Nie mehr im Leben frei sein. Der neue Bildungstotalitarismus drucken

Lesezeit: 5:00

Unter dem wohlklingenden Titel der Bildung und Ausbildung greift der Staat in rasantem Tempo immer intensiver in die individuelle Lebensgestaltung ein, ohne dass sich hiergegen nennenswerter Widerstand regt. Mit dem zweiten verpflichtenden Kindergartenjahr kann es den meisten Politikern gar nicht schnell genug gehen, und die eben erst beschlossene Ausbildungspflicht bis 18 soll, geht es nach Kanzler Kern, gar bis 25 verlängert werden.

Andere staatsbürgerliche Pflichten werden infragegestellt (Wehrpflicht) bzw. abgeschafft (Wahlpflicht). Hingegen steigt die Anzahl an Jahren, deren Gestaltung der Staat den Bürgern vorschreibt, auf dem Bildungssektor nachgerade exponentiell: Die sechsjährige Schulpflicht aus den Tagen Maria Theresias wurde 1869 auf acht Jahre und 1962 auf neun Jahre erweitert. Mit Einführung des ersten verpflichtenden Kindergartenjahres 2011 wurden es zehn Jahre „Bildungsverpflichtung“, die mit der an die Schulpflicht anschließenden Ausbildungspflicht heuer sprunghaft auf 13 Jahre angestiegen sind.

Ein gewaltiger Sprung um gleich 50 Prozent, nämlich von 14 auf 21 Jahre (das zweite verpflichtende Kindergartenjahr ist bereits eingerechnet), ist das Vorhaben der SPÖ (Kern: „Unsere Vorstellung wird sein, dass wir die Ausbildungspflicht auf 25 ausdehnen“). Das „Barcelona-Ziel“ der EU, 33 Prozent aller unter Dreijährigen außerhäuslich zu betreuen und somit Menschen ihre ersten 25 Lebensjahre hindurch in Institutionen zu sozialisieren, fügt sich nahtlos in dieses Bild.

Kindergartenpflicht – Schulpflicht – Ausbildungspflicht. Das Hochhalten der „Bildung“ übernimmt den Hoffnungsgedanken, der mit humanistischer Bildung traditionell verknüpft war, kennt jedoch keinen für sich freien Inhalt mehr, der eine ebenso freie, zwanglose Beschäftigung nach sich zog, sondern kreist um Fertigkeiten. Bildung „als solche“ oder als universaler Hoffnungsgedanke wird dadurch nur unbestimmter, was es ebenfalls erleichtert, ohne viel Aufhebens eine Pflicht an die andere zu reihen.

Analog zur Wehrpflicht oder zur Steuerpflicht steht hierbei nicht bloß die Kürzung staatlicher Zuwendungen (AMS-Bezug, Sozialhilfe) für Personen, die zumutbare Ausbildungen verweigern, im Raum, sondern es drohen handfeste Verwaltungsstrafen auch für diejenigen, die staatliche Alimentierung gar nicht beantragen.

Der Glaube an die „Bildung“ scheint grenzenlos: Mangelnde Sprachkenntnisse, ethnische Konflikte, Vorurteile, Extremismen – immer ist „Bildung“ die Antwort, die alle Probleme löst, und niemals mit ein Grund jener Probleme, die sie zu lösen verspricht. „Wir schaffen es“, weil wir sodann ohnehin alle bilden. Wenn kein vom Staat strukturierter Abschluss erworben wird, womöglich ein Leben lang, auf dass lebenslanges Lernen wirklich „lebenslang“ heißt und man der staatlichen Bildungs-Zwangsbeglückungs-Maschinerie auch mit 25 nicht entkommt.

„Bildung“ ist die selbstverschuldete Unmündigkeit, die sich als „Mündigkeit“ kaschiert. Sie ist das Verharren in einer Warteposition auf ein Danach, das am Ende gar nicht stattfindet. (Macht aber nichts, denn Bildung gilt weithin als Selbstzweck.) Dass die Ausdehnung der Bildungspflicht in beide „Richtungen“ mit der Tatsache einhergeht, dass immer jüngere Kinder und immer ältere Erwachsene den Status des „Jugendlichen“ beanspruchen, ist kein Zufall. Ungeniert wird denn auch von einer Ausdehnung der Ausbildungspflicht für Jugendliche (!) bis 25 berichtet. Gewählt wird zwar mit 16, doch als erwachsen gilt man für die politische Klasse auch mit 18 nicht.

Die individuelle Freiheit des Staatsbürgers wird abgeschafft, so, wie schon seit geraumer Zeit die Autonomie des Subjekts als Illusion (etwa als Funktion neuronaler Prozesse) „entlarvt“ wird. Ja, der Staatsbürger selbst wird mit dem Nationalstaat abgeschafft, auf dass das Subjekt jenen Raum verliert, in welchem es seine Substanz hätte und seine Freiheit wirklich wäre. Zugleich wird der Staat mit der Unerfülltheit des Subjekts (des vormaligen freien Bürgers) immer wichtiger und mächtiger, dessen Anspruch der Allgemeinheit zu verbürgen. An die Stelle des autonomen Subjekts tritt ein Wir, das quer zu aller Inklusionsrhetorik Ausschlüsse setzt. (So sei die Kritik der ÖVP am wirtschaftspolitischen Kurs Kerns „Ausdruck einer bestimmten rechten Ideologie“ – womit offenbar alles gesagt sei.)

Die Frage ist nicht mehr, ob ein weiterer Eingriff in die Erziehungshoheit der Eltern gerechtfertigt werden könne, sondern bloß, ob „wir“ uns (jetzt schon) ein zweites verpflichtendes Kindergartenjahr leisten können. Selbst FPÖ-Volksanwalt Fichtenbauer beklagte in seiner Stellungnahme zum Ausbildungspflichtgesetz bloß, dass die Ausnehmung behinderter Jugendlicher eine mittelbare Diskriminierung darstelle. Die Freiheit, mit 16 eine Weltreise zu unternehmen, ein Jahr mit Freunden oder am PC zu verbummeln oder auch (gewollt) in Gelegenheitsjobs zu arbeiten, ist Geschichte.

Erst recht erweckt eine Ausbildungspflicht bis 25 viele Fragen: Darf ein 19-jähriger HTL-Absolvent nicht mehr dank seiner guten Ausbildung zu arbeiten beginnen? Ein 20-Jähriger keine eigene Firma mehr gründen, ohne zugleich weitere Ausbildungen zu absolvieren? Muss selbst ein 24-jähriger Studienabsolvent noch ein Jahr in irgendeiner Ausbildung zubringen? Doch selbst wenn es nur darum geht, bis 25 eine über einen Pflichtschulabschluss hinausgehende Ausbildung abgeschlossen zu haben, bleibt die Frage, warum man die Qualifikation nicht dem Individuum überlässt.

Dem Staat geht es seinerseits genau um das Individuum, das sich seiner bestmöglichen Förderung nicht entziehen möge. Vor 30 Jahren hieß es noch, der Kindergartenbesuch sei wichtig, damit ein Kind sich an eine Gruppe gewöhnt und mit anderen Kindern spielt und teilt. Heute ist der Kindergarten ein „Bildungsgarten“ mit fixen Lehrplänen, der ganz auf die Förderung individueller „Kompetenzen“ ausgerichtet ist. Die einzelnen Kinder gehen einander, streng genommen, gar nichts mehr an.

Das Zerrbild (!) des Subjekts kehrt als „Kompetenzbündel“ wieder, das unter der Ägide des Staates als totaler Institution optimal auf Arbeitswelt und Gesellschaft, auf Diversität und Interkulturalität oder worauf immer vorbereitet werden soll. Wenn schon Hegel Bildung mit Betrug und Selbstbetrug konnotieren konnte, beziehen dies die meisten Interpreten freilich nur auf ein unterstelltes Statusdenken des (deutschen) „Bildungsbürgers“. 

Wilfried Grießer, geboren 1973 in Wien, ist Philosoph und BHS-Lehrer.

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  1. Ausgezeichneter Kommentatorfranz-josef
    9x Ausgezeichneter Kommentar
    21. September 2016 22:32

    Grauenvoll. Man kann nur hoffen, daß diesem abnormen, grotesken politisch verordneten Indoktrinierungstreiben doch bald einmal eine Grenze gesetzt wird.

  2. Ausgezeichneter KommentatorBob
    8x Ausgezeichneter Kommentar
    21. September 2016 21:19

    Es ist eigentlich unglaublich was man alles gelernt hat, was man erfolgreich abgeprüft wurde, und was im Alter übrig geblieben ist. Das meiste hat man im Berufsleben nicht gebraucht, dafür mußte man vieles nachlernen. Jetzt noch mehr Ausbildungsjahre anzuhängen könnte zwar die Arbeitlosenzahlen schönen, aber sonst sehe ich kaum Verbesserungen. Das Wichtigste wäre das man zu sich selbst findet, und durch eigene Erkenntnisse zu einem befriedigenden Dasein findet.

  3. Ausgezeichneter KommentatorRiese35
    7x Ausgezeichneter Kommentar
    22. September 2016 00:55

    Vielleicht plant man mit der schrittweisen Verlängerung der Ausbildungspflicht verhindern zu wollen, daß Kurz Bundeskanzler wird oder weiter als Regierungsmitglied zur Verfügung steht. Wenn die Verlängerung der Ausbildungspflicht weiter so rasant voranschreitet wie jetzt von Kern angedacht, wird demnächst Kurz ein Betroffener sein. ;-)

  4. Ausgezeichneter KommentatorA.K.
    6x Ausgezeichneter Kommentar
    22. September 2016 21:34

    Bravo zu "Nie mehr im Leben frei sein. Der neue Bildungstotalitarismus"!
    **********************************************************

  5. Ausgezeichneter Kommentatormentor
    4x Ausgezeichneter Kommentar
    23. September 2016 22:59

    Gott, was hatten wir eine Kindheit und Jugend! Schule aus, Hausübungen (vielleicht) gemacht, und dann hinaus in die Freiheit unserer Spielwelt! Kam man etwas zu spät heim (nach dem Ave-Maria-Läuten) gab`s (vielleicht) Strafen, auch in Form von Ohrfeigen. Aber, alle sind wir etwas geworden - Handwerker, Kaufleute, Lehrer, Akademiker...

  6. Ausgezeichneter KommentatorHelmut Oswald
    2x Ausgezeichneter Kommentar
    26. September 2016 18:03

    Der Traum aller Stalinisten: Zugriff auf die Gehirne aller, vom Kindergarten bis zum ersten Lebensdrittel. Stur Heil wird die rotgrüne Verblödungsmaschinerie über die Bildungspflichtigen drüberasieren, bis von deren Charakter und Individualität, Begabung und Talentiertheit alles auf Null gestellt ist, vom Bildungspflichtigen zum Steuerpflichtigen und Alimentierungspflichtigen. Tötet diesen Wahnsinn ab, bevor es uns tötet!

  7. Ausgezeichneter Kommentatorfewe
    2x Ausgezeichneter Kommentar
    25. September 2016 11:01

    Private Sklaverei wurde abgeschafft, sie wurde zum Monopol einiger Mächtiger. Der Staat als solcher existiert auch nicht mehr, sondern nur ein diffuses Gebilde, das Gesetze beliebig beschließt, ändert oder auch nicht beachtet.

    So wie in der DDR. Ein Kind ist nicht das Kind seiner Eltern sondern gehört dem Staat. Und dieser erzieht es auch. Von Masturbieren bis Genderverblödung.

    Die Freiheit, wie es sie bis Anfang dieses Jahrhunderts gegeben hatte, werden wir - die jetzt Erwachsenen - nicht wieder erleben. Uns wird nicht ein Zehent genommen, wir können froh sein, wenn man uns einen Zehent lässt.

die besten Kommentare

  1. Ausgezeichneter Kommentatormentor
    4x Ausgezeichneter Kommentar
    23. September 2016 22:59

    Gott, was hatten wir eine Kindheit und Jugend! Schule aus, Hausübungen (vielleicht) gemacht, und dann hinaus in die Freiheit unserer Spielwelt! Kam man etwas zu spät heim (nach dem Ave-Maria-Läuten) gab`s (vielleicht) Strafen, auch in Form von Ohrfeigen. Aber, alle sind wir etwas geworden - Handwerker, Kaufleute, Lehrer, Akademiker...

  2. Ausgezeichneter Kommentatorfewe
    2x Ausgezeichneter Kommentar
    25. September 2016 11:01

    Private Sklaverei wurde abgeschafft, sie wurde zum Monopol einiger Mächtiger. Der Staat als solcher existiert auch nicht mehr, sondern nur ein diffuses Gebilde, das Gesetze beliebig beschließt, ändert oder auch nicht beachtet.

    So wie in der DDR. Ein Kind ist nicht das Kind seiner Eltern sondern gehört dem Staat. Und dieser erzieht es auch. Von Masturbieren bis Genderverblödung.

    Die Freiheit, wie es sie bis Anfang dieses Jahrhunderts gegeben hatte, werden wir - die jetzt Erwachsenen - nicht wieder erleben. Uns wird nicht ein Zehent genommen, wir können froh sein, wenn man uns einen Zehent lässt.

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  1. erwin a.d.H frey (kein Partner)
    27. September 2016 20:34

    zumal das Wort Bildung => Tierdressur bedeutet
    :)

  2. West (kein Partner)
    26. September 2016 19:16

    Die EU verhindert durch ihre expansive Politik, daß sich in Europa Länder formieren, welche Freiheiten, Niedrigsteuern und Sicherheit bieten, wie Singapur. Denn dann würde ein Massenexodus aller Hochqualifizierten der EU dorthin erfolgen. So sind die europäischen Mittelschichten Gefangene der EU. Wenn sich England von seinen zerstörerischen Eliten befreien kann, könnte es das Land der Freiheit in Europa werden. Dann würde die EU im Vergleich zu England als gescheiterte DDR dastehen und müßte eine neue Mauer bauen, damit nicht alle Fähigen flüchten. Das ahnt wohl England und baut sein Einwanderungssystem bereits um. Der Ostblock hat sich nach Westen ausgedehnt, der Kommunismus gewonnen.

    • Hegelianer (kein Partner)
      26. September 2016 20:22

      Aber ist denn Singapur ein Hort der Individualität, ein Hort humanistischer Bildung, überhaupt ein Hort der Freiheit?!

      Daß die EU mit ihren Macht- und Bürokratisierungstechniken massiv schlechten Einfluß auch auf humanistische Bildungstraditionen hat, dem stimme ich zu. Aber Singapur als leuchtendes Beispiel?

  3. Helmut Oswald
    26. September 2016 18:03

    Der Traum aller Stalinisten: Zugriff auf die Gehirne aller, vom Kindergarten bis zum ersten Lebensdrittel. Stur Heil wird die rotgrüne Verblödungsmaschinerie über die Bildungspflichtigen drüberasieren, bis von deren Charakter und Individualität, Begabung und Talentiertheit alles auf Null gestellt ist, vom Bildungspflichtigen zum Steuerpflichtigen und Alimentierungspflichtigen. Tötet diesen Wahnsinn ab, bevor es uns tötet!

    • Hegelianer (kein Partner)
      26. September 2016 20:28

      So wie es aussieht, wird Kern wohl die nächsten Wahlen gewinnen. Sonst würde er die SPÖ nicht so massiv auf Wahlkampfkurs führen. Die SPÖ wird zwar verlieren, aber glimpflich, gegen die Verluste der ÖVP - die dann völlig geschwächt in eine rot-grüne Dreierkoalition geht. Und es würde mich wundern, wenn Van der Bellen nicht Bundespräsident wird - mit einem diesmal sogar deutlicheren Vorsprung.

      Sollte Kurz noch vor der Wahl die ÖVP übernehmen, kostet dies vor allem die FPÖ Stimmenzuwächse. Ich sehe eher schwarz, daß sich da in nächster Zeit viel ändert. Es sei denn, die ÖVP ist zu einer blau-schwarzen Koalition bereit. Was ich aber massiv bezweifle.

  4. Arthur Müller (@1Arthur53) (kein Partner)
    25. September 2016 16:55

    Es gab einmal eine Zeit, da lernte man für sich und heute lernt man für die Schule, deren Lernstoff oft aus realitätsferner Illusion besteht und die Zeit verschwendet. Da ich als Handwerksmeister in einem Prüfungsauschuß ehrenamtlich tätig bin und in die Vorgaben die von Kultusministerium als Lehrstoff vorgegeben werden einsehe, bleibt ein Kopfschüttel oft nicht aus.

  5. fewe (kein Partner)
    25. September 2016 11:01

    Private Sklaverei wurde abgeschafft, sie wurde zum Monopol einiger Mächtiger. Der Staat als solcher existiert auch nicht mehr, sondern nur ein diffuses Gebilde, das Gesetze beliebig beschließt, ändert oder auch nicht beachtet.

    So wie in der DDR. Ein Kind ist nicht das Kind seiner Eltern sondern gehört dem Staat. Und dieser erzieht es auch. Von Masturbieren bis Genderverblödung.

    Die Freiheit, wie es sie bis Anfang dieses Jahrhunderts gegeben hatte, werden wir - die jetzt Erwachsenen - nicht wieder erleben. Uns wird nicht ein Zehent genommen, wir können froh sein, wenn man uns einen Zehent lässt.

  6. werauchimmer
    24. September 2016 23:23

    Bildungstotalitarismus ist eine sehr vielsagende Bezeichnung, ich würde aber den Begriff Bildungsmonopolismus als noch zutreffender erachten.

    Der Mensch reichert sich Zeit seines Lebens bedarfsgerecht mit Bildung an, darüber hinaus kann er im freien Bildungsstreben sich nahezu beliebige Inhalte aneignen, wohingegen den Konzepten von einer verpflichtenden Bildungsdauer die Vorstellung innewohnt, dass die Staatsangestellten in Schulen, Bildungseinrichtungen und Universitäten ein Monopol auf die Definition von Bildungsinhalten haben.

    Das führt dann oftmals zu sehr einseitig und unausgewogenen Bewusstseinsformen, nicht selten sogar zu sehr weltfremden, zumal die Bildungsdiplome nicht ausweisen, inwiefern man sich abseits der AUSbildungsinhalte wirklich um ein tieferes, vernetztes Verständnis, etwa durch interdisziplinären Dialog, bemüht hat. Dann kann es zu Begegnungen des Bürgers mit Ausgebildeten kommen, die man früher noch als Fachtrotteln zu bezeichnen wagte.

    • Hegelianer (kein Partner)
      25. September 2016 09:05

      Ein "Bildungsmonopolismus" muß jedoch nicht mit Bildungs- und Ausbildungszwang einhergehen. Es gab oder gibt immer noch z.B. ein Branntweinmonopol, aber niemand muß Branntwein trinken. Mir scheint der vom Autor des Kommentars gewählte Titel "Bildungstotalitarismus" daher adäquater. Ohnedies sind es (zumindest der Form nach) viele - auch private - Anbieter, bei denen die neuen Bildungspflichten erfüllt werden können.

  7. Romana (kein Partner)
    24. September 2016 15:41

    Bravo Herr Griesser! Ich hoffe, dass diese Ausbildungspflicht nie durchgesetzt wird. Sie widerspricht der Freiheit des Individuums, ist totalitär und ungerecht. Erlebtes Beispiel: ein 16-Jähriger hat trotz intensiver Suche und zahlreichen Bewerbungen keinen Lehrplatz gefunden. Er bringt zu wenig Lerneifer für eine weiterführende Schule mit, sondern möchte praktisch arbeiten. Wird er später auch noch bestraft, wenn er mangels Gelegenheit zur Ausbildung in einer Lehre Hilfs- und Gelegenheitsjobs annimmt?
    Derselbe Wahnsinn - abgesehen von den Kosten - sind die möglichst flächendeckende Kinderkrippenversorgung und das zweite verpflichtende Kindergartenjahr. Statt Förderung der Mütter!

    • Hegelianer (kein Partner)
      24. September 2016 18:36

      Die Ausbildungspflicht bis 18 ist beschlossen, und ab Jahreswechsel (?) wird sie auch durchgesetzt!! Eine Verlängerung bis 25 ist Kerns Träumerei, doch diese Träumerei macht Angst, wenn man sich vergegenwärtigt, mit wie wenig kritischem und vor allem GRUNDSÄTZLICHEM Diskurs das zweite verpflichtende Kindergartenjahr durchgesetzt wird.

    • Hegelianer (kein Partner)
      24. September 2016 18:42

      Ähnliche Überlegungen zu irgendwelchen Bildungspflichten in der BRD werden übrigens sehr rasch mit der Frage quittiert: "Ja sind wir denn wieder in der DDR?!"

      In Österreich gibt es hingegen nur den Nationalsozialismus als (nachgerade fetischisierte) "Folie" eines totalitären Systems. Hierzulande sind es nur noch wenige, die einen - auch im Fall des NS - klar sozialistischen (!) Totalitarismus noch am eigenen Leib erlebt haben. Die Immunisierungsrate ist geringer als in der BRD.

  8. Herbert (kein Partner)
    24. September 2016 15:16

    "Unter dem wohlklingenden Titel der Bildung und Ausbildung greift der Staat in rasantem Tempo immer intensiver in die individuelle Lebensgestaltung ein"

    An und für sich ist der Satz richtig, dennoch stört mich was daran: Eigentlich greift nicht der Staat ein sondern die politischen Parteien, allen voran Rote und Grüne!

    Das sollte zum Ausdruck gebracht werden! Nicht den Sack schlagen und den Esel meinen sondern gleich den Esel verdreschen! Bitte!

    • Hegelianer (kein Partner)
      24. September 2016 18:30

      Ich stimme Ihnen nicht zu. Rot und Grün sowie teils auch die ÖVP zu nennen (z.B. Karmasin) verharmlost die Tatsache, daß es der STAAT ist, der als Gesetzgeber und Exekutive Menschen zusehends bestimmte, vorgefertigte Lebenswege aufnötigt. Wenn es ein Gesetz gibt, das zu eine Ausbildung bis 18 oder 25 nötigt, dann nötigen nicht mehr die SPÖ oder die Grünen, sondern schlicht der Staat!

      Das wiederum heißt natürlich nicht, den Staat abschaffen zu wollen - auch das besorgt übrigens schon der Staat selbst (Stichwort offene Grenzen 2015) - sondern ihn auf seine Kernaufgaben zu restringieren.

  9. mentor (kein Partner)
    23. September 2016 22:59

    Gott, was hatten wir eine Kindheit und Jugend! Schule aus, Hausübungen (vielleicht) gemacht, und dann hinaus in die Freiheit unserer Spielwelt! Kam man etwas zu spät heim (nach dem Ave-Maria-Läuten) gab`s (vielleicht) Strafen, auch in Form von Ohrfeigen. Aber, alle sind wir etwas geworden - Handwerker, Kaufleute, Lehrer, Akademiker...

    • mentor (kein Partner)
      23. September 2016 23:32

      -Beamte - nicht zu vergessen.

    • fewe (kein Partner)
      25. September 2016 11:34

      Ja, diese Zeit ist vorbei und ich befürchte, sie wird auch in den nächsten Jahrzehnten nicht mehr wieder kommen. Wenn überhaupt noch. In den fünf Jahrzehnten nach dem 2. Weltkrieg war vermutlich die beste Zeitspanne der zivilisierten Menschheit überhaupt mit Wohlstand für alle und vielen persönlichen Freiheiten nach dem Schock der Nazizeit. Es ist ein großes Glück, einen großen Teil davon erlebt zu haben.

      Wenn es mit der Ausbreitung des Kommunismus und der Umvolkung so weiter geht, wird Europa in zwanzig Jahren nicht mehr wiederzuerkennen sein. Leider bin ich nicht mehr jung genug um auszuwandern. Evtl. könnte Russland interessant sein, denke ich.

  10. A.K.
    22. September 2016 21:34

    Bravo zu "Nie mehr im Leben frei sein. Der neue Bildungstotalitarismus"!
    **********************************************************

  11. Riese35
    22. September 2016 00:55

    Vielleicht plant man mit der schrittweisen Verlängerung der Ausbildungspflicht verhindern zu wollen, daß Kurz Bundeskanzler wird oder weiter als Regierungsmitglied zur Verfügung steht. Wenn die Verlängerung der Ausbildungspflicht weiter so rasant voranschreitet wie jetzt von Kern angedacht, wird demnächst Kurz ein Betroffener sein. ;-)

  12. franz-josef
    21. September 2016 22:32

    Grauenvoll. Man kann nur hoffen, daß diesem abnormen, grotesken politisch verordneten Indoktrinierungstreiben doch bald einmal eine Grenze gesetzt wird.

  13. Bob
    21. September 2016 21:19

    Es ist eigentlich unglaublich was man alles gelernt hat, was man erfolgreich abgeprüft wurde, und was im Alter übrig geblieben ist. Das meiste hat man im Berufsleben nicht gebraucht, dafür mußte man vieles nachlernen. Jetzt noch mehr Ausbildungsjahre anzuhängen könnte zwar die Arbeitlosenzahlen schönen, aber sonst sehe ich kaum Verbesserungen. Das Wichtigste wäre das man zu sich selbst findet, und durch eigene Erkenntnisse zu einem befriedigenden Dasein findet.





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