeichneter KommentatorAbaelaard
    7x Ausgezeichneter Kommentar
    18. März 2017 08:19

    Für informationswillige Leute welche schon länger da sind um sich korrekt auszudrücken sind diese Dinge ohnehin klar, für alle anderen welche einen nur mit stumpfen toten Augen anstarren wenn man versucht ihnen die Situation zu erklären gibt es keine Hilfe, die begreifen nicht auch bei Wahlen nicht daß man sich wehren muß soweit man eben kann. Wehren kann sich der Bürger eben zumeist nur bei Wahlen aber da sollte er es tun.

  2. Ausgezeichneter KommentatorBob
    6x Ausgezeichneter Kommentar
    18. März 2017 10:17

    Ein hoher Prozentsatz der Wähler ist leider zu faul oder zu dumm sich eine eigene Meinung zu bilden. Er verlässt sich auf die Wahlwerbung oder die vorgegebene Linie der Medien.

  3. Ausgezeichneter KommentatorJosef Maierhofer
    4x Ausgezeichneter Kommentar
    18. März 2017 10:54

    Darum sollte Österreich schleunigst aus dem Euro aussteigen und alle dem sündteuren 'Drum-Herum' und bloß den Freihandelsvertrag weiter pflegen.

    Aber die gegenwärtige Politik führt uns in den Abgrund, aus dem wir nicht mehr hinaufkommen können. So nicht.

  4. Ausgezeichneter Kommentatordssm
    4x Ausgezeichneter Kommentar
    18. März 2017 10:41

    Die Rolle der EZB wird immer so negativ dargestellt, womit wir bei ‚fake-news‘ wären, denn die EZB veröffentlicht alles, mehr Transparenz geht nicht.
    Die EZB gibt die Leitlinien ihrer Währungspolitik immer im voraus bekannt, es wäre an den Politikern hier ändernd einzugreifen.

    Unser Hauptproblem ist das Unwissen der Politiker und Journalisten. Es nützt nichts wenn alles offen vor den Augen liegt, aber keiner den Sinn und die Auswirkungen versteht.

    Nicht die EZB ist schlecht, die EU ist ein Sauhaufen! Eine gemeinsame Währung mit klaren Regeln, die dann auch beachtet werden, ist eine feine Sache. Da aber die Politiker und Journalisten nicht wissen was passiert, werden Regeln beschlossen die so weltfremd sind, daß sie einfach gebrochen werden müssen, da kann das gut besetzte EZB-Direktorium wenig dafür.
    Nochmals, die Regeln werden nicht gebrochen weil alle EU-Politker Verbrecher sind, sondern weil die nicht verstehen worüber sie zu Rat sitzen.

    Als Beispiel sei die neue Regel für Bankenkrisen ausgeführt.
    Da soll also der staatliche Eingriff erst erfolgen, wenn die Geldgeber einen ‚haircut‘ erlebt haben. Grundvernünftig, denn so laufen Konkursverfahren.
    Leider waren die italienischen (…) Banken bereits vor dem Beschluß illiquid (man müsste wahrscheinlich an dieser Stelle Solvenz und Liquidität erklären?). Also hat der Staat Italien auf jedem Papier mitunterschrieben (HAA lässt grüßen). Würden es also zum ‚haircut‘ der Gläubiger kommen, so wäre Italien schlagartig pleite. Also hat man die eben aufgestellte Regel gleich wieder beerdigt. Das hätte man aber vorher wissen können, denn man hätte alle notwendigen Bewertungen bei Bloomberg abrufen können – dazu sind aber Journalisten und Politiker zu blöd.

    Inzwischen wird die Gewichtung der Anleihenkäufe nach volkswirtschaftlichen Kriterien aufgegeben, eine weiter Kernregel. Die EZB hat das brav im Vorhinein berichtet, aber Politik und Medien wissen nicht einmal was das heißt.

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  1. Josef Maierhofer
    18. März 2017 10:54

    Darum sollte Österreich schleunigst aus dem Euro aussteigen und alle dem sündteuren 'Drum-Herum' und bloß den Freihandelsvertrag weiter pflegen.

    Aber die gegenwärtige Politik führt uns in den Abgrund, aus dem wir nicht mehr hinaufkommen können. So nicht.

    • dssm
      18. März 2017 21:18

      @Josef Maierhofer
      Vielleicht könnten Sie die Rahmenbedingungen dieses Ausstiegs ein wenig konkretisieren?
      Zufällig habe ich gerade gestern mit einem Unterbergerleser dieses Thema diskutiert, wir haben keinen 'leichten' Weg sehen können.
      Ich wäre wirklich froh, wenn es eine Antwort gäbe!!!!

    • brechstange
      19. März 2017 07:58

      dssm

      Es gibt keinen leichten Weg. Der Weg ist zu gehen, die Fallhöhe ist eh schon hoch genug.

      Verkleinerung der Eurozone auf "one size fits the new members". Währungsband für die anderen. Zurück zu Eigenverantwortung und Haftung, zurück zu Recht und Vertrag.

  2. dssm
    18. März 2017 10:41

    Die Rolle der EZB wird immer so negativ dargestellt, womit wir bei ‚fake-news‘ wären, denn die EZB veröffentlicht alles, mehr Transparenz geht nicht.
    Die EZB gibt die Leitlinien ihrer Währungspolitik immer im voraus bekannt, es wäre an den Politikern hier ändernd einzugreifen.

    Unser Hauptproblem ist das Unwissen der Politiker und Journalisten. Es nützt nichts wenn alles offen vor den Augen liegt, aber keiner den Sinn und die Auswirkungen versteht.

    Nicht die EZB ist schlecht, die EU ist ein Sauhaufen! Eine gemeinsame Währung mit klaren Regeln, die dann auch beachtet werden, ist eine feine Sache. Da aber die Politiker und Journalisten nicht wissen was passiert, werden Regeln beschlossen die so weltfremd sind, daß sie einfach gebrochen werden müssen, da kann das gut besetzte EZB-Direktorium wenig dafür.
    Nochmals, die Regeln werden nicht gebrochen weil alle EU-Politker Verbrecher sind, sondern weil die nicht verstehen worüber sie zu Rat sitzen.

    Als Beispiel sei die neue Regel für Bankenkrisen ausgeführt.
    Da soll also der staatliche Eingriff erst erfolgen, wenn die Geldgeber einen ‚haircut‘ erlebt haben. Grundvernünftig, denn so laufen Konkursverfahren.
    Leider waren die italienischen (…) Banken bereits vor dem Beschluß illiquid (man müsste wahrscheinlich an dieser Stelle Solvenz und Liquidität erklären?). Also hat der Staat Italien auf jedem Papier mitunterschrieben (HAA lässt grüßen). Würden es also zum ‚haircut‘ der Gläubiger kommen, so wäre Italien schlagartig pleite. Also hat man die eben aufgestellte Regel gleich wieder beerdigt. Das hätte man aber vorher wissen können, denn man hätte alle notwendigen Bewertungen bei Bloomberg abrufen können – dazu sind aber Journalisten und Politiker zu blöd.

    Inzwischen wird die Gewichtung der Anleihenkäufe nach volkswirtschaftlichen Kriterien aufgegeben, eine weiter Kernregel. Die EZB hat das brav im Vorhinein berichtet, aber Politik und Medien wissen nicht einmal was das heißt.

    • brechstange
      19. März 2017 07:56

      Die EZB berichtet, aber entscheidet politisch. Die Leut verstehen es eh nicht.

      Politik, Medien sind gut miteinander vernetzt. Die geben sich Richtlinien, was berichtet werden darf und was nicht. Es wird schön geredet.

      Die die entscheiden, wissen mehr als wir glauben.

    • fxs (kein Partner)
      20. März 2017 09:06

      Auch bei beispielhafter Informationstätigkeit über ihre Politik, ist es die Politik selbst, die Kritik provoziert. Ehrlicherweise muss man diese Politik als offiziell geduldete Geldfälscherei bezeichnen.

  3. Bob
    18. März 2017 10:17

    Ein hoher Prozentsatz der Wähler ist leider zu faul oder zu dumm sich eine eigene Meinung zu bilden. Er verlässt sich auf die Wahlwerbung oder die vorgegebene Linie der Medien.

  4. Abaelaard
    18. März 2017 08:19

    Für informationswillige Leute welche schon länger da sind um sich korrekt auszudrücken sind diese Dinge ohnehin klar, für alle anderen welche einen nur mit stumpfen toten Augen anstarren wenn man versucht ihnen die Situation zu erklären gibt es keine Hilfe, die begreifen nicht auch bei Wahlen nicht daß man sich wehren muß soweit man eben kann. Wehren kann sich der Bürger eben zumeist nur bei Wahlen aber da sollte er es tun.

    • dssm
      18. März 2017 10:48

      @Abaelaard
      Es mag ‚informationswillige‘ Bürger geben, aber es fehlt so weit beim Thema Wirtschaft/Währung, daß diese Bürger nur Bahnhof verstehen. Selbst sogenannte Betriebs- und Volkswirte lernen die Zusammenhänge nicht. Es gibt vielleicht jedes Jahr ein paar Dutzend Studenten die bei Fuest, deSoto, Nyborg oder früher Sinn eine entsprechende Ausbildung erhalten, das ist für ganz Europa nicht besonders viel.

    • Torres (kein Partner)
      20. März 2017 11:16

      Es ist besonders beunruhigend, dass ein Großteil der Jugend weder eine Ahnung noch ein Interesse oder gar Kenntnisse von Politik, Wirtschaft und deren Zusammenhänge hat. Hauptsache man hat das neueste Smartphone und möglichst viele Freunde auf Facebook. Die Verringerung des Wahlalters auf 16 kommt noch verschärfend hinzu. Da muss ja schon fast froh sein, wenn - eben aus Desinteresse - die meisten Jugendlichen ohnehin nicht wählen gehen.

    • franz-josef
      20. März 2017 14:15

      Sehe ich wie Torres. Und jeder weiß, daß diese Minderbildung oder überhaupt fehlende Bildung gewollt ist. Der nächste Schritt für die nicht zum selbständigen Prüfen und Erfassen breiter Zusammenhänge Fähigen kann dann die Unterrichtung der einzigen staatlich zugelassenen Wahrheit sein.

      Wie praktisch.
      Dann könnte man Wahlen gleich weglassen und die 100 %ige Zustimmung von vornherein annehmen.





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